Kennt ihr die Sommerferien-Panik?

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    • Kennt ihr die Sommerferien-Panik?

      Hallo Leute,

      ich bin absolut ferienreif und jeder restliche Tag den es noch bis zu den Semesterferien dauert, ist ein Tag zu viel. Gleichzeitig wächst mit jedem Tag die Angst. Denn bis auf die Sommerferien letztes Jahr (und da war ich 10 Wochen in der Psychiatrie), waren alle Sommerferien meines Lebens schrecklich. Ich hab früher noch nicht verstanden, warum. Und dass ich am letzten Tag des Schuljahres geheult habe (obwohl ich die Schule gehasst habe) war nicht nur für mein Umfeld äußerst irritierend.

      Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass es an der fehlenden Struktur liegt. Natürlich hätte ich genug Sachen zu tun und ich habe auch schon oft versucht, mir den Alltag selbst zu strukturieren in den Ferien, aber das hat bisher nicht funktioniert. Oft war ich am Ende der Ferien (die ich eigentlich so dringend gebraucht hätte um mich von den Alltagsbelastungen zu erholen) gestresster als davor.
      Denn so wie es Kinder gibt, die nicht alleine Mathehausaufgaben machen können, kann ich nicht alleine (alleine im Sinne von fremder Struktur) Sommerferien machen.

      Diese Struktursehnsucht ging bei mir sogar so weit, dass ich nach dem Abi trotzdem noch jeden Tag in die Schule bin (wobei meine Therapeutin meinte, dass ich eine schulbezogene PTBS hätte), einfach, weil ich diesen Alltag (der mir eigentlich geschadet hat) irgendwie am laufen halten wollte. :-/

      Jedenfalls hab ich jetzt schon Panik vor den Sommerferien und davor, dass das mal wieder Zeit wird, die ich nicht so "nutzen" kann, wie es gut für mich wäre.
      Kennt ihr das auch? Und falls ja, was macht ihr dagegen?

      LG MathePinguin

      P.s.: Die Hochschule ist übrigens vier Wochen lang komplett geschlossen.
      Aus Gründen der Systemüberlastung werden bis auf weiteres alle kommunikativen Aktivitäten eingestellt...
    • Ich habe mir für die Ferienwochen regelrechte Stundenpläne gemacht. Also erst notiert, was ich alles tun will, Zeitbedarf geschätzt, und dann geplant.
      Problematisch ist bei mir, dass bei Abweichungen vom Plan (von außen bedingt, oder von mir - verschlafen, keine Lust, etwas zu tun...) ich den Plan neu machen muss :nerved:
      Seit einigen Monaten lebe ich ohne Plan, es gibt nur sehr wenig Struktur, und mittlerweile geht es mir damit trotzdem erstaunlich gut. Ich übe mich darin, nichts zu müssen. Den inneren Druck, bestimmte Dinge schaffen zu müssen, den Tag "sinnvoll gestalten" zu müssen etc. abzulegen fiel mir sehr schwer und hat mich anfangs fast verrückt gemacht, aber jetzt ist es wunderbar, zu spüren, was ich gerade tun will, und das dann einfach tun zu können (also innerlich). Ich "kriege nichts geregelt" - aber da ich das gerade auch nicht muss, wollte ich genau das lernen: das zu ertragen. Inzwischen kann ich es genießen.
      Aber grundsätzlich sind Pläne im Viertelstundentakt eine Möglichkeit.
      Good bye :)
    • MathePinguin wrote:

      dass das mal wieder Zeit wird, die ich nicht so "nutzen" kann, wie es gut für mich wäre.
      Kennt ihr das auch? Und falls ja, was macht ihr dagegen?

      Damit habe ich derzeit auch zu tun, früher, als ich noch in etwas "normaleren" sozialen Strukturen war
      (u.a. hatte ich immer eine Reisebegleitung Partner oder Freundin) kannte ich das nicht,
      da ich die Urlaubszeiten zum Reisen nutze.
      Die Art Leben habe ich aus vielen Gründen dann hinter mir gelassen.
      Eine Weile habe ich dann, ohne Urlaubsbegleitung, Urlaube für Besuchsreisen und Ausflüge genutzt,
      doch auch das reizt mich gerade weniger.
      Dennoch spüre ich gerade sowas wie ein Urlaubs- vakuum , ich könnte alles mögliche machen theoretisch aber da ist nichts, was mich reizt und mache mir dennoch Gedanken,
      die arbeitsfreie Zeit letztlich gar nicht ausreichend sinnvoll zu nutzen.
      Für mich in der Form eine neue Erfahrung,
      wusste nicht, das das in der Form in mir schlummerte :roll: .

      Eine wirkliche Lösung habe ich dafür gerade nicht ausser einfach mal abwarten, was passiert...
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy
    • In der Schulzeit hatte ich das Problem nicht, weil im Osten mehr als genug Aktivitäten seitens der Schule, des Sportvereins oder von diversen kommunalen und betrieblichen Einrichtungen angeboten wurden. Da wurde eigentlich fast jeder Tag verplant.

      Als Student war ich in den Ferien arbeiten oder bin mit dem Fahrrad quer durchs Land gefahren.

      Aber nach und nach habe ich es zu schätzen gelernt, einfach mal nichts tun zu müssen. Früh aufstehen, wann ich will. Essen, wann ich will. Ich habe zum Glück immer mehr Ideen als Zeit gehabt.

      Und jetzt bin ich über jede Stunde Freizeit froh, weil das Leben viel zu viel Dinge erledigt haben will.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      ...denn Tiere tun mir leid. Lieber Akazien statt nem dicken fetten Schinken!
    • Klare Strukturen schenken Sicherheit mit sich und tun auch gut, solange sie nicht allzu steif sind.
      Routine mag ich auch. Sehr!
      Allerdings fast jeden Tag probiere ich behutsam was neues, Mal was kleines und ohne Bedeutung (neuen Weg durch Wald beim Spaziergang), Mal was größeres (für mich), wie neuer Kurs im Fitnesstudio.

      Das wichtigste imho dabei ist: offen bleiben aber gleichzeitig eigene Grenzen respektieren:-)
      ***
      Schöne Sommerferien!!
      -Dum spiro spero-
    • Sowas kenne ich gar nicht. Die Ferien waren immer das, worauf ich sehnlichst gewartet habe (und die Wochen gezählt habe), und wenn die Ferien zu Ende gingen, hatte ich Angst und Abscheu gegen den Wiederbeginn der Schule.
      Jetzt bei der Arbeit ist es ziemlich ähnlich, aber nicht mehr ganz so extrem.
      Die freie Zeit ist im Grunde die Zeit, wo ich richtig lebe, der Rest ist Fremdsteuerung, da geht's nur ums Funktionieren und durchhalten.
      Alles wird galaktisch gut.
    • ich war wie Harry Potter. Der mochte auch keine Ferien (wenn auch aus einem anderen Grund). Ich bin gerne zur Schule gegangen. Wegen der Struktur, wegen Schule halt an sich, weniger wegen den Menschen da.
      Was mir halt auffiel, das ich vor allem externe Struktur brauchte und eigentlich noch brauche. Selbst geplantes war nicht das selbe und wenig zufriedenstellend. Vielleicht wars zu anstrengend...
      »Bist du denn verrückt geworden?« »Nein. Mich gab's schon so ab Werk.« 8-)
    • @MathePinguin
      Kenne deine Sorgen auch von mir selber...obwohl ich eher gerne zur Schule ging und zur Uni.....aber die Ferien waren selbstbestimmter - und damit auch ohne feste Struktur. Und ich habe das Emsigsein und tätig sein müssen verinnerlicht, was bei dem Gefühl, nutzlos in den Tag zu gammeln, unangenehme Empfindungen weckt(e).

      Da kann ich dir nur @Platypus 's Ratschläge empfehlen: jedenfalls das, was passt, annehmen und tun, das andere sein lassen oder auf später verschieben.

      Viel Erfolg - und: die Ferien enden auch wieder( des einen Freud', des anderen Leid!) ;)
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)
    • Ferienzeit = SI-Zeit ! :d Oder auch: Hoch die Hände, Semesterende! \o/

      Ansonsten könnte man ja auch die Semesterferien hindurch lernen... Bei uns gab es bestimmte Kurse nur in der vorlesungsfreien Zeit, oder aber es stand eine mündliche Prüfung an, oder man konnte, um die Klausurenzeit zu entzerren, sich auf eine Nachklausur vorbereiten, statt die eigentliche Klausur mitzuschreiben.

      Hattest du nicht zuvor eigentlich auch über ein zu großes Pensum geschrieben? Da wäre es doch ideal, während der vorlesungsfreien Zeit ganz in Ruhe vor- oder nachzulernen, oder?

      The post was edited 1 time, last by Turtle ().

    • Als Studentin habe ich in der vorlesungsfreien Zeit öfters Sprachkurse am Sprachenzentrum besucht. Die gingen meist zwei Wochen am Stück von Montag bis Freitag jeweils, gaben Struktur und danach könnte ich eine Sprache besser. Später machte ich das mal mit Volkshochschulkursen.

      Inzwischen strukturiere ich freie Tage durch Vorgaben, die ich mir mache: Morgens um 7 Uhr eine bestimmte (immer gleiche) Radiosendung hören, jeden Nachmittag Kuchen essen im Café um die Ecke, ein zweites Mal am Tag das Haus verlassen, einmal wöchentlich schwimmen gehen, zweimal wöchentlich eine Veranstaltung aus dem Terminkalender vom Stadtmagazin besuchen. Das klappt echt gut so. Und für die Zeiten dazwischen fällt mir immer was ein.
      Surprised by the joy of life.
    • MathePinguin wrote:

      (wobei meine Therapeutin meinte, dass ich eine schulbezogene PTBS hätte), einfach, weil ich diesen Alltag (der mir eigentlich geschadet hat) irgendwie am laufen halten wollte. :-/
      Verstehe ich nicht, den Gedanken.


      MathePinguin wrote:

      Kennt ihr das auch?
      Ja, vor allem der Wechsel der Schulformen war sehr hart.
      Ich habe mich immer gewundert, wieso andere Ferien mögen, ich wollte keine Ferien, für mich waren sie schädlich, weil sie mich aus dem Rhythmus brachten.
      Schüler haben sowieso zu viele Ferien.
      Daneben habe ich aber auch die Pausen nicht gemocht.
      Ich brauchte keine und sah keinen Sinn darin.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Ich habe heute erst wieder gelesen, dass wir viel zu wenig Zeit mit Nichtstun verbringen.
      Der Mensch braucht diese Phasen, um klare Gedanken zu fassen und um Erlerntes zu festigen.
      Also ist es vermutlich gar nicht verkehrt, wenn ein Teil der Ferien zum planlosen Gammeln und Löcher in die Luft starren genutzt wird,
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      ...denn Tiere tun mir leid. Lieber Akazien statt nem dicken fetten Schinken!
    • Ich muss gestehen: Ich liebe Nichtstun. Leider viel zu wenig Zeit dafür. Wenn ich gar nichts tue und nur so rumhänge, habe ich die besten Ideen für meine Texte.

      Wir sind früher nie in Urlaub gefahren, das machte aber nichts, ich habe mich vor den Ferien mit Büchern eingedeckt und dann gelesen.

      Ich bin allerdings auch in einer Familie aufgewachsen, in der der Tagesablauf stark strukturiert war. Meine Eltern lieben Routinen - die Mahlzeiten immer zu festen Zeiten, und bestimmte Tätigkeiten finden immer an bestimmten Wochentagen statt. Ich glaube, das hat mir sehr geholfen. Komplette Strukturlosigkeit mag ich auch nicht.

      Ich mache es heute auch so, dass die Mahlzeiten zu relativ festen Zeiten stattfinden, und auch die Woche hat eine Struktur. Ich bringe z.B. immer samstags nach dem Mittagessen den Müll raus, das ist Routine. Einkauf findet immer am Samstagvormittag statt. Wenn ich solche Routinen nicht befolge, werde ich ganz planlos.
      I have my books
      And my poetry to protect me
    • Die Ferien habe ich früher dafür genutzt, meinen Interessen nachzugehen. Da habe ich viele Tabellen über alles Mögliche erstellt, oder Vokabeln für eine Sprache erfunden, das Lexikon durchgelesen, viel gemalt und bin viel draußen gewesen. Ich liebe die Freiheit, alles tun zu können, was ich möchte, und jede Menge Zeit dafür zu haben. Struktur ist mir in dem Moment völllig egal. Ich kann dann in einem Interesse völlig versumpfen, aber wenn man alle Zeit der Welt hat, ist das ja egal. Struktur brauche ich dann, wenn ich Dinge erledigt bekommen muss, die ich eigentlich nicht tun will.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Ich kann dann in einem Interesse völlig versumpfen, aber wenn man alle Zeit der Welt hat, ist das ja egal. Struktur brauche ich dann, wenn ich Dinge erledigt bekommen muss, die ich eigentlich nicht tun will.
      Wunderbar formuliert. Genau DAS habe ich endlich wiederentdeckt: versumpfenkönnen. Und ja, genau so ist es auch bei mir, das habe ich bloß erst vor kurzem verstanden: Struktur brauche ich nur für die Dinge, die ich selbst gar nicht zum will.
      Good bye :)
    • Shenya wrote:

      Sowas kenne ich gar nicht. Die Ferien waren immer das, worauf ich sehnlichst gewartet habe (und die Wochen gezählt habe), und wenn die Ferien zu Ende gingen, hatte ich Angst und Abscheu gegen den Wiederbeginn der Schule.
      Das war bei mir ebenso. Ich konnte mich immer gut allein beschäftigen, habe gelesen, mir Geschichten ausgedacht, war zeitweise bei meinen Verwandten zu Besuch. Wenn das Ende der Ferien nahte, war ich immer bedrückt. Dennoch empfand ich den Übergang von einer Schulstufe in eine andere oder auch das Ende der Schulzeit als schwierig. Ich konnte mir das, was dann kommen sollte, nicht wirklich vorstellen, und hatte auch Angst davor. Nach der Schule sehnte ich mich aber nie zurück.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Nach der Schule sehnte ich mich aber nie zurück.
      Ich auch nicht. Wenn ich manchmal Schülergruppen sehe, dann tun sie mir leid, weil sie diesen ganzen Sozialkram noch mitmachen müssen, also diese schwierigen Dinge, zu wissen, was cool und was uncool ist usw.
      Unter Schülern finde ich das viel extremer als später unter Erwachsenen, obwohl es da ja auch noch so ist, dass man beurteilt wird, aber Schüler sind strenger dabei, die Spielräume enger und die "Bestrafung" härter, wenn man nicht ganz reinpasst.
      Dann denke ich, es hat auch Vorteile, älter zu werden.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Sowas kenne ich gar nicht. Die Ferien waren immer das, worauf ich sehnlichst gewartet habe (und die Wochen gezählt habe), und wenn die Ferien zu Ende gingen, hatte ich Angst und Abscheu gegen den Wiederbeginn der Schule.
      Jetzt bei der Arbeit ist es ziemlich ähnlich, aber nicht mehr ganz so extrem.
      Die freie Zeit ist im Grunde die Zeit, wo ich richtig lebe, der Rest ist Fremdsteuerung, da geht's nur ums Funktionieren und durchhalten.
      +1
      Und je näher der letzte frei Tag kommt, desto panischer werde ich, weil dann wieder diese Fremdbestimmtheit losgeht.
      Das äußert sich auch gern mal körperlich mit Panikattacken oder dergl.
      Spontanität will wohlüberlegt sein.