ständige Angst als Kompensation für exekutive Dysfunktion, Unachtsamkeit und für das Fehlen funktionaler Routinen/Rituale

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    • @Verwirrt
      Das Bett mache ich tatsächlich nicht deswegen, weil es mir so wichtig wäre. Du hast recht, es gibt zig wichtigere Dinge im Haushalt, die ich stattdessen machen könnte. Das ist aber nicht der Punkt.
      Das Bett zu machen ist für mich eine Art Übung. Es geht nur darum, diese Routine zu etablieren und beizubehalten.
      Und schon allein diese simple und unbedeutende Handlung erfordert ja, dass ich morgens daran denke und mich dann noch dazu durchringe, sie tatsächlich auszuführen.
      Wenn mir das bei so einer einfachen Aufgabe gelingt, ist die Chance viel höher, dass ich das auch auf andere Aufgaben ausweiten kann, von denen viel mehr abhängt.
    • Verwirrt wrote:

      Das ist eines der Dinge, die ich noch nie auf meine Liste gesetzt habe. Ich finde das dermaßen unwichtig. Ich schlage das Bett mogens beim Verlassen auf, damit es lüften kann, und gut. Den Rest des Tages betrete ich das Schlafzimmer ja nur, wenn ich mal Wäsche in den Schrank räumen will.
      das Bett zurückschlagen zum Lüften IST für mich Bettenmachen. Nicht - Bettenmachen heißt bei mir , die zerwühlten Bettdecken lassen und nicht lüften.
      "Autismusdiagnose - Potius sero quam numquam.
      ( Lieber spät als nie.) "
      :irony:
    • Rhianonn wrote:

      das Bett zurückschlagen zum Lüften IST für mich Bettenmachen. Nicht - Bettenmachen heißt bei mir , die zerwühlten Bettdecken lassen und nicht lüften.
      Oh. Stimmt. Könnte man auch so definieren :) Für mich ist das Zurückschlagen der Decke keine separate Tätigkeit, sondern ich stehe auf, indem ich eben die Decke umschlage :d Also, es ist irgendwie eins mit dem Aufstehen. Spannend, wie unterschiedlich man sowas Alltägliches strukturieren kann.
      Good bye :)
    • seven_of_nine wrote:

      Also ich habe definitiv die Einsicht, dass ich bei Hunger was essen sollte, aber ich bin dann einfach wie gelähmt, die Handlungssteuerung versagt.

      Frage mich, ob nicht häufiger exekutive Dysfunktion als Depression fehldiagnostiziert wird.
      Ich kenne das Problem, ist für mich ein Kernproblem von AD(H)S. Und dieses wird gerade aufgrund der "Probleme, irgendwas anzufangen" hin und wieder als Depression gedeutet.
      Bei mir ist Essen weniger ein Problem (ich kann mich motivieren, aufzustehen, wenn ich weiß, dann kann ich essen...). Aber solche ganz banalen Dinge wie z.B. Duschen - ich habe dermaßen keine Lust darauf... ich überwinde mich trotzdem, aber hätte ich keine Angst vor Abwertung durch andere aufgrund niedriger Hygienestandards, würde ich wohl seltener duschen.
      Es können ganz banale Sachen sein, z.B. noch kurz irgendwo hingehen und was erledigen, wenn mensch eh schon unterwegs ist (z.B. Geld abheben) und ich habe spontan eine so starke Unlust, zusätzliche Konzentration für diese langweilige Handlung aufzubringen, dass ich es schlicht vermeide. Mit ADS-Medikamenten habe ich das Problem viel weniger.

      Im Übrigen finde ich deine Frage interessant, ob die Kompensation exekutiver Dysfunktion größtenteils angstbedingt ist. Für mich ist das schon viel so. Allerdings bin ich auch von meinem selbstverursachten Chaos oft überfordert und ärgere mich über mich selbst, das spielt auch mit rein.
      je länger ihr sie anseht, desto absurder erscheint die Welt... und jetzt erst... undjetzterst!
      neurodivers & glücklich
    • seven_of_nine wrote:

      Ich habe nämlich festgestellt, dass die Angst bei mir die Funktion eines Aufpassers einnimmt und auch für die Handlungssteuerung sorgt, diesonst GAR nicht funktionieren würde.

      seven_of_nine wrote:

      Hm, so wie eine innere Lähmung. Man bleibt einfach sitzen und prokrastiniert. [...] man bekommt dadurch ein schlechtes Gewissen, wodurch der Stresspegel immer weiter ansteigt. Häufige Gefühle und Gedanken, die mit der Lähmung verbunden sind:


      Angst (Mensch, du wolltest doch noch das und das und das erledigen und jetzt schaffst du es nicht mal, dir was zu essen zu holen?)

      Schlechtes Gewissen (Oh man, ich müsste doch mal...)

      Selbsthass (Oh man, wie kann man so unfähig sein? Kriegst du es nicht mal hin, kurz runter zum Bäcker zu gehen und dir eine Semmel zu holen? Nicht mal dafür reicht es?)

      innere Unruhe/man kann sich nicht entspannen

      ständiges Aufschieben (So, in 5 Minuten gehe ich WIRKLICH los und mache den Rechner aus...)

      Schönreden/rationalisieren (Naja, jetzt hast du mal frei, jetzt kannst du dir auch gönnen, dich gehen zu lassen, strengst dich ja sonst immer an...)

      Überforderung (Was soll ich als nächstes tun? Mir was vom Bäcker holen? Aber dann ess ich wieder so viel Weißmehl, muss mich doch gesünder ernähren... oder soll ich was kochen? Aber was?)

      Das ist bei mir sehr ähnlich; alles, was nicht an sich reizvoll ist oder zumindest Mittel zum Zweck für etwas Reizvolles, ist für mich langweilig und kostet Überwindung. Einsicht an sich treibt mich nicht an und die ständige Überwindung strengt ihrerseits an, sodass es regelmäßig die Angst richten muss. Allerdings sehe ich das als die unangenheme Kehrseite meines stark ausgeprägten inneren Eigenantriebes (der intrinsichen Motivation): Wenn mich etwas reizt, versetze ich Berge - wenn nicht, bin ich selbst so unbeweglich wie ein Berg. Insofern ist die die Aussage "Angst als Kompensation für exekutive Disfunktion" zwar nicht falsch, fängt das Wesentliche aber meines Erachtens nicht ein. Eine "Exekutive Disfunktion" ist es nämlich "nur" aus einer wie auch immer verstandenen "neurotypischen" Sicht.
      Achtung, eigene Sprache!

      The post was edited 4 times, last by Eurich Wolkengrob ().

    • Interessant @Eurich Wolkengrob, das ist bei mir ähnlich. Ich kann mich schlecht zu etwas aufraffen, wozu ich keine Lust habe nur weil es gut wäre...bei mir funktioniert dieses 'sich zusammenreißen/A... zusammen kneifen (RW)' so gar nicht. Aus diesem Grund habe ich schon in der Kindheit angefangen mir alles 'schmackhaft' zu machen. Zum Beispiel beim Putzen (laaaaangweilig :d ...und dann auch noch eine Tätigkeit die so gar keine Nachhaltigkeit bietet :nerved: ) stelle ich mir intensiv vorher vor, wie sehr ich es genießen werde, wenn alles sauber ist und gleichzeitig aufgeräumt (optisch angenehm freie Flächen, Ruhe fürs Auge usw).

      Ich würde das jetzt nicht unbedingt als 'neurotypische Sicht' marken wollen sondern eher in den Versuch einbetten wollen, alles unter pathologischen Aspekten sortieren zu wollen unter der Annahme es gäbe einen 'Normalzustand'...falls ich Dich richtig verstanden habe. :d
      „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
      Rumi
    • kikilino wrote:

      Ich würde das jetzt nicht unbedingt als 'neurotypische Sicht' marken wollen sondern eher in den Versuch einbetten wollen, alles unter pathologischen Aspekten sortieren zu wollen unter der Annahme es gäbe einen 'Normalzustand'...falls ich Dich richtig verstanden habe.
      Ich fasste es so, wie ich es tat, um meine Vorbehalte sowohl gegen die Pathologisierung als auch gegen den Gedanken der Neurotypie auszudrücken. :)
      Achtung, eigene Sprache!
    • seven_of_nine wrote:


      • Überforderung (Was soll ich als nächstes tun? Mir was vom Bäcker holen? Aber dann ess ich wieder so viel Weißmehl, muss mich doch gesünder ernähren... oder soll ich was kochen? Aber was?)

      Hatte ich beim Überfliegen übersehen - du beschreibst da eine tägliche Überforderung, die ich auch gut kenne x(
      Ich würde mir das mit einem Defizit im Priorisieren erklären (was auch ein Teil von Exekutiven Funktionen ist). Alle "Variablen" einer Entscheidung erscheinen gleich wichtig... oder das Arbeitsgedächtnis ist nicht aktiv genug zum Sortieren der Variablen. (Evtl. würde es dir auch helfen, dich mit ADS-Therapieansätzen auseinanderzusetzen? "Getting Things Done" oder so? Oder evtl. Achtsamkeitstechniken, soll auch helfen, entsprechende Gehirnareale zu trainieren). Manchmal denk ich mir, ich würde das so gerne erleben, wie einfach solche Dinge als NT sein müssen.
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    • seven_of_nine wrote:

      @julai Wenn man ein schlechtes Arbeitsgedächtnis hätte, hätte sich das nicht in den Schulleistungen niederschlagen müssen?
      Ich vermute, der Effekt des Arbeitsgedächtnisses ist manchmal eher subtil - klar, es wirkt sich auf die Intelligenzleistung insgesamt aus, aber ich habe immer ziemlich gute Noten (Abi 1,4) obwohl im Intelligenztest das Arbeitsgedächtnis unterdurchschnittlich war. Aber so genau weiß ich es nicht.
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    • @julai Kopfrechnen ist nicht meine Stärke, aber ich bin nicht auffällig schlecht. Lange Sätze kann ich problemlos lesen und ich kann auch mehrstellige Nummern kurzzeitig im Kopf speichern.

      Schwierig wird es, wenn sich der Kontext ändert, wenn man mich z.B. in einer Aufgabe unterbricht, wird das Arbeitsgedächtnis bei mir wohl gelöscht. Kann mich dann oft nicht erinnern, was ich ursprünglich tun wollte.