nie gelernt richtig zu faken?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • nie gelernt richtig zu faken?

      In meinen 'depri-Phasen' werde ich oft regelrecht süchtig nach Serien und Filmen; so wie jetzt momentan. Das Witzige: Ein Satz aus solch einer Serie hat mich heute so richtig gepackt. Vielleicht liegt es auch am Kontext, aus dem dieser Satz stammt? Die Serie schaue ich momentan auf Netflix, sie heißt: The Society. Episode 5; es geht um ein anstehendes Gericht. Den Kontext finde ich so verblüffend, weil es um ein Dorf voller Jugendlicher geht, die ohne Erwachsene klar kommen müssen; es geht zivilisierter zu als bei 'Der Herr der Fliegen'.
      Jedenfalls lehnt Person B ab einen Verdächtigen vor Gericht zu vertreten, weil sie keine Ahnung von dem Ganzen hat und nur alles faken würde. Darauf hin Person A: "Wir faken hier alle."

      Was, wenn es wirklich stimmt? Was ist, wenn dieses 'faken' etwas ist, was in der Kindheit 'spielen' ist, aber später Wirklichkeit wird? Über eine natürliche Veranlagung zum 'ausprobieren' nivellieren NT's ihr Verhalten aus, bis sie lernen wie sie sich geben müssen, um ihre Person (das, was sie in sich spüren und auch nach außen sein wollen) nach außen zu tragen. Mich hat das so gepackt, weil ich mich fragte: Was ist, wenn dieses 'so tun als ob' für andere so selbstverständlich wird, bis sie selbst daran glauben? Also das NT's quasi ihr Verhalten faken, weil, auf Reaktion folgt Gegenreaktion; ob nonverbal oder verbal - jedenfalls lässt sich Kommunikation so 'besser' führen; wie eine zweite Ebene von Sprache. Übrigens, wer hatte in seiner Kindheit je bewusst darüber nachgedacht, dass er/ sie sprechen lernt? Ich habe darüber zumindest nie nachgedacht; ich habe einfach nur 'richtig' sprechen wollen.

      Der Knackpunkt für mich: Ich habe oft versucht, einfach ich selbst zu sein. Warum? Weil man mir immer sagte, ich solle 'einfach ich selbst sein' - mir selbst war aber schon sehr früh klar, dass dies vielleicht ein Konzept für andere ist, aber nicht für mich. Bis vor einem Jahr habe ich sogar den Satz: "Du musst dich selbst annehmen, wie du bist", mir fast immer bildlich vorgestellt und darüber lachen müssen. (Wenn ich mich annehmen soll, muss mich mir doch jemand reichen; nicht? Das geht doch nicht!) Oder: Gedanklich bei sich bleiben. (Wo soll man gedanklich denn sonst sein; mein Gehirn hält sich doch immer mit mir am gleichen Ort auf!)
      Was ist, wenn dieses 'sei einfach du selbst' ähnlich ist wie: 'Sich selbst annehmen'/ 'bei sich selbst bleiben', ist? Heißt, für NUT's einfach so irreführend ist, das man es einfach falsch verstehen muss.
      Ist für NT's 'man selbst' das Programm, auf das man sich durchs faken konditioniert hat? Unbewusst selbstverständlich - oder doch nicht ganz? Vielleicht wissen viele NT's, dass sie sich verstellen, weil das Kultur ist. Und so wie sie ihre Sprache automatisch nach einem festen Satzbau/ Grammatik formen, so automatisch geschieht dies mit ihrer Mimik, ihrem Verhalten - daraus werden sie gleichzeitig die Person, die sie sein möchten; durch verstellen und anpassen. Dieses 'sich verstellen' wollen die meisten vielleicht aber nicht zugeben, weil "einfach man selbst sein" einem ein besseres Image gibt?

      Mir persönlich bedeutet dieser Gedanke sehr viel...
      Aber davor: Was denkt ihr darüber? Ist das sehr wirr, was ich geschrieben habe? Ich hoffe sehr, Jemand kann dies nach vollziehen und mir dazu antworten :)
    • Allmählich beunruhigt es mich, weil keine Reaktionen kommen^^. Ich frage mich, ob das was ich geschrieben habe etwas zu 'selbstverständliches' ist, oder etwas total dämliches, deshalb möchte ich es nun doch etwas konkretisieren.

      Im Studium bin ich Professoren oder Kommilitonen gegenüber schon allgemein verunsichert. Diese Basis Nervosität wird noch dadurch verschlimmert, dass ich nicht alle Normen und Regeln für meinen Fachbereich abrufbereit im Kopf habe. Ich weiß, dass selbst meine Professoren (und Kommilitonen) das auch nicht haben - aber aus irgendeinem Grund finde ich das nicht schlimm; ich denke dann meist: "Okay, vielleicht fiel es ihnen jetzt gerade nicht ein und dafür wissen sie aber vieles andere", oder ich denke sogar Dinge wie: "Auch wenn sie das nicht wissen, sind sie im Gegensatz zu mir wenigstens 'vollständige' Menschen, deshalb dürfen sie etwas wichtiges auch mal nicht wissen." Ich weiß, das ich vom Prinzip auch ein vollständiger Mensch bin, aber praktisch hilft mir das nicht, weil ich mich nicht wie einer fühle.
      Mit viel Wissen gerüstet zu sein beruhigt mich, aber so viel wie ich gerne hätte kann ich mir kaum anlernen. Deshalb denke ich mir: "Tu doch einfach so, als wäre das in Ordnung. Vielleicht wird es auch irgendwann auch wirklich in Ordnung für dich selbst sein?" Dies war der Hauptgedanke hinter dem Ganzen.
      Jetzt wo ich das aber so ausformuliere frage ich mich gleichzeitig, ob das nicht einfach doch wieder auf eine Form von Selbstbetrug hinausläuft. Der Unterschied zum Selbstbetrug den ich bislang ausübte (so zu tun und mir einzureden es wäre alles immer 'okay und gut'), wäre der, dass ich mir bei diesem hier des Gegenteils bewusst bin und ich weiß, dass ich nur am schauspielern bin, ich würde zu meinen Wissenslücken stehen und es okay für mich wäre, nicht alles immer abrufbereit in meinem Kopf haben zu müssen.

      Ich frage mich halt, ob es passende Denkmuster gibt, die sich angewöhnen lassen und mir helfen könnten den Alltag besser zu überstehen und weniger streng mit mir selbst zu sein. Denkmuster, die sich am besten irgendwann zu Selbstläufern automatisieren.
    • Wenn ich "faken" lese muss ich mich ziemlich gruseln, weil das wort alles repräsentiert was ich ablehne.
      Es gibt heutzutage ja diese idee von "fake it till you make it", das finde ich furchtbar.

      Ich glaube aber nicht, dass die meisten menschen nennenswert faken. Das ist etwas für geltungssüchtige narzisten und selbstdarsteller mit völlig übertriebenen erwartungen an sich selbst. Die meisten menschen scheinen in der hinsicht jedoch recht normale und gesunde erwartungen an sich selbst zu haben.

      Ich denke eher, dass dieses "du selbst sein" für die meisten menschen einfach deswegen kein großes problem darstellt, weil sie einfach zu angepasst, konventionell, langweilig und normal sind. Wenn man dabei auf keinerlei nennenswerten widerstand trifft, dann fällt es einem logischerweise sehr leicht man selbst zu sein.

      Was soll man groß faken wenn die größten fragen im leben sind: auf welche perty geh ich am wochenende? Was für felgen mach ich mir an mein auto? Wohin fahr ich in den nächsten urlaub? Wer von den vielen bekannten hilft mir die terasse zu pflastern?

      Wenn man natürlich aus welchem grund auch immer von der norm abweicht, dann wird es schwer man selbst zu sein, weil man dann schnell auf ablehnung oder sogar hass trifft und andauernd negative erfahrungen macht.


      Was du im zweiten beitrag ansprichst scheint aber mehr in die richtung "sich selbst genügen" zu gehen als in die richtung "du selbst sein."
      Die meisten menschen sind schon mit sich selbst zufrieden wenn sie etwas soeben hinkriegen, andere stellen viel zu hohe ansprüche an sich selbst.

      Das blöde ist, dass man dieses gefühl "nicht zu genügen" so schwer loswird. Bei mir helfen auch keine erfolge und kein lob von außen, weil innerlich fühle ich trotzdem immer wie ungenügend etwas ist. Normalen menschen ist sowas meistens einfach scheissegal.
    • Ich glaube, dass viele Menschen sich gar ncht so viel Gedanken machen, wer dieses Ich eigentlich ist. Sie probieren einfach verschiedenes aus, Das was sich gut und riichtig und passend für sie anfühlt, bzw wofür sie positive, gute Gefühle auslösende Reaktionen bekommen, wird beibehalten ud dann ist das das "Ich".

      Vielleicht ist der Unterschied, dass das Ausprobieren selbst als Aktivität des Ich wahrgenommen wird.
      Während ich das früher eher getrennt vom Ich, also Nicht-Ich gesehen habe.
      Und es sich um so "künstlicher" anfühlter, je weniger ich das, was ich da "ausprobierte" auch ausprobieren wollte.

      Letztendlich ist das Ich ja keine feststehende Größe, sondern etwas, das sich entwickelt.
      Jede Erfarung gibt wieder etwas in das Ich hinein, das Ich macht mit dem, was schon drin ist, etwas aus dem Hineingebenen, und baut das Ergebnis dann ins Ich ein.
      Die Frage ist nur, was man mit dem macht, das hineingegeben wird, "wo man es hinpackt" und wie man es bewertet.

      Insofern entscheidet man letztendlich selbst, wer man sein will bzw zu wem man sich entwickeln will. Und je nachdem, was schon alles drin ist, das sich ja auch entwickeln will, kann es zu Kollisionen kommen mit dem, was von außen an Erfahrungen hineinkommt.

      Brecht schrieb mal diesen Kurzmonolog:
      Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ‚Sie haben sich gar nicht verändert.‘ ‚Oh!‘ sagte Herr K. und erbleichte.“D

      Nachdem es mich zerlegt hatte, hatte ich gar kein Gespür mehr für mein Ich. Musste das erst wieder entdeckten. Und entdeckte dabei auch ganz neues, das ich vorher gar nicht von mir kannte. Heute bin ich einfach nur noch neugierig, was wohl noch so drin ist und so aus mir wird durch das, was ich mit dem mache, was so auf mich zukommen wird.
      Es wird auf jedenfall "mehr" :) .
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Ein Thema das Fragen in mir aufwirft merke ich.

      Ich finde erstmal, dass sich faken eher gruselig anhört, weiss aber nicht, inwiefern man dem überhaupt entgehen kann und was genau das ist.
      Ist man wahrhaftig, wenn man nicht faked?
      Oder ist Faken und Wahrhaftigsein ein "Äpfel mit Birnen" vergleichen "?

      Gibt es Menschen, die immer wahrhaftig sein können?
      Ich bin das gerne, aber gelingt es mir immer?

      Ich bin froh, wenn ich Fake zumindest erkenne und ggfls. ändern kann.
      Und/oder zumindest bewusst damit unmgehen kann.

      Kann auch ein aufgesetztes Schutzlächeln wahrhaftig sein, eben weil es eine bewusste Funktion erfüllt für mich?

      Schon wieder so ein Thema, das ich gar nicht so einfach mal eben greifen kann.

      Und frage mich, inwiefern es nicht wirklich sogar normal bzw. erwüschnt ist zu faken, heutzutage.
      Der ganze Konsum, was daran ist schon wirklich notwendig, ist da nicht vieles ein sich und anderen etwas vormachen?
      Es befriedigt so vieles nicht wirklich, geht am Wesen des Menschen vorbei finde ich.

      Es gibt z.B. Seitensprungagenturen.
      Seitensprünge sind für mich ein Sinnbild des fakens sich selbst und dem anderen gegenüber, wenn es um Beziehung geht.
      Für andere wiederum ist es... normal.... sogar hilfreich?

      Psychomedis werden en masse verkauft und eingenommen.
      Ein Fakezustand für die Psyche?
      Oder auch einfach bewusst eingesetzter Schutz und somit doch kein Fake?

      Sternschnuppe wrote:

      Was soll man groß faken wenn die größten fragen im leben sind: auf welche perty geh ich am wochenende? Was für felgen mach ich mir an mein auto? Wohin fahr ich in den nächsten urlaub? Wer von den vielen bekannten hilft mir die terasse zu pflastern?
      Kann es denn nicht auch sein, dass Menschen, die sich primär damit auseinandersetzen eben nicht mitbekommen, dass sie ständig faken?
      Oder ist deren tiefstes wahrhaftigstes Anliegen im Leben die Terasse?
      Vor lauter Lebensfragen bearbeiten wüsste ich dafür nicht, wen ich fragen könnte mir bei der Terrasse zu helfen, wenn ich denn eine hätte...
      Ich weiss es echt nicht und komme mir bei dem Thema gerade... eher wirr vor :o

      Juli_K wrote:

      Ist das sehr wirr, was ich geschrieben habe?
      Ich weiss es nicht :o :lol: Zumindest kann ich nachvollziehen, dass das Thema Dich beschäftigt und keine klaren Antworten sofort da sind :roll: .
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy

      The post was edited 4 times, last by ifi ().

    • Sternschnuppe wrote:

      Wenn ich "faken" lese muss ich mich ziemlich gruseln, weil das wort alles repräsentiert was ich ablehne.
      Es gibt heutzutage ja diese idee von "fake it till you make it", das finde ich furchtbar.
      Sah ich bis vor kurzem ebenfalls so. Gerade hinterfrage ich es.
      Beispiel: Neuerdings gehe ich wieder zum Ballett; seit 23 Jahren wieder. Erstaunlicherweise erinnert mein Körper sich noch an so manche Bewegungen, die ich mit 7 gelernt hatte, aber das meiste 'fake' ich. Ich improvisiere, tue so als ob - "fake it till you make it". Nun handelt es sich hier um ein Hobby, mit dem ich kein Ziel verfolge, außer mich sportlich zu betätigen.
      Beim Vergleich von Bewegungen und Verhalten besteht eine Diskrepanz, aber auch eine gewisse Nähe.

      Sternschnuppe wrote:

      Wenn man dabei auf keinerlei nennenswerten widerstand trifft, dann fällt es einem logischerweise sehr leicht man selbst zu sein.
      Dieser Satz hat mich richtig getroffen. Ich hätte auf der Stelle weinen können.

      Sternshcnuppe wrote:

      Was du im zweiten beitrag ansprichst scheint aber mehr in die richtung "sich selbst genügen" zu gehen als in die richtung "du selbst sein."<br style="background-color: transparent; color: rgb(46, 46, 46); font-family: Tahoma,Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: 14.33px; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: left; text-decoration: none; text-indent: 0px; text-shadow: none; text-transform: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; white-space: normal; word-spacing: 0px;">Die meisten menschen sind schon mit sich selbst zufrieden wenn sie etwas soeben hinkriegen, andere stellen viel zu hohe ansprüche an sich selbst.<br style="background-color: transparent; color: rgb(46, 46, 46); font-family: Tahoma,Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: 14.33px; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: left; text-decoration: none; text-indent: 0px; text-shadow: none; text-transform: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; white-space: normal; word-spacing: 0px;"> <br style="background-color: transparent; color: rgb(46, 46, 46); font-family: Tahoma,Arial,Helvetica,sans-serif; font-size: 14.33px; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; orphans: 2; text-align: left; text-decoration: none; text-indent: 0px; text-shadow: none; text-transform: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; white-space: normal; word-spacing: 0px;">Das blöde ist, dass man dieses gefühl "nicht zu genügen" so schwer loswird. Bei mir helfen auch keine erfolge und kein lob von außen, weil innerlich fühle ich trotzdem immer wie ungenügend etwas ist. Normalen menschen ist sowas meistens einfach scheissegal.
      Hiermit triffst du auch eins meiner persönlichen Kernthemen. Eine Lösung dafür zu finden zu wollen ist bei mir oft gleichzeitig auch die Quelle innerlicher Schmerzen.

      Weshalb ich mir auch oft als "ungenügend" vorkomme ist auch, dass ich denke mir mein Recht auf einen Platz hier erst verdienen zu müssen. Oder, da ich bereits von Geburt einen Platz bekommen habe, dem auch gerecht werden zu wollen. Aber dies sind meine Ansprüche, denen ich nicht gerecht werde.
    • Chch wrote:

      Also ich habe bisher nicht geantwortet, weil ich lange drüber nachdenken musste, was genau Du meinst. Faken? Ich komm da immer noch nicht so ganz hinter. Hast Du vielleicht ein Beispiel, wie NTs faken?
      Eine Gruppe von Leuten, die sich nicht kennen, wird zusammengestellt, um eine Aufgabe zu lösen. Auch wenn sie sich nicht kennen, fangen sie an zu arbeiten, als wenn alles so wäre wie es sein sollte. Dabei kommt es mir manchmal so vor, als würden die anderen dieses 'mit den anderen zurecht kommen' erst nur faken, ehe sie mit der Zeit dann irgendwie erspüren, mit wem sie wirklich zurecht kommen, und sich dann fließend mit diesem Personen arrangieren.

      Oder Auszubildende oder Studenten in Praktiken im Kundenservice; irgendwann haben sie das Selbstbewusstsein als 'kompetent' aufzutreten, sprechen sich mit dem Kunden ab, drehen sich um und fragen ganz selbstbewusst den nächsten Angestellten um Hilfe - und alles ist irgendwie 'in Ordnung'. (Jedes Mal wenn ich so etwas beobachte komme ich ins staunen.)

      Ich hoffe, dass dies passende Beispiele sind...

      Happy to be wrote:

      Ich glaube, dass viele Menschen sich gar ncht so viel Gedanken machen, wer dieses Ich eigentlich ist. Sie probieren einfach verschiedenes aus, Das was sich gut und riichtig und passend für sie anfühlt, bzw wofür sie positive, gute Gefühle auslösende Reaktionen bekommen, wird beibehalten ud dann ist das das "Ich".
      So in etwa stelle ich es mir auch vor! Indiz dafür ist auch, wenn andere regelrecht schockiert sind wenn sie hören, welche Gedanken ich mir rund um eine Situation herum so mache, während sie nicht einmal auf die Idee kommen würden, sich solche Gedanken zu machen. (Und mittlerweile spreche ich solche Dinge auch nicht mehr an, weil ich die Reaktionen 'das ist doch so einfach; entspann dich doch einfach' nicht mehr hören mag.)

      Happy to be wrote:

      Vielleicht ist der Unterschied, dass das Ausprobieren selbst als Aktivität des Ich wahrgenommen wird.
      Während ich das früher eher getrennt vom Ich, also Nicht-Ich gesehen habe.
      Und es sich um so "künstlicher" anfühlter, je weniger ich das, was ich da "ausprobierte" auch ausprobieren wollte.
      Jetzt wo ich das lese komme ich mir nur noch halb so verrückt vor; ich danke dir. Ich weiß nicht ob ich es je geschafft hätte so aus zu drücken.
      Laut dem ist etwas (auch noch selbstbewusst) 'aus zu probieren' nichts künstliches, weil es aus einem Selbst kommt. Während es aus einer anderen Perspektive sich auch als faken bezeichnen lässt.
      Für mich fühlt sich alles um so künstlicher an, je weniger ich den Sinn dahinter verstehe. (Sich dafür zu bedanken wenn man etwas bekommt, worum man nie gebeten hat. Erst tat ich es nur aus gesellschaftlichem Zwang; es fühlte sich künstlich an, und nach einigen Erklärungen von meiner Mutter wurde mir dieses Verhalten zu einer Selbstverständlichkeit.

      Happy to be wrote:

      Letztendlich ist das Ich ja keine feststehende Größe, sondern etwas, das sich entwickelt.
      Jede Erfarung gibt wieder etwas in das Ich hinein, das Ich macht mit dem, was schon drin ist, etwas aus dem Hineingebenen, und baut das Ergebnis dann ins Ich ein.
      Die Frage ist nur, was man mit dem macht, das hineingegeben wird, "wo man es hinpackt" und wie man es bewertet.

      Insofern entscheidet man letztendlich selbst, wer man sein will bzw zu wem man sich entwickeln will. Und je nachdem, was schon alles drin ist, das sich ja auch entwickeln will, kann es zu Kollisionen kommen mit dem, was von außen an Erfahrungen hineinkommt.
      Ich habe gelesen, das Menschen mit einem Glauben an ihre Selbstwirksamkeit glücklicher sind als jene, die sich oft dem Ganzen ausgeliefert fühlen. Mein Glaube an die Selbstwirksamkeit, an meine Freiheit, ist in den letzten Jahren regelrecht eingestürzt. Ich hätte selbst nie gedacht, dass ich mich selbst irgendwann als 'Opfer' fühlen würde. Aus diesem Zustand möchte ich wieder raus.

      Happy to be wrote:

      Brecht schrieb mal diesen Kurzmonolog:
      Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ‚Sie haben sich gar nicht verändert.‘ ‚Oh!‘ sagte Herr K. und erbleichte.“D
      Nachdem es mich zerlegt hatte, hatte ich gar kein Gespür mehr für mein Ich. Musste das erst wieder entdeckten. Und entdeckte dabei auch ganz neues, das ich vorher gar nicht von mir kannte. Heute bin ich einfach nur noch neugierig, was wohl noch so drin ist und so aus mir wird durch das, was ich mit dem mache, was so auf mich zukommen wird.
      Es wird auf jedenfall "mehr"
      Vielen Dank für deine Worte.
      Ich erinnere mich noch etwas vage daran, dass es durch oder aus dieser gewissen Neugier heraus auch für mich mal möglich war, Kraft und Selbstbewusstsein aus mir selbst zu schöpfen; auch ohne etwas faken zu müssen. Momentan bin ich auf der Suche nach meinem Ich. Vor einem halben Jahr sagte ich sogar über mich Selbst, ich hätte das Gefühl, einfach ein Persönlichkeitsloses Neutrum zu sein; aber zu solch einer Selbstwahrnehmung hat vermutlich auch die Depression bei getragen.
    • ifi wrote:

      Ist man wahrhaftig, wenn man nicht faked?
      Oder ist Faken und Wahrhaftigsein ein "Äpfel mit Birnen" vergleichen "?
      Kann auch ein aufgesetztes Schutzlächeln wahrhaftig sein, eben weil es eine bewusste Funktion erfüllt für mich?
      Das ist die Frage... Und was hat es mit diesem Wahrhaftig sein auf sich? Geht dem Handeln voraus oder kommt das einfach so zustande?

      ifi wrote:

      Schon wieder so ein Thema, das ich gar nicht so einfach mal eben greifen kann.
      Danke, dass du dennoch deine Gedanken dazu teilst.

      iti wrote:

      Und frage mich, inwiefern es nicht wirklich sogar normal bzw. erwüschnt ist zu faken, heutzutage.
      Der ganze Konsum, was daran ist schon wirklich notwendig, ist da nicht vieles ein sich und anderen etwas vormachen?
      Es befriedigt so vieles nicht wirklich, geht am Wesen des Menschen vorbei finde ich.
      Ich würde das 'heutzutage' gegen ein kulturell eintauschen, wenn ich in Gedanken Geschichtlich zurück gehe; Einsprüche sind natürlich erlaubt und auch erwünscht.

      iti wrote:

      Seitensprünge sind für mich ein Sinnbild des fakens sich selbst und dem anderen gegenüber, wenn es um Beziehung geht.
      Für andere wiederum ist es... normal.... sogar hilfreich?
      Psychomedis werden en masse verkauft und eingenommen.
      Ein Fakezustand für die Psyche?
      Oder auch einfach bewusst eingesetzter Schutz und somit doch kein Fake?
      Kann es denn nicht auch sein, dass Menschen, die sich primär damit auseinandersetzen eben nicht mitbekommen, dass sie ständig faken?Oder ist deren tiefstes wahrhaftigstes Anliegen im Leben die Terasse?
      Vor lauter Lebensfragen bearbeiten wüsste ich dafür nicht, wen ich fragen könnte mir bei der Terrasse zu helfen, wenn ich denn eine hätte...
      Ich weiss es echt nicht und komme mir bei dem Thema gerade... eher wirr vor
      Ich weiss es nicht Zumindest kann ich nachvollziehen, dass das Thema Dich beschäftigt und keine klaren Antworten sofort da sind .
      Wenn ich das so lese finde ich diese anfallenden Fragen umso spannender als Antworten.
      Wobei meine dem übergeordnete Frage wäre: Wie verhält man sich inmitten von Menschen, die diese Hintergründe nie hinterfragen? Die einen entsetzt ansehen würden, sollte man selbst sie mal fragen?
      Oder, wenn Jemand von außen mein Verhalten in diese Richtung hinterfragen würde...! Wobei, mich würde das vermutlich zum lachen bringen und in mir den Wunsch aufkommen lassen, solche Wiedersprüche aus zu merzen.
    • Nach dem lesen hier fühlt sich mein Grübeln irgendwie angenehmer an. Und über den Anklang und die weiteren Fragen freue ich mich auch.
      Was ich auch noch erwähnen möchte: Am liebsten ist es mir, und auch am natürlichsten, einfach ehrlich zu sein. Aber damit stolpere ich manchmal von einem Fettnäpfchen nur so ins nächste (RW). Anderswo würde man mir sagen: "Hör auf zu jammern." Aus meiner Sicht ist das kein jammern, sondern bloß ein nicht ganz psychisch schmerzfreies Hinterfragen :)

      Lieben Dank noch mal für eure Antworten!
    • Wenn man etwas noch nicht gut - also perfekt - kann, und beginnt, das zu lernen, fühlt es sich immer unvertraut an, und dann ist ja das Erkennen des unperfekt, WEIL noch kein vertrautes Gefühl dazu.


      Selbst wenn es von außen für andere richtig aussieht, IN mir ist aufgrund dieses gefühlten unperfekt dann dieses "Fake"-Gefühl. Erst mit vielen Wiederholungen wird das dann vertraut, und das "Fake"-Gefühl geht weg.

      Ich glaube, es kommt daher, dass mir manches einfach so leicht fiel, so dass ich da gar nicht "lernen" musste, also den Prozess von gar nicht können über nicht so gut können, dann zu prinzipiell können, aber nicht immer abrufbar zum "internalisiert als Teil des natürlichen Ichs" nicht gehen musste.

      Theoretisch war mir das bekannt, so konnte ich das meinem Sohn bei seinen Lernschwierigkeiten erklären, er hat gelernt, sich "neu zu lernendes" einfach ganz hartnäckig zu erarbeiten.

      Ich dagegen, die das als Kind nicht erklärt bekommen habe hänge hier hinterher. Auch weil so viele "bist du blöd"-Situationen in meinem Kopf sind, bei denen ich einfach nicht so lernen konnte wie die anderen - klar ich wusste ja nicht, wie "lernen" geht.
      Bei so ziemlich allem, das ich nicht schon kann bzw das ganz neu ist, taucht so ein Scheißgefühl auf, das mich zurückschrecken lässt, mich überhaupt damit zu beschäftigen. Und wenn ich es doch mache, dann sind da die "Blöd"-Gedanken, über die ich hinweg kommen muss, dann die fehlende Lernroutine, also die Mühe, die es macht - also auch hier "blöd"-Gedanken.....

      Als Vera Birkenbihl mal in einem Vortrag beschrieb, dass Aspies einfach länger brauchen, um etwas ganz Neues zu lernen, hat mich das zumindest entlastet.
      Am ANFANG brauche ich länger, macht es mir mehr Mühe, sind diese inneren Blockaden zu überwinden, WENN das aber geschehen ist, dann klappt es immer besser und schneller und DANN wird es oft sogar perfekt.

      Dazu lerne ich anders. Ich muss das zu lernende "zerlegen". Selbst Bewegungen im Tanz kann ich nicht einfach nachmachen. Solange mir nicht klar ist, welche Muskelgruppen beteiligt sind, wie die Bewegung sich genau im Raum "verteilt" und was in welcher Reihenfolge genau, verstehe ich nicht.
      Bewusst wurde mir das, als mal ein Tanzlehrer auf diese Weise erklärte. Er verwendete Winkelmaße "Arm 45 Grad nach oben gerade vorn" oder "hier spannst du schon die Rückenmuskeln an als Vorbereitung für....". Bei diesem hab ich dann tanzen gelernt und konnte später mir dann selbst erklären, was andere vormachen, bzw gezielt nachfragen.

      Das eine ist also die Überwindung der aspienatürlichen Hindernisse aufgrund des Bedürfnisses nach "perfekt "-Gefühl, das andere die "analytische und dann kleinstschrittige Lernmethode am Anfang jedes "Neu".

      Ebenfalls hilft es mir, mir, genau wie bei der Orientierung an neuen Orten, auf neuen unbekannten Wegen, oder in neuen Strukturen, erst mal zu akzeptieren, DASS sich mir das nicht "von selbst" erschließt und ich mehr Zeit brauche. Dass ich alles "durchanalysieren" muss, und mir dann "Wegmarker" setzen muss, an denen ich mich von einem Schritt zum nächsten "entlang hangele".

      Beispiel: Jemand Unbekanntes anrufen müssen. Besonders schlimm, wenn ich was für mich will oder brauche.
      Hier wirkt dann auch dieses "sich nicht berechtigt denken, irgendwas von anderen zu wollen", das überwunden werden will, denn für andere so was zu erledigen fällt leichter.

      Jedes mal Scheiß-Gefühl
      Aber, das ist nun mal so. Zu mir gehört, jedesmal am ANFANG dieses Gefühl zu haben.
      Prinzipiell geht es ja "nur" um ene Telefonat.
      Also ein relativ klarer Ablauf.
      Wegmarker:
      "Guten Tag, mein Name ist, ich habe folgendes anliegen.
      Fragestellung klar formuliert sagen, bedanken wenn Antwort, eventuell freundlich nachfragen, und wenn keine Antwort möglich, nachfragen, ob dort eine Idee ist, wer hierzu weiter helfen könnte, dann "Vielen Dank, wünsche ihnen noch einen schönen Tag", egal wie die Antwort hier war.

      Das bedeutet, sich vorher selbst klarzumachen, und vllt aufzuschreiben, was genau man von dieser Person möchte bzw wissen möchte.
      Oder eben vorher mitzuteilen "Ich hab ein Problem, weiß aber nicht genau, wie formulieren" und dann loslegen - meist hilft dann das Gegenüber dabei, erst mal die Problemstellung herauszuarbeiten.

      Ich glaube, dass viele in solchen Situationen unbewusst auch noch erwarten, dass der andere über all die mitmischenden miesen Gefühle und Gedanken hinweg hilft, also ausdrücklich eine "Erlaubnis" gibt. Von denen der ja gar nichts wissen kann und sie vllt gar nicht kennt, also auch nicht wiedererkennt. Das fehlen dieser "ausrücklichen persönlichen Erlaubnis" wird dann als "Ablehnung" interpretiert. Darauf dann frustriert zu reagieren kommt dort als "ungerecht" an - und die Reaktion ist dementsprechend.

      Da ich aber, je hilfsbedürftiger/abhängiger ich von "der anderen Seite" bin, je wichtger die Angelegenheit ist, je mehr dieser "blöd/schwach/nichts wollen dürfen"-Botschaften in mir aktiv sind, um so weniger Worte finde - diese blöde Gedanken-Miesgefühls-Spirale abwärts geht ja automatisch los, geht es erst mal darum, aus der rauszukommen, bevor ich zum Hörer greife.

      Hier hilft "Kein Mensch kann alles wissen", "Nicht wissen ist nicht gleich doof", "jeder Mensch braucht mal zu irgendwas Hilfe und darf darum bitten, ich bin ein Mensch, also darf ich das auch" - Sätze, die ich mir sogar manchmal laut vorspreche.
      Um mir dann wieder den allgemeinen Ablauf klarzumachen und meine Fragen vorher zu strukturieren ud evtl aufzuschreiben und daneben zu legen, auch um mir Notitzen machen zu können. Je mehr zu überwindende mentale und emotionale Blockaden, desto geringer meine Merkfähigkeit.

      Obwohl ich damit schon so viele gute Telefonate geführt habe, sich sogar manchmal angefragte Stellen für das nette Telefonat bedanken, es immer wieder am Anfang schwierig - nur das nach dem Anfang ist heute leicht. Ist der Anfang erst mal gemacht......

      Das Wissen hilft aber nur, sich daran zu gewöhnen, dass das miese Gefühl am Anfang da ist - wie ein "Guter Bekannter mit einer üblen Macke beim Hallo-Sagen. Die er manchmal beeindruckend zeigt". Über die sich aber manchmal hinwegsehen, manchmal nur mühsam hinweg gehen lässt, lässt, was sich lohnt, weil er dann so viel gute andere Eigenschaften zeigt.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • @Juli_K Dieses Thema treibt mich auch schon seit einer ganzen Weile um. Achtung: Ist absolut subjektiv, ich weiß nicht, ob irgendjemand anderes damit überhaupt etwas anfangen kann. Vielleicht ist ein dich ansprechender Gedanke dabei, wenn nicht, vergiss es einfach :)

      Für mich persönlich scheint das Problem darin zu bestehen, dass ich quasi vollkommen "im Kopf" lebe. Mein Überlebenstrick war, alles genauestens zu analysieren, Hypothesen aufzustellen, wie andere etwas bestimmtes hinkriegen, und das auszuprobieren. Also zu "faken", wie du das nennst. Dass ich einen Körper habe, fand ich immer nur megalästig. Ich hatte von klein auf verinnerlicht, dass meine Bedürfnisse und Impulse "falsch" oder mindestens "unpassend" sind. Hatte also hervorragend gelernt, die reflexartig zu unterdrücken und gar nicht mehr in meine bewusste Wahrnehmung zu lassen. Körperliche Wahrnehmungen gingen in Richtung "krank" - da ich zum Toughsein und Zähnezusammenbeißen erzogen wurde, habe ich mich nicht drum gekümmert.
      Mein Zusammenbruch hat es dann notwendig gemacht, mich mit ihm zu beschäftigen. Ich bin noch mitten in der Experimentierphase, aber es verändert (verbessert) meine körperliche Selbstwahrnehmung enorm: Meditation, Yoga, Lauftraining, Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur, Osteopathie...
      Ein Aha-Erlebnis hatte ich dann an einer ganz anderen Stelle, aber um dieses so zu realisieren bedurfte es meiner Einschätzung nach der o.g. Vorarbeit: Ich habe als Kind und Jugendliche sehr viel gemalt und gezeichnet, künstlerisches Gestalten "war meins", da war ich lange Zeit ganz bei mir, später war ich dann vollkommen blockiert, anderes Thema. Ein Buch, auf das mich @Linnea brachte, hat mich sehr weitergebracht, denn es hat in mir unglaublich direkt mein authentisches Ich angesprochen ("Point Zero" von Michele Cassou). Ich habe beim Lesen mit einem Mal tief in meinem Körper "etwas" gespürt, etwas Starkes, Kraftvolles, ich "wusste / verstand im Körper", was sie schrieb. Es klingt sehr komisch, wenn ich das so schreibe, fällt mir gerade auf. Ich bin alles andere als eine Esoterikerin, siehe oben, im Gegenteil durch und durch naturwissenschaftlich orientiert. Jedenfalls male ich inzwischen wieder, und ich "kann" es nur, wenn ich in mir diese Verbindung zu mir selbst spüre, die ich gerade beschrieben habe. Wenn dieses Gefühl in mir ist. Wobei "Gefühl" als Begriff irreführend ist, es ist eben nicht im Brust- / Herzbereich, sondern tief im Bauch, dort schwer zu lokalisieren, diffus, aber zugleich deutlich.
      Inzwischen kann ich diesen Zustand öfter "herstellen", auch in Situationen jenseits des Malens, aber bislang nur, wenn ich alleine bin. Ich übe es aber. Als recht hilfreich erweist sich für mich der Gedanke: "Ich muss jetzt gar nicht denken." Das hindert mich nicht am Denken an sich, zum Beispiel bin ich gerade sehr überrascht, dass ich das hier schreiben, darüber nachdenken kann, und denoch diese Wahrnehmung in mir drin durchgehend spürbar ist.

      Mir scheint für mich, dass all meine Versuche, durch Nachdenken, logische Folgerungen, rationale verhaltenstherapeutische Methoden insofern für mich nicht "erfolgreich" waren, als ich dabei immer auf der rationalen, der Kopfebene geblieben bin. Aber Identität scheint primär kein kognitives Konzept zu sein, sondern ein Erlebnis. Und Erleben ist immer untrennbar an den Körper gebunden, und es ist da, bevor es analysiert werden kann. Es kann also keine Kopfgeburt sein. Es kann nicht aus dem Nachdenken, aus der Analyse heraus entstehen. Und "faken" läuft ja über den Verstand. Ich analysiere und tue dann etwas, um etwas bestimmtes zu erreichen, und beobachte, ob es funktioniert. Daraus kann das Identitätsgefühl nicht entstehen. Es muss vorher bereits da sein und verschwindet dann auch nicht, weil man analysiert. Es ist einfach unabhängig vom Verstand, aber nicht unabhängig vom Körper. Es scheint nur möglich zu sein, dass man die Wahrnehmung verlernt / unterdrückt hat. Möglicherweise hilft es also, in die Kindheit zurück zu gehen in Situationen, in denen man wohl ganz bei sich selbst war, und diese zu wiederholen und dabei ganz in seinen eigenen Körper hineinzugehen, zu fühlen, was dieses Tun in einem auslöst, nicht, es zu analysieren. Ich denke, für mich waren die oben geschilderten "Vorarbeiten" nötig, um meine innere Wahrnehmung erst mal zu verfeinern, aber das muss sicher nicht zwingend so sein.

      So meine Theorie zum derzeitigen Stand meiner höchstsubjektiven Forschung :d

      "Faken" von NTs: Ich würde annehmen, dass Menschen, die ihr Identitätsgefühl nie verloren haben, weil sie nicht von klein auf alles analytisch durcharbeiten mussten, damit meinen, dass sie schauspielern. Sie sind immer noch sie selbst und "tun so als ob". Mir wurde schon als Kind bewusst, dass ich, um "Vater, Mutter, Kind" zu spielen, doppelt schauspielern muss: Ich musste ein Kind spielen, das "Vater, Mutter, Kind" spielt. War mir zu schwer....

      The post was edited 1 time, last by Platypus ().

    • Juli_K wrote:

      Eine Gruppe von Leuten, die sich nicht kennen, wird zusammengestellt, um eine Aufgabe zu lösen. Auch wenn sie sich nicht kennen, fangen sie an zu arbeiten, als wenn alles so wäre wie es sein sollte. Dabei kommt es mir manchmal so vor, als würden die anderen dieses 'mit den anderen zurecht kommen' erst nur faken, ehe sie mit der Zeit dann irgendwie erspüren, mit wem sie wirklich zurecht kommen, und sich dann fließend mit diesem Personen arrangieren.

      Oder Auszubildende oder Studenten in Praktiken im Kundenservice; irgendwann haben sie das Selbstbewusstsein als 'kompetent' aufzutreten, sprechen sich mit dem Kunden ab, drehen sich um und fragen ganz selbstbewusst den nächsten Angestellten um Hilfe - und alles ist irgendwie 'in Ordnung'. (Jedes Mal wenn ich so etwas beobachte komme ich ins staunen.)
      öh... äh... hm.


      DAS ist mit "faken" gemeint? Die beiden Beispiele stecke ich eher in die Kategorie "spontan professionell auf eine Situation einstellen". Ich mache das auch immer so, wenn etwas ausserhalb meiner Gewohnheiten ist. "Einfach machen".

      Faken hört sich so gelogen an. Ich glaub, ich definiere das Wort falsch...
    • Platypus wrote:

      Ein Aha-Erlebnis hatte ich dann an einer ganz anderen Stelle, aber um dieses so zu realisieren bedurfte es meiner Einschätzung nach der o.g. Vorarbeit: Ich habe als Kind und Jugendliche sehr viel gemalt und gezeichnet, künstlerisches Gestalten "war meins", da war ich lange Zeit ganz bei mir, später war ich dann vollkommen blockiert, anderes Thema. Ein Buch, auf das mich @Linnea brachte, hat mich sehr weitergebracht, denn es hat in mir unglaublich direkt mein authentisches Ich angesprochen ("Point Zero" von Michele Cassou). Ich habe beim Lesen mit einem Mal tief in meinem Körper "etwas" gespürt, etwas Starkes, Kraftvolles, ich "wusste / verstand im Körper", was sie schrieb. Es klingt sehr komisch, wenn ich das so schreibe, fällt mir gerade auf. Ich bin alles andere als eine Esoterikerin, siehe oben, im Gegenteil durch und durch naturwissenschaftlich orientiert. Jedenfalls male ich inzwischen wieder, und ich "kann" es nur, wenn ich in mir diese Verbindung zu mir selbst spüre, die ich gerade beschrieben habe. Wenn dieses Gefühl in mir ist. Wobei "Gefühl" als Begriff irreführend ist, es ist eben nicht im Brust- / Herzbereich, sondern tief im Bauch, dort schwer zu lokalisieren, diffus, aber zugleich deutlich.
      Inzwischen kann ich diesen Zustand öfter "herstellen", auch in Situationen jenseits des Malens, aber bislang nur, wenn ich alleine bin. Ich übe es aber. Als recht hilfreich erweist sich für mich der Gedanke: "Ich muss jetzt gar nicht denken." Das hindert mich nicht am Denken an sich, zum Beispiel bin ich gerade sehr überrascht, dass ich das hier schreiben, darüber nachdenken kann, und denoch diese Wahrnehmung in mir drin durchgehend spürbar ist.

      Mir scheint für mich, dass all meine Versuche, durch Nachdenken, logische Folgerungen, rationale verhaltenstherapeutische Methoden insofern für mich nicht "erfolgreich" waren, als ich dabei immer auf der rationalen, der Kopfebene geblieben bin. Aber Identität scheint primär kein kognitives Konzept zu sein, sondern ein Erlebnis.
      ein erstaunlicher, wie auch hilfreicher Zugang, ja.
      Ich freue mich für dich.

      Platypus wrote:

      Und Erleben ist immer untrennbar an den Körper gebunden, und es ist da, bevor es analysiert werden kann.

      Ich bin auch zu oft kognitiv und komme damit weiter und doch auch nicht.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)

      The post was edited 1 time, last by Linnea ().

    • Juli_K wrote:

      Dieser Satz hat mich richtig getroffen. Ich hätte auf der Stelle weinen können.
      Das wollte ich aber nich. :?


      Juli_K wrote:

      Sah ich bis vor kurzem ebenfalls so. Gerade hinterfrage ich es.Beispiel: Neuerdings gehe ich wieder zum Ballett; seit 23 Jahren wieder. Erstaunlicherweise erinnert mein Körper sich noch an so manche Bewegungen, die ich mit 7 gelernt hatte, aber das meiste 'fake' ich. Ich improvisiere, tue so als ob - "fake it till you make it". Nun handelt es sich hier um ein Hobby, mit dem ich kein Ziel verfolge, außer mich sportlich zu betätigen.
      Beim Vergleich von Bewegungen und Verhalten besteht eine Diskrepanz, aber auch eine gewisse Nähe.
      ich denke improvisieren ist aber grundsätzlich etwas anderes als faken. Beim improvisieren ist man sich dessen bewusst, dass man etwas nicht (richtig) kann oder einem die übung fehlt, man nutzt aber seine kreativität um es trotzdem zu tun und hat nicht den anspruch den anschein zu erwecken das man etwas besser kann als es tatsächlich der fall ist.

      Faken ist da eher ein so-tun-als ob, ein vortäuschen und irreführen. Bei den sozialen situationen, die du in den folgenden beiträgen beschreibst ist sicher viel improvisation oder intuition dabei, aber als faken würde ich das nicht bezeichnen. Das soziale miteinander am arbeitsplatz zum beispiel folgt einigen relativ einfachen regeln, die grundsätzlich für die meisten menschen weder schwer zu erlernen noch schwer umzusetzen sind.

      Man darf da nur nicht zuviel drüber nachdenken, die meisten menschen denken da auch nicht viel drüber nach über diese grundsätze, sie tun es einfach. Das ist auch eins meiner probleme, ich kann nichts einfach tun ohne darüber nachzudenken.


      Juli_K wrote:

      Hiermit triffst du auch eins meiner persönlichen Kernthemen. Eine Lösung dafür zu finden zu wollen ist bei mir oft gleichzeitig auch die Quelle innerlicher Schmerzen.
      Weshalb ich mir auch oft als "ungenügend" vorkomme ist auch, dass ich denke mir mein Recht auf einen Platz hier erst verdienen zu müssen. Oder, da ich bereits von Geburt einen Platz bekommen habe, dem auch gerecht werden zu wollen. Aber dies sind meine Ansprüche, denen ich nicht gerecht werde.

      Dir selbst zu genügen ist glaube ich etwas, was man eher lernen kann. Ich selbst möchte zum beispiel kein anderer mensch sein, ich vergleiche mich nicht mit anderen, ich mag mich so wie ich bin. Ich hab defizite und schwierigkeiten, aber die haben andere auch und die meisten menschen sind sich deren blos selbst nichteinmal bewusst oder sind einfach nur gut darin die zu verstecken.

      Auf der arbeit hab ich auch immer starke probleme damit, aber es ist schon deutlich besser geworden. Ich bin mir irgendwann darüber klar geworden, wie sehr ich mir selbst damit schade. Warum aber soll ich mir selbst damit schaden? Irgendwie muss man sich darüber klar werden, dass man selbst es ist der diese hohen ansprüche stellt und nicht die anderen. Und auf sich selbst hat man ja glücklicherweise einen recht großen einfluss. Man kann sich auch mal ganz bewusst entscheiden etwas unfertig zu lassen, unordentlich oder falsch machen. Wenn es nichts wirklich wichtiges ist, mache ich in letzter zeit auch mal etwas verkehrt anstatt daran zu verzweifeln es unbedingt richtig machen zu wollen und dann warte ich gespannt darauf, dass sich mal jemand beschwert (tut aber nie jemand :roll: )
    • Sternschnuppe wrote:

      Und auf sich selbst hat man ja glücklicherweise einen recht großen einfluss.
      Ich weiß es nicht. Schon mal versucht, dir das Rauchen abzugewöhnen? Oder etwas anderes mit Sucht- oder Zwangscharakter?

      Klar, ich kann in der Fastenzeit auf Alkohol und Scbokade verzichten. Aber schon der Vorsatz, mehr Sport zu machen, führt bei vielen zum Misserfolg.

      Und wenn ich jetzt daran denke, wie schwer es mir fällt, bestimmte Dinge, die meine soziale Kommunikation und Interaktion betreffen, nach Anleitung meines Therapeuten zu üben (manchmal mit ein bisschen Erfolg, oft geht's gar nicht), dann habe ich einen Riesenzweifel, was meinen Einfluss auf mich selbst angeht. Mein Ich kriegt mein Es nicht so einfach umgekrempelt.

      Und dann kommt so Verrücktes hinzu, wie dass ich manches gar nicht verändern möchte, weil da das Gefühl einer Fake-Existenz aufkommt.
      Mein Grundgesetz = "Ein Grundgesetz, in dem Humanität, Teilhabe und Glücksstreben noch expliziter festgeschrieben stehen."
      (Jagoda Marinic, Frankfurter Rundschau vom 23. Mai 2019, dem 70. Jahrestag des GG der BR Deutschland)
    • FrankMatz wrote:

      Ich weiß es nicht. Schon mal versucht, dir das Rauchen abzugewöhnen? Oder etwas anderes mit Sucht- oder Zwangscharakter?
      Und dann kommt so Verrücktes hinzu, wie dass ich manches gar nicht verändern möchte, weil da das Gefühl einer Fake-Existenz aufkommt.
      auf sich selbst hat man aber einen größeren einfluss als auf andere. Vor allem kann man eventuell an seiner eigenen bewertung etwas ändern, wenn schon nicht an seinem verhalten.

      Es ist eben auch nicht jeder für alles gleich gut geignet, dem rollstuhlfahrer versucht auch niemand treppensteigen beizubringen.