Innerlicher "Schock" in Konflikten oder kontroversen Handlungen

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    • Innerlicher "Schock" in Konflikten oder kontroversen Handlungen

      Hallo, ich wollte Euch fragen, ob Ihr ein solches Gefühl kennt, da bisher noch keine Antwort finden konnte. Leider weiß ich bisher auch nicht, ob das überhaupt etwas mit dem Thema "Autismus" zu tun hat oder auf etwas ganz anderes deutet.

      Und zwar empfinde ich in manchen Situationen (meist ungewohnt, unangenehm) wie eine Art Schock/ starkes kribbeln, der/das meinen Kopf durchfährt. Ich würde es als innerlichen Aufschrei interpretieren, da dies meist durch kontroverse Handlungen meinerseits hervorgerufen wird, bei der ich mir nicht sicher bin, ob ich mich gerade "richtig" oder "falsch" verhalte. Das Ganze spielt sich in wenigen Sekundenbruchteilen ab, wobei die Dauer und Intensität von der Entscheidung und deren Schwere abhängt.
    • ja etwa so
      "in manchen Situationen (meist ungewohnt, unangenehm) wie eine Art Schock/ starkes kribbeln,"
      und zwar schon seit langem , wahrscheinlich auch in Situationen wo ich stark am "brüten" und manchmal das Gefühl nicht unangenehm.
      in Konflikten oder kontroversen Handlungen
      ? wie geht es da aber weiter, wenn ihr nicht mehr antworten könnt ?

      Ich bin mir da total unsicher ob es nur Adrenalin ist was helfen kann. Aber ich will hier eh nix behaupten , weil ich erstmal meine psychogenen Anfälle dank guter ärztlicher Hilfe in den Griff kriege. Selber verstehe ich auch zu wenig, das hat doch mit neurologischem zu tun , oder?
      :roll: das ist jetzt nur mal so meine Ideen zu dem Thema : das eigene Gehirn zu spüren, mehr nicht ;)

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    • Tomi Blum wrote:

      das ist jetzt nur mal so meine Ideen zu dem Thema : das eigene Gehirn zu spüren, mehr nicht
      Das Gehirn ist nur eins der Körperteile, das ich in so Schockmomenten spüre,
      ich spüre da auch zunächst etwas im Gesicht, Brust, Schultern und Bauch
      und letztlich wird u.a. jede Zelle davon erfasst ist mein Eindruck.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy

      The post was edited 1 time, last by ifi ().

    • namenlos wrote:

      bei der ich mir nicht sicher bin, ob ich mich gerade "richtig" oder "falsch" verhalte. Das Ganze spielt sich in wenigen Sekundenbruchteilen ab, wobei die Dauer und Intensität von der Entscheidung und deren Schwere abhängt.
      Ich habe das wohl auch des Öfteren. Im Kopf rattern dann die Gedanken - ich bin aber wie versteinert.

      Letztes stand ich mit dem Auto auf der linken Seite der Straße "herum" da ich wenden wollte - andere Autofahrer meinten aber ich will in eine Einbahnstraße fahren (die auch links von mir lag) und machten wilde Gesten, hupten und keilten mich regelrecht mit 2 Autos ein :m(:

      Ich weiß noch, ich habe nur kurz überlegt was die damit jetzt noch erreichen wollen (ich hatte schon ein Zeichen gemacht das ich nur wenden will). x( Steigen die gleich aus - was mache ich - warum gleich 2 Autos! - Fassungslosigkeit über die Geilheit der Menschen darauf andere zurechtzuweisen - Szenenfilme in meinem Kopf :-p

      Mein Freund (der auch dabei war) hat mir aber hinterher gesagt es wäre ein längerer, offensichtlich handlungsunfähiger Zeitraum gewesen.
      Der Zeitraum und meine Außenwirkung wäre mir selbst nicht bewusst gewesen ohne Rückmeldung von außen. Ich hätte gemeint, mir hätte man nichts angemerkt. :?
      Meine Reaktion und das mir nicht bewusste (bisher falsch eingeschätzte) versteinern in aufregenden Situationen hat mich doch nachhaltig nachdenklich gemacht.

      Ich hatte bei Reizüberflutung schon oft das Gefühl alles um mich herum spielt sich in einer Art Zeitlupe ab - nur ich bin noch in der real ablaufenden Zeit, ich war aber der Meinung mein Körper bewegt und handelt weiter und alles geschieht (ganz unauffällig) nur in meinem Kopf.
      Ich finde es zudem komisch das mich, abgesehen von meiner Kindheit, vorher keiner darauf angesprochen hat. Vielleicht lag es an dem nicht wissen um meine ASS, welche meinem Freund bekannt ist. Oder vielleicht auch daran das ich mit sehr sehr wenigen Menschen engeren Kontakt hatte und habe.

      Ich finde das nicht "NT-like" und mir fällt auch nicht ein was ich/man dagegen machen könnte.

      The post was edited 1 time, last by Tauriel ().

    • Ich habe mein Leben lang schon diese inneren konflikte, die zu einem Schock und einer inneren Starre führen. Es war für mich sehr schwer, nachzuvollziehen, wodurch diese Konflikte ausgelöst werden, da ich mich für einen sehr rationalen Menschen halte, und es doch eigentlich für alles eine richtige Lösung geben müsste.

      Ein paar Beispiele:
      1. Ich hatte Probleme mit dem putzen/aufräumen. Wenn ich etwas geputzt habe, dann kam jemand und sagte "das brauchst du nicht so doll zu machen, einmal drüber wischen und weiter". Dann kam jemand anderes (oder sogar die selbe Person) und sagt bei der nächsten Aktion: "Das musst du viel gründlicher machen, da ist doch noch überall was".

      2. Es streiten sich zwei Kinder auf dem Schulhof und ich gehe dazu und frage, was los ist. Beide sind sich einig, dass es mich nichts angeht. Beim nächsten mal streiten sich zwei andere (oder die selben) und dann stellen die Lehrer die Frage, wieso denn niemand etwas gemacht hat.

      3. Ich mache meine Arbeit und ein Kollege sagt zu mir: "Das brauchst du garnicht so genau zu machen, Hauptsache es funktioniert". Am nächsten Tag sagt ein anderer Kollege: "Du machst das viel zu schlampig, du musst es schon richtig machen".

      Und diese Liste geht immer weiter und weiter, und zieht sich seit meiner frühen Kindheit durch alle Lebenslagen. Obwohl ich angestrengt nachgedacht habe, konnte ich niemals die richtige Lösung finden. Denn was an einem Tag richtig war, war am nächsten Tag falsch für die selbe Person. Oder was für eine Person richtig war, war für eine andere grundsätzlich falsch.
      Doch ich habe den Fehler immer bei mir gesucht, ich ging immer davon aus, dass ich irgendetwas übersehen oder anders gemacht habe. Ich änderte also meine Prioritäten und mein Vorgehen, in Erwartung dass es jetzt "richtiger" sei.

      Da ich niemals die Ehrlichkeit der Personen angezweifelt habe bzw. deren Beweggründe hinterfragt habe, war dies ein ewiger Teufelskreis und ich habe niemals die Richtige Lösung finden können. Dies führte dazu, dass ich sehr oft einfach gelähmt war, denn alle Lösungen, die mein Verstand ausspuckte, haben sich in der Vergangenheit schon als falsch erwiesen, und mir fällt trotz großer Anstrengung keine richtige Lösung ein.

      Mir wurde erst sehr viel später klar, dass all diese "Richtig" und "Falsch" angaben von anderen Menschen niemals objektiv waren, sondern völlig subjektiv und von einer Absicht geleitet.

      Wenn mir ein Kollege sagt, ich solle doch die Arbeit nicht zu gründlich machen, dann nicht, weil es richtig ist. Sondern weil er schnell das Projekt abgeben muss, er schon ärger mit dem Chef und den Kunden hatte, und er Probleme bekommt, wenn es zu weiteren verzögerungen kommt. Er nimmt daher kleine Fehler lieber in kauf. Dies sagt er mir natürlich nicht, sondern fordert stattdessen, dass ich schneller arbeite und "verkauft" mir dies als richtiges verhalten.
      Ein anderer Kollege hat allerdings keinen Zeitdruck, sondern hat ärger mit dem Kunden, weil zu viele Fehler aufgetreten sind. Wenn er sieht, dass ich zwar schnell, aber ungründlich arbeite, ist er sauer und sagt mir, dass dies falsch sei und ich langsam aber gründlich arbeiten müsse.

      Und da wurde mir klar, dass all diese "richtig" und "falsch" Bewertungen immer Motivationsbegründet sind, und keine absolute gültigkeit haben. Oftmals kenne ich die Motivation dahinter garnicht und zweifel dann an meinen Fähigkeiten. Oftmals sind mir auch Menschen begegnet, bei denen alles falsch ist. Wenn ich zu ordenlich arbeite, dann dauert es zu lange. Wenn ich zu schnell arbeite, ist es nicht gründlich genug. Dabei geht es eigentlich nur um den Egoismus dieser Person, nicht darum, was richtig oder falsch ist. Da ich das aber nciht so gesehen habe, haben sich die inneren Konflikte einfach immer mehr verstärkt. Für alles, was ich tue, gibt es immer Vorfälle, in denen das Verhalten "falsch" genannt wurde.

      Ich muss mich daher gerade völlig distanzieren von all diesen Erfahrungen, und selber entscheiden, was richtig und falsch ist. Das ist viel schwieriger, als es sich anhört. Denn ich bin immer davon ausgegangen, dass andere die Wahrheit sagen, wenn sie mir sagen, dass etwas falsch oder richtig ist. Die erkenntnis, dass dies niemals so ist (wirklich niemals) stellt nun extrem viele meiner Erfahrungen und Handlungen in frage.

      Die Beispiele sind natürlich sehr einfach gewählt. Wenn wir uns nun auf dem sozialen Gebiet befinden, in Freundschaften, Beziehungen usw. dann wird es um einiges komplexer. Und auch dort sagen einem alle, was falsch und richtig ist. Und es folgt überhaupt keinem muster, hat absolute Richtigkeit oder Objektivität. Am Ende habe ich also ein Sammelsorium aus Handlungen im Kopf, die alle als Falsch bezeichnet wurden von irgendjemanden. Und somit wurde die Starre immer größer, und meine Handlungsfähigkeit immer kleiner.

      Das ist wie bei einem Computer, dem man sagt, was falsch ist. Für den einen Benutzer ist es falsch, dass der Monitor von alleine ausgeht. Für den anderen ist es falsch, wenn sich das Hintergrundbild ändert. Für den anderen ist es falsch, wenn das Hintergrundbild immer gleich bleibt. Für den anderen ist es falsch, wenn der Papierkorb automatisch geleert wird. Für den anderen ist es falsch, wenn Firefox als Standartbrowser eingestellt ist.
      Diese Liste ließe sich ewig weiter führen. Würde der PC nun all diese Regeln speichern und als objektiv betrachten, so wäre der Computer schon nach einigen Benutzern (oder sogar bei einem einzigen benutzer der öftmals seine Meinung ändert) schon nach kurzer Zeit völlig unbrauchbar. Er wäre nicht mehr in der Lage, irgend etwas zu tun, da alles falsch ist.

      Und genau so habe ich mich gefühlt. Die Liste an falschen Dingen wurde immer länger und länger. Und eigentlich müsste ich es genau so machen, wie es moderne PCs machen: Ich muss für alle Benutzer unterschiedliche Profile anlegen, jeder mit seinen eigenen Regeln. Doch in diesem Moment akzeptiere ich, dass keine einzige Regel objektiv ist, und es immer nur vom Gegenüber abhängt, was richtig ist. Dies macht das Leben sehr viel komplizierter. Denn es gibt kein Richtig und Falsch, es gibt immer nur ein Richtig in Bezug auf eine bestimmte Absicht (die wir ja aber meistens garnicht kennen, weil sie uns nicht mitgeteilt wird).
    • Es wirkt, als hättest du keinen eigenen Willen.
      Man trifft Entscheidungen nicht und handelt auch nicht, nur um anderen Menschen gerecht zu werden, sondern weil man meint, dass es das Richtige sei.

      Wenn sich einer umbringen möchte, dann ist es das Richtige, ihn davon abzubringen, weil solche Menschen meist in einer Ausnahmesituation sind.
      Nur weil sie meinen, man solle sie in Ruhe lassen, wie die Kinder im Beispiel, heißt nicht, dass das auch das Richtige ist.
      Man “tanzt” doch nicht nach der Pfeife (RW) von anderen, wie ein Sklave.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Dennis82HH wrote:

      Dies macht das Leben sehr viel komplizierter. Denn es gibt kein Richtig und Falsch, es gibt immer nur ein Richtig in Bezug auf eine bestimmte Absicht (die wir ja aber meistens garnicht kennen, weil sie uns nicht mitgeteilt wird).
      Man ist halt herausgefordert eigene Massstäbe zu finden und zu leben.
      Mangels dieser finden wiederum auch Menschen und Gruppen die einen Weg vorgeben, Ideologien , Wissenschaften , Glaubensrichtungen etc. eine regen Zuspruch
      doch werden halt jeweils aus meiner Sicht immer wieder Aspekte ausgeblendet.
      Für mich ist das ein stetes Forschen inklusive trial and error ...
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy
    • Cloudactive wrote:

      Es wirkt, als hättest du keinen eigenen Willen.
      Man trifft Entscheidungen nicht und handelt auch nicht, nur um anderen Menschen gerecht zu werden, sondern weil man meint, dass es das Richtige sei.
      Man kann natürlich sagen, dass alle Autisten, die dieser Problematik unterliegen, keinen eigenen Willen haben. Für mich hat es eher mit Naivität zu tun, die viele Autisten teilen. Dem Vertrauen, dass Freunde, Eltern, Lehrer und andere Menschen schon wissen, was richtig und falsch ist.

      Denn was Richtig und Falsch ist, ist immer erlernt. Das sehen wir schon daran, dass sich im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kulturen ein komplett anderes Wertesystem durchgesetzt hat. Teilweise haben sich Werte sogar innerhalb einer Generation völlig gewandelt. Es ist also keineswegs eine Entscheidung, was man für Richtig und Falsch hält, sondern ein Resultat aus dem Erlernten und den Erfahrungen.

      Und erst wenn man sich dessen bewußt wird, dass Richtigkeit keine eigene Entscheidung ist, dann erkennt man,l dass es nichts mit Objektivität zu tun hat und jeder Mensch seine ganz eigenen Werte hat, die unmöglich alle einzuhalten sind.

      Daher ist es meine Meinung, dass man sich von diesem "Richtig" und "Falsch" System völlig befreien muss, da es nur ein Mittel ist, um anderen die eigenen Absichten aufzuzwängen.


      ifi wrote:

      Man ist halt herausgefordert eigene Massstäbe zu finden und zu leben.

      Das stimmt, aber es ist viel schwerer, als es sich anhört. Denn wir können uns nicht wirklich frei machen von dem, was wir gelernt haben. Das sehen wir schon daran, dass Menschen innerhalb einer Kultur/Gesellschaft doch immer gemeinsame Werte/Maßstäbe finden, auch wenn diese für andere überhaupt nicht nachvollziehbar sind. Wir sind also keinesfalls frei in der Wahl. Außerdem ist uns die Meinung anderer Menschen immer sehr wichtig (Eltern, Chefs, Freunde, Partner) so dass wir unsere Werte anpassen.

      Daher meine ich, dass es eine völlig subjektive und permanent verändernde Sache ist. Wenn man als Autist aber versucht, eine absolute Gültigkeit hinter den Begriffen "Richtig" und "Falsch" zu finden (und dies scheint ja einige Autisten zu betreffen) so endet man in einem Teufelskreis, in Schock und Starre. Man muss daher die Naivität ablegen, dass geliebte und wichtige Menschen wissen, was Richtig ist. Und das ist unglaublich schwierig.
    • Dennis82HH wrote:

      Das stimmt, aber es ist viel schwerer, als es sich anhört. Denn wir können uns nicht wirklich frei machen von dem, was wir gelernt haben.
      Ja, deswegen arbeiten ja auch viele Therapienansätze auf unterschiedliche Art u.a. mit dem Auflösen von diversen inneren Mustern, Glaubenssätzen, versuchen das "innere Kind" zu erreichen etc. .

      Es werden ggfls. buchstäblich neue neuronale Verknüpfungen gebildet , die Epigenetik wird verändert etc. .
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy