Muss die Ausbildung abbrechen, wie kann es weiter gehen?

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    • Muss die Ausbildung abbrechen, wie kann es weiter gehen?

      Hallo, unsere Tochter muss ihre Ausbildung nach fast 2 Jahren wohl abbrechen, da sie ohne Nachteilsausgleich es nicht mehr schafft.
      Nachteilsausgleiche werden ihr theoretisch gewährt, aber in der Praxis so schwer umgesetzt, bzw ihr dann an anderer stelle es so schwer gemacht , dass es so wohl kaum noch Sinn macht, dass sie sich weiter quält.
      Wie kann man die Schule,- sie macht eine Ausbildung zum Physiotherapeuten- denn dazu bringen, dass sie sie unterstützen?
      Sie hat alle Scheine bestanden, nur das Praktikum klappt so nicht mehr.

      Nun stellt sich uns die Frage, was sie bald machen kann und von wem sie Unterstützung erhalten kann?
      Kann das Arbeitsamt,- wohl die Rehaabteilung- weiterhelfen?
      Was gibt es denn von den Ämtern für Hilfen, wenn man seine Erstausbildung durch das asperger sein aufhören musste?
      Welche Hilfen kann der Staat anbieten?

      Am liebsten wäre ihr ein Fernstudium, damit sie nicht ständig Kontakt mit unbekannten Menschen und Situationen haben muss.

      Was muss man denn erfüllen um zb. Grundsicherung zu erhalten? Oder sonstige Unterstützung?

      Wir möchten und können unsere Tochter auch etwas unterstützen, nur komplett und das Fernstudium, ist Zuviel, da wir noch 3 Kindern in der Ausbildung helfen.

      Wo fangen wir am besten an? Mal wieder Chaos und keiner kann bei allen fragen helfen?
      Jemand von euch Tips?
      Danke :)
    • Mama4 wrote:

      Ausbildung zum Physiotherapeuten
      Das ist ein Beruf, in dem man es immer mit Menschen zu tun hat. Hat deine Tochter nur mit der Praktikumsstelle Probleme oder mit der Berufsausbübung generell (weil sie es sich vorher anders vorgestellt hat)?
      Im ersten Fall würde ich andere Praktikumsstelle suchen.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Wohnt Eure Tochter denn noch bei Euch oder hat sie eine eigene Wohnung?

      Das das Amt die Kosten für das Fernstudium übernimmt kann ich mir nicht wirklich vorstellen- an der Fernuni Hagen sind die Kosten aber vergleichsweise moderat und verteilen sich auf mehrere Semester.

      BAföG wäre vielleicht eine Möglichkeit...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...
    • Leseratte wrote:

      Mama4 wrote:

      Ausbildung zum Physiotherapeuten
      Das ist ein Beruf, in dem man es immer mit Menschen zu tun hat. Hat deine Tochter nur mit der Praktikumsstelle Probleme oder mit der Berufsausbübung generell (weil sie es sich vorher anders vorgestellt hat)?Im ersten Fall würde ich andere Praktikumsstelle suchen.
      Das sehe ich auch so.

      Anlaufstellen könnten sein:

      Integrationsfachdienst

      Und wie du schon schriebst die Agentur für Arbeit.

      Grundsätzlich und um weitere Enttäuschungen zu verhindern wäre es vielleicht sinnvoll zunächst ausführlich zu prüfen, welcher Beruf geeignet sein könnte.
      Das könnte z.B. in einem Berufsbildungswerk passieren (hier bagbbw.de/bbw-vor-ort/?db_id=21 kann man auch konkret nach welchen mit Spezialisierung auf ASS suchen).
      Oder in einer RPK-Einrichtung: bagrpk.de/ Ich persönlich bin sehr begeistert von RPK-Einrichtungen, weil sie jungen Menschen Zeit und Raum geben nicht nur den richtigen Beruf für sich zu finden, sondern darüber hinaus ihre Persönlichkeit zu entfalten.
      Ach so: Und Kostenträger sind da immer irgendwelche Ämter.
      Surprised by the joy of life.
    • Danke für eure Antworten.
      Es geht ja hauptsächlich darum, dass die Ausbildung bis hierher nicht umsonst war. Sie hat sich so sehr bemüht, die Praktika zu machen.
      Sie hat ja alle Scheine bestanden und so macht ihr die Arbeit auch Freude.
      Natürlich wird sie nie in einem großen Krankenhaus arbeiten, wo eher immer Chaos herrscht und sie immer viele und unbekannte Menschen um sich hat.
      Die ersten Praktika absolvierte sie in kleinen Rehakliniken, die mit ihr und sie mit denen klar kam, obwohl sie noch keine gesicherte Diagnose hatte. Ihr Chef, der ersteinmal so tat, als würde er sie unterstützen, zeigte sich nun aber eher als Mensch, der daran arbeitet, dass sie entweder lernt sich dem normalen Ablauf anzupassen,- dazu gehören auch große Krankenhäuser... oder das sie aufhört.
      Könnte sie nicht irgendeine Möglichkeit bekommen, die Ausbildung zu beenden?
      Dies würde sie ja auch so schaffen, es hindern sie ja eher nur die Umstände, denn der Stress macht sie körperlich immer wieder krank. Aber den könnte man ja mit Nachteilsausgleiche mildern.

