Wie fühlen sich Asperger-Autisten bei Overloads?

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    • In Bezug auf Symptome kann es natürlich immer Schnittmengen geben.

      Grundemotionen wie z. B. Angst oder Trauer beispielsweise können ja durch alles Mögliche ausgelöst werden! Und noch dazu können bestimmte Verhaltensweisen auf ganz unterschiedlichem basierne, also z. B. kann das selbe Verhalten (z. B. abrupt einen Raum verlassen oder Begegnungen generell meiden oder sehr angespannt / gestresst / aufmerksam auf die Umgebung sein) durch Angst und auch durch anderes ausgelöst sein.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • In einem "Skillstraining" habe ich als "Check" für Borderline (ist ja auch eine Traumafolgestörung) folgende Symptomliste gesehen, und speziell die ersten beiden Punkte erinnern ja auch sehr stark an Asperger, der Rest weniger:

      "Hast Du das Gefühl, dass Du anders bist als alle anderen? Dass Du einfach nicht dazu gehörst? Kommst Du Dir manchmal vor wie ein Alien?

      Bist Du empfindlicher und sensibler als die meisten anderen, die Du kennst?

      Hast Du je erlebt, dass Deine Gefühle schmerzen und dass die innere Anspannung unerträglich wird?

      Können schon Kleinigkeiten starke Stimmungsschwankungen und negative Gedanken bei Dir auslösen?

      Neigst Du dazu, Dich selber fertig zu machen? Dich und alles was dazugehört so richtig gründlich zu hassen?

      Ist es schwierig für Dich alleine zu sein, aber mit den Partnern klappt es auch nicht richtig?

      Und wie gehst Du mit Krisensituationen um?
      Löst Du sie mit Alkohol, Drogen, Selbstverletzungen, Fressanfällen oder Hungerphasen …? Eigentlich weißt Du, dass das langfristig ins Chaos führt, aber …"

      ****

      Vermutlich kann man daher speziell an Überlastungsreaktionen (Empfindlichkeit, Overloads) und an "Aliengefühlen" kein Asperger festmachen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Coocy wrote:

      Kann Autismus vor Trauma schützen?
      Oder gibt es autistische Menschen, bei denen eine PTBS festgestellt worden ist?
      Gibt es hierzu Studien oder wissenschaftliche Erkenntnisse?
      guckst du hier (Beitrag "Autistische Züge bei Traumatisierten?")


      Ich lief lange unter Traumafolgestörung (PTBS, Dissoziative Störung u.a.), die einige ASS-Symptome verdeckten/ kaschierten und häufig wechselnde Ärzte, die sich auf das Geschriebene in der Akte verließen. Ich habe jetzt aber ASS diagnostiziert bekommen. Von allein wäre ich allerdings nicht auf die Idee gekommen. Die Abklärung geschah auch "von Außen" (Ich wusste zunächst nicht, worum es ging. Ich hatte das Thema nicht aufgebracht). Mein Betreuer gab die ersten Impulse zum Thema und ich hatte Glück, eine Ärztin zu bekommen, die sich besser mit dem Thema auskannte als die vorherigen. Im Nachhinein hatten viele Menschen (Professionelle) aus meinem Umfeld schon die Vermutung gehabt aber nicht darüber gesprochen(!). Der Diagnostiker sollte aber sich wirklich sehr gut auskennen um es sicher beurteilen zu können. Ich glaube meinem nur, weil er sehr viel Erfahrung hat. Er meinte zum Punkt Trauma, dass in meinem Fall die autistischen Symptome über das Maß für traumabedingte autistische Symptome hinausgehen würden. Er (und seine KollegInnen) waren sich ziemlich sicher. Allerdings sagte er auch, dass man (allgemein in der Psychiatrie) eben keine Blutwerte u.ä. heranziehen kann und deswegen immer ein gewisses "Restrisiko" für eine "Fehldiagnose" besteht. Es war gut, dass er meine komplette Patientenakte der letzten 10 Jahre einsehen konnte. Elternbefragung und Gespräche mit Bezugspersonen fanden auch statt. Einige Dinge aus der Kindheit hatten mich doch sehr überrascht, da ich sie nicht wusste bzw. das ausmaß auch unterschätzt hatte.

      The post was edited 1 time, last by kastenfrosch ().

    • Linnea wrote:

      Für mich auch, evtl können wir ja einen extra Thread eröffnen dazu?
      Das fänd ich auch gut.

      Coocy wrote:

      mit einem Laien eine Diskussion - der meinte nämlich, dass autistische Menschen definitiv kein Trauma haben könnten - ist das wirklich so?
      Nein. Dies ist definitiv nicht so.

      (Ich weiss gerade nicht, wo suchen, um etwas davon wiederzufinden, aber mir ist schon des öfteren begegnet, dass wohl Autisten sogar statistisch häufiger als "Normalbevölkerung"/Durchschnitt traumatische Erlebnisse durchleben / PTBS entwickeln, leichter / häufiger traumatischen Situationen ausgesetzt sind. Fand ich auch gar nicht so abwegig, wenn man die Schwierigkeiten, soziale Situationen einzuschätzen, betrachtet. (u.a.))

      Coocy wrote:

      Kann Autismus vor Trauma schützen?
      Oder gibt es autistische Menschen, bei denen eine PTBS festgestellt worden ist?
      Nein, es schützt nicht. (Genausowenig wie Depression vor Grippe schützt, oder Migräne vor Beinbruch schützt.)
      Ja, die gibt es.

      Alys wrote:

      Das Eine schliesst das Andere nicht aus ! Es gibt aber eben Schnittmengen in der Symptomatik und das muss man sich genauer anschauen (was so einfach nicht ist).
      Genau das.

      Und es ist oft schwieriger "behandelbar", da ja auch während einer z.B. Traumatherapie die autistischen "Eigenheiten" nicht einfach "abschaltbar" sind (auch nicht "uneinfach abschaltbar"), die sind halt da.

      Shenya wrote:

      Borderline (ist ja auch eine Traumafolgestörung)
      Nicht unbedingt. Es stimmt, dass es viele mit Borderline diagnostizierte Menschen gibt, die auch traumatische Kindheit(serlebnisse) hatten, und wo dann auch vermutet wird, dass die Persönlichkeitsstörung daher kommt, aber es gibt auch Borderline-Patient/innen, auf die dies nicht zutrifft (kein Trauma in der Vorgeschichte). (Es ist natürlich möglich, zu mutmaßen, ob nicht vielleicht doch alle zumindest irgendetwas nicht-erinnertes traumatisches erlebt haben könnten, aber das macht es auch noch nicht pauschal zur Traumafolgestörung.)

      PTBS zählt zu den Traumafolgestörungen. (Ebenfalls Akute Belastungsreaktion, und Anpassungsstörungen nach belastenden Lebensereignissen.)

      kastenfrosch wrote:

      die einige ASS-Symptome verdeckten/ kaschierten und häufig wechselnde Ärzte, die sich auf das Geschriebene in der Akte verließen. Ich habe jetzt aber ASS diagnostiziert bekommen. Von allein wäre ich allerdings nicht auf die Idee gekommen. Die Abklärung geschah auch "von Außen"
      Lief bei mir ähnlich. Und ich glaube wenn da nicht genauer hingeschaut wird, lässt es sich auch leicht "übersehen" (oder "wegerklären") - das funktioniert halt nicht in Bezug auf die Schwierigkeiten, die auch vor dem traumatischen Erlebnis da waren. Aber so genau will's dann halt auch nicht jeder Arzt wissen, es ist leichter zu sagen: machen Sie mal die Therapie dann wird alles wieder - und alles weitere auf mangelndes Anpassen/Bemühen des Patienten zu schieben.
      Bei traumatischen Erlebnissen im Erwachsenenalter ist es vielleicht noch (relativ gesehen) leichter auseinanderzudröseln als bei Kindheitstraumata, da kann ich mir jetzt auch nicht vorstellen wie man unterscheiden soll zwischen "angeboren" oder "erworben".
    • Mira wrote:

      Bei traumatischen Erlebnissen im Erwachsenenalter ist es vielleicht noch (relativ gesehen) leichter auseinanderzudröseln als bei Kindheitstraumata, da kann ich mir jetzt auch nicht vorstellen wie man unterscheiden soll zwischen "angeboren" oder "erworben".
      vielleicht hängt es auch davon ab, wie weit man im spektrum ist (wie "deutlich"/ "eindeutig" die symptome)


      Mira wrote:

      und alles weitere auf mangelndes Anpassen/Bemühen des Patienten zu schieben.
      sowas haben mir (meines wissens) meine ärzte nie unterstellt. im gegenteil: sie sahen, wie sehr ich bemüht war - und trotzdem nur wenig voran ging. mein betreuer sagte, meine vorherigen ärzte hätten z.T. hilflos gewirkt. es war nur klar, irgendwie passt das alles nicht richtig. die gängigen konzepte haben bei mir nie/kaum gegriffen oder sogar das gegenteil bewirkt. einige probleme konnte ich aber auch nicht als problem benennen, da sie mir nicht bewusst waren (z.b. probleme mit dem verständnis von nonverbaler kommunikation). es wurde nur von denjenigen bemerkt/ erfasst, die länger mit mir gearbeitet haben und auch die zeit hatten, mir zuzuhören, sich auf mich einzustellen usw.- und die mich auch in sozialen situationen erlebt haben (Gruppen). im kurzen einzelkontakt kann ich noch einiges kompensieren.
      manche erklärungen habe ich sozusagen auch einfach nachgeplappert und muss nun feststellen, dass sie so garnicht stimmen. das führt natürlich auch in die irre (RW), sowohl die behandlerInnen als auch mich selbst :? .

      Ich habe auch jeden overload (oder das, was darüber hinaus ging: melt-/shutdown) als flashback oder dissoziation bezeichnet (wobei ich schon auch dissoziationen davon bekommen kann). In manchen punkten unterscheiden sich die zustände auch garnicht so krass (z.b. das überforderungserleben). aber natürlich hat ein "autistischer overload" keine zeitlichen rückblenden mit erinnerungen an schlimme situationen (traumatische flashbacks müssen das auch nicht zwingend haben, es gibt auch z.b. "gefühlsflashbacks")
      das beides zu differenzieren hat mir sehr viel gebracht! (war letztendlich auch nicht so schwer)

      The post was edited 1 time, last by kastenfrosch ().

    • Bei mir war es ja so, dass nach der Therapiefolge Generalisiserte Angststörung, Depression, dann wurde erst die PTBS "entdeckt" incl. WIE viel sich da angesammelt hatte....
      mein Umgang mit der Diagnose und den jetzt hochkommenden Erinnnerungen ließ zum erste Mal einige an Asperger denken, nur wollte ich erst mal die Traumafolgen in Griff bekommen.
      Und als dann im Laufe der Zeit gelang, immer mehr verarbeitet wurde, blieb dann doch noch was.
      Wenn ich zurücksehe, dann war Aspie sicher in der einen oder anderen weniger schlimmen Situation mit ein Grund, warum die so heftig erlebt wurde, neben den eh schon bestehenden Triggern,
      aber ich denke auch, dass es mir hilfreich war/ist, meine innere Welt endlich mal richtig "zu ordnen" und viel von "dem Mist" rauszuwerfen.
      Ich hätte damals, am Anfang der Bearbeitung auch nicht differenzieren können, was Aspie ist und was Traumafolge.
      Einfach weil alles triggerte, alles überforderte, woher sollte ich da wissen, ob meine Geräusch-Wahrnehmung oder die Probeme überhaupt mit Menschen in Kontakt zu gehen jett das ene oder das andere sind?
      Schlimmer war für mch damals, dass ich verschiedene zeitliche Erinnerungsspuren hatte, die parallel liefen, aber zeitlich versetzt waren. So erinerte ich zu bestimmten Begebenheiten ind er Ehe auf der Spur zu meinem Sohn ein ganz anderes Alter. Manches konnte ich zeitlich gar nicht zuordnen, wenn mich jemand fragte, wann haben Sie Abitur gemacht, musste ich nachrechnen. Eine üble Sache, mein Glück war, dass eine Pschiaterin nur lapidar meinte "das ist normal bei einer PTBS, wenn es anders wäre, DANN wären sie nicht normal". Und ich hab, wie ich heute weiß, die Info einfach eingebastelt und dann begonnen die Erinnerungspuren aufzuschreiben (dazu Kalender gewälzt, Freunde befragt ("wann war das, als...").
      Darüber weitere Erkenntnisse gewonnen zu Dingen, die jetzt einen Zusamenhang/Sinn erkennen ließen, und weiteres gefunden, das sich bearbeiten ließ.
      In der Zeit lernte ich einige ebenfalls ähnlich traumatisierte Frauen kennen.
      Und da sah auch vieles im nachhinein betrachtet nach Asperger aus. Nur bei denen verschwand das mit der Zeit, bei mir ist es geblieben.
      Andererseits sehe ich heute, dass dieses Aspie dafür sorgte, dass ich im Vergleich viel schneller bearbeiten konnte, weil wesentlich systematischer und dann vor allem in den erreichten Erfolgen wirklich gesichert, als jeweils stabiles Fundament für das weitere.
      Wenn es um die Bearbeitung von Traumafolgen geht, kann Aspie sogar hilfreich sein.
      Liebe braucht Mut
    • Mira wrote:

      Und es ist oft schwieriger "behandelbar", da ja auch während einer z.B. Traumatherapie die autistischen "Eigenheiten" nicht einfach "abschaltbar" sind (auch nicht "uneinfach abschaltbar"), die sind halt da.
      Ja.
      In dieser Mixsituation befinde ich mich gerade.
      Meine Thera versucht, es immer neu zu sortieren.
      Das finde ich mal gut, auch wenn sie sich mal irren kann.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • @Mira
      @Linnea
      Habt Ihr den Extra-Thread schon irgendwo?
      Ich hänge nämlich in genau demgleichen Mix aus Autismus und Folgen eines frühkindlichen Traumas und will diesen Thread nicht sprengen :d
      Wrong planet? Ich weiß nicht, der Planet selbst ist ganz OK, nur die vielen Menschen stören…
    • Linnea wrote:

      Borderliner sind nach meiner Erafhrung ziemlich heftig in Gefühlsbelangen und schnell mit Schuldzuweisungen bei der Hand.
      Verlieren oft Freunde, aber finden immer neue.
      Die Leute mit Borderline-Diagnose die ich kennenlernte waren sehr verschieden. So sehr dass ich mich wunderte, wieso sie die selbe Diagnose haben. (Etwa wie bei AS auch...)
      (Ich bin aber ja nun auch kein Experte für Menschen...)
    • Das tröstet mich. Es ging ja nur um meine persönlichen mehrfachen Erfahrungen, die auch geschmerzt haben.
      Sodass ich nicht mehr so naiv oder positiv da herangehen kann.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • @kastenfrosch dieses strukturierte Differenzieren und "Auseinanderdröseln von Eigenschaften aus dem autistischen Bereich und der komplexen Traumafolgestörung, wie ich es in dem älteren Tread aus Deinem Hinweis gelesen habe, ist wirklich ein guter Tip.
      Es gibt übrigens einen Unterscheid zwischen einer PTBS und einer Komplexen Traumafolgestörung (die meistens im frühen Kindesalter entsteht) - hier gut nachzulesen:

      martinsack.de/komplexe_traumafolgestoerungen/index.html
    • Coocy wrote:

      Es gibt übrigens einen Unterscheid zwischen einer PTBS und einer Komplexen Traumafolgestörung (die meistens im frühen Kindesalter entsteht) - hier gut nachzulesen:
      dem bin ich mir bewusst. jedoch gibt es -soweit ich weiß- keinen icd-code dafür.
      eine ärztin schrieb mal F62.0Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, was dem dann wahrscheinlich am nächsten kommt.
      jede klinik (und viele ärzte) hat da irgendwie ihre eigene art, es aufzudröseln und so hab ich im laufe der jahre verschiedene "modelle" an icd-kombinationen "gesammelt" :nerved:


      --
      vielleicht kann man das thema trauma inhaltlich vom ursprungsposting abtrennen?
    • Ich kenne so etwas auch, weiß aber nicht, ob ich es eher in den "plötzliche extreme Wut gegen Jeden" mit nachfolgender Schockstarre - Bereich oder Meltdown mit nachfolgendem Shutdown - Bereich einordnen soll. Das letzte Mal, also so etwas passiert ist, ist auch schon fast ein Jahr her. Ich weiß jedoch nicht, wie und warum es sich so entwickelt habe, weil ich es nicht mitbekomme, wenn ich überreizt bin...
      Jedenfalls passiert das nur, wenn ich in größerer Gesellschaft von mindestens 10 Personen bin (noch eher passiert so etwas, wenn ich unter einigen Kindern bin.). Bei kleineren Kindern ist es bei mir meist das "Übertreiben", was irgendwann dazu führt, ich kann es nämlich nicht beurteilen, wann es mir zuviel ist.

      Ganz gut kann ich mich an einen Vorfall an meiner ehemaligen Schule erinnern. Damals war ich in der 6. Klasse im Englischunterricht und ich hatte meine Hausaufgaben nicht gemacht. Und dann wollte der Lehrer, dass ich noch am selben Tag nachsitze. Ich hatte mich aber so auf den Termin mit meiner Erziehungsbeistandschaft(nachfolgend EB) gefreut, die ich an demselben Nachmittag getroffen hätte. Und dann war es, als wie wenn jemand einen Schalter umgelegt hätte und ich habe jeden versucht zu treten, der mir zu nahe kam. Letztendlich endete das Ganze, dass ich wieder einmal herausfand, dass der Lehrer stärker als ich war und dieser mich nach draußen trug/zog...
      Außerhalb der Türe fing dann Part 2 an, welche wesentlich länger andauert. In dieser Phase fängt es dann in meinem Kopf zu rattern an und ich habe Gedanken, die ich hier lieber nicht aussprechen sollte, da man mich das sonst wahrscheinlich als "Person mit Ermordungsabsichten" darstellt, wobei diese Gedanken noch nie zu Taten wurden und auch zu 200% nie zu solchen Taten werden, da ich normalerweise keinem etwas antun könnte... Gleichzeitig habe ich aber auch wortwörtlich einen Kloß im Hals, den ich auch richtig spüre und ich habe auch keine bzw. fast keine Kontrolle mehr über meinen Körper, ich würde es sogar mit einem Krampf vergleichen. Es kann dann schon mal sein, dass ich 30-45 Minuten in einer Pose dastehe und mich nicht bewegen kann. Nach diesen 30 Minuten fängt es sich langsam an zu lockern, irgendwann schaffe ich es dann auch mein Problem aufzuschreiben - und noch ein wenig später schaffe ich es dann auch wieder zu reden...

      (Ich finde es allerdings ziemlich schwer, diese Situationen zu beschreiben. Mir ist gerade auch noch eine Situation eingefallen , da kamen wir gerade vom Sport und gingen gerade die Treppe von der Turnhalle hoch, da merke ich plötzlich, wie ich eindeutig geschubst wurde - und dann fing es wie oben an...)
    • Computer wrote:

      Außerhalb der Türe fing dann Part 2 an, welche wesentlich länger andauert. In dieser Phase fängt es dann in meinem Kopf zu rattern an und ich habe Gedanken, die ich hier lieber nicht aussprechen sollte, da man mich das sonst wahrscheinlich als "Person mit Ermordungsabsichten" darstellt


      Wenn ich mal so offen sein darf, gebe ich zu, dass ich in Phasen extremer Wut auch Mordgedanken habe.

      Ich würde auch ganz klar zugeben, dass ich die Gedanken auch in die Tat umsetzen würde, wenn es sich anbieten würde.

      Es ist schon fast witzig, dass oft schon 5min später wieder alles vergessen sein kann.

      Haben das noch mehr?
      Mut zur Offenheit, bitte.
      Daraus ein Tabu zu machen wird nur schaden.
    • Nee, Mordgedanken habe ich dann nicht, denn zum Denken bin ich während eines Meltdowns gar nicht mehr fähig. Da herrscht einfach nur noch völliges Chaos in meinem Kopf und ich bin dann auch zu keiner kontrollierten Handlung mehr fähig. Ich kann allerdings auch nicht garantieren, dass ich während eines Meltdowns niemand verletze, denn ich fange dann oft an, um mich zu schlagen, zu treten und auch zu beißen, wenn man mir dann zu nahe kommt. Ich find es faszinierend, dass manche von euch während eines Meltdowns noch denken können. Bei mir setzt das Denken dann einfach aus. Das Denken setzt z.T. Stunden erst Stunden nach dem eigentlichen Meltdown wieder ein. Manchmal sogar erst am nächsten Tag.
    • Meltdown ist ja, so wie ich das verstehe, wenns schon zuviel ist.
      Overload wenns anfängt zuviel zu werden.

      In den meisten Fällen als Wut bis zum Ausraster.

      Beim Ausraster kann ich auch nicht denken, passiert nur selten.

      Bei Computer wars wohl so dass zuerst der Md war und dann der Ol.

      The post was edited 1 time, last by xxBenutzernamexx ().

    • Ich war fünfzehn Jahre alt und besuchte die neunte Klasse.
      Im Englischunterricht spielten wir ein Spiel namens „Schlangen-fressen“. Dabei ist die Klasse in zwei Gruppen eingeteilt, in Schlangen stehen die Schüler hintereinander an der Tafel.

      Die Lehrerin nannte ein Wort in der englischen oder Deutschen Sprache, es galt das Wort zu übersetzen.
      Immer traten zwei Schüler aus den Schlangen gegeneinander an. Nannte ich das Wort vor meinem „Gegner“, musste er nach hinten in meine Schlange eintreten. Die Gruppe mit der längsten Schlange gewann.

      Ich habe auch gewonnen und das Wort als erste übersetzt. Mein Gegner sowie der Rest meiner Klasse waren da aber anderer Meinung.
      Man ließ mich nicht erklären und zu Wort kommen, mehrfach hintereinander rief man „Schlampe“, „Dumme Hure geh nach hinten“, oder einfach nur „Geh nach hinten“.

      Es war, als würde meine Persönlichkeit verschwinden, als ob ich für einen Moment nicht mehr existierte. Diesem dummen Jungen neben mir, der permanent schrie, zuzüglich der anderen Geräuche, überforderte mich.
      Also habe ich meinen Körper verlassen und meine Hand scheuerte dem Typen so gewaltig eine, dass er durch das halbe Klassenzimmer flog.
      Danach war ich wieder da und schämte mich, konnte es nicht fassen und rannte aus dem Klassenzimmer

      Das ist oft passiert. Ich habe auf diese Art, aus denselben Gründen, sehr oft andere Menschen geschlagen.

      ---

      Alter 23

      Mein Freund schlägt vor Silvester bei seiner Schwester zu feiern. Ich bin aber alles andere als hergerichtet, er kam sehr spät damit an.
      Stück für Stück erfahre ich was für eine Party das ist. Alkohol, unästhetische lockere Klamotten an Menschen und unorganisiertes Essen eines Buffets, welches dann nicht mal sehr gut ist. Rauchende Menschen die Straßenschuhe in einer Wohnung tragen.

      Mein Verstand geht flöten. Ich falle zu Boden und schreie wie eine Bestie. Mein Freund muss mich mit Händen und Füßen sowie seiner ganzen Kraft fixieren, damit ich mich noch mehr rein-steigere.

      ---

      Vor zwei Monaten.

      Der Ex- Freund schlägt vor den kleinen Schubladentisch unter dem Schreibtisch hervor zu holen und wo anders hinzustellen.
      Ich will das nicht und wir diskutieren sehr lange darüber und er sagte irgendwann nur noch „Doch, Doch, Doch“

      Ich schmeiße schreien einen Wasserkelch um, das Wasser fließt über die Geräte seiner Tonstudios.

      ---

      Vor einigen Wochen.

      Mehrere Menschen reden auf mich ein und das überfordert mich, da sie ja auch nicht gerade freundlich und einfühlsam sind.

      Ich schmeiße mein Handy zu Boden so das die Glasscheibe zerbricht. Dann renne ich weg und beleidige vorher eine Person.

      ---


      Ich habe all das nicht selten gemacht und wirklich nie weil ich wütend oder aggressiv war. Das waren Überforderungsanfälle ich hatte keine Kontrolle darüber und konnte das nicht verhindern.
      Nachträglich schämte ich mich sehr, da ich das nicht wollte und habe es auch bereut.
      Ich fühl mich wie ein Alien.
      Doch vielleicht bin ich der letzte Mensch.