Diagnose als Erleichterung?! wie denn das?

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    • Diagnose als Erleichterung?! wie denn das?

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      Hallo Aspie Gemeinde, ich bin neu hier und hab gleich mal ein anliegen.
      Nachdem ich lange schon überlegt habe was wohl bei mir nicht stimmt habe ich mich nun in den letzten Monaten mit Autismus auseinander gesetzt. Ich hatte das schon lange auf dem Schirm aber Angst, nachzuforschen, eben aus dem Grund darin bestätigt zu werden, dass ich wohl autistische Züge habe.
      Bisher reine selbstdiagnose aber es ist erschütternd, weil so viel passt. So viel erklärt.
      So. Jetzt lese ich immer wieder dass leute sagen "bla bla so eine Erleichterung, endlich weiss ich was los ist" und das kann ich einfach null nachvollziehen. Ich hab mir Podcasts angesehen, Bücher gelesen und bin dabei etwa nicht dabei vor Erleichterung durch die Gegend gehupft sondern habe geweint.
      Nicht weil ich Autismus per SE jetzt schlimm finde oder so. Nein. Aber praktisch meine gesamte Persönlichkeit oder das was ich für meine Persönlichkeit halte scheint entweder autistischen Grundeigenschaften oder deren copy mechanisms zugrunde zu liegen. Im Grunde Frage ich mich gerade: was bin ich uberhaupt ausser dieser Diagnose? Was kommt nicht daher? Was ist nicht in meinem leben dadurch geprägt?
      Beispiel: ich habe immer viel gelesen, sehr viel. Und dann sehe ich ein Video, in dem gesagt wird " wenn du autisten suchst, gehe in den Pausen in die Schulbibliothek". Lese ich nun also nur deswegen gern? Habe ich nur deswegen meine Pausen dort verbracht in meiner jugend oder war das meine persönliche Idee? Anscheinend nicht. So ist es mit fast allem was mich ausmacht. Ich hab daher auch Angst zB mit meinem Freund darüber zu reden denn offensichtlich ist alles was mich ausmacht dieses Krankheitsbild. Wieso sollte er mich da weiter lieben da es ja nicht ich bin, die anscheinend den Takt vorgibt, sondern mein komisches Hirn in seinen Verwindungen?Natürlich ist Persönlichkeit die Summe des Gehirns aber ich dachte ich wäre halt ein freak aber wenigstens ein freak ganz nach meinen eigenen regeln. Damit habe ich nun Jahre gut überstanden und war stolz auf meine Andersartigkeit. Nur um jetzt festzustellen dass ich nicht anders bin, sondern nur die Auswüchse einer Krankheit.
      Ich bin mir nicht sicher was ich hören will, aber irgendwo musste ich das mal loswerden. Danke fürs lesen.
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      dieKiwi wrote:

      Und dann sehe ich ein Video, in dem gesagt wird " wenn du autisten suchst, gehe in den Pausen in die Schulbibliothek". Lese ich nun also nur deswegen gern? Habe ich nur deswegen meine Pausen dort verbracht in meiner jugend oder war das meine persönliche Idee?
      Was ist umgekehrt so schlimm daran, wenn die spezifischen Verwindungen deines Gehirns vorgeben, wer du bist?
      Ist das nicht bei jedem Menschen so?
      „Kein Mensch sollte sich dafür schämen müssen, wer er ist."
      - CSI - Den Tätern auf der Spur S4E6
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      dieKiwi wrote:

      Jetzt lese ich immer wieder dass leute sagen "bla bla so eine Erleichterung, endlich weiss ich was los ist" und das kann ich einfach null nachvollziehen.
      Na, endlich mal jemand, dem es auch so geht.
      In all den Jahren las ich fast nur von Erleichterung und Glückwünschen zur Diagnose. Ich selber habe positive Gefühle nur ganz kurz nach der Diagnostik gehabt, wahrscheinlich weil ich dachte, jetzt wäre alles klar und ich hätte die Lösung für alles. Aber so ist es ja nicht. Asperger ist nicht toll. Und die Klarheit macht es auch nicht wirklich besser. In mancher Hinsicht war ich vorher sogar zufriedener, in glücklicher Unwissenheit. Da konnte ich mir noch besser einreden, dass irgendwann alles besser werden würde.

      dieKiwi wrote:

      Im Grunde Frage ich mich gerade: was bin ich uberhaupt ausser dieser Diagnose? Was kommt nicht daher? Was ist nicht in meinem leben dadurch geprägt?
      Das ist ein Punkt. Mir ging es so in Bezug auf Paarbeziehungen. Ich dachte, ich bin eben gern allein, das ist meine Art. Dann hab ich gemerkt, dass das gar nicht selbstbestimmt war, sondern dass ich keine andere Möglichkeit habe zu leben. Zumindest nicht so einfach.
      Bei dem Punkt denke ich aber, das spielt letztendlich keine Rolle, ob es ein Asperger-Gen war, das irgendwas verursacht, oder ein x-beliebiges anderes Gen. Wenn man Asperger hat, dann sind die Asperger-Gene eben auch ein Teil der Persönlichkeit.

      Das größere Problem ist wirklich, dass ich wenig Gutes an der Diagnose finden kann. Die Probleme im Alltag dominieren doch.

      Ich weiß schon, dass man es letztendlich nicht ändern kann, und dass man dann eben schauen muss, wie man sich das Leben am besten einrichten kann. Aber das braucht Zeit.

      Möglicherweise kann die Diagnose eine Erleichterung sein für Menschen, die tiefer im Spektrum sind und mit der Diagnose wirklich auch Lösungen bekommen? Ich habe nämlich erstmal keine Lösungen bekommen, die Probleme blieben alle gleich, und wurden nur endgültiger. Die Lösungen musste ich mir dann mühsam selbst suchen bzw. suche noch.

      Vielleicht kann es auch eine Erleichterung sein, wenn man weniger tief im Spektrum ist und mit der Diagnose nur eine Erklärung für ein paar Eigenheiten brauchte, ansonsten aber mit seinem Leben zufrieden ist und keine weitere Hilfe braucht?

      Blöderweise scheine ich zwischen diesen beiden Zuständen zu sein. Ich weiß auch nicht, sind nur Überlegungen.
      Kann sein, dass man in der Situation die üblichen Trauerphasen durchlaufen muss.
      (Verleugnung, Ärger, Verhandeln, Depression, Akzeptanz)
      Bei mir laufen die komischerweise alle parallel ab, und ich bekomme keine so richtig zum Abschluss.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
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      dieKiwi wrote:

      Jetzt lese ich immer wieder dass leute sagen "bla bla so eine Erleichterung, endlich weiss ich was los ist" und das kann ich einfach null nachvollziehen.
      Wenn das was du diesbezüglich hörst und liest für Dich im Grunde wie "blabla" ankommt, haben die Emotionen und Gedanken der Leute, für die es eine Erleicherung war wohl einfach keine Bedeutung für Dich persönlich.

      Mir hat die Diagnose lediglich bestätigt, mich gesellschaftlich ggfls. mal in der Schublade ASS präsentieren zu können, was mir letztlich bisher erst einmal wirklich geholfen hat als ich kurzfristig bei der Arge war und durch Nennung der Diagnose etwas mehr Luft bekam (RW) mir etwas Passendes zu suchen.
      Ich mache mir zudem etwas weniger "Kopf" was denn um Himmels willen mit mir los sein könnte.
      Ansonsten fühle ich mich weiter ebenso verunsichert in dieser Welt wie zuvor ohne Diagnose auch.
      Das war nun eine andere Küche. Eine Küche, in der das Schwache stark werden konnte.
      Und wie stark!

      Gabriela Jaskulla, "Die Herbstköchin"
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      Shenya, danke OK zumindest geht es jemand anderem auch so. Ich weiss halt auch nicht was mir die Diagnose positives bringen soll. Ich habe mein leben gut im griff und habe anscheinend das Glück da so "high functioning" zu sein dass es nicht offensichtlich auffällt. Daher bietet mir das nun aber auch keine Lösungen. Im Gegenteil, wenn ich jetzt im Kopf durchspiele, was passieren würde wenn ich jetzt eine ärztliche Diagnose bekommen würde und dementsprechend es kund tun würde, ich sehe null Verbesserungen, ich bin auch niemand der sich gern auf etwas ausruht oder etwas entschuldigt. Wenn mich Interaktionen mit anderen Menschen stressen ist und bleibt das ja mein Problem. Und darauf kann ich mich dann nicht ausruhen und deswegen nicht mehr interagieren oder von anderen Leuten für meine Probleme Einsatz fordern.

