Mit Kritik umgehen

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      Rhianonn wrote:

      1. " Wie stehst du denn da!" [...]
      2. "Schau nicht immer auf den Boden beim Laufen."
      3. "Du weißt immer alles besser!" ( als Kind habe ich da tatsächlich einmal ja gesagt....) [...]
      4. "Du hast immer das letzte Wort!" ( verstehe ich bis heute nicht , das ist doch kein Wettstreit .....)
      5. "Schau nur, was [xyz] alles für die Familie tut"
      6. " Du warst als Kind schon schwierig."
      7. "Du denkst nur an dich "
      8. "Du bist ein Egoist!"
      Komisch, das hab ich alles auch schon gehört. Kennen wir die selben Leute? Als Teenie brachte es mich auf die Palme. Inzwischen hab ich mir ein paar Textbausteine zurechtgelegt, mit denen ich zufrieden bin.

      1. "Bequem."
      2. "Doch." Der das zu mir sagte - beim Wandern - stolperte kurze Zeit später.
      3. "Oft." - "Diesmal schon." - "In dieser Disziplin besitze ich Expertise." Das "ja" kann ich mir meist verkneifen.
      4. "Stimmt."
      5. Verstummen. Bei diesem Knopf bin ich hilflos.
      6. "Es hätte Heime gegeben."
      7. "Nur wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht."
      8. Siehe 7.

      Mir ist klar, dass ich damit eskaliere. Nix sagen nervt aber noch mehr.
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      Rhianonn wrote:

      Slim wrote:

      Alle deine Beispiele: So redet man mit jemanden den man verachtet und nicht respektiert. Man macht das, weil man es entweder mit dem machen kann und der sich nicht wehrt oder wenn man bewusst provozieren will.
      So hatte ich es nicht gesehen....du meinst also , das wäre keine wirkliche Kritik und die Tatsache, dass ich wütend werde, hätte nix mit Kritikunfähigkeit zu tun?
      @Rhianonn

      Ich finde viele der Beispiele, die du angeführt hast, auch sehr unsachlich vorgetragen. Sie sind meiner Meinung nach nicht neutral bzw. nicht nur Sachbotschaften, sondern auf der Beziehungsebene schwingen ganze Welten mit.

      " Wie stehst du denn da!" -- kann auch heißen: "Ich bin besser als du und stehe über dir, deshalb kann ich es mir leisten, dir zu sagen, wie du dich hinzustellen hast und mich über dich lächerlich machen". Neutral formuliert hätte man sagen können "Wieso belastest du denn den linken Fuß mehr als den rechten?" (oder was angeblich das Auffällige ist). So hätte man zeigen können, dass einen wirklich die Antwort interessiert und dass man nicht nur darauf aus ist, eine Person zu belehren und sie dadurch klein zu halten.

      "Schau nicht immer auf den Boden beim Laufen." -- genau das gleiche wie oben: Wieso glaubt die Person, das Recht zu haben, dir Befehle geben zu können? Du kannst doch beim Laufen hinschauen wo du wiillst. Was geht die Person das an?

      " Jetzt machst du das auch nicht mehr." ( kam nachdem ich Rehasport verlassen hatte, weil die Anleiterin versucht hatte, mich zu mobben) -- da könnte man eine Enttäuschung raushören, die dann aber nicht klar geäußert wird, z. B. "ich bin enttäuscht, dass du nun nicht mehr zur Reha-Gruppe gehörst". Stattdessen ist es als Vorwurf verpackt, so dass man den EIndruck bekommt, die Person wäre irgendwie sauer, aber warum? Es sieht so aus, als würde es sie stören, dass du nach deinem Bedürfnis gehandelt hast und nicht nach ihrem.

      "Du weißt immer alles besser!" ( als Kind habe ich da tatsächlich einmal ja gesagt....) -- Das passt den Leuten ja oft nicht, wenn jemand etwas weiß und das zeigt. Meiner Meinung nach liegt das am gekränkten Stolz oder Ego anderer Menschen, wenn sie so etwas sagen. Eigentlich meinen sie wahrscheinlich "Ich fühle mich so klein, wenn du immer alles weiß und das nicht wusste."

      "Du hast immer das letzte Wort!" ( verstehe ich bis heute nicht , das ist doch kein Wettstreit .....) -- Drückt meiner Meinung nach aus, dass eine Person nicht damit zurecht kommt, wenn sie nicht Recht hat bzw. nicht das letzte Wort haben kann. Das wird dann dem Gegenüber vorgeworfen.

      "Schau nur, was deine Schwester alles für die Familie tut" -- ganz krasse Manipulation, bei der Mittels Vorwürfen ein schlechtes Gewissen beim Gegenüber erzeugt werden soll. Sowas würde mich extrem aggressiv machen.

      " Du warst als Kind schon schwierig." - ( Was für eine Antwort wird da erwartet? Entschuldigung für meine Geburt?) -- das finde ich genauso mies. Das unterstellt einem, dass man sich nicht entwickeln kann und immer noch so sei, wie ein kleines Kind. Es ist auch sehr herablassend aus einer Art "Eltern-Perspektive", die einem nicht auf Augenhöhe begegnet. Ich finde den Satz sehr unfair.

      "Du denkst nur an dich " --- Da ist vermutlich auch jemand enttäuscht, dass dir deine eigenen Bedürfnisse wichtig sind und seine/ihre hinten anstehen. Die Idee dahinter ist vielleicht "ich bin enttäuscht und sauer, dass meine Bedürfnisse niemand erraten kann und niemand erfüllt, sondern ich mir die selbst erfüllen muss..."

      "Du bist ein Egoist!" -- da steckt vermutlich das gleiche hinter, nämlich sowas wie "Ich will, dass MEINE Bedürfnisse erfüllt werden! Wieso tust du das nicht?!?!" Ich finde das auch ganz krass manipulierend. Nur weil man seine eigenen BEdürfnisse ernst nimmt, muss man nämlich noch lange kein Egoist sein. Mir wurde das früher oft von meiner Mutter gesagt und wenn eine Person dadurch die Realität verdreht, finde ich das sehr schädigend. Egoismus ist nicht per se etwas schädigendes, finde ich. Wenn man z . B. in einer Familie aufwächst, in der die Eltern zuallererst egoistisch sind, dann ist es sogar überlebenswichtig, dass man als Kind auch egoistisch wird, weil man sonst untergeht bzw. stirbt. Das dann noch vorgeworfen zu bekommen (man hat sich ja nicht unbedingt freiwillig dazu entschlossen) finde ich sehr mies. Ich weiß aber nun nicht, wer das genau zu dir sagte

      -----------

      Alles in allem finde ich die Sätze nicht sachlich-neutral formuliert, sondern da schwingen verdeckt die enttäuschten Bedürfnisse des Gegenübers mit, der die dir gegenüber nicht offen ausspricht und dir teilweise sogar Vorwürfe macht bzw. die manipuliert und beleidigt.

      Mit Kritikunfähigkeit hat das meiner Meinung nach überhaupt nichts zu tun. Ich finde es sehr schlimm, wenn man solche Sätze gesagt bekommt, weil sie zeigen, wie sehr die andere Person auf sich fokussiert ist und wie viel Gefallen sie daran findet, dich zurechtzuweisen und zu kontrollieren. Dann wird das alles noch ins Gegenteil verkehrt, weil es ja verpackt ist als wohlmeinende Zurechtweisung deiner Person.
      Ich kann nur sagen, dass mich soetwas einfach nur unfassbar wütend macht. Das ist überhaupt keine direkte, wohlwollende, offene Kritik, sondern genau das Gegenteil davon. :thumbdown:

      Ich kann sachlich vorgetragene Kritik auch akzeptieren. Wenn mir jemand sagt "das ist fehlerhaft argumentiert" kann ich sagen "ja, okay stimmt, da hab ich einen Fehler gemacht". Wenn aber jemand kommt und einen blöd von der Seite an macht und sagt, dass das ja jeder Idiot erkennen kann, dass das nicht stimmt, dann kommt die inhaltliche Botschaft gar nicht mehr an, weil ich dann nur die Beziehungsebene lese.

      Na ja, meiner Meinung nach gäbe es viel weniger Probleme wenn Menschen einfach nur auf der Sachebene sprechen würden, aber das tun sie ja fast nie. :shake: :yawn:
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      FruchtigBunt wrote:

      " Jetzt machst du das auch nicht mehr." ( kam nachdem ich Rehasport verlassen hatte, weil die Anleiterin versucht hatte, mich zu mobben) -- da könnte man eine Enttäuschung raushören, die dann aber nicht klar geäußert wird, z. B. "ich bin enttäuscht, dass du nun nicht mehr zur Reha-Gruppe gehörst". Stattdessen ist es als Vorwurf verpackt, so dass man den EIndruck bekommt, die Person wäre irgendwie sauer, aber warum? Es sieht so aus, als würde es sie stören, dass du nach deinem Bedürfnis gehandelt hast und nicht nach ihrem.
      Enttäuschung mitgeteilt zu bekommen, finde ich aber genauso schlimm. Der andere macht einen damit klein und sagt einem indirekt wieder mal, dass er Erwartungen an dich hat, die du nicht erfüllst. Ich hab innerhalb der Familie dieses "Ich war da ja etwas enttäuscht von dir." schon zu hören bekommen und es fühlt sich schrecklich an.
      Liegt dem anderen an mir, daran, dass es mir gut geht, kann er/sie das doch äußern: "Ich hatte gehofft, dass es dir gut tun würde. Es tut mir leid, dass es dir nicht geholfen hat." So in der Art. Da schwingt Mitgefühl und der Wunsch, dass es dem anderen gut geht, mit, aber keine Erwartung/Forderung.

      Ich finde die Analyse von @FruchtigBunt sehr gelungen.

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      Mit berechtigter und sachlich vorgetragener Kritik kann ich ganz gut umgehen. Klar, im ersten Moment bin ich oft überrascht und/oder erschrocken, dann denke ich aber darüber nach und reagiere sachlich darauf.

      Mit Aussagen, wie du sie genannt hast @Rhianonn bin ich früher oft so umgegangen wie @Matou. Mittlerweile ist mir das zu anstrengend und meist ignoriere ich sie einfach. Oder frage nach "Wie meinst du das?" - darauf wissen die meisten keine echte Antwort, sondern bringen allgemeine und nichtssagende Antworten. Die ich dann - meist mit hochgezogenen Augenbrauen und einem Grinsen - ignoriere.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
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      @Rhianonn
      Das freut mich, dass jemand mit meinen Ideen dazu etwas anfangen kann. Ich hatte die im übermüdeten und überdrehten Zustand geschrieben und mir hinterher Vorwürfe gemacht, dass ich meine Ideen einfach so rausgehauen hatte, ohne die richtig zu systematisieren und gegenzulesen.

      Die schlagfertigen Antworten von @Matou finde ich sehr beeindruckend. Ich möchte versuchen, zukünftig auch so zu reagieren. Denn auch wenn es möglicherweise Feuer ins Öl gießt, also die Sache verunsachlicht, denke ich, dass das gerechtfertigt ist. Durch die Beispiele von Rhianonn ist mir nochmal bewusst geworden, wie fies und manipulierend andere Menschen sein können und wie dreist, ihren eigenen Egoismus dann auch noch als Sorge um die Person zu tarnen, die sie eigentlich beleidigen. Deshalb denke ich, dass man dann auch etwas schnippisches antworten darf, um seine Selbstachtung zu erhalten und der anderen Person zu zeigen "ich habe durchschaut, was du vorhast. So nicht!"

      Ich werde mal testen welche Wirkung diese 'scharfen' Antworten haben. Bisher sagte ich nämlich eher sachliche Dinge auf solche Ansprachen, wie "was spielt das für eine Rolle?" oder "warum fragst du das?", aber ich hatte meist den Eindruck, Dass das das Gegenüber nicht in seine Schranken wies, sondern ihm möglicherweise sogar noch mehr das Gefühl gab, die Oberhand über die Situation zu haben.

      Keine Ahnung, ob das typisch für Frauen mit Asperger ist, aber bevor ich anfing, sachlich zu fragen, um Leute mit unfairen Fragen abzuwehren, sagte ich oft auch gar nichts und ignorierte es oder konnte vor Erstarrung nicht reagieren. Ich glaube, ich habe immer versucht, fair zu sein und sachlich zu bleiben, aber so langsam denke ich, dass es mir mehr Selbstachtung geben könnte, wenn ich dann auch mal unfair zurück schieße. Also nicht erst dann Ausrasten, wenn das Fass am überlaufen ist, sondern auch schonmal vorher einen bissigen Kommentar abgeben und die Stimme anheben und fordernd sein. Bei einem Telefonat diese Woche bin ich der Person z. B. ins Wort gefallen, was ich normalerweise tunlichst vermeide. Aber hätte ich das nicht gemacht, wäre sie weiterhin von falschen Tatsachen ausgegangen (warum auch immer sie das tat). Durch mein Unterbrechen konnte ich verhindern, dass beide aneinander vorbeireden. Im Endeffekt trug das Unterbrechen dazu bei, das Gespräch wieder auf die Spur zu bringen und zu versachlichen. Von daher sollte ich vielleicht flexibler werden und mir "unsachliche und unfaires" Gesprächsverhalten erlauben, wenn es insgesamt zur Versachlichung beiträgt und nicht zu unfair ist. Die Personen mit denen ich sprach, wurden durch mein Unterbrechen und lauter werden seltsamerweise nicht ärgerlich, sondern sogar freundlicher. Das gibt mit stark zu denken, so dass es speziell für mich zukünftig wohl eher in die Richtung gehen wird.
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      @FruchtigBunt: Ha-noi, dass da mal keine Missverständnisse aufkommen: Das sind alles Textbausteine. Als mir die jeweiligen Sätze erstmals gesagt wurden, stand ich immer da wie der Doof und verstummte. Was soll man darauf denn Vernümpftiges antworten? Mich z.B. interessiert bei solchen Sätzen das Warum überhaupt nicht, also frag ich nie danach. Vollkommen ehrlich wäre: "Lass mich in Ruhe." - "Geh weg." Das kommt noch weniger gut als meine Textbausteinchens. Oft hab ich solche Sätze von oben nach unten gehört, also von Mutter zu Tochter, von Chef zu Untergebenen, vom Kommandant zu den Löschknechten. Von oben nach unten gesprochen sind sie doppelt unzulässig.

      @ShaundasSchaf: Super Definition.

      The post was edited 1 time, last by Matou ().

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      Ich mag es nicht, wenn jemand „rummäklt“ ohne mir zu erklären, wo sein besch....... Problem liegt! Dann fragt mal, was ihn oder sie daran stört. Und dann kommt die schlimmste Antwort: ... das macht man nicht!
      Mein Mac ärgert mich mit seiner Autokorrektur und er macht auch vor euch nicht halt! :prof:

      Leute ohne Macke sind kacke!! :nod:
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      @Loquella: Kommt drauf an, wie du wo hinschaust. Ich guck, dass ich immer so die kommenden 5 Meter im Blick habe, das passt gut zu meiner Kurzsichtigkeit. Joggen nervt, das geht mir zu schnell und mit Brille sind es zu viele Details. Eindeutig ein Problem der Blickführung. Bei allen schnelleren Fortbewegungsarten sollte der Blick also weiter nach vorn gehen, weg von den Füßen. Je schneller man sich bewegt, desto weiter vor brauchst du den Focus. Zu diesem Vorschau-Modus muss ich mich manchmal richtig zwingen, typischerweise guck ich bei jedem Schritt den Zehen hinterher.
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      ShaundasSchaf wrote:

      ich kenn 2 sorten kritik
      1. einer mag nicht was ich mach
      2. einer mag nich wie ich bin

      1is ok
      2 find ich scheisse
      Sehr gut auf den Punkt gebracht!
      Es geht leider meiner Meinung nach nicht aus allen Beispielen aus dem Eingangspost hervor, um welche Art der Kritik es sich hier handelt. Wenn man grundsätzlich der Ansicht ist, dass alle Kritik die man bekommt, losgelöst vom Kontext, der Sorte 2 entspricht und nie berechtigt sein kann, dann wäre der Vorwurf nicht kritikfähig zu sein berechtigt.
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      @Matou, die Textbausteine :thumbup: :thumbup: :thumbup:
      so was fällt mir höchstens hinterher,

      normalerweise geht es mir so wie @FruchtigBunt

      FruchtigBunt wrote:

      sagte ich oft auch gar nichts und ignorierte es oder konnte vor Erstarrung nicht reagieren. Ich glaube, ich habe immer versucht, fair zu sein und sachlich zu bleiben, aber so langsam denke ich, dass es mir mehr Selbstachtung geben könnte, wenn ich dann auch mal unfair zurück schieße. Also nicht erst dann Ausrasten, wenn das Fass am überlaufen ist, sondern auch schonmal vorher einen bissigen Kommentar abgeben und die Stimme anheben und fordernd sein
      ich denke auch oft, dass ich mich verhört habe oder die ganze Situation nicht real ist....
      so wenig kann ich glauben, was als Kritik kommt.
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      @Rhianonn: Hilfreich war, wie schon in früheren desolaten Lebenslagen, eine künstliche Lebensform, nämlich diesmal der Terminator. In Terminator I gibt es die Szene, wo der Wirt an seine Tür klopft und in roten Buchstaben ein Menü mit mehreren Optionen aufgeht: "Ja" - "Nein" - und noch eine oder zwei. Arnienator nimmt Antwort 3...
      Display Spoiler
      "Fick dich doch selber, du Arschloch"
      Die Sache mir den Fertigtexten fand ich schlau und nachahmenswert. Ich stelle mir meine Textbausteine schriftlich vor (natürlich in rot), bevor ich sie gesprochen an Menschen verwende. Ich muss nur ablesen. Da Situationen, die Textbausteine erfordern, oft an sich etwas Surreales haben, darf man sich von irrealen Freunden helfen lassen...