Zugang zu Gefühlen / Emotionen

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    • Zugang zu Gefühlen / Emotionen

      Ich hab da mal ne Frage ;)

      Ich habe ja große Probleme damit, dass ich keinen Zugang zu meinen Emotionen habe. Trauer, Wut, Freude etc alles fühlt sich irgendwie gleich an :nerved:
      Nur extreme Gefühle wie frisches Verliebt sein oder extreme Wut spüre ich.... der Rest ist irgendwie nicht vorhanden. Das war aber schon immer so.

      Wie sieht es bei euch aus?
    • Ich wähnte mich in der gleichen Situation.

      Seit ich weiß, daß ich AS bin und daß ich mit Emotionen anders umgehe, hat sich vieles relativiert.
      Was ich früher suchte und nicht fand an Emotionen, war das Idelabild an Emotionen, die die NT
      um mich herum auslebten und denen ich meinte, entsprechen zu müssen.
      Dazu kommt, daß die NT-Welt alle, die diesem Idealbild nicht entsprechen, negativ sanktionieren
      (Kalt wie 'ne Hundeschnauze, wenn man am Sarg der Mutter/des Vaters nicht in lautes Wehklagen
      verfällt etc.).

      Heute weiß ich, daß ich Emotionen habe, aber eben andere*. Und die finde ich ganz problemlos.
      Egal, ob es Freude ist oder Trauer oder Wut. Nur ist es eben meine Form der Emotion, nicht die,
      die Hollywood vorspielt (Ich liebe Dich, Dad !!! Schluchz, heul) oder die die NT-Welt von mir erwartet.

      Heute habe ich die Einstellung: Die NT-Welt kann mich mal gerne haben. Oder auch nicht. Mir egal.
      Hauptsache meine Lieben lieben mich. Und das tun sie, trotz aller Schratigkeit, die ich mitunter an
      den Tag lege. Sie wissen ja jetzt auch, wen sie da vor sich haben. :)

      * bzw. sie äußern sich anders.
      Spontanität will wohlüberlegt sein.
    • Oh Gefühle und Emotionen sind bei mir ja auch ein Thema.
      Viele Gefühle kenne ich nur vom Namen und ihrer Bedeutung, aber nicht vom eigenen erleben/fühlen/ausleben. Ist bei mir dann oft Rätselraten "könnte grade Freude sein, könnte aber auch Langeweile sein". In der Therapie arbeiten wir mit einem Zettel, auf dem alles mögliche an Gefühlen und so drauf stehen - auch ganz viele Worte die ich nicht als Gefühle gedeutet hätte, die es aber scheinbar sind. Für mich sind Gefühle Wut, Trauer, Ekel, Freude und Angst, so wie im Disney Film Alles steht kopf. Alles andere waren bisher eher nur Beschreibungen eines Zustandes. Naja und wenn wir den Zettel durchgehen für konkrete Situationen, sitz ich da und rate fröhlich vor mich hin, welche dieser Worte zur Situation passen könnten und was dort wohl die Allgemeinheit fühlen würde.

      Fred Kasulzke wrote:

      Heute weiß ich, daß ich Emotionen habe, aber eben andere*. Und die finde ich ganz problemlos.
      Egal, ob es Freude ist oder Trauer oder Wut. Nur ist es eben meine Form der Emotion, nicht die,
      die Hollywood vorspielt (Ich liebe Dich, Dad !!! Schluchz, heul) oder die die NT-Welt von mir erwartet.

      * bzw. sie äußern sich anders.
      Das ist bei mir eigentlich auch so. Ich reagiere selbst in Extremsituation völligst gleichgültig nach außen hin und auch in meinem Inneren ist es bei weitem nicht so groß wie es andere sichtbar machen. Aber ich fühle eben für mich und auf meine Art und mein näheres Umfeld weiß das auch und kann einzelne Worte oder Reaktionen von mir mittlerweile gut einschätzen und gegebenenfalls auch mal für Außenstehende übersetzen. So hatten wir letztens eine Fortbildung und in der Abschlussrunde habe ich gesagt, dass ich mir ein bisschen verloren vorkam, so als würde ich im Rettungsboot meinem Team hinterher paddeln und käme nicht schnell genug mit. Und ich betonte wohl auch, dass es ok wäre dass ich alleine nebenher paddel. Die Referentin schaute wohl ein wenig irritiert und eine meiner Kolleginen meinte nur "das war jetzt ein ziemlich großer Gefühlsausbruch für sie". Und damit hatte sie recht und sie meinte es auch total ernst. Ich kann eben nicht direkt sagen wie etwas ist und dann kommt es oft auf Umwegen oder durch solche "Bilder", die nur eben nicht jeder lesen kann und weswegen eben oft kommt "boah, du bist ja kälter als ein Eisblock". Aber das bin ich nicht.
      Und mittlerweile ist mir auch egal wie Fremde denken, ich kann halt nicht da stehen und losheulen, nur weil mir grad jmd erzählt dass die Oma, Mutter oder sonst wer verstorben sind. Das bin ich einfach nicht.
    • Meine Gefühle/Emotionen bewegen sich meist dicht an der 'Null-Linie'. Und für mich fühlt sich das richtig an. Je weiter sie sich von dieser Linie entfernen, desto unangenehmer fühlt sich das für mich - besonders in Gesellschaft.

