geplante Handlungen unbedingt ausführen müssen, Handlungen müssen "abgeschlossen" sein

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    • geplante Handlungen unbedingt ausführen müssen, Handlungen müssen "abgeschlossen" sein

      Hallo an alle,

      (ich weiß, ich mach gerade mal wieder viele Themen auf, ich hoffe, es nervt nicht. Wenn doch, darf das gern angesprochen werden.
      Da ich keine AS-Diagnose erhalten habe, versuche ich, für mich die einzelnen Puzzleteile für das Gesamtbild zusammen zu sammeln. Das ist ein bisschen ein Zwang seit einiger Zeit. Ich weiß auch, dass ich da langsam mal mit aufhören sollte, weil ich mich zu stark darauf fokussiere, aber da ich momentan in einer etwas schwierigen Lebenssituation bin, welche mich täglich mit meinen Problemen konfrontiert, hilft mir diese Beschäftigung auch.)


      Zum Thema: ich kopiere mal Beiträge von mir hier herein und schreib noch weitere Beispiele auf - was diesen Beispielen gemeinsam ist, es geht darum, dass ich oft eine Handlung abschließen muss, auch, wenn das nicht nötig ist (siehe Beispiele) und ich hätte gern eure Einschätzung, ob das etwas mit Autismus zu tun haben könnte oder eher in Richtung Zwänge geht - bei letzterem, ob solche Zwänge auch bei AS häufiger vorkommen.

      Beispiel 1
      Ich muss oft das, was ich sagen wollte, noch aussprechen, wenn es sich schon "erübrigt" hat. Das muss einfach raus, sonst ist's nicht abgeschlossen.

      Auch, wenn ich etwas sagen will und jemand fängt an, über etwas ganz anderes zu sprechen, dann kann ich da gar nicht richtig zuhören - ich lass den anderen dann reden und gehe ganz kurz auf das ein, was gesagt wurde, dann sage ich aber: Ich wollte gerade sagen ... auch, wenn das überhaupt nicht zu dem passt, was der andere gesagt hat. Ich hatte mir vorgenommen, das zu sagen, und dann muss es gesagt werden. Erst danach kann ich mich, falls noch nötig, dem anderen Thema widmen.

      Oder ein anderes Beispiel: mein Freund sagt oft einen bestimmten Spruch, der aus zwei Sätzen besteht. Der erste Satz kann auch allein ausgesprochen werden und ergibt auch allein Sinn. Der zweite Satz dieses Spruches fügt dem ersten aber inhaltlich noch etwas hinzu. Er hat anfangs immer beide Sätze gesagt, später aber manchmal nur den ersten. Dann warte ich auf den zweiten Satz, weil ohne diesen ist es für mich nicht "fertig". Sagt er den zweiten Satz nicht, dann muss ich ihn aussprechen. Ich kann nicht anders. Ich kann nicht den halbfertigen Spruch so stehen lassen.

      Beispiel 2
      Wenn man etwas, das ich gerade tun wollte, für mich getan hat (war ja nett gemeint...), dann hab ich mitunter die Handlung rückgängig gemacht und selbst noch einmal ausgeführt. Z.B. will ich eine Tasse in den Schrank stellen und bewege schon die Hand auf die Tasse zu. Dann kommt die andere Person mir zuvor und stellt die Tasse weg. Da hab ich die Tasse wieder dahin gestellt, wo sie eben noch war und hab sie dann mit Nachdruck selbst an den Platz gestellt.

      Beispiel 3
      Ein weiteres Phänomen ist, dass wenn ich mir etwas vorgenommen habe und das nicht ausgeführt habe, dann kriege ich das nicht mehr aus meinem Kopf. Letztens war es etwas ganz Banales. Ich hatte am Vormittag zu mir gesagt: ich mach mir jetzt noch einen Kaffee. Dann habe ich das aber doch erstmal nicht getan, und am Abend (!) hatte ich im Kopf: ich wollte mir doch einen Kaffee machen. Ich hatte dann überhaupt keine Lust auf Kaffee, aber dieses Unabgeschlossene hat mir irgendwie keine Ruhe gelassen. Ich hab das in dem Moment aber zum Glück erkannt - dass der Kaffee nur immer wieder auftauchte, weil ich den Entschluss zum Kaffee trinken getroffen und es dann aber doch nicht ausgeführt hatte. Also hab ich bewusst entschieden: ich möchte heute keinen Kaffee mehr trinken.

      Beispiel 4
      Ich will meinem Freund einen Kuss geben, aber der geht irgendwie halb daneben, weil wir die Köpfe nicht passend zueinander gedreht haben - also der Kuss rutscht so halb ab, die Lippen berühren sich zwar, aber es ist kein gezielt plazierter Kuss (auch der richtige Druck fehlt) - ich muss das dann wiederholen, damit der Kuss genau so erfolgt, wie ich ihn haben wollte. Das klingt vielleicht banal, aber ich meine, es ist wirklich zwanghaft, dass ich es dann nochmal "richtig" machen muss. Ich hätte sonst ein unangenehmes Gefühl, dass die Handlung nicht stattgefunden hat bzw. nicht vollständig ausgeführt wurde.

      Beispiel 5
      Das Thema "richtiger Druck" kommt auch immer wieder vor bei mir. Wenn eine Handlung zu lasch ausgeführt wird, dann macht mich das ganz kribbelig. Wenn ich eine leere Plastikflasche auf den Tisch stelle und die fängt dann an, so rumzueiern - das macht mich wahnsinnig. Ich nehme die Flasche dann nochmal in die Hand und setze sie mit Nachdruck auf dem Tisch ab, sodass es ein festes Geräusch gibt und sie nicht herumeiert. Oder damals, wenn mein Mann manchmal eine Tasse so extra leise auf dem Tisch abgestellt hat, dann hat mich das auch ganz nervös gemacht und ich hab dann meine Tasse hochgehoben und sie mit lautem Geräusch abgestellt. Ich stelle selbst oft Dinge extra leise ab, wenn ich niemanden stören will, also scheint es ein Unterschied zu sein, ob ich oder jemand anderes das macht. Ich glaube, wenn ich selbst die Tasse leise abstelle, habe ich durch die Berührung ein Gefühl dafür, dass sie jetzt auf dem Tisch angekommen ist - macht es ein anderer, höre ich nur dieses leise Geräusch und sehe die Handlung, aber mir mir fehlt der Druck dazu.

      Beispiel 6
      Wenn ich gesagt oder hier im Forum geschrieben habe, dass ich etwas Bestimmtes tun werde, dann muss ich das auch tun. Wenn ich zum Beispiel im Forum lese, dass jemand gerade Kaffee trinkt und ich habe dann den Impuls, mir auch nochmal einen Kaffee zu machen und ich schreibe dann: ich werd mir auch einen Kaffee machen - dann muss ich kurz darauf den Kaffee wirklich machen, weil ich sonst das Gefühl habe, etwas gesagt zu haben, was nicht stimmt und auch, weil ich ja die Entscheidung dann schon getroffen habe. Mich dann umzuentscheiden: eigentlich will ich doch keinen Kaffee - das löst bei mir einen Zwiespalt aus. Ich will die Handlung so schnell wie möglich vollziehen, damit das Gesagte mit der Realität übereinstimmt.

      Bestimmt fallen mir noch mehr Beispiele ein, wenn ich überlege, aber das soll erstmal reichen. Also die Frage steht oben und wer eigene Beispiele hat, darf die gern hier nennen.

      The post was edited 3 times, last by Lefty ().

    • Also zwischen Autismus und Zwang befindet sich denke ich ein ineinanderübergehender Übergang. Ist es denn so, dass du das machst um dich sicher zu fühlen oder es dir keinen Spass bringt und du dann eher genervt bist und es nicht zur Sicherheit und Stabilisierung machst?
    • Ms.Shield wrote:

      Ist es denn so, dass du das machst um dich sicher zu fühlen oder es dir keinen Spass bringt und du dann eher genervt bist und es nicht zur Sicherheit und Stabilisierung machst?
      auch @DrCarsonBeckett

      Hmmm, ich weiß nicht, ich glaube nicht, dass ich es zur Sicherheit oder Stabilisierung mache, da seh ich jetzt keinen Zusammenhang. Es ist nur so, dass wenn ich es NICHT mache (also z.B. die Tasse selbst wegstellen), so ein unbefriedigendes Gefühl habe - ich habe zu etwas angesetzt und dann kann ich es nicht ausführen.

      Das ist, als ob man ein Bein hebt um einen Schritt nach vorn zu tun und dann bleibt das Bein mitten in der Luft hängen. Und dann soll man, statt den Schritt zu beenden, das Bein wieder senken. Das ist total unbefriedigend.

      Ich hoffe, ihr könnt damit etwas anfangen.
    • @Lefty Ich würde auch eher sagen, dass es in Richtung der Zwänge geht. Ich habe auch eine Zwangsstörung und könnte auch viele Beispiele nennen. Einige genannten Beispiele kenne ich auch. Aber das mit dem Satz beenden deines Freundes kann auch in Richtung des Autismus gehen, weil dort ja eine Veränderung vorlag und das nun ja anders ist. Ist es vielleicht auch so, dass du den Satz beendest , damit es so wie immer ist ? Autisten mögen ja meist keine Veränderungen.
      Auf jeden Fall hab ich auch von einer Psychologin ein paar Tipps bekommen um die Zwänge nicht mehr auszuüben oder eben zu verringern.
      Aber ich habe auch gelesen, dass Autisten öfter als Komorbidität auch unter einer Zwangsstörung leiden.(5-55%)
    • Ja bei Beispiel 1 fühle ich mich auch oft so. Selbst wenn etwas Stunden her ist habe ich das Bedürfnis meine unausgesprochenen Gedanken noch loszuwerden auch wenn es davor einen Konflikt gab und dadurch fühlt sich der andere leider manchmal provoziert oder dass ich „auf der Sache herumtrampeln würde“ (RW soweit ich weiß)

      Ich habe auch so einige Zwänge und gewisse „Rituale“ die ich immer durchführen muss ansonsten habe ich Angst dass etwas Schlimmes passiert auch wenn das sehr surreal ist.
    • Ms.Shield wrote:

      Aber das mit dem Satz beenden deines Freundes kann auch in Richtung des Autismus gehen, weil dort ja eine Veränderung vorlag und das nun ja anders ist. Ist es vielleicht auch so, dass du den Satz beendest , damit es so wie immer ist ? Autisten mögen ja meist keine Veränderungen.
      Bei diesem Beispiel spielt das tatsächlich eine Rolle. Ich mag Veränderungen überhaupt nicht und solche "Wort-Rituale" (wir haben auch solche, wo der eine etwas sagt und dann der andere immer dasselbe erwidert) sind mir wichtig.
    • Hm ja, also alles, was da bei Sheldon passiert, kann ich sehr gut nachvollziehen, das würde mich auch wahnsinnig machen. So weit, dass ich es dann später beenden würde, würde ich nicht gehen, das habe ich "unter Kontrolle", aber ich werde innerlich wirklich ärgerlich, wenn man mich in etwas unterbricht. (*) Derzeit passiert das extrem selten, da mein Partner mich ja kennt und so einen Mist nicht macht :d
      Was ich nicht kann, ist, einen Konflikt nicht zu beenden. Ich muss wirklich das Gefühl haben, dass alles gesagt wurde, was dazu zusagen ist. Das nervt meinen Partner ziemlich, glaube ich. Aber ich drehe total am Rad, wenn ich mal nicht sagen kann, was ich zu sagen habe, oder wenn ich keine Antworten bekomme. Das ist wirklich zwanghaft.
      (*) Der Ärger hält auch lange an - möglicherweise könnte ich mich entlasten, wenn ich einfach versuchen würde, das Unterbrochene zu Ende zu bringen. Ich muss das mal versuchen. Alleedings ist meine Frustration sann oft auch so hoch, dass ich mich nicht gut motivieren kann, nochmal ranzugehen.
      Ansonsten ist es bei mir auch seit früher Erwachsenenzeit so, dass ich vieles gar nicht erst anfangen kann, weil ich absehe, dass ich es unterbrechen muss, und nicht in Ruhe in der von mir benötigten Zeit (was ich vorher sehr schlecht einschätzen kann - ich versinke halt darin) zu Ende bringen kann. Dieses Nicht-anfangen-können größerer Projekte empfinde ich als sehr behindernd. Und wenn ich dann etwas angefangen habe, bin ich absolut manisch, es zu Ende zu bringen, da ist in meinem Kopf für absolut nichts anderes mehr Platz. Als Kind / Jugendliche habe ich noch viel weniger "vorausgeschaut", habe das vorzeitige Ende also gar nicht erwartet, und war natürlich super frustriert...
      Es darf genau so sein.
    • Ms Shield wrote:

      Auf jeden Fall hab ich auch von einer Psychologin ein paar Tipps bekommen um die Zwänge nicht mehr auszuüben oder eben zu verringern.
      @Ms.Shield
      Da ich mit zwanghaften Gedanken auch starke Probleme habe, wäre ich an den Tipps sehr interessiert. :nod: Bei mir klappt in manchen Fällen "auf den Körper konzentrieren", also gezielt etwas machen, wie z. B. Radfahren. Leider bekomme ich aber den Schritt dorthin ganz oft nicht hin und bleibe in den Gedanken stecken.
    • @hä? An das Video musste ich heute auch denken und wollte es mir nochmal raussuchen - @Digital_Michael war es glaube ich, der es schon mal gepostet hat, als ich schrieb, ich hätte mein Puzzle fertig gepuzzelt und ein Teil würde fehlen (welches zum Glück noch auftauchte :lol: )
      Jedenfalls ist das Video super, aber teilweise fast schon qualvoll anzusehen :lol:
    • @FruchtigBunt Ein Tipp/Vorschlag davon war zum Beispiel , dass wenn man merkt , dass man wieder in den Zwang verfällt, versuchen solle ihn zu verdrängen, wie du halt auch meinst, also sich abzulenken. Mir hilft es dann nur, wenn ich mich mit meiner Lieblingsbeschäftigung ( Filme/Serie schauen) ablenke. Das fand ich aber erst irgendwie Schwachsinn, denn wenn das so leicht gehen würde, dann könnte man sich auch einfach selber heilen. Oder man verringert den Zwang , lässt zum Beispiel einen Teil weg. Wenn man dies wirklich geschafft hat, solle man sich zur Belohnung irgendetwas in ein Glas schmeißen. Immer wenn man also gegen seinen Zwang gewonnen hatte oder ihn nur teils ausübte , solle man sich als Belohnung etwas in das Glas schmeißen. Wenn dieses voll war, durfte man sich dann irgendetwas kaufen oder sich irgendetwas anderes gönnen, sagte sie. Denn den Drang, denn man dann entwickelt, dass das Glas so schnell wie möglich voll werden soll, soll sehr helfen. Das löst dann eben das Gefühl des Erfolges aus. Oder ein weiterer Tipp, den sie mir gab, war , dass man gute Verwandte ,Freunde oder sonstiges , wenn man diese hatte, um Unterstützung beten sollte. Das sie das Verhalten eben ein bisschen kontrollieren, oder einen daran erinnern. Denn Unterstützung, die man bekommt, sorgt ja auch gleichzeitig dazu, dass man sich nicht alleine fühlt, weiß , dass Leute hinter einem stehen und man eventuell bestärkt in seinem Tun da Ziel zu erreichen ist, welches man sich eben stellt. Das große ABER ist nur, dass man all diese Dinge nur anwenden kann, wenn man es auch wirklich will. Wenn man etwas ändern möchte. Denn all das Vorgehen gegen seine Zwänge anzukämpfen, beginnt im Kopf. Ich weiß nicht, aus welchen Gründen deine Zwänge existieren, das ist ja individuell, aber man sollte sich versuchen immer vor Augen zu führen, dass das, wovor man Angst hat und die Ursache für die Zwänge ist, nicht eintreten werden , nur weil man diese Sache nicht tut. Das ist zwar leichter als getan, denn ich bin ja selber betroffen und bin da noch bisschen in Übung und mache bald auch eine Verhaltentherapie,in der es wohl auch darum gehen soll. Und wenn man dann ganz ´´hart´´ ist, dann hilft es auch wirklich, einfach , obwohl man den Zwang hat, das nun zu tun, einfach nicht zu tun und gegen das unangenehme Gefühl zu kämpfen und sich vielleicht versuchen abzulenken. Dann sieht man, dass es doch nicht so schlimm ist , zumindest nach einiger Zeit. Aber das ist ja bei jedem anders. Ich persönlich habe aber auch trotz ihrer Tipps noch Probleme, aber am besten hilft es mir wirklich einfach zu denken, es passiert nichts schlimmes wenn ich das oder das jetzt einfach mal nicht tue. Das mit den Weglassen von einem Part ist auch ganz gut. Aber man muss es halt echt wollen und das Problem ist ja meistens, dass sobald man einen Zwang nachging sich besser fühlt und dann denkt man Ja, warum sollte ich ihnen dann nicht mehr nachgehen, obwohls oft Zeitaufwendig ist. Ist bei mir auch so.

      The post was edited 1 time, last by Ms.Shield ().

    • @Ms.Shield
      Vielen Dank für den langen Text. Etwas Schönes machen ist bei mir dann sehr schwierig, aber ich finde die Idee mit dem Glas gut und vor allem dass man sich erst etwas kaufen darf, wenn es voll ist, weil mich das sonst zu sehr stressen würde.
      Was nimmst du dafür? Ich habe überlegt, Linsen zu nehmen, die hätte ich da, aber die sind doch etwas sehr klein.

      Ich habe eher so gedankliche Zwänge oder kann nicht mehr aufhören zu recherchieren und kann dann nicht mehr aus meinem Kopf aussteigen.

      Ich bin mir nicht sicher ob es stimmt, dass das Schlimme nicht passiert, wenn man den Zwängen nicht nachgibt. Ich habe oft Angst, wenn ich keine Struktur mehr finde und keinen Halt und klammere mich dann deswegen so an meine Gedanken. Die Angst ist dann, dass ich den Boden unter den Füßen verliere oder mich auflöse. Im Kopf kann das eintreten, wenn ich den Zwängen nicht nachgebe.

      Deswegen frage ich mich gerade, ob ich vielleicht erst eine Ersatzstabilität schaffen muss, bevor ich die Zwänge aufgebe, aber wie?

