Einbeziehung von Eltern in Diagnostik

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    • Einbeziehung von Eltern in Diagnostik

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      Schönen Tag,

      da ich das fragliche Glück hatte in meiner Jugend relativ unauffällig gewesen zu sein, weshalb es keine medizinischen Aufzeichnungen gibt, wird diese Lücke wahrscheinlich auf anderem Wege geschlossen werden müssen. Ich selbst kann mich nicht lückenlos an meine frühe Kindheit erinnern, deshalb die Frage wie Eltern hier genau in den diagnostischen Prozess einbezogen werden.

      Danke für eure Beiträge.
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      Normalerweise geht es bei den Fragen an die Eltern hauptsächlich um die Zeit, als du 4-5 Jahre alt warst (zumindest was die Fragebögen betrifft). Im Gespräch werden auch andere Verhaltensauffälligkeiten abgefragt. Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Einbeziehung der Eltern nicht notwendig ist zur Diagnose, andere enge Bezugspersonen können stattdessen hinzugezogen werden, wenn die Eltern aus welchen Gründen auch immer nicht verfügbar sind.
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      Ich denke damit sind ältere Geschwister, Tanten und Onkel und vielleicht Paten gemeint.

      Wenn man sich im fortgeschrittenen Alter um eine Diagnose bemüht, stelle ich es mir teilweise sehr schwer und sinnlos vor, da noch die Eltern mit einzubeziehen. Ich bin 34 Jahre alt und meine Eltern können sich jetzt schon nicht mehr richtig an meine Kindheit erinnern. Ich bekomme von beiden völlig widersprüchliche Angaben über mein Verhalten.
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      Meine Bezugsperson konnte auch keine Angaben über mein Verhalten im Alter von 4-5 machen (ich bin ja auch schon 30), aber eben sehr wohl über mein aktuelles Verhalten. Z.B. dass ich monoton spreche und solche Sachen. Die Fragebögen bekommst du von der Diagnostikstelle.
      Achja Edit: Der eine Fragebogen war irgendwas mit sozialer Reziprozität. Darin waren eigentlich ähnliche Fragen wie in den üblichen Autismus / Asperger Fragebögen die man selbst ausfüllt, nur eben aus Sicht einer anderen Person :)
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      Das heißt, du willst dich selbst diagnostizieren? Das erscheint mir ein sinnloses Unterfangen... Selbstdiagnosen sind m.M.n. nutzlos, weil sie erstens nicht objektiv sind und zweitens nirgends ernst genommen werden.
      Falls du tatsächlich AS hast, dann wird es eine darauf spezialisierte Stelle (=Autismusambulanz) schon erkennen. Die sind ja nicht vergleichbar zu Therapeuten oder Ärzten, die sich nicht mit AS auskennen.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
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      Ich habe ähnliche bedenken, wie @Kaffeetrinken.
      Frage ich meine Mutter, dann kann sie sich an nichts mehr erinnern. Zwischendurch kommen aber Infos wie, dass ich meine Legos immer sortiert habe.

      Ähnliches bei meinem Vater: er meint, dass ich eher sogar normaler als die anderen Kinder war. :m(:
      In allem eben etwas langsamer, was auch immer das bedeutet...

      Mit spezifischen, zielgerichteten Fragen könnte da noch was zu holen sein, aber 30 Jahre sind doch eine lange Zeit, wenn das Kind nicht besonders auffällig war.
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      Nein, ich glaube selbstverständlich nicht, dass eine durch mich erstellte Diagnose rechtsgültig wäre, aber ich will mich auch nicht allein darauf verlassen, dass meine Eltern mit einer nostalgisch verklärten Sichtweise eine mögliche Diagnose versauen. Darum möchte ich die Fragen vorher gern mit ihnen durchgehen um zu schauen, ob unsere Erinnerungen sich decken oder ob sie nicht eventuell irgendwas falsch interpretieren.
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      Da die Frager damit Erfahrung haben, dass die Eltern sich nach so vielen Jahren lückenhaft erinnern, stellen sie ihre Gesprächsführung darauf ein.
      Ein Vorbesprechen der Antworten macht diese für die Diagnose wertlos, wenn der Diagnostiker davon erfährt, darf er die Person gar nicht berücksichtigen.
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      Ich habe keine Fragebögen. Mir wurde mitgeteilt, dass das im Gespräch in der Klinik abgeklärt wird, was aus meiner persönlichen Sicht eine herzlich bescheidene Idee ist. Mit vier oder mehr Leuten in einem Raum zu sitzen und darauf zu achten was jeder davon denken könnte ist nicht grade einfach oder entspannend. Ich hätte gern Fragebögen, damit ich mich vorbereiten kann.

      "Ein Vorbesprechen der Antworten macht diese für die Diagnose wertlos, wenn der Diagnostiker davon erfährt, darf er die Person gar nicht berücksichtigen."
      Das glaube ich eher weniger, denn es nicht praktikabel, wenn Diagnostiker Antworten von Leuten nicht werten würden, die über ihre Vergangenheit sprechen, da das absolut normales Verhalten ist und Diagnostik kann und sollte weder ein Gerichtssaal, noch ein Reinraum sein.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kaffeetrinken ()

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      Hutmacher schrieb:

      Ähnliches bei meinem Vater: er meint, dass ich eher sogar normaler als die anderen Kinder war
      Das wäre dann wohl der Moment, darüber nachzudenken ob Dein Vater vielleicht auch....? Ich fand meine Tochter auch nicht besonders auffällig - sie war ja recht ähnlich wie ich im gleichen Alter. Und meinem Vater dürfte es mit mir ähnlich gegangen sein. In den Fragebögen heißt es ja auch nicht "war Ihr Kind besonders auffällig?", da werden gezielte Fragen gestellt. O.k., auch da waren meine Fragebögen unauffällig oder im gerade so auffälligen Bereich, die meiner Frau und v.a. der Klassenlehrerin dagegen recht deutlich - aber das sind Dinge, die die Diagnostiker natürlich auch sehen.
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      HCS schrieb:


      Das wäre dann wohl der Moment, darüber nachzudenken ob Dein Vater vielleicht auch....?
      Meine Schwester und ich rätseln schon von wem ich es haben könnte. Die Mutter meines Vaters hat es mit den Abläufen beim Wäschewaschen immer sehr genau genommen, sie saß auch schonmal mit dem Stuhl vor der Waschmaschine und hat darauf gewartet bis sie fertig ist.
      Sie war meine Lieblingsoma, die einzige Person aus der Verwandtschaft zu der ich einen Bezug hatte und mit der ich reden konnte. Leider wohnte sie 3h Autofahrt entfernt...
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      Puh, also ich hoffe, dass meine Eltern nicht in die Diagnostik mit einbezogen werden. Bin über 40 und habe nur lückenhafte Erinnerungen an meine Kindheit. Wenn ich meine Mutter frage, erinnert sie sich noch weniger als ich daran und würde wohl alles versuchen, um mich als "normal" darzustellen (sie mag keine Ärzte und Diagnosen). Mein Vater hat sich schon von meiner Mutter getrennt, als ich noch ein Baby war. Kann also auch nichts dazu beisteuern. Auch will ich nicht, dass meine Mutter überhaupt erfährt, dass ich mich auf Asperger testen lassen will.
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      Kaffeetrinken schrieb:

      "Die Fragebögen bekommst du von der Diagnostikstelle." Ich weiß, aber ich würde gern mein eigenes Hirn nutzen um endlich meine Problem aufzuklären und mich nicht allein auf Berufsgruppen verlassen, die schon seit über 10 Jahren ihren Job nicht gescheit machen.
      Meinst Du damit die Diagnostiker? Wenn ja, dann macht das Anstreben einer Diagnosestellung durch sie doch keinen Sinn. Oder hast Du woanders schlechte Erfahrungen gemacht?

      Hutmacher schrieb:

      Ich habe ähnliche bedenken, wie @Kaffeetrinken.
      Frage ich meine Mutter, dann kann sie sich an nichts mehr erinnern. Zwischendurch kommen aber Infos wie, dass ich meine Legos immer sortiert habe.

      Ähnliches bei meinem Vater: er meint, dass ich eher sogar normaler als die anderen Kinder war. :m(:
      In allem eben etwas langsamer, was auch immer das bedeutet...

      Mit spezifischen, zielgerichteten Fragen könnte da noch was zu holen sein, aber 30 Jahre sind doch eine lange Zeit, wenn das Kind nicht besonders auffällig war.
      Hier gibt es schon Threads, die sich damit ausführlich beschäftigt haben - unter anderem die Veröffentlichung einer Stellungnahme von Professor Vogeley. Diese wurde von Forumsmitglied @zaph gepostet. Quintessenz: Eine Diagnosestellung ist auch ohne Eltern möglich, denn bei vielen Spätdiagnostizierten ist die Befragung dieser erschwert oder eben nicht mehr möglich. Es werden häufig auch die Zeugnisse der ersten beiden Schuljahre erbeten. Dadurch ergeben sich unter Umständen wohl auch Hinweise, ob entsprechende Auffälligkeiten schon früh bestanden.
      Sohn mit HFA diagnostiziert ...und ich irgendwie ähnlich und doch anders...
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      Ich wurde bisher nur auf Depression behandelt, weil kein Psychologe/-iater auf die Idee gekommen ist, dass es etwas seien könnte, obwohl ich Zweifel geäußert habe, da es halt schon etwas seltsam wäre seit früher Kindheit und weitgehend ununterbrochen depressiv zu sein. Damals habe ich den "Fachleuten" vertraut, weshalb ich jetzt fast 30 bin und ohne eine Lösung dastehe. Meine "Karriere"/unabhängige Lebensfähigkeit leidet auch unter meinem Zustand, da ich nicht wusste wie ich mit meinem Zustand umgehen soll. Davon auszugehen, dass man nur mehr "Willenskraft" einsetzen muss und dann irgendwann alles gut wird hat sich leider als schlechter Lösungsweg erwiesen. Auch Verhaltenstherapie für NTs schlägt bei mir nachvollziehbarerweise nicht wirklich an. Schlussfolgerung: Wenn ich endlich lernen will mit meinen Eigenarten umzugehen brauche ich entsprechende Förderung z.B. für Eingliederung in die Arbeitswelt und Selbstorganisation, die ich ohne Diagnose nicht bekomme.