Welche Probleme habt ihr mit eurer Kommunikation?

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    • Welche Probleme habt ihr mit eurer Kommunikation?

      Da ein grundliegendes Problem aller Autisten schwere Kommunikationsstörungen sein soll, ich bei mir jedoch keine schwere Probleme feststellen kann und auch sonst nie Autisten über ihre Kommunikationsstörungen klagen sehe, bitte ich zum Erfahrungsaustausch.

      Ich selbst verstehe meist ziemlich genau, weshalb andere bestimmte Emotionen zeigen. Bei Menschen mit denen ich viel Kontakt habe kann ich (manchmal zumindest) kleine Veränderungen im Verhalten erkennen, wenn sie Emotional werden oder aber auch lügen. Mit dem Lügen selbst hab ich auch keine Probleme. Ich verstehe wann ich in Gesprächen reden kann und habe ein Verständnis welche Worte angebracht sind. Auch kann ich mir einen Großteil meines Verhaltens (Stiimming) verkneifen. Gesprochenes ist wie geschriebenes.

      Das sind ein paar grundlegende Kommunikationsformen die mir gerade einfallen. Die Definition von Hochfunktional trifft nicht auf mich zu.
    • Hm, ich war ja immer überzeugt keine Schwierigkeiten mit der Kommunikation zu haben.

      Allerdings habe ich Probleme mit der Ehrlichkeit, was heißt dass ich meist zu ehrlich bin. Ich stoße andere damit wohl öfter vor den Kopf. Merke das allerdings meist nicht.

      Außerdem rede ich manchmal zu viel und reiße Gespräche an mich.
      Das ganze fällt mir aber meist erst hinterher auf.
    • Schriftlich und themenbezogen hab ich selten Probleme, aber im direkten Kontakt mit Menschen geht bei mir Kommunikation meist komplett schief, und andere verstehen wer weiß was, wenn ich rede.

      Für Emotionen fehlen mir meist Worte, obwohl ich mich als ziemlich emotional beschreiben würde, nur eben in keiner Weise sprachlich. Da kann ich mich aber gut musikalisch ausdrücken, wobei ich natürlich nicht weiss, ob das dann auch entsprechend verstanden wird.
      Freiheit ist, wenn alle satt sind.
    • Ich habe da schon ein paar Probleme...
      • Ich habe Probleme damit, zu erkennen, was andere Menschen für Absichten haben; ob sie mich anlügen, veräppeln oder manipulieren wollen.
      • Ich kann auch nicht zwischen den Zeilen lesen und merke nicht, wenn mein Gegenüber von mir genervt ist oder das Gespräch nicht fortführen will.
      • Ich kann mich schlecht in andere hineinversetzen und weiß dann nicht, wie ich darauf reagieren soll oder was ich sagen soll.
      • Ich bin oft zu direkt und zu ehrlich, wodurch ich andere Menschen unbeabsichtigt verletze oder gar provoziere.
      • Ich neige dazu, endlose Monologe über meine Hobbys, bzw. mein SI zu halten und lasse mein Gegenüber dann kaum mehr zu Wort kommen.
      • Ich weiß nie so genau, wann ich mit dem Reden dran bin und falle anderen dadurch unbeabsichtigt ins Wort.
      • Ich brauche lange zum Antworten, muss mir die Antworten erst im Kopf vorformulieren.
      • Ich verhasple mich oft, gerate ins Stocken und/oder rede dann nur noch dummes Zeug oder kann im schlimmsten Fall gar nichts mehr sagen.
      • Ich rede oft viel zu laut und merke es erst, wenn man mir sagt, ich solle doch leiser sprechen.
      • Ich nutze oft Fachbegriffe ohne darauf zu achten, ob mein Gesprächspartner die versteht.
      • Ich bin in Gesprächen oft unkonzentriert, lasse mich durch Kleinigkeiten ablenken und wenn ich z.B. irgendwas interessantes sehe, dann muss ich das auch mitten im Satz mitteilen.
      • Ich missverstehe andere oft und werde auch häufig missverstanden, weil ich oft Probleme habe, mich vernünftig und verständlich auszudrücken.
      • Ich habe Probleme, ein Gespräch anzufangen und in Gang zu halten.
      • Ich kann im Allgemeinen viel besser schriftlich, als mündlich kommunizieren.
      Das eine oder andere habe ich auf die Schnelle jetzt bestimmt vergessen, aber das sind so im Groben meine Probleme in der Kommunikation.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.

      The post was edited 1 time, last by Windtänzerin ().

