Sammlung sozialer Regeln, die ihr gelernt habt und die sich bewährt haben

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    • Ginkgo wrote:

      Louveteau wrote:

      - Wenn man mit anderen an einem Tisch sitzt zum Essen, fragt man, ob Sachen angereicht werden können und beugt sich nicht über das Essen anderer.
      .....
      oh Gott, macht das Essen so überhaupt noch Spaß? Ich würde Bauchschmerzen bekommen, wenn ich an all diese "Regeln" denken müsste :m(: Irgendwie bin ich froh, dass meine Eltern auf die meisten Benimmregeln keinen Wert gelegt haben.
      Und genau das ist der Grund, warum ich in der Öffentlichkeit garnicht mehr esse. Ich bin da auch so geprägt von all diesen Regeln, dass ich mein Essen nicht genießen kann, sobald ich unter Menschen bin, weil ich ständig darauf achte, dass ich alles richtig mache und nicht wie ein "Schwein" rüberkomme. Da war das die einzig mögliche Lösung, eben zu vermeiden.

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      Ich habe gerade mit der neuen Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen angefangen. Irgendwie weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll, wenn ich in die Raucherecke in der Pause komme. Es stehen immer so viele Menschen dort, einerseits will ich nicht unhöflich sein, andererseits möchte ich aber auch in Ruhe meine Pause verbringen und nicht in ein Gespräch verwickelt werden, zumal ich auch noch garnicht weiß, in welcher Form dort kommuniziert wird. Teilweise kommt es mir vor wie eine Jugendgruppe auf Klassenfahrt. Alle scheinen sehr persönlich zu sein und weniger ein 'seriöses' Verhalten an den Tag zu legen, wie es sonst ja eigentlich im beruflichen Kontext üblich ist. Dann weiß ich auch nie, ob es unhöflich ist, meine Kopfhörer aufzusetzen, aber ich kann mich auch bei dem Durcheinandergequatsche nicht erholen. Auch, was das Grüßen angeht, bin ich sehr verwirrt. Wen muss ich denn grüßen? Alle die dort sind (handelt sich ungefähr um 100 Teilnehmer) oder nur die, mit denen ich schon gesprochen habe? Was, wenn dort jemand dabei ist, der mir unangenehm ist, mit dem ich eigentlich garnicht reden will. - Das dämliche "jeden angrinsen aus Höflichkeit" habe ich mir abgewöhnt, das sorgt schonmal für etwas weniger Anspannung, weil es sich echt eklig und unnatürlich für mich anfühlte. - Falls hier irgendjemand einen guten Rat für mich hat, wäre ich sehr, sehr dankbar dafür. :d
      An Unmögliches verschwendet Hamish keine Gedanken. Vielleicht ist das auch ganz gut, denn wer nur wenige hat, darf keine verschwenden.
      Alice im Wunderland (2010), Hörspiel
    • @OtherSide

      Ich kann dein Beschriebenes so gut nachvollziehen.
      Für mich ist es in so Situationen von Vorteil, wenn ich eine Person finde, mit der ich in Kontakt treten kann. Das lenkt mich auch etwas von den anderen Reizen ab, ich komme mir auch nicht komisch vor, wenn ich mit jemandem zusammen irgendwo herum stehe und ich grüße dann genau die Personen, die uns (also mein Gegenüber zunächst) grüßen oder die mein Gegenüber grüßt. Dann habe ich nur das Problem, Gespräche aufrechtzuhalten mit genau dieser einen Person, aber das wiegt für mich nicht so schwer wie all die anderen Probleme.
    • @LailandaDemia das stimmt, jetzt wo du das so beschreibst, fällt mir auf, dass ich mir auch keine Gedanken mehr mache, wenn ich mit einer Person dort stehe und rede. Andererseits nimmt die Verunsicherung dann auch wieder größere Ausmaße an, wenn es jemand kommunikatives ist, der dann viele andere Menschen anzieht und man sich plötzlich in einer Gruppe wiederfindet. :D Das ist so verrückt alles. Und dann immer den Impulsen zu widerstehen, sich selbst zu beruhigen (bloß nicht zappeln, bloß nicht singen, bloß nicht die Ohren zuhalten, nicht den Blickkontakt meiden - wirkt ja alles irgendwie seltsam) - dann steh ich immer stumm dazwischen und fühle mich wie ein Fremdkörper. :D

      Tut auch gut, zu wissen, dass ich nicht alleine bin auf dieser Welt. Das Gefühl kommt allerdings auch nur hier im Forum auf. - Andererseits will ich den Gedanken nicht, weil ich es ja keinem wünsche, dass es ihm so geht. - Also vielen Dank für deine Antwort. :)
      An Unmögliches verschwendet Hamish keine Gedanken. Vielleicht ist das auch ganz gut, denn wer nur wenige hat, darf keine verschwenden.
      Alice im Wunderland (2010), Hörspiel
    • @OtherSide

      Aus einer Gruppe kannst du dich auch ohne Probleme rausziehen. Es reicht, wenn du kurz und bündig sagst, dass du mal kurz "wohin" musst. Du bist weniger "in der Pflicht", bei deiner Kontaktperson stehen zu bleiben, wenn noch mehr Leute dazu kommen :) Andererseits kannst du auch einfach die anderen reden lassen. So oder so bist du dann "fein raus". Die anderen sind meist so mit sich selbst beschäftigt, dass man selbst nicht mehr wirklich auffällt.

      Ich knete und reibe meine Hände zur Stimulation. Vielleicht hilft dir das auch. Das ist sehr unauffällig
    • @Ginome
      Die Sendebestätigung sagt mir zwar, dass die SMS auf der anderen Handynummer angekommen ist, aber nicht, ob sie auch gelesen wurde bzw überhaupt gelesen werden konnte.

      Vllt bin ich altmodisch, aber ein eindeutiges "over and out" als Zeichen, das alles bei der anderen Person an Information angekommen ist und die Konversation jetzt beendet ist, ist mir lieber.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
      youtube.com/watch?v=I79fZFvz9JA
    • @LailandaDemia danke für die Praxistips. Hände kneten ist auch meine Alternative. Aber stimmt, ich versuche das mal mit dem Rausziehen aus der Gruppe mit Vorwand. :D Vielleicht gelingt es mir. Ach ja, man lernt ja nie aus. :))
      An Unmögliches verschwendet Hamish keine Gedanken. Vielleicht ist das auch ganz gut, denn wer nur wenige hat, darf keine verschwenden.
      Alice im Wunderland (2010), Hörspiel
    • OtherSide wrote:

      Dann weiß ich auch nie, ob es unhöflich ist, meine Kopfhörer aufzusetzen, aber ich kann mich auch bei dem Durcheinandergequatsche nicht erholen.
      Mein erster Gedanke war tatsächlich, ob du nicht Kopfhörer aufsetzen kannst. Ich finde das gar nicht unhöflich. Die Leute können dich im Zweifel auf nach den Gründen fragen - und werden sie meiner Erfahrung nach sogar eher als dass sie da irgendwelche Vermutungen aufstellen. Ich habe selbst auch nahezu überall Kopfhörer auf und ein Freund auch und das ist immer okay. Er darf sogar im Unterricht seine Kopfhörer auf haben, weil er hochsensibel auf Reize reagiert und ihn das überlasten würde.
      Besonders in einer Behindertenwerkstatt ist mit noch mehr Verständnis zu rechnen als eben zB in einer Schule.


      LailandaDemia wrote:

      Aus einer Gruppe kannst du dich auch ohne Probleme rausziehen. Es reicht, wenn du kurz und bündig sagst, dass du mal kurz "wohin" musst.
      Auch da kannst du kurz sagen "Ich hör noch was Musik." und dich rausziehen. Dann wirkt es vllt etwas desinteressiert, aber auch nicht unhöflich. Du warst ja dabei und nutzt nun die restliche Pause für anderes.


      Zur Stimulation taste ich übrigens meine Fingerspitzen mit dem Daumen ab zB. Das fällt oft nicht auf.

      The post was edited 2 times, last by Louveteau ().

    • OtherSide wrote:

      dann steh ich immer stumm dazwischen und fühle mich wie ein Fremdkörper. :D
      Das Gefühl kenne ich so gut. Ich fühlte mich früher nicht ganz so blöd, wenn ich mich mit irgendetwas beschäftigt habe, also ein Buch zur Hand genommen und darin herumgeblättert, oder im Handy herumgetippt. Ich finde es aber auch nicht schlimm wenn man bei einer so großen Gruppe einfach die Kopfhörer aufsetzt und sichs abseits irgendwo gemütlich macht. Das Verhalten habe ich bei anderen auch schon ab und an gesehen, von daher scheint es gar nicht so unüblich zu sein, der Wunsch nach Ruhe. In kleinern/mittelgroßen Gruppen (20 Leute) wäre das wohl auch auffälliger als bei 100 Menschen.
      Manchmal macht man sich auch selbst verrückt, aus Angst, man wäre zu unhöflich/ruhig/komisch/sonderbar. Das geht mir nicht anders. Hoffentlich findest du einen Weg, dass es dir nicht ganz so unangenehm wird :)
    • Ohje, ich habe zwar bisher nur die Vermutung mit dem ASS, habe aber gerade beschlossen mir den gesamten Thread auszudrucken und die Regeln auswendig zu lernen. Natürlich habe ich öfter gemerkt dass Leute "überrascht" auf Begegnungen mit mir reagieren, aber wie wenig ich über soziales Verhalten weiß, ist mir gerade erst klar geworden.. Und bald beginnt mein Referendariat.. was das wohl wird. Puh.
    • Das nicht alle Regeln für alle gelten.

      Sprich, was bei dem einem gut oder schlecht ankommt, kann beim anderen wieder schlecht oder gut ankommen.
      ADHS & Autismus.
      and I'm an eurasian Crossbreed

      Dummheit ist nicht "Nicht Wissen" oder "Nicht Wissen Wollen", Dummheit ist "Glauben genug zu Wissen"
    • rowdy wrote:

      Das nicht alle Regeln für alle gelten.

      Sprich, was bei dem einem gut oder schlecht ankommt, kann beim anderen wieder schlecht oder gut ankommen.
      Deswegen sind das ja auch Regeln, die wir gelernt haben und kein Handbuch aller Regeln für alle Menschen in allen Situationen.



      tappsyfee wrote:

      Ohje, ich habe zwar bisher nur die Vermutung mit dem ASS, habe aber gerade beschlossen mir den gesamten Thread auszudrucken und die Regeln auswendig zu lernen. Natürlich habe ich öfter gemerkt dass Leute "überrascht" auf Begegnungen mit mir reagieren, aber wie wenig ich über soziales Verhalten weiß, ist mir gerade erst klar geworden.. Und bald beginnt mein Referendariat.. was das wohl wird. Puh.
      Davon würde ich allgemein abraten. Auswendiglernen und anwenden halte ich immer für zu "hölzern". So sind wir eben nicht. Einige Regeln sind allerdings trotzdem sinnvoll, sie auch mal auszuprobieren zB. Eben wie andere zu grüßen. Das kann etwas sein, was man bisher einfach nicht gemacht hat, weil man das nicht als notwendig sieht - es aber auch einem selbst nicht schadet, andere zu grüßen. Dann kann man das gut einüben und nutzen und alle sind glücklich. Einige Regeln sind aber vllt auch einfach gegen die eigene Natur - dann sollen die anderen doch unsere Eigenarten "bestaunen". :D
    • Louveteau wrote:

      Deswegen sind das ja auch Regeln, die wir gelernt haben und kein Handbuch aller Regeln für alle Menschen in allen Situationen.
      Für mich war das die erste Regel über Regeln (im Sozialverhalten) die ich gelernt habe: Das es kein Handbuch gibt.

      Denn ich hatte immer versucht mir eins zu erstellen.
      ADHS & Autismus.
      and I'm an eurasian Crossbreed

      Dummheit ist nicht "Nicht Wissen" oder "Nicht Wissen Wollen", Dummheit ist "Glauben genug zu Wissen"
    • Dieses Thema... 8o
      Erstaunlich das es noch Leute gibt die mit mir reden. :m(:

      Ich habe gerade mehrfach die Erfahrung gemacht das wenn jemand sagt das er "kein Geschenk will" doch eines erwartet.

      Und wenn man selbst sagt das man "WIRKLICH kein Geschenk will" trotzdem eines bekommt.
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      Wenn man mit Jemanden unterwegs ist und auf eine Person trifft die man nicht nur grüßt sondern ein paar Worte miteinander wechselt stellt man "Jemand" und "die Person" einander vor.

      The post was edited 2 times, last by Miami ().

    • War bei einer Besichtigung für ein Zimmer.
      Ihr erster Satz war quasi: “ob ich Probleme hätte Menschen beim sprechen in die Augen zu schauen“. Das Zimmer habe ich dann mit “ist halt ein Zimmer“ kommentiert (was auch sonst). Sie war scheinbar verwundert darüber und meinte dass sie sich gerne mit evtl Mitbewohnern unterhalten würde, womit ich auch kein Problem hatte. War irgendwie trotzdem ziemlich holprig. Sie fragte zwischendurch auch ob ich so gar kein Interesse an Menschen hätte, weil ich an sie keine Fragen hätte (muss man das?).

      Bin ich froh dass ich ein anderes Zimmer gefunden habe...ganz anonym im Wohnheim mit 4 anderen die nie da sind.

      Bin scheinbar ein echter Kommunikationsexperte :irony:
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • Durkadenz wrote:

      War bei einer Besichtigung für ein Zimmer.
      Die Dame scheint mir sehr aufdringlich. Du suchtest doch ein Zimmer und keinen Psychologen :!:
      Wenn mir jemand bei einer Zimmer (Wohnungs)Besichtigung so derartig auf die 'Pelle' rücken würde mit solchen Fragen, wären wohl m.E. viele Interessenten auch deutlich wortkarg. Das muss nicht unbedingt etwas mit kommunikativer Unerfahrenheit oder Unbeholfenheit zu tun haben. Finde ich.

      The post was edited 1 time, last by Coocy ().