      Ich müsste dann erleben, dass ich es aushalten kann, wenn ich das Gefühl habe, mich aufzulösen. Ich kann dieses Gefühl aber nicht aushalten, weil ich dabei Vernichtungsängste habe. Ich müsste spüren, dass ich dennoch nicht vernichtet werde und es überlebe. Hm. :|

      Irgendwie merke ich bei mir immer öfter, dass man bei mir mit der klassischen Verhaltenstherapie nicht so weit kommt. Die Übung mit dem Glas finde ich dennoch gut, weil die mich stark motiviert.
    • @FruchtigBunt
      Die Psychologin hatte gesagt, das mit der Ersatzstabilität ist genau falsch , da man damit unbewusst neue Zwänge entwickelt.
      Bei mir ist das alles genau das Gleiche wie bei dir.
      Ich habe auch Rituale/Zwänge um eben Struktur Routine im Alltag zu haben. So fühle ich mich sicherer. Aber trotzdem ist es bei mir so, da ich so Verlustängste und keine Veränderungen mag, Zwänge entwickelte, weil ich dann denke , dass nichts Schlimmes passiert. Total bescheuert eigentlich.

      Ja, Linsen ist eine gute Möglichkeit. Ich persönlich habe diese Strategie mit Glas noch nicht ausprobiert , aber wollte das auf jeden Fall bald mal ausprobieren.
      Das mit den Gedanken kommt mir auch so bekannt vor. Es sind dann immer die Gleichen, die ich auch nicht mehr aus dem Kopf kriege und muss dann immer darüber nachdenken.
    • @Ms.Shield


      Ms.Shield wrote:

      Die Psychologin hatte gesagt, das mit der Ersatzstabilität ist genau falsch , da man damit unbewusst neue Zwänge entwickelt.
      8o
      Ich habe mir zum Thema "zwanghafte Persönlichkeitsstörung" (bei mir sind es ja keine "Zwangsstörungen") noch so gut wie kein Fachwissen angeeignet, deshalb kann ich da noch nicht sicher mitdiskutieren, allerdings erscheint mir die Aussage der Psychologin etwas fragwürdig. Zumindest in meinem Fall ist es wohl so, dass meine Zwänge die Trigger meiner Traumata zu kompensieren versuchen bzw. mein nur ansatzweise vorhandenes Gefühl von sicherer Bindung.

      Ich halte es für essentiell diese fehlende Stabilität in meinem Fall nachzuholen und bin nicht der Meinung, dass man dadurch neue Zwänge entwickelt. Es soll ja eine gesunde Ersatzstabilität werden und keine zwanghafte Stabilität. Darin sehe ich den Unterschied. Ansonsten hätten ja alle Menschen, die Stabilität in ihrem Leben haben, Zwänge :roll: Falls die Ansicht der Psychotherapeutin aber nur auf Menschen gedacht ist, die eine Zwangsstörung haben, finde ich es trotzdem seltsam, warum alle anderen Menschen Stabilität haben dürfen (innere Stabilität ist ja im Leben überlebenswichtig) und Menschen mit Zwängen das nicht zugestanden wird.

      Ich habe da aber vermutlich einen ganzheitlicheren Ansatz und mache mir Gedanken darüber, woher die Zwänge kommen. Die meisten Verhaltenstherapeuten sehen Zwänge meiner Meinung nach nur als etwas was im Rahmen einer Verhaltenstherapie einfach "weggelernt" werden muss. Meiner Meinung nach kann man nichts wegnehmen, wenn man nicht will, dass das ganze System (sprich: Mensch) zusammenbricht. EIn Zwang erfüllt immer einen Sinn und Zweck. Dieser Sinn und Zweck muss meiner Meinung nach anderweitig erfüllt werden, um vom Zwang loslassen zu können. Sonst funktioniert das nicht. :|


      Ms.Shield wrote:

      Ich habe auch Rituale/Zwänge um eben Struktur Routine im Alltag zu haben. So fühle ich mich sicherer. Aber trotzdem ist es bei mir so, da ich so Verlustängste und keine Veränderungen mag, Zwänge entwickelte, weil ich dann denke , dass nichts Schlimmes passiert.
      Dann erfüllen die Zwänge ja bei dir auch den Zweck
      • Stabilität/Struktur/Sicherheit geben (= Angst vor Strukturlosigkeit; Instabilität; Unsicherheit)
      • von Verlustängsten ablenken
      • von der Angst vor Veränderungen ablenken
      • vom Gefühl ablenken, das etwas Schlimmes passieren könnte, wenn man die Handlungen nicht ausführt.
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass am Grundproblem (es ist ja offenbar auf diverse Ängste zurückzuführen) sich etwas ändert, wenn man nun in der "äußersten Schicht" sozusagen sich verbietet, die Zwänge auszuüben. Denn sie erfüllen ja diese vier (falls meine Ideen stimmen) und ggf. noch viele weitere Zwecke.

      Meiner Meinung nach bräuchte man wirklich eine Ersatzstabilität, die auf genau diese Ängste eingeht.
      D. h.

      • Was kann man anstelle der Zwänge tun, um sich sicherer zu fühlen?
      • Was kann man anstelle der Zwänge tun gegen die Verlustängste?
      • Was kann man anstelle der Zwänge tun gegen die Angst vor Veränderungen?
      Vielleicht würde auch der Ansatz der Konfrontation helfen, also das man sich z. B. minimalen Veränderungen aussetzt und dann merkt, dass dabei gar nichts schlimmes passiert. Also beispielsweise einen anderen Weg gehen/fahren oder etwas etwas abgewandelt tun, als man das normalerweise tun würde. Ich denke, das mir so etwas helfen könnte, weil ich auch starke Perfektionsgedanken habe und dann z. B. zwanghaft Dinge 100% so ausgeführt haben möchte, wie ich mir das vorstelle. Da würde mir die Konfrontation vermutlich helfen, dass ich auch überlebe, wenn etwas nur zu 90% so läuft, wie von mir geplant.
      Durch diese Übungen erlangt man dann vielleicht Sicherheit und eine Ersatzstabilität.

      In meinen Therapien habe ich bisher an den Zwängen noch gar nicht gearbeitet. Irgendwie kam wegen diverser anderer Probleme darauf nie die Sprache. :roll:
      Eventuell werde ich mir doch mal ein Buch zum Thema holen. Nun fällt mir aber ein, dass ich in der Richtung doch ein Buch gelesen habe, das aber eher auf Zwangsstörungen zugeschnitten war. Es enthielt auch viele Übungen. Aber irgendwie ist mir neben diesen ganzen einzelnen Übungen der Hauptbehandlungsansatz entfallen, so dass ich jetzt überhaupt nicht mehr weiß, wie man Zwängen eigentlich begegnen soll.
    • @FruchtigBunt Ja, das muss ich dir allerdings wirklich recht geben. Es bringt ja eigentlich nichts , wenn man sich nicht auch mit den Gründen der Zwänge beschäftigt und diese versucht zu verbessern. Leider habe ich so auch noch keine Erfahrung, mache aber bald eine Verhaltenstherapie/Einzeltherapie die wohl hauptsächlich darum gehen soll. Da bin ich auch irgendwie schon wirklich gespannt.
      Es ist ja oft so, dass diese Zwänge individuell behandelt werden müssen, da kann man ja nie für die Allgemeinheit sprechen und ich denke, das hatte die Psychologin gemacht. Da muss man sich wirklich mit sich selbst auseinander setzen und wie du schon meinst doch zwanglose Ersatzstabilitäten schaffen. Das mit dem Weg war ein gutes Beispiel und eine gute Möglichkeit. Bei mir ist es so, dass ich jeden Tag den gleichen Weg zur Schule nehme , wirklich 100% den Gleichen. Und dann, plötzlich vor einigen Wochen war ein Stück dieses Weges gesperrt. Ich musste also eine Alternative schaffen, was mir echt schwer fiel. Aber, es ist ja nichts Schlimmes passiert, als ich den anderen Weg genommen habe und auch immer noch nehmen muss. Ich glaube nur, dass das Problem einfach diese Überwindung ist, die man benötigt um sich mal von seinen Gewohnheiten/Zwängen zu lösen.