      Und an cloudactive: es ist ja eben der Punkt, dass es dann nicht meine eigenen verwirbelungen sind, sondern die einer weit verbreiteten Krankheit, die inputs an mein ich geben. Es ist dann nichts essentiell eigenes. Mir fehlt die Abgrenzung gerade zwischen mir und zwischen einem sozusagen fremdgesteuerten teil meines ichs.
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      Irgendwas scheint dir an dem Gedanken Autismus haben zu können zu gefallen. Was fasziniert dich daran?
      Wenn ich Beschreibungen von Krankheiten lese, danach habe ich auch alles. Wenn ich wollte könnte ich mir da viele Schuhe anziehen (RW).
      Fakt ist du hast die Diagnose nicht. So wie du es beschreibst würde es nicht für eine Diagnose reichen. Klingt eher nach einem Identitätsproblem und der Frage welcher Gruppe möchte ich zugehören.
      Widersprüchlich finde ich, dass du von Krankheit sprichst, die dann aber nicht heilbar sei.
      Ich würd dir raten, lass die Finger vom Autismus.
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      dieKiwi wrote:

      Ich weiss halt auch nicht was mir die Diagnose positives bringen soll.
      Meinst du die Diagnostik oder die Diagnose?

      Diagnostik zu machen finde ich persönlich schon sinnvoll. Es sei denn, man hat wirklich gar keine Probleme, aber dann müsste man sich ja auch eigentlich gar keine Gedanken über AS an sich machen.

      Also Diagnostik ist für mich sinnvoll, sobald man überlegt, ob man AS hat oder nicht, nur bringt die Diagnose selbst halt keine Erleichterung. Dazu muss man dann noch genauer schauen, was man braucht und sehen, was man wie verbessern könnte.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
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      Slim wrote:

      Irgendwas scheint dir an dem Gedanken Autismus haben zu können zu gefallen. Was fasziniert dich daran?
      Wenn ich Beschreibungen von Krankheiten lese, danach habe ich auch alles. Wenn ich wollte könnte ich mir da viele Schuhe anziehen (RW).
      Fakt ist du hast die Diagnose nicht. So wie du es beschreibst würde es nicht für eine Diagnose reichen. Klingt eher nach einem Identitätsproblem und der Frage welcher Gruppe möchte ich zugehören.
      Widersprüchlich finde ich, dass du von Krankheit sprichst, die dann aber nicht heilbar sei.
      Ich würd dir raten, lass die Finger vom Autismus.
      und du bist der Meister über wer Autismus hat und wer nicht oder was? Denkst du ich lege hier mein ganzes ich dar zur Analyse? Nein.natürlich reicht das nicht für eine Diagnose.

      Und schonmal von Henry markram gehört? Sein Team hat Autismus an Ratten gezüchtet (oder Autismus identische Symptome) und diese auch wieder geheilt. Soviel zum Thema unheilbar. Da ist das letzte Wort noch nicht zu gesprochen, wie bei so ziemlich allem dank der Fortschritte in der Medizin.

      Natürlich finde ich das thema gerade spannend; ist ja relativ wichtig wenn dem so wäre. Darf ich da nicht mich mit auseinandersetzen? Dein beitrag hier ist super negativ und wenig hilfreich.
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      dieKiwi wrote:

      Und an cloudactive: es ist ja eben der Punkt, dass es dann nicht meine eigenen verwirbelungen sind, sondern die einer weit verbreiteten Krankheit, die inputs an mein ich geben. Es ist dann nichts essentiell eigenes. Mir fehlt die Abgrenzung gerade zwischen mir und zwischen einem sozusagen fremdgesteuerten teil meines ichs.
      Hast du das Gefühl, fremdgesteuert zu werden?
      Hast du manchmal das Gefühl, als wäre die Welt nicht echt?
      „Kein Mensch sollte sich dafür schämen müssen, wer er ist."
      - CSI - Den Tätern auf der Spur S4E6
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      Cloudactive wrote:

      Hast du das Gefühl, fremdgesteuert zu werden?
      Hast du manchmal das Gefühl, als wäre die Welt nicht echt?
      Ich glaub nicht, dass sie das so gemeint hat. Sondern dass, wenn man Asperger hat, man Dinge nicht tut, weil man sie so tun will, sondern wegen Asperger. Wie eben allein leben oder lieber einen Abend mit Lesen verbringen als in der Disco. Dinge geschehen nicht aus dem vollkommen freien Willen heraus, sondern weil man in eine bestimmte Richtung durch Asperger determiniert wird, sozusagen.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
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      @dieKiwi

      Ich hatte kurz vor der Diagnose ganz ähnliche Gedanken: wer bin ich eigentlich wirklich?

      Meine Therapeutin hat mich dann wieder in die Realität zurückgeholt: Autisten sind trotz ihrer Gemeinsamkeiten so unterschiedlich wie alle anderen Menschen, und jeder macht aus seiner Disposition etwas anderes. Introvertierte NT's werden bei sich auch Gemeinsamkeiten zu anderen introvertierten NT's finden. Das macht sie aber auch nicht zu fremdgesteuerten Wesen.

      Du bist Du - der Autismus ist vielleicht ein Teil von Dir, aber schon Deine Art, damit umzugehen ist einzigartig und Deine eigene Entscheidung...

      Und was die Erleichterung angeht: doch, Du hast ein Recht auf Rücksichtnahme. Das muss ja nicht heißen, dass Du Dich gehen lässt und ab morgen völlig rücksichtslos verhältst.
      Aber Du musst Dich nicht mehr als empfindlich bezeichnen lassen, wenn Du um weniger Licht oder mehr Ruhe bittest. Du musst Dich nicht zum Firmenevent auf dem Oktoberfest quälen, wenn es auch einen Teamevent beim Grillen an der Isar gibt,
      Du kannst um einen Eckplatz im Großraumbüro bitten, weil Du sonst leider vor lauter Stress von jeder Bazille ausgeknockt wirst, die an Dir vorbeifliegt... etc, etc.

      Es ist tapfer, dass Du Dich bisher abgestrampelt hast.
      Aber 1: es ist den Anderen völlig egal, wie viel es Dich kostet und wenn Du morgen umfällst ist es den meisten Menschen um Dich rum ziemlich egal. Nach einem kurzen Zucken dreht sich deren Welt nämlich weiter.

      Und 2: ich wünsche Dir noch viel Energie, aber ich musste leider selbst die Erfahrung machen, dass diese nicht unbegrenzt ist. Sich das einzugestehen ist bitter, und dieses Geständnis anderen gegenüber zu machen erfordert Mut und kann furchtbar schief gehen. Wenn ich diesen Weg nicht gehen würde würde ich allerdings in naher Zukunft im Burn-Out landen.
      Ich fordere also lieber Rücksicht und hoffe das Beste - im worst case lande ich ohnehin im Abseits, so habe ich vielleicht eine Chance...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...
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      Aber das verstehe ich nicht, AS ist für mich kein Fremdkörper.
      Es war ja schon immer da.
      Man ist ja auch als weibliches Geschlecht dann sozusagen determiniert.
      Das kann man auf jede angeborene Eigenschaft übertragen.
      Ich finde, man verkrampft sich zu sehr auf eine "wahre, reine Persönlichkeit", die es vermutlich nicht einmal gibt.

      Deterministisch betrachtet, ist der Mensch ja auch ohne Autismus nicht mit einem autarken Willen ausgestattet.
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      - CSI - Den Tätern auf der Spur S4E6
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      Der Mensch ist die Summe seiner Teile.

      Egal, ob man ASS jetzt als Krankheit, Behinderung oder eine andere Art des Seins betrachtet, ist es am Ende ein Teil dessen, was einen ausmacht. Der einzige Punkt, dem ich zustimmen muss: Man hat es sich nicht selbst ausgesucht. Genauso wenig, wie man sich sein Geschlecht ausgesucht hat, oder ob man Allergiker ist, das Down-Syndrom hat, einen hohen oder niedrigen IQ.

      Am Ende bleiben nicht viele Möglichkeiten. Entweder man arrangiert sich mit sich selbst und wird glücklich, oder man regt sich jedes mal aufs Neue über sich selbst auf, wenn man wieder etwas dank Autismus nicht funktioniert hat. Auf die eine oder andere Art muss man damit leben.

      Der Hinweis von @Ellewoods2017 ist richtig und wichtig, wenn nicht jetzt, dann später. Permanent gegen die Umwelt oder sich selbst zu kämpfen, raubt einem die Energie. Ich persönlich bin froh über die Erkenntnis, was mich Energie kostet, denn so kann ich gegensteuern. Ich muss mich nicht mehr um jeden Preis an meine Umwelt anpassen, mich durch kämpfen. Ich kann auch einfach mal eine Einladung zu einem Team-Event ablehnen, weil es für mich zu anstrengend werden würde. Klar mache ich mich damit zum Außenseiter, zum Sonderling. Aber die anderen können das kaum nachvollziehen, wie sollten sie auch. Genauso kann ich meine Energie darauf verschwenden, immer wieder zu versuchen mich zu erklären, warum manche Dinge für mich schwerer sind als für die meisten anderen. Einfacher ist es, das ganze einfach zu akzeptieren, sich damit zu arrangieren.

      Ich durfte bereits die Erfahrung machen wie es sich anfühlt, keine Energie mehr zu haben. Am Rande des Burnouts zu stehen, Fehltage zu sammeln, Psychopharmaka zu schlucken, den Arzt fast um eine Einweisung zu bitten und sich Gedanken über den Freitod zu machen. Spaß macht das nicht. Und dabei kenne ich auch die Zeiten, in denen mir vieles noch relativ leicht viel, in denen ich noch gut kompensieren konnte. Zeiten, in denen ich mich ausschließlich meiner Karriere gewidmet habe, immer mit dem Ziel vor Augen, weiter, schneller und höher zu kommen.

      Es ist besser, schon frühzeitig auf sich Acht zu geben, bevor es irgendwann zu spät ist. Ich wünschte mir, ich wäre schon früher über Autismus gestolpert, bevor ich es auf die harte Tour lernen musste. Vielleicht haben andere mehr Glück.
      AS, diagnostiziert am 14.06.2017
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      Ellewoods2017 wrote:

      Autisten sind trotz ihrer Gemeinsamkeiten so unterschiedlich wie alle anderen Menschen, und jeder macht aus seiner Disposition etwas anderes. Introvertierte NT's werden bei sich auch Gemeinsamkeiten zu anderen introvertierten NT's finden. Das macht sie aber auch nicht zu fremdgesteuerten Wesen.
      Das ist ein guter Gedanke.

      happily_alone wrote:

      Der einzige Punkt, dem ich zustimmen muss: Man hat es sich nicht selbst ausgesucht. Genauso wenig, wie man sich sein Geschlecht ausgesucht hat, oder ob man Allergiker ist, das Down-Syndrom hat, einen hohen oder niedrigen IQ.
      Ja. Nur bei negativen Eigenschaften (solche, die einem Probleme machen) ist es wohl schwieriger, sie anzunehmen. Die positiven, wie hoher IQ o.ä. nimmt man viel leichter an oder ist sogar stolz darauf, obwohl man ja auch nichts dafür getan hat.

      happily_alone wrote:

      Es ist besser, schon frühzeitig auf sich Acht zu geben, bevor es irgendwann zu spät ist. Ich wünschte mir, ich wäre schon früher über Autismus gestolpert, bevor ich es auf die harte Tour lernen musste.
      So gesehen, ja.
      Als ich noch keine Diagnose hatte, sah ich zwar manches noch positiver, aber es lag wohl auch am Alter, und irgendwann wäre das auch ohne Diagnose nicht mehr möglich gewesen, es weiter noch positiv zu sehen. Irgendwann sind Dinge endgültig.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
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      hallo! @dieKiwi
      ich kann dich verstehen, weiß aber nicht was für einen ratschlag ich dir geben kann.
      das einzige das mir einfällt was ich tun kann für dich, ist dir zu erzählen wie es mir ergangen ist.
      ich bin auch vor eineinhalb jahren auf dieses thema gestoßen. ich legte es ebenfalls immer wieder auf die seite, da ich es eigendlich nicht glauben konnte/wollte.
      doch es lies mir keine ruhe und jedes mal als ich wieder zum recherchieren begonnen hatte um beweise für mein täuschen zu finden, fand ich jedes mal mehr beweise, dass ich doch ins spektrum falle.
      das löste bei mir, so wie bei dir, zu einem großen zusammenbruchs meines inneren selbst. diese luxi die ich mir über jahre in meiner blase aufbaute starb.
      in mir begann ein großes rudern wer ich nun wirklich sei. habe ich überhaut eine richtige persönlickeit?! was macht mich aus? und das wichtigste täusche ich mich vielleicht doch und bilde mir "dieses" asperger nur ein. drehe ich jetzt völlig durch?! vielleicht bin ich einfach durch...
      ich probierte mich immer wieder freunden zu nähern und ihnen meine gedanken zu erklären. ich wurde nur mit großen ungläubigen augen begutachtet und spürte richtig das viele glaubten ich dreh jetzt komplett durch. es waren schwere monate, ich verlor viele freunde...
      und es ließ mich noch immer nicht in ruhe...
      eines tages beim waschmaschiene befüllen "die" erleuchtung. das würde ja bedeuten ich bin behindert! und ich bin jetzt 29 jahre durch mein leben getappst und hatte eigendlich oft gar keine wahl.
      ...ich hatte mich so wohl gefühlt in meiner blase. denn dort hatte ich immer eine wahl, immer die möglichkeit entscheidungen zu treffen so wie ich es wollte. in meiner blase lebte ich aus freien stücken 10 jahre auf der strasse und ein sehr intensieves freakleben, denn ich wollte es so...
      und dieser geistesblitz brannte im kopf. ich will ja nicht behindert sein! ich bin ja gesund, wie konnte man diese offensichtlichkeiten in meiner kindheit übersehen?? hauptsache ich war immer der schwarze peter (rw). ich saß da und weinte und ironischerweise tröstete mich die waschmaschiene wie sie so schön die wäsche einseift.
      mich ließ es keine ruhe! diese ungewissheit! habe ich es oder hab ich's nicht... hab ich vielleicht etwas anderes, wie eine psychose oder shizophrenie?! es war zum haare raufen (rw)
      ich wollte klarheit.
      nach langen suchen fand ich endlich einen arzt auf kasse der mir sehr schnell einen termin gab. da der ass dachverband in österreich eine warteliste von einem jahr oder länger hatte. so lange konnte ich nicht mehr warten. ich war innerlich so zerissen und verwirrt ich brauchte einen menschen der es studiert hat, sich "aus kannte". mir ging es wirklich schlecht und fiel von einem overload in den nächsten.
      ich bin nun seid februar als autistin des typs asperger diagnostiziert.
      jahrelang dachte ich und andere ärzte, ich hätte deppresionen. bei der diagnostik kam raus ich hab nichtmal welche. wurde aber jahre davor mit antideprisiver behandelt. noch dazu ruhigstellende wegen meiner "erhöter impulsivität". nun tabletten benötige ich keine mehr. nur mein bisschen cbd...
      das wichtigste aber für mich von dieser prozetur war zu wissen das ich recht hatte!!! alleine dieses wissen gab mir kraft und mut, jetzt alles zu ändern und es "richtig" zu machen.
      ich denke wenn man probleme hat und sie ignoriert wird alles nur schlimmer. ich sehe es jetzt eher als geschenk neu anzufangen, nur das ich diesmal mehr auf mich achten muss. das ist wichtig sich selbst und zwar richtige selbst, nicht diese blase, kennenzulernen. die grebzen testen wie weit kann ich gehen wann und warum vekomme ich overloads. wie fühlt sich mein körper kurz vor einem meltdown an. was geschieht mit mir wenn ich es herausfordere usw... das ist ein prozess, ein prozess dich wirklich kennen zu lernen und nicht das was du gerne wärst oder noch schlimmer alle von dir verlangen. und ich wäre bestimmt nicht eine so gute lösungsfinderin, künstler und musikerin und logikerin wenn ich nicht diese "krankheit" hätte. ;)
      was nun auch sehr entspannend ist, is das ichs jetzt endlich rauslassen derf. als kind wurde ich sehr streng erzogen und alles was nicht gesellschaftskonfom war, war inakzeptabel. aber jetzt :twisted: kann ich summen, quitschen, wackeln, zappeln, klopfen, tanzen und das beste ich muss niemanden mehr in die augen sehen. und die paar freunde die ich noch habe, sehen mich nicht seltsam mehr an. denn ich bin die neue, bessere und vorallem entspanntere luxi. ich kann mit diesem wissen nun geziehlt meine schwächen ausgleichen und wurde zu einem viel efizienteren menschen.
      und in drei woche bekomm ich meinen schwerbehindertenpass, dann kann ich allen die mir nicht glaubten(inkl.meiner mutter(sehr schlechtes verhältnis)) zeigen das ICH RECHT HATTE :d UND NEIN ICH WAR NIE ZU FAUL UND GAB IMMER HUNDERT PROZENT, ICH KONNTE ES NUR NICHT BESSER.
      auf diesen moment freue ich mich schon :)
      ich hoffe ich konnte dir vl. etwas helfen.
      liebe grüße luxi

      ps wenn du dich länger mit aspis beschäftigst wirst du merken das wir alle unterschiedlicher sind als du es jetzt vl. war nimmst. alleine an fiesem forum merkt man es.

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