Gifted Kid Syndrome

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    • Gifted Kid Syndrome

      Vor einiger Zeit bin ich über den Begriff des „Gifted Kid Syndrome“ gestolpert. Im Internet, wo dieser vermutlich entstand, kursieren verschiedene Definitionen davon, eine „offizielle“ scheint es nicht zu geben (eine der besseren Beschreibungen findet sich hier).
      Klarerweise ist das auch kein echtes, klinisches Syndrom, sondern eher ein Phänomen. Ich fand es dennoch interessant, da ich mich darin gut wiederfinden konnte.

      Meine persönliche Zusammenfassung des „Syndroms“, wie ich es verstehe:
      Es beschreibt „begabte“ Kinder, die sich nicht für altersgemäße sondern anspruchsvollere Dinge interessieren, etwa klassische Philosophie, klassische Literatur, u.ä.; die gute Noten schreiben ohne je dafür lernen zu müssen, weil sie alles auf Anhieb verstehen, nachdem sie es nur einmal gehört/gelesen haben; die sich in der Schule langweilen, wenn der Unterrichtsstoff zum zweiten oder dritten Mal durchgegangen wird; denen Lehrer, Eltern und andere Erwachsene immer wieder zu verstehen geben, dass sie begabt sind; die reifer als ihr tasächliches Alter wirken; die aufgrund der sehr unterschiedlicher Interessen keine Freunde im gleichen Alter haben und dadurch keine/nur wenige sozialen Fähigkeiten erlernen; usw.
      Bis sie dann von der Realität „eingeholt“ werden, wenn sie merken, dass auch sie für etwas lernen und hart arbeiten müssen, dass es andere Leute gibt, die wesentlich intelligenter sind als sie, und dass ihre Begabung eigentlich gar keine ist; und sie dadurch quasi „abstürzen“, also depressiv oder arbeitslos werden, an sich selbst zweifeln, usw.

      Ich kann für mich sagen, dass das auf mich zutrifft. Während der Kindergarten- und Schulzeit hielt man mich für begabt, weil ich früh lesen und schreiben konnte, weil ich Klassenbester in Mathe und Physik war und oft schon Dinge konnte, die erst viel später in der Schule behandelt wurden, da ich mir alles durch einmaliges Lesen vorher beigebracht hatte. Ich habe nie für Klausuren gelernt und nie Hausaufgaben gemacht – Mathe-Hausaufgaben konnte ich ohne jede Vorbereitung an der Tafel vorrechnen –, weil ich ja bereits alles konnte, wodurch ich allerdings auch nie gelernt habe, wie man lernt oder wie man Inhalte vor- und nachbereitet, wie man sich seine Zeit einteilt, um Hausaufgaben (später dann Seminararbeiten) zu machen, überhaupt fehlte mir das Gefühl Hausaufgaben wirklich ernst zu nehmen.
      Als ich an die Uni kam, war es für mich eine böse Überraschung, weil ich einerseits nicht mehr alles dadurch lernen konnte, indem ich es mir einmal durchlas, und ich gemerkt habe, dass diese „Begabung“, die ich zu haben glaubte, gar nicht existierte. Und andererseits weil ich es nie geschafft habe, eine Lernroutine zu entwickeln oder mir meine Zeit für Seminararbeiten angemessen einzuteilen. Das Studium habe ich zwar dann doch noch, wenn auch unterdurchschnittlich, geschafft, aber ich lag weit hinter allen Erwartungen zurück, die ich von mir selbst hatte und die man aus meiner Schulzeit hätte extrapolieren können. [Natürlich hatte ich gerade im Studium noch andere, (sehr wahrscheinlich) Autismus bedingte Probleme, die das mit beeinflussten].

      Ich frage mich, inwiefern dieses Phänomen etwas „Eigenes“ ist und Überschneidungen mit Problemen wie z.B. exekutiver Dysfunktion, Lernschwierigkeiten (etwa bei Wichtiges und Unwichtiges trennen, in Details verlieren, etc.) zufällig sind.


      Habt ihr schon von diesem Begriff gehört und könnt ihr euch (teilweise) darin wiederfinden?
    • Hei modulo,

      weder habe ich von diesem Syndrom gehört (ich halte es auch für etwas künstlich aufgebauschte Problematik) noch kann ich es nachempfinden. Ich habe früh gelernt, dass ich praktische Tätigkeiten durch Üben noch besser hinbekomme, auch wenn ich als Kind glaubte, vieles intuitiv richtig "anzupacken".

      Was du allerdings über das Dilemma der Lernmethodik und Lernroutine schreibst, kenne ich aus den Erzählungen von vielen anderen, die ohne weiteres als intelligent gelten können(was ihnen beim Lernen lernen aber nicht geholfen hat).
      Organisation, Zeiteinteilung, rationales Lernen/Entspannen sollten recht früh Unterrichtsthemen sein, sind's aber leider eher selten.

      Autismusbedingt kann es sein, dass du bei fehlendem Interesse noch mehr Schwierigkeiten mit dem Lernstoff hast, was ja auch bei ADS/ADHS regelmäßig verschärfend dazu kommt.

      Erfahrungsgemäß hat aber auch die Qualität der Wissensvermittlung großen Einfluss auf das Ergebnis des Studiums/der Schul- oder Hochschulbildung. Und wenn du hier Pech gehabt hast, kann dein angeblich schlechtes Abschneiden im Studium möglichweise damit erklärt werden. Vielleicht hast du aber auch "nur" zu hohe Erwartungen an dich selbst? Ich frage nur, ich kann es nicht wissen.....

      Ich hoffe, du gehst trotz alledem deinen Weg so gut es eben geht. Vielleicht gibt es andere, die dich für Dinge bewundern, die du selbst gar nicht für so wichtig hältst - man weiß ja nie!
      Also mach es gut und so oft du kannst..... ;)
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:
    • modulo wrote:

      Meine persönliche Zusammenfassung des „Syndroms“, wie ich es verstehe:
      Es beschreibt „begabte“ Kinder, die sich nicht für altersgemäße sondern anspruchsvollere Dinge interessieren, etwa klassische Philosophie, klassische Literatur, u.ä.; die gute Noten schreiben ohne je dafür lernen zu müssen, weil sie alles auf Anhieb verstehen, nachdem sie es nur einmal gehört/gelesen haben; die sich in der Schule langweilen, wenn der Unterrichtsstoff zum zweiten oder dritten Mal durchgegangen wird; denen Lehrer, Eltern und andere Erwachsene immer wieder zu verstehen geben, dass sie begabt sind; die reifer als ihr tasächliches Alter wirken; die aufgrund der sehr unterschiedlicher Interessen keine Freunde im gleichen Alter haben und dadurch keine/nur wenige sozialen Fähigkeiten erlernen; usw.
      Bis sie dann von der Realität „eingeholt“ werden, wenn sie merken, dass auch sie für etwas lernen und hart arbeiten müssen, dass es andere Leute gibt, die wesentlich intelligenter sind als sie, und dass ihre Begabung eigentlich gar keine ist; und sie dadurch quasi „abstürzen“, also depressiv oder arbeitslos werden, an sich selbst zweifeln, usw.
      Hatte ich zumindest unter dem Begriff noch nicht gelesen. Aber genau das, was Du hier beschreibst, traf auch auf mich zu. Ich habe oft gesagt, dass ich gewissermaßen nie "das Lernen gelernt" habe. Auch bei mir waren es nicht nur die Eltern, sondern auch manche Lehrer und Bekannten meiner Familie, die mich für etwas "Besonderes" hielten, glaubten, aus mir würde etwas "Besonderes" werden. Und auch ich würde an der Universität von der Realität eingeholt. In vieler Hinsicht lief es unerwartet "holprig", obwohl ich da noch manche Erfolgserlebnisse hatte.

      modulo wrote:

      Als ich an die Uni kam, war es für mich eine böse Überraschung, weil ich einerseits nicht mehr alles dadurch lernen konnte, indem ich es mir einmal durchlas, und ich gemerkt habe, dass diese „Begabung“, die ich zu haben glaubte, gar nicht existierte. Und andererseits weil ich es nie geschafft habe, eine Lernroutine zu entwickeln oder mir meine Zeit für Seminararbeiten angemessen einzuteilen. Das Studium habe ich zwar dann doch noch, wenn auch unterdurchschnittlich, geschafft, aber ich lag weit hinter allen Erwartungen zurück, die ich von mir selbst hatte und die man aus meiner Schulzeit hätte extrapolieren können. [Natürlich hatte ich gerade im Studium noch andere, (sehr wahrscheinlich) Autismus bedingte Probleme, die das mit beeinflussten].
      Dito. Wobei mir heute bewusst ist, dass viele Probleme tatsächlich autismusbedingt waren. Ich konnte nie verstehen, weshalb ich mich mit scheinbar "einfachen" Dingen so schwertat. Weshalb meine Leistungsfähigkeit insgesamt so ungleichmäßig und unplanbar waren. Mich hat das alles während der Studienzeit sehr verunsichert und aus heutiger Perspektive auch depressiv gemacht.

      modulo wrote:

      Ich frage mich, inwiefern dieses Phänomen etwas „Eigenes“ ist und Überschneidungen mit Problemen wie z.B. exekutiver Dysfunktion, Lernschwierigkeiten (etwa bei Wichtiges und Unwichtiges trennen, in Details verlieren, etc.) zufällig sind.
      Das ist ja keine medizinische Diagnose, aber für zufällig halte ich die Übereinstimmungen nicht. Ich denke eher, es ist ein Phänomen, das gerade für eine bestimmte "Untergruppe" von Autisten recht typisch ist. Wenn die Grundproblematik rechtzeitig erkannt würde, könnte der Weg sicher in vielen Fällen langfristig positiver verlaufen. Ein weiteres Stichwort, das hier interessant ist, ist "erwachsene Underachiever". Für die gibt es leider auch kaum Interesse oder Unterstützung. Irgendwo las ich auch mal vom Phänomen der "Schulintelligenz". Kinder oder Jugendliche, deren Fähigkeiten eigentlich nur dazu taugen, gut in der Schule zu sein, aber die ansonsten nichts zustande bringen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.

      The post was edited 1 time, last by Leonora ().

    • Bei mir ist es ähnlich.
      Für Klausuren habe ich nie gelernt, schließlich hat man das ja im Unterricht schon bis zum erbrechen wiederholt. Dafür konnte ich überhaupt keine Analysen schreiben. Aber was man daran lernen konnte hat sich mir nie erschlossen - entweder man kann es oder halt nicht. Für die Abiturprüfung habe ich 2 Tage gelernt, indem ich mir einfach alle Themen noch einmal angeschaut und Beispielaufgaben gerechnet habe. Hat vollkommen gereicht.
      An der Uni habe ich das Problem, dass es nur ums Auswendiglernen geht. Verstehen ist zwar gut, bringt aber in der Klausur nichts. Meine Noten sind trotzdem ganz okay, wobei man deutlich sieht welche Module ich interessanter fand.
      Jetzt muss ich die Bachelorarbeit schreiben und das ist super nervig. Für die Einleitung muss ich unglaublich viel lesen und zusammenschreiben.
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • modulo wrote:

      Meine persönliche Zusammenfassung des „Syndroms“, wie ich es verstehe:Es beschreibt „begabte“ Kinder, die sich nicht für altersgemäße sondern anspruchsvollere Dinge interessieren, etwa klassische Philosophie, klassische Literatur, u.ä.; die gute Noten schreiben ohne je dafür lernen zu müssen, weil sie alles auf Anhieb verstehen, nachdem sie es nur einmal gehört/gelesen haben; die sich in der Schule langweilen, wenn der Unterrichtsstoff zum zweiten oder dritten Mal durchgegangen wird; denen Lehrer, Eltern und andere Erwachsene immer wieder zu verstehen geben, dass sie begabt sind; die reifer als ihr tasächliches Alter wirken; die aufgrund der sehr unterschiedlicher Interessen keine Freunde im gleichen Alter haben und dadurch keine/nur wenige sozialen Fähigkeiten erlernen; usw.
      Bis sie dann von der Realität „eingeholt“ werden, wenn sie merken, dass auch sie für etwas lernen und hart arbeiten müssen, dass es andere Leute gibt, die wesentlich intelligenter sind als sie, und dass ihre Begabung eigentlich gar keine ist; und sie dadurch quasi „abstürzen“, also depressiv oder arbeitslos werden, an sich selbst zweifeln, usw.

      ....

      Habt ihr schon von diesem Begriff gehört und könnt ihr euch (teilweise) darin wiederfinden?
      Ja, ich finde mich darin teilweise wieder. Ich brauchte auch nie groß irgendwas lernen, sondern habe es meistens auf Anhieb verstanden. Ich habe z.B. nie irgendwelche Vokabeln lernen müssen. Den Sinn von Hausaufgaben habe ich lange Jahre nicht verstanden (und sie deswegen auch so gut wie nie gemacht). Ich hielt das schlicht für Drangsalierei, denn warum sonst musste ich etwas wieder und wieder machen, dass ich doch längst konnte? Mir ging es auch nie schnell genug voran im Unterricht. Ständig wurde alles bis zum Erbrechen wiederholt. Dadurch habe ich mich in der Schule dann furchtbar gelangweilt und Schule wurde schließlich zur Strafe für mich. Meine Interessen deckten sich auch nie mit denen Gleichaltriger, wodurch ich (zusätzlich durch meine seltsame und z.T. sehr erwachsene Art der Kommunikation) immer als seltsam galt und es mir kaum gelang, Freunde zu finden.

      Aber: Ich bin nie von irgendeiner "Realität" eingeholt worden. Dass es Leute gibt, die schlauer als ich sind, war mir schon früh klar. Ich habe das auch nie als "Begabung" angesehen. Im Gegenteil; ich habe früh gemerkt, dass das oftmals Neid und Missgunst auf den Plan ruft und hielt es daher eher für einen Fluch. Ich brauche auch bis heute nicht wirklich zu "lernen". Ich weiß gar nicht, wie das überhaupt gehen soll und kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich höre, dass Leute lernen müssen, richtig zu lernen. Ganz selten mal fasse ich mir etwas auf einem Zettel zusammen, aber wenn ich das getan habe, brauche ich den Zettel eigentlich auch schon gar nicht mehr. Meistens lese ich mir das nur durch und/oder probiere es einfach aus. Gut, bei Dingen, die mich nicht interessieren, wird es schwierig, aber auch nicht unmöglich. Wenn ich dann einen motivierenden Sinn/Zweck dahinter sehe, ist das auch kein großes Problem.

      Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich wegen Geldmangel nie auf dem Gymnasium war und folglich auch nicht studiert habe (Schulmaterial und Fahrtkosten musste man hier damals selber bezahlen). Ich hätte zwar sehr gern studiert, aber dazu fehlte halt erstens das Geld und zweitens wäre ich dann wohl spätestens beim Punkt Wohnen gescheitert. Ich hätte nie zusammen mit anderen in einem Wohnheim oder einer WG wohnen können. Außerdem war ich im entsprechenden Alter auch noch viel zu unselbstständig, als dass ich das geschafft hätte. Den Stoff rein zu kriegen wäre wohl kein Problem gewesen, aber eben das ganze Drumherum. Von daher kann ich mit der entgangenen Chance auf ein Studium auch ganz gut leben. Wenn ich Geld hätte, würde ich aber wohl rein aus Spaß und Interesse das eine oder andere Fernstudium machen. Einfach so, nur für mich. Sorgen, dass ich das nicht schaffen könnte, mache ich mir da eigentlich keine. Aber leider fehlt mir dazu das Geld. Schade.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Ich war zwar gut in der Schule, erkenne mich aber ansonsten in der Beschreibung nicht wieder.
      Ich hatte keine übermäßig abgehobenen Interessen als Kind, und ich habe auch gelernt, mich für Dinge anstrengen zu müssen und mich selbst zu organisieren. In meiner Ausbildung hatte ich immer noch ein Ergebnis über dem Durchschnitt, wenn auch kein super gutes.
      Als ich im Mensa-Verein war, habe ich aber oft die Aussage gehört/gelesen "ich habe nicht gerlernt zu lernen", meistens nannten sich die Leute "Underachiever". Ein Teil davon war aber auch schon in der Schule Underachiever, nicht erst später.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Beim Thema "Underachiever" spielt vielleicht oft eine undiagnostizierte ADHS eine entscheidende Rolle. Die kann in der Schulzeit leicht durch eine schnelle Auffassungsgabe "versteckt" werden.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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    • So ähnlich hätte ich wohl meine Kindheit/ Jugend zusammengefasst. Ich war einfach faul, weil alles auch ohne Anstrengung ging und sogar gut. Manches ging auch damals schon nur mäßig, das war bei Fächern die mich nicht interessierten. Das Scheitern (=den eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen) begann bei mir schon in der Oberstufe. Weil zB in Mathe (LK) die Hausaufgaben selten kontrolliert wurden, machte ich die oft nicht. Mit dem Ergebnis, dass mir zunehmend die Übung fehlte, die man für einige Sachen braucht.
      Alles, wo Verständnis nicht ausreicht und das Interesse nur wenig ausgeprägt ist, fällt mir schwerer als es sollte. Weil ich Selbstdisziplin und den ganzen anderen Kram, wie man lernt, tatsächlich nie groß brauchte.

      Inzwischen liegt die Schulzeit 7 Jahre hinter mir und ich werde bald hoffentlich (sehr?) gut mein Studium beenden. Im Bachelor sah das notentechnisch noch ganz anders aus.
      Das hat viel Anstrengung bedeutet und ganz überwunden habe ich das Defizit wohl nicht. Vor allem mit Prokrastination/exekutiver Dysfunktion habe ich immer noch zu kämpfen.

      Allerdings hatte ich nie "abgehobene" Interessen wie klassische Literatur und trotzdem oft Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen.
      Eine Diagnose habe ich nicht, außer einen Verdacht auf AD(H)S.
    • Underachiever? Okay, das trifft dann wohl eindeutig auf mich zu. Ich hätte viel, viel bessere Noten haben können, wenn mich der Unterricht nicht immer so furchtbar gelangweilt hätte, mich nicht hundertausend andere Sachen abgelenkt hätten und ich mich irgendwie besser auf den Unterricht hätte konzentrieren können. :oops: :m(:
      "Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen."
      Erasmus von Rotterdam
    • modulo wrote:

      könnt ihr euch (teilweise) darin wiederfinden?
      Ja, total.
      O.k., Platon habe ich jetzt nicht gelesen in der dritten Klasse... ^^ Aber "altersgemäß" waren meine Interessen definitiv auch nicht. :roll:

      Ich bin jedenfalls auch ohne jegliche Anstrengung und mit trotzdem sehr guten Noten durch die Schulzeit gekommen, nur um dann später zu merken, dass es vielleicht doch ganz gut gewesen wäre, mal so etwas wie "strukturiertes Lernen" geübt zu haben... :roll:
      Und überhaupt ist mir die Vorstellung, mich für irgendetwas tatsächlich mal anstrengen zu müssen, nach dem jahrelangen systematischen "Faulheitstraining" in der Schulzeit immer noch völlig fremd. :oops: :?

      Leonora wrote:

      Ich denke eher, es ist ein Phänomen, das gerade für eine bestimmte "Untergruppe" von Autisten recht typisch ist.
      Ja, vermutlich sind diese "Untergruppe" dann die Hochbegabten unter den Autisten. Oder vllt eher die Autisten unter den Hochbegabten. :roll: (Denn in erster Linie klingt dieses "gifted kid syndrome" für mich immer noch nach einem typischen Hochbegabten-Problem...)

      Leonora wrote:

      Irgendwo las ich auch mal vom Phänomen der "Schulintelligenz". Kinder oder Jugendliche, deren Fähigkeiten eigentlich nur dazu taugen, gut in der Schule zu sein, aber die ansonsten nichts zustande bringen.
      Das trifft ein bisschen auf mich zu. :oops:
      In der Schule sind die Maßstäbe, nach denen bewertet wird, immer so schön klar. Und es gibt nur sehr wenige "Fähigkeiten", die man dort tatsächlich braucht. Ein gutes Gedächtnis und eine schnelle Auffassungsgabe reichen da eigentlich schon aus. Andere, "praktischere" Fähigkeiten wie Selbstorganisation, aber auch soziale Fähigkeiten können dann noch so schlecht sein - für ein (sehr) gutes Zeugnis reicht das trotzdem allemal. Und dann sieht nach außen hin (und auch für einen selbst) eben alles gut aus und man kommt gar nicht erst auf die Idee, dass da vielleicht auch Dinge sind, die man besser mal trainieren sollte... :roll:

      Vielleicht ist das der Punkt, wo der Autismus ins Spiel kommt... :roll: Die "normalen" Hochbegabten merken vielleicht irgendwie schneller, dass da auch Dinge sind, die sie noch lernen sollten, während der Autist nur jedes halbe Jahr einmal auf sein Zeugnis guckt, die ganzen Einsen sieht, sich denkt "O.k., scheint ja alles in Ordnung zu sein" und sich dann wieder alleine auf sein Zimmer zurückzieht, um seine Spielzeugautos zu sortieren.
      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Morgenstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität hochgeschraubt
      Gurkensalat
    • Finde ich interessant mit dem "gifted child". Ich war ähnlich - aber mit einer Ausnahme: Ich hatte kein gutes Gedächnis, sondern musste mir Lernstrategien selbst ausdenken, ich bin ein extrem haptischer Lerntyp und kann Dinge nur behalten, wenn ich herumlaufe und sie mir laut vorsage.
      Im Unterricht schrieb ich mit und benutzte meine eigenen Aufzeichnungen - Tafelbilder abschreiben oder Bücher konnte ich auch nicht behalten.

      Sonst war das aber wie beschrieben. Nur bin ich an der Uni nicht abgestürzt, sondern dann im Berufsleben. Es gab Leute, die schlauer sind als ich, aber offen gesagt nicht sehr viele. ich war Schulbeste und Unibeste meines Jahrgangs.

      Lernen war aber auch eine Flucht. Solange ich gute Noten hatte, ließ man mich in Ruhe.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Mir fällt Lernen teilweise unglaublich leicht, weil ich viele Dinge bei der ersten Erklärung verstehe und sie dann nicht mehr lernen muss. Wenn sie mir nicht erklärt werden, brauche ich länger, verstehe aber Zusammenhänge oft trotzdem besser als Kommilitonen (und früher auch Mitschüler). Besonders wenn der Prof es einleitet mit "Das machen die meisten falsch". Da habe ich aber diesen inneren Anreiz, genau diese Fehler nicht zu machen.
      Ansonsten waren meine Noten aber auch nicht überwiegend berauschend. Mündlich stand ich immer und fast überall 1, schriftlich allerdings dann eher schlecht. Das ist auch jetzt im Studium so. Allerdings wird gerade bei mir auch aktuell geschaut, ob das nicht eben autismusbedingt ist. Trotzdem halte ich mich auch so nicht für den Überflieger überhaupt. Einfach, weil ich weiß, dass ich hart arbeiten muss, wenn die Umstände das erfordern.
      Probleme damit, wie man "richtig" lernt, habe ich allerdings auch. Ich fasse meist einfach ein Lehrbuch zusammen und dann das nächste .... - Aber lerne dabei nichts, was ich brauche, sondern nur die Hintergründe und das theoretische Konzept dahinter. (Sprich: Welche Zweck hat das AGG und welche Schwierigkeiten und Probleme liegen da vor, welche Rechtsprechung besteht dazu bisher und welche Meinungsstreite und all sowas - statt "Wie prüfe ich AGG?") Ich glaube, mein Interesse liegt da mehr im philosophischen statt in der praktischen Anwendung. Allerdings muss ich letzteres können, um irgendwann ersteres machen zu dürfen.

      Leonora wrote:

      Irgendwo las ich auch mal vom Phänomen der "Schulintelligenz". Kinder oder Jugendliche, deren Fähigkeiten eigentlich nur dazu taugen, gut in der Schule zu sein, aber die ansonsten nichts zustande bringen.
      Ich habe vor kurzem jemand kennengelernt, der genau darüber depressiv geworden ist. Sie hat immer gelernt und die Schule gemeistert. Auswendig gelernt, Arbeiten geschrieben, danach Ausbildung - alles immer super. Nun arbeitet sie in dem Beruf und weiß theoretisch alles, aber kann es überhaupt nicht anwenden, weil sie das nicht gelernt hat.
      Genauso kann sie zwar sämtliche Farben eines Bildes den "Gefühlen" zuordnen und so interpretieren, aber "Was will der Maler damit ausdrücken?", weiß sie nicht. Sie hat eben nicht wirklich gelernt, selbstständig zu denken. (Sagt sie selbst und daran arbeitet sie aktuell.)
      Ich habe mich dagegen oft gewehrt zB Farben auswendig zu lernen, weil ich es als nicht sinnvoll erachtet habe, dafür aber einen anderen Zugang zu zB Bildern gebraucht.
      Vielleicht - auch wenn das Studium anstrengend ist - hilft mir aber genau das wieder dabei, später mal gut in dem Bereich zu arbeiten. Ich lerne eben nicht nur auswendig, sondern beschäftige mich damit anders.
    • Mir "flogen" die meisten Dinge in der Schule zu, ich brauchte nur zuhören oder einmal lesen, musste nicht wirklich lernen für gute Noten (außer in Fächern, die ich furchtbar fand wie Geschichte oder Politik). Ein sehr gutes Gedächtnis hatte ich damals auch. Mir wurde immer gesagt, wie intelligent ich doch sei und das ich viel mehr leisten könnte, wenn ich nur wollte (das bezog sich u.a. auf meine fehlende mündliche Beteiligung). Ich bin also relativ leicht durch die Schulzeit gekommen, aber ich bin alles andere als hochbegabt. Obwohl es mir so leicht viel, habe ich mir das Gymnasium nicht zugetraut und nach dem Realschulabschluss eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Vielleicht hätte ich mehr aus mir machen können, wenn ich Unterstützung in irgendeienr Form gehabt hätte. Mir fiel es aber damals schon schwer, mir eine Zukunft für mich auszudenken, ich habe irgendwie nie weit gedacht und dementsprechend auch nie geplant.
      In sozialen Dingen war ich ein Außenseiter, aber ich habe die meisten Menschen um mich herum auch nicht wirklich wahr genommen.
      Ist da wer?
    • Abendstern wrote:

      Ich bin jedenfalls auch ohne jegliche Anstrengung und mit trotzdem sehr guten Noten durch die Schulzeit gekommen, nur um dann später zu merken, dass es vielleicht doch ganz gut gewesen wäre, mal so etwas wie "strukturiertes Lernen" geübt zu haben...
      Und überhaupt ist mir die Vorstellung, mich für irgendetwas tatsächlich mal anstrengen zu müssen, nach dem jahrelangen systematischen "Faulheitstraining" in der Schulzeit immer noch völlig fremd.
      Same here. Ein echtes Problem. Im Grunde bin ich trotz guter bis sehr guter Noten "durch's System gefallen", weil ich weder in den Bereichen meiner Stärken noch meiner Schwierigkeiten Förderung bekam. Das hat sich beides später "gerächt".

      Abendstern wrote:

      Ja, vermutlich sind diese "Untergruppe" dann die Hochbegabten unter den Autisten. Oder vllt eher die Autisten unter den Hochbegabten. (Denn in erster Linie klingt dieses "gifted kid syndrome" für mich immer noch nach einem typischen Hochbegabten-Problem...)
      Vielleicht. Aber ich denke doch, dass die Hochbegabten bzw. überdurchschnittlich Intelligenten ohne Autismus da noch besser "die Kurve kriegen", spätestens im Studium. Wenn das Sozialverhalten nicht betroffen ist, findet man dort eher passende Kontakte und dann darüber vielleicht den nötigen Ehrgeiz und die richtigen Strategien.

      Abendstern wrote:

      In der Schule sind die Maßstäbe, nach denen bewertet wird, immer so schön klar. Und es gibt nur sehr wenige "Fähigkeiten", die man dort tatsächlich braucht. Ein gutes Gedächtnis und eine schnelle Auffassungsgabe reichen da eigentlich schon aus. Andere, "praktischere" Fähigkeiten wie Selbstorganisation, aber auch soziale Fähigkeiten können dann noch so schlecht sein - für ein (sehr) gutes Zeugnis reicht das trotzdem allemal. Und dann sieht nach außen hin (und auch für einen selbst) eben alles gut aus und man kommt gar nicht erst auf die Idee, dass da vielleicht auch Dinge sind, die man besser mal trainieren sollte...
      Absolut! Gute Zeugnisse machen da nicht nur anderen, sondern auch einem selbst lange etwas vor.

      Abendstern wrote:

      Vielleicht ist das der Punkt, wo der Autismus ins Spiel kommt... Die "normalen" Hochbegabten merken vielleicht irgendwie schneller, dass da auch Dinge sind, die sie noch lernen sollten, während der Autist nur jedes halbe Jahr einmal auf sein Zeugnis guckt, die ganzen Einsen sieht, sich denkt "O.k., scheint ja alles in Ordnung zu sein" und sich dann wieder alleine auf sein Zimmer zurückzieht, um seine Spielzeugautos zu sortieren.
      :d Aber ich denke, das trifft es. Auf den ersten Blick können die Probleme bei "normalen" Hochbegabten/ überdurchschnittlich Intelligenten sehr ähnlich aussehen, solange sie keinen Kontakt zu passenden Gleichaltrigen haben. Haben sie diesen Kontakt, erkennen sie eventuelle Defizite jedoch wohl recht schnell und sind häufig wohl auch motiviert, entsprechend an sich zu arbeiten. Deshalb ist die Universität für "normale" Hochbegabte oft auch ein Ort, wo sie regelrecht "aufblühen", insbesondere, was Selbstbewusstsein und Sozialkontakte betrifft, während es für Autisten trotz großer Erwartungen dort nicht selten überraschend "holprig" läuft.

      Louveteau wrote:

      Ich habe vor kurzem jemand kennengelernt, der genau darüber depressiv geworden ist. Sie hat immer gelernt und die Schule gemeistert. Auswendig gelernt, Arbeiten geschrieben, danach Ausbildung - alles immer super. Nun arbeitet sie in dem Beruf und weiß theoretisch alles, aber kann es überhaupt nicht anwenden, weil sie das nicht gelernt hat.
      Genauso kann sie zwar sämtliche Farben eines Bildes den "Gefühlen" zuordnen und so interpretieren, aber "Was will der Maler damit ausdrücken?", weiß sie nicht. Sie hat eben nicht wirklich gelernt, selbstständig zu denken. (Sagt sie selbst und daran arbeitet sie aktuell.)
      Auf jeden Fall gut, wenn sie das selbst erkannt hat, es sich (vielleicht noch schwieriger) auch eingestehen konnte und daran arbeitet.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Mich ärgert es jedesmal, wenn mal wieder über die Last der Hochbegabung geklagt wird. Allzu oft verdrehen die Leute da eine Gabe zu einer Quasi-Behinderung - bei manchen Eltern habe ich sogar den Verdacht, dass das Gejammer den doppelten Zweck erfüllt, erstens jedem der es nicht wissen will klar zu machen, dass das eigene Kind ach so hochbegabt ist, und dabei zweitens gleichzeitig beklagen zu können, wie schwer ihr Blag es doch (angeblich) hat. Hätte ich nicht die HB, wäre ich sehr wahrscheinlich irgendwann im Erwerbsleben krachend gescheitert an AS. So kann ich zwar keine Erfolgsgeschichte im Sinne HB=Berufserfolg vorweisen, bin aber trotz dreier Brüche (Berufswechsel) ganz leidlich durchgekommen, und zwar allein, weil die HB mir entsprechende Anpassungsmöglichkeiten geboten hat (AS war es jedenfalls nicht...), einschließlich der Möglichkeit, seit fast 7 Jahren den perfekten Aspie-Job zu haben (SI als Beruf plus Arbeitsplatz zu Hause, und das noch gut bezahlt). Ohne HB wäre das ausgeschlossen gewesen.
    • Also ich finde mich in diesen Beschreibungen nicht wirklich wieder.
      Ich habe auch mal Erwartungen geweckt, aber nur in Kunst, und später auch in Biologie.
      In allen anderen Fächern war ich mittelmäßig bis sehr schlecht.
      In Kunst war ich anfangs immer auf 1 oder 2, aber je höher die Schule, desto schlechter weil neben dem Malen auch diverse Themen gefragt waren, und man Wissen dazu erlernen musste, teilweise Wissen was mich null interessierte und ich war nie gut im Lernen was mich nicht reizt. In Biologie interessierten mich die meisten Themen von selbst, daher war es nicht schwer für mich die Dinge zu können nachdem ich mir den kram durchlas und aufmalte und mir selber noch Dinge aus Spaß daran ausarbeitete.
      Leider wurde ich hier aber nie gefördert.
      In der 5. + 6. auf den Gymnasien wo ich war, gab es bio und es war echt toll, und auf der Förderschule in der 7. hatte ich auch bio, wo ich ebenfalls sehr gut war, aber dann auf der Hauptschule in der 8. und in den folgenden Schulen gab es das dann nicht mehrso wirklich und so hatte ich keine Chance mich da weiter zu bilden.
      In der 9. hatten wir nur ein halbes Jahr Bio wo es um Aids, die Pest und den weiblichen Zyklus ging. Das interessierte mich weniger. In der 10. ging es um menschliche Zellen was ich wieder gut fand aber die Lehrerin mochte mich nicht. Ich war der einzige der alles wusste, habe extraarbeiten gemacht etc aber sie hat mich komplett ignoriert, so bekam ich nur eine 3.
      Was soll das auch bringen wenn man ständig aufzeigt aber dann nie dranngenommen wird?
      Ich konnte mir das nicht aussuchen. Für private Kurse hatten wir kein Geld und Wahlfächer zum Thema gab es auf den Schulen auch keine...

      Es scheint aber bei Autisten mit AS nicht selten zu sein bestimmte Talente zu haben und dann aufzufallen wenn diese auch genutzt werden.
      Das Gefühl auf einmal nicht mehr so besonders zu sein, kenne ich selber auch sehr gut.
      In der Grundschule und anfang Gymnasium wurde ich für meine Bilder hoch gelobt, man meinte ich hätte talent etc, müsste gefördert werden (bevor mein vater auszog, hatte ich künstlerisch Privatunterricht) aber danach ging es eher bergab, je höher die Klasse, desto anspuchsvoller wurden auch die Leher, aufeinmal waren andere Schüler die Lieblinge, sie bekamen immer die einsen und zweien und ich bekam meist nur dreien, seltenst mal eine zwei, was mich dann doch recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurück holte, einfach nur Durchschnitt zu sein, und das in etwas wo man zuerst immer als einzigartig und besonders galt. Das kratzt dann am Selbstwert, keine Frage.
      Ich gehe heute aber gelassen damit um. Ich mache Kunst nur noch zum spaß, ich male auch mal was für andere aber nicht um mich zu beweisen sondern weil ich das Geld brauche (wie scheiße sich das anhört...) aber wenigstens mache ich es nicht weil ich ständig anderen hinterher renne und besser sein will als andere.
      Ich mag meinen Stil, auch wenn er simpel ist und andere viel mehr drauf haben. Ich würde gerne mal meine Charaktäre so sehen aber dafür fehlt mir das Geld andere dafür zu beauftragen die zu malen in deren besseren Fähigkeiten...
    • Leonora wrote:


      Dito. Wobei mir heute bewusst ist, dass viele Probleme tatsächlich autismusbedingt waren. Ich konnte nie verstehen, weshalb ich mich mit scheinbar "einfachen" Dingen so schwertat. Weshalb meine Leistungsfähigkeit insgesamt so ungleichmäßig und unplanbar waren. Mich hat das alles während der Studienzeit sehr verunsichert und aus heutiger Perspektive auch depressiv gemacht.
      Mich verunsichert und deprimiert das heute noch. Natürlich bin ich mir mittlerweile bewusst, dass einiges tatsächlich autismusbedingt ist – gerade im sozialen Bereich –, aber bei anderem erkenne ich bisher keinen direkten Bezug zum Autismus – höchstens teilweise und selbst da bleibe ich skeptisch1.
      Inwiefern war deine Leistungsfähigkeit ungleichmäßig und unplanbar?

      Abendstern wrote:

      Ich bin jedenfalls auch ohne jegliche Anstrengung und mit trotzdem sehr guten Noten durch die Schulzeit gekommen, nur um dann später zu merken, dass es vielleicht doch ganz gut gewesen wäre, mal so etwas wie "strukturiertes Lernen" geübt zu haben... :roll:
      Und überhaupt ist mir die Vorstellung, mich für irgendetwas tatsächlich mal anstrengen zu müssen, nach dem jahrelangen systematischen "Faulheitstraining" in der Schulzeit immer noch völlig fremd.
      Ja, exakt ist es bei mir auch so.
      Mir fällt es nicht nur schwer mich bei einer Sache anzustrengen, sondern ich weiß bis heute eigentlich nicht, was es überhaupt wirklich bedeutet sich anzustrengen – ich „kann“ es einfach nicht, weil ich gar nicht weiß, wie man das macht und wie das funktioniert.

      Bei mir führt das dann auch oft dazu, dass ich Projekte, Interessen, Lernvorhaben, usw. nach ein paar wenigen Versuchen aufgebe, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte bzw. ich keinen stetigen Erfolg messen kann.
      Geringe Frustrationstoleranz gilt ja auch als eines der typischen Merkmale von Autismus – ich frage mich hier:
      1Ist (meine) geringe Frustrationstoleranz tatsächlich autismusbedingt und Ursache dieses Problems oder ist es eher andersherum, ist das „Faulheitstraining“ der Schule Ursache der (meiner) heutigen Frustrationsintoleranz?

      Abendstern wrote:

      Ja, vermutlich sind diese "Untergruppe" dann die Hochbegabten unter den Autisten. Oder vllt eher die Autisten unter den Hochbegabten. :roll: (Denn in erster Linie klingt dieses "gifted kid syndrome" für mich immer noch nach einem typischen Hochbegabten-Problem...)
      Ich würde „gifted kids“ nicht zu den Hochbegabten zählen, denn diese scheinen ja nur in einem beschränkten Rahmen (in dem Fall die Schule) hochbegabt.
      Das Problem des „GKS“ sehe ich ja vor allem darin, sich viel zu spät bewusst zu werden, dass man eben nicht hochbegabt ist, obwohl man dafür gehalten wurde und auch selbst daran geglaubt hat (oder es einem eingeredet wurde).

      Abendstern wrote:

      In der Schule sind die Maßstäbe, nach denen bewertet wird, immer so schön klar. Und es gibt nur sehr wenige "Fähigkeiten", die man dort tatsächlich braucht. Ein gutes Gedächtnis und eine schnelle Auffassungsgabe reichen da eigentlich schon aus. Andere, "praktischere" Fähigkeiten wie Selbstorganisation, aber auch soziale Fähigkeiten können dann noch so schlecht sein - für ein (sehr) gutes Zeugnis reicht das trotzdem allemal. Und dann sieht nach außen hin (und auch für einen selbst) eben alles gut aus und man kommt gar nicht erst auf die Idee, dass da vielleicht auch Dinge sind, die man besser mal trainieren sollte...
      Das trifft es, denke ich, sehr gut. Es gibt einem das falsche Gefühl der „Sicherheit“ alles richtig zu machen.

      Leonora wrote:

      Aber ich denke doch, dass die Hochbegabten bzw. überdurchschnittlich Intelligenten ohne Autismus da noch besser "die Kurve kriegen", spätestens im Studium. Wenn das Sozialverhalten nicht betroffen ist, findet man dort eher passende Kontakte und dann darüber vielleicht den nötigen Ehrgeiz und die richtigen Strategien.
      Ich denke heute auch oft, dass es mir geholfen hätte, Kontakte zu finden und innerhalb einer Lerngruppe o.Ä. die richtigen Lernstrategien zu entwickeln, wo man sich ggf. gegenseitig motiviert, regelmäßge Treffen zum fachlichen Austausch abhält etc. pp.
      Aber letztendlich ist das auch nur meine Theorie und ich bleibe skeptisch, zu oft empfinde ich es als Ausrede, weil ich mir denke, wenn man etwas wirklich gut kann, benötigt man so etwas auch dann nicht, wenn man ansonsten Lernschwierigkeiten hat – in meinem Fall hätte sich dabei vermutlich viel eher herausgestellt, dass ich eben nicht sonderlich gut bin und meine Defizite durch eine bessere Lernstrategie höchstens etwas besser hätte kompensiert werden können.
    • modulo wrote:

      Mich verunsichert und deprimiert das heute noch. Natürlich bin ich mir mittlerweile bewusst, dass einiges tatsächlich autismusbedingt ist – gerade im sozialen Bereich –, aber bei anderem erkenne ich bisher keinen direkten Bezug zum Autismus – höchstens teilweise und selbst da bleibe ich skeptisch1.
      Natürlich ist nicht alles autismusbedingt, man ist ja auch immer ein Individuum. Auf der anderen Seite finde ich es schwierig, ja kaum möglich, autismusbedingte Probleme von anderen wirklich prinzipiell abzugrenzen.

      modulo wrote:

      Inwiefern war deine Leistungsfähigkeit ungleichmäßig und unplanbar?
      Beispielsweise hatte ich manchmal große Konzentrations- und Organisationsprobleme und entwickelte daraus auch Schreibblockaden. Zu anderen Zeiten wiederum liefen meine Referate und Hausarbeiten hingegen sehr gut, ich bekam oft positives Feedback. Auch bei mündlichen Präsentationen war ich zu manchen Zeiten sehr selbstbewusst und konnte das gut, zu anderen fiel es mir sehr schwer.

      modulo wrote:

      Mir fällt es nicht nur schwer mich bei einer Sache anzustrengen, sondern ich weiß bis heute eigentlich nicht, was es überhaupt wirklich bedeutet sich anzustrengen – ich „kann“ es einfach nicht, weil ich gar nicht weiß, wie man das macht und wie das funktioniert.
      Geht mir ähnlich. Mit der kleinen Variation, dass ich mich manchmal punktuell anstrengen kann, sozusagen in den Hyperfokus gehe, und dann viel in kurzer Zeit schaffe. "Normale", stetige Anstrengung beherrsche ich jedoch überhaupt nicht.

      modulo wrote:

      Bei mir führt das dann auch oft dazu, dass ich Projekte, Interessen, Lernvorhaben, usw. nach ein paar wenigen Versuchen aufgebe, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte bzw. ich keinen stetigen Erfolg messen kann.
      Dito. Dadurch habe ich schon vieles nach kurzer Zeit "fallen lassen". Auch durch Kritik lasse ich mich leider sehr schnell entmutigen.

      modulo wrote:

      Geringe Frustrationstoleranz gilt ja auch als eines der typischen Merkmale von Autismus – ich frage mich hier:
      1Ist (meine) geringe Frustrationstoleranz tatsächlich autismusbedingt und Ursache dieses Problems oder ist es eher andersherum, ist das „Faulheitstraining“ der Schule Ursache der (meiner) heutigen Frustrationsintoleranz?
      Für mich persönlich glaube ich nicht, dass man das trennen kann. Das verstärkt sich wohl gegenseitig. Die niedrige Frustrationstoleranz hängt zudem wohl auch stark mit ADHS und schlechten exekutiven Funktionen zusammen.

      modulo wrote:

      Ich würde „gifted kids“ nicht zu den Hochbegabten zählen, denn diese scheinen ja nur in einem beschränkten Rahmen (in dem Fall die Schule) hochbegabt.
      Das Problem des „GKS“ sehe ich ja vor allem darin, sich viel zu spät bewusst zu werden, dass man eben nicht hochbegabt ist, obwohl man dafür gehalten wurde und auch selbst daran geglaubt hat (oder es einem eingeredet wurde).
      "Gifted kids" sind sicher in vielen Fällen nicht hochbegabt, aber vermutlich nicht selten überdurchschnittlich intelligent. Ich glaube aber gar nicht, dass es so einen großen Unterschied macht, ob sie nun tatsächlich hochbegabt (im Sinne von einem IQ von über 130) oder "nur" im "normalen" Rahmen recht schlau sind (etwa ein IQ von 125 oder so, was ja deutlich häufiger vorkommt). Soooo groß ist der Unterschied da gar nicht unbedingt. Entscheidender ist, sie sind keine Genies, sind näher am Durchschnitt als an echten Ausnahmebegabungen (diese sind von "knapp Hochbegabten" ja auch noch weit entfernt). Und sie haben - wie Autisten - wohl oft ein ungleiches Fähigkeitenprofil, und dabei zugleich keine ausreichende Einzelbegabung, die andere Defizite wirklich "wettmachen" würde. Diese Kombination kann die Situation sehr schwierig machen, weil sie selbst, aber auch ihre Eltern, Lehrer und andere Erwachsene sie für Genies halten, denen alles "zufliegt".

      modulo wrote:

      Ich denke heute auch oft, dass es mir geholfen hätte, Kontakte zu finden und innerhalb einer Lerngruppe o.Ä. die richtigen Lernstrategien zu entwickeln, wo man sich ggf. gegenseitig motiviert, regelmäßge Treffen zum fachlichen Austausch abhält etc. pp.
      Das wäre für mich auch nützlich gewesen. Eigentlich hätte ich so etwas in den Bereichen meiner "Potenziale" ebenso gebraucht wie Unterstützung in den Bereichen meiner Schwierigkeiten (mit Organisation, Zeiteinteilung etc.).
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.

      The post was edited 1 time, last by Leonora ().

    • HCS wrote:

      Allzu oft verdrehen die Leute da eine Gabe zu einer Quasi-Behinderung - bei manchen Eltern habe ich sogar den Verdacht, dass das Gejammer den doppelten Zweck erfüllt, erstens jedem der es nicht wissen will klar zu machen, dass das eigene Kind ach so hochbegabt ist, und dabei zweitens gleichzeitig beklagen zu können, wie schwer ihr Blag es doch (angeblich) hat. Hätte ich nicht die HB, wäre ich sehr wahrscheinlich irgendwann im Erwerbsleben krachend gescheitert an AS.
      Im späteren Leben gabe ich dir absolut Recht.
      Hochbegabte Kinder oder Kinder, die sich anderweitig nicht alterstypisch verhalten können aber für die Eltern ziemlich anstrengend sein. Ich war's jedenfalls :d .
      Da kann ich Eltern absolut verstehen, die sich eher ein durchschnittliches Kind wünschen würden.

      Ich denke, dass auch hochbegabte NA-Kinder oft recht einsam sind. Einfach, weil sie mit Gleichaltrigen evtl. wenig anfangen können und oft recht spezielle Interessen haben. Damit lernen sie womöglich viel weniger soziale Fähigkeiten als durchschnittliche Kinder.

      Im Beruf sind passende Begabungen aber fast immer von Vorteil, gerade für Autisten.
      Es gibt natürlich Ausnahmen, wenn man in einer Firma oder einem Team mit miesem Klima landet. Leider kommt's ja öfter mal vor, dass talentierte, aber eher schüchterne Mitarbeiter von Kollegen oder gar Vorgesetzten rausgemobbt werden, weil sie Angst um ihre Aufstiegschancen oder ihre Posten haben.
      In der Hinsicht habe ich jetzt in meinem ersten Job ziemliches Glück gehabt. Die Jobsuche war nicht ganz einfach, und ich bin echt froh, in dieser Firma gelandet zu sein.