Borderline ...?

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    • Kyoukai wrote:

      Warum ich das AS weghaben will? Weil die Diagnose von damals (da war ich 13 oder 14) heute ein Teil meines Problems ist. Wie gesagt, sie fühlt sich an wie ne schlimme Wunde. Und ich fühle mich extrem verkannt, und in meiner Identität grundsätzlich zerschossen.
      Danke! Jetzt verstehe ich dich besser.

      Kyoukai wrote:

      Ich hab also eine Fähigkeit an mir entdeckt, die ich früher nicht glaubte zu haben, weil ich in der Schule gemobbt und ausgeschlossen wurde und dabei keine Gruppenarbeit möglich war, und mir dann auch noch die AS-Diagnose "gesagt" hat: "Das kannst du nicht können!"
      Als ich klein war bekam ich auch mal eine fiese Diagnose. Meine Eltern haben mich daraufhin ermutigt, die zu widerlegen und den Leuten zu beweisen, dass sie nicht recht haben. Das hat mich enorm stark gemacht, vielleicht sogar ein bißchen zu vorwitzig, weil ich insgesamt viel in Frage stelle und mir oft denke: "Ich zeig euch, dass ihr nicht Recht habt!". Aber ich glaube vor allem haben mir meine Eltern damals geholfen an mich selbst und meine innere Stimme zu glauben. Und das ist gut so. [Vielleicht ist das mit BPS - oder wenn man in deinem Alter ist - nochmal schwieriger, weil man sich eh fragt: "Wer bin ich nun eigentlich?", doch ich würde dich wirklich gerne ermutigen, an dich zu glauben und dass du schon ein Gespür dafür hast, was wirklich ist - und was nicht stimmt.]
      Surprised by the joy of life.
    • Kyoukai wrote:

      und habe dort festgestellt, dass ich gerne mit anderen im Team arbeite.
      Ich genieße es durchaus auch, Gesellschaft zu haben. Es müssen nur die richtigen Leute sein (die nett sind und mich akzeptieren) und das richtige Maß.
      Dann kann es sogar Glücksgefühle auslösen.

      Ich glaube, problematisch kann halt sein, wenn es zu viel ist, keine Rückzugsräume da sind, und wenn es in der Gruppe zu Ablehnung kommt. Aber gerade dann, wenn man mal das Gefühl hat, nicht abgelehnt zu werden, dann kann es schön mit anderen sein, besonders für jemanden mit AS. Man ist ja in der Hinsicht in der Regel nicht verwöhnt.
      In der Schule wird das aber eher nicht klappen, weil Kinder und Jugendliche eben sehr streng sind in ihren Maßstäben und gleich jeden ausgrenzen, der nicht ganz dazupasst. Unter Erwachsenen ist es leichter, und dann vielleicht besonders unter Erwachsenen, die selber auch Probleme haben. Da wird man vielleicht eher akzeptiert.
      Genieße es! Es tut gut, wenn man sich okay fühlen kann (ich finde, das ist das Gefühl, was einem gute Gesellschaft geben kann, dass man sich okay fühlt).
      Alles wird galaktisch gut.
    • Kyoukai wrote:

      Wenn ich jetzt also merke, dass ich eigentlich doch ganz gerne mit anderen Menschen zusammen bin, rede und arbeite, kommt in meinem Kopf dann jedes Mal ein ganz fieses, kritisches, mit weh tuendes Stimmchen hoch, das mir sagt: "Das kann nicht stimmen. Du bist Autistin, du kannst nicht im Team arbeiten!" Und das "redet" dann so lange auf mich ein (und NEIN, es ist keine Psychose!), bis ich innerlich komplett angespannt und wütend bin, mir wieder selbst nicht glaube, dass ich irgendwas kann, und mich dadurch dann wirklich von den anderen zurückziehen muss, weil ich echt Angst bekomme, dass ich explodiere. Das Zurückziehen wiederum nimmt das "Stimmchen" dann als "Beweis", dass ich AS habe. Und so dreht sich das in mir immer weiter, schon seit Jahren, sodass ich eben immer wieder denke: "Ich muss dieses verd*** AS loswerden, das macht mich völlig kaputt!"
      Das man mit AS nicht zur Gruppenarbeit fähig sein soll, ist doch aber nicht richtig.
      Ich kann wunderbar in der Gruppe arbeiten. In der Schule war ich zwar auch nicht integriert und außen vor, Gruppenarbeit wollte aber jeder mit mir machen. Nicht weil ich dann die Arbeit für die anderen erledigt hätte (habe ich nicht), sondern weil das einfach gut funktioniert hat, und dann alle eine 1 bekommen haben.
      Und auch später in der Arbeit hat das gut geklappt, solange eine gute Projektleitung dabei war.
      Life is now
    • ich arbeite vom grundsatz her auch gern mit anderen menschen zusammen. ich würde völlig depressiv werden, wenn ich keinen kontakt zu anderen menschen hätte (da reichen schon wenige tage aus). aber auch bei mir: die gruppe muss überschaubar sein, es muss klare absprachen geben, ein bisschen entgegenkommen der anderen brauche ich oft auch, dann kann ich viel einbringen. sogar in meinem hilfeplan steht, dass ich unter den richtigen bedingungen sehr empatisch sein könne. aber ohne die bedingungen funktioniert garnix. früher habe ich mich dann auch selbstverletzt und bin ziemlich "explodiert". einer borderlinediagnose hatte ich deswegen auch lange zeit. therapien haben aber nur bedingt geholfen weil es nur "auf dem AS drauf sitzt".

      ich weiß, es ist schwer umzusetzen, aber ich glaube, es ist in gewissen punkten auch wichtig, sich etwas "freizumachen" von diesem schubladendenken in bezug auf die diagnosen. man brauch sie um hilfen zu bekommen und auch ein wenig sortieren zu können, aber sie sind trotzdem nicht alle in stein gemeiselt. so wie man auch sagt: "kennst du einen autisten dann kennst du einen". Es ist doch auch kein wunder, wenn man sich bei den ganzen AS-Problemen auch noch andere psychische probleme einhandelt.
      ich hatte lange ein ziemliches sammelsurium an diagnosen. am korrektesten hatte sich früher immer die depressionsdiagnose angefühlt. lustiger weise wurde genau diese jetzt gestrichen, da alles mit ASS + ADHS erklärbar sei. Bei großem stress reagiere ich schnell aggressiv (gegen mich) und vor allem auch depressiv (rückzug, selbst-schuld-denken, das leben in frage stellen, den antrieb verlieren, negative weltsicht usw.)