Blickkontakt meiden: Weil es unangenehm und/oder nichtssagend ist?

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    • Da bin ich auf die Antworten sehr gespannt!

      Ich kann leider nichts beitragen, weil ich (noch) keine Diagnose habe, antworte aber trotzdem, der Vollständigkeit halber mal und weil bisher niemand was gesagt hat :D - Ich weiß, dass ich selbst ihn meide, weil er sich immer unangenehm, irgendwie durchdringlich (?! - mir fällt nichts besseres ein, es zu beschreiben) anfühlt, zwinge mich aber oft dazu, weil ich sonst vielleicht wichtige Dinge/Gesamteindrücke des Gesichts übersehe, die mir im Nachhinein beim Analysieren des Gesprächs helfen.
      An Unmögliches verschwendet Hamish keine Gedanken. Vielleicht ist das auch ganz gut, denn wer nur wenige hat, darf keine verschwenden.
      Alice im Wunderland (2010), Hörspiel
    • Ich habe darüber schon gelesen, aber kann mich nicht daran erinnern, ob es Studien bzw Theorien darüber gibt, was die Gründe sind. Ich würde vermuten, dass das Sachinteresse bei Menschen mit ASS höher ist als das Beziehungsinteresse und der Blick in die Augen daher unwichtig erscheint.

      Bei mir ist es so, dass mich der Blick in die Augen von den Inhalten ablenkt und sozusagen die Denkprozesse blockiert. Wenn ich in die Augen schaue, werde ich manchmal auch nervös, weil ich nicht weiß, ob mein Blick angemessen ist und weil ich dann zu viel darüber nachdenke (auch über Dinge, die vollkommen unwichtig sind, z. B. wie das Augenlid arbeitet oder dass die Wimpern interessant aussehen etc)

      Ich bin dann so damit beschäftigt "richtig/angemessen" zu gucken, dass ich nicht mehr gut denken kann und die Gesprächsinhalte nicht verbalisieren kann. So, als würde immer alles zwischen Denken und Gucken hin- und Herspringen und dadurch beides zu nichts Brauchbarem führen.
      Ich habe mir angewöhnt, Leuten starr in die Augen zu schauen, damit ich mich besser aufs Denken konzentrieren kann. So muss ich weniger über das Gucken nachdenken, aber trotzdem merke ich, wie anstrengend es ist.

      Ich finde Blicke in der Regel bedeutungslos, so lange es um oberflächliche Kontakte geht, die man führen muss, wie Behördentermine, Arbeitsgespräche, Arzttermine. Da geht es mir um die Sache und ich wüsste nicht, wozu ich die Leute dafür anschauen müsste. Die Infos kann man ja auch so austauschen.
      In Partnerschaften ist es mir aber sehr wichtig, sich wirklich in die Augen zu schauen und zu erkennen. In der Hinsicht bin ich ziemlich extrem. Wenn ich den Partner da nicht mehr 'sehen kann', werde ich schnell panisch.

      Vielleicht bedeutet Blickkontakt für Aspies auch sehr viel mehr Nähe als für andere Menschen? Nähe, die man gar nicht will bzw höchstens mit besonderen Menschen will und die somit oft unerträglich, da zu nahe, ist?
    • OtherSide wrote:

      Ich weiß, dass ich selbst ihn meide, weil er sich immer unangenehm, irgendwie durchdringlich (?! - mir fällt nichts besseres ein, es zu beschreiben) anfühlt,
      (auch ohne Diagnose) Selber Grund plus kann ich mich, wenn ich zuhöre, besser auf das Gesagte konzentrieren, wenn ich die Augen etwas schließe oder runter gucke. Dasselbe, wenn ich selbst rede. Ich guck da viel nach oben oder schräg oben, als ob ich da die Informationen, die ich mitteilen möchte, irgendwo sehen würde.
    • Bei fremden Menschen (worunter ich auch langjährige Arbeitskollegen sehe bzw alle Menschen mit denen ich eigentlich nichts zu tun haben möchte) sind Blicke für mich nichtssagend. Ich glaube, dass ich diese Leute so geblockt habe und es so viel zu analysieren wäre, dass ich die Blicke als 'ohne Info' lese. Ob eine Info da wäre, habe ich noch nicht versucht, rauszufinden.

      Von daher gibt es bei mir Beides: Ich kann bei Menschen, die mir etwas bedeuten, nämlich sehr wohl Stimmung und manchmal sogar Gedanken anhand des Blickes ablesen. Es scheint also zu funktionieren, wenn ich das bewusst tun will.
      Ich glaube, dass ich das bei 99,99% nicht tue, liegt an einer Mischung aus
      - kann Blick nicht deuten, da mir Person nicht bekannt genug ist
      - will Blick nicht deuten, da es zu viel Nähe ist
      - kann Blick nicht deuten, da viel zu viele andere Infos (allein was jemand Fremdes spricht, überfordert mich ja schon)
      - will Blick nicht deuten, da ich keine weiteren nützlichen Infos dadurch erwarte

      Ich glaube fast, dass ich damit irgendwie ökonomisch umgehe: Wenn ich keinen Nutzen in etwas sehe und es Energie kostet, wieso sollte ich es tun?

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • Astrogirl wrote:

      ich vergleiche Blickkontakt immer mit einem elektrischem Schlag. Es ist sehr unangenehm und verwirrt mich irgendwie.
      Deshalb schaue ich den Menschen immer auf den Mund wenn ich zuhöre, und auf die Nase wenn ich rede. :nod:
      Das Bild mit dem Elektroschock finde ich auch sehr passend. Wenn mich beim Sprechen andere anschauen, war es früher oft so , dass ich dadurch so aus meinen Gedanken gerissen wurde als würde ich in eine andere Welt katapultiert werden. So, als würde ich zwischen zwei Zuständen hin- und her klappen. Nicht ganz so krass wie ein Elektroschocks aber vom Gefühl her ähnlich ausgeliefert und ohne Kontrolle.

      Mittlerweile stört mich angeschaut werden nicht mehr so extrem beim Sprechen, weil ich andere Menschen irgendwie wegblocken kann. Früher ist das alles in mich reingegangen und war kaum aushaltbar.
    • @FruchtigBunt ja, kann das gut nachvollziehen, was du sagst. Interessante Überlegung, dass es vielleicht zu viel Nähe bedeutet. Darüber muss ich nachdenken. Die Gedanken, was man nun für ein Gesicht machen soll und was angebracht ist, lenkt mich auch oft vom eigentlichem Gespräch ab.

      @Lefty ja, das kenn ich auch mit dem Hochschauen - ich schau auch immer irgendwo gegen die Wand oder in eine Ecke des Raumes oben, als würde ich etwas ablesen :D tatsächlich schau ich aber mehr in mich rein. Auch nur, wenn ich selbst rede, wenn ich zuhöre, versuche ich irgendwie im Gesicht des anderen zu bleiben.

      @Astrogirl elektrischer Schlag ist echt treffend. Treffend ist auch treffend. xD Jetzt werd ich wieder zu abstrakt.
      An Unmögliches verschwendet Hamish keine Gedanken. Vielleicht ist das auch ganz gut, denn wer nur wenige hat, darf keine verschwenden.
      Alice im Wunderland (2010), Hörspiel
    • Ich empfinde Blickkontakt nicht generell als unangenehm.
      Ich merke eher das ich mich manchmal gestört fühle davon.
      Und das aus verschiedenen Gründen.
      1. im gespräch will ich mich auf das was ich sage konzentrieren, auch auf das was ein anderer sagt, da sind bestimmte Blicke oft irritierend und ablenkend.
      2. bei vielen Gesichtsausdrücken bin ich verwirrt, ich weiß nicht was sie bedeuten bzw warum ein Mensch einen bestimmten gesichtsausdruck zu einem für mich unerklärlichen Zeitpunkt macht. Ob er das absichtlich tut weiß ich ja auch nicht, vielleicht passiert das bei dem ja auch unbewusst... Das irritiert mich und damit kann ich nichts anfangen.
      3. manche Blicke von Fremden die garnicht mit mir reden, finde ich sehr unangenehm und aufdringlich, darum schaue ich anderen so gut wie nie ins Gesicht, wenn ich nicht mit ihnen rede.
      Ich finde dieses andere anschauen obwohl man nichts von ihnen will unhöflich und unpassend. ich mag das nicht bei anderen tun, und ich mag es nicht wenn andere mich anschauen.
      4.wenn ich mit jemandem rede schaue ich immer auf den Mund weil der sich auch stärker bewegt als die Augen, und ich reagiere immer sher auf Bewegung, daher schaue ich sogar oft weg wenn sich neben der Person noch was anderes bewegt, denn das lenkt mich sehr ab.
    • Also ich weiß jetzt nicht ob ich mich richtig ausdrücken kann, aber für mich ist das tatsächlich auch zu persönlich oder wie andere hier schon erwähnt haben zu viel Nähe und dass es komisch ist einem direkt in die Augen zu schauen weil das irgendwie so durchdringend ist. Außerdem erkenne ich ja sowieso nichts nützliches in den Augen und wenn ich das mal versuche jemanden anzuschauen wird mir gesagt ich würde starren. Für mich ist das auch sehr unangenehm ich kann auch nicht verstehen warum das wichtig sein soll. Wahrscheinlich wird gedacht man nimmt das Gesagte nur auf wenn man denjenigen auch anschaut, aber ich höre ja auch zu selbst wenn ich in die andere Richtung schaue. Aber das wird als unhöflich gedeutet.
    • Ich habe ganz vergessen meine Erfahrung hinzuzufügen
      Also mir ist Blickkontakt meistens unangenehm, außerdem lenkt er mich ab. Nach dem Gespräch weiß ich mal wieder nicht worum es ging, wenn ich mich auf das Analysieren der Augen konzentriere.
    • Ich habe lange Zeit gar nicht gewusst, dass mein Blickverhalten auf andere seltsam wirken könnte. Als Kind wurde zwar schon öfter mal gesagt: Schau mich an, wenn ich mit dir Rede. Aber nicht, dass ich direkt in die Augen schauen sollte.

      Meistens schaue ich auf den Mund. Häufig wurde mir, vor allem im Beruf, auch Desinteresse unterstellt, wenn jemand etwas erklärte. Oder ich wurde gefragt, ob ich überhaupt zuhöre. Ich wusste nie, wie die darauf kamen, also versuchte ich, mehrere Fragen zu stellen, dann hieß es aber wieder, ich würde zu viel nachfragen. Hatte es ja meistens kapiert, aber eben gefragt, um interessiert zu wirken. Naja, war wohl falsch haha.

      Erst als ich anfing, mich mit Autismus auseinanderzusetzen und es dort dann auch Blickkontakt erwähnt wurde, fiel mir auf, dass ich den anderen tatsächlich nicht in die Augen schaue, sondern eben auf den Mund oder woanders hin, also gar nicht die Person angucke, sondern eben die Pflanze auf dem Tisch, den PC Bildschirm oder aus dem Fenster. Auch beim TV gucken wurde mir dann bewusst, dass ich auch da den Leuten meist auf den Mund gucke.

      Irgendwie ist es blöd, das mit dem Blickkontakt bemerkt zu haben, denn nun versuche ich darauf zu achten, den Gesprächspartner mehr anzugucken usw. und es fällt dann schwerer, dem Gespräch zu folgen. Auch dann, wenn ich ihn nicht angucken, weil ich ständig überlege, wie ich nun gucken könnte, um Interesse zu zeigen oder zumindest den Eindruck zu erwecken, aufmerksam zuzuhören.
      Als ich mir früher noch keine Gedanken darüber machte, gab es einen Punkt weniger, auf dem man im Gespräch zu achten hatte.
    • Ally wrote:

      Irgendwie ist es blöd, das mit dem Blickkontakt bemerkt zu haben, denn nun versuche ich darauf zu achten, den Gesprächspartner mehr anzugucken usw. und es fällt dann schwerer, dem Gespräch zu folgen. Auch dann, wenn ich ihn nicht angucken, weil ich ständig überlege, wie ich nun gucken könnte, um Interesse zu zeigen oder zumindest den Eindruck zu erwecken, aufmerksam zuzuhören.
      So geht es mir auch. Wenn ich auf Augenkontakt - vor allem "angemessenen Augenkontakt, also nicht zu selten, zu intensiv etc. - achten muß, dann ist mein "mentaler Arbeitsspeicher" schon ziemlich ausgelastet. Außerdem kommt mir Augenkontakt immer so seltsam "aufdringlich" vor. Vielleicht liegt es daran, daß ich ihn ja erzwingen muß, oder daß ich selbst eigentlich auch nicht gern angesehen werde. Wie einige andere hier kann ich in Augen auch nichts "lesen" und selbst Gesichtsausdrücke helfen mir oft nicht weiter. Das ist dann so ein wenig "verschwendete Hirnkapazität" und führt nur dazu, daß ich den Gesprächsinhalten nicht mehr so gut folgen kann oder sie "zum einen Ohr rein- und zum anderen Ohr rausgehen".

      Am besten kann ich mich tatsächlich mit Leuten unterhalten, wenn wir nebeneinander im Auto sitzen. Augenkontakt mit dem Fahrer wird da nicht erwartet (logischerweise!), ich muß nicht so sehr auf Körpersprache und Gesichtsausdruck achten und kann mich ganz auf den verbalen Teil des Gesprächs konzentrieren.
      Так! я буду крізь сльози сміятись...

      Achtung: Benutzer kann sich nicht "kurz fassen" :oops:
    • Emek wrote:

      Am besten kann ich mich tatsächlich mit Leuten unterhalten, wenn wir nebeneinander im Auto sitzen. Augenkontakt mit dem Fahrer wird da nicht erwartet (logischerweise!), ich muß nicht so sehr auf Körpersprache und Gesichtsausdruck achten und kann mich ganz auf den verbalen Teil des Gesprächs konzentrieren.
      Das ist bei mir ähnlich. Beim Spazierengehen finde ich es auch ganz angenehm, weil ich da meist nur auf den Boden oder den Weg schaue und das da glaube ich, als angemessener vom Gegenüber empfunden wird.
    • Emek wrote:

      Am besten kann ich mich tatsächlich mit Leuten unterhalten, wenn wir nebeneinander im Auto sitzen.
      Vielleicht kann ich mich deshalb auch beim Spazierengehen am besten unterhalten, ich bin dann wesentlich entspannter als in anderen Situationen. Da ist es ja auch so, dass man sich nicht die ganze Zeit anschaut, sondern eher nach vorne guckt.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Früher habe ich den Blick in die Augen als unangenehm und durchdringend empfunden. Mittlerweile kann ich recht gut in die Augen schauen, auch für längere Zeit, was allerdings nicht funktioniert, wenn ich dabei sprechen soll, es geht dann maximal für kurze Momente. Das in die Augen schauen scheint so viel Aufmerksamkeit zu absorbieren, dass da kein Raum mehr für Sprache ist, Gedanken schon, aber auch diese neigen dabei eher zu verschwinden. Ein Blick in die Augen hat etwas hypnotisches oder magisches an sich.
    • Ich kann Blickkontakt halten, ohne dass es unangenehm ist und ich verstehe Mimik auch ganz gut. Blöderweise kann ich mich aber dann auf nichts anderes konzentrieren. Faktisch bedeutet das, dass ich nur manchmal hinschaue, um zu prüfen wie mein Gegenüber aussieht und dann wieder wegsehe. Im Vorlesungen, wenn ich grade nicht schreibe, schließe ich beim Zuhören meine Augen.