    • xxBenutzernamexx wrote:

      Ich selbst verstehe meist ziemlich genau, weshalb andere bestimmte Emotionen zeigen. Bei Menschen mit denen ich viel Kontakt habe kann ich (manchmal zumindest) kleine Veränderungen im Verhalten erkennen, wenn sie Emotional werden oder aber auch lügen. Mit dem Lügen selbst hab ich auch keine Probleme. Ich verstehe wann ich in Gesprächen reden kann und habe ein Verständnis welche Worte angebracht sind. Auch kann ich mir einen Großteil meines Verhaltens (Stiimming) verkneifen. Gesprochenes ist wie geschriebenes.

      Das sind ein paar grundlegende Kommunikationsformen die mir gerade einfallen. Die Definition von Hochfunktional trifft nicht auf mich zu.
      So wie du das beschreibst, liest sich das für mich, als hättest du garkeine Probleme in der Richtung, aber vielleicht hast du auch ein angenehmes Umfeld, das spielt auch eine große Rolle.


      Windtänzerin wrote:

      Ich habe Probleme damit, zu erkennen, was andere Menschen für Absichten haben; ob sie mich anlügen, veräppeln oder manipulieren wollen.

      Ich kann auch nicht zwischen den Zeilen lesen und merke nicht, wenn mein Gegenüber von mir genervt ist oder das Gespräch nicht fortführen will.

      Ich kann mich schlecht in andere hineinversetzen und weiß dann nicht, wie ich darauf reagieren soll oder was ich sagen soll.

      Ich bin oft zu direkt und zu ehrlich, wodurch ich andere Menschen unbeabsichtigt verletze oder gar provoziere.
      Diese Symptome bzw Probleme habe ich auch alle.
      Beim letzten Punkt würde ich noch hinzufügen wollen das ich durch dieses Verhalten oft nicht die Dinge bekomme die ich erreichen will. Also wenn man wo hingeht um was zu erfragen oder zu beantragen oder bestellen etc, kann es passieren, das manche Dinge zu erwähnen strategisch gesehen unklug sind, leider erkenne ich sowas nicht vorher.
      Leute verweigern mir dann auf einmal Hilfe oder geben mir nicht die art von Hilfe die ich will oder ähnliches.


      Windtänzerin wrote:

      Ich neige dazu, endlose Monologe über meine Hobbys, bzw. mein SI zu halten und lasse mein Gegenüber dann kaum mehr zu Wort kommen.

      Ich weiß nie so genau, wann ich mit dem Reden dran bin und falle anderen dadurch unbeabsichtigt ins Wort.

      Ich brauche lange zum Antworten, muss mir die Antworten erst im Kopf vorformulieren.

      Ich verhasple mich oft, gerate ins Stocken und/oder rede dann nur noch dummes Zeug oder kann im schlimmsten Fall gar nichts mehr sagen.

      Windtänzerin wrote:

      Ich bin in Gesprächen oft unkonzentriert, lasse mich durch Kleinigkeiten ablenken und wenn ich z.B. irgendwas interessantes sehe, dann muss ich das auch mitten im Satz mitteilen.

      Ich habe Probleme, ein Gespräch anzufangen und in Gang zu halten.

      Ich kann im Allgemeinen viel besser schriftlich, als mündlich kommunizieren.
      Ist bei mir auch alles so.
      Oft neige ich dazu Gespräche garnicht erst aufkommen zulassen, weil ich oft nur bis zur ersten Antwort denken kann, und dann nicht weiß was jemand danach sagen könnte, was es mir unmöglich macht, vorrauszuschauen in welche Richtung sich das Gespräch auch fortsetzen würde.
      Aus dem Grund vermeide ich Samlltalk aktiv, außer Hallo sagen tu ich eh nichts.


      Windtänzerin wrote:

      Ich nutze oft Fachbegriffe ohne darauf zu achten, ob mein Gesprächspartner die versteht.
      Das tue ich auch, aber ich erkläre sie noch im selben Atemzug, was das Thema nur unnötig in die Länge zieht.

      Wenn ich ein Anliegen habe, mache ich mir vorher schon stundelang Gedanken darüber wie ich das am besten erkläre, und wenn ich dann darüber reden soll, fange ich an Wörter doppelt zu sagen, als wenn man stottert oder sowas.

      Ein weiteres Problem ist, das ich Fragen die mir andere manchmal stellen, nicht immer richtig verstehe. Also was die genau jetzt von mir wissen wollen. Ich muss dann nochmal nachfragen.

      Dann kommt noch hinzu das ich oft mal ein Wort akustisch nicht richtig verstehe.
    • Ich kann eigentlich alles, was @Windtänzerin aufgelistet hat, unterschreiben. Besonders schwierig finde ich die Gesprächseinstiege und das Aufrechterhalten. Ich muss mir auch immer etwas vorformulieren, wenn ich etwas bestimmtes im Kopf habe, das ich ansprechen/besprechen will oder wenn ich eine Frage habe. Ich gehe dann mit den vorgefertigten Sätzen zu der Person. Wenn die Person dann, bevor ich loslegen kann, etwas ganz anderes sagt, bin ich völlig aus dem Konzept (Ich reagiere dann teilweise so, als wäre das eben Gesagte gar nicht gesagt worden, ungefähr so: "Ähm, ja... ich wollte gerade fragen, ob..."). Diese Art der Kommunikation wirkt (und ist) natürlich sehr gezwungen.

      Dazu kommt: wenn etwas gesagt wurde, von dem ich später bemerke, dass es nicht richtig war, muss ich das korrigieren (unabhängig davon, ob ich oder die andere Person das gesagt hat), und zwar egal, wie lange das her ist. Das wirkt dann wohl befremdlich, wenn ich z.B. zwei Stunden nach einem Gespräch zur Kollegin gehe und sage: "Du, vorhin hab ich doch gesagt, ich hätte die U-Bahn am Urlaubsort XY nicht benutzt, aber jetzt fiel mir ein, dass ich doch damit gefahren bin." > Das ist VÖLLIG unwichtig, aber ich kann nicht anders, als zu korrigeren. Die falsche Aussage darf nicht stehen bleiben. Ich beende solche Nachträge dann z.B. mit "Ja, das wollt ich nur noch sagen, weil ich vorhin sagte, dass... und mir dann einfiel, dass das gar nicht stimmt. Na ja... Okay!" und dann gehe ich.

      Ein weiterer Faktor ist, dass man mir weder ansieht noch anhört, wie ich etwas meine. Obwohl man mir Freude und Ärger sehr leicht ansehen kann, wissen die Menschen oft nicht, wie ich etwas meine, wenn ich dabei keine Emotionen verspüre. So wird gedacht, ich meine etwas ironisch, obwohl ich es vollkommen ernst meine - oder man denkt, ich würde etwas kritisieren, obwohl ich nur sachlich etwas feststelle etc. Ich versuche manchmal, wie ein Schauspieler, meine Stimmlage und Mimik etwas zu modulieren, damit die andere Person das von mir Gesagte richtig interpretiert, aber daran denke ich nur selten und wenn, gelingt es mir wohl eher schlecht als recht.

      Dazu fällt mir noch etwas ein: wenn es mir schlecht geht, dann kriege ich das auch oft nicht vermittelt - ich spreche dann wohl teilweise relativ sachlich und neutral und hab wohl auch keine entsprechende Mimik - nur, wenn ich völlig "durch" bin und einen Heulkrampf kriege, weiß mein Gegenüber, dass es mir tatsächlich schlecht geht. Das ist ein Problem, weil die Menschen so denken, man würde simulieren oder würde etwas erzählen, was gar nicht stimmt, weil sie es einem nicht ansehen/anhören. Das Problem hab ich z.B., wenn ich mich bei der Arbeit krank melden muss. Ich klinge für mein Gegenüber am Telefon wahrscheinlich so, als würde es mir gut gehen. Ich krieg's nicht hin, meine Stimme "leidend" zu verstellen (wenn ich z.B. eine Infektion habe ohne schlimmen Husten und Heiserkeit, wo man direkt hören würe, dass man krank ist, oder wenn ich wegen temporären psychischen Problemen mal zuhause bleiben musste - auch da krieg ich es nicht hin, meine Tonlage anzupassen, ich klinge dann wohl sehr sachlich und normal bis hin zu "gut drauf", obwohl es mir psychisch schlecht geht).

      Ich könnt hier zu jedem Punkt von Windtänzerin Beispiele und Beschreibungen geben, aber das würde dann ja ausarten (für mich, das alles zu durchdenken und aufzuschreiben und für alle, die diesen Thread lesen).

      The post was edited 3 times, last by Lefty ().

    • Meintest du @Lefty?

      Ich kann mich bei vielem auch anschließen.

      In Gruppen habe ich besondere Probleme zu erschließen, wann ich sprechen soll und was. Ich lege mir dann im Kopf etwas zurecht. Bis das geschehen ist und ich bereit bin, lief das Gespräch aber weiter und mein Beitrag passt nicht mehr. :( Das passiert mir sehr oft. Also sage ich dann nix. Obwohl ich was zu sagen hätte. Schade.

      Nonverbale Kommunikation fällt mir sowieso extrem schwer. Meine Welt ist die Sprache. Ich liebe Grammatik und Rechtschreibung. Auch Englisch liebe ich sehr und lese auch Fachbücher.
      Was ich sagen will: Sprache an sich sagt mir etwas. Nur die Sprache. Hektische Gesten machen mich nervös. Blickkontakt (zu viel) strengt extrem an und Mimik hab ich selber wohl kaum. :(
      Zwischen den Zeilen lesen kann ich nur selten. Wenn man mich richtig draufstößt (RW).
      Nein, Kommunikation ist nicht leicht. Und was ich ganz schlimm finde und fast nicht ertragen kann,ist, wenn mich jemand missversteht. Das muss ich klären.

      Lg Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Ich finde Sprache kompliziert, wenn ich etwas möchte, dann muss ich erst ausdenken wie ich es spreche, sodass es verständlich ist und keinen verletzt. Kontakt aufnehmen kann ich fast gar nicht, ich weiß einfach nicht, wie ich das anfangen könnte. Sprechen mit einem Menschen ist möglich, solange dieser fragt oder etwas wissen möchte und es irgendwie kund tut. Da ist bereits schon das Gefühl da, ein Unwohlsein mit Fluchtendenz. Es gibt wenige Menschen, bei denen das nicht ist. In einer Gruppe ist das noch viel extremer, da würde ich am liebsten sofort weglaufen, doch das ist nicht immer möglich. Ich kann mich zwingen es auszuhalten und auch zuhören, solange einer spricht. Sobald mehrere sprechen hör ich mal da was und dann da und bekomme kaum irgendetwas konkretes heraus. Da irgendwie mitreden kommt mir nicht mal in den Sinn, ich weiß da einfach nicht, was ich sagen könnte oder zu wem. Es funktioniert eher, wenn es da einen gibt, der irgendwie die anderen zum reden anleitet, aber selbst da ist oft einfach eine Blockade im Kopf. Mich in andere oder dem was sie sagen kann ich mich einfühlen oder hineinversetzen, solange eben einer nach dem anderen redet.
      Dies Gefühl des Unwohlsein habe ich auch bei meiner Familie, gelegentliche Besuche halte ich eher kurz.
    • Veronika wrote:

      Meintest du @Lefty?
      @'Lefty', ja, danke! :oops:


      Veronika wrote:

      In Gruppen habe ich besondere Probleme zu erschließen, wann ich sprechen soll und was. Ich lege mir dann im Kopf etwas zurecht. Bis das geschehen ist und ich bereit bin, lief das Gespräch aber weiter und mein Beitrag passt nicht mehr. Das passiert mir sehr oft. Also sage ich dann nix. Obwohl ich was zu sagen hätte. Schade.
      Ja, sowas kenne ich nur zu gut.
      Ich bereite Gespräche auch immer vor, und dann sagen die Leute aber nicht das, was ich gedacht hab, was sie sagen sollten, und dann bin ich durcheinander, weil ich das doch eigentlich ganz logisch durchdacht hatte. Und die anderen halten sich nicht an mein Drehbuch.
      Ich verstehe durchaus, daß da der Fehler bei mir liegt, aber ich krieg ihn nicht weg. :m(:

      Veronika wrote:

      Nonverbale Kommunikation fällt mir sowieso extrem schwer. Meine Welt ist die Sprache. Ich liebe Grammatik und Rechtschreibung. Auch Englisch liebe ich sehr und lese auch Fachbücher.
      Was ich sagen will: Sprache an sich sagt mir etwas. Nur die Sprache.
      Ja, auch hier sprichst du mir aus der Seele. Nur daß ich bis vor kurzer Zeit nicht einmal geahnt hab, wie wenig ich von Kommunikation verstehe, obwohl ich mich seit ich mich erinnern kann, mit Sprache rumschlage, inklusive angefangenem Gemanistikstudium. Ich würde auch sagen, daß ich sprachlich denke, ja, trotzdem erscheinen mir Buchstaben, Worte, Ziffern, Zahlen, aber besonders Formeln auch als Bilder. Ich kann das nur schwer erklären, aber es kommt oft vor, daß ich nach einer Formulierung für einen Gedanken suche, der in mir ein Bild erzeugt, aber keine wirklich passenden Worte hat.
      Da wird dann Sprache sozusagen zum Selbstzweck, was ich lange nicht wahrgenommen habe.

      Veronika wrote:

      Zwischen den Zeilen lesen kann ich nur selten.
      Da kommt es bei mir sehr darauf an, um was es geht. Ironie verstehe ich meist, was eventuell daran liegt, daß ich seit meiner Jugend Pardon/Titanic lese, gerade aus der Humorkritik dort das Wissen förmlich abgesaugt habe, und dementsprechend auch selbst sehr ironisch sein kann.

      Wenn aber in Briefen oder Gesprächen Leute Geheimbotschaften senden, krieg ich davon überhaupt nichts mit. Ich hab Mimik lange vor dem Spiegel geübt, aber ob ich sie richtig verstehe, wage ich zu bezweifeln. Ich war von Schulz von Thun begeistert, als ich seine Bücher fand, weil mir das überhaupt nicht klar war, daß Kommunikation über solche Ebenen funktioniert (das war vor zehn Jahren, da waren die Bücher schon alt). Aber daraus gelernt hab ich nur, daß ich das verpasse.

      Veronika wrote:

      Nein, Kommunikation ist nicht leicht. Und was ich ganz schlimm finde und fast nicht ertragen kann,ist, wenn mich jemand missversteht. Das muss ich klären.
      Das ist auch so ein Problem, und das kann dann auch nach hinten losgehen. Lauter komische Regeln, die dummerweise nichts mit so einfachen Sachen wie Rechtschreibung zu tun haben.

      Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen, warum es "schneien, geschnien" statt "schneien/geschneit" heissen müßte und aber nicht tut, während ich mit der kommunikativen Seite von Sprache hoffnungslos überfordert bin.
      Freiheit ist, wenn alle satt sind.
    • Lefty wrote:

      Meinst du "bis auf Details" oder "bis auf's Detail"?
      Ersteres! Im Grossen und Ganzen entspricht das meinem Erleben. Aber in manchen Details ist da halt ein Unterschied zwischen unseren Existenzen sozusagen.

      Lefty wrote:

      Dazu fällt mir noch etwas ein: wenn es mir schlecht geht, dann kriege ich das auch oft nicht vermittelt - ich spreche dann wohl teilweise relativ sachlich und neutral und hab wohl auch keine entsprechende Mimik - nur, wenn ich völlig "durch" bin und einen Heulkrampf kriege, weiß mein Gegenüber, dass es mir tatsächlich schlecht geht.
      Ich werd wohl für andere eher aggressiv, bin aber in einer totalen Paniksituation (eigenes Erleben). Die Heulkrämpfe hab ich dann eher später, alleine. Daher merken die Leute drumherum aber überhaupt nicht, daß ich zusammenbreche.

      Das wäre quasi solch ein Detailunterschied, aber ich bin ja eben auch ein Mann und als solcher sozialisiert. Aber der Rest hätte auch von mir sein können.
      Freiheit ist, wenn alle satt sind.

      The post was edited 2 times, last by carlfatal ().

    • viele der beschrieben probleme habe ich auch. es kommt aber bei mir auch sehr darauf an, wie ich drauf bin (wieviel ich in der lage bin zu kompensieren) und wo es ist/ mit welchen menschen. bei menschen, die mich kennen, erscheinen die probleme "kleiner", da diese ja meine "macken" kennen und darauf eingehen/ darüber hinwegsehen (auch nicht bei allem aber weit mehr als fremde menschen) und auch ihre Sprache an mich anpassen.

      deswegen @xxBenutzernamexx mein tipp für dich: achte auch darauf, ob du in einem "gut eingerichteten umfeld" agierst und ob es nicht auch sein kann, dass du die probleme garnicht mitbekommst (evtl. mitmenschen bitten, dir rückmeldungen zu geben oder bei unklarheiten nachfragen).
      ich dachte früher auch, ich hätte keine probleme und musste feststellen, dass da doch ganz schön viele tiefgehende probleme sind. keine ahnung, wie ich die nicht bemerken konnte... ich musste dafür aber auch viel nachfragen und rückmeldungen einholen bzw. erstmal nachlesen, was anders bei mir sein soll um zu erkennen, was "normal" ist (viele probleme habe ich nicht als problem wahrgenommen sondern dachte, es sei bei allen menschen so). U.a. dadurch wäre ich auch nie von selbst auf die ASS-Idee gekommen. Ich war über viele Dinge, die mein damaliger Betreuer mir "vorgeworfen" hat, sehr sauer. Heute muss ich erkennen, dass er leider mit vielem doch recht hatte...
    • Windtänzerin wrote:

      Ich habe da schon ein paar Probleme...
      • Ich habe Probleme damit, zu erkennen, was andere Menschen für Absichten haben; ob sie mich anlügen, veräppeln oder manipulieren wollen.
      • Ich kann auch nicht zwischen den Zeilen lesen und merke nicht, wenn mein Gegenüber von mir genervt ist oder das Gespräch nicht fortführen will.
      • Ich kann mich schlecht in andere hineinversetzen und weiß dann nicht, wie ich darauf reagieren soll oder was ich sagen soll.
      • Ich bin oft zu direkt und zu ehrlich, wodurch ich andere Menschen unbeabsichtigt verletze oder gar provoziere.
      • Ich neige dazu, endlose Monologe über meine Hobbys, bzw. mein SI zu halten und lasse mein Gegenüber dann kaum mehr zu Wort kommen.
      • Ich weiß nie so genau, wann ich mit dem Reden dran bin und falle anderen dadurch unbeabsichtigt ins Wort.
      • Ich brauche lange zum Antworten, muss mir die Antworten erst im Kopf vorformulieren.
      • Ich verhasple mich oft, gerate ins Stocken und/oder rede dann nur noch dummes Zeug oder kann im schlimmsten Fall gar nichts mehr sagen.
      • Ich rede oft viel zu laut und merke es erst, wenn man mir sagt, ich solle doch leiser sprechen.
      • Ich nutze oft Fachbegriffe ohne darauf zu achten, ob mein Gesprächspartner die versteht.
      • Ich bin in Gesprächen oft unkonzentriert, lasse mich durch Kleinigkeiten ablenken und wenn ich z.B. irgendwas interessantes sehe, dann muss ich das auch mitten im Satz mitteilen.
      • Ich missverstehe andere oft und werde auch häufig missverstanden, weil ich oft Probleme habe, mich vernünftig und verständlich auszudrücken.
      • Ich habe Probleme, ein Gespräch anzufangen und in Gang zu halten.
      • Ich kann im Allgemeinen viel besser schriftlich, als mündlich kommunizieren.

      Also das Meiste davon trifft auch auf mich zu. Manchmal verstehe ich auch nicht warum manche Leute meinen dass man manche Dinge die ich sage lieber für sich behält und manchmal fange ich auch am Esstisch unpassende Themen an und merke das erst hinterher oder gar nicht. Das mit dem Monologe halte. kenne ich auch aber ich werde dann immer ganz aufgeregt und möchte all mein Wissen mitteilen. Ich falle ebenfalls oft ins Wort weil ich nicht weiß wann man mit Sprechen dran ist. Ich muss mir auch die Sätze die ich sagen will die ganze Zeit durch den Kopf gehen lassen und manchmal bin ich so überfordert dass ich dann gar nichts mehr sage. Meine Mimik wirkt auf andere gekünstelt obwohl ich mir doch Mühe gebe. Auch schaue ich die Leute meist nicht an weil mir das unangenehm ist.
    • Einige Antworten sind sehr interessant, aber auch sehr allgemein gehalten. Es fällt mir zum Teil schwer, mich in die Worte von einigen hineinzuversetzen, mir etwas darunter vorstellen zu können. Ein Beispiel, im besten Fall ein Beispiel aus dem eigenen Alltag, würde es sehr viel leichter machen die beschriebenen Probleme zu verstehen und sie mit den eigenen zu vergleichen.



      RegenbogenWusli wrote:

      So wie du das beschreibst, liest sich das für mich, als hättest du garkeine Probleme in der Richtung, aber vielleicht hast du auch ein angenehmes Umfeld, das spielt auch eine große Rolle.
      Was wäre denn ein angenehmes oder unangenehmes Umfeld für dich?



      Lefty wrote:


      Dazu kommt: wenn etwas gesagt wurde, von dem ich später bemerke, dass es nicht richtig war, muss ich das korrigieren (unabhängig davon, ob ich oder die andere Person das gesagt hat), und zwar egal, wie lange das her ist. Das wirkt dann wohl befremdlich, wenn ich z.B. zwei Stunden nach einem Gespräch zur Kollegin gehe und sage: "Du, vorhin hab ich doch gesagt, ich hätte die U-Bahn am Urlaubsort XY nicht benutzt, aber jetzt fiel mir ein, dass ich doch damit gefahren bin." > Das ist VÖLLIG unwichtig, aber ich kann nicht anders, als zu korrigeren. Die falsche Aussage darf nicht stehen bleiben. Ich beende solche Nachträge dann z.B. mit "Ja, das wollt ich nur noch sagen, weil ich vorhin sagte, dass... und mir dann einfiel, dass das gar nicht stimmt. Na ja... Okay!" und dann gehe ich.
      Ja, das kenne ich auch. Manchmal, wenn ich mir meinen Tag durch den Kopf gehen lasse, fallen mir Dinge ein, die ich oder andere falsch gesagt oder auch gemacht habe oder sogar etwas, was ich zusätzlich hätte sagen/tun können. In den meisten Fällen würde ich am liebsten aufspringen und das sofort korrigieren.
      Mir kommt es vor als ob dies ein Resultat aus Verarbeitungsprozessen im Gehirn ist. Es ist im Grunde nichts schlechtes so etwas zu bemerken. Wie man darauf reagiert ist dann eine Sache der Persönlichkeit.
      Es würde mich überraschen, zu lesen, dass NT keine solche Prozesse besitzen.



      Ewig suchender Michael wrote:

      Ich finde Sprache kompliziert, wenn ich etwas möchte, dann muss ich erst ausdenken wie ich es spreche, sodass es verständlich ist und keinen verletzt. Kontakt aufnehmen kann ich fast gar nicht, ich weiß einfach nicht, wie ich das anfangen könnte. Sprechen mit einem Menschen ist möglich, solange dieser fragt oder etwas wissen möchte und es irgendwie kund tut. Da ist bereits schon das Gefühl da, ein Unwohlsein mit Fluchtendenz. Es gibt wenige Menschen, bei denen das nicht ist. In einer Gruppe ist das noch viel extremer, da würde ich am liebsten sofort weglaufen, doch das ist nicht immer möglich. Ich kann mich zwingen es auszuhalten und auch zuhören, solange einer spricht. Sobald mehrere sprechen hör ich mal da was und dann da und bekomme kaum irgendetwas konkretes heraus. Da irgendwie mitreden kommt mir nicht mal in den Sinn, ich weiß da einfach nicht, was ich sagen könnte oder zu wem. Es funktioniert eher, wenn es da einen gibt, der irgendwie die anderen zum reden anleitet, aber selbst da ist oft einfach eine Blockade im Kopf. Mich in andere oder dem was sie sagen kann ich mich einfühlen oder hineinversetzen, solange eben einer nach dem anderen redet.
      Dies Gefühl des Unwohlsein habe ich auch bei meiner Familie, gelegentliche Besuche halte ich eher kurz.
      Hast du dich schonmal in das Thema Ängste, soziale Phobien, Angststörungen etc eingelesen? Würdest du sagen, dass das auf dich zutrifft oder eher nicht?
      • Verwendet mein Gegenüber Körpersprache, sind die wenigen Wörter meist nicht in eine verständliche Kombination bzw. Verkettung zu bringen und unterbindet jegliche Nachfragemöglichkeit, während der Großteil des gesprochen dem rumgehampel zum Opfer gefallen sind und es nicht bis zu meinen Ohren geschafft haben. Führt häufiger zu dem Gedanken: Ich lass das jetzt mal so stehen, evtl. wirds im Satzzusammenhang verständlich, was selten der Fall ist.
      • Der dezente Hinweis keine Körpersprache zu verwenden endet eher in reduzierten Verwendung mit voller Verwirrungsfunktion oder als Start für Missverständnisse.
      • Blickkontakt ist machbar, kann sich mit unter zu einem durchbohrenden Blick entwickeln. Bei der Verwendung von Fixpunkten, z.B. Nasenspitze, um den durchbohrenden Blick zu vermeiden, ist es mitunter sehr anstrengend die Fixpunkte zu halten, wenn der Gegenüber nicht stillsitzt oder die Arme dazwischenwedeln.
      • Zwischen den Zeilen ist stets der Hintergrund und von Buchstaben verschont. Da steht also nix verwertbares.
      • Schwammige Formulierungen und Sätze mit keiner genauen Aussage, ist meiner Meinung nach angekommen. Im Nachhinein stellt sich dann meist heraus, teilweise bis nicht verständlich.
      • Seltene Lichtblicke, mit meinem Fazit: Sorry, kann dir grad nicht folgen sind hin und wieder mal anzutreffen
      • Mimik trägt auch zur Verwirrung bei, allerdings nicht ganz so drastisch wie bei Körpersrprache
      • Ich kenne eine Absichtserklärung auf Papier, aber im Gespräch mit meinem Gegenüber gar nicht.
      • Inteligent an einander vorbei Reden kann ich.
      • Bei längeren Gesprächen ist bei Körpersprache mit Verwirrung meist nach zwei 3 Sätzen Ende der Verständis, gehe zu Standby erreicht und der Stress / Nerv Counter wird erhöht. In seltenen Fällen ertönt auch der innere Schrei, Was willst du von mir? Ist den schon wieder Auslandsurlaub?
      • Besprechungen können mitunter schnell, i.d. R. ab 3 Stunden zur vollständigen Hirnblockade führen und Informationseingang- bzw. ausgang sind vollkommen funktionsunfähig.
      • In Extremsituationen, Gehampel und Gebrabbel Rechts und Links führen mitunter schnell zu einem genervten und beschleuenigten Ortswechsel.
      • Wenn meine Emotionen mich überrennen folgt der Kontrollverlust und Tilt, Rückzug ist sofort eingeleitet worden.
      • Flirten kann ich nicht und hat eher etwas von Topfschlagen im engmaschigen Minenfeld, mit zügigem erreichen des Potential für den 3. und 4. Weltkrieg kombiniert mit nicht scihtbaren Fragezeichen um meinen Kopf und innerem Hauptbahnhof mit sekündlich enormsteigender Zuganzahl.
      Einiges habe ich garantiert noch vergessen, was nicht häufig vorkommt.

      The post was edited 1 time, last by AspiIT ().

    • Schon lange bevor ich mich überhaupt mit Autismus beschäftigt habe, war mir klar, dass ich auf klare Worte meines Gegenübers angewiesen bin und Witze/Ironie usw meist gar nicht oder erst später, wenn ich die Möglichkeit hatte, das Gesagte zu analysieren, verstehe.

      Gerade in Konfliktsituationen machen sich meine Schwierigkeiten besonders bemerkbar, weil ich schlicht nicht verstehe, was der andere für ein Problem mit mir hat, da ich imo stets regelkonform (Ich - Botschaften, klare Aussagen, auch zugeben, wenn ich etwas nicht verstehe oder Zugeben von eigenen Fehlern usw) kommuniziere - Früher bin ich gerade durch solche Situationen am Ende völlig eskaliert oder bin verstummt und war gelähmt. Mit unter ein Grund, weshalb ich Beziehungen auch phasenweise gemieden habe.

      Ich habe sehr oft Sätze gehört, wie:
      "Das habe ich doch auch gemeint.", "So war das doch nicht gemeint.", "Das war doch nur Spaß.", "Du bist einerseits so schlau und dann wieder so dumm." (Danke :( ), "Du machst mich krank mit deinem Verhalten." "Du bist arrogant/kleinlich/pinzig." "Wieso verstehst du das jetzt nicht? Du verstehst doch sonst so viel."

      Heute weiß ich zb (durch meinen Partner), dass andere mich als kleinlich wahrnehmen, weil ich mich gezwungen fühle, Sachverhalte (zb wie eine Situation tatsächlich ablief und was das Gegenüber gesagt hat usw) richtig zu stellen - meist merke ich mir auch genaue Abläufe bis hin zum Wortlaut. Ich fühle mich dazu gezwungen, um mögliche Missverständnisse gleich zu umgehen (Minimierung von Konfliktpotential) - auch weil es sein könnte, dass eine andere Situation gemeint ist und ich es außerdem müßig finde, unnötig aneinander vorbei zu reden (unnötig deswegen, weil man es doch gleich klären könnte, in dem man genau das sagt, was passiert ist. Deswegen frage ich nach.).

      Zudem habe ich ein enormes Kontextproblem, was die Kommunikation zusätzlich erschwert. Es gibt manchmal zu viele Möglichkeiten, was gemeint sein könnte und wenn es für mich ganz blöd läuft, höre ich nur zusammenhangslose Worte, die für mich keinen Sinn ergeben und ich tu mir schwer, dann nachzufragen, weil ich in der Vergangenheit deswegen auch schon schlechte Erfahrungen machte und auch niemanden verletzen möchte oder so.

      Wenn es mir nicht gut geht, kann ich nur mit meinem Partner sprechen. Wenn ich überreizt bin, kann ich auch mit ihm nicht sprechen.

      Absichten lassen sich für mich auch nicht erkennen. Wenn ich genug Zeit habe, darüber nachzudenken, dann kann ich mir mögliche Absichten herleiten, wenn nicht (im Gespräch zb), dann merke ich nicht, wenn ich angelogen werde, wenn mich jemand benutzt, wenn jemand von mir getröstet werden will (es sei denn, die Person weint und sagt, sie hätte gerne Trost, dann bin ich gerne da!) usw

      Womit ich auch ein großes Problem habe, sind Verabschiedungen, vor allem wenn ich es beenden muss, weil ich nicht mehr kann. Ich weiß schon mittlerweile, was man sagen kann usw, aber ich fühle mich in diesen Momenten jedes Mal so orientierungslos.
      Begrüßungen sind auch manchmal schwierig, vor allem wenn ich draußen zufällig jemandem begegne, den ich kenne. Ich verkrampfe augenblicklich, auch oder erst recht wenn ich die Person mag. Mir reicht es völlig, sich kurz nett zu grüßen und dann weiterzugehen - fühlt sich so stimmig für mich an. Ich weiß aber oft nicht, ob das für das Gegenüber so auch ausreicht.

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