      Ich glaube, die Wissenschaft nennt das Affektverflachung und sieht darin einen Krankheitswert. Ich sehe es eher positiv, gerade in der heutigen, vor Emotionalität oft überschäumenden, Gesellschaft. Ich kann dadurch einen 'klaren Kopf' bewahren und rational denken und handeln.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Viele Autisten unterdrücken Gefühle (oder schieben sie auf), um in der Situation handlungsfähig zu bleiben (da die Gefühle stark sein können und man außerdem Gehirnkapazität für die aktuelle Situation braucht, da kann man es sich manchmal nicht leisten, sich in Emotionen verlieren). Manche haben auch Alexithymie.

      Ich selbst bin ziemlich gefühlvoll, nur nicht in Gegenwart anderer, da habe ich andere Prioritäten als Gefühle zu zeigen. Ich weiß auch meistens was ich fühle, weil ich darauf achte. Gefühle sind mir wichtig, sie sind wie die Farbe in einer schwarz-weiß-Welt, ohne sie würde etwas Wesentliches fehlen. Sie machen das Leben lebendig für mich.

      Es kann aber auch sein, dass wirklich die Gefühle in gewissen Situationen anders als bei der Mehrheit der Menschen sind, dass man vielleicht wirklich beim Tod eines Angehörigen nicht so viel empfindet, weil die Beziehung auch nicht so stark war zum Beispiel. Oder dass die Trauer erst später kommt, weil die Verarbeitung länger dauert.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ich habe mein Leben lang probleme mit meinen Emotionen gehabt. Dabei sind es nicht die Emotionen ansich, die Probleme machen. Ich denke auch nicht, dass es ein autistisches Problem ist, seine Emotionen nicht gut spüren zu können. Vielmehr habe ich schon als Kind gemerkt, dass meine Emotionen nicht gerechtfertigt sind. Mich haben dinge erfreut oder geärgert, die bei anderen nicht diese Emotionen auslösen. Daher konnte ich meine Emotionen nie rechtfertigen. Und Rechtfertigung spielt in der Gesellschaft eine sehr große Rolle, besonders als Kind. Da man Emotionen aber weder erklären noch rechtfertigen kann, entwickelte sich bei mir der Eindruck, dass meine Emotionen in der Tat unberechtigt sind. Das ist bei den negativen Emotionen noch viel deutlicher als bei den positiven (niemand stört es wirklich, wenn man sich über etwas freut. Wenn man sich aber über etwas ungerechtfertigt ärgert, muss man sich erklären).

      Und so habe ich sehr schnell den Kontakt zu meinen Emotionen verloren bzw. ich habe angefangen, sie zu ignorieren und zu kontrolieren, so dass ich rational entscheiden konnte, nicht emotional. Die Emotionen sind ja trotzdem da, nur erreichen sie mich nicht mehr. Diese Fähigkeit ist notwendig, wenn man seine Emotionen und Bedürfnisse der Aussenwelt anpassen möchte (dies betrifft nicht nur Autisten). Ähnlich geht es allen Menschen, die ihre Emotionen seit der Kindheit kontrollieren müssen. Wenn man dann die Freiheit hat, seine Emotionen auszuleben und zu spüren, kann man es nicht mehr.

      Wenn die Gefühle und Bedürfnisse dauerhaft ignoriert werden, gibt es einen Langzeit-Effekt, der sich unbewusst von den Emotionen nach Aussen kämpft: die Depression. Dieses tiefe Gefühl, unglücklich zu sein, ohne dass man benennen könnte, woran es liegt, weil rational betrachtet alles in Ordnung ist.

      Ich habe in 8 Wochen Tagesklinik sehr viel über Meditation gelernt und Achtsamkeit. Es geht darum, seine eigenen Gedanken zu analysieren und zu bemerken, was in einem vorgeht. Das ist auch sehr Sinnvoll, denn dabei habe ich erst gemerkt, wie viel in mir brodelt, ohne dass ich Zugang dazu habe, und es sich nur unbewusst über Depressionen oder Gedanken äußern kann. Aber während die Meditation dazu dient, sich zu distanzieren und seine Gefühle und Gedanken von Aussen zu betrachten, habe ich gemerkt, dass ich genau das Gegenteil brauche.

      Die Meditation war interessant, aber eigentlich brauchte ich eine Methode, um mich nicht zu distanzieren, sondern in die Gedanken, Gefühle und die Situation hinein zu gehen. Ich weiß nicht, wie man das nennen soll, für mich ist es das Gegenteil der Meditation, der ausgleich dazu wenn man so will. Also sobald ich eine Emotion spüre, versuche ich nicht, sie zu analysieren, zu rechtfertigen, abzuwägen und darüber nachzudenken. Sondern ich konzentriere mich auf die Emotion, tauche in sie ein und lasse sie die kontrolle übernehmen. Denn die Emotionen sind keinesfalls irrational oder dumm. Viel öfter als mein Verstand liegen die Emotionen völlig richtig und wissen was zu tun ist.

      Es ging für mich also auch darum, ein Vertrauen zu meinen Emotionen aufzubauen, und sie nicht nur als Störfaktor anzusehen. Ihnen auch mal die Kontrolle zu geben und sie nicht zu einer Rechtfertigung zu zwingen. Ein solch erlerntes Verhalten nach 30 Jahren abzulegen ist aber extrem schwierig. Das ist so, als wollte man die eigene Muttersprache verlernen.

      Emotionen sind ja eine extrem wichtige Sache. Sie sind die Motivation hinter allem was wir tun, selbst wenn wir es nicht merken. Unser Verstand löst nur Probleme, er erzeugt keine Motivationen. Erst dadurch, dass uns etwas Freude macht, wollen wir mehr davon. Erst dadurch dass uns etwas wüttend macht, wollen wir es ändern. Erst wenn uns etwas traurig macht, verarbeiten wir es. Erst wenn uns etwas Enttäuscht, lösen wir uns davon.
      Die Emotionen sind also ein überlebenswichtiger Teil unseres Gehirns, denn all diese Aufgaben kann unser Verstand nicht übernehmen, selbst wenn wir oftmals denken, wir könnten es alleine durch den Verstand lösen.

      Das ganze ist ein wenig so, als würdest du einem Computer die Fähigkeit nehmen, Dateien zu löschen, umzubenennen oder zu ändern. Der Computer würde trotzdem laufen, aber er würde andauernd auf Probleme stoßen, abstürzten, Fehler erzeugen usw. Und besonders der Umgang mit den negativen Gefühlen ist entscheidend, denn erst durch sie werden wir Handlungsfähig. Erst wenn dich etwas ärgert, stört, wütend macht, nervt, enttäuscht oder ängstigt, dann mobilisiert dein Körper die Energie, um es zu verändern.

      Daher ist meine Meinung, dass Autisten genau so über Emotionen verfügen, wie alle anderen Menschen (und Lebewesen), nur dass diese anders gelagert sind als es die Gesellschaft vorgibt, und Autisten darum schon sehr früh bewusst den Kontakt zu den Emotionen als störend empfinden und ignorieren.
    • Aaron Wahl beschreibt in seinem Buch kurz eine Übung, "Herzweiten", die sehr einfach klingt. Was mich fasziniert: er schreibt, er hätte bei der Übung sehr schnell einen sehr entspannten Körperzustand erreicht und sein Kopf wäre "ganz weit" gewesen.
      Und dann sagt er, das letzte Mal hätte er sich so entspannt gefühlt, als er auf dem flauschigen Teppich unter dem Esstisch seiner Großeltern eingeschlafen sei, was 16 Jahre her sei.
      Er interpretiert es wohl als Glück, denn dann sagt er: 16 Jahre ohne Glück?

      Das hat mich daran erinnert, wie ich vor zwei Jahren im Sommerurlaub zwischen Wiesen entlang ging und plötzlich ein ganz starkes Gefühl hatte, das mich überrumpelte - da hab ich auch diese Weite gespürt, aber im Brustkorb. Und da sagte ich ganz erstaunt und irritiert zu meiner Mutter: "Ich bin glücklich!?" Ich schein da vorher auch lange nichts derartiges gespürt zu haben. Seitdem aber regelmäßig

      Bei mir kam es dadurch, glaube ich, dass ich Psychotherapie gemacht und in diesem Zeitraum auch einen Verlust erlitten habe. Beides zusammen war zuviel, sodass die Tür zu den Emotionen wohl aufgebrochen ist, weil sie so groß waren, dass sie dagegen gedrückt haben. Psychotherapie ist zwar meiner Meinung nach nicht das Richtige für mich, weil sie mehr retraumatisiert als heilt und weil ich trotz Therapeut vieles nicht richtig einschätzen kann (da kann der Therapeut auch oft nicht helfen, weil er ja nur hört, was ich erzähle aus meiner eingeschränkten Sicht), aber dieses Aufbrechen war doch etwas Gutes. Das Problematische war, dass ich dann alles so stark gefühlt habe - also auch Angst und Trauer. Aber eben auch Glück.

      Früher war es so, dass ich die Emotionen, vor allem die unangenehmen, stark unterdrückt habe. Wenn jemand mir Nahestehendes mich zum Beispiel durch unbedachte Worte oder Reaktionen verletzt hat - ich hab mich dann sofort innerlich zurück gezogen und die aufkommende Trauer unterdrückt. Dann hab ich's vergessen, und teilweise Wochen später hab ich plötzlich einen Traum gehabt, der mir die Situation und die Gefühle in voller Wucht präsentiert hat. Solche Träume hab ich dann jeweils den ganzen Tag über nicht abschütteln können. Oder ich wurde depressiv und wusste gar nicht warum.

      Jetzt nehm ich solche Situationen besser wahr (auch dank Medikinet) und verdränge meine Angst oder Traurigkeit nicht mehr.

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    • Shenya wrote:

      Viele Autisten unterdrücken Gefühle (oder schieben sie auf), um in der Situation handlungsfähig zu bleiben (da die Gefühle stark sein können und man außerdem Gehirnkapazität für die aktuelle Situation braucht, da kann man es sich manchmal nicht leisten, sich in Emotionen verlieren).
      Das ist dann wohl das, was bei mir passiert ist.

      @Dennis82HH Dein Beitrag spricht mich sehr an. Man lernt, den eigenen Gefühlen zu misstrauen, weil sie von außen in Frage gestellt und als unnötig, unangemessen usw. bezeichnet werden.

      Und auch ich neige enorm zum Rationalisieren und Analysieren und hab auch begriffen, dass ich das tue, um die Gefühle von mir weg zu halten. Ich finde es sehr schwer, das Gefühl wirklich in dem Moment einfach da sein zu lassen und auszuhalten (betrifft manchmal auch gute Gefühle, wenn's zuviel ist) und es NICHT durch Analyse etc. auf Abstand zu halten.
      Aber wie gesagt kann ich das jetzt schon ganz gut - nicht immer, nicht in jeder Situation natürlich.

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    • Freude kann ich ganz gut empfinden.

      Bei negativen Gefühlen empfinde ich meistens irgend etwas Belastendes, kann aber gar nicht definieren, was für ein Gefühl das nun gerade ist (Trauer? Angst? Wut?) und worauf es sich bezieht. Also weiß ich auch nicht, was ich dagegen tun kann.

      Es hilft mir dann, mich ein paar Minuten zurückzuziehen und etwas genauer in mich hineinzuhorchen, irgendwann kommt das richtige Gefühl und seine Ursache ans Tageslicht. Ich mache das aber oft nicht, weil mir die Zeit fehlt oder weil ich das Gefühl so weit weggeschoben habe, dass ich es gar nicht beachte. Dann bin ich halt einfach schlecht drauf, ohne zu wissen, warum.

      Ich habe aber auch in meiner Kindheit vieles verdrängen müssen - wenn man massiv gemobbt wird, tut man oft gut daran, seine Gefühle nicht zu zeigen.
      I have my books
      And my poetry to protect me
    • Ich kann von mir sagen, das ich insbesondere negative Gefühle auch oft unterdrücke und verdränge. Es kommt darauf an ob ich grad funktional bleiben muss oder ob ich grad ganz allein bin.

      In der Regel überrollen mich meine Gefühle einige Zeit später und ich kann damit dann sehr schlecht umgehen wenn sie negativ sind.
      Da brauche ich wirklich lange (mindestens Tage - eher länger) bis ich mich einigermaßen beruhigt habe.

      Das macht mein Körper aber automatisch!!! - ich stelle es immer erst Rückblickend fest. Das passiert nicht bewusst.
      Ich muss aber irgendwann "ausleben" - das geschieht in der Regel über einen "Zusammenbruch" der mich dann einige Zeit behindert weil dann tagelang GAR NICHTS mehr geht außer zuhause zu bleiben.

      Ich bewundere, wie manche von die Probleme so differenziert und klar benennen.
      Für mich ist es eher schwer meine Probleme die ich mit der Umwelt habe auszuformulieren.
      Allerdings schäme ich mich auch immer ein wenig dafür wenn andere dabei (ausser bei 2 -3 Menschen) sind und ich versuche sie dementsprechend zu verstecken. (was aber auch nicht sonderlich gut funktioniert) :oops:
    • Ich finde mich in so Vielem in der vorangegangenen Beiträgen wieder, dass ich hier ein Unmenge an Zitaten einfügen müsste.

      Fred Kasulzke wrote:

      Heute weiß ich, daß ich Emotionen habe, aber eben andere*. Und die finde ich ganz problemlos.
      Egal, ob es Freude ist oder Trauer oder Wut. Nur ist es eben meine Form der Emotion, nicht die,
      die Hollywood vorspielt (Ich liebe Dich, Dad !!! Schluchz, heul) oder die die NT-Welt von mir erwartet.

      Heute habe ich die Einstellung: Die NT-Welt kann mich mal gerne haben. Oder auch nicht. Mir egal.
      Hauptsache meine Lieben lieben mich. Und das tun sie, trotz aller Schratigkeit, die ich mitunter an
      den Tag lege. Sie wissen ja jetzt auch, wen sie da vor sich haben

      Ich bin noch nicht so weit, dass es mir keine Probleme mehr bereitet. Ich finde gerade für mich heraus, dass in mir sehr viel mehr Gefühle stecken als ich es selbst und vor allem die Umwelt wahrhaben wollen.
      Das ist gerade eine echte Herausforderung für mich und ich weiß noch nicht so recht wohin damit. Ich lerne gerade da etwas bisher Unbekanntes kennen und vor allem auch wahrzunehmen, aber eben auf meine Art.
      Es gibt nichts Schöneres, als dem Schweigen eines Dummkopfes zuzuhören. Helmut Qualtinger
    • Bei mir ist es fast umgekehrt. Habe oft das Gefühl, dass mir die Emotionen zu Kopf steigen, besonders negative. Aber ich bin meist nicht in der Lage sie auszudrücken oder zu benennen. Es fühlt sich wie ein regelrechtes Gefühlschaos an. Mir kommen dann oft die Tränen, besonders als Kind. Doch wenn ich gefragt, werde, was ich gerade fühle, weiß ich es nicht. War schon als Kind so. Fühle mich ihnen hilflos ausgeliefert und versuche sie daher meist vor Anderen zu verbergen oder zu verdrängen. Aber irgendwann holen sie mich trotzdem heim, meist wenn ich es nicht erwarte oder etwas mich unerwartet triggert. Meine Therapeutin versucht zwar immer, dass ich meine Gefühle benenne oder mich doch mal richtig ausheulen soll, aber das hilft mir gar nicht. Positive Gefühle erlebe ich eher weniger, kann meist nur sagen, ich fühle mich ausgeglichen und wohl, aber richtig glücklich fühle ich mich selten. Das sind dann immer ganz besondere Momente für mich, aber sie sind eben sehr selten. Das Gefühl von Verliebtheit oder Begehren, kenne ich eigentlich überhaupt nicht (was ich mit über 40 Jahren Lebenserfahrung schon etwas seltsam finde). Wut kann ich auch schlecht ausdrücken, vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich sie als Kind nie ausleben durfte, musste immer das brave Mädchen sein). Trauer um einen Menschen hängt bei mir stark davon ab, wie nahe ich Demjenigen stand und wie gerne ich ihn hatte. Als meine Oma mütterlicherseits stand, war ich untröstlich, als mein Opa, starb empfand ich gar nichts. Auch als meine Großeltern väterlicherseits starben, fühlte ich auch kaum etwas. Als eine Bekannte, bei der ich teilweise aufgewachsen bin, starb, empfand ich eher Erleichterung, weil sie mir früher das Leben schwer gemacht hatte. Als ich meine erste Katze einschläfern lassen musste, habe ich tagelang geweint. Dann gibt es manchmal Tage, wo ich mich von sämtlichen Gefühlen abgeschnitten fühle, negative wie positive. Als wäre ich bloß eine leere Hülle.
    • Lefty wrote:

      Ich finde es sehr schwer, das Gefühl wirklich in dem Moment einfach da sein zu lassen und auszuhalten (betrifft manchmal auch gute Gefühle, wenn's zuviel ist) und es NICHT durch Analyse etc. auf Abstand zu halten.
      Ich finde es vor allem schwer, denn wenn ich mich für ein Gefühl öffne, ist es häufig so, dass das Gefühl mich total umhaut, sei es bei positiven oder negativen Gefühlen. Ich erlebe die Gefühle wohl besonders intensiv. Ich habe den Verdacht, dass man vielleicht Gefühle auch wegdrückt, weil man es nicht aushält, sie nur "halb" zu leben. Wenn ich mich freue, dann könnte ich hüpfen oder laut rufen oder Menschen, die ich mag, hochheben und umarmen. Wo kann man sowas heute noch machen? :roll: Ich traue mich das selten. Wenn ich Musik höre, würde ich am liebsten laut mitsingen oder mich manchmal auf dem Boden wälzen. Auch das wird von der Gesellschaft als nicht angemessen erlebt. Ich glaube, da würde man jemanden eher in die Psychiatrie einweisen, als zu verstehen, dass das einfach ein Ausdruck von Freude ist. :(
      Deshalb denke ich, dass ich manchmal meine Gefühle komplett abschneide, damit ich dieses Gefühl nicht spüren muss, dass die nicht da sein dürften und ich damit nur andere Leute belästigen würde. Dann schmerzt es weniger, wenn man so tut, als hätte man die gar nicht.

      Vor allem wenn man nie intuitiv gelernt hat, dass die eigenen Gefühle okay sind und wie man damit umgehen kann, können die auch sehr ängstigen, finde ich. Seitdem ich weiß, dass hinter jedem Gefühl ein Bedürfnis steckt (da gibt es eine tolle Tabelle für, die meinem analytischen Denken gefällt :lol: ) kann ich damit besser umgehen. Ich kann sie dadurch mehr als "Botschafter" ansehen, die mir etwas Wichtiges sagen wollen und nicht mehr so sehr als total unheimlich und bedrohlich.
    • Was mir noch einfiel: Ich glaube, insbesondere wenn ich hinter dem Gefühl ein Bedürfnis ausfindig mache, dass man anderen Menschen zu tun hat (z. B. beim Gefühl: Wut --> Bedürfnis nach Selbstbehauptung) verschlimmert sich das Gefühl bei mir meist ins Extreme, weil ich fast immer unfähig bin, diese Bedürfnisse gegenüber anderen Menschen zu kommunizieren.
      Wenn das Gefühl aber auf ein Bedürfnis hinweist, dass ich mir selbst erfüllen kann (z. B. bei Traurigkeit mich irgendwie beschützen und trösten), dann klappt das mittlerweile schon viel besser als noch vor ein paar Jahren. Ich glaube, dass ich lange Jahre nicht so auf Kriegsfuß mit meinen Gefühlen gestanden hätte, wenn ich gelernt hätte, wie man Bedürfnisse gegenüber anderen Menschen ausdrückt. Das ist bei mir die nächste große Baustelle (die "Gefühlsbaustelle" habe ich schon bearbeitet).
    • FruchtigBunt wrote:

      Wenn ich mich freue, dann könnte ich hüpfen oder laut rufen oder Menschen, die ich mag, hochheben und umarmen. Wo kann man sowas heute noch machen? :roll: Ich traue mich das selten. Wenn ich Musik höre, würde ich am liebsten laut mitsingen oder mich manchmal auf dem Boden wälzen.
      Das ist bei mir auch so. Zuhause mach ich das dann auch alles (bei Musik nicht auf dem Boden wälzen, aber völlig abzappeln), ist mir aber auch unterwegs schon passiert - bei einem Ausflug hab ich mich über etwas so gefreut, dass ich gehüpft bin und in die Hände geklatscht habe und etwas laut ausgerufen habe (hatte etwas entdeckt und mich tierisch darüber gefreut). Meiner Begleitung, eine Bekannte, war das unangenehm und die Leute um uns herum im Radius von ca. 20 Metern drehten sich alle nach mir um und guckten komisch, aber eine lachte.

      Ich kam mir vor, wie ein Kind, das durch Blicke zurechtgewiesen wird. War mir dann etwas peinlich. Und das finde ich auch richtig blöd, dass Leute komisch gucken, weil jemand pure Freude ausdrückt.

      Ich versuch übrigens regelmäßig, meinen Freund hochzuheben, wenn ich grad viel Freude in mir habe und dadurch überschwänglich bin, aber ich schaffe es nicht :lol:

      The post was edited 1 time, last by Lefty ().

    • FruchtigBunt wrote:

      Deshalb denke ich, dass ich manchmal meine Gefühle komplett abschneide, damit ich dieses Gefühl nicht spüren muss, dass die nicht da sein dürften und ich damit nur andere Leute belästigen würde. Dann schmerzt es weniger, wenn man so tut, als hätte man die gar nicht.
      Ich kann mich erinnern, als ich noch unter dem anderen Namen hier angemeldet war, da hab ich von dir etwas gelesen, wie du einen Schwimmhallen-Besuch beschrieben hast, da waren Kinder mit im Bad und hättest am liebsten mit ihnen zusammen herum getollt (oder so ähnlich). Da hat man diese Lebensfreude herausgelesen. Und auch da hattest du glaube ich Zweifel, wie das aussieht für andere, was ja auch tatsächlich so ist, dass das für andere befremdlich anmutet, leider. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass da was dran ist - wenn man auch die positiven Gefühle immer unterdrücken muss, um nicht negativ aufzufallen, macht man zwischendurch komplett zu.
    • FruchtigBunt wrote:

      Seitdem ich weiß, dass hinter jedem Gefühl ein Bedürfnis steckt (da gibt es eine tolle Tabelle für, die meinem analytischen Denken gefällt ) kann ich damit besser umgehen. Ich kann sie dadurch mehr als "Botschafter" ansehen, die mir etwas Wichtiges sagen wollen und nicht mehr so sehr als total unheimlich und bedrohlich.
      Kann man diese Tabelle im Internet finden, wenn ja, kannst du sie mal verlinken?

      FruchtigBunt wrote:

      Wenn das Gefühl aber auf ein Bedürfnis hinweist, dass ich mir selbst erfüllen kann (z. B. bei Traurigkeit mich irgendwie beschützen und trösten), dann klappt das mittlerweile schon viel besser als noch vor ein paar Jahren.
      Das mit dem selbst trösten hab ich vor einiger Zeit mal gemacht, das kam mir in dem Moment plötzlich in den Sinn: ich lag auf dem Bett und war sehr unruhig und erschöpft und traurig und da hab ich gedanklich zu mir selbst beruhigende Worte gesprochen (Ist ja gut. Sei ruhig, meine Kleine, sei ruhig. - so in der Art.) und das hatte sofort einen sehr beruhigenden Effekt auf mich. Das hat mich erstaunt und ich frage mich, ob andere Menschen das regelmäßig tun und warum ich das bisher nicht getan habe.

      The post was edited 1 time, last by Lefty ().

    • Lefty wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Wenn ich mich freue, dann könnte ich hüpfen oder laut rufen oder Menschen, die ich mag, hochheben und umarmen. Wo kann man sowas heute noch machen? :roll: Ich traue mich das selten. Wenn ich Musik höre, würde ich am liebsten laut mitsingen oder mich manchmal auf dem Boden wälzen.
      Das ist bei mir auch so. Zuhause mach ich das dann auch alles (bei Musik nicht auf dem Boden wälzen, aber völlig abzappeln), ist mir aber auch unterwegs schon passiert - bei einem Ausflug hab ich mich über etwas so gefreut, dass ich gehüpft bin und in die Hände geklatscht habe und etwas laut ausgerufen habe (hatte etwas entdeckt und mich tierisch darüber gefreut). Meiner Begleitung, eine Bekannte, war das unangenehm und die Leute um uns herum im Radius von ca. 20 Metern drehten sich alle nach mir um und guckten komisch, aber eine lachte.
      Ich kam mir vor, wie ein Kind, das durch Blicke zurechtgewiesen wird. War mir dann etwas peinlich. Und das finde ich auch richtig blöd, dass Leute komisch gucken, weil jemand pure Freude ausdrückt.

      Ich versuch übrigens regelmäßig, meinen Freund hochzuheben, wenn ich grad viel Freude in mir habe und dadurch überschwänglich bin, aber ich schaffe es nicht :lol:
      :o Ja, beim Freuen draußen (wenn ich mit meinem Partner draußen war) bin ich auch schon hochgesprungen oder auf der Stelle gehüpft. Ich habe bei extremer Freude aber auch manchmal das Bedürfnis gegen Menschen oder Dinge zu springen. :m(: :lol: So, als bräuchte ich dann eine Art Widerstand, damit es irgendwie eine Rückmeldung gibt oder eine Art Widerhall für mein Gefühl, wenn das Gefühl so überwältigend (negativ oder positiv) ist. Mir ist es auch schon passiert, dass ich vor Freude etwas laut ausrief, aber das passiert auch nur, wenn jemand dabei ist und ansonsten auch ganz selten.
      Wenn ich alleine draußen bin, traue ich mich das meiste nicht und dann könnte ich manchmal in meinem Körper mit meinen Gefühlen explodieren. :roll:

      Ich finde es auch sehr bedauernswert, dass die Mitmenschen so reagieren, wenn man als erwachsener Mensch auf diesem direkten Weg seine Freude zeigt. Das wurde den meisten wohl früh genug ausgetrieben und ich merke auch, wie ich mich da durch die Gesellschaft einschüchtern lasse. Mein Impuls ist aber, das frei zu zeigen und dann kommt es zu Anspannung und Anstauung von Energien und irgendwann bricht das dann doch aus mir heraus. Vielleicht sollte ich mir zugestehen, meine Emotionen freier zu äußern? (als zukünftige Übung für mich). Auch dafür wäre ein Wohnortwechsel sehr hilfreich, weil man das in Großstädten besser tun kann als in konservativ geprägten Orten (es sei denn, man schafft das trotzdem. Ich schaffe es momentan kaum).

      Lefty wrote:

      Ich versuch übrigens regelmäßig, meinen Freund hochzuheben, wenn ich grad viel Freude in mir habe und dadurch überschwänglich bin, aber ich schaffe es nicht :lol:
      :o Ich glaube, ich würde dich gerne mal kennenlernen. :oops: Ich mache genau das auch. 8o Neben dem Hochheben möchte ich dann aber meistens auch miteinander kämpfen und dann will ich manchmal so eine Art Ringkämpfe veranstalten: Man stellt sich dann vor, dass auf dem Boden ein Kreis ist, wie so ein Kampfring. Das kann man auch auf einem rutschfesten Teppich machen. Dann muss man versuchen, den anderen aus diesem Kreis rauszubekommen bzw. vom Teppich komplett runterzubekommen. Ich erlebe eine unbändige Freude bei diesem Spiel und will das auch manchmal draußen machen. Ein paarmal durfte ich das, aber ich drehe dabei meistens so am Rad und lache so laut vor Freude, dass das den Mitspielern wohl peinlich war und die das auch nicht mehr machen wollten draußen, wenn andere Leute zuschauen können.
      Für Männer kann das wohl auch peinlich oder demütigend sein, wenn sie von einer Frau hochgehoben werden. Ich kann bis zirka 75 kg hochheben (wiege selbst 50kg) und es gefällt mir auch, Partner dann hochzuheben oder zwei, drei Meter herumzutragen. :lol:

      Es scheint mir so, als würden sich bei mir Gefühle irgendwie über den Körper auszudrücken oder abbauen. Rein in meinem Kopf bin ich mit den Gefühlen oft überfordert, was ja bei negativen Gefühlen auch dazu führt, dass ich mich manchmal selbst schlage oder in ganz schlimmen Fällen den Kopf oder die Arme gegen die Wand haue oder mich beiße.

      Da ich ja zum Analysieren tendiere, überlege ich gerade, warum das so ist und ich glaube, dass ich nie gelernt habe, dass andere Menschen auf meine Gefühle reagieren, weil ich die ja früher nie zeigte. Deshalb kapiere ich wohl nicht, wie man gefühlsmäßig (also nicht-materiell) mit Gefühlen gegenseitig umgeht und mir ist die Körperlichkeit an der Stelle so wichtig. :roll:
    • midnight wrote:

      Wut kann ich auch schlecht ausdrücken, vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich sie als Kind nie ausleben durfte, musste immer das brave Mädchen sein).
      Meine Mutter sagte oft zu mir: Du bist so lieb. - Da hab ich immer einen richtigen Widerstand in mir gefühlt und mit Nachdruck gesagt: Ich BIN NICHT LIEB! - Ich denke, das war schon damals eine gesunde Notwehr dagegen, dass man mir meine "negativen" Gefühle nicht zugestehen wollte. Trotzdem hab ich das wohl verinnerlicht und dadurch immer ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich mal meine Bedürfnisse mitgeteilt oder Ärger direkt gezeigt habe, sodass ich diese Gefühle oft unterdrückt habe, sodass sie dann irgendwann explosionsartig rauskamen.
    • FruchtigBunt wrote:

      Ich habe bei extremer Freude aber auch manchmal das Bedürfnis gegen Menschen oder Dinge zu springen. :m(: :lol: So, als bräuchte ich dann eine Art Widerstand, damit es irgendwie eine Rückmeldung gibt oder eine Art Widerhall für mein Gefühl, wenn das Gefühl so überwältigend (negativ oder positiv) ist.
      :o Ich find das so toll, auch, wie du das so gut einordnen kannst :nod: