Sachen übersehen

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    • Sachen übersehen

      Dieser Beitrag ist vielleicht etwas überflüssig und blöd aber ich stelle mir gerade die Frage ob es irgendetwas mit fehlender zentraler Kohärenz zu tun haben könnte wenn man solche Sachen wie Folgendes erlebt:

      Man sollte Tests holen aus einem Schrank die in einem blauen Ordner geheftet sind. Man geht zum Schrank und sucht und sucht und findet sie nicht. Man geht zu den anderen Schränken und sucht und sucht nach dem blauen Ordner mit den Tests und findet nichts. Man kuckt auf dem Tisch, unter dem Tisch, auf dem Klo im Büro (vielleicht hat jemand die Tests dort gelassen). Man kuckt sogar im Kühlschrank, aus Verzweiflung. Man schaut wieder in dem Schrank wo die Tests immer sind und kann nicht glauben dass sie nicht da sind. Wo sind die Tests? Nirgendwo. Ein Rätsel. Sie haben sich in Luft aufgelöst und sind überhaupt nicht da. Man ist 100% sicher dass keine Tests da sind. Man geht endlich als letzter Ausweg zur Rezeption und fragt nach den Tests, wo sind sie? Die Rezeptionistin geht direkt zum Schrank, nimmt den roten Ordner mit den riesigen Buchstäben "TESTS" aus dem Schrank, gibt ihn einem in die Hand und kehrt zurück zur Rezeption. Man steht da und fragt sich wie im Himmel man den Ordner nicht gesehen hat, wo die riesigen Buchstäben "TESTS" unübersehbar waren, nur weil der Ordner rot war und nicht blau.


      Man hat eine Wasserflasche aus der man trinkt zu Hause. Man füllt die Flasche mit Wasser und stellt sie hin. Später sucht man nach der Flasche aber sie ist verschwunden. Man sucht überall im Wohnzimmer, überall im Schlafzimmer, überall im Bad, überall in der Küche. Man untersucht jede Oberfläche mehrmals und fragt sich wiederholt was für Oberflächen es noch geben könnte. Man findet die Flasche nirgendwo und fragt sich nach immer abstruseren Möglichkeiten wo sie sein könnte. Man kuckt in jedem Schrank, unter dem Bett, sogar auf dem Balkon obwohl man gar nicht da war. Man kuckt neben seinem Stuhl, hinter dem Schreibtisch. Immer wieder im Laufe des Abends kuckt man weiter an Orten wo man schon drei oder viermal gekuckt hat. An jedem Ort wo es physisch möglich sein könnte eine Flasche zu finden kuckt man, aber die Flasche ist komplett verschwunden. Man fängt an sich zu fragen ob es sich mit rechten Dingen zugeht. Sind wir vielleicht gar nicht real sondern nur Figuren in einer Computersimulation und deswegen verschwinden Flaschen ins Nichts? Irgendwann gibt man auf aber kuckt doch ab und zu immer wieder weil man nicht glauben kann dass die Flasche überhaupt nicht da ist und das Phänomen lässt einen nicht los. Irgendwann will man sich die Hände waschen. Dabei merkt man die Wasserflasche die dasteht neben dem Hahn im Bad. Man fragt sich wie man die Flasche nicht gesehen hat obwohl sie dastand die ganz Zeit und sah aus wie eine Flasche.

      Die zwei Fälle sind unterschiedlich aber in beiden Fällen ist etwas zwar da aber nicht in der Form (bzw an dem Ort) die man erwartet hätte.

      Ich las irgendwann dass bei AS und besonders bei Kanner Autismus Probleme bestehen bei der Generalisierung. Wenn ein Autist immer einen roten Hammer benutzt hat sieht er einen blauen Hammer gar nicht als Hammer, wenn der Arzt immer im zweiten Stockwerk saß sieht er den Arzt gar nicht als Arzt wenn er im dritten Stockwerk sitzt. Meine Vermutung ist dass meine Schwierigkeiten etwas zu erkennen wenn es am falschen Ort ist oder wenn ein Detail anders ist als erwartet etwas "autistisches" sein könnte.

      Habt ihr auch solche Ausfälle?
    • Ich weiß nicht, ob es etwas mit AS zu tun hat, und wie es zustande kommt, aber jedenfalls passiert mir das auch immer wieder. Ich war schon manchmal fast davon überzeugt, dass Gegenstände in Raum-Zeit-Spalten verschwinden, um eine halbe Stunde später wieder aufzutauchen, oder Außerirdische haben es weggebeamt und wieder zurückgebeamt. Ich habe schon Gegenstände gesucht, die auf dem Tisch lagen, ich habe alles hochgehoben, um auch noch drunter zu schauen, und war sicher, der Gegenstand ist nicht da, und einige Zeit später liegt er plötzlich da, offen sichtbar. Auch im Büro habe ich schon öfter was gesucht, und es lag direkt da vor mir, trotzdem habe ich es nicht gesehen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Oh, ja, das kenne ich. Erst neulich wieder. Da stand die riesige, knallig grüne Gießkanne auf dem Klavier statt, wie sonst, direkt(!) daneben (sogar die Höhe war etwa gleich). Mein Freund hat sie dann für mich "gefunden", nachdem ich noch an anderen Orten gesucht hatte :m(:


      Auch wenn ich etwas im Kühlschrank suchen soll stelle ich mich oft blöd an, wie oft habe ich früher zu hören bekommen, ich hätte wohl Tomaten auf den Augen.
    • Ich verlege selten Dinge.
      Aber wenn jmd auf etwas zeigt, sehe ich es zu spät (so dass es regelmäßig ungeduldige Reaktionen gibt); ich erkenne die Richtung, verstehe aber nicht wieweit es weg ist (zb steht es auf dem Tisch oder steht es im Regal hinter dem Tisch oder meint er den Nachbarraum...). Oder ich halte nach dem falschen Gegenstand Ausschau weil das Wort mehrere Bedeutungen hat, oder es viele Sorten davon gibt, weiß also nicht, was konkret gemeint ist.
      Soll ich etwas aus dem Kühlschrank holen, im Supermarkt vorn Regal (oder ähnliche Situationen), fühle ich mich wie in einem Wimmelbild.


      Unbewohnte Insel wrote:

      Man steht da und fragt sich wie im Himmel man den Ordner nicht gesehen hat, wo die riesigen Buchstäben "TESTS" unübersehbar waren, nur weil der Ordner rot war und nicht blau.

      Unbewohnte Insel wrote:

      Man fragt sich wie man die Flasche nicht gesehen hat obwohl sie dastand die ganz Zeit und sah aus wie eine Flasche.
      Könnte man das als Unflexibilität einordnen? Also dein Gehirn stellt sich nicht auf neue Lösungen ein die sich anbieten? (roter Ordner statt blauer Ordner; Flasche steht nicht da wo du trinken wolltest, sondern da wo du sie befülltest)
    • Neoni wrote:

      Könnte man das als Unflexibilität einordnen? Also dein Gehirn stellt sich nicht auf neue Lösungen ein die sich anbieten? (roter Ordner statt blauer Ordner; Flasche steht nicht da wo du trinken wolltest, sondern da wo du sie befülltest)
      Ich denke schon, irgendwie. Aber das mit der Flasche war unheimlich. Ich habe sie an den unmöglichsten Orten gesucht. Sogar in dem Restmüll, mit den alten Flaschen, im Kühlschrank, auf jedem Fensterbrett, in der Dusche, mit den Reinigungsmitteln, mit den Kontoauszügen, in Schubladen die ich seit Monaten nicht geöffnet hatte. Eigentlich war das ziemlich flexibel von mir. Was ich nicht verstehe ist wie man jeden Zentimeter einer Wohnung durchsuchen kann und etwas nicht finden kann und dann steht der Gegenstand einfach da und ist unübersehbar.
    • Das ist die selektive Wahrnehmung.

      Im Fall der Ordner hat das Gehirn wahrscheinlich nur den Schrank nach blauen Ordner abgescannt, das Gehirn selektiert, man nimmt nicht alles wahr, was "real" ist, sondern das Gehirn filtert automatisch. :roll:

      Ich denke nicht, dass das nur typisch autistisch ist, sondern das Phänomen der selektiven Wahrnehmung betrifft ja die allermeisten Menschen. :roll:
      ~Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.~
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Aber das mit der Flasche war unheimlich. Ich habe sie an den unmöglichsten Orten gesucht. Sogar in dem Restmüll, mit den alten Flaschen, im Kühlschrank, auf jedem Fensterbrett, in der Dusche, mit den Reinigungsmitteln, mit den Kontoauszügen, in Schubladen die ich seit Monaten nicht geöffnet hatte. Eigentlich war das ziemlich flexibel von mir. Was ich nicht verstehe ist wie man jeden Zentimeter einer Wohnung durchsuchen kann und etwas nicht finden kann und dann steht der Gegenstand einfach da und ist unübersehbar.
      Manchmal kommt man nicht auf das Nahliegendste. Als Kind habe ich zb mal lange meine Brille gesucht. Schließlich haben sich auch meine Familienmitglieder an der Suche beteiligt. Wir haben gesucht und gesucht. Schließlich fanden wir sie. Auf meiner Nase.
    • Falls jemand eine Idee hat, wo ich meinen vor einem halben Jahr gekauften, aber bisher nicht genutzten, Saunakilt gelassen haben könnte, bin ich für Ratschläge dankbar. Wiederholte Durchsuchungen des Kleiderschranks waren bislang erfolglos...
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • Wenn ich Stress habe, dann verlege ich auch oft Sachen, teilweise warte ich dann ab, bis ich mich beruhigt habe und suche dann nochmal und siehe da, da tauchen dann an gewohnten Orten wieder Schlüssel oder ähnliche Sachen auf, die man vorher gesucht hat. :o

      Man kann gut bei Zaubertricks erkennen (da gibt es einige Youtubevideos zu) wie Zauberer die selektive Wahrnehmung nutzen für ihre Zaubertricks :d .

      Es gibt auch lustige Experimente mit Menschen, bsp. bei einem Experiment fragt eine Frau Passanten nach dem Weg und sie blättert in einer Straßenkarte...dann läuft ausversehen durch das Bild ein Bauarbeiter mit einem großen Brett und die Frau und der Passant sind für einen Moment getrennt und dann ! durch diese kurze "Trennwand" verschwindet die Frau UND! ein Mann hält weiter die Karte und der Passant merkt nicht, dass er plötzlich einem Mann die Karte erklärt. :d
      ~Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.~
    • Lilith wrote:

      @thelord - in die Einkaufstasche im oder auf dem Kleiderschrank?
      Oder schon fertig eingepackt mit den Handtüchern in der Saunatasche?
      Danke! :thumbup:

      Mir fiel gerade ein, dass der Kleiderschrank eine Schublade hat, die ich so gut wie nie nutze. Und in DIE hatte ich nun auch beim Suchen nicht geguckt. :oops: Und genau da hatte ich das Teil deponiert. :m(:
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      The post was edited 1 time, last by thelord ().

    • Wüstenblume wrote:

      Das ist die selektive Wahrnehmung.


      Im Fall der Ordner hat das Gehirn wahrscheinlich nur den Schrank nach blauen Ordner abgescannt, das Gehirn selektiert, man nimmt nicht alles wahr, was "real" ist, sondern das Gehirn filtert automatisch. :roll:


      Ich denke nicht, dass das nur typisch autistisch ist, sondern das Phänomen der selektiven Wahrnehmung betrifft ja die allermeisten Menschen. :roll:
      Das stimmt schon, aber es gibt ja auch diesen Tunnelblick, dass das Sichtfeld eingeengt ist. Ich glaube es gibt sogar ein Buch über AS das "Adlersicht und Tunnelblick" heißt.
      Mir geht es vorallem so, wenn ich reizüberflutet bin, dann wird das Sichtfeld immer enger. Dann wird auch Orientierung schwerer (wo befindet sich was in meiner direkten Umgebung).
    • Ich hab je einen großen Schlüsselbund fürs Haus und fürs Auto, mit Schlüsseln und Kram und Klimperzeug. Was hab ich mir nach beiden schon den Wolf gesucht, bis ich aufgab und mir feste Plätze und Routinen (Schlüssel immer zuerst aufräumen) zulegte. Sonst bin ich eher gut im Finden, vor allem wenn es nicht mein Zeugs ist oder in Suchbildern und ich finde Fehler aller Art, vor allem die Absurden.

      Wenn mir andere etwas zeigen, ist es wie bei @Neoni. Obwohl ich kurzsichtig bin, ist das Phänomen in der Nähe am ausgeprägtesten.
    • Ich habe letztens die Fliegenklatsche gefunden, die ich seit einem Jahr gesucht habe! :D Sie lag in der Küche vor der Mikrowelle. Aber was ich nicht mehr wusste war, dass sie BLAU und nicht SCHWARZ war xD. Ich habe die ganze Zeit nach einer schwarzen Fliegenklatsche gesucht und natürlich konnte ich sie so nicht finden. *g*

      Aktuell suche ich die neue Packung Schilddrüsentabletten. Ich habe den Kassenbon aus der Apotheke, ich habe sie also definitiv aus der Apotheke heraus befördert (habe da sogar nochmal nachgefragt, ob ich die Packung da habe liegen lassen, aber war nix...). Ich hab sogar hinter Schränken, im Kühlschrank und in der Vorratskammer, sowieso im Schuhschrank, in ALLEN Rucksäcken, allen Jackentaschen und sonstigen Einkaufstaschen nachgeguckt. Die Packung ist einfach weg. Das macht mich wahnsinnig! Seit 2 Wochen suche ich schon. Nächste Woche muss ich mir wohl doch ein neues Rezept holen. Ich wette die Packung wird dann plötzlich mitten auf dem Küchentisch erscheinen, sobald ich die neue Schachtel auspacke! :x
    • Dieses scheinbare Verschwinden von Dingen kenne ich nur zu gut. Eben war es noch da und im nächsten Moment ist es scheinbar spurlos verschwunden. Dann suche ich mich dumm und dämlich, finde es aber nicht. Egal wo ich suche, es ist weg. Irgendwann klage ich dann meiner Mutter mein Leid und die weiß natürlich sofort, wo das Ding ist und lacht über meine Dusseligkeit. Für wichtige Dinge wie Schlüssel, Portemonnaie und Co. habe ich mir mittlerweile feste Ablageplätze angewöhnt und dadurch ist es besser geworden. Aber es kommt immer wieder vor, dass ich die Sachen doch mal woanders hinlege und schon sind sie wieder verschwunden. :oops:

      Auch sowas wie das mit den Ordnern kenne ich zur Genüge. Das habe ich z.B. immer, wenn ein Produkt im Supermarkt eine andere Verpackung bekommen hat. Da kann ich direkt davor stehen, aber ich finde es nicht. Selbst dann nicht, wenn da noch ein Pfeil mit dem Hinweis auf die neue Verpackung am Regal ist. Genauso ergeht es mir, wenn ich meinen Arzt außerhalb der Praxis oder meinen SB vom Jobcenter außerhalb des Jobcenters treffe. Ich erkenn die dann einfach nicht. Nun habe ich mit dem Wiedererkennen von Personen aber eh schon Probleme, vielleicht liegt es also auch nur daran. Wobei ich die Personen in dem Umfeld, wo ich sie normalerweise antreffe, eigentlich immer wiedererkenne. :roll:

      Ich habe dieses Phänomen bisher einfach immer unter Schusseligkeit, bzw. Verpeiltheit abgehakt. Ich denke nicht, dass es was speziell autistisches ist, aber es scheint bei Autisten gehäuft aufzutreten, denn ich habe schon sehr häufig von anderen Autisten gehört, dass es ihnen genauso geht. Da bin ich immer wieder froh, dass ich nicht allein so schusselig/verpeilt bin. :nod:
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Neoni wrote:

      Ich verlege selten Dinge.
      Aber wenn jmd auf etwas zeigt, sehe ich es zu spät (so dass es regelmäßig ungeduldige Reaktionen gibt); ich erkenne die Richtung, verstehe aber nicht wieweit es weg ist (zb steht es auf dem Tisch oder steht es im Regal hinter dem Tisch oder meint er den Nachbarraum...). Oder ich halte nach dem falschen Gegenstand Ausschau weil das Wort mehrere Bedeutungen hat, oder es viele Sorten davon gibt, weiß also nicht, was konkret gemeint ist.
      Das könnte unter Kontextblindheit fallen, oder?
      Ich habe auf jeden Fall ähnliche Schwierigkeiten.

      @Unbewohnte Insel

      Mir passiert es, dass ich wichtige Dinge verlege, wenn ich durch andere oder durch mich selbst abgelenkt wurde und dann finde ich sie nicht mehr, weil diese dinge dort normalerweise nie liegen. Das hat mich schon viele Tränen gekostet, wenn ich mal wieder auf der Suche war und Zeitdruck hatte.

      Aber ich glaube, dass ist nicht vergleichbar mit deinen aufgeführten Beispielen :|
    • Ich habe das oft auf der Arbeit. Ich soll auch Ordner holen und sie sind nicht da. Und ich bin wirklich gut im scannen von Ordnerbeschriftung. Die Ordner haben auch alle die gleiche Farbe.

      Dann suche ich und sage, dass der Ordner nicht da ist. Die Person geht dann selber gucken und auf einmal ist er da. Das ist so peinlich :oops:
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen