Unfähigkeit mit negativen Ereignissen umzugehen

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    • Unfähigkeit mit negativen Ereignissen umzugehen

      Gerade habe ich das hier gelesen:

      kn-online.de/Nachrichten/Wisse…enry-Markram-im-Interview

      Da heißt es:

      Vor allem schlechte Erfahrungen, die vergisst es nie. Das führt zu
      vielen Mikrotraumata. Und das ist das große Drama für Autisten, das sich
      erst in unserer Forschung erschlossen hat: Ihr Gehirn
      ist unfähig, eine negative Erfahrung einzuordnen und durch eine
      positive Erfahrung oder auch nur das Ausbleiben einer Wiederholung zu
      überschreiben.
      Wie meinen Sie das?
      Wenn ich in einen gelben Tisch stolpere, dann sag’ ich mir selbst, dass ich nicht aufgepasst habe, entspanne mich wieder und weiß, dass gelbe Tische nicht per se schlecht sind. Wenn Kai in einen gelben Tisch stolpert, dann vergisst er das nie und hat immer Angst vor einem gelben Tisch, und dann stolpert er in etwas anderes, wovor er dann auch immer Angst hat. Irgendwann ist ein autistischer Mensch wie in einem Käfig zwischen all diesen Dingen und Situationen, die Angst vor Schmerzen verursachen. Dann ist die Welt sehr bedrohlich.

      So ist es bei mir auch, d.h. es wird im Laufe des Lebens immer schlimmer. Ich habe vor immer mehr Dingen Angst, ich sammle immer mehr Mikrotraumata an.

      Da es hier heißt unfähig, bin ich aber auf Grund meiner Verdrahtung gar nicht in der Lage, zu lernen, mit den negativen Ereignissen umzugehen. Zudem lese ich hier immer wieder, dass die Kompensationsmechanismen mit dem Alter immer weiter nachlassen. Ich bin noch nicht mal 30 und es ist jetzt schon so schlimm bei mir 8o Ich stelle mir vor, wie ich in 10 Jahren nicht mal mehr das Haus verlassen kann.

      Mein Freund schrieb mir gerade, ich solle nicht so viel lesen, mein Bruder meinte des Öfteren, mir solle man das Internet wegnehmen.

      Ich frage mich, ob ich mich für alle Forenbereiche sperren lassen sollte außer Privatnachrichten (wegen Forentreffen)? Meint ihr, man kann das trotz der fehlerhaften Verdrahtung im Rahmen einer Therapie lernen?

      Siehe auch: Buchempfehlung - Autisten fühlen mehr als wir - Henry Markram

      The post was edited 3 times, last by seven_of_nine ().

    • Meine Mutter konnte ihr halbes Leben nicht mehr ohne sich mit xanax vollzupumpen das Haus verlassen. Ich gehe nur noch raus, weil ich muss. Mit dem Hund, einkaufen und zum arbeiten, wenn ich arbeite. Ansonsten bleibe ich daheim. Wenn man verständnisvolle Menschen um sich herum hat kann man es sicher "erlernen". Die Frage ist ob man das überhaupt möchte. Ich bin überhaupt nicht mehr scharf drauf neue Leute kennenzulernen. Erfahrungsgemäß kommt am Ende eh nur Müll bei raus.
    • Doch, ich gehe schon sehr gern aus dem Haus und treffe mich sehr gern mit Leuten. Aber ich habe eben auch vor vielen Dingen Angst, z.B. fahre ich nicht mehr Fahrrad, weil ich denke, dass ich sicher einen Unfall bauen würde (einen Führerschein habe ich ohnehin nicht). Ich habe auch große Angst vor Bewertung und Kritik, z.B. hätte ich früher kein Problem damit gehabt, glaube ich, mit einer Band aufzutreten, jetzt überlege ich mir ständig, was dabei schief gehen könnte, genauso würde ich nicht mehr an irgendeinem Wettbewerb teilnehmen. Auch habe ich früher z.B. Texte geschrieben, ohne diese innerlich ständig zu verreißen aus der Angst heraus, dass sie schlecht sein könnten. Früher habe ich mir auch Kinder gewünscht, dann kamen extrem viele zwanghafte Ängste (ich würde mit dem Schlafmangel nicht klar kommen, Antinatalismus -> moralisch verwerflich, ein Kind zu bekommen, Kind wäre auch autistisch und zuletzt: ich könnte schuld daran sein, dass mein Kind stirbt!). Früher habe ich keine so extreme Angst davor gehabt, mich sozial unangemessen zu verhalten. usw.
    • Wenn ich vor allem Angst hätte, womit ich in meinem Leben schon mal negative/schmerzhafte Erfahrungen gemacht habe, dann würde ich längst nicht mehr leben, weil ich schlicht vor Angst gestorben wäre. Der These zufolge müsste ich Angst vor fast allen Tieren und Pflanzen, so gut wie allen Haushaltsgegenständen und Möbeln, diversen Fahrzeugen, Elektrizität, Wasser, Feuer, Wetter, anderen Menschen und noch vielen, vielen anderen Dingen mehr haben. Habe ich aber nicht. Ich kann diese These für mich also nicht bestätigen.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Ich verstehe das so ein bisschen, ich habe auch das Problem, je mehr ich weiß und erlebt habe, desto mehr Angst macht mir alles. Es können 1000 schlimme Dinge passieren jeden Tag. Es ist so eine Art Lebensangst. Es wird mit den Jahren auch immer schlimmer. So richtig bewusst ist mir das erst in den letzten sieben Jahren geworden, seit meiner letzten schlimmen Krankheitsphase. Ein Rezept dagegen habe ich leider nicht. Wenn ich nicht so alleine wäre, könnte ich mich vielleicht auch mal auf die Stärke von jemand anderem verlassen. So muß ich immer stark sein.
      Ist da wer?

      The post was edited 1 time, last by kim ().

    • seven_of_nine wrote:



      Vor allem schlechte Erfahrungen, die vergisst es nie. Das führt zu
      vielen Mikrotraumata. Und das ist das große Drama für Autisten, das sich
      erst in unserer Forschung erschlossen hat: Ihr Gehirn
      ist unfähig, eine negative Erfahrung einzuordnen und durch eine
      positive Erfahrung oder auch nur das Ausbleiben einer Wiederholung zu
      überschreiben.
      Wie meinen Sie das?
      Wenn ich in einen gelben Tisch stolpere, dann sag’ ich mir selbst, dass ich nicht aufgepasst habe, entspanne mich wieder und weiß, dass gelbe Tische nicht per se schlecht sind. Wenn Kai in einen gelben Tisch stolpert, dann vergisst er das nie und hat immer Angst vor einem gelben Tisch, und dann stolpert er in etwas anderes, wovor er dann auch immer Angst hat. Irgendwann ist ein autistischer Mensch wie in einem Käfig zwischen all diesen Dingen und Situationen, die Angst vor Schmerzen verursachen. Dann ist die Welt sehr bedrohlich.


      Ich halte nicht viel von Aussagen, dass ein Gehirn nicht fähig sein sollte, etwas zu tun. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man als Autist durchaus in der Lage ist, nur dass die Wege eben anders sind. Ich denke, die "Unfühigkeit" hat nicht direkt mit dem Autismus zu tun, sondern mit indirekten folgen des Autismus. So sind Autisten ja generell unsicherer und verschlossener aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Umwelt.

      Ich habe vor kurzen eine interessante Studie gelesen. Wir alle besitzen ja Neandertaler-Gene, da sich der Homo Sapiens und der Neandertaler damals vermischten. Jeder hat zwischen 2-4% Neandertaler-Gene. Allerdings kommen dazu auch noch Gene von diversen anderen Menschenarten. Und all diese Menschenarten waren nicht nur äußerlich etwas unterschiedlich, sondern auch im Gehirn. Diese vermischung brachte also Vorteile, aber auch inkompatibilitäten.

      So war der Neandertaler Lichtempfindlich, war in kleineren sozialen Gruppen organisiert, hatte eine simplere Kommunikation, tendierte zu höherer Intelligenz und Spezialisierung (eben aufgrund der kleineren Sozialen Gruppen) und war ängstlicher. Alles Eigenschaften, die man durchaus auch vielen Autisten zuschreiben kann. Die Neandertaler waren praktisch die Nerds der Steinzeit.

      Die Studie zeigte, dass Menschen mit vielen solcher Genen zu Depressionen, Angststörungen, Sozialen Ängsten und Autismus neigen. Wer weiß, vielleicht liegt die Wurzel des Autismus ja in dem konflikt der Gehirne unterschiedlicher Menschengruppen, die sich vermengt haben.

      Unter diesem Gesichtspunkt kann man vermuten, dass andere Menschengruppen (wie z.B. der Neandertaler) weitaus ängstlicher und somit vorsichtiger waren, und sich auch länger negative Erfahrungen merkten. Trotzdem waren sie aber in der Lage, damit zu leben und damit umzugehen, ansonsten wären sie nicht so erfolgreich gewesen. Und ich bin der Überzeugung, dass auch Autisten einen weg finden können, mit solchen Mikrotraumatas umzugehen. Nur eben nicht auf "übliche" weise.

      Ich habe zum Beispiel furchtbare Höhenangst. Die hatte ich schon immer gehabt, und sie ist immer gleich geblieben. Ich habe aber oftmals versucht, dagegen anzukämpfen, indem ich absichtlich auf Höhe dinge gegangen bin. Doch die Höhenangst wurde nicht weniger. Das schlimmste Erlebnis war eine Fahrt im Freefall-Tower auf dem Jahrmarkt. Dieser Turm fährt erst 50 Meter hoch, und dann wird die Halterung gelöst, und er fällt die 50 Meter hinab, bis er kurz vor dem Boden abgebremst wird. Das ganze wiederholt sich dann 5-6 mal. Ich habe noch Monatelang Albträume gehabt von diesem Erlebnis, und bin Nachts aufgewacht weil ich dachte, ich Falle.

      In letzter Zeit ist mir aber aufgefallen, dass meine Höhenangst weniger geworden ist. Nicht weil ich etwas gegen meine Höhenangst gemacht habe, sondern weil ich andere Veränderungen in meinem Leben vorgenommen habe, die generell zu einer selbstsicheren Einstellung führten und diese tiefsitzende Hilflosigkeit/Machtlosigkeit verdrängen. Seit ich das Gefühl habe, aktiver meine Umwelt zu bestimmen, ist die Höhenangst schwächer geworden.

      Und das ist schon interessant, weil ich niemals darauf gekommen wäre, auf diese Weise meine Höhenangst zu bekämpfen. Und so merke ich es auch bei vielen anderen Ängsten, die schon mein Lebenlang bestehen. Die einzelnen Ängste ansich kann ich nicht angehen, aber die Ängstliche Grundstruktur meiner Persönlichkeit.

      Darum glaube ich, dass mehr Möglich ist, als man meint. Wenn mir jemand sagt, dass ich Mikrotraumatas habe, und unfähig bin, diese zu verarbeiten, dann finde ich einen neuen Weg, sie zu verarbeiten.
    • Das ist für mich sehr interessant.

      Ich bin da auch so, dass mir Sachen, die ich falsch gemacht habe, auch wenn sie eher klein sind, noch ewig nach hängen. Vor allem, wenn ich in sozialen Situationen "falsch" reagiert habe.
      Das spiele ich ungewollt immer wieder im Kopf durch, egal, wie lange das her ist, dass ich weiß, dass man nichts mehr daran ändern kann und all diese Faktoren.

      Ich bin zuversichtlich, dass VT da was helfen kann und bin niemand, der deshalb diese Situationen generell meidet, allerdings habe ich schon Angst davor. Einige Sachen habe ich allerdings auch schon aufgegeben bzw. habe da große Blockaden wie das Autofahren und kreative Tätigkeiten aus den gleichen Gründen wie du @seven_of_nine.
    • Dennis82HH wrote:

      Ich halte nicht viel von Aussagen, dass ein Gehirn nicht fähig sein sollte, etwas zu tun.

      Ich fände es sehr amüsant, wenn du mit dieser Ansicht bei folgenden Personengruppen hausieren gehst:
      Schizophrene, Demenzkranke, Schlaganfallpatienten, Gehirntumorpatienten, frühklindlichen Autisten, Parkinson-Patienten, Patienten mit Multipler Sklerose, Epileptikern, Migräne Patienten, Patienten mit Trigeminusneuralgie, Patienten mit Tourette-Syndrom, Patienten im Wachkoma.

      Wie können diese Menschen aber auch einfach nicht normal sein (funktionieren), also wirklich, die müssen nur mal unkonventionelle Wege gehen...

      Du schließt allein von dir auf andere, unter der invaliden Voraussetzung, dass du und andere Autisten überhaupt vom selben Phänomen betroffen sind, geschweige denn im selben Maße.
      Ich denke, dass es selbst schon an der Voraussetzung hakt und die Induktion ist dann ohnehin nicht mehr der Rede wert.

      Edit: Achja und soweit ich weiß, wurden die Neanderthaler von dem “modernen” Menschen aus Afrika in Asien ausgerottet, von dem wir zum allergrößten Teil abstammen.
      Kleine Anekdote.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)

      The post was edited 1 time, last by Cloudactive ().

    • Windtänzerin wrote:

      Wenn ich vor allem Angst hätte, womit ich in meinem Leben schon mal negative/schmerzhafte Erfahrungen gemacht habe, dann würde ich längst nicht mehr leben, weil ich schlicht vor Angst gestorben wäre. Der These zufolge müsste ich Angst vor fast allen Tieren und Pflanzen, so gut wie allen Haushaltsgegenständen und Möbeln, diversen Fahrzeugen, Elektrizität, Wasser, Feuer, Wetter, anderen Menschen und noch vielen, vielen anderen Dingen mehr haben. Habe ich aber nicht. Ich kann diese These für mich also nicht bestätigen.
      Ich denke das beispiel mit dem tisch soll nur dazu dienen das problem zu veranschaulichen. Die ängste und mikrotraumata um die es da geht sind wohl eher komplexere und im unterbewusstsein stattfindende sachen.

      Bei einem simplen und leblosen haushaltsgegenstand kann man sich noch mit logik behelfen, wenn man einmal eine negative erfahrung gemacht hat. Bei komplexeren und vor allem sozialen situationen dagegen sieht es ganz anders aus.

      Ich würde vermuten, dass es bei der theorie eher um die alltäglichen subtilen schwierigkeiten und erfahrungen geht, die einen unbewusst traumatisieren und wesentlich schwerer zu identifizieren sind als eindeutig bezeichenbare unfälle odersowas.
    • @Sternschnuppe: Du meinst also, dass sich das nur auf soziale Situationen bezieht? Entsprächen diese Ängste dann nicht quasi einer Sozialphobie? Das ist doch aber nicht der Fall. Oder stehe ich jetzt mal wieder völlig auf dem Schlauch und kapiere mal wieder nichts? :roll:
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Windtänzerin wrote:

      @Sternschnuppe: Du meinst also, dass sich das nur auf soziale Situationen bezieht? Entsprächen diese Ängste dann nicht quasi einer Sozialphobie? Das ist doch aber nicht der Fall. Oder stehe ich jetzt mal wieder völlig auf dem Schlauch und kapiere mal wieder nichts? :roll:
      nein, ich meine nicht nur soziale situationen, sondern komplexere ursachen für ängste oder unsicherheiten, als dass man sich den fuß am tischbein gestoßen hat. Aber soziale situationen sind ja auch eins der größten probleme von autisten.

      Ich habe selbst auch den eindruck, dass das was in dem artikel über mikrotraumata steht auf mich durchaus zutrifft. Ich habe noch nie irgendwelche wirklich dramatischen negativen traumatisierenden erfahrungen gemacht. Ganz im gegenteil habe ich eigentlich fast nur positive erfahrungen im leben gemacht, trotzdem hab ich extrem viele ängste oder unsicherheiten, teilweise wegen totaler kleinigkeiten. Und ich habe den eindruck, dass egal wieviele positive erfahrungen ich in diesen situationen mache, die erinnerungen an negative erfahrungen werden davon einfach nicht "überschrieben" wie es im beitrag heisst.
    • Sehr interessanter Artikel, @seven_of_nine. Ich find mich da in vielem wieder, z.B. dem Aufsammeln von Mikrotraumata. Sicht der Außenwelt: "Du musst dir halt immer alles reinziehen." Als ob ich das wollte! Mit dem Radfahren merke ich seit einiger Zeit, dass mir nicht mehr wohl dabei ist. Ich dachte erst, das sei was Neurologisches... Aber es sind die Gedanken. Der Lenker könnte sich lösen (hatte ich mal als Kind), der Reifen könnte platzen (hatte ich später) - in jungen Jahren hatte ich mehr Energie, das wegzudrücken und trotzdem zu fahren. Grmpfl.

      Wobei ich es auch kenne wie du, @Dennis82HH. Meine Höhenangst ist immer dann am heftigsten, wenn das Selbstbewusstsein durchhängt. Wobei ich gerade bei diesem Thema mit ständiger Konfrontation ebenfalls erfolgreich bin - vllt., weil es dem Ego schmeichelt, das Fürchten wieder mal überlebt zu haben.
    • Cloudactive wrote:

      Dennis82HH wrote:

      Ich halte nicht viel von Aussagen, dass ein Gehirn nicht fähig sein sollte, etwas zu tun.
      Ich fände es sehr amüsant, wenn du mit dieser Ansicht bei folgenden Personengruppen hausieren gehst:
      Schizophrene, Demenzkranke, Schlaganfallpatienten, Gehirntumorpatienten, frühklindlichen Autisten, Parkinson-Patienten, Patienten mit Multipler Sklerose, Epileptikern, Migräne Patienten, Patienten mit Trigeminusneuralgie, Patienten mit Tourette-Syndrom, Patienten im Wachkoma.

      Wie können diese Menschen aber auch einfach nicht normal sein (funktionieren), also wirklich, die müssen nur mal unkonventionelle Wege gehen...

      Du schließt allein von dir auf andere, unter der invaliden Voraussetzung, dass du und andere Autisten überhaupt vom selben Phänomen betroffen sind, geschweige denn im selben Maße.
      Ich denke, dass es selbst schon an der Voraussetzung hakt und die Induktion ist dann ohnehin nicht mehr der Rede wert.

      Ich bin nicht der Ansicht, dass Autismus im Gehirn einen ähnlichen Schaden und Unfähigkeiten verursacht wie Parkinson, Tourette oder Demenz. Zu sagen, dass ein autistisches Gehirn einfach unfähig wäre, bestimmte Dinge zu tun, halte ich für sehr bequem. So muss man sich nicht mit dem Problem auseinander setzen. Dies ist nicht meine bevorzugte Herangehensweise. Es bleibt aber jeden selbst überlassen, ob er Autismus als ein Gehirnschaden ansieht, da die Definition ja durchaus Spielraum offen lässt.

      Ich schließe von mir auf andere, das ist korrekt. Daher tue ich auch nichts anderes, als meine Sicht der Dinge zu erläutern. Mir ist kein Weg bekannt, um in andere Menschen hinein zu schauen.

      Cloudactive wrote:



      Edit: Achja und soweit ich weiß, wurden die Neanderthaler von dem “modernen” Menschen aus Afrika in Asien ausgerottet, von dem wir zum allergrößten Teil abstammen.
      Kleine Anekdote.

      Das ist falsch. Es sind noch 20% des Neandertaler-Genoms in der Menschheit vorhanden. Von einer Ausrottung kann hier also nicht die Rede sein, sondern einer Vermischung. In Asien konnten sogar mehrere Vermischungswellen nachgewiesen werden. Der Neandertaler wurde also nicht ausgerottet, sondern lebte über zigtausende Jahre mit dem Homo Sapiens zusammen.

      Es ist ein sehr interessantes Thema, es gibt etliche Studien dazu.
    • Dennis82HH wrote:

      Das ist falsch. Es sind noch 20% des Neandertaler-Genoms in der Menschheit vorhanden. Von einer Ausrottung kann hier also nicht die Rede sein, sondern einer Vermischung. In Asien konnten sogar mehrere Vermischungswellen nachgewiesen werden. Der Neandertaler wurde also nicht ausgerottet, sondern lebte über zigtausende Jahre mit dem Homo Sapiens zusammen.
      Es ist nicht falsch.
      Ich habe geschrieben "größtenteils" und nicht 100% vom modernen Menschen.
      Und, wenn genetische Anteile einer Spezies in einer anderen zu finden sind, dann heißt das nicht, dass sie nicht ausgestorben (ausgerottet) ist. wtf

      Was du schreibst, ist falsch.
      Es sind nicht 20%, sondern deutlich weniger Anteil des Neanderthalers.

      "Bisher hatte niemand bemerkt, dass die Gene des modernen Europäers zwar 2,5 bis 4 Prozent Neandertaler-Erbe enthalten, aber keinerlei Erbgut aus dem Y-Chromosom. In uns stecken also nur weibliche Neandertaler-Gene."
      spiegel.de/wissenschaft/mensch…er-in-sich-a-1085003.html

      "Viele von uns tragen bis zu 2,6 Prozent Neandertaler-Erbgut in sich."
      www1.wdr.de/wissen/mensch/neandertaler-120.html

      "Viele Wissenschaftler stellten fest, dass im Schnitt 1,38 Prozent des Erbguts von Ostasiaten vom Neandertaler stammen. Für Europäer liegt dieser Wert bei durchschnittlich 1,15 Prozent. "
      welt.de/wissenschaft/article12…ckt-in-jedem-von-uns.html

      "Summa summarum sei der sich aus diesen Überlegungen ergebende Gesamtanteil des vom Neandertaler übernommenen Erbguts eher mager, so die Forscher: ein bis vier Prozent ihrer Gene dürften Menschen außerhalb Afrikas dem Tête-à-tête ihrer Urahnen mit dem Eiszeitmenschen verdanken."
      spektrum.de/news/der-neandertaler-in-uns/1031333


      Dennis82HH wrote:

      Zu sagen, dass ein autistisches Gehirn einfach unfähig wäre, bestimmte Dinge zu tun, halte ich für sehr bequem. So muss man sich nicht mit dem Problem auseinander setzen.
      Dann ist es also einfach Bequemlichkeit, dass die mittlerweile etablierte Therapiemethode von Autismus "Vermeidung" zum Gegenstand hat und nicht "Heilung"?
      Ihr schneidet euch damit selbst ins Fleisch, wenn wir von den gleichen Problemursachen überhaupt sprechen.


      Ich gebe auch zu, die Conclusio, dass die homo sapiens die Neanderthaler durch ihre soziale Struktur in Kämpfen beim Übertritt nach Asien ausrotteten, ist nur eine Theorie von vielen.
      Ich habe sie hiervon:



      Auch wenn es so klingt, ich habe nichts gegen den Neanderthaler, ich wollte nur zeigen, dass der Neanderthaler ggü. dem homo sapiens offensichtlich - das zeigt die Historie - unterlegen war und somit ist.


      Dennis82HH wrote:

      Es ist ein sehr interessantes Thema, es gibt etliche Studien dazu.
      Die würde ich dann gerne sehen.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)

      The post was edited 1 time, last by Cloudactive ().

    • Matou wrote:

      @Dennis82HH: Das mit den Neandertaler-Genen interessiert mich. Hast du zufällig gerade einen Link?
      Der führende Wissenschaftler zum Thema "Neandertaler" ist Svante Pääbo. Dieser hat 2010 das Genom des Neandertalers untersucht und festgestellt, wie die Verbreitung heutzutage ist:
      tagesspiegel.de/wissen/erbgut-…neandertaler/1815756.html


      2018 hat Pääbo Gehirnzellen eines Neandertalers "gezüchtet". Kein vollwertiges Gehirn, sondern es wird als "Minihirn" bezeichnet. Auch hierbei kamen interessante Ergebnisse heraus:
      derstandard.de/story/200008209…ls-neandertaler-minihirne
    • Cloudactive wrote:

      Es ist nicht falsch.Ich habe geschrieben "größtenteils" und nicht 100% vom modernen Menschen.
      Und, wenn genetische Anteile einer Spezies in einer anderen zu finden sind, dann heißt das nicht, dass sie nicht ausgestorben ist. wtf
      Mein "Falsch" hat sich nicht auf die Prozentangabe bezogen, sondern auf die Aussage, dass der moderne Mensch den Neandertaler in Asien ausgerottet hat. Dies ist eine überholte und widerlegte These. Wie schon erwähnt, ist belegt, dass Homo Sapiens und der Neandertaler über viele Jahrtausende zusammen gelebt hat. Streng genommen wäre dann auch der Homo Sapiens ausgestorben, denn unser Genom setzt sich aus unterschiedlichen Menschengruppen zusammen. Auch wenn der größte Teil von den Homo Sapien ist, so sind "reine" Homo Sapiens ausgestorben. Trotzdem wäre es falsch zu sagen, der moderne Mensch hätte den Homo Sapiens ausgerottet. Wir sind die direkten Nachkommen. Von Homo Sapiens, Neandertalern, Denisova-Menschen und einigen anderen Humanoiden.


      Cloudactive wrote:

      Was du schreibst, ist falsch.
      Es sind nicht 20%, sondern deutlich weniger Anteil des Neanderthalers.
      Nein, ist es nicht. In einzelnen Personen taucht das Neandertaler-Genom etwa zu 2-4% auf. In der gesamten Menschheit wurden aber 20% des Neandertaler-Genoms nachgewiesen. Kein Mensch hat alle Gene der Menschheit, dies ist faktisch unmöglich, da wir auf 46 Chromosomen begrenz sind, die Menschheit aber aus sehr viel mehr Chromosomen als 46 besteht.

      Hierzu ein Artikel: "Im europäischen Erbgut steckt ein Fünftel der Neandertaler-Gene"
      zeit.de/2014/17/homo-sapiens-anthropologie-genetik/seite-2



      Ich verstehe nicht, worauf das hinaus laufen soll. Geht es darum, unbedingt meinem Kommentar zu widersprechen? Die Neandertaler-Diskussion ist interessant, aber nicht so bedeutend für diesen Thread.
    • @seven_of_nine

      es gibt sowas wie Neuroplastizität. Auch da, wo man etwas nicht automatisch kann, lässt sich eine Menge lernen.
      Auch, wie man sich selbst anhand einer Nachricht selbst in eine Pamik treiben kann.

      Wie oft bist du schon über einen Stein gestolpert, hast du deshalb Panik vor Steinen? Wie oft war ein Mensch fies zu dir, wieso kannst du dann Freunde haben?

      Dass manches nicht erkennt wird, falsche Schlüsse gezogen werden, generalisiert wird zum ungeeigneten Detail und dafür nicht, wo Generalisierung angesagt gewesen wäre, ok, und das vielleicht auch mehr und schneller, je tiefer jemand im Spektum gelandet ist, mag ja stimmen. Was aber nur bedeutet, die Kriterien für "wann was als Detail belassen und wann was generalisieren" kennenzulernen, bzw geeignet vermittelt bekommen zu haben.

      Das was du beschreibst, ist der Weg in und die die Abaufkkette in einer generalisierten Angststörung. Irgendwas löst Angst aus. Diese Angst soll vermieden werden. Das Verneiden von angstauslösenden Dingen erfordert mehr Achten auf potenziell angstauslösende Dinge, womt immer mehr gesehen wird, was Angst auslösen könnte Jetzt machen diese schon Angst, was vermieden werden soll, also noch mehr achten auf potenziell angstauslösende Dinge - bis hinterher alles Angst macht.

      Dazu braucht es nicht mal Asperger, nur Angst und der fehlende konstruktive Umgang mit Angst, meist liegt der Ursprung in irgendwelchen unverarbeiteten negativen Erlebnissen. Da kann sogar eine onbjektive "Kleinigkeit" mal alles in Gang gesetzt haben.

      Selbst da, wo man manchmal denkt, da sei nichts mehr zu machen, wie z.B. bei Demenzkranken, hat man mittlerweile herausgefunden, dass sie über das Gefühl lernen und sogar alte Ängste loswerden können in geeigneter Umgebung und mit den für sie passenden Maßnahmen. Bis dann das, was mal in der Demenz Angst ausgelöst hatte, komplett weg ist. Im" Handbuch Demenz" ist dazu einiges beschrieben.

      Es wurde auch mal gesagt, dass Resilienz nicht mehr zu erwerben sei, wenn sie nicht in den ersten sechs Lebensjahren entstanden ist - na ja, erst sprachen tausede Menschen, die sich eine erwerben konnten, dagegen, und mittlerweile ist die Forschung da auch dahinter gekommen.
      juttaheller.de/resilienz/resil…c/forschung-zu-resilienz/
      und was Gesellschaften und deren Resilienz angeht
      swr.de/swr2/wissen/resilienz/-…661224/1xvpn8s/index.html
      daraus
      "Eine gewisse Demut gegenüber dem Leben, dazu Offenheit, Vielfalt und Vertrauen – das sind die Zutaten, die Menschen, Gesellschaften und Systeme aus Sicht der Resilienzforschung widerstandsfähig machen. Grenzenlosigkeit, das Streben nach maximaler Effizienz und totaler Sicherheit hingegen laufen ihr zuwider."


      Btw, meine Diagnostikerin sprach übrigens von "Asperger als Resilienzfaktor" - also wenn man das schon hat, kann man das ja auch mal für sich nutzen


      Letztens, als ich in einer Krise des "ich kann nicht, wie soll ich jemals" hing, sagte mir ein AspieFreund

      "Mach dich nicht verrückter....." - den Rest des Satzes brauchte ER nicht mehr auszusprechen.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • @Happy to be: Hat deine Diagnostikerin das evtl. ausgeführt? Welche Aspekte von Asperger sind der Resilienz förderlich? Ich kann mich komplett in mich verkriechen, das ist im Notfall praktisch. Meine Therapeutin in der Klinik sah es allerdings anders: "Du gehst aus dem Kontakt." Das ist in einer 12-Schritte-Klinik extrem unerwünscht...

      @Dennis82HH, @Cloudactive: Vielen Dank für die Links.