Verzögerte optische Wahrnehmung

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    • Verzögerte optische Wahrnehmung

      Hallo Mitmenschen!

      Wie ist es eigentlich um eure optische Wahrnehmung bestellt?
      Ich mache mir seit ein paar Tagen Gedanken darüber, ob ich schon immer so eine "Guck-Schnarchnase" war oder ob das wirklich immer schlimmer wird. (und wenn ja, warum und was kann ich dagegen tun?)

      Konkretes Beispiel:

      Ich war mit meinem Mann in einem Möbelgeschäft. Er hatte eine graue Jacke an, dunkle Hose, also insgesamt eher unauffällig. Er lief vor mir her, ich guckte mich kurz um, und als ich wieder nach vorne guckte, war er auf einmal verschwunden. Ich gehe weiter und bleibe plötzlich nach ein paar Metern stehen, drehe mich um und sehe wie mein ziemlich grauer Mann in einem grauen Sessel sitzt. Getarnt wie ein Chamäleon. Er lachte sich kaputt, weil ich mal wieder an ihm vorbeigelaufen bin und ihn nicht gesehen hab. Aber irgendwie muss ich ihn ja doch gesehen haben, sonst wär ich ja nicht irgendwann stehen geblieben!
      Genau das gleiche ist schon ein paar mal passiert. Einmal saß er einfach mitten in der Küche (und hatte meine graue Jacke an) und ich bin ein paar mal an ihm vorbeigelaufen, bis ich ihn endlich bemerkt hatte. Oder er liegt im Bett und ich finde ihn nicht. Er braucht sich eigentlich nur reglos irgendwo hinzusetzen und das ist schon Tarnung genug. Leider macht ihm das mittlerweile Spaß und er macht das immer öfter. :frown:

      Außerdem sind mir so eine Art "Wahrnehmungslöcher" aufgefallen. Vor allem im Straßenverkehr machen die mich richtig unsicher, weil da plötzlich immer Fahrzeuge oder Menschen auftauchen, die kurz vor dem Augenblinzeln noch nicht da waren. Als wenn meine "framerate" zu niedrig wär und ich nur mit 25 fps anstatt 60 gucke, mal so als Analogie.
      Deshalb hab ich mich jetzt auch aktiv dagegen entschieden, jemals wieder selber Auto zu fahren. Weil diese Wahrnehmungslöcher einfach so groß sind, dass da problemlos Unfälle passieren könnten. Und ich hätte dann echt keinen blassen Schimmer, wieso und warum und wie ich es hätte verhindern können.

      Es scheinen also mehrere Dinge zusammen zu kommen.
      Einmal diese Verzögerung in der Verarbeitung der visuellen Reize und ääh noch irgendwas, was ich noch nicht so genau durchschaut habe.

      Es wird mit zunehmendem Alter gefühlt schlimmer.
      Woran könnte das liegen?
      Am ADHS?
      Am Asperger?
      An was ganz anderem?
      Sollte ich das mal einem Arzt erzählen?
      Bin mir echt nicht sicher, wie ich damit umgehen soll ...
    • Vielleicht solltest Du mal Deine Augen untersuchen lassen. Es gibt da mehrere Möglichkeiten, wie diese "Wahrnehmungslöcher" entstehen können. Ein Grauer Star könnte dafür sorgen, daß Du weniger Kontraste wahrnimmst, vielleicht verschwindet Dein Mann deshalb, wenn er still in einer Umgebung sitzt, deren Farbe mit der seiner Kleidung übereinstimmt. Wenn Du dazu nachts noch schlechter sehen kannst als früher und blendempfindlich bist, würde das dazu passen.
      Ein Grüner Star (Glaukom) kann durch zu hohen Augeninnendruck auf Dauer den Sehnerv schädigen, auch dann gibt es "Löcher" im Gesichtsfeld.
      Eine Netzhautablösung käme eventuell auch in Betracht, besonders wenn Du auch noch Lichtblitze oder dunkle Schleier siehst. Das kann dann sogar zur Erblindung führen.
      Eine Makuladegeneration beeinträchtigt den Bereich des Auges, mit dem wir am schärfsten sehen. Wäre auch möglich, besonders wenn Du auch noch Schwierigkeiten beim Lesen haben solltest.

      Es wäre also nicht verkehrt, das mal beim Augenarzt abklären zu lassen.
      Diese Signatur wurde autistomatisch erstellt und ist ohne Unterschrift gültig :m(:
    • Hmmmmmmm! Ich habe in der Tat grünen Star und nehme schon seit drei Jahren Augentropfen. Allerdings wurde bei der halbjährlichen Kontrolle noch nie eine Auffälligkeit in meiner Sehfähigkeit festgestellt. Am linken Auge ist zwar bereits eine kleine Stelle vom Sehnerv defekt, aber angeblich hat das keine Auswirkungen, die ich bemerken könnte.
      Meine Augen sind insgesamt ziemlich vermurkst (Schielen, Hornhautverkrümmung, -6 Dioptrien), aber mit Prismenbrille schneide ich in den Sehtests immer normal ab.
      Die nächste Untersuchung habe ich im Juli, dann werde ich den Arzt nochmal ganz genau zum dem Thema ausfragen. Vielleicht besteht ja doch schon irgendeine Abweichung, die für normale Leute irrelevant wäre, mir aber doch schon auffällt. Wäre ja nicht das erste Mal, dass Ärzte einem nicht die ganze Wahrheit sagen. :/
    • Woodchuck wrote:

      "Wahrnehmungslöcher"
      Solche Wahrnehmungslöcher (bei kurzsichtigen aber sonst gesunden Augen) kenne ich auch. Besonders, wenn ich in Gedanken bin oder meine Aufmerksamkeit gerade woanders liegt. Bei Ikea kann ich z.B. ganze Abteilungen und deren Angebot ausblenden, weil ich mich nur auf den Weg und die Markierungen auf dem Boden konzentriere. Das 'tolle rote Sofa' und andere Dinge fallen mir dabei überhaupt nicht auf. Oder neulich in der Innenstadt, wo ich nach dem Arztbesuch noch in den Drogeriemarkt Müller wollte. Es war mal wieder typisch und ein wenig peinlich, als meine Betreuerin mich, nach meiner Frage wo das sei, darauf hinwies, dass wir direkt davor standen.

      Beim Autofahren habe ich das allerdings nicht. Da konzentriere ich mich aber auch bewusst und bin super aufmerksam, was auf kurzen Strecken (bis 30 km) kein größeres Problem ist. Bei längeren Strecken merke ich hinterher immer, dass mich das sehr anstrengt.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Leseratte wrote:

      Oder neulich in der Innenstadt, wo ich nach dem Arztbesuch noch in den Drogeriemarkt Müller wollte. Es war mal wieder typisch und ein wenig peinlich, als meine Betreuerin mich, nach meiner Frage wo das sei, darauf hinwies, dass wir direkt davor standen.
      oh gott, genau das gleiche ist mir letztens mit einem anderen Geschäft passiert! Bin zweimal dran vorbeigelaufen, dann hab ich bei google maps geguckt, wo das genau ist und als das Ortungspfeilchen genau auf der Adresse war hab ich mich umgedreht und da stand ich genau davor :m(: (Der Witz war ja, ich war da schonmal drin! Eigentlich hätte ich wissen müssen, was das ist ...) :m(: :m(:
    • Könnte es sein, dass dein Gesichtsfeld eingeschränkt ist, du also seitlich nichts siehst?


      Von deiner Überschrift fühlte ich mich angesprochen, denn ich habe auch das Gefühl, ich sehe zu langsam. Das betrifft aber Bewegungen, zb der Ball bei der Fußballübertragung (oder ist das normal?). Oder auch, dass zuviele Bewegungen (zb Blätter eines Baumes im Wind) anstrengend sind und mich stressen, als würde da ein Datenstau entstehen...
      Dass ich an jmd / etwas vorbei gehe, ohne es zu registrieren, kenne ich auch, liegt aber daran dass ich dann in mich selbst hinein schaue, statt bewusst hinaus in die Umwelt. Das nehme ich als Schutz wahr, ist aber auch gefährlich im Straßenverkehr. (zb meine Augen sehen das nahende Auto, ich reagiere aber nicht darauf sondern laufe weiter auf die Straße).
      Diese Dinge sind aber im Laufe der Zeit nicht schlimmer geworden sondern waren immer so.

      The post was edited 2 times, last by Neoni ().

    • Ich nehme auch häufig Reize verzögert oder gar nicht war, vor allem wenn ich ohnehin schon reizmäßig überlastet bin. Es betrifft aber nicht nur optische Reize sondern alle Wahrnehmungsbereiche, und es ist auch nicht schlimmer geworden.

      Deshalb würde ich Dir auch empfehlen, Dich untersuchen zu lassen. :nod:
    • Neoni wrote:

      Könnte es sein, dass dein Gesichtsfeld eingeschränkt ist, du also seitlich nichts siehst?
      Also gut sehe ich natürlich nur den Bereich durch die Brille. Aber seitlich nehme ich schon Bewegungen wahr. Denke, daran liegt es also eher nicht.
      Was mich am meisten irritiert, ist meine verspätete Reaktion. Anscheinend muss ich meinen Mann ja schon irgendwie wahrgenommen haben, als ich an ihm vorbei lief. Sonst wäre ich ja nicht nach ein paar Sekunden plötzlich stehen geblieben und hätte mich umgedreht und ihn genau angeguckt.

      Das mit dem Ball beim Fußball kenne ich aber auch. Da konnte ich aber schon als Kind nicht mithalten. Hab auch nie verstanden, warum man sich so ein optisches Wirrwarrgewusel freiwillig 90 min lang angucken kann!
    • Woodchuck wrote:

      Als wenn meine "framerate" zu niedrig wär und ich nur mit 25 fps anstatt 60 gucke, mal so als Analogie.
      Das kenne ich auch.
      Mein Bild ist einfach nicht "flüssig", sondern mit "Ruckeln" und "Verzögerungen".
      Ich vergleiche das auch manchmal mit Besoffen-Sein, mein Gehirn schafft es einfach nicht die Bilder schnell genug zu verarbeiten.
      Die Ausprägung hängt bei mir von der Tagesform ab, Autofahren konnte ich aber sehr gut, da ist auch das Sehfeld sehr eingeschränkt und mMn geht es auf der Straße geordneter zu, als auf dem Gehweg, dort herrschen quasi keine Regeln. :/
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Was ich ganz oft habe: ich gehe auf dem Bürgersteig und sehe eine Person etwas weiter weg. Dann gucke ich vielleicht eine Sekunde weg (gefühlt) und dann ist die Person weg und ich kann mir nicht erklären, wohin sie so schnell verschwunden ist.

      Das ist mir erst heute morgen wieder passiert. Ein Mann lief in meine Richtung, ich guckte kurz woanders hin und weg war er. Er kam dann kurz danach aus einer Einfahrt heraus.

      Was daran halt so seltsam ist: seine Entfernung von dieser Einfahrt hätte ich viel größer eingeschätzt, als dass er innerhalb dieses Moments, wo ich wegsah, diese erreichen und darin hätte verschwinden können.
    • Cloudactive wrote:

      Die Ausprägung hängt bei mir von der Tagesform ab, Autofahren konnte ich aber sehr gut, da ist auch das Sehfeld sehr eingeschränkt und mMn geht es auf der Straße geordneter zu, als auf dem Gehweg, dort herrschen quasi keine Regeln. :/
      :lol: Ich wohne hier aufm Dorf und hab die Gehwege immer für mich allein, weil hier anscheinend außer mir niemand freiwillig zu Fuß herum läuft :d . Aber sobald ich in der nächsten größeren Stadt bin empfinde ich das genauso wie du. Da muss man ständig aufpassen, dass man nicht umgerannt wird oder vom Fahrrad platt gemacht wird. Ganz toll auch, wenn Leute so dicht hinter einem herlaufen, dass man praktisch ihren Atem im Nacken spüren kann und wenn man DANN spontan stehen bleiben muss, hat man einen "Auflaufunfall". :lol: :m(:
    • Ich glaube, wenn jemand wirklich gefährlich ist, dann würde der mich auch erwischen, wenn ich ihn vorher gesehen hätte. Ich hätte da eher Sorgen vor aus Einfahrten herausschießende Autos, die einen umnieten könnten oder einem umstürzenden Baukran oder einem Trecker mit Mistgabel vorne dran, der einen aufpieksen will oder so ... also das wären dann wohl eher die realistischen Gefahren hier im Dorf :'D Da wird man eher von großen Fahrzeugen platt gemacht oder von einer ausgerissenen Kuh als von anderen Menschen. Weiß jetzt nicht was besser ist. Einmal hat mich ein Huhn aus Versehen angeflogen, als es über ne Hecke "geflogen" kam. Hier is richtig was los! lol
    • Bei mir kommt diese Angst wohl daher, dass ich als Kind von einer Mädchengruppe abgefangen und von denen dann schikaniert wurde. Ich war so in Gedanken unterwegs, dass ich sie wohl erst gesehen habe, als sie schon sehr nah an mir dran waren. Hätte ich sie vorher wahrgenommen, hätte ich vielleicht trotzdem nicht erkannt, dass sie was im Schilde führen, aber dieses Erlebnis hat mich ein bisschen traumatisiert.

      Ergänzung: wäre ich nicht so in Gedanken gewesen, wäre ich vielleicht gar nicht ihr "Opfer" geworden.

      The post was edited 1 time, last by Lefty ().

    • uh, das ist übel, das glaub ich dir gern, dass sowas traumatisierend wirken kann. Sowas ist mir nie passiert, immer nur Unfälle jeglicher Art. Einmal musste ich als Kind mit ansehen, wie zwei Jungs auf Fahrrädern von einem Auto umgefahren wurden, als sie über die Fußgängerampel an unserer Grundschule fahren wollten. Dummerweise hatten sowohl die Jungs als auch die Autofahrerin in dem Moment Rot! Es war diese kurze zeitliche Überschneidung, wo beide Parteien gleichzeitig eine falsche Entscheidung getroffen hatten. Seitdem gucke ich immer ganz genau, ob auch wirklich alle Autos stehen bleiben, bevor ich über eine Ampel gehe ...
    • Hmm, bei visueller Wahrnehmung habe ich das bisher nicht so oft beobachten können. 1x tauchte beim Segeln genau vor dem Boot ein anderes Schiff auf (ich saß am Steuer :m(: ) - konnte gerade noch ausweichen. Aber ich hätte schwören können, dass das da vorher noch nicht war, das war für mich völlig unverständlich.

      Ein anderes Mal wurde ich von jemandem plötzlich zur Seite gerissen - da schmiss jemand anders nämlich eine massive Metalltür auf, und die hätte mich um ein Haar erwischt. Bin dem "Retter" immer noch dankbar für seine Reflexe, das wäre echt böse gewesen.

      Und ich hatte schon öfter den Eindruck, mein Freund "teleportiert" sich. Plötzlich weg und dann woanders; zB beim Einkaufen. Denke das ist eine Kombination daraus, dass man keinen guten Rundumblick hat sondern eher stark fokussiert auf interessante Dinge - und aus schlechter Zeitwahrnehmung.

      Häufiger habe ich aber eine verzögerte Wahrnehmung wenn man mit mir spricht, das können dann (wirklich) Minuten sein bis es bei mir ankommt. Das ist denke ich auch einer der Gründe, warum mir Timing in Gesprächen Probleme bereitet, obwohl es mit Konzentration natürlich besser klappt.