Wirklich ASS?

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    • Wirklich ASS?

      Angeregt durch den anderen Thread kamen mir mal wieder Zweifel an meiner eigenen Diagnose :oops:

      Wie sehr ist smalltalk mit ASS möglich?

      Ich lief mit meiner Tochter an einer Frau vorbei, die den Weg von Laub und Tannennadeln säuberte.
      Meine Tochter meinte es stinkt nach Hundekacke.
      Zack, kam ich mit der Frau wegen der überall herumliegenden Hundekacke ins Gespräch, also ein Austausch darüber wie nervig das ist.
      Ich blieb nicht stehen, das war im vorbeigehen.

      In der Apotheke gab es zu Werbezwecken Käsekuchen und Regenschirme.
      Erst war mir das irgendwie unangenehm und ich überlegte, ob ich einfach beschäftigt tue oder an dem Stand anhalte.
      Als der nette Herr fragte, ob Kuchen mitnehmen möchte, bejahte ich und fragte, ob es auch noch ein Auto dazu gibt :m(:

      Fällt das unter smalltalk? Können die Einschränkungen dabei so subtil sein, dass es nicht auffällt?

      In meinem Diagnosebericht steht, ich war höflich, freundlich und eloquent.
      Ich schaute wohl eher am Therapeuten vorbei, knetete meine Hände und benutzte wenige Gesten um meine Worte zu unterstreichen.
      Außerdem war ich reflektiert und sympathisch.
      Mit den Bildergeschichte und den Emotion cards hatte ich größere Probleme.
    • Eva39 wrote:

      Wie sehr ist smalltalk mit ASS möglich?
      So ein paar Sprüche wie in deinen beschriebenen Fällen könnte ich auch bringen, wenn ich gerade gut drauf bin oder das Gespräch von der anderen Person ausgeht und ich nur antworten muss. Es gibt manchmal Situationen, wo ich (fast) völlig normal wirke.
      Nur würde ich solche Situationen häufiger vermeiden als normale Menschen, und wenn ich nicht gut drauf bin, dann klappt es auch nicht.
      Dadurch komme ich schlecht in Kontakt mit anderen, z.B. mit Nachbarn. Auch wenn ich 20 Jahre irgendwo wohne, kenne ich dort kaum Leute.
      Schwierig ist es auch, wenn ein Gespräch länger läuft bzw. laufen soll, immer wieder ein neues Thema zu finden, ist schwer.


      Mir ist aufgefallen, dass man oft den Fehler begeht und anhand einer einzigen Situation oder Fähigkeit entscheiden will, ob AS vorliegt oder nicht. Das geht aber nicht, man muss immer das Gesamtbild sehen, ob es relevante Einschränkungen gibt im Ergebnis (beruflich, Freundeskreis, Selbstversorgung...). Das Leistungsbild scheint ja sehr ungleichmäßig zu sein, sonst gäbe es nicht Leute, die wie Christine Preißmann auf der einen Seite sehr gute Leistungen vollbringen, und trotzdem insgesamt so viele Merkmale für AS haben, dass die Diagnose eindeutig vorliegt. Gerade Smalltalk ist auch eine Frage der Übung, d.h. man lernt Phrasen, die man benutzen kann, reagiert vielleicht sogar gelegentlich fast spontan, nur richtig intuitiv wird es nicht sein, es läuft wahrscheinlich immer über den Verstand.
      Alles wird galaktisch gut.
    • irgendwie (über) lebt man ja auch schon 20, 30, 40 oder 50 Jahre auf diesem Planeten und hat sich dabei einige Verhaltensweisen der einheimischen Spezies abgeschaut .....je nach dem , wo ich bin und wenn es mir gut geht , kann ich auch sehr unterhaltsam sein und Small Talk machen. Das ist auch etwas, was man in jedem Sozialen Kompetenztraining beigebracht bekommt : Menschen mögen das, und man kann es lernen.
      Ein geschulter Diagnostiker würde eventuell merken, dass es nicht so natürlich läuft, sondern dass man es sich ganz gezielt angeeignet hat.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Eva39 wrote:

      Ich war hier
      autismus-langen.de/index.php?id=357

      Auf mich wirkte alles recht erfahren und seriös. Aber was heißt das schon...
      Das Institut kenne ich persönlich auch, ich war mal in der Therapie dort.
      Das Problem ist halt, dass dort keine Ärzte arbeiten. Das meiste sind Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger und vielleicht wenige Psychologen.
    • Shenya wrote:

      Gerade Smalltalk ist auch eine Frage der Übung, d.h. man lernt Phrasen, die man benutzen kann, reagiert vielleicht sogar gelegentlich fast spontan, nur richtig intuitiv wird es nicht sein, es läuft wahrscheinlich immer über den Verstand.
      Genauso läuft es bei mir ab. Ich habe ein begrenztes Repertoire zur Verfügung, das ich anwenden kann. Zu Leuten mit denen ich häufiger zu tun habe, merke ich mir ein Thema, wo ich nachfragen kann. Ansonsten suche ich "krampfhaft" ein gemeinsames Thema über das ich was sagen kann. Das hat mit entspanntem Dahin-plaudern wenig zu tun. Es ist anstrengend, aber ich weiß halt, dass es notwendig ist. Also mache ich es.
    • Eva39 wrote:

      Wie sehr ist smalltalk mit ASS möglich?

      Ich lief mit meiner Tochter an einer Frau vorbei, die den Weg von Laub und Tannennadeln säuberte.
      Meine Tochter meinte es stinkt nach Hundekacke.
      Zack, kam ich mit der Frau wegen der überall herumliegenden Hundekacke ins Gespräch, also ein Austausch darüber wie nervig das ist.
      Ich blieb nicht stehen, das war im vorbeigehen.

      In der Apotheke gab es zu Werbezwecken Käsekuchen und Regenschirme.
      Erst war mir das irgendwie unangenehm und ich überlegte, ob ich einfach beschäftigt tue oder an dem Stand anhalte.
      Als der nette Herr fragte, ob Kuchen mitnehmen möchte, bejahte ich und fragte, ob es auch noch ein Auto dazu gibt
      Für mich ist das smalltalk und ich kenne einen Aspie, der sehr sehr viel solches redet.
      Eben sogar eher nur smalltalk, als sich mit Tieferem befassen zu wollen/können.
      Daher bleibt jeder Kontakt auf einer Ebene, die für mich nicht so toll ist. Er hat trotz allem wenig Freunde.
      Jeder ist anders.
      Ich laufe meist weg, wenn er dann wieder stehenbleibt , um all so etwas zu reden.
      Wobei ich auch so reden kann, je nach Situation und Mensch und Verfassung.
      Aber ein versierter Smalltalker wäre ich nicht, und um meine Sachen zu verkaufen, reicht es auch nicht wirklich, wie ich da so zurückhaltend stehe.

      Die eine Thera will immer, dass ich das lerne, aber es liegt mir einfach meist nicht.
      Oder es langweilt mich. Oder ich tue anderes lieber. Oder ich will ja gerade den Kontakt nicht näher.usw
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • Eva39 wrote:

      Angeregt durch den anderen Thread kamen mir mal wieder Zweifel an meiner eigenen Diagnose :oops:

      Wie sehr ist smalltalk mit ASS möglich?

      Ich lief mit meiner Tochter an einer Frau vorbei, die den Weg von Laub und Tannennadeln säuberte.
      Meine Tochter meinte es stinkt nach Hundekacke.
      Zack, kam ich mit der Frau wegen der überall herumliegenden Hundekacke ins Gespräch, also ein Austausch darüber wie nervig das ist.
      Ich blieb nicht stehen, das war im vorbeigehen.

      In der Apotheke gab es zu Werbezwecken Käsekuchen und Regenschirme.
      Erst war mir das irgendwie unangenehm und ich überlegte, ob ich einfach beschäftigt tue oder an dem Stand anhalte.
      Als der nette Herr fragte, ob Kuchen mitnehmen möchte, bejahte ich und fragte, ob es auch noch ein Auto dazu gibt :m(:

      Fällt das unter smalltalk? Können die Einschränkungen dabei so subtil sein, dass es nicht auffällt?

      In meinem Diagnosebericht steht, ich war höflich, freundlich und eloquent.
      Ich schaute wohl eher am Therapeuten vorbei, knetete meine Hände und benutzte wenige Gesten um meine Worte zu unterstreichen.
      Außerdem war ich reflektiert und sympathisch.
      Mit den Bildergeschichte und den Emotion cards hatte ich größere Probleme.
      Wenn ich gut drauf bin und das small talk Thema mich interessiert (Hundekacke!) und klar umrissen ist, kann ich solche "zwischen Tür und Angel" (RW) Gespräche auch - vor allem, wenn es nur kurz dauert.

      Und gerade für solch "albern - gutgelaunte" Zusätze, wie deinen "Auto als Dreingabe" Scherz bin ich in meinem Umfeld bekannt.

      An schlechten Tagen antworte ich nicht / oder mit "Big Talk" auf small talk Versuche meines Gesprächspartners oder reagiere verzögert & unbeholfen auf Small Talk.
      An Tagen kurz vor dem "Übergehen" (RW) oder wenn sich die small Talk Situation zu lange hinzieht ode das Gegenüber sich nicht "an das Skript" hält, dann steig´ich überhaupt aus. (RW)
    • @Eva39, machst du eigentlich auch eine Therapie in diesem Zentrum?

      Ich stelle immer wieder fest, wie froh ich bin, nach der Diagnostik einen Therapieplatz bei einer mit ASS gut vertrauten Therapeutin "ergattert" zu haben.

      Mit ihr habe ich die auftretenden Zweifel gut bearbeiten können, die - laut ihr - zum Prozess des Annehmens der Diagnose völlig dazugehören.

    • Ich weiß ja nicht, was ihr genau geredet habt, aber ich hätte das nicht als Smalltalk bezeichnet.
      Es ist ja nicht Sozialisierung Zweck gewesen, so sieht es aus.
      Natürlich kann ich auch antworten auf Fragen und Fragen stellen, wenn das gegen Autismus spricht, dann dürften so ziemlich alle Autisten, die ich kennen lernen durfte, keinen Autismus haben.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Je nach Situation und Tagesverfassung kann ich echt witzig rüberkommen! :d

      Mein Vater war so ein Späßchenmacher, der hatte immer einen lustigen Spruch auf den Lippen, und da ich ein gutes Gedächtnis habe, konnte ich mir da vieles abgeschauen. Das hilft mir oft in solchen Situationen weiter.

      Leider gibt es aber auch viele Tage, an denen ich sehr überlastet bin und nicht gut drauf, dann ist mir das alles zu viel, und ich kriege die einfachste Unterhaltung nur mit Mühe hin, geschweige denn, dass ich die Leute anschauen könnte. x(

      Das ist dann gerade für mein direktes Umfeld oft schwer zu verstehen, ich wirke dann launisch und arrogant bin aber einfach nur überfordert. Das kann ich in solchen Momenten aber auch nicht mitteilen. :(
    • Ich greife das Thema hier nochmal auf. Momentan plagen mich enorme Zweifel an der Diagnose. Ich würde der Diagnostikerin am liebsten noch mehr Videomaterial aus meiner Kindheit schicken (was ich ihr gegeben habe, war schon viel - ich musste mich auch arg begrenzen, weil ich ihr gerne alles gegeben hätte, aber vielleicht war es doch nicht genug oder die falsche Wahl.).
      Ich habe schon eine Email verfasst, diese aber noch nicht abgeschickt. Ich dachte, ich lese hier erstmal und schreibe meine Zweifel hier auf.
      Ich denke auch, ich sollte mir schnellstmöglich einen Therapeuten suchen.

      Ich fühle mich so haltlos.
    • Stalaggh wrote:

      LailandaDemia wrote:

      Momentan plagen mich enorme Zweifel an der Diagnose
      Warum?
      Weil ich mir seit jeher vorkomme, wie ein Simulant, da ich auch immer einmal wieder für kurze Zeit nichts von meinen Defiziten, unter denen ich leide, wahrnehme (ähnlich wie oben beschrieben).
      All die Jahre habe ich mich für verrückt, faul, dumm usw gehalten und nun gibt es für die meisten Probleme, die ich habe, eine Erklärung - von einer Spezialistin bestätigt. Kommt mir noch sehr surreal vor.

      Jetzt gerade geht es auch wieder.
    • Wenn die eigenen emotionalen sowie die "Umgebungs- und Personenparameeter" stimmen, dann kann iich mittlerweile prima smalltalken.
      Was sofort weg ist, wenn ich emotional belastet bin, z.B. aufgrund vorher negativ Erlebtem, wenn die Situation eine gefühlte Wichtigkeit hat, ich zu sehr mit aktievem Ausblenden von Außenreizen beschäftigt bin wie z.B. bei Lärm,, oder irgend etwas bei der anderen Person bzw in der Situation sich "unstimmig" anfühlt.
      An einer Hauptverkehrsstraße z.B. kann ich es z.B. definitiv nicht
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Es kommt bei mir wohl ähnlich wie bei @Happy to be auf die Situation an. Wenn ich z.B. schlecht geschlafen habe, die Situation nicht so recht unter Kontrolle habe oder den Plan nicht weiß oder dieser nicht annähernd eingehalten wird, dann die Sonne noch kräftig scheint während ich müde bin, dann sind das die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für Smalltalk. Dann will / muss ich einfach nur noch weg, selbst, wenn die Personen mir an sich sympathisch sind.

      Optimale Bedingungen wären wohl, wenn es nicht zu viele Nebengeräusche gibt - also eine eher ruhige Umgebung. Etwas Lärm kann schon sein, jedoch in der Intensität nicht lauter als die Stimme die ich hören will und auch keine sich gegenseitig überlagernden Geräusche. Smalltalk habe ich an sich gut drauf - muss nur aufpassen, dass ich "mein Thema" anbringe und dann nicht mehr aufhöre mit Reden :oops:
      Ansonsten: Na klar, heute ist es aber wieder schmuddelig oder wann scheint denn mal wieder die Sonne? Oder: Dann wenn man ihn braucht, hat man den Regenschirm nicht dabei. Ich finde das nett.
      Stolzer Papa von Autinaut (HFA) :nod: - und einander irgendwie ähnlich... und doch anders...

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