      Wenn sie aber trotzdem es nicht schafft, die Ausbildung dort zu beenden, gibt es eine niedrigere, die sie so einfacher abschließen könnte? Zb Masseur und medizinischer Bademeister? Für eine Heilpraktikerprüfung ist sie leider noch zu jung.

      Sie hat für die Ausbildung ein Zimmer in der Schule, wohnt aber die meiste Zeit bei ihrem Freund in der Nähe oder bei uns.
      Das Arbeitsamt sollte doch daran interessiert sein, dass sie eine Ausbildung abschließt, also sollten sie doch auch irgendwie helfen, oder?
    • Ich würde auch empfehlen, sich an den Integrationsfachdienst zu wenden. Den findet man meistens über die nächste Kreisverwaltung oder den Behindertenbeauftragten.

      Ob man zwingend einen Schwerbehindertenausweis braucht, damit die einem helfen, weiß ich gerade leider nicht. Fragen kostet ja nix.

      Ich habe auch davon gehört, dass die Bundesagentur für Arbeit berufsspezifische Therapie bezahlt, aber ob das Deiner Tochter helfen würde, kann ich natürlich nicht beurteilen.
      Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.
      (Albert Einstein)
    • ist es richtig zu verstehen, dass sie lediglich noch ein praktikum (von welcher länge?) absolvieren muss und dann ist die ausbildung abgeschlossen? schreibt die schule da vor, wo das sein muss? kann sie sich nicht eine geeignete stelle selbst suchen?
    • Mama4 wrote:

      Am liebsten wäre ihr ein Fernstudium, damit sie nicht ständig Kontakt mit unbekannten Menschen und Situationen haben muss.


      Was muss man denn erfüllen um zb. Grundsicherung zu erhalten? Oder sonstige Unterstützung?
      Ein Fernstudium im Sinne von einem richtigen Studium (mit Abitur oder Fachabitur) mit staatlich anerkanntem Abschluss? Oder ein Fernstudium was eher wie eine Art Fern-Kurs ist, mit Kurs-interner Prüfung aber ohne staatlich anerkanntem Abschluss? Letzteres wird nicht vom Arbeitsamt oder ähnlichen Behörden bezahlt. Grundsicherung wird meines Wissens auch schwierig, für ein "behindertes" Kind sind die Eltern meines Wissens auch über das 25. Lebensjahr hinaus Unterhaltspflichtig. Aber anders herum bekommt ihr auch über die übliche Grenze hinaus weiter Kindergeld.

      Mama4 wrote:

      Was gibt es denn von den Ämtern für Hilfen, wenn man seine Erstausbildung durch das asperger sein aufhören musste?
      Meines Wissens keine. Entweder einen Job machen, wo man ohne Ausbildung arbeiten kann oder eine andere Ausbildung suchen.

      Mama4 wrote:

      Es geht ja hauptsächlich darum, dass die Ausbildung bis hierher nicht umsonst war. Sie hat sich so sehr bemüht, die Praktika zu machen.
      Das geht vielen nicht-Autisten leider auch nicht anders.
    • Mama4 wrote:

      Am liebsten wäre ihr ein Fernstudium, damit sie nicht ständig Kontakt mit unbekannten Menschen und Situationen haben muss.
      Kann ich verstehen. Ich plane das berufsbegleitend. Vielleicht kann sie sich mal das Angebot der staatlichen Fernuniversität Hagen ansehen. Da ist das Fernstudium nicht teurer als ein Präsenzstudium und man hat einen ganz normalen Uni Abschluss mit Bachelor oder Master.


      Mama4 wrote:

      Was muss man denn erfüllen um zb. Grundsicherung zu erhalten? Oder sonstige Unterstützung?
      Dafür gibt es diverse Kriterien, evtl. kann sie sich da mal beraten lassen? Beim Fernstudium wäre das wahrscheinlich eher Bafög, da sie ja noch keine Ausbildung abgeschlossen hat?


      Eine andere "Autisten-kompatible" Ausbildung wäre vielleicht auch noch eine Möglichkeit. Dazu kann sie sich mal bei den Kammern beraten lassen. Ich habe eine Ausbildung zur Fachinformatikerin gemacht, nachdem ich mein Präsenzstudium abbrechen musste. Hat für mich sehr gut funktioniert und das Arbeitsumfeld passt jetzt zu meinen Bedürfnissen.

      Nachtrag: Beispielsweise wurde mir gesagt, dass ein Fernstudium Mathematik in Hagen für den Bachelor mich etwa 2000 € kosten wird (ohne Fahrtkosten etc.)

      Und bei dem Chef und ihren bisher bestanden Scheinen würde ich, wenn die Ausbildung sonst Spaß macht und sie sich den Beruf vorstellen kann dringend raten eine andere Praktikumsstelle zu suchen. Dabei sollte die zuständige Ausbildungskammer oder die Schule helfen können.

      The post was edited 1 time, last by MangoMambo ().

    • Mama4 wrote:

      Die ersten Praktika absolvierte sie in kleinen Rehakliniken, die mit ihr und sie mit denen klar kam, obwohl sie noch keine gesicherte Diagnose hatte. Ihr Chef, der ersteinmal so tat, als würde er sie unterstützen, zeigte sich nun aber eher als Mensch, der daran arbeitet, dass sie entweder lernt sich dem normalen Ablauf anzupassen,- dazu gehören auch große Krankenhäuser... oder das sie aufhört.
      Ich würde mich an den Integrationsdienst wenden und (falls es deiner Tochter recht ist), mit ihrem Chef sprechen. Sie wird vermutlich später niemals in einem großen Krankenhaus arbeiten wollen, sondern eher in Rehaeinrichtungen oder Praxen. Gerade wenn es nicht am Praktikum selber, sondern nur an der Praktikumsstelle selber scheitert, wäre es schade, wenn sie deswegen aufgeben müsste.

      Hat sie nicht die Möglichkeit, sich eine andere Praktikumsstelle zu suchen?
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Mama4 wrote:

      Ihr Chef, der ersteinmal so tat, als würde er sie unterstützen, zeigte sich nun aber eher als Mensch, der daran arbeitet, dass sie entweder lernt sich dem normalen Ablauf anzupassen,- dazu gehören auch große Krankenhäuser... oder das sie aufhört.
      Eigentlich arbeiten doch die meisten Physiotherapeuten in kleineren Praxen, manche sogar komplett alleine.
      Daher würde ich den Chef einfach ignorieren oder gerade so viel wie nötig in diese Richtung machen - aber deswegen doch nicht einfach 2 Jahre wegwerfen. Wenn sie die 2 Jahre jetzt geschafft hat, dann sollte doch auch das 3. Jahr noch machbar sein, wenn die Arbeit ansonsten Spaß macht und leistbar ist.

      Für ein Studium gäbe es theoretisch Bafög, es gab aber schon Fälle, wo eine abgebrochene Ausbildung das erschwert hat.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Danke nochmal für eure guten tips.
      Die praktikas werden über die Schule organisiert und eingeteilt. Da gibt es Krankenhäuser, Rehaeinrichtungen in klein und groß...
      Alle müssen die verschiedenen Gebiete durchwandern und genügend theoretische und praktische Stunden ableisten, damit sie zur Prüfung zugelassen werden.
      Die Schule klappt so ganz gut und viele Lehrer sind sehr nett und hilfsbereit. Also nehmen Rücksicht, fragen, was sie nicht versteht, gehen auf sie ein in einer Prüfung... . Nur der Chef meint, er hätte am meisten Ahnung und wüßte so, was sie am besten, wann wo macht.
      Im letzten Semester wurde sie in einem Praktikum in ein großes Krankenhaus geschickt, wo sie auch noch 30 hinfahren müsste und dort noch einen Parkplatz suchen... dies war alles zu viel. So hatte der Chef ersteinmal zugesichert, dass sie vor Ort bleiben darf und in kleine Einrichtungen gehen kann. Inwieweit man nun gegen ihn vorgehen kann, welche Rechte sie hat, wie man die Ausbildung beenden kann...., das wissen wir nicht.
      Nur soviel, so kann es nicht weiter gehen.
      Jetzt ist sie ersteinmal wieder krank geschrieben, aber dann fehlen ihr ja die Stunden.
      Müssen uns wohl mal an die IHK oder so wenden.
      Nur gegen den Willen von dem Chef der Schule, wird alles nix nützen. Die Schule noch wechseln, wird auch schwer, da sie sich ja dann wieder neu eingewöhnen muss.

      Kann es sein, dass wir unsere Aspikinder ein Leben lang durchfüttern müssen,- was wir ja so auch gerne machen, aber dachte schon, dass es vom Staat dabei irgendwelche Unterstützung gibt.
      Wir haben 3 Kinder in der Ausbildung und einem bezahlen wir die Webschule im Moment noch. 3 Aspikinder sind dabei, die alle Schwierigkeiten haben und trotzdem sollen wir das alles alleine schultern?
      Sie kann ja nichts dafür, dass die Ausbildung nicht so klappt und es gibt keinerlei Hilfen?

      Mit dem Schulamt streiten wir seit über einem Jahr darum, das der jüngste von der Schulpflicht befreit wird, damit das Jugendamt die Kosten für die webindividualschule übernimmt. Das ist alles unbegreiflich
    • Doch auch gegen den Willen von Chef und Schule kann die IHK Maßnahmen durchsetzen. Die IHK ist die Kontrollinstanz und die oberste Gewalt in dem Fall. Sie sollte bald möglichst einen Beratungstermin bei der IHK machen.

      Es gibt viele Hilfsmöglichkeiten z.B. Ausbildungsassistenz, Nachteilsausgleich etc.
      Leider ist es oft nur schwer diese durchzusetzen. Evtl kann da ein Anwalt helfen, jedoch kenne ich mich damit nicht gut aus.

      Für die Ausbildung ist zum Glück nicht das Schulamt verantwortlich sondern die IHK, die hat da durchaus mehr Möglichkeiten und erfahrungsgemäß kann man mit den Leuten dort sprechen und wird gut beraten.
    • Ich würde auch das Gespräch mit dem IFD suchen. Der IFD, zumindest bei mir in der Stadt, ist nicht nur für behinderte, sondern auch für von Behinderung bedrohte Menschen zuständig. Vielleicht ist es möglich, dass der IFD ein gemeinsames, vermittelndes Gespräch zwischen dir, deiner Tochter und der Schule durchführt.
    • So, es gibt Neues.
      Wir haben versucht das Arbeitsamt zu erreichen, da gibt es aber fast nur noch eine 0800... Nummer, wo man sich durchqueren muss.
      Also habe ich E-Mails geschrieben, erst mit dem Ergebnis, dass mir jemand schrieb, aus Datenschutz, soll ich die Nummer anrufen :m(:
      Wofür gibt es dann emails?
      Habe aber direkt ans Rehateam geschrieben uns wenigstens von denen Antwort bekommen, dass sie noch mehr Infos brauchen u d uns dann zu einem Gespräch einladen. Soweit so gut, hoffentlich bringt uns dies dann weiter.

      Die Lage an ihrer Schule ist allerdings schwieriger. Da habe ich herausgefunden, dass das Gesundheitsamt für die Prüfungen und die Ausbildung zuständig ist. Deshalb auch die angeschrieben. Die Antwort,- es würde keine Nachteilsausgleiche in der Ausbildung geben und sie soll dies doch mit ihrer Schule genau absprechen...
      Mit dem Chef der Schule habe ich auch schon telefoniert. Der ist der Meinung, dass sie ja schon zu viele „Vorteile“ erhalten hätte u d es so ja nicht klappen könnte.
      Haute auch noch einige Beleidigungen raus,- wie wir denn diese Tochter überhaupt zu dieser anspruchsvollen Ausbildung hätten anmelden können und woher wir denn das tauglichkeitszeugnis erhalten hätten, dies müsste man doch sehr in frage stellen....
      Er würde keinen Weg mehr sehen, wenn sie sich nicht anpassen kann.
      Tja, so wird das wohl nix mehr dort werden.
      Selbst, wenn sie Nachteilsausgleiche erhält, weil sie die ihr geben müssen, dies hat unser Anwalt uns so gesagt, kann man sie nich an anderen Stellen genügend „ärgern“ .

      So heißt es jetzt wohl,- was neues finden, das gut passt und das jemand finanziell unterstützt.