Begabt und gleichzeitig behindert?

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    • Hi Lena,

      ich bin damals im Studium über Hürden nicht hinweg gekommen, diesich gegenseitig beeinflusst hatten.

      Das erste war, dass ich einfach das Organisatorische nicht geblickt hatte - und selbst wenn, mich darin verheddert hatte.
      Hier hätte ich Ansprechpartner gebraucht, die mir das alles so erklären, dass ich es verstehe, und mich ggf an Termine/Fristen erinnern.
      Doof nur hier, dass "sich überhaupt damit beschäftigen müssen" mich so innerlich beschäftigte, dass ich mir weder da heraus helfen noch mir Hilfe suchen konnte oder überhaupt hören und verstehen konnte, was andere dazu sagen.

      Das zweite war, dass ich unter jeder Form von „Leistung-auf-den Punkt-zeigen-müssen“-Druck das, was ich ja wusste und konnte, nicht mehr abrufen konnte, sondern unter der "Glocke" verschwand.

      Dazu kam noch, dass ich mich selten getraut hatte, überhaupt jemanden zu fragen, dazu nicht wusste wen, und schon gar nicht wie, um mich verständlich zu machen.

      Der Grundgedanke aber war "Ich kann mir selbstnicht helfen" und die gefühlte Hilflosigkeitsorgte dafür, dass ich "wie gelähmt" war.
      Der Druck "das doch irgendwie zu müssen" erhöhte dann die Hilflosigkeit noch. Was den Druck erhöhte, was die Depression...
      das machte mich dann empfindlicher gegen weitereHerausforderungen, wie Anfahrtswege usw.
      Was sich auch wieder auf das andere auswirkte.

      Heute habe ich das etwas besser im Griff, auch wenn ich oft noch "im Organisationschaos" phasenweise "versinke.
      Was hat mir geholfen, das jetzt besser in den Griff zu kriegen.

      Das allererste war, mich nicht mehr für doof zu halten, weil es gerade so ist wie es ist. Als geborene "Chaosqueen" ist eben "systematisch ordentlich wie manche andere" bei mir nicht möglich. ABER, das ist es auch gar nicht nötig. Wenn das Wichtigste überblickt wird, die wichtigen Fristen eingehalten werden, dann reicht das völlig. Hier musste ich mich von meinem Perfektionsanspruch trennen.

      Das nächste war, zu akzeptieren, dass manche Dinge gemacht werden müssen, AUCH wen sie mir nicht liegen und schwer fallen.
      Es ist echt doof, gerade WEIL einem manches so leicht fällt, das anderen so schwer fällt, dachte ich, ALLES müsste mir leicht fallen.
      Und zweifellte dann an mir, wenn das nicht so war, dabei ist sowas normal. Nur ist dieses Normal halt bei mir extremer ausgebildet.

      Das dritte war, das, was mir bei den Dingen. die ich gut kann, ermöglicht, hier mir viel Wissen anzueignen, umzulenkenauf das, wozu ich noch gar nichts weiß.
      Ich nenne das "die Aspie-Power für mich einsetzten".

      Was bedeutet, erst mal das innere Chaos zu sortieren.
      Statt den Problembrei zu fühlen und das Gefühl vermeiden zu wollen, eine Formulierung der einzelnen Probleme.
      Beispiel:
      Ich habe keine Ahnung, wie das Studium organisieren.
      Also, wie auch bei anderen Themen erst mal Infos suchen - heute gebe ich meine Fragen wortwörtlich in googel ein, irgendjemand hat sie garantiert auch schon mal so in dieser Formulierung gestellt .
      oder "Hilfe bei Studienorganisation" und googlewirft aus google.com/search?client=firef…e+bei+Studienorganisation
      Die Schwierigkeit ist, das allgemeineThema "fehlender Überblick" vom "Ich" abzutrennen und es als Thema zu behandeln. Gefühlt ist da ja erst mal ein "Weil ich das Problem habe, bin ich das Problem" plus ein diffuses "Mir kann eh keiner helfen".
      stell dir mal vor, so hättest du bei deinen Begabungen gedacht, wenn du etwas nicht gleich gewusst oder herausgefunden hattest und dir niemand Auskunft gegeben hat.
      Auch die Frage "Wer ist potenziell Auskunftgeber" lässt sich "wissenschaftlich"erforschen. Dazu gehört dann auch, dass vllt die eine Stelle keine Auskunft geben kann, also jemand anderen suchen - nicht immer wissen die, die man fragt etwas bzw sind irgendwie komisch, dass man von denen gar nichts mehr wissen will. Bedeutet aber nur "die richtigen noch nicht gefunden". Gefühlt ist da aber ein "es gibt niemanden" - hier stimmt die gefühlte Wahrheit einfach nicht. Irgendwo gibt es Auskunft, und der Schritt davor gehört dazu, nämlich die passende Auskunftsstelle zu finden.
      Je klarer du deine Fragen hast, desto leichter fällt es natürlich dem anderen, zu verstehen, was du wissen willst. Diese Arbeit ist manchmal "Stückwerk". Die eine Stelle kann zu einem etwas sage, die andere zu etwas anderem.
      Auch ist manchmal schwer, wenn auf der anderen Seite jemand unfreundliches oder ungeduldiges sitzt, sich abzugrenzen, das nicht persönlich zu nehmen, sondern nur unter "ist hier Information für mich ja/nein", wenn ja, Info notieren, wenn nein, vergessen und sich sagen "der war halt doppelt doof".
      Oft hat es mir auch weiter geholfen, wenn mir einer keine Auskunft geben konnte, den zu fragen "Wissen Sie, WEN ich dazu fragen könnte?" So kam ich an manche Auskunft, manchmal sogar mit Name und Direktwahl.
      Die Hemmungen habe ich noch heute. Versinke auch immer mal wieder in diesem "ich bin das Problem“ oder „mein Defiizit ist das Problem“, ich kann nicht".
      Schwer fällt mir auch, mich überhaupt an die "schweren Themen" heran zu begeben. Manchmal nenne ich das "die unbewusste Arroganz der HB, die meinen, ihnen müsste alles zufliegen" , um mich "in den Hintern zu treten".

      An der Uni wusste ich ja vieles nicht zu mir, hatte keine Worte dafür, hing in diesen negativen Gedankenspiralen und versank im Gefühlsbrei.
      Heute arbeite ich damit. Los werde ich ja die "Schwächen" nicht, und die Neigung, erst mal negativ zu denken und zu fühlen ist ja da - aber ich hole mich da immer wieder raus. Und auch das wird mit jedem mal leichter - Übung halt.
      Um dann das Problem zum Thema zu machen und es "aspergisch" anzugehen und dazu* das zu nutzen, was ja auch in der HB steckt.
      Ist der schwere Anfang gemacht, wird es leichter. Mit jedem Mal ein bisschen.

      Meist komme ich jetzt auch mit der Reizüberflutung klar - zum Thema gemacht, gelernt, besser auf mich zu achten, mir mehr Pausen und Ruhe zu gönnnen. Dann "erwischt" es mich mal wieder, wie gestern, alle doofen Gefühle sind da, aber das vergeht ja auch wieder, ich lerne mit jedem Mal, beser zu erkennen, was genau dazu führt und wo meine natürllichen Grenzen sind, um diese zu berücksichtigen. Auch wenn das manchmal dauert, herauszufinden, wie. Aber auch hier, was und wie sind zwei verschiedene Fragen. die getrennt betrachtet werden müssen, erst das was, dann das wie. Dass es immer mal wieder passieren kann - so ist das halt bei mir.
      Schön ist heute, wie oft das nicht mehr passiert - als Kind wurde ich da noch jedesmal ohnmächtig. Sehr peinlich.

      Weder du noch das Mitgegebene "sind" das Problem. Es sind einige Themen da, die dir schwer fallen. Alle auf einmal kriegt man nicht gelöst. Aber mit jedem Teilthema, das ein Stück weit bearbeitet ist, wird alles etwas leichter, und dann wieder was und wieder....

      Ein anderer Aspekt ist, es sich auch in anderen Bereichen leichter zu machen. "Unorganisiert" zeigt sich ja auch in anderen Lebensbereichen - bei mir der Haushalt . Oder die Haare .
      Aber, da wichtiger ist, die Fortbildung zu machen, reicht es, wenn es halbwegs sauber ist - und wer sich darüber beschwert "wie es bei mir aussieht" ist herzlicheingeladen, das, was er als "Übel" empfindet, zu beseitigen, dafür habe ich halt gerade keine Zeit weil wichtigeres anliegt. Wie hier eine Antwort tippen statt zu spülen
      Nachdem ich das ein paar mal gesagt hatte,sogar meinte "cool, machst du das, dann kann ich...." endete die Kritik.
      Kritik, Gemecker, Tipps, was ich alles auch noch tun soll, darauf kann ich verzichten, tatkräftige Hilfe auf der Handlungsebene wird dankbar angenommen.

      Ein weiterer Aspekt ist, zu lernen, eigene Leistungen auch anzuerkennen und wert zu schätzen.
      Hier wirken aber HB, Depression und Asperger unheilvoll ineinander und machen daraus
      1. Die Leistung ist ja keine, weil sie mir leicht gefallen ist – HB-Effekt
      2. Die Leisttung ist ja keine, weil sie mir schwer gefallen ist – HB-Effekt
      die dööfste Doppelbotschaft, die ein HB mit sich bringt
      1. Die Leistung ist keine, weil so vieles andere noch nicht geleistet ist – Depri-Effekt
      2. Die Leistung ist keine, weil durch so viele innere Widerstände und mit solchen Mühen erkämpft werden musste und das immer wieder erkämpft werden muss, das nie aufhört – Asperger-Effekt, der dann wieder die Depression verstärkt.

      Du hast es geschafft, dir deinen Studienplatz zu erobern – das ist eine Leistung.
      Du hast schon einen Weg gefunden, dir gegen den Widerstand Reizüberflutung den Weg zur Uni zu ermöglichen.

      Und ja, das strengt dich immer noch mehr an als andere, aber weniger als vorher ohne Kopfhörer -, also schon ein Schritt weiter als vorher. Also eine Leistung.

      Mir hat damals geholfen, mir einen Weg zur Uni zu suchen, der optisch weniger „unordentlich#“ war. Der war zwar etwas länger und ich musste etwas früher aufstehen, aber ich kam unbelasteter an. Hatte also mehr Kraft für das optische „Unordentlich“ - mir gefällt dieser Begriff hierfür ausnehmend gut - an der Uni.
      Für andere Wege suchte ich mir „Wegmarker“ und „hangelte“ mich von einem zum nächsten. So gelang es mir, das „Unordentlich“ drumherum immer besser auszublenden. Noch mache ich das bei bisher unbekannten Wegen so. Mit diesen „Wegmarkern“ gehen bzw fahren sie sich das nächste Mal schon leichter, irgendwann ist das Routine – nur manchmal, wenn einer wegfällt, „steh ich im Wald“. Und kriege jedes mal einen Schreck. Aber der nächste, der wieder sichtbar wird, bringt das wieder in Ordnung. Also hab ich mich daran gewöhnt, dass immer mal wieder so ein Schreck kommen kann, aber auch, dass er wieder vergeht – und DAS ist ja das wichtigste.

      Letztendlich besteht jedes Problem wieder nur aus einzelnen Teilproblemen, die wieder aus einzelnen Teilproblemen bestehen, die eines nach dem anderen angegangen werden können. Das Anerkennen, welche Teil- und Kleinteil Probleme schon gelöst sind, welche teilweise enormen Leistungen da schon erbracht sind, sind DIE Hilfsmittel, gegen die HB-Doppelbotschaft, Depris und Aspie-Denke zu „Problembrei“.
      Was gelöst ist, wozu Wege gefunden sind, die helfen und etwas mehr Kraft geben, muss auch nichts mehr in Frage gestellt werden.
      Da wo eine gefundene Methode zusätzliche Kraft kostet, stellt sich die Frage nach Optimierung oder ausgleichenden Ruhezeiten. Letzteres muss ich zu „sozial mit für mich anstrengenden Menschen“ beachten. Hatte mich da früher überanstrengt, weil ich darum nicht wusste.
      Funktioniert eine Methode nicht, ist die Methode für mich nicht geeignet. Methoden sind für die Menschen da, nicht umgekehrt.

      Positiv Denken bedeutet auch nicht, sich was einreden, was nicht ist.
      Ich liebe den Straßenverkehr auch nicht.
      Mein positives Denken hier ist:
      „Ich bin schon ganz oft da durch gekommen und werde es wieder tun.“ „Wenn ich hier durch bin, dann werde ich Ruhe davor haben.“ „Das ist eben der Preis, um danach machen zu können, was ich will und mag“. Zusammen mit den „Wegmarkern“ fühlt er sich dann nicht mehr so überwältigend an – sondern „weitgehend beherrschbar“.

      Wenn man nicht immer alles unter Kontrolle behalten kann ist das Wissen um die Möglichkeiten und Praxis, sie sich zurück zu holen, ein wesentlicher Faktor, um mit zeitweiligem Kontrollverlust umgehen zu können, so dass man keine Angst mehr davor hat, dass es passieren könnte oder wenn es mal wieder passiert.
      Aus den "Elefanten", die einen gefühlt niedertrampeln, werden mit der Zeit Mücken, von denen sich die meisten vertreiben lassen bzw die manchmal erfolgenden Piekser zwar stören, aber einen nicht mehr so lange "am Boden zerstört" fühlen lassen.

      Es ist mir heute sehr viel mehr möglich als ich dachte.
      Ich wünschte, das alles hätte ich vorher gewusst. So hab ich manches übersehen, und mir bleibt nichts anderes übrig, als jetzt, wo andere schon verrentet sind oder an Rente denken, den Einstieg ins Berufsleben wieder zu schaffen. Einfach weil ich keine Rente habe und auf Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen wäre, was vieles dann verloren lassen gehen würde, das mir wichtig ist.
      Manchmal ist es ganz motivierend, erst gar keine Wahl zu haben, wenn die "angebotene Lösung" keine Option für mich ist. Da hab ich lieber weiter "mein Problem" - und versuche, das und damit die ganzen Teil- und Kleinteil-Probleme zu lösen.
      Mehr als dass es nicht klappt, kann ja nicht passieren.
      Es aber erst gar nicht anzugehen wäre ja die Entscheidung, jetzt schon freiwillig aufzugeben, und sich jede Chance selbst zu nehmen und sich gegen alles, WAS vllt möglich ist, zu entscheiden.
      Das ist ein bisschen unlogisch - finde ich. :)
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
    • @Happy to be: Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Das mit den Wegmarken werde ich nachher mal ausprobieren.

      Und ich glaube du hast recht: Auch wenn es mir manchmal vorkommt, als wäre mein ganzes bisheriges Leben ein Kampf mit der normalen Welt - bisschen was hab ich ja tatsächlich schon geschafft! Und über die Phase, in der ich mir mit der Bohrmaschine mein Gehirn aus dem Schädel bohren wollte, weil ich dachte, dass ich ohne mein Gehirn weniger Probleme hätte, bin ich zum Glück mittlerweile hinweg.

      Vielleicht ist das die Chance in den entgangenden Chancen oder eben aus eigenen biographischen Schwierigkeiten, die man damals nicht so geschafft hat, wie man es im nachhinein gerne geschafft hätte. Man kann die Erfahrungen bzw. das was man daraus gelernt hat, immerhin noch an andere weitergeben. Damit es für die dann leichter ist. In diesem Sinne: Danke. :)
      Kein Kommentar.
    • Studium bedeutet ja nicht nur Lernen, es kommen noch ganz andere Anforderungen auf einen zu. Man ist plötzlich auf sich allein gestellt, muss nicht nur lernen, sondern auch noch einen Haushalt führen, einkaufen, für Mahlzeiten sorgen...

      Kann es sein, dass es die Menge dieser Anforderungen ist, die dich überfordert? Ich kenne das z.B. von mir, dass ich auf der Arbeit total schnell ermüde, wenn ich mir in der Freizeit zu viel zumute, nicht darauf achte, dass ich z.B. abends mindestens eine Stunde Ruhe für mcih brauche. Und ich weiß, dass bei Ermüdung / Stress meine exekutive Dysfunktion extrem zunimmt.

      Ich kann total verstehen, dass du möglichst spät zur Uni und möglichst schnell wieder nach Hause möchtest (geht mir auch so), aber es ist auch wichtig, zwischendurch auf Ruhephasen zu achten. Wenn dich der Weg zur Uni zu sehr anstrengt, könntest du ausprobieren, etwas früher zu fahren und dich dafür vor der Vorlesung noch in einen leeren Seminarraum zurückzuziehen, damit du ein bisschen Ruhe hast und regenerieren kannst bevor der Stress weitergeht.Vielleicht Musik dabei hören oder irgend etwas machen, was dich entspannt.

      Wenn dich volle Hörsäle stressen, geht es dir vielleicht besser, wenn du eher hinten oder am Rand sitzt. Wenn es zu viel wird, zwischendurch rausgehen und sich auf der Toilette einschließen. Oder irgendwo eine stille Ecke suchen.

      Nach einer stressigen Vorlesung in die überfüllte Mensa zu gehen, ist auch keine so gute Idee. Geh lieber zu Zeiten, wo es ruhiger ist. Oder bring dir was zu essen mit und setz dich in eine stille Ecke.

      Anfängervorlesungen sind immer überfüllt, aber in den höheren Semestern gibt es auch Veranstaltungen, die wenig besucht sind. Wenn sie dich auch interessieren, würde ich eher diese nehmen.

      Insgesamt soltest du darauf achten, dass du zwisichendurch immer wieder regenerieren kannst. Am besten jeden Tag darauf achten, dass du dich nicht überlastest. Also zusätzliche Belastungen wie Einkäufe oder Haushalt lieber auf die Tage legen, wo du an der Uni nicht so viel zu tun hast.

      Wenn deine Therapeutin der Meinung ist, dass du "nur depressiv" bist, wird sie dich dazu animieren, am Wochenende rauszugehen, was zu unternehmen... Bei Depressionen ist das angebracht, bei AS gilt das Gegenteil, da sollte man das Wochenende eher zur Regeneration nutzen, also lieber zu Hause bleiben und etwas tun, womit man entspannen kann.

      Mit einer AS-Diagnose hast du auf jeden Fall ein Anrecht auf eine längere Studiendauer. Dann kannst du pro Semester weniger Veranstaltungen belegen, auch das hilft, dass das Studium weniger stresst.

      Viel Glück! Lass dich nicht entmutigen.
      I have my books
      And my poetry to protect me
    • Pummelchen wrote:

      @Happy to be

      .......
      Ich bin so überfordert mit mir selbst, dass es mich immer wieder extreme Kraft kostet, dieser Welt stand zu halten.

      Als erstes, ich dachte auch lange, ich sei "überfordert MIT mir selbst", dabei hatte ich mich überfordert mit allem Möglichen, von dem ich ja gar nicht wusste, dass es sich dabei um Überforderungsfaktoren handelt, bei denen ich über meine natürlichen Grenze ging.
      Also "lief ich" viele Jahre auf 150% und wunderte mich dann über die "Jetlags". Dachte an mir ist was falsch, wenn andere doch auch alles mögliche können und danach noch mehr, das mir nicht möglich war. Und schloss natürlich daraus dass an mir etwas nicht gut genug/nicht richtig ist.
      Dass andere oft "auf Sparflamme" agieren, gar nicht so viel Kraft verbrauchen, und dann natürlich am Ende weitere Energie zur Verfügung haben, das kam mir nicht in den Sinn.

      Die Energieersparnis dort besteht zu einem großen Teil darin, gar nicht so viel über sich und andere und alles mögliche nachzudenken.
      Das Gehirn braucht ja einen riesigen Teil der Energie.

      Hierzu gehört auch, erst gar keinen Perfektionsanspruch zu haben. Gearbeitet wird nach de Optimierungsprinzip, also bestmöglichstes Ergebnis mit gerade noch dafür nötigen Energieaufwand.
      Wie schwer mir das fällt, ist mir bei der Facharbeit im letzten Jahr aufgefallen.

      Ein weiterer Aspekt ist, sich bzw. ein Thema zu begrenzen - mein Drang nach "umfassend, detailgenau, Zusammenhänge erklärend" - den erkennst du in jedem meiner längeren Schreiben, und das IST jedes mal schon enorm begrenzt

      Auch das Überlegen, was wie in welcher Reihenfolge getan werden muss, damit es effektiv und schnell zu einem Ergebnis führt, fordert einerseits Energie - und je weiter man so planen will und alle Eventualitäten mit einberechnen will, um so mehr - am Ende fehlt sie dann für die Umsetzung auf der Handlungsebene, wenn ich mich nicht eh in den vielen Eventualitäten verhederre, und dann weder weiteres Denken noch Handeln möglich ist

      Einerseits macht mich Dauerdenken, dass sich nie abschaltet aus und es macht mir auch Freunde, gibt mir Schwung, aber zu dem Preis, dass körperliche Energie verbraucht wird. Kurz, es macht müde.
      In der Traumaverarbeitung dachte und schrieb ich extrem viel, nahm enorm ab, bemerkte es nicht mal, es gab nur noch Denken, schreiben, schlafen - das Ergebnis war dementsprechend.
      Hier gilt es, auf sich zu achten. Bewusste Pausen, bewusstes Essen, und bewusst überlegen, worüber und wie will ich nachdenken, also dieses Denken-Können so steuern, dass es mich voran bringt.
      Manchmal denke ich, mein Gehirn ist wie ein Rennferrari, mit dem ich ohne Führerschein auf die Straße des Lebens gesetzt wurde, mit all ihren Ampeln, Hindernissen und anderen Verkehrsteilnehmern - und dazu dachte, alle anderen würden auch so einen fahren, das einfach können und nur ich sei hier unfähig weil ich immer wieder crashte.
      Da waren dann die Tipps von Smart- oder Omega-Fahrern nicht hilfreich

      Also, alleine dass man viel denkt, braucht schon mal viel Energie - da das zu so ziemlich alle losgeht, sind dann jegliche Anforderungen auch mehr energiefordernd sei es "wie räume ich auf" oder "wie schreibe ich an Behörde xy".
      Da wo für diese "Wegstrecke" Routinen gefunden sind, wird es leichter - doof nur, wenn man auf "fremde Strecken" fährt, die Angst vor dem nächsten crash fährt mit. Und "Strecken" auf denen man schon oft einen crash hatte, machen Angst. Der Filmtitel dazu wäre "Der Horror fährt mit".

      Natürlich hätte man das alles gerne schnell hinter sich - dabei ist die Antwort "Mach langsam". Je schwerer dir etwas fällt, je unbekannter eine Strecke ist, desto langsamer, aufmerksamer und genauer muss diese erkundet werden.
      Ohne sich dabei für "unfähig" zu halten.Ein Rennfahrer, der ein neue Strecke Strecke die ersten Male fährt, kennt seinen Wagen und die Technik, fährt mit diesemm Wissen langsam, versucht herauszufinden, wie mit diesem Wagen die Strecke am besten zu fahren ist, und dann erst ist er bereit für das Rennen selbst.
      Bei outdoor-Rennen werden Karten gelesen, auf ähnlichen Untergründen einzeln geübt, mal ein paar Tage in der Wüste, dann ein paar in einem Sumpfgebiet oder auf Geröll - wenn dann das Rennen startet, kann es trotzdem einen crash geben - das gehört dazu und es gibt ja wieder ein Rennen, auf das man sich mit dieser Erfahrung vorbereiten kann.

      Bei anderen sieht oft vieles leicht aus - hinter jedem "leicht gekonnt" steht immer das Wisen um die eigene Funktionsweise, Erkunden der Strecke so weit als möglich, Übung zu Teilherausforderungen und dann das Zusammenfügen.
      Machen Menschen erschließt sich das durch abschauen. Ich muss immer erst mal alles in einzelne winzigste Abschnitte zerlegen, die verstehen und dann wieder zusammenfügen und Anschnitte üben und zusammenfügen - und dann fühlt es sich eine ganze Weile noch nicht leicht an - sieht aber für andere schon aus
      Bis es dann leicht fällt - also automatisch anspringende Routine ohne weiteren Denkaufwand wird, dauert es noch was. Aber irgendwann ist es da.

      Bei meinem Fortbildungswochenende habe ich einen Fehler gemacht. Ich hätte mir nach dem Overload aufgrund von akustischer Reizüberflutung den letzten Tag sparen sollen. Inhaltlich war da nichts neues, dass ich nicht schon gewusst und gekonnt hatte.
      ABER ich wollte "durchhalten", wollte "nicht aufgeben", na ja, das hat mich jetzt drei volle Tage gekostet, in denen ich absolut fertig war, im Alltag gar nichts mehr hingekriegt habe, zwei Tage fast völlig verschlafen habe, die Gelenke mal wieder weh taten....
      Früher hätte ich gegrübelt, mich dafür verurteilt, daraus wäre eine Depression entstanden, dabei hatte ich mich "nur" übernommen und war total erschöpft. Also saumüde.
      Bei mir waren lange diese Müdigkeit, plus negative Gedanken dazu und zu mir, und Depression total miteinander verknüpft. Kam das eine hoch, erschienen auch gleich die anderen mit.

      Heute war mir klar, ich hab den Motor des empfindlichen Ferrari heiß gefahren, weil ich af der Strecke etwas nicht beachtet hatte, die Warnanzeige nicht beachtet hatte, und dann der musste der eben auskühlen, bevor es auf der normalen Straße wieder weiter geht.

      Natürlich bin ich stolz, durchgehalten zu haben - ein bischen was fürs Ego muss man sich ja herausholen
      Auch ist das neue Wissen um die Funktionsweise dieses Ferrraris hilfreich für weitere ähnliche Strecken.
      Was mir gar nicht gefällt, ist, diesen Warnanzeiger immer Blick behalten zu müssen, aber so ist das eben.
      Entweder ich beachte ihn, oder ich muss "Abkühlzeit" akzeptieren - ohne mich darüber zu ärgern oder an mir zu zweifeln.

      Dass ich mich imer mal wieder überfordert fühle, das ist nun mal so - ,ehr als darauf achten, das es nicht so oft passiert, mit den Kräften haushalten lernen, geht nicht. Aber das dieses Gefühl geht ja auch wieder vorbei. Anstatt sich darüber zu ärgern und an sich zu zweifeln sagt es nur "schau hin, beachte die Warnzeichen, und mach langsamer oder Pause". Und zwar so lang wie nötig. Und dann "langsamer und mit bedacht".

      Mir hilft manchmal ein kleines Gedicht dazu
      Display Spoiler

      Desiderata
      Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.
      Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen.
      Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie
      haben ihre Geschichte.
      Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist.
      Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir nichtig
      vorkommen; denn immer wird es jemanden geben, der größer ist oder geringer
      als du.
      Freue dich deiner Leistungen wie auch deiner Pläne.
      Bleibe weiter an deinem eigenen Weiterkommen interessiert, wie bescheiden es auch immer sein mag.
      Es ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeit.
      In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug.
      Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller falschem Heldentum.
      Sei du selbst; vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung.
      Noch sei zynisch, was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie wachsendes Gras.
      Ertrage freundlich und gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.
      Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich im plötzlich hereinbrechenden Unglück schütze.
      Und beruhige dich nicht mit Einbildungen.
      Viele Befürchtungen sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit.
      Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir selbst.
      Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne.
      Du hast ein Recht, hier zu sein.
      Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht: Es gibt keinen Zweifel, das Universum entfaltet sich wie vorgesehen.
      Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung auch immer du von ihm hast und was immer dein Mühen und Sehnen ist.
      In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte dir den Frieden mit deiner Seele.
      Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.
      Sei vorsichtig. Strebe danach, glücklich zu sein.
      _____________________________________________________________________________________
      Der Text ist weltweit verbreitet mit der Überschrift «Desiderata». Fälschlicherweise wird als Ursprung eine Wandinschrift von
      1692 in der Old St. Paul’s Kirche in Baltimore (MD/USA) angegeben. Tatsächlich ist der deutsch-amerikanische Dichter Max
      Ehrmann der Autor des Textes, der erstmals 1927 in Baltimore veröffentlicht wurde.

      .... und jedesmal, wenn ich es lese, fällt mir auf, wo ich noch üben muss :d

      Es ist nicht leicht, im Realen umzusetzen, was es so an Erkenntnissen gibt, damit etwas leichter wird.
      Oder anders, Leichtigkeit ist das Ergebnis harter Arbeit, denn das "es sich schwer machen" ist ja über viele Jahre eintrainiert, wie eine blöde Angewohntheit, die man selbst oft gar nicht mehr bemerkt und wenn, sich dann nur drüber ärgert, dass sie da ist.

      Der Ablauf, wenn man da was dran ändern will, ist folgender:
      1. Man erkennt, was eine unerwünschte Eigenart/Reaktion bei einem auslöst,
      2. dann geht das anfangs trotzdem los, und sieht es erst hinterher - und ärgert sich dann darüber oder beginnt mir der Selbstzweifel/Selbstabwertungsspirale
      3. merkt man, dass es losgegangen ist und steckt mittendrin, und kriegt es nicht gestoppt
      4. merkt man vorher, dass es losgehen wird, und kriegt das nicht gestoppt
      5. merkt man vorher, das es losgehen wird, und "sieht gar nicht ein, es zu stoppen"
      6. merkt man, dass das losgehen wird, stoppt es, macht was anderes - und dann war das entweder auch ungeeignet, es gilt, etwas geeignertres zu finden,
      7. oder es fühlt sich unbehaglich an, weil ungewohnt, also als "nicht ich".
      8. merkt man es, macht es anders, und macht sich mit diesem anders vertraut, erträgt das Unbehagen, bis es weniger wird
      9. ...und irgendwann ist dann der Tag da, wo das nicht mehr hochkommt, sondern das "geeignete anders" automatisch losgeht
      ich bleibe manchmal auf den Stufen "sehe ich gar nicht ein" und "Suche nach Geeignetrem" hängen :d
      Wie mal wieder am letzten Wochenende :m(: :d
      Früher blieb ich auf 2. hängen, das passiert zum Gllück nur noch selten, war aber auch harte innere Arbeit, vllt die schwerste bei dem Ganzen, um diesen Ablauf wenigstens akzeptieren zu können.
      Von 1 direkt auf 9. geht nicht.

      @Bitteleise hat ja viele ganz konkrete Tips geschrieben - ich wünschte, die hätte ich während meiens Studiums schon gehabt. Wie schün, dass es heute Internet gibt :)
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
    • Ja, das sind fast alles Dinge, die ich so auch kenne. Aber ich kann das Wissen bei mir nicht anwenden, weil ich in dem Moment nicht registriere, dass ich mich überfordere oder gerade total daneben liege. Und dadurch weiß ich auch oft nicht, warum es mir so schlecht geht. Mein Kopf sagt, ich will noch dies und das machen, weil es mir Spaß macht. Mein Körper denkt sich, mach mal endlich Pause. Aber diese Verzögerung zwischen denken und handeln, dass ist so ätzend.
    • Pummelchen wrote:

      Ja, das sind fast alles Dinge, die ich so auch kenne. Aber ich kann das Wissen bei mir nicht anwenden, weil ich in dem Moment nicht registriere, dass ich mich überfordere oder gerade total daneben liege. Und dadurch weiß ich auch oft nicht, warum es mir so schlecht geht. Mein Kopf sagt, ich will noch dies und das machen, weil es mir Spaß macht. Mein Körper denkt sich, mach mal endlich Pause. Aber diese Verzögerung zwischen denken und handeln, dass ist so ätzend.
      Diese Verzögerung - irgendwann fiel mir auf, dass mich ärgert, dass ich zwar herausgefunden habe, was zu machen wäre, aber das Machen dann so viel Zeit kostet und ja bedeutet, in der Zeit nichts anderes machen zu können, dass man sich also dagegen entscheidet.....
      und das das Machen dann ja schwieriger ist als das Denken zum Machen....

      irgendwo las ich mal den Satz "wenn für den lieben Gott "eins nach dem anderen" bei der Erschaffung der Welt gut genug war und immerhin sind da ja tausend Jahre ein Tag, dann muss das auch dür dich reichen. Incl Pause machen". :d
      und das, obwohl der nur Geist ist und nicht essen und schlafen muss :d
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
    • Happy to be wrote:

      Doof nur hier, dass "sich überhaupt damit beschäftigen müssen" mich so innerlich beschäftigte, dass ich mir weder da heraus helfen noch mir Hilfe suchen konnte oder überhaupt hören und verstehen konnte, was andere dazu sagen.

      Das zweite war, dass ich unter jeder Form von „Leistung-auf-den Punkt-zeigen-müssen“-Druck das, was ich ja wusste und konnte, nicht mehr abrufen konnte, sondern unter der "Glocke" verschwand.

      Dazu kam noch, dass ich mich selten getraut hatte, überhaupt jemanden zu fragen, dazu nicht wusste wen, und schon gar nicht wie, um mich verständlich zu machen.
      Das Ganze- besonders Punkt zwei - trifft sehr auf meinen Sohn A zu. Sohn B ist eher der Typ vom Punkt eins.

      Ich versuche mal, die guten Tipps / Erläuterungen von dir auf meine Bande hin abzuklopfen, denn da gibt es bestimmt noch viel Förderungsbedarf und ich muss meine Kräfte ja selber einteilen.
      Sonst liege ich auf der Nase und kann gar nicht mehr unterstützen.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)
    • Hallo zusammen,

      Bei mir hat am Dienstag das Studium wieder angefangen. Und eigentlich war mir das Dienstagmittag schon wieder alles zu viel. Dabei war das Seminar inhaltlich total einfach. Der Dozent hat nur Sachen erzählt, die ich schon wusste (und die anderen Seminarteilnehmer anscheinend nicht) und ich saß da und hab gedacht: "Gib mir doch einfach deine Power-Point-Folien, ich lese mir das in einer viertel Stunde durch und Tschüss."
      Stattdessen saß ich da im Seminar, hab versucht, die Anspannung runter zu regulieren und in der Gruppenarbeit (das Seminar bestand leider fast ausschließlich aus Gruppenarbeiten) einigermaßen sozialkompetent rüber zu kommen. Hinterher war ich dann erstmal so erschöpft, dass ich den kompletten Nachmittag geschlafen habe.

      Ich liebe mein Studium. Und ich könnte mir sogar noch vorstellen, noch zusätzlich andere Fächer zu studieren, irgendwann. Aber ich komme halt mit der "Darreichungsform" überhaupt nicht klar. Und nicht damit, dass es Anwesenheitspflicht gibt für den ganzen Quatsch.

      Was mich an der Sache aber vor allem frustriert hat, war diese Ambivalenz: Auf der einen Seite war ich total unterfordert.Ich hätte mich am liebsten zu zweit mit dem Dozenten unterhalten und noch lieber wäre ich vielleicht sogar selbst der Dozent gewesen. Ich saß in diesem Seminar und hatte das Gefühl, den anderen Studenten um Jahre voraus zu sein und auch von meinem Verhalten/Denken schon viel "erwachsener" zu sein.
      Gleichzeitig hab ich mich sofort wieder gefühlt wie in der achten Klasse und so, als wären die alle schon viel Älter als ich. Viel cooler. So halt, als wären die Teil einer Welt, zu der ich nie Zugang finden werden. Die Art, wie die miteinander umgehen. Ich kam mir vor wie ein Außerirdischer. Und so, als wäre ich zu "dumm" um das alles zu verstehen.

      Keine Ahnung, es hat sich angefühlt, als wäre ich ein Ferrari in der Dreißiger-Zone. Und überall sonst Leute mit Kettcars. Obwohl ich das "leistungsstärkere" Fahrzeug habe, kommen die anderen besser voran. Und so fühle ich mich irgendwie ständig. Als würde ich einfach nicht zu meiner Umgebung passen. Halt wieder der Pinguin. Natürlich hat ein Pinguin viele Talente. Aber was bringen mir die, in einer Welt voller Wüste???

      Habt ihr irgendwelche Tipps?
      Kein Kommentar.
    • Hallo @MathePinguin!
      Mir kommt dein Seminar heute sehr bekannt vor. Also die Situation. Klingt wie in meinem 1. Studium. Da musste ich auch immer stundenlang Zeit absitzen für wenig gebotene Substanz und war trotzdem schwerst überfordert mit lästigen Gruppenarbeiten... :nerved:
      Ich habe nicht wirklich Tipps für dich. Außer Therapie.
      Im Job habe ich immer wieder Fortbildungen und Sitzungen im Großteam und das ist sehr belastend.
      Aber ich schaffe es dann doch immer wieder. Ich setze mich dem aus. Anders geht es eh nicht.

      Ich hoffe, du findest deinen Weg! LG Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • @Veronika, Danke für deine Antwort!
      Bei mir bringt Therapie aktuell nichts (meine Therapeutin ignoriert die Asperger-Diagnose völlig und meint, ich wäre einfach nur depressiv) und selbst wenn das anders wäre, was soll Therapie da helfen? Denn letztlich kann man ja weder aus den Kettcars Ferraris machen, noch aus dem Ferrari ein Kettcar. Und wie die ganzen Kettcar-Fahrer reagieren würden, wenn man jetzt aus der Fußgängerzone eine Formel1-Strecke machen würde, will ich gar nicht wissen.

      Ich bin ja eigentlich ein Befürworter von diesem Inklusionsgedanken und so. Aber kein Zoo auf der Welt würde Zebras und Löwen in das selbe Gehege stecken!! Oder Kamele ins Aquarium!! Warum soll das dann mit Menschen funktionieren??? Möglicherweise kann Inklusion nur klappen, wenn jeder nicht das gleiche bekommt, sondern das, was er gerade BRAUCHT.

      Ich finds einfach nur schade. Weil ich nicht nur glaube, dass ICH mehr Spaß im Studium haben könnte. Ich glaube auch, dass es für die Leute aus meinem Seminar (und auch für den Dozenten) spaßiger wäre, wenn ich irgendwie intellektuell 'ausgelasteter' wäre (und mir dann das rumgehampel zur Anspannungsreduktion oder die ganzen reingerufenen Zwischenkommentare oder die oberschlauen Aussagen sparen könnte). Oder eben gar nicht erst da. Möglicherweise wäre das das Beste.

      Aber selbst, wenn ich nicht in dieses Seminar gehen müsste. Früher oder später trifft man doch auf "normale" Menschen. Wir leben in einer "normalen" Welt... Als Kind hab ich immer von einem Raumschiff geträumt und davon, einfach nur abzuhauen.

      Und ich fühl mich einfach so allein. Weil außer mir keiner in diesem Seminar solche Probleme und Gedanken zu haben scheint. :-(
      Kein Kommentar.
    • Bei mir ist das Studium schon zig Jahre her.
      Entweder habe ich mitgeschrieben (zuhören ohne mitzuschreiben kann ich nicht, dann drifte ich ab).
      Oder, wenn es uninteressant war, gespielt oder mich anderweitig beschäftigt.

      Ich habe das Gefühl, du stehst dir mit deinen Erwartungen und ständigen Gedanken, die zu nichts führen, selbst im Weg...

      Versuche Lösungen zu finden, wie es dir gut geht. Anstatt dauernd darüber nachzudenken, warum etwas nicht geht...
    • Ich habe, aus einem anderen Kontext, eine Idee zum eventuell etwas entspannteren Umgang mit dem Seminar.
      Wenn ich merke, Kommentare, die "nichts (positives) bringen" nicht zurück halten zu können, nehme ich das mittlerweile als Zeichen, mir selbst mehr Geborgenheit zu geben. Das klingt wahrscheinlich schräg, ich versuche es zu erklären.
      Wenn ich an deiner Stelle im Seminar säße (wofür ich dich bewundere, meine Studienversuche sind sehr schnell gescheitert), würde ich versuchen, mich abzukapseln in eine Welt, die ich beeinflussen kann, und die nicht auffällt. Mir am Morgen die Kleidungsstücke anziehen, die das größte "inmirzuhause"-Gefühl erzeugen, das möglich ist. Mir ein Foto mitnehmen, das den Ort abbildet, an dem ich richtig gerne wäre, und das in meinen Block legen um immer wieder drauf zu gucken. Etwas für die Finger zum Festhalten (Vorschläge dafür gibt es zb unter dem Stichwort "skills" im Zusammenhang mit Stabilisierung bei Ptbs).
      Ich würde mir zudem überlegen, was mich am allgemeinen Seminarthema am meisten interessiert, dazu zuhause eine Arbeit anfertigen, nur für mich, und die, je nachdem was sich besser anfühlt, am Ende dem Dozenten präsentieren oder auch nicht.
      (Auch eine geeignete Rückversicherung, falls am Ende Beschwerden kommen, dass du dich zu wenig beteiligst.)
      Denn das wichtigste für mich wäre an dieser Strategie: Den Entschluss fassen, von mir aus im Rahmen des Seminars nichts mehr zu sagen. Nur antworten, wenn ich gefragt werde, so kurz angebunden, wie es mir möglich ist. Ansonsten auf mich selbst, mein zuhause-in-mir-Gefühl konzentrieren, auf den Ort auf dem Foto.
      Wie oben geschrieben, ist es eine Idee, die in einem anderen Kontext für mich funktioniert hat.
      Vielleicht gibt es keine Lösung, denn dafür bräuchte es ein Entgegenkommen, das du leider nicht bekommst. Dann bleiben nur Abbruch, was du nicht willst, oder irgendwie durch, und dafür hilft es, die Kraft, die überhaupt noch da ist, FÜR SICH zu nutzen, STATT GEGEN DIE UMSTÄNDE.
    • Oh, das Generalisieren einer Situation kenne ich hervorragend von mir selbst, fällt mir gerade noch ein. "Wenn jetzt nicht, dann nie, und es muss doch eine Lösung geben,..."
      Das ist keine schlechte Eigenschaft, finde ich.
      Bloß: Sie hilft hier nicht weiter. :|
    • @Gruen
      Eine sehr gute Idee!
      :thumbup:

      Selbstwirksamkeit, also das Gefühl, dass man sein Schicksal in der Hand hat und kein machtloses Opfer der Umstände, ist wirklich enorm wichtig!
      Gerade bei Depressionen ist eins der größten Probleme genau das - gefühlte Macht- und Hilflosigkeit.

      The post was edited 1 time, last by Sonne ().

    • Darauf wollte ich allerdings nicht hinaus, weil sehr leicht ein "Du musst nur mal anders denken, dann geht das schon!" daraus werden kann. Aus anders denken wird anders wahrnehmen, und schon bin ich wieder bei der Hilflosigkeit, doch "einfach falsch " zu sein.
    • Gruen wrote:

      Darauf wollte ich allerdings nicht hinaus, weil sehr leicht ein "Du musst nur mal anders denken, dann geht das schon!" daraus werden kann. Aus anders denken wird anders wahrnehmen, und schon bin ich wieder bei der Hilflosigkeit, doch "einfach falsch " zu sein.
      Wie meinst du den letzten Satz? Ich verstehe ihn nicht.
      bzw eigentlich alles nicht so richtig.
    • Das mit "fachlich absolut unterfordert" kenne ich - bis hin zu "Ich könnte das Seminar besser leiten".

      Meine eigene Welt in solchen Situationen:
      Mich gedanklich mit was ganz anderem beschäftigen, das mich interessiert und mir Freude macht.
      Falls jemand was fragt, ein "sry, kannst du die Frage nochmal wiederholen".
      Da nie alle 100% aufmerksam sind fällt das meist nicht auf. Oder eben " hatte noch zu vorhin nachgedacht" -ist ja nicht gelogen, war ja mein "vorher" :)

      Später kam das SI " menschliches Verhalten" dazu.
      Lustig, sich z.B. mal Kommunikationstheorien, Soziologie zu Rollenverhalten usw. anzusehen, und dann zu schauen, was man wiederentdeckt.
      Macht irgendwann Spaß wie Wimnelbilder oder "finde die versteckte Katze im Gras" oder die Fehlersuche-Bilder.

      Heute entwerfe ich im Kopf dann auch oft Alternativveranstaltungen .

      Der erste Schritt ist aber immer, zu akzeptieren, dass es gerade so ist, dass eben " gesessen" werden muss, und es darum geht, sich in der Zelle gemütlich einzurichten.
      Vor allem da ja klar ist, die Haftzeit geht bald vorbei.
      Was sich halt "drin" erstmal nicht so anfühlt.

      Countdown auf dem Handy ist auch eine Stütze für mich.

      Vllt ist ja was davon auch was für euch
      :)
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de