Abgrenzung zur vermeidenden Persönlichkeitsstörung

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Was du beschreibst zeigt, dass für ADHS das selbe gilt wie für Autismus: All zu oft fixieren sich die Leute auf die Verhaltensweisen (welche ja mit "Symptome" gleichgesetzt werden) und vergessen dabei, dass die Verhaltensweisen lediglich einen ungefähren Hinweis auf das zugrundeliegende innere Erleben bieten und dass Selbiges den Autismus (bzw. das ADHS) eigentlich ausmacht.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Bitteleise wrote:

      Das Ergebnis der Befragung: Kein ADS. Er war sehr enttäuscht, genau wie du, weil er das Gefühl hatte, dass der Fragebogen nicht korrekt ausgefüllt worden war. Nur weil jemand gelernt hat, mit einem Symptom umzugehen, bedeutet das ja nicht, dass er es nicht hat.
      Das sehe ich genauso. Aber es gibt bei diesen "Andersartigkeiten" ja die Maßgabe, dass ein "Krankheitswert" vorliegen muss, um die medizinische Diagnose geben zu können. Das könnte man durchaus so interpretieren, dass eine "krankhafte" Ausprägung bei jemandem, der gute Strategien des Umgangs damit gefunden hat, nicht vorliegt. Ich persönlich sehe das auch kritisch und halte das innere Erleben für wichtiger. Problematisch ist wohl vor allem, wenn jemand die Diagnostik macht, der sich nicht wirklich tiefer mit der Thematik auskennt und sich quasi sehr nach den Fragebögen orientiert. Denn dann kann tatsächlich zutreffen, dass jemand in allen Bereichen einen guten Umgang gefunden hat. Aber das Gesamtbild wäre trotzdem vielleicht anders als die Summe der Teile. Denn die Umgangsstrategien kosten oft viel Energie und funktionieren nicht immer verlässlich. Und auch wenn oberflächlich an allen Einzelpunkten gute Strategien gefunden wurden, kann jemand trotzdem erhebliche Probleme haben, sich in seiner "Andersartigkeit" als fremd empfinden etc.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Ich bin anfangst mit "ängstlich- vermeidende Persönlichkeitsstörung" Diagnostiziert worden nach einem 2 Monatigem Aufenthalt in einer Tagesklinik.

      Dies trifft auch zu und ist durchaus gerechtfertigt. Mir machen viele soziale Situationen Angst und ich vermeide sie. Teilweise sogar sehr vehement.

      Auf meine Autismus-Diagnostik musste ich 6 Monate warten, und habe dort dann auch alles mitgebracht. Ich hatte ein ausführliches Gespräch mit einer Psychologin und anschließend mehrere Tests absolviert.
      Anschließend hatte ich noch 2 weitere Gesprächstermine. Meine alten Schulzeugnisse aus der Grundschule wurden angeschaut und ich wurde über meine Kindheit ausgefragt. Da es schon immer Anzeichen gab, war es im Grunde auch nicht schwer. Aber die Unterscheidung zwischen PS und autismus ist wirklich sehr schwierig.

      Die Psychologin sagte mir, dass eine Persönlichkeitsstörung im Gegensatz zum Autismus steht, man könne also nicht beides haben. Auf jedenfall sieht es so die Regelung vor. Doch natürlich können autisten, wie jeder andere auch, eine Persönlichkeitsstörung entwickeln. Der Autismus bietet ja einen wunderbaren Nährboden dafür. Sie hat meine vermeidende Persönlichkeitsstörung nur als Folge meines Autismus gesehen.

      Aber dafür muss man sich wirklich genau die Vergangenheit anschauen. Eine Persönlichkeitsstörung hat ja oftmals eine Ursache. Ein traumatisches Erlebnis oder andere äußere Einflüsse, durch die man eine Störung und ein falsches Selbstbild entwickelt. Beim Autismus müssen diese äußeren Faktoren aber nicht zwangsläufig auftreten. Doch als Autist merkt man als Kind eben sehr schnell, dass man vieles nicht kann bzw. damit überfordert ist. Und natürlich entwickelt sich daraus dann auch eine Angst und ein vermeidendes Verhalten, und ggf. auch eine Persönlichkeitsstörung.

      Jemand mit einer PS hat vielleicht eine schlechte und traumatische Erfahrung in der Kindheit gemacht, durch welche er extrem verunsichert wurde, und eine immer größere, unbegründete Angst vor sozialen Situationen entwickelt hat, so wie ein extrem vermeidendes Verhalten.
      Jemand mit Autismus stellt in der Kindheit fest, dass er mit anderen tatsächlich nicht mithalten kann, andere Bedürfnisse hat und große Schwierigkeiten. Er hat also eine begründete Angst vor sozialen Situationen und entwickelt ein extrem vermeidendes Verhalten.

      Dies nun zu trennen ist wirklich schwierig. Wenn sie dir aber eine Persönlichkeitsstörung "unterjubeln" wollen, so müssen sie natürlich auch begründen, woher diese denn kommen soll. Eine Störung benötigt ja eine Ursache. Natürlich hat jeder in seiner Kindheit schlechte Erfahrungen gemacht. Doch hierbei ist es nun wichtig, ob die Störung erst NACH diesen Erfahrungen auftrat,oder schon vorher bestand.

      Wenn du in das Gespräch gehst, kannst du aber alle deine Bedenken äußern, und auch auf deine Beobachtungen hinweisen. Manchmal muss man etwas Nachdruck ausüben bei der Diagnose.

      Und natürlich istauch die Behandlung für eine PS und Autismus eine andere. Bei einer PS versucht man heraus zu finden, wodurch diese Ausgelöst wird bzw. was der geheime Motor hinter der Angst ist. Dabei hilft es oftmals schon, sich den schwierigen Situationen zu stellen. Schließlich geht es beim PS ja darum, die unbegründete Angst zu überwinden.
      Wenn du aber Autist bist, dann ist die Angst nicht unbegründet, und das konfrontieren mit den Situationen verschlimmert deine Angst nur, statt dir zu zeigen, dass sie unbegründet ist. Beim Autismus geht es dann darum, alternative Wege zu finden, neue Lösungen und ein anderes Verständnis. Etwas, was jemanden mit PS aber nicht weiterhelfen würde.

      Es ist also extrem Wichtig, zwischen PS und autismus zu unterscheiden, auch wenn ich der Meinunung bin, dass jeder Autist auch diverse Persönlichkeitsstörungen entwickelt im Leben. Man muss dann aber das "Übel" an der "Wurzel" packen.
    • Dennis82HH wrote:

      Die Psychologin sagte mir, dass eine Persönlichkeitsstörung im Gegensatz zum Autismus steht, man könne also nicht beides haben. Auf jedenfall sieht es so die Regelung vor. Doch natürlich können autisten, wie jeder andere auch, eine Persönlichkeitsstörung entwickeln. Der Autismus bietet ja einen wunderbaren Nährboden dafür. Sie hat meine vermeidende Persönlichkeitsstörung nur als Folge meines Autismus gesehen.
      Das finde ich sehr vernünftig. Ich glaube, viele Autisten entwickeln eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung oder eine Sozialphobie aufgrund schlechter Erfahrungen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Dennis82HH wrote:




      Wenn du in das Gespräch gehst, kannst du aber alle deine Bedenken äußern, und auch auf deine Beobachtungen hinweisen. Manchmal muss man etwas Nachdruck ausüben bei der Diagnose.
      Hallo zusammen und danke für eure Antworten. Die Auswertung am Montag lief genau so, wie befürchtet. Ich bin nun also persönlichkeitsgestört.
      Ich habe meine Einwände geäußert, vor allem auf die Erfahrungen der frühen Kindheit hingewiesen. Das interpretierte sie aber alles in die vermeidende Störung aufgrund der schlechten Erfahrung mit meinen Eltern. Dass diese Erfahrungen erst deutlich später passiert waren, passte nicht in ihre Argumentation "Na da war bestimmt vorher auch nicht alles in Ordnung."

      Ich fragte nach, was konkret gegen ASS spricht. Ich könnte meine Emotionen zu gut benennen. Mein Einwand war, dass ich eine erwachsene Frau bin, dazu neige alles unendlich zu reflektieren und daher im Nachhinein natürlich sehr genau zwischen Angst und Scham unterscheiden kann.

      Warum es mich stört, wollte sie wissen. Die Therapie sei ja die selbe. Ich fragte nach Beispielen, was mich in so einer Therapie erwarten würde. Genau wie von mir befürchtet und von einigen von euch bestätigt ginge es viel um Desensibilisierung, neue Erfahrungen, Handlungsalternativen, Bearbeitung von Glaubenssätzen.
      Bitte nicht. Ich habe drei Kinder, die Desensibilisierung erlebe ich jeden Tag. Die äußere (UN)Ordnung, die Unvorhersehbarkeit von Situationen, die erzwungene Abweichung von meinen Routinen haben mich ja erst dazu gebracht, Hilfe zu suchen.

      Ich hatte vor vielen Monaten um eine Abklärung meines Verdachts auf ASS gebeten. Dann gab es dazu genau einen Fragebogen (AQ 42 von 46Pkt.), auf den aber mit keiner Silbe eingegangen wurde. Man müsse "halt allgemein erst mal schauen". Das Verfahren zur ASS-Diagnostik sei ja ein ganz anderes. Ja. Genau darum hatte ich ja ursprünglich (per Mail und im Erstgespräch) ausdrücklich gebeten.
      Wortlaut: "Naja, da nützt es jetzt nichts, zu diskutieren. So eine Diagnose ist ja nicht in Stein gemeißelt. Jemand anderes hätte es vielleicht anders gedeutet, ich habe die Puzzleteile jetzt so zusammen gesetzt."


      Danke für nichts. Ich habe mich bei der Dame für Ihre Zeit (absichtlich nicht "Mühe") bedankt und bin gegangen.
    • ...Tut mir leid, dass du enttäuscht bist!
      Ich möchte nur kurz etwas zum Thema Hilfe und Therapie einwenden:
      Ich mache seit meiner Diagnostik eine autismusspezifische Therapie, die mir auch sehr hilft.
      Und da geht es, nebst Psychoedukation, auch viel um: neue Erfahrungen machen, Handlungsalternativen entwickeln, Bearbeitung von Glaubensätzen.
      Auch um: mehr Flexbilität, besseres Körpergefühl, Möglichkeiten der Entspannung.
      Ich glaube, die Ärztin hat also nicht so unrecht, was die Ähnlichkeit der Therapie betrifft.
      Was die Ansätze von ganz klassischen Therapien unterscheidet: Manches, wie die Reizüberflung, wird nicht "desensibilisiert", sondern akzeptiert und berücksichtigt.
      Aber in einer Therapie geht es natürlich um Dazulernen, Selbstermächtigung, Selbstwirksamkeit, Alternativen finden...

      Also ohne den Willen und Wunsch nach Neuem, braucht man, glaube ich, keine Therpie anstreben, egal welche.
      Ich wünsch´dir jedenfalls Hilfe, die du auch als solche erlebst!
    • Moin!

      Kann sein, daß ich es überlesen habe, aber magst Du verraten, wo Du zur Diagnose warst? Evtl. per PN, wenn nicht so öffentlich. Ich habe mich schon auf eine Warteliste setzen lassen. Ca. 20 Monate Wartezeit... :nerved:


      MyEvilTwin wrote:

      aufgrund der schlechten Erfahrung mit meinen Eltern.
      Hoffe die Frage ist jetzt nicht zu indiskret... Gab es denn wirklich Probleme mit den Eltern?

      Also, über meine Kindheit kann ich mich absolut nicht beschweren, was meine Eltern und die restliche Verwandschaft angeht. Natürlich gab es auch mal den "Klapps auf den Hintern" und geschimpft wurde auch. Aber das war wirklich die Ausnahme. Und im Vergleich was ich so in der Verwandschaft mitbekommen habe, ging es da deutlich unangenehmer / lauter zu. Meine Mutter liebt Kinder seeeeehr. Mein Vater ist da etwas.... wie soll ich es beschreiben... "distanzierter". Er mag zwar auch Kinder, kann aber nicht so gut mit ihnen umgehen wie meine Mutter. Aber alles im normalen Bereich, würde ich sagen. Von daher würde ich meine Probleme garantiert nicht auf eine "verkorkste Erziehung" zurückführen.


      Gruß

      Murdock
    • ich finde es essentiel zu wissen, ob man eine PS hat oder Autist ist. Sowohl für die Therapie als auch die eigene Entwicklung. Selbst wenn bestandteile der Therapie ähnlich sein können, so sind sie doch sehr unterschiedlich. Ich merke auch, wie die Therapie nun völlig anders auf mich wirkt, seit ich die Diagnose habe.

      Bei einer PS versucht man, die Störung zu korrigieren. Beim Autismus versucht man, die Probleme zu kompensieren.

      Ich gehe alle Probleme meines Lebens nun völlig anders an.

      Die interessante Frage ist doch, ob dein Problem hauptsächlich von der PS kommt (die du ja haben kannst, unabhängig vom autismus) oder ob die PS nur ein symptom ist und du auch ohne diese spezifische Störung andere Probleme im leben hast. Das ist oft schwer zu sagen, weil eine PS ziemlich dominant ist. Wenn du aber meinst, dass du auch ohne der PS andere Probleme im leben hast, die dich einschränken, dann solltest du eine zweite Diagnose anstreben woanders
    • Da schließe ich mich an. Sind Kontaktschwierigkeiten Dein hauptsächliches Problem? Oder hast und hattest Du schon immer auch andere "Baustellen"? Motorische Unbeholfenheit, Reizempfindlichkeit, Probleme mit Organisation, Selbstmotivation etc.? Gab oder gibt es auch körperliche Gesundheitsprobleme oder Auffälligkeiten? Wie hast Du als Kind gespielt? Was interessierte Dich? Auch ich halte es für zentral, zu erfahren, ob Autismus zutrifft.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • MyEvilTwin wrote:

      Wortlaut: "Naja, da nützt es jetzt nichts, zu diskutieren. So eine Diagnose ist ja nicht in Stein gemeißelt. Jemand anderes hätte es vielleicht anders gedeutet, ich habe die Puzzleteile jetzt so zusammen gesetzt."
      Klingt wissenschaftlich. :irony:
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • @MyEvilTwin
      Also mal abgesehen davon, dass die von Dir zitierte Aussage der Diagnostikerin eine Katastrophe ist:

      Aber ich bin 43, verheiratet, 2 Kinder und nein, ich kann meine Gefühle nur im Ausnahmefall benennen. Panik, Wut, Freude: wenn ein gewisser Schwellenwert überschritten ist - ja. Feinere Abstufungen - nein. Das ist ein undefinierbarer Sumpf.

      Mir persönlich würde eine autismusspezifische Therapie auch nicht wirklich weiterhelfen. Kompensieren kann ich im Rahmen meiner Möglichkeiten. Viel wichter für mich war Akzeptanz.
      Zu erkennen, dass es eben nicht besser wird und ich im Gegenteil aufhören muss, ständig über meine Kräfte hinaus zu gehen.

      Dass es besser ist, manchen Situationen aus dem Weg zu gehen und mich nicht dem allgemeinen Druck zu beugen.

      So eine Entwicklung kann tatsächlich ein guter Therapeut auch im Rahmen einer "normalen" Verhaltenstherapie begleiten.

      Ich kann aber verstehen, dass Du die beschriebene Vorgehensweise nicht nachvollziehen kannst und nach anderen Meinungen suchst...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...
    • Klar ich bin's, logo, Lexington, wer sonst! Cool dich hier zu treffen, Puck! Endlich mal jemand von der alten Mannschaft! Schön ein bekanntes Gesicht zu sehen hier in der Fremde, wo fast nur Menschen (und Aliens) anzutreffen sind.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Hallo MyEvilTwin,

      ich befinde mich gerade am Anfang meiner Diagnostik und habe Deine Posts mit viel Interesse gelesen.

      Ich habe auch drei Kinder, mein AQ liegt bei 45. Ich kann verstehen wie wichtig Dir die genaue Diagnostik ist und natürlich auch die Abgrenzung zu anderen Diagnosen. Da ich bis November warten muss, um vielleicht (!) für 2020 einen Termin in der Autismusambulanz in meiner Nähe zu bekommen, habe ich nun Kontakt zu einer (etwas entfernt arbeitenden) Psychologin aufgenommen, die die Diagnose als Selbstzahlerleistung anbietet. Vielleicht ist das für Dich auch eine Alternative. Ich werde nächstes Jahr die Termine in der Autismusambulanz zusätzlich wahrnehmen, wenn möglich - als 2. Meinung.

      Viele Grüße,
      Christin
    • Christin2708 wrote:

      Hallo MyEvilTwin,

      ich befinde mich gerade am Anfang meiner Diagnostik und habe Deine Posts mit viel Interesse gelesen.

      Ich habe auch drei Kinder, mein AQ liegt bei 45. Ich kann verstehen wie wichtig Dir die genaue Diagnostik ist und natürlich auch die Abgrenzung zu anderen Diagnosen. Da ich bis November warten muss, um vielleicht (!) für 2020 einen Termin in der Autismusambulanz in meiner Nähe zu bekommen, habe ich nun Kontakt zu einer (etwas entfernt arbeitenden) Psychologin aufgenommen, die die Diagnose als Selbstzahlerleistung anbietet. Vielleicht ist das für Dich auch eine Alternative. Ich werde nächstes Jahr die Termine in der Autismusambulanz zusätzlich wahrnehmen, wenn möglich - als 2. Meinung.

      Viele Grüße,
      Christin
      Hallo Christin. Ja, das ist hier auch möglich. Vielleicht mache ich das wirklich. Lieben Gruß