Sprachentwicklungsverzögerung (multiple Dyslalie)

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    • Sprachentwicklungsverzögerung (multiple Dyslalie)

      Hallo zusammen,

      da ich derzeit am Sammeln bin, welche (Persönlichkeits-)merkmale und Besonderheiten bei mir auf eine ASS hindeuten und welche eher dagegen sprechen, bitte ich um eure Erfahrungen/Einschätzungen.

      Als kleines Kind war ich sprachentwicklungsverzögert, genauer gesagt, war ich von einer Artikulationsstörung (multipler Dyslalie) betroffen. Außer meiner Mutter, konnten mich andere Menschen nur schwer verstehen. Der Kinderarzt (der viele bedenkliche Entscheidungen traf) bekam davon zwar erst nichts mit, zeigte sich dann aber sehr schockiert, als meine Mutter ihn bei der Untersuchung darauf hinwies, dass ich ja gar nicht richtig sprechen kann und er mich zum Sprechen aufforderte. Er notierte in dem gelben U-Heft dann "multiple Dyslalie" und mir wurde ein Logopädietermin verordnet. Das war einen Monat vor meinem 4. Geburtstag. Ich wusste nicht, was ein Logapäde ist, doch ich wollte auf gar keinen Fall dorthin gehen müssen, weil ich Angst davor hatte. Meine Mutter erklärte mir, dass ich das nicht müsste, wenn ich die Wörter richtig aussprechen könne. Also begann ich intensiv zu lernen. Ich erinnere mich daran, dass ich immer im Kreis um unseren Wohnzimmertisch lief und dabei die Laute übte. Tatsächlich schaffte ich es, mir die die richtige Aussprache rechtzeitig beizubringen, sodass meine Mutter den Termin einige Tage vor Fälligkeit absagen konnte.

      Nun meine Fragen: Gibt es diagnotizierte Autisten unter euch (oder euren Kindern), die zwar in einem "normalen" Alter zu sprechen begannen, jedoch eine Artikulationsstörung hatten? Denkt ihr, dass ein Kind, wenn es autistisch ist, dieses selbst beheben kann? (Also eine solche Sprachstörung) Falls ich im Autismusspektrum liegen sollte, würde aus diesem Grund wohl kein Asperger diagnostiziert werden, weil dafür ja eine SEV ausgeschlossen sein muss, richtig? (Eventuell gilt zu meinem Diagnostiktermin aber auch schon das ICD-11 und die Unterteilung wäre ohnehin hinfällig).

      Vielen Dank fürs Lesen, ich freue mich auf neue Erkenntnisse :)
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Ich habe relativ früh zu sprechen begonnen, hatte aber auch eine Artikulationsstörung. Bei mir waren es die Laute [ʃ] ("sch") und [ç] ("ch" wie in "ich"), die ich immer wieder durcheinander gebracht habe. Ich habe z.B. "Kirsche" statt "Kirche" gesagt und umgekehrt. Vielleicht gab es auch noch etwas, aber ich erinnere mich leider nicht mehr genau. Ich hatte sogar Sprachtherapie, aber manchmal artikuliere ich diese Laute immer noch fehlerhaft. (Vielleicht bin ich nicht oft genug um den Wohnzimmertisch gelaufen :fun: ). Das sprach (Wortspiel nicht beabsichtigt :m(: ) aber wohl nicht gegen eine Diagnose. Macht für mich auch Sinn, denn mit dem Sprechen an sich fing ich ja nicht ungewöhnlich spät an. Nur die Aussprache war fehlerhaft. Verstehe ich es richtig, daß es bei dir auch so war? Also daß du im "normalen" Alter gesprochen hast, nur eben mit fehlerhafter Artikulation? Ich bin kein Experte, aber vielleicht fällt so etwas gar nicht unter die Kriterien einer entsprechenden Sprachentwicklungsverzögerung.
      Так! я буду крізь сльози сміятись...

      Achtung: Benutzer kann sich nicht "kurz fassen" :oops:
    • Danke für deine Antwort.

      Ja, genau, ich habe in einem normalen Alter (vermutlich ca. mit einem Jahr, die Auskünfte sind nicht besonders zuverlässig) zu sprechen begonnen. Ich habe wohl auch immer sehr viel und sehr schnell gesprochen, jedoch nur mit mässigem Verständniserfolg.

      Ich weiß noch, dass ich manchmal von Verwandten "veralbert" wurde, was mir gar nicht gefiel. Wenn ich etwas sagte, wurde es wiederholt, jedoch mit den gleichen Aussprachefehlern (es waren viele bei mir, ich konnte mehrere Konsonanten hintereinander nicht sprechen), die ich machte. Ich sagte dann verärgert: "Nein, dass heißt nicht [...], das heißt [...] (mit natürlich dem gleichen Fehler). Keine Ahnung, warum sich Erwachsene über Kleinkinder lustig machen müssen :/

      In der Fachliteratur scheint Dyslalie als eine Form von SEV gewertet zu werden, aber ob es in der Autismusdiagnostik als SEV-Kriterium gilt, weiß ich eben auch nicht.

      Heute merkt man davon übrigens nicht mehr und ich habe eine ziemlich klare Artikulation - vielleicht weil ich so oft um den Wohnzimmertisch rannte :fun:
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Kayt wrote:

      Gibt es diagnotizierte Autisten unter euch (oder euren Kindern), die zwar in einem "normalen" Alter zu sprechen begannen, jedoch eine Artikulationsstörung hatten?
      Ich konnte erst etwa im Alter von 2,5 Jahren sprechen und musste einige Monate vor meiner Einschulung (also als Fünf- bzw. Sechsjähriger) zu einer Logopädin, die mir geholfen hat, meine Artikulationsschwierigkeiten zu beheben.

      Kayt wrote:

      Denkt ihr, dass ein Kind, wenn es autistisch ist, dieses selbst beheben kann? (Also eine solche Sprachstörung) Falls ich im Autismusspektrum liegen sollte, würde aus diesem Grund wohl kein Asperger diagnostiziert werden, weil dafür ja eine SEV ausgeschlossen sein muss, richtig? (Eventuell gilt zu meinem Diagnostiktermin aber auch schon das ICD-11 und die Unterteilung wäre ohnehin hinfällig).
      Ja, aber das ist denke ich nicht so wichtig. Diese Unterteilung in die drei Untergruppen Asperger-Syndrom, Frühkindlicher Autismus und Atypischer Autismus ist sowieso relativ willkürlich, weil niemand wirklich perfekt in eine der drei Untergruppen reinpasst.

      Emek wrote:

      Ich habe relativ früh zu sprechen begonnen, hatte aber auch eine Artikulationsstörung. Bei mir waren es die Laute [ʃ] ("sch") und [ç] ("ch" wie in "ich"), die ich immer wieder durcheinander gebracht habe. Ich habe z.B. "Kirsche" statt "Kirche" gesagt und umgekehrt.
      Ich spreche beide Wörter mit [ʃ] aus. Allerdings liegt das wohl daran, dass nicht überall in Deutschland eine Unterscheidung zwischen den Lauten [ʃ] und [ç] vorgenommen wird.

      Bei mir war es viel schlimmer. Ich konnte z. B. bis wenige Monate vor meiner Einschulung weder "k" noch "g" aussprechen und habe diese Laute mit "t" und "d" ersetzt.
    • @keinname Danke für die Antwort.

      "Ja" auf beide meiner Fragen oder nur zu der zweiten?

      Für mich ist die Unterscheidung eh nicht relevant, mir ging es da eher um die Formalität. Wenn es überhaupt zu einer Diagnose kommen sollte, vermutlich am ehesten atypisch, aber es ist auch müßig da jetzt drüber zu spekulieren. Ich habe noch viel Wartezeit.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Kayt wrote:

      "Ja" auf beide meiner Fragen oder nur zu der zweiten?
      Ja zur zweiten Frage (es sei denn natürlich, der Diagnostiker nimmt die Diagnosekriterien nicht so genau oder diagnostiziert nicht mehr nach den ICD-10). Zur ersten Frage: Das kommt denke ich auf das Kind an, aber selbst bei denen, die theoretisch das Potenzial hätten, ihre Artikulationsprobleme irgendwannmal selbst in den Griff zu bekommen, wäre es ja sinnvoller, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen (sprich: Logopäden), da so die Probleme normalerweise schneller behoben werden, als wenn man das Kind im Stich lässt.
    • Ich weiss nicht mehr, wann ich anfing zu sprechen, aber es war wohl deutlich später als Laufen. Dabei sind einige Wortschöpfungen entstanden, allerdings hab ich gerade nur zwei davon im Ohr: Pung Ting Ting war der Pinguin, und Zwingelle für Zwillinge.
      Ich hab aber dann auch ziemlich bald mit Lesen und Schreiben angefangen, und kann mich an spätere Schwierigkeiten mit Aussprache nicht erinnern.
      Allerdings spreche ich bis heute gerne vor mich hin, und ich benutze dazu vor allem meine eigenen Worte, die ich nur dafür hab, weil´s Spaß macht. Das hat zufällig auftauchende Leute schon ziemlich verstört... :d
      Freiheit ist, wenn alle satt sind.
    • keinname wrote:

      Zur ersten Frage: Das kommt denke ich auf das Kind an, aber selbst bei denen, die theoretisch das Potenzial hätten, ihre Artikulationsprobleme irgendwannmal selbst in den Griff zu bekommen, wäre es ja sinnvoller, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen (sprich: Logopäden), da so die Probleme normalerweise schneller behoben werden, als wenn man das Kind im Stich lässt.
      Auf jeden Fall, ich würde auch immer dazu raten, dem Kind zu helfen. Ich frage mich halt, ob mein schneller und autodidaktischer Lernerfolg eher dagegen sprechen, dass ich mich im Autismusspektrum befinde.

      carlfatal wrote:

      Ich weiss nicht mehr, wann ich anfing zu sprechen, aber es war wohl deutlich später als Laufen.

      Das ich später anfing zu sprechen als zu laufen, trifft wohl auch auf mich zu. Ich fing jedoch auch sehr früh mit dem Laufen an. Mit 9 Monaten stand ich auf und lief, wobei ich vorher nie gekrabbelt war.

      carlfatal wrote:

      spreche ich bis heute gerne vor mich hin
      Das mache ich nur, wenn ich alleine bin und dabei mich um irgendwelche Erledigungen zu kümmern, aber eher mit "Standard-Vokabular" (Oder ich beginne damit, irgendwelche komischen, spontan ausgedachten "Lieder" vor mich her zu singen :d )
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Kayt wrote:

      Ich fing jedoch auch sehr früh mit dem Laufen an. Mit 9 Monaten stand ich auf und lief, wobei ich vorher nie gekrabbelt war.
      Ich bin gekrabbelt. Das weiss ich, weil meine Eltern so Gitter hatten für die Treppen.

      Und ich hab auch sehr früh das Laufen angefangen, auch mit deutlich unter einem Jahr. Vor allem habe ich wohl jede Gelegenheit genutzt, in Gewässer jeder Art zu laufen. In der Folge hab ich mit vier Jahren den Freischwimmer gemacht, weil meine Eltern die berechtigte Angst hatten, ich könne sonst ertrinken.

      Kayt wrote:

      (Oder ich beginne damit, irgendwelche komischen, spontan ausgedachten "Lieder" vor mich her zu singen )
      Schön, daß ich damit nicht alleine bin, das mache ich auch gerne! :thumbup: :thumbup: :d
      Und natürlich versuche ich das zu vermeiden, aber manchmal... Irgendwann hab ich nachts bei meiner besten Freundin genächtigt, also am Rechner gesessen, und der beste Freund ihres Sohnes hat sich am nächsten Morgen besorgt geäußert, ob es mir auch gut gehe... :oops:

      Ich mag aber auch Sprachen gerne, und ich streite mich mit Deutsch rum, solange ich denken kann, also schon immer. Ich finde es daher durchaus nachvollziehbar, daß man gerne Experimente mit Sprache anstellt. Eines meiner Lieblingswörter ist bis heute "bombastokratisch", das hab ich auch in meinen normalen Sprachgebrauch übernommen. :d
      Freiheit ist, wenn alle satt sind.
    • Kayt wrote:

      Ich frage mich halt, ob mein schneller und autodidaktischer Lernerfolg eher dagegen sprechen, dass ich mich im Autismusspektrum befinde.
      Nein, wieso das denn? Es ist ja jetzt nicht so, dass man als Autist nur langsam und nicht autodidaktisch lernen könnte. Und ansonsten sagt das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein einer Sprachentwicklungsverzögerung an sich (so gut wie) nichts darüber aus, ob jemand autistisch ist, da es ja sowohl Autisten mit als auch Autisten ohne Sprachentwicklungsverzögerungen gibt.
    • carlfatal wrote:

      Ich mag aber auch Sprachen gerne, und ich streite mich mit Deutsch rum, solange ich denken kann, also schon immer. Ich finde es daher durchaus nachvollziehbar, daß man gerne Experimente mit Sprache anstellt. Eines meiner Lieblingswörter ist bis heute "bombastokratisch", das hab ich auch in meinen normalen Sprachgebrauch übernommen.
      Ja, ich mag auch Sprachen, habe u.a. Germanistik studiert. Ich denke mir auch gern Wörter aus und Wortspiele mag ich auch gern. Letztens lag ich noch länger wach, weil ich über die 2. Lautverschiebung nachdachte. Ich hatte die Regeln nicht mehr Kopf und war dabei sie mir durch Vergleiche mit Deutsch/Englisch zu erschließen :d

      keinname wrote:

      Nein, wieso das denn? Es ist ja jetzt nicht so, dass man als Autist nur langsam und nicht autodidaktisch lernen könnte. Und ansonsten sagt das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein einer Sprachentwicklungsverzögerung an sich (so gut wie) nichts darüber aus, ob jemand autistisch ist, da es ja sowohl Autisten mit als auch Autisten ohne Sprachentwicklungsverzögerungen gibt.
      Ja, das stimmt natürlich. Ich versuche "stichhaltige" Argumente dagegen zu finden, auch wenn es nur "positive" und keine "negativen" Diagnosekriterien gibt. Ich beschäftige mich gerade wohl zu viel mit dem Thema, kann davon aber (noch) nicht ablassen.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Kayt wrote:

      Ach was, ich habe viel nerdigere Hobbys, z.B. Astrophysik, Neurowissenschaften oder psychoaktive Substanzen
      Dann stimmt alles mit dir. So muß das sein. :d

      Ich hab mal vor Jahren dem Vortrag eines Mathematikers gelauscht, der unter dem Einfluß psychoaktiver Substanzen nach draussen ging und sich darüber wunderte, warum der Mars blau war. Wo der doch rot sein sollte.
      Und dann hat er sich wieder nach drinnen begeben und angefangen zu rechnen, bis er rausbekam, daß (ich glaube) die Rotantionsgeschwindigkeit des Mars immer weiter hochoktaviert erst einen Ton und dann eine Farbe gibt, nämlich blau.

      Du bist mit deinen Hobbies in guter Gesellschaft sozusagen. :d
      Freiheit ist, wenn alle satt sind.
    • @Administrator

      Ich habe leider gar nicht darauf geachtet, dass dieser Teil des Forums öffentlich ist :m(: Könnte dieser Thread bitte in meinen Vorstellungsthread verschoben werden? Ich wollte diese Informationen gar nicht öffentlich machen. Args. Tut mir leid, dass ich Arbeit verursache.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)
    • Kayt wrote:

      Nun meine Fragen: Gibt es diagnotizierte Autisten unter euch (oder euren Kindern), die zwar in einem "normalen" Alter zu sprechen begannen, jedoch eine Artikulationsstörung hatten?
      Das trifft auf mich zu. Zum Logopäden hat man mich zwar nicht geschickt, aber meinen Eltern lag viel daran, dass ich die Aussprache übe, sie haben mir die Wörter dann wieder und wieder vorgesprochen, irgendwann habe ich es dann auch geschafft. Bei der Diagnostik kam dies dann auch zur Sprache, wobei dieses Phänomen laut meiner Diagnostikerin nicht zu der autistischen Sprachverzögerung gehört. Damit ist dann wohl doch eher eine Spracherwerbsverzögerung gemeint.

      carlfatal wrote:

      Allerdings spreche ich bis heute gerne vor mich hin, und ich benutze dazu vor allem meine eigenen Worte, die ich nur dafür hab, weil´s Spaß macht. Das hat zufällig auftauchende Leute schon ziemlich verstört...
      Das mache ich auch. Blöd nur, wenn die Anderen verstört sind und ich daraufhin auch verstört bin, weil sie verstört sind. :d

      Kayt wrote:

      Oder ich beginne damit, irgendwelche komischen, spontan ausgedachten "Lieder" vor mich her zu singen )
      Das mache ich auch.
      Vielleicht ist ja diese außergewöhnliche Sprachbeschäftigung eine Folge davon, dass man als Kind ein anderes Sprachverständnis hatte.

      (Offtopic... und ich frage mich gerade, wieso in diverser Literatur steht, Autisten mangele es an Phantasie? :roll: )

    • @Gluon Danke für die Information. Eine Spracherwerbsverzögerung trifft jedenfalls nicht zu. (Ich würde dafür plädieren, die Diagnosekriterien zu präzisieren, dann muss man nicht blöd raten.)

      Zur Phantasie: Nach dem AAA (Adult Asperger Assessment) würde ich auf jeden Fall keine Diagnose erhalten. Kein Kriterium der Kategorie D trifft auf mich zu.
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)