Automatisierte Masken - wie kann man sie ablegen?

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    • Automatisierte Masken - wie kann man sie ablegen?

      Ich habe das Gesichtsausdruck-Thema gelesen und da ist mir die Frage gekommen, die mich aktuell sehr beschäftigt. Wie kann man automatisierte, aber angelernte Strategien, die als soziale Maske dienen, ablernen? Mich nervt das momentan sehr stark und es richtet mehr Schäden in mir an, als es mir Gutes bringt.

      Außerdem: ich fühle mich ein wenig komisch zu sagen "ich könnte mir vorstellen, autistisch zu sein", aber dann zugeben zu müssen, dass viele sozialisierte Strategien fast schon Reflexe geworden sind. Bitte sagt mir, dass ich damit nicht alleine bin?
    • Also ich kenne das selber jetzt eher wenig, da ich mir solche Masken garnicht antrainiert hab. Das heißt nicht das ich durch mein Verhalten keine Probleme verursache :'-D
      Was ich aber raten kann, ist wie wenn man generell etwas neues lernt, versuche bewusster Dinge zu tun. Denk dir aus was du in gewissen Situationen machen willst, und wende das dann bewusst an. Das ist ansträngend aber das ist wohl der einzige weg von diesen alten Routinen herunterzukommen.
    • Ich habe im andern thread schon geantwortet... ich denke auch, es hilft nur, sich bewusst zu machen, was man in einer Situation tut, damit man es dann längerfristig ändern kann.
      Schwierig finde ich aber auch, zu entscheiden, inwieweit ich weiter angepasst bleiben will und inwieweit ich authentischer sein will (und wie das dann aussehen würde), denn beides hat Vor- und Nachteile, und es gibt irgendwo eine Grenze, wo man mit authentischem Verhalten dann nur noch aneckt, das kann dann auch nicht die Lösung sein.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Du könntest mehrmals am Tag für fünf Minuten Achtsamkeitsübungen machen. Dich hinsetzen und schauen, welche Gefühle und Gedanken da sind oder Abends den Tag gedanklich nochmal anschauen und dir bewusstmachen wie du dich wo, wie gefühlt hast. Ich meine zuerst muss die Wahrnehmung her, dann kann man entscheiden seine Mimik zu ändern.
    • RegenbogenWusli wrote:

      Also ich kenne das selber jetzt eher wenig, da ich mir solche Masken garnicht antrainiert hab. Das heißt nicht das ich durch mein Verhalten keine Probleme verursache :'-D
      Was ich aber raten kann, ist wie wenn man generell etwas neues lernt, versuche bewusster Dinge zu tun. Denk dir aus was du in gewissen Situationen machen willst, und wende das dann bewusst an. Das ist ansträngend aber das ist wohl der einzige weg von diesen alten Routinen herunterzukommen.
      Ich bin immer zu unsicher gewesen (und teilweise immer noch), um nicht bewusst mein problematisches Verhalten abstellen zu wollen. (macht der Satz Sinn? Keine Ahnung, ich bin müde :D)
      Hmm, sowas in der Art mache ich viel, wenn ich alleine bin, aber sobald ich in einer stressigen Situation bin, ist dieser denkende Teil meines Gehirns leer und ich habe alles vergessen :nerved: Egal, ich versuche bewusster darauf zu achten.

      Shenya wrote:

      Ich habe im andern thread schon geantwortet... ich denke auch, es hilft nur, sich bewusst zu machen, was man in einer Situation tut, damit man es dann längerfristig ändern kann.
      Schwierig finde ich aber auch, zu entscheiden, inwieweit ich weiter angepasst bleiben will und inwieweit ich authentischer sein will (und wie das dann aussehen würde), denn beides hat Vor- und Nachteile, und es gibt irgendwo eine Grenze, wo man mit authentischem Verhalten dann nur noch aneckt, das kann dann auch nicht die Lösung sein.
      Danke, habe ich gesehen :)
      Da hast du recht. Ich tendiere dazu zu denken, dass mit authentischem Verhalten alles perfekt sein wird und ich so sein kann, wie ich bin. Das ist aber quatsch. Beides hat Vor- und Nachteile. Es wird ja einen guten Grund gehabt haben, warum ich mir diese Strategien überlegt habe... Eine bewusst einsetzbare Maske wäre super. Ich will sie ja nicht komplett vergessen.

      Slim wrote:

      Du könntest mehrmals am Tag für fünf Minuten Achtsamkeitsübungen machen. Dich hinsetzen und schauen, welche Gefühle und Gedanken da sind oder Abends den Tag gedanklich nochmal anschauen und dir bewusstmachen wie du dich wo, wie gefühlt hast. Ich meine zuerst muss die Wahrnehmung her, dann kann man entscheiden seine Mimik zu ändern.
      Mache ich ab und zu, aber nur wenn ich mich danach fühle. Ich komme mir immer bescheuert dabei vor, etwas aktiv für mich zu machen. Diese Analysen finden sowieso permanent in meinem Kopf statt, aber eher weniger auf Gefühlsebene.
      Gibt es Anleitungen für solche Übungen? Ich glaube alleine wüsste ich nicht, wie.
      Genau, Wahrnehmung ist glaube ich generell der erste Schritt bei solchen Sachen.
    • Man muss nur die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Ein Therapeut würde zuerst wissen wollen wann merken Sie diese Masken, in welchen Situationen? Das würd ich mal aufschreiben. Dann die Diskrepanz zwischen Gefühl und Maske beschreiben. Und wenn du dann nicht weißt wie du dich eigentlich fühltst, kannst du dich hinsetzen oder hinlegen und die Augen zu machen und in den Körper reinfühlen. Mehr ist das nicht.
    • Das ist nicht so leicht, zu mindestens für mich, wie ich es dachte.
      Wenn man so viele Jahre nicht man selbst war, ist es nicht leicht das frühere ich wieder zu sein.
      Das erfordert viel Konzentration und Achtsamkeit.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • @Loony Moony
      Kannst du mir Beispiele nennen?

      Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt eine Maske trage. Ich würde eher sagen, dass ich mich nicht im vollen Umfang zeige, aber auch nichts verstelle, sondern hier und dort etwas anpasse, wenn es mir möglich ist oder eben nicht und schlicht für mich sorge.

      Es war und ist auch noch so (und wird auch vermutlich nie enden), dass ich mich selbst erst einmal finden musste und mich kennenlerne, herausfinde, was ich mag und was ich nicht mag.

      Viele meiner Signale, die mir mein Körper sendete, konnte ich gar nicht deuten. Heute weiß ich, dass ich mich unwissentlich übergangen habe - oft genug. Würde man das dann auch als "Maske tragen" bezeichnen? Ich hab schließlich Dinge gemacht, die mir nicht gut taten, aber wie gesagt - ohne es zu wissen. Ergibt das überhaupt für andere Sinn?

      Ein Beispiel: Als ich mein "erstes Mal" hatte, war ich zwölf Jahre alt. Ich war wie gelähmt und irgendwie angewidert. Rückblickend und nach eingehender Analyse weiß ich, dass ich ganz eindeutig nicht bereit war und nur gemacht habe, was mir gesagt wurde (was auch total typisch für mich war schon als kleines Mädchen). Ich wäre aber vorher im Leben nicht darauf gekommen. Ich habe viele Dinge gemacht, die man halt macht oder von denen ich dachte, dass man sie machen muss, um dazu zu gehören. Ich wusste aber gar nicht, dass ich das alles gar nicht gut finde oder das man das benennen kann.

      Wenn ich mir das nochmal betrachte, ist es erstaunlich, wo ich heute bin.

      Jedenfalls, wenn du mir Beispiele nennen kannst, kann ich dir vielleicht auch ein paar Tipps geben. Ich bin heute an einem ganz anderen Punkt als ich damals war! Ich habe sehr viel für mich selbst investiert - ich bin mir sehr wichtig geworden und wollte mich kennenlernen.

      @Slim
      Den Ansatz finde ich gut.
    • DrCarsonBeckett wrote:

      Wenn man so viele Jahre nicht man selbst war, ist es nicht leicht das frühere ich wieder zu sein.
      Das erfordert viel Konzentration und Achtsamkeit.
      Noch schwieriger ist es, wenn man das frühere Ich nicht wirklich kennt, weil man zuerst von den Eltern, dann von sich selbst unter Druck gesetzt wurde, Masken zu tragen.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Sternschnuppe wrote:

      Loony Moony wrote:

      Wie kann man automatisierte, aber angelernte Strategien, die als soziale Maske dienen, ablernen?
      was meinst du denn damit zum beispiel? Was für dinge sind das?
      Du hast mich zwar nicht gefragt, aber ich kann dir (für mich) ein Beispiel nennen.

      Wenn ich neue Menschen treffe, lächle ich und strecke ihnen die Hand entgegen, bzw. ergreife die, die mir entgegen gestreckt wird. Das habe ich so gelernt. In eher informeller Umgebung, ist es noch schlimmer - selbst Fremde begrüßen sich oft mit einer Umarmung. Die initiiere ich zwar nicht, weiche aber auch nicht aus.
      Während des Körperkontakts (und wenn es nur die Hände sind) fühle ich mich oft nicht wohl, hinterher habe ich das Bedürfnis, mir die Hände zu waschen - was natürlich meist nicht möglich ist und dann fühle ich mich noch länger unwohl.

      Das wurde mir als Kind antrainiert und ich habe es dann später auch bewusst selber trainiert. Weil es höflich ist, weil man das so macht, weil sich das so gehört. Ich bin heute dabei, andere Möglichkeiten für mich zu finden - ohne dabei andere Menschen vor den Kopf zu stoßen. Das ist aber nicht einfach, weil sich dieses Begrüßungsverhalten völlig automatisiert hat.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Sternschnuppe wrote:

      was meinst du denn damit zum beispiel? Was für dinge sind das?
      @Leseratte Genau, sowas zum Beispiel.
      Ich wollte eigentlich Beispiele nennen, aber irgendwie konnte ich es nicht ordentlich formulieren.

      Also zum Beispiel Dauerlächeln, erzwungene Mimik und Reaktionen oder solche Sachen, die einen eher extrovertiert wirken lassen (also mehr, als man es ist). Ich bin häufig viel zu voreilig mit Antworten und Reaktionen, weil ich nicht komisch wirken will, wenn ich mir die Zeit nehme, die ich eigentlich zum Antworten und Denken bräuchte. In manchen Situationen drehe ich total auf und bin fröhlich, lache, rede viel zu viel und bin fast schon hyperaktiv - eigentlich fühle ich mich aber glaube ich nicht so und es laugt mich hinterher total aus. Ich gehe auch immer vom Schlimmsten aus und denke, alles ist meine Schuld und ich mache alles falsch oder schlecht - wird mir immer eingeredet und habe ich auch selbst mitbekommen, also "wird es wohl immer so sein". Häufig ist es aber gar nicht so dramatisch, wie ich davon ausgehe, dass es sein wird.

      Ich weiß nicht, im Nachhinein ist die Frage vielleicht komisch. Vieles entspringt bei mir aus irgentwelchen Unsicherheiten und Ängsten, anders zu wirken und aufzufallen. Inzwischen ist mir das bewusst egal, aber unterbewusst scheint es noch drinnen zu sein. Überkompensation ist ein schönes und sehr passendes Wort, welches ich vorhin irgendwo gelesen habe. Im Englischen gibt es den Ausdruck "for good measure", was hier sehr passt. Also man gibt noch extra etwas hinzu, um auf der sicheren Seite zu sein und in diesem Fall überschießt man also das Ziel. Lieber für das Schlimmste planen und vorbereiten und dann ist es letzendlich doch nicht so schlimm, als etwas Gutes erwarten und dann wird man schon wieder enttäuscht.

      Ach keine Ahnung, mein Kopf ist gerade Chaos. Tut mir leid für komisches Gelaber...
      Sorryyy, ich sollte das wahrscheinlich lieber nicht absenden, aber was soll's...


      So, nach der komischen Eskapade habe ich gesehen, dass es ja noch andere Antworten gibt, also weiter geht's mit dem Blamieren!

      Slim wrote:

      Man muss nur die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Ein Therapeut würde zuerst wissen wollen wann merken Sie diese Masken, in welchen Situationen? Das würd ich mal aufschreiben. Dann die Diskrepanz zwischen Gefühl und Maske beschreiben. Und wenn du dann nicht weißt wie du dich eigentlich fühltst, kannst du dich hinsetzen oder hinlegen und die Augen zu machen und in den Körper reinfühlen. Mehr ist das nicht.
      Klingt recht simpel und zur selben Zeit verdammt schwer :D Ich glaube ich trage die Maske so gut wie immer. Sogar auch wenn ich alleine bin (ja, es ist eine Maske, nicht normal). Ich probiere es mal aus.

      DrCarsonBeckett wrote:

      Das ist nicht so leicht, zu mindestens für mich, wie ich es dachte.
      Wenn man so viele Jahre nicht man selbst war, ist es nicht leicht das frühere ich wieder zu sein.
      Das erfordert viel Konzentration und Achtsamkeit.
      Es ist wirklich nicht leicht, obwohl man das doch meinen sollte. Man ist ja schließlich nur man selbst :D Sehr komisch.

      @LailandaDemia
      Das ergibt definitiv Sinn und solche Situationen kenne ich auch sehr gut. Welche Bezeichnung man dem gibt ist ja letzlich auch relativ egal. Für mich trifft "Maske" es recht gut.
      Solche Signale zu deuten, finde ich auch sehr schwer. Auch auf Nachfrage kriege ich häufig nicht mit, dass eine Situation mich stresst. Erst im Nachhinein bricht dann innerlich alles zusammen.

      Leseratte wrote:

      Noch schwieriger ist es, wenn man das frühere Ich nicht wirklich kennt, weil man zuerst von den Eltern, dann von sich selbst unter Druck gesetzt wurde, Masken zu tragen.
      Bei mir ist das auch schon so seit ich micht erinnern kann, daher habe ich es auch gleich wieder verworfen, als ich das erste Mal über Autismus las. Zwar trafen zu dem Zeitpunkt viele Faktoren auf mich zu, aber meine Kindheit erschien mir oberflächlich eher "normal". Inzwischen sind mir aber viele Beispiele wieder eingefallen.
      Trotzdem haben sich diese Masken über die Jahre potenziert. Ich habe also ein reeeelativ gutes Bild davon, wer ich vorher mal war und lieber wieder sein möchte. Wer ich tatsächlich bin, weiß ich nicht so wirklich, aber frühere Versionen waren deutlich besser :D
    • Loony Moony wrote:

      @Leseratte Genau, sowas zum Beispiel.Ich wollte eigentlich Beispiele nennen, aber irgendwie konnte ich es nicht ordentlich formulieren.

      Also zum Beispiel Dauerlächeln, erzwungene Mimik und Reaktionen oder solche Sachen, die einen eher extrovertiert wirken lassen (also mehr, als man es ist). Ich bin häufig viel zu voreilig mit Antworten und Reaktionen, weil ich nicht komisch wirken will, wenn ich mir die Zeit nehme, die ich eigentlich zum Antworten und Denken bräuchte. In manchen Situationen drehe ich total auf und bin fröhlich, lache, rede viel zu viel und bin fast schon hyperaktiv - eigentlich fühle ich mich aber glaube ich nicht so und es laugt mich hinterher total aus. Ich gehe auch immer vom Schlimmsten aus und denke, alles ist meine Schuld und ich mache alles falsch oder schlecht - wird mir immer eingeredet und habe ich auch selbst mitbekommen, also "wird es wohl immer so sein". Häufig ist es aber gar nicht so dramatisch, wie ich davon ausgehe, dass es sein wird.

      Ich weiß nicht, im Nachhinein ist die Frage vielleicht komisch. Vieles entspringt bei mir aus irgentwelchen Unsicherheiten und Ängsten, anders zu wirken und aufzufallen. Inzwischen ist mir das bewusst egal, aber unterbewusst scheint es noch drinnen zu sein. Überkompensation ist ein schönes und sehr passendes Wort, welches ich vorhin irgendwo gelesen habe. Im Englischen gibt es den Ausdruck "for good measure", was hier sehr passt. Also man gibt noch extra etwas hinzu, um auf der sicheren Seite zu sein und in diesem Fall überschießt man also das Ziel. Lieber für das Schlimmste planen und vorbereiten und dann ist es letzendlich doch nicht so schlimm, als etwas Gutes erwarten und dann wird man schon wieder enttäuscht.
      nein komisch ist die frage nicht. ich konnte mir unter "soziale maske" jetzt nur nicht so viel vorstellen und frage mich jetzt vor allem noch was das für situationen sind wo du dieses verhalten loswerden möchtest?

      ich denke so im alltag (supermarkt, bäcker, fahrkartenschalter, auf dem amt) ist es ganz nützlich wenn man sich eine maske aufsetzen kann und seine benachteiligung überspielen kann.
      auf der arbeit wird das schon schwieriger, wenn man das 8 stunden lang tun muss ams tück weil dann wird es wirklich anstrengend. ich merke das immer wenn ich die azubis beaufsichtigen muss, weil ansonsten bin ich zum glück viel allein auf der arbeit, aber wenn ich da 8 stunden jemandem dabei habe den ganzen tag bin ich hinterher auch oft völlig fertig. ich verhalte mich dann auch auf viel extrovertierter und angepasster als ich eigentlich bin, gleichzeitig merke ich aber auch, dass es mich genauso fertig macht wenn ich mehr versuche ich selbst zu sein, weil ich dann oft verunsichert bin weil ich nicht gerne als total anders auffallen möchte.
      und seine freizeit sollte man schlicht und ergreifend nicht irgendwo verbingen wo man sich verstellen muss.


      Leseratte wrote:

      Du hast mich zwar nicht gefragt, aber ich kann dir (für mich) ein Beispiel nennen.
      Wenn ich neue Menschen treffe, lächle ich und strecke ihnen die Hand entgegen, bzw. ergreife die, die mir entgegen gestreckt wird. Das habe ich so gelernt. In eher informeller Umgebung, ist es noch schlimmer - selbst Fremde begrüßen sich oft mit einer Umarmung. Die initiiere ich zwar nicht, weiche aber auch nicht aus.
      Während des Körperkontakts (und wenn es nur die Hände sind) fühle ich mich oft nicht wohl, hinterher habe ich das Bedürfnis, mir die Hände zu waschen - was natürlich meist nicht möglich ist und dann fühle ich mich noch länger unwohl.

      Das wurde mir als Kind antrainiert und ich habe es dann später auch bewusst selber trainiert. Weil es höflich ist, weil man das so macht, weil sich das so gehört. Ich bin heute dabei, andere Möglichkeiten für mich zu finden - ohne dabei andere Menschen vor den Kopf zu stoßen. Das ist aber nicht einfach, weil sich dieses Begrüßungsverhalten völlig automatisiert hat.
      ich glaub ich kann mich sehr glücklich schätzen dass mir als kind eigentlich nichts "antrainiert" wurde.

      wenn mir jemand auf der arbeit die hand gibt, dann schüttel ich diese aus höflichkeit, aber selbstständig mache ich sowas nicht. das is auch die reinste zeitverschwendung jedem die hand zu schütteln, wenn man den tag über 30 leuten über den weg läuft. :?
      in besonders förmlichen situationen verstehe ich das ja noch, meinem chef schüttel ich die hand, den seh ich aber auch nur drei mal im jahr...
    • Loony Moony wrote:

      Ich glaube ich trage die Maske so gut wie immer. Sogar auch wenn ich alleine bin (ja, es ist eine Maske, nicht normal).
      Das kenne ich auch. Leichtes schaukeln mit dem Oberkörper beruhigt mich. Als Kind wurde ich dafür sanktioniert, in der Schule auch noch oft. Ich erinnere mich gerade an einen Kommentar meiner Mutter "Lass das, du bist doch nicht Oliver."
      Oliver ist ein Cousin von mir, Autist mit Hospitalismus.

      LailandaDemia wrote:

      @Leseratte
      Ich habe auch schon Menschen gesagt, dass ich erkältet bin und niemanden anstecken mag oder arg schwitzige Hände habe und Hände schütteln mir deswegen unangenehm ist - da kam kein Unverständnis mir gegenüber.
      Ja, Notlügen habe ich früher auch oft benutzt - sehr beliebt waren auch immer Kopfschmerzen oder Magenverstimmung, wenn ich irgendwo nicht hingehen oder früher weggehen wollte.

      Aber jetzt weiß ich ja selber, woran es liegt. Da würde ich schon gern die Wahrheit sagen. Manchmal klappat das auch schon, manchmal noch nicht. Ich arbeite daran.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Sternschnuppe wrote:

      nein komisch ist die frage nicht. ich konnte mir unter "soziale maske" jetzt nur nicht so viel vorstellen und frage mich jetzt vor allem noch was das für situationen sind wo du dieses verhalten loswerden möchtest?
      ich denke so im alltag (supermarkt, bäcker, fahrkartenschalter, auf dem amt) ist es ganz nützlich wenn man sich eine maske aufsetzen kann und seine benachteiligung überspielen kann.
      auf der arbeit wird das schon schwieriger, wenn man das 8 stunden lang tun muss ams tück weil dann wird es wirklich anstrengend. ich merke das immer wenn ich die azubis beaufsichtigen muss, weil ansonsten bin ich zum glück viel allein auf der arbeit, aber wenn ich da 8 stunden jemandem dabei habe den ganzen tag bin ich hinterher auch oft völlig fertig. ich verhalte mich dann auch auf viel extrovertierter und angepasster als ich eigentlich bin, gleichzeitig merke ich aber auch, dass es mich genauso fertig macht wenn ich mehr versuche ich selbst zu sein, weil ich dann oft verunsichert bin weil ich nicht gerne als total anders auffallen möchte.
      und seine freizeit sollte man schlicht und ergreifend nicht irgendwo verbingen wo man sich verstellen muss.
      Stimmt, in so kleineren, aber wichtigen Alltäglichkeiten ist die schon nützlich. Ich bin mir nicht ganz sicher, wann und was ich überhaupt bezwecken will :D Das war ein plötzlicher Gedankengang, der sich gerne Gehör verschaffen wollte, schätze ich.
      Es stresst mich aber schon stark, dass ich sogar wenn ich alleine oder unter mir besser bekannten Menschen nicht einmal ich selbst sein kann. Wobei, inzwischen geht das leichter und wenn ich nicht verstecke, dass es mir nicht so gut geht, trifft das auch auf Negativität und ich werde angemeckert oder beleidigt, warum ich denn nicht so richtig reagiere. Ich weiß auch nicht. Ist einfach alles eine blöde Situation mit keinen passenden Optionen.
      Naja und auch alleine ist immer die Angst da, dass jemand mich hören könnte, oder vorbei kommt oder so.
      Genau den Zwiespalt zwischen "die Maske ist zu anstrengend" und "ich will ohne aber auch nicht auffallen und bin verunsichert" kenne ich auch zu gut.

      Sternschnuppe wrote:

      ich glaub ich kann mich sehr glücklich schätzen dass mir als kind eigentlich nichts "antrainiert" wurde.
      wenn mir jemand auf der arbeit die hand gibt, dann schüttel ich diese aus höflichkeit, aber selbstständig mache ich sowas nicht. das is auch die reinste zeitverschwendung jedem die hand zu schütteln, wenn man den tag über 30 leuten über den weg läuft. :?
      in besonders förmlichen situationen verstehe ich das ja noch, meinem chef schüttel ich die hand, den seh ich aber auch nur drei mal im jahr...
      Ja, ich hätte mich auch lieber nicht so verstellt. Das bringt nur noch mehr Probleme mit sich. Sowas ist immer nur eine kurzfristige Lösung, aber langfristig macht es einen kaputt.

      Oh, da fällt mir was lustiges ein (obwohl ich es wahrscheinlich nicht lustig erzählen kann):
      Als ich das erste Mal mit einem meiner Schuldirektoren gesprochen habe (wir standen uns gegenüber), streckte er seine Hand während des Sprechens aus und ich habe sie geschüttelt! Das war so peinlich!!!!! Er hat einfach nur Gestik beim Sprechen benutzt, aber in meinem Gehirn war wohl einprogrammiert: Hand ausstrecken = Händeschütteln.
      Oh jee. Genau solche Überreaktionen sind eben blöd. Hier zwar noch lustiger, aber in anderen Situationen echt schwierig.


      Leseratte wrote:

      Ja, Notlügen habe ich früher auch oft benutzt - sehr beliebt waren auch immer Kopfschmerzen oder Magenverstimmung, wenn ich irgendwo nicht hingehen oder früher weggehen wollte.
      Aber jetzt weiß ich ja selber, woran es liegt. Da würde ich schon gern die Wahrheit sagen. Manchmal klappat das auch schon, manchmal noch nicht. Ich arbeite daran.
      Ich habe früher nie gelogen. Ich konnte nicht lügen. Als es mir richtig schlecht ging, bin ich darauf aufmerksam geworden und habe es irgendwie erlernt. Jetzt komme ich aus dem Lügen nicht mehr raus (also in solchen kleinen Situationen). Schon wieder was, was eigentlich nicht mir entspricht und was mich stört. Das gleiche mit Schimpfwörtern und soooo vielen anderen Sachen.
      Ich glaube ich tendiere dazu, Fehler in mir zu suchen und diese für andere Menschen anzupassen. Dank meines Perfektionismus schieße ich dabei aber immer über das Ziel hinaus oder nehme mir viel zu viel vor. Das Muster scheint mich schon mein ganzes Leben zu verfolgen.
    • Loony Moony wrote:

      Ich habe früher nie gelogen. Ich konnte nicht lügen. Als es mir richtig schlecht ging, bin ich darauf aufmerksam geworden und habe es irgendwie erlernt. Jetzt komme ich aus dem Lügen nicht mehr raus (also in solchen kleinen Situationen). Schon wieder was, was eigentlich nicht mir entspricht und was mich stört.
      Diese Automatismen sind wirklich doof - ich mag das auch nicht. Aber es ist halt auch 'einfach'. Wenn man 'krank' ist, wird nicht nachgehakt, nachgefragt oder sonst wie diskutiert. Wenn ich (gerade wenn es um eigentlich positiv konnotierte Freizeitaktivitäten geht) versuche zu erklären, warum mir das evtl. zu viel werden könnte... dann geht es los mit den 'dummen Sprüchen'.

      - das kannst du doch vorher nicht wissen
      - du willst nur einfach nicht
      - reiß dich einfach zusammen
      - stell dich nicht so an
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Leseratte wrote:

      Diese Automatismen sind wirklich doof - ich mag das auch nicht. Aber es ist halt auch 'einfach'. Wenn man 'krank' ist, wird nicht nachgehakt, nachgefragt oder sonst wie diskutiert. Wenn ich (gerade wenn es um eigentlich positiv konnotierte Freizeitaktivitäten geht) versuche zu erklären, warum mir das evtl. zu viel werden könnte... dann geht es los mit den 'dummen Sprüchen'.
      - das kannst du doch vorher nicht wissen
      - du willst nur einfach nicht
      - reiß dich einfach zusammen
      - stell dich nicht so an
      Uff, ja, ganz schlimm solche Sprüche. Meine Mutter macht sowas besonders gerne. Funktioniert sowas denn bei NTs? Oder woher kommen diese Sprüche eigentlich?
    • DrCarsonBeckett wrote:

      Das ist nicht so leicht, zu mindestens für mich, wie ich es dachte.
      Wenn man so viele Jahre nicht man selbst war, ist es nicht leicht das frühere ich wieder zu sein.
      Das erfordert viel Konzentration und Achtsamkeit.
      Da geht es mir genauso. Mir kommt es oft so vor dass ich in vielen Situationen überhaupt nicht ich selbst bin. Sondern nur eine Mischung aus allen Leuten die ich beobachtet habe und deren Verhaltensweisen ich eingespeichert habe, die ich dann kopiere bzw. versuche dort einzusetzen wo ich das für nötig halte.
    • Loony Moony wrote:

      Leseratte wrote:

      Diese Automatismen sind wirklich doof - ich mag das auch nicht. Aber es ist halt auch 'einfach'. Wenn man 'krank' ist, wird nicht nachgehakt, nachgefragt oder sonst wie diskutiert. Wenn ich (gerade wenn es um eigentlich positiv konnotierte Freizeitaktivitäten geht) versuche zu erklären, warum mir das evtl. zu viel werden könnte... dann geht es los mit den 'dummen Sprüchen'.
      - das kannst du doch vorher nicht wissen
      - du willst nur einfach nicht
      - reiß dich einfach zusammen
      - stell dich nicht so an
      Uff, ja, ganz schlimm solche Sprüche. Meine Mutter macht sowas besonders gerne. Funktioniert sowas denn bei NTs? Oder woher kommen diese Sprüche eigentlich?
      In der Kommunikationstherorie nennt man solche Sprüche auch personalisierte Killerphrasen.
      Beliebt ist auch "du denkst falsch". Andere sind "So macht man das nicht" oder "So kann man das nicht sehen" "Das ist so" - ohne jegliche inhaltliche Begründung.
      Es sind Techniken, mit denen Macht demonstriert bzw ausgeübt werden soll.
      Dahinter steht, sich mit dem, was der andere sagt, mit dessen Bedürfnissen, Gefühlen und Interessen werder inhaltlich auseinander setzen zu wollen, geschweige denn, diese zu berücksichtigen.
      Dass mal in einer Konversation so ein Satz fällt ist dann dem aktuellen Gefühl einer Hilflosigkeit und Pausenbedarf des anderen geschuldet. Das kann dann bei starker Hilflosigkeit des anderen auch öfter sein. Kommen diese Sprüche aber ständig vor, ist es eine Methode, den anderen mental und gefühlstechnisch klein zu machen bzw klein zu halten, um Macht zu erlangen bzw weiter demonstrieren und ausüben zu können.

      Und ja, solche Sprüche haben auch verheerende Wiirkungen bei NTs, die noch zu klein sind bzw nicht gelernt haben, sich innerlich im Selbswert und in Sachen Selbstbehauptung zu stabilisieren und dass man dort, wo diese gezielt und oft eingestzt werden, besser den Kontakt abbricht, weil sie auch bei den stabilsten Menschen irgendwann diesen Selbstwertvernichtenden Einfluss haben.
      Bei "Sprüchevorgeschädigten sowieso.
      Daher finden sich solche Sprüche auch oft im Mobbingzusammenhängen. Mobber "riechen" hier Vorgeschädigte. Manche dagegen haben auch das Hobby, die Erstschädiger bei stabilen Personen zu sein.

      Wo solche Sprüche ohne Machtabsicht fallen, kann man versuchen, dagegen zu konditionieren.
      Einmal schriftlich eine Liste der Sprüche geben, die man nicht mehr hören will incl. Begründung und der Ankündigung, von jetzt ab konsequent jedes Mal zu gehen, wenn so einer fällt. Oder völlig! kommentarlos das Telefonat beenden und einfach wegklicken.
      Und das dann auch durchziehen, egal wo man ist - im Baumarkt oder im Urlaub, wann das ist - bei einer Übernachtung nachts um 3 - also immer genug Geld für Taxii und Hotel dabei haben, oder zu welcher Gelegenheit - Weihnachtsessen, Beerdigung des Onkels, Spruch aussprechende Person im Krankenhaus in der Notaufnahme. usw.
      Ohne jegliche erneute Erklärung/Begründung immer wieder die Situation wiederholen "Du Spruch-Ich weg".

      Anfangs wird immer versucht, mit weiteren Vorwürfen und dem Aktivieren von Schuldgefühlen und Peinlichkeitsgefühlen mittels "was sollen xy sagen/wie sieht das denn aus/ das kannst du doch nicht machen/das ist unhöflich usw." in eine Diskussion zu ziehen. Dabei kommt auch gerne "Du bist so egoistisch, du nimmst keine/nie Rücksicht usw." Das gilt es auszuhalten und trotzdem durchzuziehen. Maximal mit "Lies die Liste, ich hatte es dir ja angekündigt - Tschüss".
      Bei der nächsten Begegnung NICHT darüber reden, sondern normal wie immer verhalten und dann wieder sofort gehen, wenn so ein Spruch fällt.
      Ganz sachlich, ohne Ärger zu zeigen.
      Jegliche selbstinitiierte Unterhaltung darüber oder ein Einlassen auf eine Diskussion im Aufbruch, führt dazu, dass die Wirkung all der vorherigen durchgezogenen Momente auf einen Schlag verpufft, man beginnt wieder bei Null.

      Wenn es sich um jemanden handelt, der sie bewusst zwecks Machtausübung einsetzt, wird diese Person irgendwann den Kontakt abbrechen, weil ihr das nicht mehr gelingt.
      Hier wird dann oft das "letzte Mittel" eingesetzt. "So wie du bist, kann man dich nicht lieb haben" - als ob das vorher so gewesen wäre, denn jemand der liebt, würde ja die Gefühle, Interessen und Bedürfnisse des anderen berücksichtigen. Hier wird mit Entzug von etwas gedroht, das gar nicht da ist, von dem aber gewusst ist, wie sehr der andere sich das erhofft und bereit ist, so ziemlich alles hinzunehmen, in der Hoffnung, dass endlich irgendwann doch mal.... die Bedürfnisse werden zwar erkannt und behauptet, sie erfüllen zu wollen, real werden sie nur benutzt für eigene Zwecke.

      Wenn es sich um jemanden handelt, dem an einem wirklich etwas liegt, werden diese Sprüche nach und nach weniger und nach ca einem Jahr konsequenten Durchziehens nicht mehr kommen.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA