Schizoidie vs Autismus: Mangel an Persönlichkeit?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Schizoidie vs Autismus: Mangel an Persönlichkeit?

      Ich habe vor langer Zeit mal ein Thema zur Abgrenzung von Schizoidie und Autismus gestartet. Selbst habe ich wohl Elemente von beidem, aber nach wie vor keine richtige Diagnose (allerdings einen ADOS-Befund, der negativ ausgefallen ist). Das genaue Label ist für mich persönlich nicht mehr so interessant, die Phänomene dahinter zu verstehen aber schon.

      Wie ich gerade sehe, ist die Differentialdiagnose aber immer noch häufig Thema...

      Beim Lesen von Lebensgeschichten zum Thema Persönlichkeitsstörungen bin nun oft darauf gestoßen, dass bei schizoider PS die Persönlichkeit als reduziert, "verarmt" und weniger bunt beschrieben wird. In diesen Fällen schwankt die vermutete Diagnose dann meist zwischen schizoider Störung, Autismus oder Schädel-Hirn-Trauma. Mich fasziniert dabei gerade auch die Frage, ob es tatsächlich (neurobiologisch) möglich ist, keine oder kaum Persönlichkeit zu besitzen. Nicht also nur eine extreme oder unangepasste Persönlichkeit zu haben, sondern wenige oder keine Eigenschaften zu haben. Und was für eine Störung das dann eben ist. Bildlich gesprochen: Das Mosaik der Persönlichkeit ist also schwarz oder weiss, hat aber eben keine "Färbung". (Es gibt ja den Buchtitel "Der Mann ohne Eigenschaften".)

      Ich glaube, dass das möglich sein muss, weil Persönlichkeit ja auf unserem Gehirn beruht und auch nach Hirnverletzungen manchmal eine "weniger ausdifferenzierte Persönlichkeit" beschrieben wird. Und weil ich in Foren immer wieder auf solche Beschreibungen stosse. Meine Frage jetzt: Kann das auch bei Autismus vorkommen (wie im zweiten Beispiel vermutet)?

      Fallbeispiel 1
      Fallbeispiel 2

      The post was edited 1 time, last by RedBand ().

    • Um Persönlichkeitsstörungen verstehen zu können, muss man Bücher dazu lesen.
      Dort erfährt man dann, wie sich diese Persönlichkeiten verhalten und wieso.
      Die Schizoide PS lässt sich relativ leicht vom Autismus abgrenzen, wenn man in Kontakt mit diesen Menschen kommt.
      Eine schizoide Persönlichkeit entwickelt sich durch fehlende Resonanz in der Familie.
      Die Familie ist meist sehr „locker“ es werden kaum warme Gefühle ausgetauscht oder gezeigt und ist auch unerwünscht.
      Da der Schizoide nie erfahren hat, dass sozialer Kontakt ihm was „bringen“ würde, besitzt er dementsprechendes Interesse, Kontakte zu knüpfen, nämlich kaum bis gar nicht.
      Er denkt sich „Was soll ich denn mit anderen Menschen?“
      Diese Menschen können aber in einer Therapie erfahren, was soziale Kontakte ihnen bringen können und sie erfahren das Positive daran.
      Schizoide verstehen die soziale Welt eigentlich grds., verlieren dieses Verständnis aber durch ihren sozialen Rückzug (Isolation) und „verarmen“ quasi an sozialer Kompetenz.


      Der Autist hingegen, ist nicht grds. skeptisch veranlagt, wie der Schizoide und auch nicht gewissermaßen so „misanthropisch“ eingestellt, sondern ist mit anderen Anlagen auf die Welt gekommen. Ihm ist es von vornherein erschwert, die soziale Welt zu begreifen.
      Davon abgesehen, weist der Autist deutlich mehr Symptome auf.
      Dazu gehören Routinen, motorische Auffälligkeiten usw, usw. eine Entwicklungsstörung eben.

      Man kann es vielleicht auch so sagen, den Schizoiden kann man wieder resozialisieren, der Autist behält aber seine Anlagen für immer, kann aber rational Soziales erlernen, wenn auch nicht intuitiv.

      (Meine Zusammenfassung)
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Bei der ganzen Diskussion um Persönlichkeitsstörungen und allen anderen psychischen Erkrankungen darf eines nicht vergessen werden: es handelt sich nicht um empirisches Wissen aus der Naturwissenschaft, sondern ist ausgeprägt geisteswissenschaftlich. Inwiefern das wichtig ist, wird die Zukunft zeigen, wenn es bessere und fundiertere Methoden zur Diagnostik gibt gerade im psychischen Fachbereich der Medizin. Grundsätzlich ist das Wissen was heute für die Diagnostik und für Krankheitsbilder angewendet wird eher theoretischer Natur. Auch darf man nicht außer Acht lassen, dass ggf. wirtschaftliche Interessen von Pharmakonzernen und ihren medizinischen Vertretern mit in die Kriterien für Diagnosen einfließen. D. h. das ein Konkurrenzkampf unter Psychologen, Psychiatern und Forschern dazu führen kann, dass hier ein Störungsbild diverse Namen haben kann und somit wirkliche empirische Erkenntnisse verhindert oder blockiert.

      In Deutschland würde ich behaupten wollen, dass die Diagnose im Besonderen auch bei Psychologen und Psychiatern nur wichtig für die Abrechnung mit der Krankenkasse ist. Die Bewertung vom Versorgungsamt um einen Grad der Behinderung zu erreichen ist weniger von der Diagnose als vom Einlassen des Arztes abhängig (inkl. seiner Kenntnisse der Gewichtungen von Aussagen über den Patienten beim Versorgungsamt) der irgendeine Diagnose gestellt hat.
    • Cloudactive wrote:

      Davon abgesehen, weist der Autist deutlich mehr Symptome auf.
      Dazu gehören Routinen, motorische Auffälligkeiten usw, usw. eine Entwicklungsstörung eben.




      (Meine Zusammenfassung)
      also ich weis trotz dieser As Diagnose immer noch nicht ob ich Autismus hab oder schizoid, was ist jetzt eine Entwicklungsstörung, es muss sich doch beides irgendwie entwickelt haben.. denk Autismus ist sozusagen angeboren wie hätte sich das entwickeln können.

      Cloudactive wrote:


      Eine schizoide Persönlichkeit entwickelt sich durch fehlende Resonanz in der Familie.



      (Meine Zusammenfassung)
      entwickelt sich, also Entwicklungsstörung.

      The post was edited 1 time, last by Clear ().

    • RedBand wrote:

      aber nach wie vor keine richtige Diagnose (allerdings einen ADOS-Befund, der negativ ausgefallen ist).
      Ich möchte dir nicht zu nahe treten aber wenn das so ist dann ist die Anzeige "Atypischer Autismus" irreführend in deiner Statusanzeige. Wenn man keine richtige Diagnose hat und einen negativen ADOS-Befund bedeutet das eben nicht dass man eine Diagnose hat, oder zumindest hat man keine richtige.
    • Clear wrote:

      also ich weis trotz dieser As Diagnose immer noch nicht ob ich Autismus hab oder schizoid, was ist jetzt eine Entwicklungsstörung, es muss sich doch beides irgendwie entwickelt haben.. denk Autismus ist sozusagen angeboren wie hätte sich das entwickeln können.
      Also das ist so: Autismus ist angeboren, durch den Autismus verläuft die Entwicklung (des Gehirns, der Fähigkeiten über den Zeitraum des Erwachsenwerdens und danach) anders als normal. Die Entwicklung ist also gestört.

      Persönlichkeitsstörungen haben keine angeborenen Unterschiede und damit ist die Entwicklung nicht unbedingt gestört, sie können auch nach Abschluss des Wachstums auftreten und auch wieder verschwinden. Es ist dann eine Persönlichkeitsstörung und keine Entwicklungsstörung, wenn die Persönlichkeit zwar gestört ist, aber eine normale Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen und über den Lebenszeitraum insgesamt möglich ist.

      Natürlich können Entwicklungsstörungen und Persönlichkeitsstörungen auch bei einem Menschen gleichzeitig auftreten.

      So habe ich da verstanden, hoffe ich konnte es gut erklären.
    • Man kann vielleicht noch hinzufügen, dass beim Autismus in der Regel (wenn es angeboren ist), die Veränderung schon bei Geburt vorliegt, und bei den Persönlichkeitsstörungen liegt zwar eine Veranlagung vor, die aber erst Auswirkung zeigt, wenn die Lebensumstände ungünstig sind. Jemand mit der Veranlagung zu einer Persönlichkeitsstörung kann sich unter günstigen Umständen ganz normal entwickeln.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Meine Psychiaterin sieht (auch) einen großen Unterschied in dem Vorhandensein/Wahrnehmung von Emotionen. Sie (beschäftigt sich allerdings auch erst seit kurzem mit der Schizoidie und ist auch keine Autismus-Expertin) hat zu mir gemeint, dass Schizoide Menschen grundsätzlich emotionsflach sind und Autist*Innen dagegen oft sehr lebendig und mit Gefühlen, die nur oft nicht richtig "gelenkt" werden können

      (ich hoffe das entspricht auch dem was sie gesagt hatte, ich habe in letzter Zeit immer etwas Probleme mit der Erinnerung. Ich konnte irgendwie bei dem was sie insgesamt sagte nicht so ganz mitgehen..)

      Danke @Cloudactive für deine Zusammenfassung, v.A. mit der Beschreibung einer familiären Ursache kann ich was anfangen..
      Bestärkt mich auch eher in meiner Vermutung, dass meine Persönlichkeitsstruktur in Richtung schizoid geht, meine Psychiaterin tippt aber eher auf Autismusspektrum. In einem 'unproffessionellem Moment' von ihr hab ich aber auch deutlich gemerkt, dass sie Autismus einfach für die hübschere Diagnose hält. Was sie reflektiert und differenziert hat, als ich es ihr rückgemeldet habe.

      Naja, richtig passen tu ich wahrscheinlich in keine der Schubladen. Mein Hauptproblem ist sowiso der fehlende Lebenswille der ja in keiner der beiden Diagnosen ein Kriterium ist, wobei ich Zusammenhänge sehe von dem "schizoid-merkmal - kaum Interesse an Menschen" und dem Lebensunwille, als auch das Aliengefühl, welches glaube ich ja auch sowohl bei schizoid als auch autismus auftritt. Schwierig zu trennen und zu analysieren es spielt bei mir auch noch eine komplexe Traumafolgestörung mit rein.

      achja, als Persönlichkeitsarm verbinde ich Schizoidie nicht.
    • Shenya wrote:

      und bei den Persönlichkeitsstörungen liegt zwar eine Veranlagung vor, die aber erst Auswirkung zeigt, wenn die Lebensumstände ungünstig sind. Jemand mit der Veranlagung zu einer Persönlichkeitsstörung kann sich unter günstigen Umständen ganz normal entwickeln.
      Danke, das war es noch was ich hier ganz fett unterstreichen wollen würde, denn das wurde in den oberen Beiträgen vergessen.

      Man geht heute davon aus, das Persönlichkeitsstörungen nicht einfach so irgendwann durch negative Umstände zeigen, sondern das es dazu auch genetische Veranlagungen gibt. Sonst würden alle menschen, die mal die gleiche Situation erlebt haben, sich mit der gleichen PS herumschlagen, was nicht so ist. Die Persönlichkeiten werden genetisch beeinflusst, nicht nur durch das was wir erleben sondern auch dadurch wie unsere eigenen Verwanten so sind/waren. Ich erkenne das sehr stark bei mir wieder. Ich hab einiges von meiner Oma, aber auch von meinem Vater und meiner Mutter aber auch nicht gleich alles. Man macht halt eigene Erfahrungen, und lernt was einem selbst wichtig ist, das muss nicht immer genau das sein, was die Eltern richtig finden.

      Was die Persönlichkeit betrifft, kann ich das schwer abschätzen.
      Ich war mal in einem Schizotypie-forum und kann schwer beurteilen wie sich die anderen Mitglieder dort damit beschäftigen und wie deren Persönlichkeit so aussieht.
      Ich glaube viele waren dort durchaus mit sich unzufrieden, aber da klang auch sehr viel Aggression über die Went von außen mit, mit der sie ja ihre Probleme hatten.
      Ich hab damals nicht erkannt was deren eigentliches Problem mit der Außenwelt war. Sie sahen diese scheinbar als böse. Ich sa sie als eine Welt die mich nicht verstand und deswegen sich mir gegenüber ablehnend und negativ verhielt, was mich traurig machte, denn ich wusste das es an meiner art wie ich war passierte. Ich sah meine art wie ich bin aber nie als falsch oder schlecht.
      Ich sehe meinen Charakter als gut, weil er erlich ist und offen und auch lösungsorientiert und tolerant, hilfsbereit und beschützerisch.
      Meine art und weise ist in dem Forum aber nicht gut angekommen, warum auch immer.
      Als man mir erklärte das solche Menschen vom Verstehen des instinktiven Sozialverhaltens nicht anders sind als andere gesunde Menschen, (sie haben halt nicht die angeborenen Defizite), begriff ich das sie sich deswegen wie alle anderen Menschen verhielten die mich sonst in anderen Foren nach einer weile auch oft angriffen.
      Deren verhalten war ja nicht anders. Es überraschte mich nur denn ich dachte damals endlich Leute gefunden zu haben die mich verstehen auf Grund ähnlicher negativer Erfahrungen mit anderen Menschen.
    • MangoMambo wrote:

      Clear wrote:

      also ich weis trotz dieser As Diagnose immer noch nicht ob ich Autismus hab oder schizoid, was ist jetzt eine Entwicklungsstörung, es muss sich doch beides irgendwie entwickelt haben.. denk Autismus ist sozusagen angeboren wie hätte sich das entwickeln können.
      Also das ist so: Autismus ist angeboren, durch den Autismus verläuft die Entwicklung (des Gehirns, der Fähigkeiten über den Zeitraum des Erwachsenwerdens und danach) anders als normal. Die Entwicklung ist also gestört.
      Persönlichkeitsstörungen haben keine angeborenen Unterschiede und damit ist die Entwicklung nicht unbedingt gestört, sie können auch nach Abschluss des Wachstums auftreten und auch wieder verschwinden. Es ist dann eine Persönlichkeitsstörung und keine Entwicklungsstörung, wenn die Persönlichkeit zwar gestört ist, aber eine normale Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen und über den Lebenszeitraum insgesamt möglich ist.

      Natürlich können Entwicklungsstörungen und Persönlichkeitsstörungen auch bei einem Menschen gleichzeitig auftreten.

      So habe ich da verstanden, hoffe ich konnte es gut erklären.
      Aber ist eine Krankheit nicht auch genetisch vorprogrammiert? Also für eine bestimmte Persönlichkeitsentwicklung, meine ich, muss es ja auch die Voraussetzungen geben (Disposition), wenn das Umfeld diese Entwicklungen begünstigt entwickelt sich die Krankheit günstig, andererseits nicht?
    • Davon abgesehen, äußert sich Autismus nicht nur in der Persönlichkeit eines Menschen, sondern betrifft weitere spezifische Bereiche des Lebens, wie eben Motorik, Sensorik usw.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)