Tagesklinik - wie läuft es da ab?

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    • Ja, ich sollte es einfach versuchen... Beantrage ich vorher Beratungshilfe? Oder beginne ich das ohne Anwalt?

      Mein Therapeut hat sogar eine "offensichtliche Hochbegabung" in seinem Gutachten erwähnt, mein Psychiater scheint daran auch nicht zu zweifeln (also explizit, er bestätigte das Gutachten in Gänze). Ob man nun an Hochbegabung glaubt, ist wohl allenfalls in Bezug auf die Dringlichkeit der Beendigung einer universitären Ausbildung wichtig, denke ich, aber überdurchschnittliche Intelligenz ist vor dem Hintergrund, dass die Hautpschule die falsche Schulform war und deren "zwangsweiser" Besuch ohne Fluchtoptionen mich traumatisiert hat, wohl das eigentliche Wesentliche. Auch habe ich in der 9. Klasse einen Berufseignungstest absolviert, dessen Ergebnisse mir noch vorliegen - darin steht, dass ich "deutlich über dem Schnitt der Vergleichsgruppe" gelegen hätte. Falls man nachfragt, sollte das wohl ausreichen...
    • Nach allem, was ich jetzt hier im Thread gelesen habe, ist eine Tagesklinik wohl wirklich nicht das Richtige.
      Dort lernt man hauptsächlich, mit Menschen, mit dem Leben umzugehen und seinen Alltag in den Griff zu bekommen.
      Bei mir war es als Vorbereitung auf eine Psychotherapie gedacht.
      Die persönlichen Gespräche waren allenfalls ein Zusatzbonus und um groß die eigentlichen Probleme im Alltag oder in der Vergangenheit benennen zu können. Daran arbeiten konnte ich dort überhaupt nicht. Aber ich hatte eine Tagesstruktur und fand an den ganzen angebotenen Kursen Spaß, auch wenn ich die Gruppenaugaben eher für mich alleine gelöst habe (z.B. Bauen sie einen Turm aus Papier, der bis an die Decke reicht - während die Anderen herumdiskutiert haben, hab ich einfach losgelegt...)
      Und da es eine Klinik ist, muss die aus rechtlichen Gründen abchecken, wie Dein Gesundheitszustand ist. Ich hatte Einige Drogensüchtige mit der Gruppe - das sah man denen nicht an, aber es musste nunmal kontrolliert werden. Leider kommt es auch hierzulande immer mehr in Mode, Alles und Jeden zu verklagen, wenn irgendwas schief läuft. Da müssen die sich einfach absichern.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Gut, das ist ja durchaus verständlich. Für mich ist das dann aber auch ein Grund, nicht in eine Tagesklinik zu gehen, da ich eben weiß, dass ich kein Drogenproblem habe. Das ist nun nicht so frech gemeint, wie es vielleicht klingt - die Bedürfnisse der beiden Parteien sind da schlicht unvereinbar.
    • Lissy wrote:

      Für mich ist das dann aber auch ein Grund, nicht in eine Tagesklinik zu gehen, da ich eben weiß, dass ich kein Drogenproblem habe.
      Nur falls das falsch rübergekommen ist: Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Die wollen vor allem ausschließen, dass man Drogen nimmt. Und die Selbsteinschätzung von Drogensüchtigen ist da immer: nein, ich nehme nix. Also kommt man um einen Test nicht herum.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Ja, sorry - wir reden hier etwas aneinander vorbei, mir geht es nur darum, das forenintern klarzustellen :lol: Dass Drogenabhängige das gerne behaupten, obwohl es nicht stimmt, verstehe ich ja. Doch die Unterstellung, so nachvollziehbar sie auch sein mag, wäre Grund genug für mich, da nicht hinzugehen. Aber wie hier auch mehrfach festgestellt worden ist und ja auch du sagtest, ist eine teilstationäre Therapie wohl ohnehin nicht "meine" Therapieform.

      The post was edited 1 time, last by Lissy ().

    • Lissy wrote:

      Ja, es ist sehr schade, dass niemand dieses Gefühl der Unterforderung, des Ohnmächtigseins wegen Nichtförderung in irgendeiner Weise, während stattdessen noch auf einen "eingetreten" wird (mach eine Ausbildung, du kannst nicht studieren! Was, du bist auch handwerklich unbegabt?) nachvollziehen kann. Du bist da tatsächlich die erste Person, die das ein wenig nachvollziehen kann.
      Hab nicht gesehen, dass du auf mich geantortet hast, da ich keine benachrichtigung bekommen habe, da du mich nicht entsprechend zitiert hast (Ist ganz praktisch, wenn man das Zitat markiert und dann speichern kann und es automatisch eingefügt wird)

      Meine Mutter hat mir als ich sie Jahre später darauf angesprochen habe wieso Sie so Wert darauf gelegt hat das ich Abitur mache und studiere unter anderem darauf geantwortet: "Was hättest du denn sonst machen sollen, ein Handwerk lernen, gerade du der zwei linke Hände hast alles theoretisch durchdenkst?" Wo sie recht hat, hat sie recht. Und dann kommt in meiner Familie noch der Anspruch hinzu, dass wir alle intelligent und leistungsfähig sind und daher en Studium reine Formsache ist. Dieser Leistungsdruck hatte dementsprechend seine Vor- und Nachteile. Vorteil: meine Eltern haben Die Meinung bzw.maßgebliche Empfehlung meiner damaligen Schule einfach ignoriert und dafür gesorgt, dass ich eine Aufnahmeprüfung machen durfte (die ich dann auch locker bestanden habe, ich hatte nämlich die Noten, das Argument war ich sei zu chaotisch und daher nicht geeignet). Nachteil: das hat sich mit meinem Perfektionismus nur wenig gut vertragen, weswegen ich sehr oft Selbstzweifel habe und blockiere, wel ich Angst habe nicht gut genug zu sein und dann gar nichts tue. Irgendwas ist ja immer... . Was ich damit sagen will, auch die andere Seite kann Narben hinterlassen.

      Wie gesagt, da hat es dich definitiv leider schlimmer erwischt. Ich hab zwar von Mitschülern auch immer das Gefühl bekommen ich sei doof und unfähig und durch den Leistungsdruck meiner Eltern auch irgendwie (ich hab beispielsweise ein Doppelstudium absolviert und der Kommentar meiner Mutter: Wie du stehst da nicht auf ner eins in beiden Fächern, dann mach doch nur ens und sei da besser...) gleichzeitig wurde von denen eben nie hinterfragt das ich überhaupt studiere und sie haben mich da schon sehr unterstützt und fanden das auch gut als ich anfing zu promovieren. Ohne Sie wäre das nicht gegangen, von daher kann ich abstrahieren, wie es ist ohne unterstützende Eltern. Und wie gesagt alleine die kurze Phase in der ich das Gefühl hatte nicht aufs Gymnasium zu gehen... ich hab in dem Moment als mir das mitgetelt wurde geheult wie ein Schlosshund.
    • Zodd wrote:

      Lissy wrote:

      Ja, es ist sehr schade, dass niemand dieses Gefühl der Unterforderung, des Ohnmächtigseins wegen Nichtförderung in irgendeiner Weise, während stattdessen noch auf einen "eingetreten" wird (mach eine Ausbildung, du kannst nicht studieren! Was, du bist auch handwerklich unbegabt?) nachvollziehen kann. Du bist da tatsächlich die erste Person, die das ein wenig nachvollziehen kann.
      Hab nicht gesehen, dass du auf mich geantortet hast, da ich keine benachrichtigung bekommen habe, da du mich nicht entsprechend zitiert hast (Ist ganz praktisch, wenn man das Zitat markiert und dann speichern kann und es automatisch eingefügt wird)
      Meine Mutter hat mir als ich sie Jahre später darauf angesprochen habe wieso Sie so Wert darauf gelegt hat das ich Abitur mache und studiere unter anderem darauf geantwortet: "Was hättest du denn sonst machen sollen, ein Handwerk lernen, gerade du der zwei linke Hände hast alles theoretisch durchdenkst?" Wo sie recht hat, hat sie recht. Und dann kommt in meiner Familie noch der Anspruch hinzu, dass wir alle intelligent und leistungsfähig sind und daher en Studium reine Formsache ist. Dieser Leistungsdruck hatte dementsprechend seine Vor- und Nachteile. Vorteil: meine Eltern haben Die Meinung bzw.maßgebliche Empfehlung meiner damaligen Schule einfach ignoriert und dafür gesorgt, dass ich eine Aufnahmeprüfung machen durfte (die ich dann auch locker bestanden habe, ich hatte nämlich die Noten, das Argument war ich sei zu chaotisch und daher nicht geeignet). Nachteil: das hat sich mit meinem Perfektionismus nur wenig gut vertragen, weswegen ich sehr oft Selbstzweifel habe und blockiere, wel ich Angst habe nicht gut genug zu sein und dann gar nichts tue. Irgendwas ist ja immer... . Was ich damit sagen will, auch die andere Seite kann Narben hinterlassen.

      Wie gesagt, da hat es dich definitiv leider schlimmer erwischt. Ich hab zwar von Mitschülern auch immer das Gefühl bekommen ich sei doof und unfähig und durch den Leistungsdruck meiner Eltern auch irgendwie (ich hab beispielsweise ein Doppelstudium absolviert und der Kommentar meiner Mutter: Wie du stehst da nicht auf ner eins in beiden Fächern, dann mach doch nur ens und sei da besser...) gleichzeitig wurde von denen eben nie hinterfragt das ich überhaupt studiere und sie haben mich da schon sehr unterstützt und fanden das auch gut als ich anfing zu promovieren. Ohne Sie wäre das nicht gegangen, von daher kann ich abstrahieren, wie es ist ohne unterstützende Eltern. Und wie gesagt alleine die kurze Phase in der ich das Gefühl hatte nicht aufs Gymnasium zu gehen... ich hab in dem Moment als mir das mitgetelt wurde geheult wie ein Schlosshund.


      Ja, stimmt, ich vergaß, dass Zitieren auch geht :)

      Gut, dass du deinen Weg trotz der Probleme gegangen bist. Darf ich fragen, worin du promovierst?

      Das ist bei mir wohl wirklich etwas skurriler gelaufen. Meine Familie ist - und ich fühle mich richtig böse, wenn ich das so sage, aber es ist per definitionem der Fall - "bildungsfern". Mein Vater hat einen nachgeholten Realschulabschluss, meine Mutter nur die Volksschule besucht. Mein Vater ist ausgebildeter Elektriker, war aber die letzten Jahrzehnte arbeitslos, meine Mutter war Ungelernte, hat aber in den letzten Jahren - trotz ihres Alkoholproblems - als Taxifahrerin gearbeitet... sonst haben alle bestenfalls die Volksschule besucht. Daher war ich trotz aller Widrigkeiten die "Erste mit Abitur" in unserer Familie.
      Meine Grundschulklassenlehrerin wusste vom Alkoholproblem meiner Mutter - und auch, dass ich in sehr chaotischen Verhältnissen aufwachse. Aber auch, dass ich nicht auf eine Hauptschule gehöre; so sagte sie meiner Mutter am Elternabend sogar, "aus dem Köpfchen ist noch so viel rauszuholen", sie solle mit mir zum Psychologen. Doch davor hatte meine Mutter Angst... ist meiner Recherche zufolge ein typisches Alkoholikerproblem. Andere Menschen nicht an die Familie 'ranlassen zu wollen, damit sie nichts vom eigentlichen "Problem" mitkriegen (obwohl es bei uns offensichtlich war). Es war ein richtig ekliges Gefühl, als ich bei einer Klassenstärke von 30 Kindern eine von dreien war, die auf eine Hauptschule geschickt wurden.
      Ich konnte vor der Grundschule weder lesen oder schreiben noch rechnen - aber in der 1. Klasse habe ich das blitzschnell gelernt, ich brauchte quasi nur die "Anleitung". Nach einem Monat in der 1. Klasse habe ich mich gewundert, weshalb wir noch keine "richtigen" Bücher lesen. Das war für mich wirklich irritierend. Entsprechend irritiert war ich dann, als diese Grundkompetenzen in der 5. Klasse aufwärts aufs Neue bis zum "Abwinken" durchgekaut wurden... Ganz prägnant ist da eine Situation mit meinem Hauptschulklassenlehrer, ich glaube, das war in der 5.: "Wer möchte lesen? Hat denn niemand hier eine Zwei in Lesen gehabt?" Ich melde mich: "Ich, aber ich hatte eine Eins" - der Blick war ziemlich irritiert.
      Rechnen lernte ich ebenfalls sehr schnell; als ich als Erstklässlerin mit den Sternsingern unterwegs war und wir die eingenommenen Beträge addieren sollten, hieß es vom Betreuer, ich sei zwar die Jüngste, aber dennoch die mit den besten Rechenfähigkeiten. Allerdings neigte ich beim Rechnen, gerade schriftlich, immer zu Flüchtigkeitsfehlern, irgendwo spielt eben auch ADHS eine Rolle. Auch habe ich in der Grundschule fast nie Hausaufgaben gemacht, sehr oft auch meine Bücher vergessen.
      Einmal - das dürfte in der zweiten Klasse gewesen sein - hatte ich fast alle Bücher, die wir an dem Tag brauchten, vergessen, Hausaufgaben gemacht hatte ich auch keine - daher habe ich mich im Wald hinterm Spielplatz versteckt und wollte warten, bis der Schultag rum ist - aber leider sahen mich Klassenkameraden, die dann bei der Lehrerin Bescheid sagten, woraufhin großer Terz gemacht wurde, dass irgendwas passiert sein müsse... ich erinnere mich noch dran, wie mein Bruder mich wutentbrannt über den Spielplatz gezerrt und in die Schule gebracht hat.
      Irgendwie hat niemand gesehen, dass die Schuld nicht wirklich bei mir lag. Meine Grundschullehrerin drohte meiner Mutter, dass sie, sollte das noch einmal passieren, das Jugendamt einschalte. Abends beschwerte meine Mutter sich darüber und nahm das als Anlass, erneut zu trinken. So ging das noch, als mein erster Freund Schluss gemacht hatte, da war ich 18... mir ging es schlecht, also musste sie trinken. Und da gab es noch genug andere schräge Situationen, deretwegen ich mich manchmal selbst wundere, dass ich weitergemacht habe
      In meiner frühen Jugend versuchte meine Mutter mehrfach, sich das Leben zu nehmen. Einmal, das müsste Silvester 2000 gewesen sein, fuhr sie sturzbetrunken mit dem Auto weg, nachdem sie uns erzählt hatte, dass sie nun in den Wald fahre, um dort zu erfrieren. Tatsächlich fuhr sie nur in die Kneipe, um sich weiter zu besaufen. Ich weiß noch, dass ich auch da eine Art "Ohnmachtsgefühl" empfand und apathisch weiter an der Konsole spielte.
      Einmal fiel sie sturzbetrunken auf den Boden und starrte mit leerem Blick an die Wand - ich bin rausgerannt und rief meinem Vater zu, er solle sofort den Notarzt rufen. Ich hatte Angst, dass sie tot ist. Feuerwehr kam und brachte sie ins Krankenhaus. Drei Wochen später, nachdem meine Mutter aus dem Krankenhaus entlassen worden war, habe ich dann Ärger dafür bekommen, dass die Nachbarn meinetwegen mitbekommen hatten, was los ist. Und neben dem ganzen Mist habe ich keine außerfamiliären Sozialkontakte gehabt, keine Ablenkung. ich war jeden Tag zu Hause. Und fast jeden Tag in dieser verd...ten Hauptschule. Die Belastung dadurch war enorm, aber irgendwie wurde das zur Gewohnheit und war fortan normal. Erst rückwirkend erkenne ich, dass da doch noch viel nichtverarbeiteter Stress vorhanden ist.

      Aktuell kämpfe ich immer weiter. Trotz meines Nebenjobs, der bei meinen Erkrankungen gar nicht machbar ist. Aber bei Studenten fragt keiner, ob sie den Nebenjob tatsächlich ausüben können - kein Job, kein Geld, wenn man - wie ich - keine unterstützende Familie hat. Aber so skurril das klingt - auch mein Traum wäre die Promotion. Eine Promotion in der Philosophie mit Fokus auf informatikrelevante Themen, womit ich meine Studienfächer beide einbringen könnte, klänge extrem interessant. Aber wenn ich promovieren will, kann ich nicht damit punkten, dass ich chaotisch aufgewachsen und aktuell (schwer-?)behindert bin... ist eine Promotion überhaupt noch möglich bzw. realistisch, wenn man mit 30 den Bachelor abschließt? Mein Therapeut ist guter Dinge, dass ich ein Masterstudium schneller absolviere. Weil ich dann quasi darin bestätigt wurde, dass ich es kann - durch Abschluss des Bachelors. Und weil ich wieder Bafög erhalte und heute auch einen Nachweis über meine Behinderung habe, so dass eine Verlängerung machbar wäre...

      Habe letztens eine Hausarbeit mit 3,3 zurückerhalten - es stellte sich heraus, dass die Note wegen zweier Punkte schlecht ausgefallen ist: Kritikpunkt a war mein hochgestochener Sprachstil (meine Sätze waren mit satzweise 100 Wörtern so verworren, dass mein Dozent die Hausarbeit stellenweise nicht verstand und die Sätze daher als sprachlich inkorrekt wertete - dabei waren sie korrekt, nur weiß ich jetzt Bescheid, dass ich einen anderen Stil nutzen sollte...), Kritikpunkt b die Vermutung meines Dozenten, dass den mittleren Teil, der deutlich prägnanter formuliert war, mein Freund geschrieben hätte, was faktisch unwahr ist. Das Ding ist, dass ich ihm es nicht beweisen kann. Obwohl er in Beweispflicht wäre... Es ärgert mich - ohne das böse zu meinen - einfach, dass ich summa summarum nun notentechnisch mit Leuten auf einer Stufe stehe, die keinen fehlerfreien Satz zustandekriegen.

      Bitteleise wrote:

      Lissy, kennst du das Buch "Jenseits der Norm" von Andrea Brackmann?


      Eine sehr einfühlsame Darstellung möglicher Zusammenhänge zwischen Hochbegabung, AS und Borderline.
      Ja, tatsächlich. Ich habe mir das Buch vor Jahren gekauft und überflogen, stellenweise gelesen. Leider konnte ich mich mit keinem der Fälle, die ich mir anlas, identifizieren, daher verschenkte ich das Buch recht bald wieder. Sie schienen mir damals "offensichtlicher" zu sein, weswegen ich mich zeitweise gar dumm fühlte und an der ansonsten sehr gut auf mich passenden Hochbegabung zweifelte. Mittlerweile habe ich die Vermutung, dass das meinem stetigen "Hochstaplergefühl" entspringt, dessentwegen ich fast alles, was ich geleistet habe, herabwürdige. Dass da ein Zusammenhang besteht, auch mit der ADHS-Symptomatik, vermute ich allerdings auch.
    • Lissy wrote:

      Das ist bei mir wohl wirklich etwas skurriler gelaufen. Meine Familie ist - und ich fühle mich richtig böse, wenn ich das so sage, aber es ist per definitionem der Fall - "bildungsfern". Mein Vater hat einen nachgeholten Realschulabschluss, meine Mutter nur die Volksschule besucht.
      Das ist das wa smich immer gruselt: Die Vorstellung was gewesen wäre, wenn meine Eltern eben nicht Bildungsbürgertum gewesen wären und Studium etwas Selbstverständliches gewesen wäre, sondern sie die Empfehlung akzeptiert hätten oder noch schlimmer wie bei dir keine Unterstützung, sondern ein zusätzlicher Hinderungsfaktor gewesen wären. Um ehrlich zu sein bin ich ziemlich sicher, dass ich es dann nicht geschafft hätte. Dafür bin ich zu pessimistisch und lethargisch, dass wenn die Widerstände zu groß wirken. Gerade meine Eltern haben da einen recht absoluten Platz bei mir, wenn die finden das etwas doof ist fällt es mir super schwer mich in meinem Kopf dagegen zu wehren.


      Lissy wrote:

      Gut, dass du deinen Weg trotz der Probleme gegangen bist. Darf ich fragen, worin du promovierst?
      Wie gesagt, wenn auch meine Eltern teilweise meine Probleme mit verursacht haben, haben sie andererseits dafür gesorgt bzw. ermöglicht, dass ich trotzdem durchkomme. Also dadurch konnte ich auch länger studieren, weil sie selbstverständlich mich weiter finanziert haben. Und zum promovieren, ja darfst du, aber die Frage beantworte ich nicht öffentlich.


      Lissy wrote:

      . Aber wenn ich promovieren will, kann ich nicht damit punkten, dass ich chaotisch aufgewachsen und aktuell (schwer-?)behindert bin... ist eine Promotion überhaupt noch möglich bzw. realistisch, wenn man mit 30 den Bachelor abschließt? Mein Therapeut ist guter Dinge, dass ich ein Masterstudium schneller absolviere. Weil ich dann quasi darin bestätigt wurde, dass ich es kann - durch Abschluss des Bachelors. Und weil ich wieder Bafög erhalte und heute auch einen Nachweis über meine Behinderung habe, so dass eine Verlängerung machbar wäre...
      Das kann man und erst recht ich nicht so einfach pauschal beantworten. Wobei es ja schon Gruppen gibt die Arbeiterkidner die studieren und promovieren helfen, gerade die Rosa-Luxemburg und die Friedrich-Ebert-Stiftung hätten da eher ein Herz für.
      Und die Frage ist ja auch wie willst du promovieren. Eigentlich braucht man zum promovieren ja nur einen Professor der bereit ist offiziell zu betreuen, eine Uni an der man sich einschreibt und dann muss man die Arbeit schreiben (theoretisch muss der Doktorvater nicht mehr machen als die Betreuung bestätigen und nachher die Arbeit lesen und bewerten plus Disputation bewerten). Wenn es dir also nur ums promovieren an sich geht, kann man das auch theoretisch nebend er Arbeit machen, dann dauert es zwar länger, wenn es einem aber um die Promotion an sich geht ist das ja egal.
      Anders sieht es aus wenn man in die Wissenschaft will bzw. Geld fürs promovieren bekommen möchte (zumindest vond er Wissenschaft bei den Stiftungen kann es dann noch mal anders sein) und danach auch weiterhin in der Wissenschaft bleiben will.
    • Lissy wrote:

      In meiner frühen Jugend versuchte meine Mutter mehrfach, sich das Leben zu nehmen. Einmal, das müsste Silvester 2000 gewesen sein, fuhr sie sturzbetrunken mit dem Auto weg, nachdem sie uns erzählt hatte, dass sie nun in den Wald fahre, um dort zu erfrieren. Tatsächlich fuhr sie nur in die Kneipe, um sich weiter zu besaufen. Ich weiß noch, dass ich auch da eine Art "Ohnmachtsgefühl" empfand und apathisch weiter an der Konsole spielte.
      Einmal fiel sie sturzbetrunken auf den Boden und starrte mit leerem Blick an die Wand - ich bin rausgerannt und rief meinem Vater zu, er solle sofort den Notarzt rufen. Ich hatte Angst, dass sie tot ist. Feuerwehr kam und brachte sie ins Krankenhaus. Drei Wochen später, nachdem meine Mutter aus dem Krankenhaus entlassen worden war, habe ich dann Ärger dafür bekommen, dass die Nachbarn meinetwegen mitbekommen hatten, was los ist. Und neben dem ganzen Mist habe ich keine außerfamiliären Sozialkontakte gehabt, keine Ablenkung. ich war jeden Tag zu Hause. Und fast jeden Tag in dieser verd...ten Hauptschule. Die Belastung dadurch war enorm, aber irgendwie wurde das zur Gewohnheit und war fortan normal. Erst rückwirkend erkenne ich, dass da doch noch viel nichtverarbeiteter Stress vorhanden ist.
      Das was du erlebt hast ist echt heftig! Ich glaube an deiner Stelle würde ich mir eine Trauma-Therapeutin bzw. Trauma-Klinik suchen, z.B. st-irmingard.de/behandlungsspe…chotherapie/schwerpunkte/ Da war mal eine Bekannte von mir und die war begeistert, u.a. von den Einzelzimmern, aber auch, weil die Rücksicht drauf nahmen, dass sie keine körperlichen Untersuchungen mag.

      Wegen deiner Fragen, ob eine Klage sinnvoll und aussichtsreich sein könnte, wollte ich dich auf den Weißen Ring weisser-ring.de/hilfe hinweisen. Die haben einen ziemlich weiten Opferbegriff (also viele Berater nehmen auch Leute ernst, die sich als Opfer von Behörden, von Staubsaugervertretern und - andrehern u.ä. empfinden) und die haben verschiedene Möglichkeiten zu helfen, sei es durch Gutscheine für eine kostenfreie Erstberatung beim Rechtsanwalt oder finanzielle Unterstützung, wenn man, weil man Opfer geworden ist, finanzielle Schwierigkeiten hat. Meine Erfahrung besagt, dass je nach Region und Berater die Hilfe unterschiedlich ausfallen kann, aber ich denke ein Anruf oder eine Mail lohnt sich.
      Surprised by the joy of life.
    • Zodd wrote:

      Das kann man und erst recht ich nicht so einfach pauschal beantworten. Wobei es ja schon Gruppen gibt die Arbeiterkidner die studieren und promovieren helfen, gerade die Rosa-Luxemburg und die Friedrich-Ebert-Stiftung hätten da eher ein Herz für.
      Die Hans Böckler Stiftung hat da auch ein Herz für. Die bemühen sich auch sehr offensiv um Arbeiterkinder und Leute, die es nicht so leicht hatten.

      Gerade an ein Promotionsstipendium zu kommen ist meines (doch recht fundierten) Wissens nach aktuell nicht sonderlich schwierig. Da die meisten auch aus sozialversicherungstechnischen Gründen nicht mit einem Stipendium promovieren wollen, aber für Promotionen weiterhin vergleichsweise viele Stipendien der Stiftungen vorgesehen sind, kommt man da m.W. sogar leichter an ein Stipendium als für die Grundförderung.

      Zodd wrote:

      Und die Frage ist ja auch wie willst du promovieren.
      Und warum will man promovieren. Aus Interesse? Um anderen zu zeigen, dass man es kannst? Weil einem nix anderes einfällt?
      Surprised by the joy of life.
    • So, hab gleich Uni und Arbeit, daher bin ich etwas unter Zeitdruck, aber ich antworte mal schnell:

      Zodd wrote:



      Lissy wrote:

      . Aber wenn ich promovieren will, kann ich nicht damit punkten, dass ich chaotisch aufgewachsen und aktuell (schwer-?)behindert bin... ist eine Promotion überhaupt noch möglich bzw. realistisch, wenn man mit 30 den Bachelor abschließt? Mein Therapeut ist guter Dinge, dass ich ein Masterstudium schneller absolviere. Weil ich dann quasi darin bestätigt wurde, dass ich es kann - durch Abschluss des Bachelors. Und weil ich wieder Bafög erhalte und heute auch einen Nachweis über meine Behinderung habe, so dass eine Verlängerung machbar wäre...
      Das kann man und erst recht ich nicht so einfach pauschal beantworten. Wobei es ja schon Gruppen gibt die Arbeiterkidner die studieren und promovieren helfen, gerade die Rosa-Luxemburg und die Friedrich-Ebert-Stiftung hätten da eher ein Herz für.Und die Frage ist ja auch wie willst du promovieren. Eigentlich braucht man zum promovieren ja nur einen Professor der bereit ist offiziell zu betreuen, eine Uni an der man sich einschreibt und dann muss man die Arbeit schreiben (theoretisch muss der Doktorvater nicht mehr machen als die Betreuung bestätigen und nachher die Arbeit lesen und bewerten plus Disputation bewerten). Wenn es dir also nur ums promovieren an sich geht, kann man das auch theoretisch nebend er Arbeit machen, dann dauert es zwar länger, wenn es einem aber um die Promotion an sich geht ist das ja egal.
      Anders sieht es aus wenn man in die Wissenschaft will bzw. Geld fürs promovieren bekommen möchte (zumindest vond er Wissenschaft bei den Stiftungen kann es dann noch mal anders sein) und danach auch weiterhin in der Wissenschaft bleiben will.

      Surprised wrote:

      Lissy wrote:

      In meiner frühen Jugend versuchte meine Mutter mehrfach, sich das Leben zu nehmen. Einmal, das müsste Silvester 2000 gewesen sein, fuhr sie sturzbetrunken mit dem Auto weg, nachdem sie uns erzählt hatte, dass sie nun in den Wald fahre, um dort zu erfrieren. Tatsächlich fuhr sie nur in die Kneipe, um sich weiter zu besaufen. Ich weiß noch, dass ich auch da eine Art "Ohnmachtsgefühl" empfand und apathisch weiter an der Konsole spielte.
      Einmal fiel sie sturzbetrunken auf den Boden und starrte mit leerem Blick an die Wand - ich bin rausgerannt und rief meinem Vater zu, er solle sofort den Notarzt rufen. Ich hatte Angst, dass sie tot ist. Feuerwehr kam und brachte sie ins Krankenhaus. Drei Wochen später, nachdem meine Mutter aus dem Krankenhaus entlassen worden war, habe ich dann Ärger dafür bekommen, dass die Nachbarn meinetwegen mitbekommen hatten, was los ist. Und neben dem ganzen Mist habe ich keine außerfamiliären Sozialkontakte gehabt, keine Ablenkung. ich war jeden Tag zu Hause. Und fast jeden Tag in dieser verd...ten Hauptschule. Die Belastung dadurch war enorm, aber irgendwie wurde das zur Gewohnheit und war fortan normal. Erst rückwirkend erkenne ich, dass da doch noch viel nichtverarbeiteter Stress vorhanden ist.
      Das was du erlebt hast ist echt heftig! Ich glaube an deiner Stelle würde ich mir eine Trauma-Therapeutin bzw. Trauma-Klinik suchen, z.B. st-irmingard.de/behandlungsspe…chotherapie/schwerpunkte/ Da war mal eine Bekannte von mir und die war begeistert, u.a. von den Einzelzimmern, aber auch, weil die Rücksicht drauf nahmen, dass sie keine körperlichen Untersuchungen mag.
      Wegen deiner Fragen, ob eine Klage sinnvoll und aussichtsreich sein könnte, wollte ich dich auf den Weißen Ring weisser-ring.de/hilfe hinweisen. Die haben einen ziemlich weiten Opferbegriff (also viele Berater nehmen auch Leute ernst, die sich als Opfer von Behörden, von Staubsaugervertretern und - andrehern u.ä. empfinden) und die haben verschiedene Möglichkeiten zu helfen, sei es durch Gutscheine für eine kostenfreie Erstberatung beim Rechtsanwalt oder finanzielle Unterstützung, wenn man, weil man Opfer geworden ist, finanzielle Schwierigkeiten hat. Meine Erfahrung besagt, dass je nach Region und Berater die Hilfe unterschiedlich ausfallen kann, aber ich denke ein Anruf oder eine Mail lohnt sich.

      Surprised wrote:

      Zodd wrote:

      Das kann man und erst recht ich nicht so einfach pauschal beantworten. Wobei es ja schon Gruppen gibt die Arbeiterkidner die studieren und promovieren helfen, gerade die Rosa-Luxemburg und die Friedrich-Ebert-Stiftung hätten da eher ein Herz für.
      Die Hans Böckler Stiftung hat da auch ein Herz für. Die bemühen sich auch sehr offensiv um Arbeiterkinder und Leute, die es nicht so leicht hatten.
      Gerade an ein Promotionsstipendium zu kommen ist meines (doch recht fundierten) Wissens nach aktuell nicht sonderlich schwierig. Da die meisten auch aus sozialversicherungstechnischen Gründen nicht mit einem Stipendium promovieren wollen, aber für Promotionen weiterhin vergleichsweise viele Stipendien der Stiftungen vorgesehen sind, kommt man da m.W. sogar leichter an ein Stipendium als für die Grundförderung.

      Zodd wrote:

      Und die Frage ist ja auch wie willst du promovieren.
      Und warum will man promovieren. Aus Interesse? Um anderen zu zeigen, dass man es kannst? Weil einem nix anderes einfällt?
      Promovieren möchte ich natürlich aus Interesse - ich kämpfe ja gerade deshalb seit Jahren um die Beendigung meines Studiums. Würde ich nur aus "Langeweile" studieren, wäre Grundsicherung eine erheblich bequemere Option. Wobei auch die Hoffnung mitschwingt, mit einem akademischen Titel oder einem Mehr an Referenzen eher produktiv in einem fachnahen Beruf arbeiten zu können und später nicht auf Mindestlohnredakteurin, Lehrerin, Altenpflegerin, oder Taxifahrerin umsatteln (mal überspitzt gesagt, einiges davon ginge schon aufgrund meiner Konstitution nicht) oder, noch schlimmer, den Rest meines Lebens als Teilzeitangestellte im Callcenter zubringen zu müssen.

      Danke für den Tipp, sollte ich mich dem Ziel der Promotion tatsächlich nähern, werde ich mich mal auf gut Glück an eine der Stiftungen wenden. Aktuell kann ich Stipendien wohl knicken, allerfrühestens im Master ginge das, wenn meine Leistung sich da steigert, wie mein Therapeut es vermutet. Mal abwarten.

      Aber apropos Sozialversicherungspflicht: soweit ich weiß, ist es als Promovendin doch ausreichend, beispielsweise 13 Stunden pro Woche zu arbeiten, so dass man mehr als 450€ verdient, um sich krankenzuversichern, oder? Eine Kollegin von mir promoviert und möchte nur so viel arbeiten, wie sie muss, um sich krankenzuversichern; sie sagt, 13 Stunden pro Woche reichten aus. Anders als im Masterstudium, da man schön mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten muss, um sich über den Job zu versichern und somit nicht massiv draufzuzahlen, ungeachtet des persönlichen Werdegangs und etwaiger (schwerer) Erkrankungen 8-)
    • Zodd wrote:

      Das ist das wa smich immer gruselt: Die Vorstellung was gewesen wäre, wenn meine Eltern eben nicht Bildungsbürgertum gewesen wären und Studium etwas Selbstverständliches gewesen wäre, sondern sie die Empfehlung akzeptiert hätten oder noch schlimmer wie bei dir keine Unterstützung, sondern ein zusätzlicher Hinderungsfaktor gewesen wären. Um ehrlich zu sein bin ich ziemlich sicher, dass ich es dann nicht geschafft hätte. Dafür bin ich zu pessimistisch und lethargisch, dass wenn die Widerstände zu groß wirken. Gerade meine Eltern haben da einen recht absoluten Platz bei mir, wenn die finden das etwas doof ist fällt es mir super schwer mich in meinem Kopf dagegen zu wehren.

      Bei mir war das so ,und ich habe mich damit "gewehrt", dass ich extrem magersüchtig geworden bin. Also studiert, gearbeitet und nix gegessen, mit der Vorstellung "Ich brauche nichts, schon gar keine Unterstützung!" "Ich bin bedürfnislos".
      Gerade diese Erkrankung- ich wog sehr lange nur um die 38 Kilo und ich bin 1,75cm groß, hat mir dann aber komischerweise Hilfe eingebracht und zwar von Eltern von Komilitonen. Die haben mich zu sich eingeladen, mit denen konnte ich reden.
      Es ist wahnsinnig schwer, alles alleine zu schaffen
      und man kann daran zerbrechen.
      Ich habe auch immer dieses "Hochstapler- Gefühl", das Gefühl gehabt, dass ich eigentlich nicht an die Uni zwischen all diese taffen, lebens- und hoffnungsfrohen Menschen gehöre.

      @Lissy, wenn du eine First- generation- student bist, kann man dir da evtl. beistehen:
      arbeiterkind.de/

      ich habe mich da eine zeitlang beteiligt.

      es gibt auch ein Forum, wo man sich Unterstützung bei Studium mit Behinderung holen kann, muss sich dafür anmelden, ist kostenlos:
      arbeiterkind.de/als-erste-studieren/nicht-aufhalten-lassen
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:

      The post was edited 1 time, last by Rhianonn ().

    • Irgendwie geht die Zitierfunktion gerade nicht... Zu der Frage, wie viele Stunden man arbeiten muss, um über 450 Euro zu kommen: Das kommt darauf an, wie hoch der Stundenlohn ist. Ein Kumpel von mir macht gerade sein Zweitstudium, hat schon einen Master, und arbeitet 10 Stunden die Woche um auf über 450 Euro zu kommen.
      Surprised by the joy of life.
    • Ja, natürlich ist der Stundenlohn da ausschlaggebend. Unser Lohn liegt leider nur knapp über dem Mindestlohn, entsprechend muss ich für 450€ schon mehr als zehn Stunden pro Woche arbeiten (wenngleich 4,335 Wochen = 1 Monat). Hoffe mal, dass ich mit nem abgeschlossenen Bachelor was Besseres finde :)
    • Ach... und arbeiterkind.de hat mir leider nicht weitergeholfen. Hab denen vor zwei Jahren eine verzweifelte Mail geschrieben, aber nie eine Antwort erhalten.
      Manchmal möchte ich auch einfach nicht mehr weitermachen. Ich habe das Gefühl, dass niemand, wirklich niemand versteht, wie ich mich fühle. Ich schäme mich dafür, dass ich als Mensch wahrgenommen werde.
      Bin just wieder in einem anderen Forum angefaucht worden, dass ich ja nur Schmarotzerin sei. Wie bitte? Ich nehme aktuell lediglich Wohngeld in Anspruch, würde ich mich darauf berufen, dass ich in meinem Job einfach nicht arbeiten kann, könnte ich nach einem Studienabbruch Grundsicherungsleistungen beziehen. Das wäre erheblich teurer. Ich kämpfe ja um ein Weiterkommen. Aber ich lasse mich von nichts und niemandem nötigen, eine Ausbildung in einem neigungsfremden Job zu absolvieren... ist es so frech, wenn ich sage, dass meine Lebenszeit mir das nicht wert ist? Entnimmt man der Aussage ein implizites Herabwürdigen von Ausbildungsberufen? So ist das nicht gemeint, aber meine Zeit des Gedrängtwerdens in die falsche Richtung ist vorbei.
      Was ist eigentlich genau das Problem? Mir wird oft gesagt, ich sei "frech" oder "dreist", hätte "hohe Ansprüche", wolle nur nehmen, aber nicht geben - bin ich wirklich so seltsam? Ist das ADHS? Oder doch Asperger? Oder ist das die Persönlichkeitsstörung? Eine Hochbegabung? Eine traumatisierte Hochbegabung, Borderline? Ist es so schwer nachzuvollziehen, dass ich es (vermutlich) schwerer habe als der Durchschnitt? Wie belastend es ist, dass ich genaugenommen mehreren Missbrauchsformen ausgesetzt war und alles Wehren nichts brachte? Wie belastend es ist, dass ich nie Rücklagen hatte? Dass meine Familie fast komplett tot ist und mein Vater mir nicht mal Essen kaufen kann, wenn ich kein Geld habe? Dass ich familiärerseits nicht einmal mentale Unterstützung erhalte? Dass ich nahezu keine sozialen Kontakte habe und nicht in der Lage bin, welche zu knüpfen, weil ich mich als Müll der Gesellschaft empfinde? Dass es ungerecht ist, dass ich als behinderte Erstabiturientin einer "ALG II-Familie" vier Semester Bafög-Förderung erhielt und trotz der schweren psychischen Behinderung nicht einmal bis zum Ende der Regelstudienzeit Bafög beziehen konnte? Dass ich Kindergeld erklagen möchte? Dass es ebenso ungerecht ist, dass die Familienkasse erwartet, dass ich trotz eindeutig vorhandener erheblicher Behinderung und geminderter Erwerbs- und Ausbildungsfähigkeit klage, um Kindergeld zu erhalten?
      Was stimmt mit mir nicht? Erkennt das hier jemand? Ich habe das Gefühl, wegen dieser Eigenheiten minderwertig zu sein.
      Es ist zum Verzweifeln, es gibt Tage, da möchte ich es einfach nur beenden. Niemand versteht mich.
    • Such den Fehler nicht bei Dir.
      Es wird immer Meckerer und Neider geben, die anderen Leuten gar nichts gönnen und die sich über jeden und alles aufregen.
      Einfach ignorieren.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • ich denke, mit einer zusätzlichen Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung würdest du locker die Schwerbehinderung von 50 erreichen und mit einem Antrag auf Opferentschädigung und der Anerkennung dessen, was dir widerfahren ist könntest du eine lebenslange Rente bekommen. Die ist gestaffelt und hängt mit den Schädigungsfolgen zusammen. Du hast deinen Vater, der als Zeitzeuge aussagen könnte, das ist ein wichtiger Vorteil.
      Ich habe eine ähnliche Vergangenheit und habe die Schwerbehinderung von 50 wie auch eine Operentschädigungsrente, neuerdings auch eine EM-Rente.

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    • Lissy wrote:

      Promovieren möchte ich natürlich aus Interesse - ich kämpfe ja gerade deshalb seit Jahren um die Beendigung meines Studiums. Würde ich nur aus "Langeweile" studieren, wäre Grundsicherung eine erheblich bequemere Option. Wobei auch die Hoffnung mitschwingt, mit einem akademischen Titel oder einem Mehr an Referenzen eher produktiv in einem fachnahen Beruf arbeiten zu können und später nicht auf Mindestlohnredakteurin, Lehrerin, Altenpflegerin, oder Taxifahrerin umsatteln (mal überspitzt gesagt, einiges davon ginge schon aufgrund meiner Konstitution nicht) oder, noch schlimmer, den Rest meines Lebens als Teilzeitangestellte im Callcenter zubringen zu müssen.
      Also inwiefern der Doktortitel einen Vorteil im beruf bringt ist sehr unterschiedlich, Chemiker müssen quasi promovieren, andere nicht. Ich würde mich aber in anderen Fächern nicht darauf verlassen, dass der Doktortitel unbedingt ein Plus ist, auch je nachdem wie man ihn gemacht hat. Wenn du wissenschaftlicher Mitarbeiter warst wird das je nachdem nicht wirklich als Arbeitserfahrung gezählt und du giltst faktisch als Berufsanfänger. Außer du willst an der Uni bleiben, dann ist das ein Vorteil.

      Ich hab das jetzt so verstanden, dass du quasi voll promovieren willst und nicht nebenher. Dann würde ich tatsächlich ein Stipendium bei einer entsprechenden Stiftung empfehlen, vielleicht auch bei den Kirchen. Natürlich musst du dafür erst den Master machen (außer in wenigen Ausnahmefällen).


      Lissy wrote:

      Hoffe mal, dass ich mit nem abgeschlossenen Bachelor was Besseres finde
      Erst recht nach dem master, promotion ist ja erst danach.