Unfähigkeit mit negativen Ereignissen umzugehen

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    • Lefty wrote:

      Das Thema geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Es würde bei mir so einiges erklären! Zum Beispiel mag ich bestimmte Gegenden nicht mehr aufsuchen, wenn ich dort mal ein negatives Erlebnis hatte (ich rede jetzt nicht von hochtraumatisierenden Sachen, aber für mich dann wohl doch traumatisierend genug). Wenn ich doch dort hin muss, dann fühlt sich diese Örtlichkeit für mich ungut an, irgendwie als hätte das, was ich dort erlebt habe, einen "Abdruck" hinterlassen.
      Das war bei mir ganz schlimm. Erst vor 2 Jahren hatte ich die "Zonen-Welt" aufgelöst. Die ganze Welt bestand bei mir aus Zonen. "Dreckige" und "saubere" Zonen. Bei den "dreckigen" hatte ich meistens was schlimmes erlebt, und wenn ich eine "dreckige" Zone betreten hatte, konnte ich die Kleidung nicht mehr in der "sauberen" Zone tragen und musste mich erst richtig lange duschen, bevor ich in der "sauberen" Zone richtig weiterleben konnte. Denn betrat man eine "dreckige" Zone war man kontaminiert. Verseucht. Beschmutzt.

      EDIT: ich war mal durchlöchert durch "Microtraumata"
      Aspie oder Gurke?
      Horror aus der GURKE
      ADHS & Autismus.

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    • Ich nutzte schon lange bevor ich von AS was wusste dieses "emotionale Lernen".

      Welches ja auch in der Lernforschung beschrieben wird, weil eben alles, was mit Emotionen verknüft ist, besser gemerkt wird.
      Wobei negatiive Emotionen dann zu "Vermeiden" führen, weshalb z.B. Strafen dafür sorgen, dass schlecher gelernt wiird, positive Emotionen sorgen dafür, dass besser behalten wird, was gelrnt werden soll.

      Ich hab irgendwann festgestellt, dass ich alles, bei dem starke Emotionen beteiligt sind, allerdings egal ob negativ oder positiv, wie einen Film abspeichere, incl der Tonsspuren.
      Hier dann auch das Gesagte aus den "Hochemotionalen Szenen" wörtlich wiederholen kann. Mnache über jahrzehnte noch.

      Insofern versuche ich, für das, was ich mir merken möchte, eine starke positive Emorion zu finden und die damit zu verknüpfen, damit sich ein TonFilm abspeichert.

      Wie sehr sich das jedoch von emotionalen Lernen der NTs unterscheidet wird mir erst jetzt so richtig bewusst.
      Und ich verstehe heute diese "Du bist mir unheimlich, du machst mir Ansgt"-Kommentare, wenn das offensichtlich - also un-heimlich wurde. :m(: :d
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
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      Zu diesem Thema hab ich noch etwas aus dem Buch "Asperger: Syndrom zwischen Autismus und Normalität" von Ole Sylvester Jorgensen:

      "Die verschiedenen Symptome, die man bei Kindern mit Asperger-Syndrom feststellen kann, entspringen nicht einer basalen Grundangst, sondern sind Folge mangelhaft entwickelter psychischer Fähigkeiten sozialer/kognitiver Art. Die Konsequenz für einige dieser Kinder kann eine leicht durchbrechende Angst sein,...

      Einige Kinder mit Asperger-Syndrom zeigen wiederkehrende Angst vor ganz bestimmten Dingen oder umschriebenen Situationen, aber die Angst hat vermutlich immer ihre Wurzel in einem konkreten angsterregenden Erlebnis."


      Es folgt dann ein Beispiel, wo ein Junge Angst vor einer bestimmten Gegend hat. Er war mit seinen Eltern an einem bestimmten Turm, als pötzlich ein als "Straßengaukler" verkleideter Mensch auf Stelzen vor ihm auftauchte. Der Junge hat sich heftig erschreckt und hat die Umgebung dann immer mit diesem Schreckenserlebnis in Verbindung gebracht. Obwohl ihm seine Eltern später erklärten, warum er Angst vor dem Ort hat und dass diese Angst nicht begründet ist, auch, weil der Gaukler ja gar nicht mehr dort ist, hat sich nichts getan an der Angstreaktion des Jungen - er konnte trotz der Erklärungen diesen Ort nicht mehr aufsuchen, ohne Angst zu bekommen.

      Das deckt sich sehr gut mit dem, was im Eingangsbeitrag von Markram zitiert wurde.

      Ich kann das für mich auch bestätigen. Beispiel: Ich habe mich vor einigen Jahren versehentlich in einer Zugtoilette eingesperrt, weil ich mit der Entriegelung Probleme hatte - ich hab wohl die nötigen Handhabungen zum Entriegeln falsch ausgeführt bzw. nicht erst eine Bewegung, dann die zweite, sondern irgendwie beides gleichzeitig und damit die Riegelung blockiert.
      Ich musste an die Tür klopfen und hoffen, dass mich jemand hört - was dann auch der Fall war und es wurde jemand vom Personal geholt, die die Tür von außen aufschloss.
      In der Zeit, die ich drin war, bin ich fast gestorben vor Angst - ich dachte, ich müsste vielleicht in dieser Toilette ersticken. Ich weiß, dass das irrational ist, aber ich konnte da drin keinen klaren Gedanken fassen. Ich weiß noch, dass ich mich im Raum umsah und ein wenig erleichtert feststellte, dass es immerhin ein Fenster zum Rausschauen gab.

      Jedenfalls hab ich seitdem sehr große Angst davor, dass mir so etwas wieder passiert. Im Zug gehe ich manchmal auf das WC, aber ich gucke mir jedes Mal den Schließmechanismus an und führe die Bewegungen jetzt immer extrem achtsam aus. Ich muss dazu sagen, dass dieses Schloss in dem Zug, wo das Ereignis passierte, ungewöhnlich war - es war ein italienischer Zug und so einen Schließmechanismus habe ich sonst nirgends vorgefunden, zum Glück.
      Im Flugzeug aber würde ich mich überhaupt nicht auf die Toilette trauen, ohne jemanden zu bitten, zu gucken, ob ich nach so und so vielen Minuten wieder rauskomme und wenn nicht, bitte das Bordpersonal zu bitten, die Tür zu öffnen - denn die Tür vom Flugzeug-WC ist so dick, dass ich Angst hätte, niemand würde mich hören, wenn ich von innen dagegen klopfe und rufe.

      Also dieses Ereignis mit dem Einsperren hat tiefe Spuren in mir hinterlassen und auch, wenn ich Zugtoiletten jetzt hin und wieder benutze, ist jedes Mal ein mulmiges Gefühl dabei und ich bin jedes Mal heilfroh, wenn ich die Tür wieder geöffnet habe.

      Mit Orten hab ich das halt auch, und ich denke, dass ich da vielleicht irgendetwas mehr unbewusst wahrgenommen habe, was mich verunsichert hat, was dann immer wieder, wenn ich da bin, hochkommt - mich beruhigt diese These, denn das heißt, dass ich nicht irrationale Ängste habe, sondern dass die Ängste oder das mulmige Gefühl einen wirklichen Grund haben.

      Es gibt natürlich auch Orte, wo ich genau weiß, warum sie mir dieses mulmige Gefühl verursachen. So z.B. die Gegend, wo ich während meiner frühreren Arbeitslosigkeit hin musste - da, wo das Arbeitsamt steht - wenn ich später aus anderem Grund dort vorbei fuhr, und wenn es nur in der Nähe war, überkam mich immer ein sehr schlechtes Gefühl - weil ich das Arbeitsamt mit Abhängigkeit, Angst, Hilflosigkeit und so weiter verbinde. An der Gegend kleben dann alle Gefühle, die ich während der Zeit der Arbeitslosigkeit hatte, also nicht nur solche, die direkt mit dem Amt zusammen hängen, sondern quasi der ganze Lebensabschnitt, alles, was ich da an negativen Gefühlen und Erfahrungen durchgemacht habe, kommt hoch, wenn ich an diesem Ort vorbei komme.

      Mir ist es deshalb auch wichtig, ein, zwei "sichere, saubere" Orte für mich zu haben, die nicht durch Eindrücke "kontaminiert" werden können. Ich brauche draußen einen Platz, an den ich gehen kann, wo ich weiß, hier werde ich mich immer wohl fühlen, ein Platz nur für mich. An diesen Platz würde ich nicht gern mit jemand anderem gehen, denn dann würde ich diesen Platz mit dem anderen Menschen verbinden und es könnte sein, dass wir z.B. dort über etwas sprechen, was ungute Gefühle auslöst, sodass ich beim nächsten Mal, wenn ich dorthin ginge, dieses ungute Gefühl wieder erleben würde, oder es könnte sein, dass es mit der anderen Person sehr schön ist, an diesem Platz zusammen zu sein, dann würde ich aber beim nächsten Mal, wenn ich dort wieder allein wäre, die andere Person vermissen.
      Kann das jemand nachvollziehen?

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      Ja.

      Ich war mal auf einer Schultoilette eingesperrt und kam nur weg, weil oben offenes Mauerwerk war , über das ich nach außen klettern konnte.
      Ich gucke immer noch auf öffentlichen Toiletten, ob das möglich wäre.
      Bei anderen bin ich wiederholt unsicher, ob der Riegel wieder aufgeht jedesmal zuverlässig.

      Und ich habe auch Orte, an die ich lieber alleine gehe wiederholt. Meine.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)