Hintergrundmusik, Aufmerksamkeit und AS

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    • Hintergrundmusik, Aufmerksamkeit und AS

      Erleben andere es so wie ich wenn sie Videos ankucken wo etwas erzählt oder erklärt wird zu einem interessanten Thema aber mit ganz überflüssiger leiser angeblich "entspannender" Hintergrundmusik?

      Was ich erlebe ist dass ich meine Aufmerksamkeit nicht mehr richtig auf das Gesprochene lenken kann ohne viel Anstrengung und Anspannung, unabhängig davon wie leise die Musik ist. Ich (oder eher mein Kopf) erlebe (erlebt) es als ob die zwei Inhalte, die Musik und das Gesprochene, getrennt und für sich einen vollen und gleich starken Anspruch hätten an die Aufmerksamkeit des Informationsverarbeitungszentrums in meinem Gehirn. Es ist als ob anstatt nur die eine Sache zu tun (dem gesprochenen Inhalt zu folgen und darüber nachzudenken) ich (oder mein Kopf) eine zusätzliche Aufgabe hätte die ich (oder er) gleichzeitig erledigen muss, nämlich die Musik zu verarbeiten. Dabei hilft es nicht dass ich den Inhalt hören will und die Hintergrundmusik nicht hören will, weil mein Gehirn lässt sich nicht willentlich lenken sondern funktioniert für sich wie es eben funktionieren kann und muss.

      Hat dieses Phänomen etwas mit AS zu tun? (Ja, glaube ich, sonst würde ich diesen Beitrag nicht schreiben). Bei AS soll es eine Reizfilterschwäche geben wobei das Gehirn wichtige von unwichtigen Sinnesreizen nicht unterscheiden kann, was zu eine Überlastung führt weil alles als gleichwertig eingeschätzt und verarbeitet wird vom Gehirn während die Gehirne von NT-igeren Menschen das nicht tun.

      Solche Videos mit Hintergrundmusik sind bestimmt so weil sie von NTs für NTs gemacht worden sind, denke ich, oder kommt ihr zurecht mit so etwas? Würde auch ein Aspie auf die Idee kommen solche Musik seinem Vortrag hinzuzufügen? (Nein, denke ich).

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    • Also so ähnlich ist es oft für mich auch. Wenn ich mich auf das Gesprochene konzentrieren will stört mich die Musik und ohne es richtig zu registrieren höre ich auf einmal fast nur noch auf die Musik und bekomme vom gesagten nicht mehr viel mit. Genauso ist es wenn als Hintergrund Geräusch zum Beispiel ein Durcheinander Gerede von vielen Menschen ist dann ist es auch schwer sich auf den Sprecher zu konzentrieren. Und so wechselt es dann öfters hin und her weil wie du schon erwähnt hast , das Gehirn versucht beides ungefähr gleich zu verarbeiten.
    • Je dramatischer die Musik, umso mehr lenkt sie ab und stört dazu noch absolut auch meine eigene Stimmung zu den Bildern..gerade bei schönen Naturdokus.
      Ich muss dann ziemlich schnell umschalten oder leider den Ton wegdrehen.

      Wenn hingegen Entspannungsmusik mit sanftschönen Naturbildern unterstütz wird, geht es je nach Musik.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Linnea wrote:

      Wenn hingegen Entspannungsmusik mit sanftschönen Naturbildern unterstütz wird, geht es je nach Musik.
      In dem Fall handelt es nicht so sehr um Informationen, oder die Informationen um die es sich handelt passen einigermaßen zu der Musik (schöner Seeblick und wellige Musik). Ich dachte mehr an solche YouTube Beiträge wo etwas erzählt wird über Psychologie oder jemands Erlebnisse zum Beispiel mit im Hintergrund ganz ganz leise Musik die entspannen soll aber den gegenteiligen Effekt bewirkt (bei mir) weil das Gehirn sich ständig auf die uninteressante leise Musik fokussieren will und nicht auf das was erzählt wird. Solche Videos muss ich immer wegmachen weil es sehr unangenehm und stressig ist diese Spaltung der Aufmerksamkeit bekämpfen zu müssen. Ich stelle mir vor dass es Menschen gibt die es hinkriegen nicht ständig von der Musik in Anspruch genommen zu werden.
    • Mich lenkt am meisten die Musik von Radiohits ab, in Beiträgen die man von galileo, punkt-12 und so anderen Sendungen in der art kennt, da wird halt der "Den Song kenne ich doch!-Gedanke" verstärkt und schon ist alles andere nebensächlich.
      Andere Melodien nehme ich auch war, aber oft kommt es dann drauf an wie laut die ist um Vergleich zu den Sprechern, und auch was es für Musik ist. Manche ist so dermaßen kitschig das sie mich echt ablenkt weil ich sie als nervig empfinde.
      Ich glaube Musik, egal welche, soll die Emotion die der Zuschauer bekommen soll, irgendwie herbeiführen/einlenken.
      Einiges an Musik klingt emotional zB negativ, potisiv, skeptisch, mulmig, rasant und gewalttätig, gefährlich etc und das soll dann beim Zuschauer irgendwelche passenden Gefühle herbeiführen.
      Ich bemerke das sehr oft, denn ich reagiere emotionaler auf Musik als auf das was andere im fernsehen sagen.
      Würde zB bei manchen Krimis etc nicht diese oft eher negativ besetzte Musik nebenher laufen, würde ich nichtmal kapieren worum es geht oder könnte die Personen weder als protagonisten noch als antagonisten einordnen. Ich hätte wohl eher eine neutrale Meinung zu denen.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Solche Videos mit Hintergrundmusik sind bestimmt so weil sie von NTs für NTs gemacht worden sind, denke ich, oder kommt ihr zurecht mit so etwas? Würde auch ein Aspie auf die Idee kommen solche Musik seinem Vortrag hinzuzufügen? (Nein, denke ich).
      Ich denke auch nicht.

      Mir geht es ähnlich. Nicht nur bei Hintergrundmusik, sondern auch bei sonstigen Hintergrundgeräuschen von Videos/Filmen/Serien.

      Seit einigen Jahren habe ich mir deshalb angewöhnt, falls vorhanden die Untertitel einzublenden. Das erleichtert mir das Ansehen von Filmen/Serien deutlich. Und das macht es für mich auch entspannter, denn ich muss mich nicht mehr so anstrengen, den Text zu verstehen.

      Nur senden bzw. streamen leider nicht alle Sender/Anbieter mit Untertiteln. Manche bieten gar keine an, manche nur teilweise.

      The post was edited 1 time, last by Mr. Lockwood: Typo ().

    • Gerade bei Dokus finde ich Musik oft störend. Und ich hasse die immer weiter um sich greifende Unsitte, Musik und Sprache in der gleichen Lautstärke zu machen.

      Ich denke für Autisten ist das besonders störend, aber bei youtube finde ich bei vielen Dokus, die ich wegen der lauten Musik nicht schauen kann, viele Kommentare, dass es auch anderen so geht.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Leseratte wrote:

      Gerade bei Dokus finde ich Musik oft störend.
      Empfinde ich nicht nur bei Dokumentationen störend.

      Die Sendung "Kitchen Impossible" finde ich als solche spannend. Essen, Fachwissen & handwerkliches Können, fremde (Ess)Kulturen, ein Stück weit den Wettbewerb (wenn Mälzer nur nicht so oft fluchen würde).

      Die Dauermusikberieselung und vorallem die immer wieder eingestreuten Soundeffekte finde ich aber alles andere als toll....
      Manchmal verlor ich bisher den Faden komplett wegen des akustischen Dauerbeschusses...
      Wer mit der Herde geht
      kann nur Ärschen folgen :d
    • Leseratte wrote:

      Und ich hasse die immer weiter um sich greifende Unsitte, Musik und Sprache in der gleichen Lautstärke zu machen.
      Das regt mich auch auf. Ich verstehe nicht, wie man auf so eine dämliche Idee kommt. Wenn ich mir einen Film angucke, muss ich ihn total laut drehen damit ich die Dialoge mitbekomme, und gleichzeitig tun meine Ohren weh, weil die Effektgeräusche und Musik viel zu laut ist. Ich bekomme nur die Hälfte von dem mit, was gesprochen wird :m(:

      Ich höre auch keine Musik nebenbei, im Büro hat mich das sehr gestört. Das ist wirklich sehr anstrengend, Nebengedudel zu ertragen. Wenn ich Musik höre, dann höre ich ihr auch zu und kann mich nicht nebenbei noch auf etwas anderes konzentrieren. Nur leichte Aufgaben gehen nebenbei, wie Wäsche zusammenlegen oder Autofahren bei bekannten Strecken.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Erleben andere es so wie ich wenn sie Videos ankucken wo etwas erzählt oder erklärt wird zu einem interessanten Thema aber mit ganz überflüssiger leiser angeblich "entspannender" Hintergrundmusik?

      Was ich erlebe ist dass ich meine Aufmerksamkeit nicht mehr richtig auf das Gesprochene lenken kann ohne viel Anstrengung und Anspannung, unabhängig davon wie leise die Musik ist. Ich (oder eher mein Kopf) erlebe (erlebt) es als ob die zwei Inhalte, die Musik und das Gesprochene, getrennt und für sich einen vollen und gleich starken Anspruch hätten an die Aufmerksamkeit des Informationsverarbeitungszentrums in meinem Gehirn. Es ist als ob anstatt nur die eine Sache zu tun (dem gesprochenen Inhalt zu folgen und darüber nachzudenken) ich (oder mein Kopf) eine zusätzliche Aufgabe hätte die ich (oder er) gleichzeitig erledigen muss, nämlich die Musik zu verarbeiten. Dabei hilft es nicht dass ich den Inhalt hören will und die Hintergrundmusik nicht hören will, weil mein Gehirn lässt sich nicht willentlich lenken sondern funktioniert für sich wie es eben funktionieren kann und muss.

      Hat dieses Phänomen etwas mit AS zu tun? (Ja, glaube ich, sonst würde ich diesen Beitrag nicht schreiben). Bei AS soll es eine Reizfilterschwäche geben wobei das Gehirn wichtige von unwichtigen Sinnesreizen nicht unterscheiden kann, was zu eine Überlastung führt weil alles als gleichwertig eingeschätzt und verarbeitet wird vom Gehirn während die Gehirne von NT-igeren Menschen das nicht tun.

      Solche Videos mit Hintergrundmusik sind bestimmt so weil sie von NTs für NTs gemacht worden sind, denke ich, oder kommt ihr zurecht mit so etwas? Würde auch ein Aspie auf die Idee kommen solche Musik seinem Vortrag hinzuzufügen? (Nein, denke ich).
      tja , als filmschaffender Aspie kann ich berichten dieser unterirdisch abgemischte deutsche Filmton haben die Ton`is am Set für ihre Auftragsgeber , Medienprofis gemacht. Der Tonmeister ist bei der Aufnahme in der Regel nicht mal im selben Raum , sondern served am Mischer nebenbei im Netz. Beim Schweiger Till hab ich schon als Freelancer gearbeitet, der kann nicht anders und ist mir vollkommen gleichgültig, Koks ist eh nicht meine Droge. Auch das Verhalten der Tonleute könnte volkstümlich als autistisch beschrieben werden, was mir wiederum nicht in den Kram passt. :x nur einen moment + :smug: = :)
    • Der einzige Ort, an dem ich Musik im Hintergrund haben kann, ich mein Auto. Beim Autofahren mache ich gerne Musik an. Aber nur Musik. Sobald die im Radio anfangen zu labern, schalte ich auf einen anderen Sender- oder auf mein Smartphone. Hörspiele oder Podcast im Auto geht auch nicht. Die höre ich meist daheim auf dem Sofa, aber auch ohne sonst etwas nebenbei zu tun- außer putzen vielleicht.

      Arbeiten, lesen etc. geht nur in der Stille.

      Dokumentationen mag ich auch nur ohne Hintergrundgedudel.

      Früher, als Jugendliche, konnte ich Hausaufgaben machen und Musik hören noch besser verbinden. Heute geht nur noch entweder Konzentration oder Musik.
    • Ani wrote:

      Der einzige Ort, an dem ich Musik im Hintergrund haben kann, ich mein Auto. Beim Autofahren mache ich gerne Musik an. Aber nur Musik. Sobald die im Radio anfangen zu labern, schalte ich auf einen anderen Sender.
      ...und bei mir - genau umgekehrt: Wortbeiträge gern (Kultur- und Wissenschaftssendungen am Nachmittag etc.), Musik geht gar nicht. Deshalb habe ich mir am Arbeitsplatz und zu Hause sogar einen zusätzlichen Lautstärkeregler an den Sitzplatz gebastelt, damit ich die nervige Musik sofort wegdrehen kann :oops: :d .
      Deshalb fahre ich zum Einkaufen auch nur zu Edeka, weil da keine Musik läuft. Letzte Tage brauchte ich auf die Schnelle noch was kurz vor Ladenschluß und bin zum Rewe um die Ecke - nur läuft da keine Hintergrund-, sondern LAUTE Musik :m(: :evil: .
      Da stand ich nach 5 Minuten und starrte auf ein Regal, und in meinem Kopf lief in Schleife das Wort "Nnnuuuu deel l l lnnnn", dabei wollte ich eigentlich Ingwer kaufen :lol: ... Geht gar nicht.

      Tomi Blum wrote:

      dieser unterirdisch abgemischte deutsche Filmton...
      Ja, das deutsche Hintergrundgedudel, speziell im Privat-TV, ist ganz besonders schrecklich. Andere Länder /andere Sender können das besser. Insbesondere die britische BBC hat Formate, wo die Begleitmusik so geschickt (bis perfekt) auf den Inhalt der Sendung hin ausgesucht (oder gar extra komponiert!) wird, daß ich das manches Mal nur deshalb sehe!!
      Gutes Beispiel: die Auto-Sendung "Top Gear". Autos interessieren mich überhaupt nicht, die Sendung ist aber oft handwerklich so unglaublich gut gemacht (Moderation, Kamera, Licht, Schnitt, und eben auch Ton..), daß es eine echte Freude ist, echten Profis bei der Arbeit zuzusehen. Die bringen es z.B. regelmäßig fertig, den Text des Moderators ganz nebenbei mit subtil-leisen, kurzen drei Tönen aus einem Popsong ironisch so zu brechen, daß man einen Lachkrampf kriegt - genial; und in D-land leider undenkbar.
      Ich bin kein Klugscheißer! Ich weiß es wirklich besser! Ich weiß auch, wann ich
      besser nichts sagen sollte - und dann höre ich mich reden und reden und reden ...

      The post was edited 1 time, last by hä? ().

    • hä? wrote:

      Letzte Tage brauchte ich auf die Schnelle noch was kurz vor Ladenschluß und bin zum Rewe um die Ecke - nur läuft da keine Hintergrund-, sondern LAUTE Musik .
      Da stand ich nach 5 Minuten und starrte auf ein Regal, und in meinem Kopf lief in Schleife das Wort "Nnnuuuu deel l l lnnnn", dabei wollte ich eigentlich Ingwer kaufen ... Geht gar nicht.
      :d das kenne ich auch..ich murmel dann immer vor mich hin, was ich brauche, mit riesengroßen genervten Fluchttendenzen.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Ani wrote:

      Der einzige Ort, an dem ich Musik im Hintergrund haben kann, ich mein Auto. Beim Autofahren mache ich gerne Musik an. Aber nur Musik. Sobald die im Radio anfangen zu labern, schalte ich auf einen anderen Sender- oder auf mein Smartphone. Hörspiele oder Podcast im Auto geht auch nicht. Die höre ich meist daheim auf dem Sofa, aber auch ohne sonst etwas nebenbei zu tun- außer putzen vielleicht.

      Arbeiten, lesen etc. geht nur in der Stille.

      Dokumentationen mag ich auch nur ohne Hintergrundgedudel.

      Früher, als Jugendliche, konnte ich Hausaufgaben machen und Musik hören noch besser verbinden. Heute geht nur noch entweder Konzentration oder Musik.

      Musik höre ich im Auto auch sehr gerne, aber nur auf bekannten Strecken oder auf der Autobahn, auch wenn diese unbekannt ist (liegt aber daran, dass ich mit den Autobahnen in Deutschland ganz gut auskenne und man imo auch nicht viel falsch machen kann, wenn man die Schilder beachtet :] ). Ich höre aber ausschließlich die Musik, die ich zusammengestellt habe und kein Radio. Meistens höre ich ein und das selbe Lied etliche Male hintereinander :]