Das eigene Gesicht im Spiegel

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    • Das eigene Gesicht im Spiegel

      Mir fällt immer mal wieder auf, dass ich spontan nie in den Spiegel schaue, sondern meinem Spiegelbild geradezu ausweiche. Als wäre das ein fremdes Gesicht, das ich nicht ansehen mag. Wenn ich z.B. an einem Waschbecken stehe, über dem ein Spiegel hängt, sehe ich nach unten oder ich schließe die Augen. Ich putze sogar mit geschlossenen Augen die Zähne, wenn es darauf ankommt.

      Wenn ich mich im Spiegel ansehen will, muss ich mich bewusst dafür entscheiden. Dann ist es auch ok, ich habe keine Angst davor oder so.

      Anderen Menschen kann ich durchaus ins Gesicht sehen, wenn sie nicht gerade eine für mich unangenehme Ausstrahlung haben. Meinem eigenen Gesicht gehe ich sehr viel konsequenter aus dem Weg. (Dabei empfinde ich mich nicht als hässlich, daran liegt es nicht.)

      Kennt das noch jemand? Oder ist das nur so eine Macke von mir?
      I have my books
      And my poetry to protect me
    • Also ich hab kein Problem damit, in den Spiegel zu schauen. Kann mir auch nicht vorstellen, dass das was mit Asperger zu tun haben könnte, ob man sich im Spiegel ansehen mag oder nicht. Ich würde also mal sagen, dass das einfach nur 'ne Macke von dir ist.
      "Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen."
      Erasmus von Rotterdam
    • Mir kommt mein Gesicht auch oft fremd vor. Das, was ich Spiegel sehe, entspricht häufig nur nicht meinem inneren Bild von mir.
      Ich erschrecke mich manchmal, wenn ich beim Händewaschen in den Spiegel schaue und ein unerwartetes Gesicht sehe.
      Beim Zähneputzen oder so kann ich aber in den Spiegel schauen. Da achte ich ja nicht auf das Gesamtbild sondern nur auf bestimmte Details.
      Meistens muss ich mich auch bewusst dazu bringen mein Spiegelbild zu betrachten. Es ist aber auch einfach nicht in meinen Routinen verankert. Ich schaue meist dahin, was meine Hände tun.
    • Ich finde es normalerweise auch unnötig, in den Spiegel zu schauen und mache das daher nie einfach so.
      So kann es schon mal vorkommen, dass ich im Büro erst nachmittags eher zufällig auf dem Klo in den Spiegel schaue und mir denkte: Oh, SO laufe ich schon den ganzen Tag herum?? (wirre Haare, nicht rasiert oder irgendwelche Dreckflecken)
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Kein Problem mit Spiegel. Allein schon für die Haare imo unverzichtbar... aber auch so um mal sich selbst zu beschauen.

      Bitteleise wrote:

      sondern meinem Spiegelbild geradezu ausweiche. Als wäre das ein fremdes Gesicht
      Also wenn ich mir vorstelle immer meinem Spiegelbild auszuweichen, dann wären die Gesichter der anderen die vertrauteren und mein eigenes das Gesicht eines eher unbekannten Fremden.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Bitteleise wrote:

      Als wäre das ein fremdes Gesicht, das ich nicht ansehen mag.

      So "ähnlich" kenne ich es auch, außer mit dem Nichtmögen.
      Bei anderen habe ich auch das Gefühl, Gesichter sind für mich irgendwie sehr sehr komplex und sind für mich immer wieder auf's Neue fremd.
      Ich begegne manchmal Leuten, die ich sehr gut kenne, erkenne aber das Gesicht irgendwie nicht, es wirkt eben so "fremd", aber nach einer Weile, wenn ich z.B. angesprochen wurde oder manchmal auch so, dann "löst sich irgendwie der Nebel" und es ist wieder vertraut.
      Ich schaue mich schon im Spiegel an, aber da habe ich ebenfalls dieses "Fremdgefühl", es ist als würde ich jedes Mal jemand Neues sehen und neu abspeichern müssen. :roll:
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Rusty Mike wrote:

      Kann mir auch nicht vorstellen, dass das was mit Asperger zu tun haben könnte, ob man sich im Spiegel ansehen mag oder nicht. Ich würde also mal sagen, dass das einfach nur 'ne Macke von dir ist.
      Weil Du es Dir nicht vorstellen kannst, da kann es auch nicht sein?
      (Ich vermute mal, so hast Du das nicht gemeint, oder?)

      Ich persönlich kann mir schon vorstellen, dass es etwas mit der Autismusspektrumstörung zu tun hat. Schließlich ist es - neben Anderem - auch eine Wahrnehmungsstörung, wobei auch die Selbswahrnehmung betroffen/gestört sein kann. Im Spiegel sieht man sich selbst.
      Wenn man jetzt eine gestörte Selbswahrnehmung (und vielleicht auch zusätzlich noch ein gestörtes Körperbild) hat, dann macht sich das sicherlich bei einer typischen Situation wie "in-den-Spiegel-blicken" bemerkbar. Wie auch immer.

      Und entweder es liegt dann "allein" daran, oder es entwickelt(e) sich zusätzlich noch im Laufe der Zeit immer mehr (ungewollt/unbemerkt) zu einer Gewohnheit (mir fehlt gerade das passende Wort, was ich eigentlich dafür benutzen möchte und was es beser "trifft").
      "Das Problem zu erkennen ist wichtiger als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung." - Albert Einstein
    • Hängt es vielleicht mit Prosopagnosie zusammen?
      Ich erkenne andere so gut wie gar nicht über das Gesicht und kann Gesichter auch schwer beschreiben. Vielleicht gilt es auch für mein eigenes Gesicht und deswegen fühlt es sich fremd an?
    • Needle wrote:

      Hängt es vielleicht mit Prosopagnosie zusammen?
      Ich erkenne andere so gut wie gar nicht über das Gesicht und kann Gesichter auch schwer beschreiben. Vielleicht gilt es auch für mein eigenes Gesicht und deswegen fühlt es sich fremd an?
      hallo erstmal,
      du stellst hier mal ne essentiel wichtige frage. ich denke wegen meinen eindrücken dazu, bin halt uralt manchmal mit 56 jahren,kann ich ziemlich sicher sagen ,dass es so ist:
      prosopagnesie habe ich wohl bei allen menschen , zu denen ich keinen zugangspunkt habe
      da mein hirn alles als bild aufnimmt ,habe ich diese leute nie erkannt.meinen freund kenne ich seit 33 jahren und ich habe ihn zu allen zeiten im bild, auch ein neues tatoo gefällt mir dann,
      vorallem verkucke ich mich gerne in menschen, da sitzt mir einer im bus gegenüber undhat so schöne augen,
      und mich selber im spiegel ansehen ? ich glaube das ist die pure realität, die jenachdem brutal unterschiedlich ist, schon seit ewig schaue ich nur in den spiegel wenn ich dies will, beim rasieren was ich eh hasse, da ist es doch ok diese schwierigen falten zu haben und mein alter ist mir ja recht...
      was ich überhaupt nicht kapiere warum ich mir direkt in die augen sehen kann und das sagt mir rein gar nix-null,
      dabei habe ich sicher einen ausdruck der augen , die mimik ist mir zwar manchmal verutsch, wenn ich gerade spontan glücklich bin werde ich halt darauf hingewiesen auch zu lächeln, und dabei haben meine froschgrünen oder graugrünen augen doch nicht eine zombiepause gemacht.
      also vielleicht ist das halt gut so eingericht, andere pupertäre hatten pickel, ich nie, hätte mich sonst ganz "normal" darüber geärgert und meine augen werden schon ok sein,
    • Garfield wrote:

      Ich finde es normalerweise auch unnötig, in den Spiegel zu schauen und mache das daher nie einfach so.
      So kann es schon mal vorkommen, dass ich im Büro erst nachmittags eher zufällig auf dem Klo in den Spiegel schaue und mir denkte: Oh, SO laufe ich schon den ganzen Tag herum?? (wirre Haare, nicht rasiert oder irgendwelche Dreckflecken)
      was labber ich wieder rum, garfield haste einfach recht, pragmatisch isch total lässig 8-)
    • Needle wrote:

      Hängt es vielleicht mit Prosopagnosie zusammen?
      Ich glaub schon. Da gibt es doch einen Witz. Guckt jemand in den Spiegel und sagt: "Ich kenn dich nicht, aber ich wasch dich trotzdem."

      Typischerwese weiß ich beim Spiegel, wer mich da anguckt (Zunge rausstrecken zum Testen ist eine schöne Rückversicherung...). Aber was mich da anguckt, ist oft fremd und sieht auch ständig anders aus. Vermutlich trage ich dazu selbst bei durch häufiges Haare-Umfärben.
    • Seitdem ich männlich bin, habe ich auch kein Problem mehr mich selbst im Spiegel anzuschauen.
      Ich muss aber zugeben das ich auch eher wenig in meine Augen schaue, es ist mir unangenehm aber ich mache es wenn ich da eine Wimper rauspulen muss, denn in nur ein auge zu sehen fällt mir leichter, als mir meine eigenen Blicke anzusehen. Das Problem ist glaube ich, das ich versuche bestimmte Mimiken zu machen aber das klappt nicht bzw sieht nicht so aus wie ich das will.
      Als ich noch weiblich war, konnte ich mich nicht gut anschauen bzw ertragen, aber das hatte halt andere Gründe und war nicht autimusbedingt.
      Ich vermute mal das es generell nicht unbedingt autismusbedingt sein muss wenn jemand sich im Spiegel nicht sehen kann.
      Mich verwirrt es eher wenn ich bestimmte Mimiken ausprobiere weil es nicht so klappt wie ich will, aber um mich zu pflegen etc habe ich ein neutrales Gesicht, da schaue ich auch auf Details und nicht auf das Gesammtbild.
      Andere Autisten haben nicht immer ein Problem überhaupt in die Gesichter anderer Menschen zu schauen.
      Ich versuche anderen menschen zumindest bei Gesprächen ins Gesicht zu schauen um nicht unhöflich zu sein, aber ich merke selber das ich da mehr auf Details schaue.
    • Ich glaube ich kann das ein Stück weit nachvollziehen. Ein gewisses Gefühl der Fremdheit, wenn man sich im Spiegel betrachtet.
      Als Kind (und heute noch manchmal, selten) habe ich mich erschreckt wenn ich am Boden der Teetasse das gespiegelte Weiß meiner Augen sah.
    • Garfield wrote:

      So kann es schon mal vorkommen, dass ich im Büro erst nachmittags eher zufällig auf dem Klo in den Spiegel schaue und mir denkte: Oh, SO laufe ich schon den ganzen Tag herum?? (wirre Haare, nicht rasiert oder irgendwelche Dreckflecken)
      Genau so geht es mir auch ... ich schaue irgendwann am Nachmittag auf der Bürotoilette in den Spiegel und stelle fest, dass ich offenbar schon den ganzen Tag mit eingekrempeltem Blusenkragen o.ä. herumgelaufen bin. Bei solchen Gelegenheiten wird mir dann auch bewusst, dass ich bei allen Toilettenbesuchen davor mal wieder dem Blick in den Spiegel ausgewichen bin, ohne es zu bemerken.

      Auf einen Zusammenhang mit AS kam ich, weil bei AS ja oft der Blick in ein fremdes Gesicht unangenehm ist.

      Kann aber auch sein, dass ich den Ausdruck meines Gesichtes nicht mag - eher angespannt und mit wenig Mimik, "böse" halt.
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    • Bitteleise wrote:

      Mir fällt immer mal wieder auf, dass ich spontan nie in den Spiegel schaue, sondern meinem Spiegelbild geradezu ausweiche. Als wäre das ein fremdes Gesicht, das ich nicht ansehen mag.
      Kommt mir bekannt vor. Ich habe oft das Gefühl, jeder Mensch in meinem Zimmer ist ein Mensch zu viel. Und das gilt oft auch für mein eigenes Spiegelbild. Hab auch nur ein einziges Foto in meinem Zimmer, auf dem ein Mensch ist. Und das auch nur, weil auf dem Foto mein Lieblingspferd ist...
      Sei einfach du selbst. Alles andere klappt sowieso nicht...