Gast bei Beerdigungen

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    • Gast bei Beerdigungen

      Hallo!

      Ich würde gern wissen, wie ihr euch bei Beerdigungen verhaltet. Ich war eben bei der Beerdigung der Oma meines Mannes, sie ist vor circa sechs Wochen mit 75 Jahren gestorben. Wir hatten ein gutes Verhältnis, sie war eine liebe, offene, ehrliche und ruhige Frau. Sehr angenehm.

      Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt, das verunsichert mich sehr. Als ich kam, waren schon einige Leute da und ich bin die Reihe rum, um alle zu begrüßen. Ich habe mir generell angewöhnt dabei zu lächeln und hatte nun irgendwie Schwierigkeiten das zu unterdrücken. Manchmal komme ich mir richtig dumm vor… „Sie schafft es nicht Leute auf einer Beerdigung ordentlich zu begrüßen“. Als ich vor einem Mann stand, den ich nicht kannte, der aufgrund seines Outfits nicht wie einer der Gäste ausgesehen hat (schwarze Hose, aber einfaches, schwarzes T-Shirt), plauzte es aus mir heraus „Ich kenne Sie nicht.“. Ich wollte damit sagen, dass ich gar nicht so richtig weiß, ob ich ihm Hallo sagen muss, mein Schwiegervater daneben war gleich ganz verlegen und meinte, er hätte ihn ja vorstellen müssen… Nun habe ich allen schlechte Gefühle verschafft. Während der Rede haben alle Rotz und Wasser geheult, nur ich natürlich wieder nicht. Ich habe meine Finger geknetet und mit den Oberschenkeln gezappelt. Ich kann euch genau sagen, wie die Fenster ausgesehen haben und, dass einer der fünf Pfosten vom im Nachhinein ausgetauscht worden sein muss, weil das Muster ein kleines bisschen von dem der anderen abweicht. Als es um die Beisetzung an sich ging, habe ich beobachtet, dass alle zu dem Loch in der Erde sind, kurz inne gehalten haben, dann ein paar Blütenblätter und etwas Erde hineingeworfen haben und dann links zur Seite gegangen sind. Nachdem ich dran war habe ich bemerkt, dass alle danach zum verbliebenen Opa sind und ihn umarmt haben. Nur ich natürlich nicht… Ich bin gerade irgendwie echt enttäuscht von mir. Nun gehen alle zusammen Kaffeetrinken, ich darf zum Glück meine Kinder aus dem Kindergarten abholen.

      Ich bin so unsensibel! Ich habe z. Bsp. vorher den ganzen Weg bis zum Friedhof darüber nachgedacht, was ich in meinem Garten wie umgestalten könnte und als ich um die Ecke gekommen bin, war ich quasi kurz ein bisschen überrascht, dass alle traurig gucken und schwarze Sachen anhaben.

      Wie ist das bei euch?
    • Hallo.
      Ich habe generell sehr starke Gefühle, die sich schwer kontrollieren lassen. Also wird auch Trauer bei mir sehr sehr groß.
      Ich finde Beerdigungen ganz schlimm. Ich schaffe sie nur mit Beruhigungsmittel.
      Die letzte war sehr schwer für mich. Aber sie war auch von der Rede her sehr schön gestaltet. Das hat mich sehr berührt.
      Ich hoffe in nächster Zeit bleibe ich von Todesfällen verschont. Es reicht.

      Ich kann persönlich nicht nachvollziehen, was manche über Beerdigungen sagen. Nämlich dass sie dort lachen müssen. Das finde ich mehr als unpassend.

      Lg Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Bibi Blocksberg wrote:

      Wie ist das bei euch?
      Nicht viel anders als bei dir. Ich habe mittlerweile leider mehr Beerdigungen hinter mir, als mir lieb ist. Ich weine auf Beerdigungen so gut wie nie und bin mit den Gedanken ganz woanders. So dachte ich z.B. auf der Beerdigung meiner Schwester, dass die Kirchenbänken dringend mal wieder gestrichen werden müssten und irgendwer mal wieder die Kirche ordentlich durchfegen müsste. Auf Beerdigungen sind die Menschen sehr emotional und reagieren nicht immer so, wie man denkt. Jeder geht mit sowas schließlich auch anders um. Mach dir nicht so einen Kopf darum. Ich bezweifle, dass du wirklich irgendwem schlechte Gefühle gemacht hast. Vielleicht waren einige Leute kurz irritiert, aber mehr auch nicht.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • @Veronika: Dann solltest du besser nie in Norddeutschland zum Kaffeetrinken nach einer Beerdigung gehen. Hier ist es völlig normal, dass gelacht wird. Hier erzählt man sich nämlich gegenseitig lustige Begebenheiten, die man mit dem Verstorbenen erlebt hat und erinnert sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge an den Verstorbenen.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Ich kann verstehen, warum dir das unangenehm ist. Beerdigungen sind nun mal "soziale Minenfelder". Hochzeiten finde ich persönlich aber noch schlimmer. Sowas macht mich auch extrem unsicher.
      Ich würde mir an deiner Stelle aber jetzt nicht zu viele Gedanken machen darüber, wie du dich verhalten hast.
      Die nächsten Angehörigen haben bei sowas emotional eher mit sich selbst zu tun und kriegen oft gar nicht so mit was alles passiert. Und da es ja eine Ausnahmesituation ist, haben die meisten Leute Verständnis, wenn sich auch mal jemand merkwürdig verhält. Jeder geht halt anders mit sowas um.
      Du darfst mit den Gedanken woanders sein, während der Trauerfeier und der Verstorbenen in Ruhe gedenken, wann und wie du das für richtig hälst. Das finde ich nicht moralisch verwerflich.
      Ich habe auch schon Beerdigungen erlebt, wo gelacht wurde und es war kein Problem. Manchmal ist das ja durchaus im Sinne des Verstorbenen. Wenn man an lustige, schöne Erlebnisse mit dem Verstorbenen denkt, dann kann es sogar sehr tröstlich sein, sich daran zu erinnern und sich daran zu freuen. Gedanken und Gefühle sind nun mal wie sie sind.
      Wenn du dich so unwohl fühlst, wegen deines Verhaltens und Angst hast, dass es falsch verstanden wird, dann kannst du ja in einem ruhigen Moment noch mal mit den Betreffenden sprechen und erklären, dass du irgendwie "neben dir standest" und das es dir leid tut, wenn das komisch rüber kam. Ich denke man wird Verständnis dafür haben.
    • :roll:
      ich denke, ich bin da eher gemischt. Teilweise kommen Gefühle in mir hoch, aber ich bin auch stark mit dem ganzen drumherum beschäftigt. Auch die Perfekte Begrüßung fällt mir auf Beerdigungen sehr schwer. Deshalb bin ich da meist stumm und gebe nur die Hand und ein Kopfschütteln. Ich kann in mir vorstellen wie der Lebenspartner sich fühlt, fühle mich aber machtlos etwas zu sagen, da ich das Gefühl habe das alles falsch ist.

      Auf einer Beerdigung war ich dann Sargträger. Ich Empfand das als äußerst angenehm. Ich hatte eine feste definierte Aufgabe und musste nicht Reden. Das Kurze innehalte am Grab war zwar skurril, aber da man zu den ersten gehörte und von allen beobachtet wurde, hat man es einfach dem Rest der Träger gleich gemacht.

      Jeder hat einen anderen Weg mit trauer umzugehen.
      Falls jemand dir vorwerfen würde, das du etwas falsch gemacht hast auf der Beerdigung, dann kann ich zu demjenigen nur sagen, das er sich selbst einmal fragen sollte ob er auf der Trauerfeier nur anwesend war um die Fehler anderer zu suchen oder dem Verstorbenen die letzte ehre zu erweisen.

      Meiner Meinung nach hast du alles richtig gemacht. Du warst du selbst und bist sensibel genug um zu reflektieren, das die ein vielleicht komisch klingender satz rausgerutscht ist, welcher aber nur eine wahre Aussage ohne Deutung enthielt.
      - für mehr Anti-Sozialgendöns, der Anti-Terroristischen Vereinigung von Gurkistan -
    • Windtänzerin wrote:

      Mach dir nicht so einen Kopf darum. Ich bezweifle, dass du wirklich irgendwem schlechte Gefühle gemacht hast. Vielleicht waren einige Leute kurz irritiert, aber mehr auch nicht.
      So sehe ich das auch! :nod:

      Jeder geht mit Trauer anders um. Und jeder empfindet anders. Ich kann auch oft nicht weinen in solchen Augenblicken. Und bei Menschen, die mir nichtbesonders nahe standen, kann ich überhaupt keine Trauer empfinden. Gefühle lassen sich nicht erzwingen!
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • @Windtänzerin
      Das mag sein. Hinterher ist es ja üblich dass man noch schöne Erinnerungen teilt und auch mal lacht.
      Das kann ich verstehen.
      Was ich nicht verstehe ist, wenn jemand während der Trauerrede oder so anfängt zu lachen.

      Es stimmt @Schneckentanz. Jeder geht mit Trauer anders um und man kann nichts erzwingen.
      Ich kann nur leider auch mich nicht zwingen, weniger traurig zu sein. :(
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Aus meinem direktem Umfeld habe ich meine beiden Omas und Opas "unter die Erde gebracht" ;) Nein, nein, ich habe nicht nachgeholfen... :lol: Und an diesem Kommentar merkst Du evtl. schon, wie ich damit umgehe.

      Bei der ersten Beerdigung habe ich versucht, möglichst traurig zu gucken, obwohl ich absolut nicht traurig war. Ich habe meinen Opa sehr gemoch, aber trotzdem war ich nicht wirklich traurig... Damals habe ich gedacht, daß es evtl. daran lag, weil er stark dement war und sein Tod erlösend war. Nicht nur für ihn, sondern auch für den Rest der Familie. Wer sowas (Demenz) mal "live" miterlebt hat, wird verstehen, was ich meine... Bei den anderen war es ähnlich.

      Ich muß zugeben, ich habe extreme Angst davor, wenn es bei meinen Eltern mal soweit ist. Ich kann absolut nicht einschätzen, wie ich da reagiere. :roll:


      Bibi Blocksberg wrote:

      Ich bin so unsensibel!
      Das nennst Du unsensibel? Da muß ich aber :lol:

      Mal ein paar Geschichten von mir:


      Kurz nach meiner Abschlussprüfung lief mir ein Kollege aus meinem Lehrjahr über den Weg.


      Er: "Hast Du das von XYZ schon gehört?" (XYZ war auch in meinem Lehrjahr)

      Ich: "Neeee... Was is denn?"

      Er: "Er hatte vor ner Woche nen Autounfall und is ein paar Tage danach gestorben..."

      Ich: "Der Typ hat noch Disketten von mir..." :m(: :m(: :m(:



      Morgens in der Firma, Kollege ruft mich zum Telefon, meine Mutter is dran und sagt mir, daß Oma gestorben ist (kam nicht wirklich überraschend). Kollege fragt, was den los ist. Ich: "Da wird ne Wohnung frei... Meine Oma ist gestorben." :m(: :m(: :m(:


      Noch gar nicht solange her... Mein Bruder ruft mich an und erzählt mir, daß unser Vater mit Verdacht auf Schlaganfall mit dem Krankenwagen unterwegs ins Krankenhaus ist. Das erste was mir durch den Kopf ging: "Scheiße! Wie wirkt sich das auf meine Pläne aus?!?! In einer Woche steht der Konzertbesuch an. In vier Wochen will ich in den Urlaub fahren..." :m(: :m(: :m(:


      Also, mach Dir keinen Kopp.
    • Ich erinnere mich an die Beerdigung meiner Oma vor einigen Jahren. Ich habe sie sehr lieb gehabt und war als Kind auch viel bei ihr, in den späteren Jahren dann nur noch zu Geburtstagen und Weihnachten, wie das halt so üblich ist. Als sie gestorben ist, war ich nicht traurig. Ich wollte sie damals auch nicht im Krankenhaus besuchen, obwohl der Rest meiner Familie dort hingegangen ist und sich von ihr verabschiedet hat. Das soll nicht heißen, dass ich sie nicht geliebt habe, aber ich hatte einfach das Gefühl, dass sie es nicht gewollt hätte, wenn ich sie in ihren letzten Stunden noch sehe, denn sie ist sehr krank gewesen. Solange ich mich erinnern kann war sie eine sehr starke und selbstbewusste Frau und ich fühlte einfach, dass sie es nicht hätte haben wollen, dass ich sie anders in Erinnerung behalte. Auf der Beerdigung dann war ich sehr ruhig, auch wieder nicht traurig. Sie ist friedlich eingeschlafen und für mich war das in Ordnung. Ich vermisse sie, wenn ich an sie denke, aber es tut mir nicht weh. Ich habe auf der Beerdigung nur geweint, als meine Mutter bei ihrer Rede plötzlich anfing zu weinen, denn so kenne ich meine Mutter nicht. Ich vermute, ich habe in dem Moment ihre Trauer gefühlt und mit ihr getrauert - aber halt irgendwie nicht um meine Oma. Wenn ich über diese Sache nachdenke fühle ich mich sehr schlecht, denn nichts zu fühlen, wenn ein Mensch stirbt, das ist seltsam und nicht "normal", aber ich merke auch, dass ich solche Gefühle einfach nicht erzwingen kann.
    • Ich persönlich finde die Atmosphäre unglaublich unangenehm. Bei der letzten Beerdigung gab es so Platten an der Decke, mit Löchern. Hab das dann auf den ganzen Raum hochgerechnet und mich dafür sogar umgedreht (saß ganz vorne)' ansonsten lächel ich eigentlich obwohl ich traurig bin. Aber viele Beerdigungen haben etwas lustiges (Chor singt schief, peinlicher Kranz etc.)

      Unsere Familienfotos entstehen auch immer vor Gräbern :d
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • Bibi Blocksberg wrote:

      Wie ist das bei euch?
      Das hängt sehr stark von der Person ab, die beerdigt wird, und dann natürlich: reden wir vom Friedhof, oder vom "Kistenfest"? Am Grab: Je weiter weg insbesondere die direkten Angehörigen von meinem unmittelbaren Umfeld sind, desto schwieriger - was sagt man, wieviel sagt man? Bei meinen Eltern war es eigentlich am einfachsten - da musste ich nix tun, da waren die Trauergäste gefragt. Das Kistenfest kenne ich eigentlich eher als entspannt, ich erinnere mich noch aus Studentenzeiten an die Beerdigung eines 25jährigen, der sich als Bluter mit Aids infiziert hatte, also eigentlich eine emotional sehr schwierige Situation. Am Grab sind wir (er war in der gleichen Studentenverbinung wie ich) in großer Zahl und voller Montur angetreten - eine Aktion, für die sich die Eltern hinterher bedankt haben, auch ein Aspekt, den man dabei nicht vergessen sollte: was hilft den Hinterbliebenen? Die abendliche Gedenkveranstaltung der Verbindung begann sehr gemessen und feierlich, nach einer Stunde glitt es hinüber in eine der lustigsten Veranstaltungen überhaupt - was dem Verstorbenen einen Riesenspaß gemacht hätte, hatte ihn sein schwarzer Humor doch selbst in seinen letzten Tagen nicht verlassen.
    • Vor zwei Jahren habe ich ganz bewusst an einer Beerdigung nicht teilgenommen. Nicht, weit der Mensch nicht wichtig war, sondern weil ich all die weinenden, trauernden Menschen um mich herum nicht hätte ertragen können.
      Für mich haben Beerdigungen nicht die Bedeutung, die sie wohl für viele andere Menschen haben und ich kann das schlecht, nein eigentlich gar nicht überspielen. Da finde ich es ehrlicher fernzubleiben, die Trauer auf meine Art zu (er-)leben.
      Ich kann dann für Angehörige da sein, wenn dieser Tod für mich keine oder fast keine Bedeutung hat. Da kann ich auf eine Weise da sein, die vielleicht auf manche kalt und gefühllos wirken mag, doch ich habe von den direkt Betroffenen eigentlich immer nur positive Rückmeldungen bekommen.

      Oft war ich auch schon sehr wütend, "scheinheilig" und manchmal auch peinlich was Pfarrer oder Trauerredner gesprochen haben.
      Es gibt aber tatsächlich auch schöne Trauerfeiern, die dem Toten gerecht werden und wo auch einmal gelacht wird, gemeinsame Erinnerungen geweckt werden.
      Ich bin froh, dass es hier ein paar andere Menschen gibt, die da ähnlich wie ich damit umgehen, ich komme mir jetzt nicht mehr ganz so innerlich "tot" vor.
      Es gibt nichts Schöneres, als dem Schweigen eines Dummkopfes zuzuhören. Helmut Qualtinger
    • Ich war bis jetzt auf ein paar Beerdigungen und ich fand es dort schrecklich. Ich hatte das Gefühl, dass die Stimmung so war, als müsste man dort die Luft anhalten. Niemand hat meiner Meinung nach wirklich echte Trauer gezeigt. Früher fand ich Beerdigungen einfach nur lästig und verlogen und die Gestorbenen waren mir relativ egal, denn sie waren dann ja tot (auch wenn das Uroma und Oma etc. waren :m(: ). Damals hatte ich auch überhaupt keine Gefühle in mir gespürt.
      Seit einigen Jahren ist das ja fast genau umgekehrt und ich merke, dass ich unglaublich intensive Gefühle habe, die aber ziemlich unangemessen sind. Bei den letzten Beerdigungen habe ich zwar auch weniger an die Person gedacht, die gestorben ist, aber musste dann darüber nachdenken, dass ich auch mal sterben muss und wie schlimm das ist, wenn das Leben vorbei ist (obwohl ich oft genug Suizidgedanken habe und sterben will, aber bei diesen Beerdigungen wurde ich dann sehr sentimental und traurig. Das passiert mir aber auch außerhalb von Beerdigungen). Mich hat dann eine so tiefe Traurigkeit gepackt, dass ich unmöglich dort hätte ausleben können. Hätte ich das gemacht, dann hätte ich dort geschrien und mich auf dem Boden gewälzt oder mich an meine Eltern geklammert. Da man das in meiner Familie alles nicht darf, habe ich dann also so getan, als würde ich gar nichts fühlen. :roll: :shake: Ich denke, es hätte auch niemandem geholfen, wenn ich da so öffentlich sichtbar zusammengebrochen wäre. Bei der Beerdigung einer anderen Person soll es ja um die tote Person gehen und nicht um mich. Vor allem weil ich ja nicht mal wegen der toten Person geweint hätte, sondern hauptsächlich wegen ganz anderer Dinge.
      Also mir sind Beerdigungen deswegen unangenehm. Ich muss mich ganz heftig zusammenreißen dabei.
      Dazu kommt noch, dass ich trotz so trauriger Gefühle dann plötzlich irgendetwas sehen kann und dann urplötzlich darüber grinsen muss, was auch nicht unbedingt angemessen bei so einer Zusammenkunft ist. Man muss sich eigentlich total kontrollieren, welche Gefühle man zeigen darf und welche nicht, um noch als angemessen zu gelten. Das finde ich total anstrengend.
    • Ich war nur auf einer einzigen Beerdigung eines Menschen, der mir sehr viel bedeutet hat. Dort stand ich und habe einfach geweint, konnte meine Gefühle nicht kontrollieren. Ich habe die Beerdigungsrituale nicht verstanden und umsetzen können. Habe auch nicht bemerkt, ob andere Leute nach mir sehen oder nicht. Ich habe mich dort schutzlos und traurig gefühlt, der Verstorbene hat mir so stark gefehlt in diesem Moment. Die vielen Leute dort waren mir zu massiv und fremd. Ich habe es nicht ausgehalten und bin dann weggegangen.
    • Vielen Dank für eure Rückmeldungen.

      Insgesamt kann man also sagen, dass Beerdigungen komische Veranstaltungen sind. Zum Aushalten der Gruppensituation kommt auch noch die Verpflichtung zum traurig sein hinzu. Wenn es schon schwer fällt in der Gruppe glücklich und zufrieden zu sein und das auch noch zu zeigen, wie soll das nur „in traurig“ gehen?! Ich mache jetzt einen Haken dran und ärgere mich nicht mehr. Wahrscheinlich hat es keiner bemerkt, als bissl komisch gelte ich ja eh immer („Waaaas? Du telefonierst nicht gern? Das ist aber sehr traurig...“ oder „Die Bibi trifft sich ja soooo selten mit Freunden, was hat sie denn nur?“ oder „Bei euch kann man ja nie einfach mal spontan vorbeikommen.“). Die Oma von meinem Mann und die Erinnerungen an sie werden immer wichtig für mich sein - Beerdigung und Grab sind mir nicht wichtig.

      =o)
    • ich traue mich nicht zu gehen. Wenn ich sehr überreizt oder angespannt bin , neige ich zu widersprüchlichen Reaktionen - ich muss grinsen oder gar lachen. Ich will das nicht und fühle mich auch furchtbar dabei, doch ich kann es nicht stoppen. je mehr ich mich darauf konzentriere, das abzustellen, desto schlimmer wird es. Ich habe schon als Kind deswegen geschimpft und Ohrfeigen bekommen.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Danke @Schneckentanz. Du hast mich richtig verstanden. Das freut mich.
      Ja, ich leide sehr unter so etwas. Kann das schwer wegdenken. Egal wie sehr ich versuche, rational zu bleiben.
      Lg Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."