Wie fühlen sich Asperger-Autisten bei Overloads?

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    • Wie fühlen sich Asperger-Autisten bei Overloads?

      Seid gegrüßt!

      ich weiß, die Fragestellung klingt schon total bescheuert, aber naja...
      Wie evtl. in diesem Forum bereits bekannt schreibe ich an einem Roman, der von einem asperger-autistischen Protagonisten im Mittelalter handelt. Ich möchte dabei eine Situation beschreiben, wo dem Protagonisten nach Wochen der "Schauspielerei" schlichtweg mit dem Alltag überfordert ist und einen Overload bekommt, als der mit (fremden) Leuten tanzen muss, quasi der letzte entscheidende Punkt, der den Overload ausgelöst hat.
      Das Problem ist nur, dass mein letzter "richtiger" Overload schon ewig lange her ist und mich deshalb auch gar nicht mehr konkret erinnern kann, wie sich das eigentlich anfühlt. Ich möchte auch nicht unbedingt irgendwelchen Schwachsinn in die Geschichte reinschreiben, nur um die Situation irgendwie zu beschreiben. Das würde meinen Anspruch, die Erzählung möglichst lebensecht zu schreiben, untergraben.

      Wie erlebt Ihr einen Overload und wie fühlt ihr Euch typischerweise dabei, was löst ihn aus und wie kommt ihr damit am ehesten klar? Was macht ihn eventuell nur noch schlimmer?
      Was erlebt Ihr dabei, merkt Ihr das körperlich und was sind die Folgen des Overloads?

      Wenn es zu persönlich wird, dann sagt ruhig Bescheid oder schreibt dann eben nur das, was Ihr auch wirklich schreiben wollt!

      Gruß, Köf3
      Nichts beschleunigt Dich so sehr wie ein Linearmotor.
    • Ich bin nur VA, aber Overloads kenne ich nur zu gut. Als Kind hatte ich die oft, heute ist es weniger geworden. Auslöser kann alles mögliche sein, meistens aber anstrengende soziale Situationen und laute, schrille und nervende Geräusche. Meistens merke ich es rechtzeitig, wenn es zuviel wird, weil ich dann zunehmend gereizt und unruhig werde. Ich geh dann so schnell wie möglich raus aus der Situation. Geh z.B. in strammen Tempo spazieren (lebe auf dem Land, da ist man dann auch alleine) oder ich gehe ins Bett. Wenn ich unterwegs bin, suche ich einen ruhigen Ort auf (Toilette). Wenn ich einen Overload habe, bin ich extrem unruhig und werde auch aggressiv, mein Herz rast und ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Es ist, als wäre ich in einem Strudel aus überschäumenden Gefühlen und wild auf mich einprasselnden Reizen gefangen und drohe, darin unterzugehen. Mein Denken setzt dann fast völlig aus und ich würde am liebsten wegrennen und mich irgendwo in einer dunklen Ecke verkriechen. Es wäre dann ein fataler Fehler mich anzufassen, denn das endet meistens in einem heftigen Meltdown (ich tikke völlig aus und habe keinerlei Kontrolle mehr über mich, fange an, hysterisch zu schreien, um mich zu schlagen, Sachen durch die Gegend zu werfen, das "Übliche" halt). Ansprechen würde bei einem Overload auch nichts nützen, da ich das dann schlichtweg nicht verstehe (ich begreife den Sinn nicht mehr) und es mich nur zusätzlich "überladen" würde. Meine Familie weiß das und lässt mich dann auch völlig in Ruhe. Nach einem Overload (und auch nach einem Meltdown) bin ich meistens fix und fertig und will nur noch schlafen. Aber erholsam ist der Schlaf dann nicht wirklich, meistens schwitze ich furchtbar und träume wirren, beängstigenden Kram.
    • Windtänzerin wrote:

      Ich geh dann so schnell wie möglich raus

      Aber was, wenn das eben nicht geht, weil sich das zum Beispiel nicht gehört bzw. nicht toleriert wird? Wie gehst du dann damit um, keinen Overload zu bekommen? (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Du möglichst keinen Overload willst.)

      Gruß, Köf3
      Nichts beschleunigt Dich so sehr wie ein Linearmotor.
    • Köf3 wrote:

      Ich möchte dabei eine Situation beschreiben, wo dem Protagonisten nach Wochen der "Schauspielerei" schlichtweg mit dem Alltag überfordert ist und einen Overload bekommt, als der mit (fremden) Leuten tanzen muss, quasi der letzte entscheidende Punkt, der den Overload ausgelöst hat.

      ich finde es grade ein wenig schwer, mir diese Situation vorzustellen, weil ich das noch nie erlebt habe. Ich war schon Tanzen (lange her), aber auf solche Veranstaltungen bin ich gegangen mit dem Wissen, was da auf mich zukommt, und dann bin ich drauf eingestellt. Für solche Fälle habe ich ein "Überlebensprogramm", das mich so manche Situation überstehen lässt, mit der Einstellung "das muss ich jetzt durchhalten". Wie das genau funktioniert, weiß ich auch nicht. Aber ich habe in Gesellschaft deshalb kaum Overloads.

      Eventuell könnte mir ein Overload passieren, wenn ich eh schon überreizt wäre, und dann käme noch etwas überraschend dazu, was mich überfordert und was ich als Zumutung empfinden würde. In solchen Fällen entsteht bei mir Wut. Zunächst spüre ich sie gar nicht richtig und ich denke vielleicht, ich kann doch noch normal weitermachen, es fühlt sich bis dahin nur wie ein leichtes Unwohlsein an, eine innere Unruhe, wie ein Kratzen bei einer Schallplatte oder so. Doch eine Sekunde später ist es wie eine Explosion, die sehr schnell, mit viel Dynamik und Wucht herausbricht. Das kommt auch für mich dann überraschend, und ich kann ab dem Punkt nicht mehr eingreifen, sondern schaue eher zu, was ich da so alles mache (in der Regel kommt es zu Schimpftiraden, Gegenstände auf den Boden pfeffern, irgendwo gegentreten o.ä., aber keine Attacken auf Menschen). Während ich das tue, fühle ich mich besser, weil die Wut raus kann und ich auch der Meinung bin, dass ich mich zu Recht so aufrege.

      Die Explosion dauert bei mir manchmal nur wenige Sekunden. Danach habe ich Herzklopfen und zittere manchmal. Dann wär's gut, wenn ich allein sein könnte, sonst könnte es auch gleich wieder passieren. Manchmal renne ich auch mit dem Rest des Overloads weg und knalle noch ordentlich mit den Türen.
      Generell möchte ich den Ort auf jeden Fall verlassen, nicht nur weil ich dringend meine Ruhe brauche, sondern auch weil es mir peinlich ist, sobald die Wut verraucht ist.
      Eigentlich bin ich mir auch gar nicht sicher, ob das wirklich immer Overloads sind oder einfach nur Wutanfälle wegen geringer Frustrationstoleranz oder so.... :roll:
      Alles wird galaktisch gut.
    • Köf3 wrote:

      Aber was, wenn das eben nicht geht, weil sich das zum Beispiel nicht gehört bzw. nicht toleriert wird? Wie gehst du dann damit um, keinen Overload zu bekommen? (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Du möglichst keinen Overload willst.)
      Wenn ich einen Qverload herannahen verspüre (das spüre ich nur kurz vorher), dann ist es mir egal, ob andere meinen, dass "es sich nicht gehört" oder ob "es nicht geht". Es geht dann eben schon! Und wird von mir auch durchgezogen, denn die Alternative wäre nur noch der absolute Kontrollverlust mit all seinen negativen Folgen.

      Also bleibt meistens nur der stramme Spaziergang! Das ist für alle Beteiligten die beste Lösung!
    • WK-AS wrote:

      Köf3 wrote:

      Aber was, wenn das eben nicht geht, weil sich das zum Beispiel nicht gehört bzw. nicht toleriert wird? Wie gehst du dann damit um, keinen Overload zu bekommen? (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Du möglichst keinen Overload willst.)
      Wenn ich einen Qverload herannahen verspüre (das spüre ich nur kurz vorher), dann ist es mir egal, ob andere meinen, dass "es sich nicht gehört" oder ob "es nicht geht". Es geht dann eben schon! Und wird von mir auch durchgezogen, denn die Alternative wäre nur noch der absolute Kontrollverlust mit all seinen negativen Folgen.

      Also bleibt meistens nur der stramme Spaziergang! Das ist für alle Beteiligten die beste Lösung!
      Stimmt! Ich geh dann raus und sei es unter dem Vorwand, ich müsse auf Klo. Sonst kommt nur ein Meltdown und der gehört sich auch nicht und toleriert wird er schon gar nicht. Es fällt zwar auf, wenn ich bei einer Feier oder so dann erst später wiederkomme, aber dann sage ich immer, ich hätte einen sehr wichtigen Anruf bekommen, als ich zurück wollte. Dann kann ich auch gleich einen Grund vortäuschen, warum ich weg muss. Hat bis jetzt immer funktioniert. Und meine Familie kennt sowas schon und die lassen mich dann auch in Ruhe. Alles andere bringt ja eh nichts.

      The post was edited 1 time, last by Windtänzerin ().

    • WK-AS wrote:


      Wenn ich einen Qverload herannahen verspüre (das spüre ich nur kurz vorher), dann ist es mir egal, ob andere meinen, dass "es sich nicht gehört" oder ob "es nicht geht". Es geht dann eben schon! Und wird von mir auch durchgezogen, denn die Alternative wäre nur noch der absolute Kontrollverlust mit all seinen negativen Folgen.

      Also bleibt meistens nur der stramme Spaziergang! Das ist für alle Beteiligten die beste Lösung!
      Das ist. glaube ich, auch die sinnvollste Lösung. Ich bin da ganz bei dir. Meine Ex hat das einmal versucht mich im Raum zu halten, da habe ich ein Loch in die Tür getreten, so schlimm war es da. Ansonsten werde ich einfach nur laut. Mehrsprachig fluchen weil ich dann alles durcheinander werfe und eben die Stimme erheben. Kommt zum Glück aber jetzt nicht so oft vor, wenn ich etwas heranrauschen spüre, gehe ich vor's Haus und schnappe nach Luft.
      Ich habe von Haus aus ein beleidigtes Gesicht (Lisa Wagner)
    • Windtänzerin wrote:

      Wenn ich einen Overload habe, bin ich extrem unruhig und werde auch aggressiv, mein Herz rast und ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Es ist, als wäre ich in einem Strudel aus überschäumenden Gefühlen und wild auf mich einprasselnden Reizen gefangen und drohe, darin unterzugehen. Mein Denken setzt dann fast völlig aus und ich würde am liebsten wegrennen und mich irgendwo in einer dunklen Ecke verkriechen. Es wäre dann ein fataler Fehler mich anzufassen, denn das endet meistens in einem heftigen Meltdown (ich tikke völlig aus und habe keinerlei Kontrolle mehr über mich, fange an, hysterisch zu schreien, um mich zu schlagen, Sachen durch die Gegend zu werfen, das "Übliche" halt). Ansprechen würde bei einem Overload auch nichts nützen, da ich das dann schlichtweg nicht verstehe (ich begreife den Sinn nicht mehr) und es mich nur zusätzlich "überladen" würde. Meine Familie weiß das und lässt mich dann auch völlig in Ruhe. Nach einem Overload (und auch nach einem Meltdown) bin ich meistens fix und fertig und will nur noch schlafen. Aber erholsam ist der Schlaf dann nicht wirklich, meistens schwitze ich furchtbar und träume wirren, beängstigenden Kram.
      Ich bin auch nur VA, aber das was du beschrieben hast, kenne ich sehr ähnlich auch. Wenn ich ausraste, werfe ich Dinge durch die Gegend, schlage oder trete Türen oder zur Not auch Wände. Seit ich bei einem seiner Wutanfälle von meinem Ex mal fast einen schweren Hammer abbekommen habe, schaffe ich es aber meistens niemandem außer mir weh zu tun oder auch nur zu drohen. Wenn es geht, ziehe ich mich zurück und warte, bis es aufhört.

      Wie fühlt sich das an? Ich werde zuerst immer unruhiger, öffne und schließe die Fäuste, muss mich bewegen... weg aus der Situation. Ich schaue dann unruhig im Raum herum, kann mich nicht mehr auf das, was um mich herum passiert, konzentieren. Gespräche werden zu einem Gemurmel, einem "Brei" aus Geräuschen. Laute Musik spüre ich dann wie Faustschläge oder andere körperliche Qualen.
      Bisher konnte ich aber immer in letzter Sekunde flüchten, so dass mich nur wenige Menschen in der Situation erlebt haben.

      Wenn ich aus der Situation raus bin, gibt es zwei Möglichkeiten: Ich zittere unkontrollierbar (teils schubweise), stottere, bin unruhig, überempfindlich mit allen Sinnen... oder ich bin äußerlich ruhig und spüre gar nichts. Ich kann die empfangenen Informationen dann nicht wirklich verarbeiten (ich höre, verstehe aber nicht... sehe, erkenne aber nicht).

      Ich weiß, dass ich mal nachts im Oktober raus rannte, in T-Shirt und Skihose. Es regnete stark und war gerade so über 0°C warm. Ich wollte aber nur laufen, ganz weit weg. Mir war nicht kalt, auch nicht warm. Es war mir so egal, dass ich nicht mal merkte, dass ich patschnass wurde. Mein heutiger Freund (den ich damals gerade kennengelernt hatte) folgte mir besorgt mit meinen Jacken. Er musste eine Weile auf mich einreden, bis ich ihm zuliebe die Regenjacke anzog. Ich weiß nicht mehr, wie er es geschafft hat, aber ich merkte irgendwann, dass ihn mein Verhalten nicht wirklich erschreckt oder erstaunt hatte. Er war einfach da, als wäre es völlig normal, und wartete, dass ich mich aussprechen konnte. Kurz nach dieser Erkenntnis begann ich zu frieren... meine Sinne arbeiteten dann nach und nach wieder normal.
      Ich hatte ganz vergessen, dass ich dann nicht mal Worte finde, um zu erklären, was mein Problem ist. Wenn es richtig schlimm ist, bin ich wirklich sprachlos.

      Mein Freund ist der einzige Mensch, dessen Anwesenheit ich in solchen Situationen ertrage. Wahrscheinlich, weil ich ihm nichts erklären muss - er kennt das vermutlich alles besser als ich.
      Ich glaube, dass es viel schlimmer wird, wenn man weiß, dass man sich gerade total peinlich benimmt. Deswegen hat man wahrscheinlich auch den Fluchtreflex.

      Generell fällt es mir aber sehr schwer, mich an diese Situationen zu erinnern. Ich weiß, wie es anfängt... ich weiß auch, wie es sich anfühlt... aber ich kann nicht aufzählen, wann oder warum es zuletzt passiert ist. Ich weiß auch nicht, wie lange das jeweils dauert. Ich erinnere mich nur selten so gut daran, wie an die Oktobernacht.
    • Köf3 wrote:

      Wie erlebt Ihr einen Overload und wie fühlt ihr Euch typischerweise dabei, was löst ihn aus und wie kommt ihr damit am ehesten klar? Was macht ihn eventuell nur noch schlimmer?
      Was erlebt Ihr dabei, merkt Ihr das körperlich und was sind die Folgen des Overloads?

      Könntest du eventuell näher beschreiben, welche Art Overload diese Person erleben soll? Soll sie eher einen Meltdown oder einen Shutdown haben? Damit wären ja jeweils recht unterschiedliche Empfindungen und Folgen verbunden.

      Was echte Overloads angeht, erlebe ich häufiger Meltdowns als Shutdowns. Diese fand ich von Shenya sehr gut beschrieben: Unwohlsein, leichtes Ärgergefühl, das bis zur Wut anwächst und dann, wenn das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht wurde, eine plötzliche, explosionsartige Entladung in Schimpftiraden und Gewalt gegen Gegenstände. Während des Meltdowns wird mir unwahrscheinlich heiß und mein Herz klopft wie wild. Anfassen wäre absolut kontraproduktiv (ich würde mich dem Körperkontakt sofort entziehen und "Fass mich nicht an!" schreien). Enden tut es oft damit, dass ich weinen muss. Auch aus diesem Grund verlasse ich nach einem Wutanfall so schnell es geht die Situation. Ansonsten vor allem wegen der Scham und weil ich "runterkommen" muss.

      Der letzte komplette Shutdown liegt länger zurück, aber ich kann mich erinnern, dass es sich anfühlte, wie "ausgehöhlt" zu werden. Ich hab das Gefühl, dass mit jedem neuen Reiz ein weiterer Teil von mir verschwindet, zunächst das Sprachvermögen, dann die Gedanken, anschließend auch die Emotionen und letztlich die Sinneseindrücke selbst. Letztlich sacke ich in mich zusammen und bin dann eine Weile nicht mehr wirklich ansprechbar. Beginnen tut das Ganze oft mit einem leichten Gefühl von Übelkeit.
      In der Regel schaffe ich es vorher die Kurve zu kriegen (RW), indem ich die Situation verlasse oder durch Stimming mein Körpergefühl beibehalte.
      Ausgelöst werden Shutdowns bei mir vor allem durch Stimmengewirr und Menschen, die lange auf mich einreden. Dementsprechend ist es sehr kontraproduktiv, mich darauf anzusprechen und mein Unwohlsein erklärt haben zu wollen. Nach einem Shutdown (oder auch, wenn ich auf dem Weg bin, einen zu bekommen), muss ich mich erholen und dafür absolut allein sein. Wenn möglich lege ich mich dazu schlafen. In Fällen, wo es mir gelingt, den Shutdown zu vermeiden, bekomme ich zudem fast immer Migräne.
    • @Banshee

      Sehr schön beschrieben.

      Meltdowns passieren mir eigentlich nur wenn ich alleine bin.
      Ich achte im Vorfeld darauf, dass ich in der Nähe von anderen Personen, selbst gar in der Nähe von Tieren nicht in Situationen gerate die Meltdowns bei mir fördern könnten.
      Sobald ich merke es beginnt, verlasse ich sofort die Situation. Ganz gleich was es für eine Situation es ist.

      Shutdowns sind bei mir da aber häufiger.
      Wenn, dann passieren sie grundsätzlich in sozialen Situationen, mit besonders vielen Reizen im Umfeld. Wo ich mit vielen Informationen konfrontiert werde, auf die ich dann auch noch eingehen soll, wie z.B. auf Fragen antworten.
      Auch bei spontanen sozialen Kontakten kommt es bei mir schnell zu Shutdowns. Die engsten Freunde und Bekannte wissen das man mich nicht spontan besucht, oder versucht mit mir kurzfristig etwas zu unternehmen.
      Ich bin dann einfach nicht mehr wirklich anwesend. Bin einfach nur noch eine Kamera die aufnimmt, aber nichts von sich geben kann.
      ~Das hier is 'ne verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist.~
      (Per Anhalter durch die Galaxis)
    • Banshee wrote:

      Könntest du eventuell näher beschreiben, welche Art Overload diese Person erleben soll? Soll sie eher einen Meltdown oder einen Shutdown haben?
      Worin unterscheiden sich Meltdown und Shutdown konkret? Ich bin schon mehrfach auf diese Begrifflichkeiten gestoßen, aber Google haut da auch nur relativen Mist raus, der entweder schwachsinnig klingt oder eher falsch zu sein scheint...
      Inwieweit wirken sich diese beiden Arten aus? Wo sind die Unterschiede?

      Es geht halt darum, dass der Protagonist durch fremde Umgebung und massive Umgewöhnung quasi in einer Art "Dauerschleife" der Überforderung ist und durch ein initiales Erlebnis (dem unangekündigten Tanzen mit völlig fremden Leuten, also nix mit "ich habe mich darauf eingestellt und zieh mein Überlebensprogramm jetzt durch") einen Overload bekommt. Mehr habe ich in meinem Roman noch nicht geschrieben, da ich eben nicht genau weiß, was es da alles für Arten des Overloads bzw. deren Folgen gibt.

      Gruß, Köf3
      Nichts beschleunigt Dich so sehr wie ein Linearmotor.
    • Köf3 wrote:


      Worin unterscheiden sich Meltdown und Shutdown konkret? Ich bin schon mehrfach auf diese Begrifflichkeiten gestoßen, aber Google haut da auch nur relativen Mist raus, der entweder schwachsinnig klingt oder eher falsch zu sein scheint...
      Inwieweit wirken sich diese beiden Arten aus? Wo sind die Unterschiede?
      Ich habe vor einer Weile mal diese Seite gefunden, die fand ich sehr gut erklärt: innerwelt.wordpress.com/2013/0…erload-melt-und-shutdown/

      Da ich mich auf Partys oft unwohl fühle, habe ich eine Idee, wie man es beschreiben könnte... weiß aber nicht, wie ich an die Vorgeschichte anknüpfen soll oder ob du es dir so vorgestelllt hast. Wenn du magst, schreib doch mal, was kurz vorher passiert und wie der Ausbruch enden soll. Ich ziehe mich dann immer zurück, ausgerastet bin ich noch nie unter Menschen.

      Übrigens: Oft findet man auf englischsprachigen Seiten eher was. Ich habe durch meine Recherchen zu ADHS, Asperger und Nähen mein Englisch wirklich verbessert, weil ich so unglaublich viel dazu gelesen habe. In diesem Fall sah Google mit "feeling overload aspergers" schon gar nicht schlecht aus. Im Notfall gibt es ja noch dict.leo.org :)
    • moud wrote:

      Da ich mich auf Partys oft unwohl fühle, habe ich eine Idee, wie man es beschreiben könnte... weiß aber nicht, wie ich an die Vorgeschichte anknüpfen soll oder ob du es dir so vorgestelllt hast. Wenn du magst, schreib doch mal, was kurz vorher passiert und wie der Ausbruch enden soll. Ich ziehe mich dann immer zurück, ausgerastet bin ich noch nie unter Menschen.

      Ich hab mir mal die von Dir verlinkte Seite durchgelesen und da wird mir schon einiges klarer. Auch, dass ich offensichtlich zu blöde zum Googlen bin, aber naja :d
      Ich versuche die Situation mal ein bisschen ausführlicher zu erklären als die beiden Male zuvor.

      Der Protagonist in der Geschichte hat Asperger. Er kommt dank Zeitreise aus der Moderne, kennt eigentlich nur Computer und das ganze moderne Zeug und ist durch Umstände [die ich noch weiter ausarbeiten muss] Knappe des Burgherrn geworden. Das bedeutet, ihn zu Gerichtstagen und Festmahlen zu begleiten und noch einiges mehr, darunter auch am Tisch bedienen und notfalls an seiner Seite in den Kampf ziehen. Letzteres spielt in meinem Roman aber keine große Rolle. Der Protagonist kann sich keinem anvertrauen (logisch, Asperger kennen die im Mittelalter nicht und wirkt auch schnell auffällig, wenn man über sowas versucht gezielt zu reden) und gerät dadurch zusehends unter Druck bzw. wird verzweifelt und langsam aber sicher überfordert. Man muss dabei bedenken, dass im Mittelalter die Erwartungshaltung extrem war, gerade von einem Knappen bzw. Höhergestellten allgemein. Während eines Festmahls/Turniers oder so einfach Rückzug nehmen kann schnell sehr böse Konsequenzen haben, die auch durchaus einen riesigen Berg an Problemen und Nachteilen nach sich ziehen können. Das ist dem Protagonisten vollkommen bewusst, weshalb er andauernd eine Fassade der Normalität aufrechterhält, zu Lasten der seelischen Verfassung.
      Während eines Abends wird im Rittersaal noch ein wenig musiziert und getanzt, quasi um den Tag aus NT-Sicht "entspannt" ausklingen zu lassen. Vom Protagonisten wird erwartet, dass er an der Seite des Burgherrn befindet und die Angst, beim Rückzüg "Ärger" bzw. Nachteile gegenüber den anderen Burgbewohnern zu bekommen, ist bis dahin einfach zu groß gewesen.
      Doch an dem Abend geht es nicht mehr, bei der unangekündigten Aufforderung mitzutanzen, wird dem Protagonisten nach all dem Verstell-Spiel einfach alles zuviel. Er bekommt nen Overload... und mehr habe ich bis jetzt nicht geschrieben.

      Ich denke, der Protagonist wird nach dem Overload aus dem Raum rennen (=sich einfach den Rückzug nehmen) und naja, wie es für den Protagonisten danach gefühlsmäßig weitergeht, keine Ahnung. Einen "richtigen" Overload mit allem Drum und Dran habe ich schon lange nicht mehr gehabt. Momentan fühlt sich das ganze bei mir eher wie ein steter "Mini-Overload" an, aber (noch) ohne Meltdown/Shutdown, deshalb kann ich da aus meiner eigenen Sicht nichts zu sagen.

      Gruß, Köf3
      Nichts beschleunigt Dich so sehr wie ein Linearmotor.
    • Wenn ich in unbekannter Gesellschaft bin, mir das Stimmengewirr und die vielen Menschen, mit ihren Forderungen, zu viel werden, schalte ich, seit vielen Jahren schon, auf einen "inneren Autopilot" um. Ich höre mich selber reden, und verstehe den Sinn dessen nicht mehr vollständig. Ich reagiere auf Stichwörter, plappere irgend etwas dazu, lächele und trage eine meiner vielen Masken, agiere gemäß meinem erlernten "Handbuch für Notfälle". Ich will nicht auffallen! Natürlich falle ich genau damit auf und werde schon seit vielen Jahren nirgends mehr eingeladen; oder nur ein einziges Mal und das war es dann.

      Im Beruf war das weniger ein Problem, weil dort distanziertes Verhalten erwartet wurde.
      Im Gegenteil! Gerade durch diese tiefgreifende innere Distanz zu den Gegebenheiten, war ich oft einer der wenigen der in stressigen, oft auch gewalttätigen, Situationen einen "kühlen Kopf"(RW) bewahren konnte und handlungsfähig blieb. Die Abläufe entwickelten sich meist ähnlich, gemäß dem erlernten Prozedere, und waren ohne große Überraschungen für mich.

      Früher, also bis vor etwa 12 Jahren, habe ich mich regelmäßig auf Partys, oder anderen gesellschaftlichen Zusammenkünften, betrunken und mutierte dann zum "Partylöwen" (RW). Aber das kann und will ich nicht mehr, weil ich über den Konsum von Suchtstoffen sehr schnell den Überblick verliere und in die Hilflosigkeit trudele.
      Ein Entzug hat mir völlig ausgereicht, das muß ich nicht wieder haben.

      Zu Hause ist es etwas anders, da ich mich auf vertrautem Terrain bewege. Wenn es mir zuviel wird, was auch immer das ist, ziehe ich mich zurück und damit ist es dann auch schon gut, erledigt.
      F84.5-G- Asperger Syndrom


      Es ist kein Anzeichen von seelischer Gesundheit sich an eine zutiefst gestörte Gesellschaft anpassen zu können.
    • Wenn ich in einen Overload reinsteuere, kommt er. Den kann ich nicht verhindern. Ein Overload ist ja eine Überlastung oder Überladung von irgendwas. Sowas lässt sich nur durch sofortiges Abstellen des Grundes oder Verlassen des Platzes verhindern. Wenn das alles nicht geht, bekomm ich den Overload und wenn ich dann auch noch gefordert werde, irgendwas zu tun, vielleicht sogar komplexe soziale oder kommunikative Dinge, reagiere ich entsprechend harsch (mit Meltdown oder shutdown).

      ich kenne den Mechanismus inzwischen sehr gut und kann bis zu einem gewissen Grad mit dem Verstand gegensteuern, aber irgendwann ist da Schluss. Ein Overload ist wie ein versagendes Bremssystem auf der Autobahn, während du mit Tempo 150 unterwegs bist.
    • moud wrote:

      Ich habe vor einer Weile mal diese Seite gefunden, die fand ich sehr gut erklärt: innerwelt.wordpress.com/2013/04/…t-und-shutdown/
      Nach dem Durschschauen der verlinkten Seite habe ich festgestellt, dass ich es bis jetzt auch nicht richtig verstanden hatte. Ich dachte immer, dass Shutdowns und Meltdowns Arten von Overloads sind, aber nach dem Link sind es eigentlich Folgen von Overloads. Das macht einiges klarer!
      Das hieße also dass das, was ich jeweils als Aufbau des Overloads beschrieben habe, schon der Overload ist und Shut- und Meltdown jeweils die Konsequenz, wenn ich die Situation nicht verlassen kann.

      Ok, dann versuche ich jetzt noch mal den Overload an sich zu beschreiben. Meltdown oder Shutdown wären dann die Konsequenz, wenn ich Ausweichmechanismen nicht funktionieren und eine Flucht nicht möglich ist. Diese klammere ich nun aus der Beschreibung aus.

      Wie sich ein Overload anfühlt, kommt bei mir sehr stark auf die Art der einströmenden Reize an. Störende Geräusche (meistens welche, die vereinzelt und unerwartet kommen) oder repetitive Bewegungen in meinem Sichtfeld führen dazu, dass sich bei mir Wut aufbaut. Das geht dann mit Hitzegefühl und Herzklopfen einher. Außerdem werden die entsprechenden Sinnesorgane dann empfindlicher. So höre ich z.B. den störenden Reiz plötzlich viel lauter als ursprünglich, was ihn umso unerträglicher macht. Bei Bewegungen ist es dann oft so, dass ich weitere störende visuelle Reize wahrnehme, die mir bis dahin nicht aufgefallen waren.
      Ich versuche meistens, wenn ich der Situation nicht direkt entfliehen kann, den Reiz irgendwie auszublenden. Bei Geräuschen heißt das: Ohropax rein und/oder Kopfhörer auf und Musik aus MP3-Player lauter drehen, um das Geräusch zu überdecken. Bei Bewegungen versuche ich mir meist "Scheuklappen" aufzusetzen. So lege ich mir zum Beispiel meine Haare ins Gesicht oder stütze meinen Kopf seitlich mit der offenen Handfläche, damit ich Reize links oder rechts nicht mehr wahrnehmen muss. Oder ich nehme ein Buch aus meiner Tasche und halte es beim Lesen so, dass ich die Störquelle nicht mehr sehen kann. Bei Gerüchen, bedecke ich meine Nase meist mit meinem Schal.
      Hilft davon nichts, versuche ich aus der Situation zu fliehen. So verlasse ich oft Vorlesungen vorzeitig oder wechsle im Zug das Abteil. Im Bus setze ich mich um.
      Nach erfolgter Flucht dauert es dann einige Zeit, bis ich mich wieder beruhigt hat. Meistens setzt dann auch die Migräne ein und ich versuche mich an einen möglichst ruhigen und menschenleeren Ort zu begeben, um mich zu erholen.
      Wäre hier Flucht und Ausblenden nicht möglich, käme es letztendlich zu einem Meltdown.

      Ist stattdessen Geräuschbrei zu hören oder redet jemand auf mich ein, steigt keine Wut in mir auf, sondern ich fühle mich zusehens schwächer. Das ganze wird, wie ich schon im anderen Beitrag erwähnt habe, von einer anschwellenden Übelkeit begleitet. Manchmal gesellt sich auch Atemnot dazu oder mir bricht kalter Schweiß aus. Oft ist es in diesen Situationen aus verschiedenen Gründen nicht möglich, mich von dem jeweiligen Reiz abzuschotten. In Gesprächen verbietet einem das die Höflichkeit, in Seminaren, wo viele Menschen durcheinander reden, ist man oft in Aufgaben eingebunden. Deswegen bleibt hier nur zu versuchen, durchzuhalten (beispielsweise indem ich stimme, um meinen Körper am Abschalten zu hindern) oder eben doch zu versuchen so höflich wie möglich aus der Situation zu entkommen. Was aber zumeist unschöne Konsequenzen hat. Geht es überhaupt nicht, kommt es zum Shutdown, der sich bei mir meist in einem innerlichen Abschalten äußert, aber auch bis zum Zusammenbruch führen kann.
      Egal ob ein Shutdown erreicht wird oder nicht, habe ich danach ein langanhaltendes Gefühl der Erschöpfung (oft auch wieder von Migräne begleitet), das ich unbedingt allein auskurieren muss. Sehr häufig komme ich nach solchen Erlebnisse nach Hause, lege mich auf Sofa und schlafe direkt ein, um erst Stunden später aufzuwachen.
    • Es freut mich, dass euch die Seite gefällt. Ich fand sie auch sehr gut und es war die erste richtige Erklärung, die so geschrieben war, dass ich meine "Zustände" den jeweiligen Begriffen zuordnen konnte.
      Und es war definitiv kein direkter Treffer über Google. Ich habe mich vor ein paar Monaten mit dem Thema mal wieder befasst und einige Stunden lang gesucht und gelesen und Links verfolgt.

      Köf3 wrote:


      Während eines Abends wird im Rittersaal noch ein wenig musiziert und getanzt, quasi um den Tag aus NT-Sicht "entspannt" ausklingen zu lassen. Vom Protagonisten wird erwartet, dass er an der Seite des Burgherrn befindet und die Angst, beim Rückzüg "Ärger" bzw. Nachteile gegenüber den anderen Burgbewohnern zu bekommen, ist bis dahin einfach zu groß gewesen.
      Doch an dem Abend geht es nicht mehr, bei der unangekündigten Aufforderung mitzutanzen, wird dem Protagonisten nach all dem Verstell-Spiel einfach alles zuviel. Er bekommt nen Overload... und mehr habe ich bis jetzt nicht geschrieben.

      Ich denke, der Protagonist wird nach dem Overload aus dem Raum rennen (=sich einfach den Rückzug nehmen) und naja, wie es für den Protagonisten danach gefühlsmäßig weitergeht, keine Ahnung.
      Ich würde beschreiben, wie er sich im Laufe des Abends immer unwohler fühlt: Die eigentlich hervorragende Musik tut ihm in den Ohren weh. Die Gespräche vermischen sich zu einem drohenden Grollen.
      Er könnte auch das tun, was ich im ersten Moment gerne versuche: Sich in seine Aufgabe flüchten, also den Burgherrn umsorgen. Das funktioniert aber nicht und er könnte versuchen, sich wegen seiner Pflichterfüllung aus dem Raum zu flüchten... vielleicht etwas holen? Falls ihm das gestattet ist, kannst du beschreiben, wie schwer es ihm dann fällt, sich dem Rittersaal überhaupt wieder zu nähern.
      Ich habe in solchen Situationen das Gefühl, als würde ich gegen starken Wind gehen müssen. So stark, dass ich teilweise gar nicht voran komme.
      Und genau in dem Moment könnte ihn jemand ansprechen, dass der Burgherr auf ihn wartet. Das bricht bei mir erst mal den "Bann" und ich beeile mich und schaffe es auch.
      Da er nun wieder da ist, teilt ihm der Burgherr mit, dass er nach ihm schicken lies, weil getanzt werden soll. Zuerst ist er neugierig, was nun auf ihn zu kommt und macht mit. (Man befindet sich in einer Art Schockstarre und für wenige Minuten scheint alles gut zu sein.) Er nimmt nur das Allernötigste wahr, beispielsweise den Menschen ihm direkt gegenüber oder so.
      Der Tanz beginnt und die Schockstarre löst sich. Zu dem einen Menschen kommen mehr und mehr dazu. Die Musik beginnt, ihm körperliche Schmerzen zuzufügen. Er versucht, den anderen Menschen auszuweichen, aber ohne Erfolg. Es scheint, als würden sie immer dichter kommen, ihn in ihrer Mitte ersticken wollen. Er beginnt zu zittern, sucht nach einem Weg durch die Menschenmasse, kann aber keinen finden. Wenn er versucht, in eine bestimmte Richtung zu gehen, wird er angerempelt... stolpert und rempelt andere an.
      Irgendjemand spricht ihn an, will nur nett sein und ihm beispielsweise etwas geben, was ihm heruntergefallen ist (Kappe?). Er versteht kein Wort, sieht nur Lippenbewegungen, hört aber nichts. Die Mimik kann er nicht deuten. Er glaubt, eine Rüge zu bekommen, denn er hat diese Person ja eben angerempelt. Nun hat er das Gefühl, es wären alle Augen auf ihn gerichtet. Alle Gespräche haben sein Fehlverhalten als Thema. (Was nicht stimmt, aber es geht um seine Sicht.)
      Ihm ist heiß und kalt zugleich und der Gedanke an Flucht wird stärker als alles andere. Er rennt einfach los, mitten durch die Menschen hindurch. Dass er sie anrempelt, spürt er nicht. Er rennt und rennt, bis er einen Zufluchtsort erreicht hat. Dort setzt er sich an die Wand, zieht die Beine an den Körper, senkt den Kopf auf die Knie und verschränkt die Arme über dem Kopf. Die erste Zeit denkt er an gar nichts, er sitzt nur dort. Alle Muskeln sind angespannt, die Hände halten sich irgendwo fest, beispielsweise an seiner Kleidung.
      Irgendwann beginnen die Muskeln zu schmerzen, er spürt wieder etwas (Kälte, falls er in den Kelller gelaufen ist... Regen, falls er draußen ist). Nun beginnt er, zu zittern. Er realisiert, was er gerade gemacht hat und was es für Konsequenzen haben wird. Das "malt er sich in den dunkelsten Farben aus" und steigert sich immer mehr in seine Verzweiflung rein. Dann würde ich ihn einschlafen lassen, damit er am nächsten Morgen mit einem kräftigen Kater aufwachen kann. (Ich habe dann immer einen Kater, obwohl ich abends nichts getrunken habe. Auch der Rest der Beschreibung ist eine Mischung aus verschiedenen Situationen, an die ich mich so halbwegs erinnern kann.)

      Ich habe auch Ideen, wie man danach weiter machen kann:
      1. Was er nicht gesehen hat, war, dass der Burgherr zwar neben ihm auf die Tanzfläche ging, sich aber auch sehr bald wieder auf seinen Platz setzte und dem bunten Treiben scheinbar wohlwollend zusah. Den Bienenwachs in dessen Ohren hat er auch nicht gesehen. (Ich denke, du weißt worauf ich hinaus will... aber deine Hauptperson wird noch ziemlich lange brauchen, um herauszufinden wieso der strenge Burgherr manchmal erstaunlich nachsichtig ist.)
      2. Oft gibt es eine Person, die normalerweise im Hintergrund bleibt. Irgendwer vom Personal. Derjenige (oder wenn du magst "diejenige") könnte ihn finden und ihm aus Sympathie eine gute Ausrede verraten, damit er seinen Posten nicht verliert. Z.B. ihm war plötzlich speiübel und er wollte das "Unglück" nicht im Rittersaal geschehen lassen. Oder irgendwas in Richtung "Kirche", "Teufel"... was ihn nicht geradewegs zum Henker führt sondern eben entschuldigt.
      3. Der Burgherr war so betrunken, dass er es nicht mitbekommen hat und er glaubt den anderen nicht, dass sein treuer Knappe so seltsam handelt. Vielleicht traut sich auch niemand, etwas zu sagen?
    • Overload => Shutdown => Meltdown.

      Erst kommt der Overload.
      Wenn ich nicht wegrennen kann, kommt der Shutdown, den ich für mich so erfahre (und definiere), dass alle sozialen, aber auch funktionalen Mechanismen zusammenbrechen. Kein Sprechen mehr möglich, kein Zuhören oder Verstehen mehr möglich, es wird auf der Stelle stehengeblieben, eigene Hilfsmechanismen versagen wie alles andere, es wird der Körper starrer als sonst, friert metaphorisch ein, meist wird sich hingesetzt, Ohren zugehalten, Augen zu. Alles im Kopf wird still. Da gibts kein Denken mehr, man geht nach innen.
      Wenn ich im Shutdown nicht Ruhe dabei finde, z.b. weil jemand mich anfässt, bewegt, irgendwo hin zieht und nicht schnell genug loslässt (also vorallem Körperkontakt ist dann noch "invasiv", denn Sprache bekomme ich eh nicht mehr mit), dann kommt der Meltdown, also ich raste aus, schlage mich und andere(s) solange bis ich fast einen Herzstillstand habe, weil der Puls so hoch ist, wie bei einem Hund, der nicht weiß, wann Schluss ist mit dem Hin- und Herrennen.

      Obwohl ich oft Overloads und Shutdowns habe, habe ich eher selten Meltdowns. Meist retten mich andere aus dem Shutdown durch Wegziehen aus der Umgebung. Aber alle drei sind völlig unabhängig davon, ob ich alleine bin oder was mir von außen als Verhalten diktiert wird. Wer behauptet, dass er/sie ohne Probleme rein intellektuell Overloads o.ä. gegensteuern kann, hat aus meiner Sicht noch keinen richtigen Overload gehabt.
    • Neoni wrote:

      Wie häufig habt ihr das jeweils?
      Kommt sehr auf die Lebensumstände an.
      In der WG damals, direkt an einer großen Hauptstraße: mehrfach wöchentlich.
      Das waren keine guten Zeiten, oft saß ich heulend auf der Couch und wollte einfach nur noch weg, alle Sinne ausschalten, nichts mehr hören, nichts mehr fühlen, nicht mehr sehen.
      Bin weggerannt und konnte nicht fliehen, weil es auch draußen keinen ruhigen Ort gab, die Autos, die Menschen, Züge...

      Heutzutage: Meltdown alle 2-3 Monate, Shutdown etwa alle 2 Wochen.
      Okay, letzeres derzeit häufiger, da ich momenten täglich mit 30 anderen Studenten im Labor stehe, heute war es definitiv zu viel und ich bin vollkommen wegdissoziiert.

      Shutdown kann ich schlechter einordnen.
      Meltdown gibt es vor allem aus zwei Gründen: Lärm & emotionaler Meltdown. Wie ein Meltdown abläuft wurde hier genügend beschrieben, ist bei mir nicht anders.
      Shutdown kommt eher bei generellem Overload vor. Also wenn es ein bunter Mix aus visuellen, taktilen, akustischen und sozialen Reizen gibt.
      In verschiedenen Stärkegraden.
      Das harmloseste ist wohl das abdriften. Dann bekomme ich nichts mehr mit, rede nicht mehr, reagiere nicht, nehme alles nur noch schemenhaft wahr.
      Selber bemerke ich diesen Zustand aber nicht so sehr, realisieren tue ich es vor allem, wenn ich darauf angesprochen werde, warum ich nicht reagiert habe oder ähnliches.
      Dann gibt es den körperlichen Shutdown. Da schlafe ich dann einfach ein. Passiert zum Glück nicht beim einkaufen. :d
      Als drittes kenne ich noch das "Kranksein", als Steigerung des Letztgenannten. Zum Beispiel auf Stufenfahrten oder auch nach Familienfeiern. Das schaut dann so aus, dass ich morgens aufwache und mich total krank fühle, also fiebrig und körperlich völlig erschöpft. Weil ich "krank" bin bleibe ich also im Bett und schlafe dann auch schonmal 24h einfach durch, bin dann für etwa 2 Tage außer Gefecht gesetzt.