Abgrenzung zur vermeidenden Persönlichkeitsstörung

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    • Abgrenzung zur vermeidenden Persönlichkeitsstörung

      Hallo zusammen, dies ist mein erster Beitrag.
      Kurz zur Vorgeschichte: Ich bin Mutter von drei Kindern, verheiratet und seit etwa zwei Jahren fest davon überzeugt, mich im autistischen Spektrum zu befinden. Ich habe einige Bücher dazu gelesen, mich in denen zu 100% wiedererkannt und in meiner Selbstdiagnose unbeschreiblich viel Trost gefunden. Zur Diagnostik hatte ich mich angemeldet, weil ich mich in einer schweren persönlichen Krise befinde und mir dadurch Zugang zu adäquaten Hilfsangeboten erhoffte.

      Die Diagnostik umfasste 5 einstündige Termine, bei denen Fragenkataloge abgearbeitet wurden, die sich mit ADHS, meiner Essstörung, Persönlichkeitsstörungen und nur im Rahmen des AQ-Tests mit Asperger befassten. Auf meine vorbereitete Liste meiner Auffälligkeiten (chronologisch von früher Kindheit bis heute) wurde nicht eingegangen. Sie habe sie gelesen, war der einzige Kommentar auf meine Nachfrage.

      Diese Ärztin hat beim letzten Diagnostikgespräch angedeutet, dass sie Asperger bei mir ausschließt, dafür aber eine Persönlichkeitsstörung vermutet.
      Die ausführliche Auswertung folgt nächste Woche.

      Ich bin aufgrund dessen aber maßlos enttäuscht. Das Diagnostikverfahren an sich war ja gar kein angemessenes. Obwohl mein AQ lt. Test bei 42 Punkten lag, wurde dem nicht weiter nachgegangen, die Beschreibungen meiner frühen Kindheit ignoriert, meine familiäre Vorgeschichte nicht einmal erfragt.

      Nun frage ich mich, ob ich in dem Auswertungsgespräch die Gelegenheit bekommen werde, ihre Einschätzung infrage zu stellen, meine Irritation über das Verfahren sowie meine Einwände anzubringen.

      Ich habe etwa 8 Monate auf diese Diagnostik gewartet und kann meine Enttäuschung kaum in Worte fassen. Ich bin mir sicher, dass eine (alleinige) PS unzutreffend ist.
      Auf die angebotene Verhaltenstherapie, bei der mir vermutlich geraten wird "mein Stresslevel zu senken" oder "bewusst mal etwas Unangenehmes auszuhalten" verzichte ich.
      Vermutlich werde ich mir eine Zweitmeinung holen, stehe dann aber wieder vor einer langen Zeit des Suchens und Wartens.

      Danke für die Aufmerksamkeit

      The post was edited 1 time, last by MyEvilTwin ().

    • Hallo,

      wo wurde die Diagnostik denn durchgeführt?
      War es eine Autismus-Ambulanz einer Uniklinik?
      Ich kann deine Reaktion gut verstehen, aber warte erst mal das Abschlussgespräch ab und äußere deine Bedenken.

      Liebe Grùße
      Marty
    • MyEvilTwin wrote:

      Ich bin Mutter von drei Kindern, verheiratet und seit etwa zwei Jahren fest davon überzeugt, mich im autistischen Spektrum zu befinden. Ich habe einige Bücher dazu gelesen, mich in denen zu 100% wiedererkannt und in meiner Selbstdiagnose unbeschreiblich viel Trost gefunden.
      Mit Verlaub, aber das hört sich schon krass an, findest du nicht selbst?


      MyEvilTwin wrote:

      Nun frage ich mich, ob ich in dem Auswertungsgespräch die Gelegenheit bekommen werde
      Es gab wohl noch kein Auswertungsgespräch, dann ist doch noch "alles" offen.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • MyEvilTwin wrote:

      Zur Diagnostik hatte ich mich angemeldet, weil ich mich in einer schweren persönlichen Krise befinde und mir dadurch Zugang zu adäquaten Hilfsangeboten erhoffte.

      MyEvilTwin wrote:

      Auf die angebotene Verhaltenstherapie, bei der mir vermutlich geraten wird "mein Stresslevel zu senken" oder "bewusst mal etwas Unangenehmes auszuhalten" verzichte ich.
      Mehr als angepasste Verhaltstherapie und ggfs. Änderung des Lebensstils kann man aber nicht machen.
      Wenn die Krise so akut ist, tut es auch eine Depression als Diagnose. Einen guten Therapeuten bzw. Therapeutin muss man dann sowieso erstmal finden.
      Life is now
    • Der Threadtitel irritiert mich etwas mit dem Rest des Posts.
      Im Threadtitel wird von vermeidender PS gesprochen aber unten im Text wird das nicht erwähnt glaube ich.
      Hat man dir vor dem Abschlussgespräch schon gesagt das man bei dir diese art von PS vermutet?

      Ich würde an deiner Stelle versuchen sachlich und nicht emotional da heran zu gehen.
      Viele von uns hier haben schon Diagnosen erhalten, wo man denken kann das das nicht passt, meist weil Ärzte scheinbar nicht genau hinsehen/nachfragen.
      Mit der vermeidenden PS kenne ich mich nicht aus, aber ich vermute das sie auch erst ab der pubertät "sichtbar" wird, oder später, wie die meisten PS.
      Aber du berichtest ja das du schon früher als Kind auch auffällig warst, zumindest las sich das so.
      In einer Klinik wo ich 2015 war, hat man meine Liste und meinen ganzen Lebenslauf für den über ca eine Stunde brauchte den überhaupt an hand meiner Stichpunkte zu erklären so das es auch in einer Reihenfolge war und nicht durcheinander, überhaupt nicht ernst genommen. Man bestätigte das Transgender bei mir, aber sonst sagte man ich hätte eine schizoide PS.

      Also ich würde von denen konkret wissen wollen wie sie auf diese vermeidende PS kommen, was an dir ist was nach dieser Störung aussieht.
      Ich vermute das du selbst im Internet schon geschaut hast was das für eine Störung ist. Anscheinend kannst du dich darin selbst nicht wiedererkennen.
      Ich kann mir aber vorstellen des gerade Autisten auch oft ängstlich vermeidende Wesenszüge haben, wenn auch nicht alle. Ich habe teilweise auch das problem das ich eher Dinge umgehe die mir probleme bereiten könnten oder mir unangenehm sind. Zum B. telefonieren, Leute ansprechen, Leuten antworten, spontane Ideen umsetzen...
      Aber hier ist die Frage warum tut jemand sowas?
      Wofor hat die Person angst? Was hat die Angst ausgelöst. Ich glaube sowas hinterfragen Ärzte oft nichtmal.
    • Cloudactive wrote:

      MyEvilTwin wrote:

      Wie meinst du das?
      Naja, wenn du dir so sicher bist, dann ist doch alles in Ordnung?
      War es bisher auch. Ich hätte auch weiterhin ohne offizielle Bestätigung leben können. Nur war ich letztes Jahr nervlich wie körperlich wirklich am Ende meiner Kräfte. Gängige Entlastungen wie zB. eine Haushaltshilfe kommen für mich aber nicht infrage. Ich schrieb an unser Autismuszentrum und fragte, was es sonst noch für Hilfsangebote gibt. Die Dame sagte, es gäbe durchaus passende Hilfen, jedoch nur mit Diagnose.


      RegenbogenWusli wrote:

      Der Threadtitel irritiert mich etwas mit dem Rest des Posts.
      Im Threadtitel wird von vermeidender PS gesprochen aber unten im Text wird das nicht erwähnt glaube ich.
      Hat man dir vor dem Abschlussgespräch schon gesagt das man bei dir diese art von PS vermutet?
      Nein, sie formulierte es allgemein. Nur deckt sich die Beschreibung der vermeidenden PS mit den Fragebögen.


      Ich würde an deiner Stelle versuchen sachlich und nicht emotional da heran zu gehen.
      Viele von uns hier haben schon Diagnosen erhalten, wo man denken kann das das nicht passt, meist weil Ärzte scheinbar nicht genau hinsehen/nachfragen.
      Mit der vermeidenden PS kenne ich mich nicht aus, aber ich vermute das sie auch erst ab der pubertät "sichtbar" wird, oder später, wie die meisten PS.
      Aber du berichtest ja das du schon früher als Kind auch auffällig warst, zumindest las sich das so.
      Ja, genau. Seit der Kindergartenzeit. Nur allein gespielt (im Sand, Bilder aus Spielfiguren gelegt), keine Interaktion mit den anderen Kindern. Nervöse Tics und Selbstverletzung. Wie kann sie das ignorieren?


      Also ich würde von denen konkret wissen wollen wie sie auf diese vermeidende PS kommen, was an dir ist was nach dieser Störung aussieht.
      Ich vermute das du selbst im Internet schon geschaut hast was das für eine Störung ist. Anscheinend kannst du dich darin selbst nicht wiedererkennen.
      Ich kann mir aber vorstellen des gerade Autisten auch oft ängstlich vermeidende Wesenszüge haben, wenn auch nicht alle. Ich habe teilweise auch das problem das ich eher Dinge umgehe die mir probleme bereiten könnten oder mir unangenehm sind. Zum B. telefonieren, Leute ansprechen, Leuten antworten, spontane Ideen umsetzen...
      Aber hier ist die Frage warum tut jemand sowas? Ja, natürlich. Ich tue das aber nicht aus Angst, sondern als Selbstschutz, weil ich weiß, dass es mir überproportional Kräfte raubt, die mir dann als Mutter fehlen.
      Wofor hat die Person angst? Was hat die Angst ausgelöst. Ich glaube sowas hinterfragen Ärzte oft nichtmal.
    • MyEvilTwin wrote:

      Nein, sie formulierte es allgemein. Nur deckt sich die Beschreibung der vermeidenden PS mit den Fragebögen.
      Das sagst du (ich sage nicht das du unrecht hast), aber was genau sie selber sagen weißt du ja garnicht.
      Ich finde das ganze etwas verwirrend.
      Beschreibe doch mal stichpunktartig was an dir autismusspezifisch ist, und was davon auch auf eine PS hinweisen könnte. Dann können andere hier vielleicht eher nachvollziehen was dich beschäftigt und wo genau jetzt deine Sorge ist.
      Vielleicht kann man deine Sorge dann besser verstehen, oder den Ärger über diese Leute da die das alles bewerten sollen.
      Ich kann das schon nachvollziehen das man verärgert ist, wenn man selber diverse Symptome an sich erkennt, die auf etwas hinweisen und andere das scheinbar nichtmal sehen und dann was ganz anderes sagen. Oder Dinge die man ihnen erzählt schlichtweg ignorieren.


      MyEvilTwin wrote:

      Ja, genau. Seit der Kindergartenzeit. Nur allein gespielt (im Sand, Bilder aus Spielfiguren gelegt), keine Interaktion mit den anderen Kindern. Nervöse Tics und Selbstverletzung. Wie kann sie das ignorieren?
      Ja, das hast du recht und das sollte auch nicht ignoriert werden.
      Haben die Erzieher dort das an deine Eltern weitergegeben oder woher weist du das?
      Ich selber war auch so als Kind, hab andere Kinder die sogar mit mir spielen wollten und sich quasi in mein Spiel eingemischt haben, komplett ignoriert oder bin aufgestanden und hab mich abgesondert. Und das mit 3 Jahren. Ich habe auch oft in einem Raum mit einer Betreuerin ganz allein gespielt weil dort alles ruhiger war und sie Dort andere Sachen hatten die mich mehr interessierten (Schwimmflossen und ein Anatomie des Menschen-Buch).
      Die Erzieher haben das alles damals meinen Eltern erzählt, aber eine Krankheit wurde da auch nie vermutet, auch keine Behinderung oder sonstwas.


      My EvilTwin wrote:

      Ja, natürlich. Ich tue das aber nicht aus Angst, sondern als Selbstschutz, weil ich weiß, dass es mir überproportional Kräfte raubt, die mir dann als Mutter fehlen.
      Das klingt für mich auch nicht nach vermeidender PS.
      Ohne jetzt mir die Symtome und Verhaltensmuster dieser PS angeschaut zu haben, würde ich spontan sagen das das vom Grund her nicht passt. Auch die schizoide PS, außer man würde sich selbst belügen weil man den echten kern (das nicht verletzt werden wollen) nicht wahrhaben wollen und deswegen einen anderen Grund vorschieben, aber oft bekommen vermeindliche Autisten gern mal schizoide/schizotypische oder Borderline-PS diagnostiziert. Ängstlich-vermeidende PS hab ich bisher noch nicht gesehen.
      Soziale Phobie hingegen sehr viel öfter.
      Viele Autisten haben diese Symptome weil sie durch ihr Defizit immer wieder anecken und negative Erfahrungen die Psyche belasten, und es deswegen irgendwann aufgeben oder sich andere Wege suchen um in Kontakt mit anderen zu treten.
      So ist das bei mir. Gibt es email, dann schreibe ich lieber anstatt anzurufen. Im Kopf aufgesagte "gelernte" Sätze machen es mir möglich Routine-einkäufe zu erledigen.
      Alles andere ist für mich sehr ansträngend und so weil ich meine ganze Konzentration brauche um auch nur annäherns angemessen zu reagieren.
      Andere Autisten können scheinbar sehr gut kompensieren, haben sich von klein auf schon viel antrainiert aber mit dem älterwerden gehen auch die Kräfte weg und irgendwann geht das scheinbar nicht mehr so gut. Bei mir klappte das von vornherein nichtmal weil ich 1. nie kapiert hab das ich mich "anpassen" sollte, und 2. vermutlich nichtmal den Nerv dazu gehabt hätte andere ständig zu imitieren, und das bewusst. Ich weiß das ich sowas mal in der Grundschule versucht hab weil ich jemand anderes "besser" fand als mich selbst, aber das hab ich gerade mal eine Woche lang durchgehalten weil das zu ansträngend war und der jenige das auch irgendwann merkte und nicht mochte.
    • MyEvilTwin wrote:

      Auf die angebotene Verhaltenstherapie, bei der mir vermutlich geraten wird "mein Stresslevel zu senken" oder "bewusst mal etwas Unangenehmes auszuhalten" verzichte ich.
      Eine Therapie nach Autismusdiagnose sähe wohl kaum anders aus, da geht es auch darum, den Stresslevel zu senken und seine Fähigkeiten auszubauen.

      Eine vermeidende Persönlichkeitsstörung kann auch von frühester Kindheit an vorliegen. Die Kinder spielen dann nur alleine.

      Autisten kennen soziale Regeln nicht, Menschen mit vermeidender PS kennen sie, aber haben Angst, sie umzusetzen.

      Eine Autismusdiagnose bringt kaum Hilfe mit sich. Eine danach stattfindende Therapie wäre wie immer vom Therapeuten auf das Individuum angepasst.
    • MyEvilTwin wrote:

      Ich schrieb an unser Autismuszentrum und fragte, was es sonst noch für Hilfsangebote gibt. Die Dame sagte, es gäbe durchaus passende Hilfen, jedoch nur mit Diagnose.
      Die Therapien in den ATZs sind aber (soweit ich weiß überall) einkommensabhängig und laufen im Normalfall nicht über die Krankenkasse, wie eine normale Psychotherapie. Das heißt, dass du dafür (zum Teil) selbst aufkommen musst, sofern du mit deiner Familie über die Einkommensgrenzen der Eingliederungshilfe kommst.


      Vor meiner Autismus Diagnostik wurde mir eine kombinierte Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, emotional instabil und ängstlich vermeidend. Tatsächlich kann die ävPS schon in frühester Kindheit auftreten, aber ich denke auch dass man hinterfragen muss woher das Verhalten kommt und welche Gründe es dafür gibt. Ich finde es auch schade, dass du von dem Arzt nicht wirklich ernst genommen wurdest bezüglich deiner frühen Symptome.

      Trotzdem würde ich dir raten, offen für andere Meinungen und Urteile zu sein. Asperger Symptome überschneiden sich oft mit anderen Krankheiten und keine Diagnose ist "besser" als die andere. Für Autisten gibt es tatsächlich sehr wenige spezifische Hilfsangebote.


      Kennst du diesen Beitrag/Artikel schon? Die Grafik zeigt eigentlich ganz gut die Abgrenzung zu den verschiedenen Persönlichkeitsstörungen.
    • Es geht doch hier in erster Linie darum, dass die Schreiberin enttäuscht ist, dass sie nicht wirklich auf Autismus getestet wurde mit den entsprechenden Diagnoseinstrumenten und somit wohl keine aussagekräftige Diagnose erhalten wird.

      Wenn sie jetzt wirklich ne vermeiden Oersönlichkeitsstörung oder z. B. Angststörung, soziale Phobie oder ähnliches diagnostiziert bekommt, würde man wohl anfangen sie gegen ihren Willen an reizüberflutete Orte (z. B. ein lautes Kaffee) zu schleppen, damit sie "mal unter Leute kommt" in der irrigen Annahme das hätte therapeutischen Wert. Im Falle einer Autismusdiagnose würde man ihr das hoffentlich ersparen.

      Und dass sie es gerne schwarz auf weiß hätte, Autistin zu sein, ist doch wohl verständlich. Und ebenso dass sie sich nimicht irgendeine psychische Krankheit abdichten lassen möchte.

      War auch mal bei einem sogenannten Diagnostiker, der meinte sich mit Autismus auszukennen aber für den "Overload" ein Fremdwort war, der mit meinen Beschreibungen nichts anfangen konnte und sich ne ganz eigene Geschichte zusammengebastelt hat, um auf eine Persönlichkeitsstrung tippen zu können, die gar nicht zu meinem wirklichen Denken, Erleben und Empfinden passte. Sowas ist echt ätzend. Eine Diagnose ist nur dann sinnvoll, wenn einem auch wirklich zugehört und geglaubt wurde und einem nicht das Wort im Mund herumgedreht wurde.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Lex wrote:

      Es geht doch hier in erster Linie darum, dass die Schreiberin enttäuscht ist, dass sie nicht wirklich auf Autismus getestet wurde mit den entsprechenden Diagnoseinstrumenten und somit wohl keine aussagekräftige Diagnose erhalten wird.

      Wenn sie jetzt wirklich ne vermeiden Oersönlichkeitsstörung oder z. B. Angststörung, soziale Phobie oder ähnliches diagnostiziert bekommt, würde man wohl anfangen sie gegen ihren Willen an reizüberflutete Orte (z. B. ein lautes Kaffee) zu schleppen, damit sie "mal unter Leute kommt" in der irrigen Annahme das hätte therapeutischen Wert. Im Falle einer Autismusdiagnose würde man ihr das hoffentlich ersparen.

      Und dass sie es gerne schwarz auf weiß hätte, Autistin zu sein, ist doch wohl verständlich. Und ebenso dass sie sich nimicht irgendeine psychische Krankheit abdichten lassen möchte.

      War auch mal bei einem sogenannten Diagnostiker, der meinte sich mit Autismus auszukennen aber für den "Overload" ein Fremdwort war, der mit meinen Beschreibungen nichts anfangen konnte und sich ne ganz eigene Geschichte zusammengebastelt hat, um auf eine Persönlichkeitsstrung tippen zu können, die gar nicht zu meinem wirklichen Denken, Erleben und Empfinden passte. Sowas ist echt ätzend. Eine Diagnose ist nur dann sinnvoll, wenn einem auch wirklich zugehört und geglaubt wurde und einem nicht das Wort im Mund herumgedreht wurde.
      Das trifft es sehr genau, dankeschön. Normalerweise kann ich mich verständlicher ausdrücken, bin dazu aber momentan zu aufgebracht.
    • Febry wrote:

      Eine vermeidende Persönlichkeitsstörung kann auch von frühester Kindheit an vorliegen. Die Kinder spielen dann nur alleine.

      Autisten kennen soziale Regeln nicht, Menschen mit vermeidender PS kennen sie, aber haben Angst, sie umzusetzen.
      Das ist interesannt. Da könnte die Gefahr auch groß sein eine Person falsch zu diagnostizieren.
      Zumindest wenn man nicht sagen kann, warum das Kind lieber allein spielt.
      In meinem Fall damals sagte mir meine Mutter, das ich zunächst an anderen Kindern kein Interesse hatte weil ich scheinbar nicht verstand was die von mir wollten.
      Ich erinnere mich noch selbst daran das ich ein paar "Freunde" fand und gern mit NUR denen gespielt hab, vermutlich weil ich mit denen was spielen konnte was mir spaß machte.
      Warum soll man auch was spielen was einem keinen Spaß macht? Nur um mit anderen zu spielen?
      Gibt es das wirklich?
      In meiner Logik exisitiert der Gedanke garnicht.
    • Ich meinte natürlich andichten, sorry...

      Und ja, es macht einen deutlichen Unterschied. Denn Psychologen gehen häufig von Habituation aus, also Gewöhnung an einen Reiz, wenn man diesem oft genug und / oder lange genug ausgesetzt ist. Bei Autisten funktioniert das aber nicht sondern hat den gegenteiligen Effekt. Je länger und je öfter desto unerträglicher wird es, weil der "Puffer", der das noch ertragen oder teilweise sogar ausblenden ermöglicht, aufgebraucht ist und der Stresspegel so hoch, dass letztlich jedes Quentchen nurnoch auf einen einhämmert. Und wenn man das zu oft hat, kann es leicht in den völligen Burnout bis hin zur Arbeitsunfähigkeit führen.

      Hinzu kommt noch, dass die meisten Psychologen und Psychiater von der heilsamen Wirkung des Umgangs mit anderen Leuten und der entspannenden WIrkung von Smalltalk ausgehen. Die denken dann sobald du deine anfängliche Scheu vor anderen Menschen überwunden hast, geniest du es richtig mit ihnen ständig am H´Kaffee-Gruppentisch zu plaudern und so helft ihr euch quasi gegenseitig gersund zu werden, soi dass gar nicht so viel Therapie drumrum nötig ist. Und wann immer du dich alleine auf dein Zimmer zurückziehst und sagst, du willst deine Ruhe haben, denkt man das sei nun ein Rückschritt und dir muss es wohl grade sehr schlecht gehen und dann kommt jemand und fragt was los ist und will nicht weggehen bis du sagst was los ist.

      So oder so ähnlich würde es dir wenn du Pech hast gehen, wenn du als "Psychisch Kranke" in einer psychiatrischen Klinik oder in einer betreuten Wohngemeinschaft aufgehoben wärst... Die Leute, die dir was gutes tun wollen, würden dich erdrücken und in den Wahnsinn treiben, würden ständig deine Grenzen überschreiten in der Hoffnung, dass du dadurch letztlich weniger "mauerst" und mehr zulässt und so endlich Freude im Leben bekommst, denn was für alle anderen gut ist, das muss für dich ja auch toll sein, selbst wenn man dich anfangs zu deinem Glück zwingen muss, bis du es endlich merkst... *kotz*

      Also ich drück dir die Daumen, dass du auf dem ein oder anderen Wege doch noch eine korrekte bzw. sorgfältig erstellte Diagnose bekommst, damit du es nicht ständig mit Leuten zu tun hast, die dich nicht verstehen und da selbst wenn Autismus sich nicht therapieren lässt, dir das offizielle Dokument bzw. die offizielle Diagnose doch in der ein oder anderen Situation von Vorteil sein kann.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Lex wrote:

      Bei Autisten funktioniert das aber nicht sondern hat den gegenteiligen Effekt. Je länger und je öfter desto unerträglicher wird es, weil der "Puffer", der das noch ertragen oder teilweise sogar ausblenden ermöglicht, aufgebraucht ist und der Stresspegel so hoch, dass letztlich jedes Quentchen nurnoch auf einen einhämmert. Und wenn man das zu oft hat, kann es leicht in den völligen Burnout bis hin zur Arbeitsunfähigkeit führen.
      Das ist vielleicht der Grund warum ich das Leben in unserer Wohnung immer unerträglicher finde.
      Ich hatte mir zuerst auch gedacht das ich irgendwann diese Störfaktoren (straßenlärm aller art, fluglärm, S-bahn auf der anderen seite, Nachbarslärm aller art, ein bösartiger Hund direkt neben Hauseingang) irgendwann ignorieren kann weil man sich daran gewöhnt.
      Tatsächlich empfand ich sie kurz nach dem Einzug als weniger schlimm als heute. Sie sind mir nach dem Umzug natürlich erst aufgefallen, und störend fand ich sie damals auch schon, aber mein Nervenkostüm (RW) ist irgendwie dünner geworden und ich weiß nicht warum. Früher war ich auch genervt und frustriert wegen des Nachbarn laute Gräusche nach 22uhr oder nachts, aber ich habe deswegen nie die Polizei gerufen, oder vor Stress schweren Druck auf der Brust, Bauchweh oder Herzrasen gehabt. Ich denke das stresst mich heute einfach mehr als früher. Es geht jetzt wieder auf das Wochenende zu und immer um den Zeitraum mache ich mir sorgen das der Nachbar wieder laut sein wird weil er das in den letzten monaten immer um diese Zeit war. Ich bin deswegen oft gedanklich abgelenkt und innerlich unruhig, will nicht nachhause kommen wenn ich wo bin oder die Nacht/Abend woanders verbringen. Ich kann aber schlecht abends draußen bis um nach 4uhr nachts irgendwo herum laufen. Woanders schlafen kann ich auch nicht.


      Lex wrote:

      Und wann immer du dich alleine auf dein Zimmer zurückziehst und sagst, du willst deine Ruhe haben, denkt man das sei nun ein Rückschritt und dir muss es wohl grade sehr schlecht gehen und dann kommt jemand und fragt was los ist und will nicht weggehen bis du sagst was los ist.
      Ja, ich glaube so haben die das in der Nürnberger Klinik damals auuch verstanden. In meinem Bericht steht etwas sehr ähnlich klingendes.
    • Eine schöne Beschreibung, Lex, die illustriert, weshalb reguläre Therapien für Autisten eher schädlich sein können. Ich glaube, viele Therapeuten gehen oft auch von einer wesentlich größeren Anpassungsfähigkeit aus, die Autisten nicht unbedingt aufbringen. Dadurch wird die Ablehnung bestimmter Wege leicht als Verweigerungshaltung, Blockade oder negativistisches Denken interpretiert, obwohl es sich um gesunde Selbstsorge handelt.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Atwood schrieb auch mal, dass die Mädchen sogar normal im Gespräch mit ihm wirkten, bei ihrer Mutter im Wartebereich dann aber auf dem Schoß einschliefen bzw. zu Hause dann „zusammenbrachen“.

      Dass eine Konfrontation mit Reizen es nur noch schlimmer macht, kann ich bestätigen.
      Das Einzige woran ich gewohnt bin, ist Straßenverkehr, weil ich es gar nicht anders kenne, ich bin quasi in der Großstadt geboren, für mich hört es sich dann schon mal nach Meeresrauschen an.
      Allerdings schlafe ich wegen anderen Lärms schon seit Jahren mit Ohrwachs und habe mich damit entwöhnt, wodurch mich auch Straßenlärm tatsächlich etwas mehr stört in der Nacht ohne Ohrstöpsel.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • MyEvilTwin wrote:

      Ich bin aufgrund dessen aber maßlos enttäuscht. Das Diagnostikverfahren an sich war ja gar kein angemessenes. Obwohl mein AQ lt. Test bei 42 Punkten lag, wurde dem nicht weiter nachgegangen, die Beschreibungen meiner frühen Kindheit ignoriert, meine familiäre Vorgeschichte nicht einmal erfragt.
      Ein Bekannter von mir hatte den begründeten Verdacht, ADS zu haben. Da er gerade in einer schweren Krise steckte, ließ er sich an einer renommierten ADS-Ambulanz diagnostizieren.

      Das Gespräch lief dann so ab: Jemand befragte ihn zu verschiedenen Symptomen von ADS. Er bestätigte, dass er das Symptom bei sich kannte, und erklärte dann, welche Strategien er entwickelt hatte, um trotzdem zurecht zu kommen.
      Daraufhin kreuzte der Interviewer jedesmal an "liegt nicht vor".
      Das Ergebnis der Befragung: Kein ADS. Er war sehr enttäuscht, genau wie du, weil er das Gefühl hatte, dass der Fragebogen nicht korrekt ausgefüllt worden war. Nur weil jemand gelernt hat, mit einem Symptom umzugehen, bedeutet das ja nicht, dass er es nicht hat.

      Diese Erfahrung ist ein Grund, weshalb ich solchen Diagnosen gegenüber immer ein wenig skeptisch bin. Es kann stimmen, muss aber nicht.
      I have my books
      And my poetry to protect me