Unbewusste Automatisierung - Kopieren & Mimikry

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    • Unbewusste Automatisierung - Kopieren & Mimikry

      Vor ungefähr drei Jahren ist mir das erste mal so richtig bewusst geworden, dass ich vielleicht mehrere Persönlichkeiten haben könnte - welche aber nicht ICH sein können, da mich einige meiner Verhaltensweisen eigentlich anwiederten.
      Mir wurde später dann auch klar, dass ich unbewusst Menschen in meinem Umfeld kopiere - mir also auch keine Gedanken darüber mache ob das "Ich-Gebilde" noch schlüssig ist oder nicht.

      Inzwischen kann ich in etwa einschätzen, was die die Ursachen und Zusammenhänge dahinter sind:
      Damals bin ich alleine auf ein Festival gefahren, welches ich ein paar Jahre davor schon einmal mit meiner Freundin besucht hatte. Ich hatte es als klein, familiär und "flauschig" in Erinnerung, baute mein Zelt an der gleichen Stelle wie beim ersten mal auf.
      Nur dieses mal war es nicht mehr klein und auch komplett anders: ich zeltete also direkt vor der Mainstage mit 24h Dauermusik und anstatt dem Chillout war dort ein düsteres Zelt mit noch düsterer Musik.

      Meiner Erinnerung nach war ich schon kurz nach der Anreise in einem demenzartigen "Zombie-Modus", als würden Teile meines Hirnes ausschalten - welchen ich inzwischen auch einordnen kann, als Auswirkung von Reizüberflutung.
      Das ist wohl mein Notlaufprogramm um weiterhin "scheinbar" funktionsfähig zu bleiben. Neben dem extremen Kopieren, rede ich dann oft auch für außenstehende wirres Zeug, da ich meine Gedanken nicht zusammenhängend mitteilen kann und auch keinen Überblick habe wie viel mein Gegenüber von meinen Gedanken schon weiß.

      Ich habe auch festgestellt, dass ich die kopierten mir negativ auffallenden Anteile teilweise in mein normales Verhalten aufgenommen habe - wie eine Art Konditionierung.
      Gemeinsam ist dabei, dass die kopierte Person auch immer Mitauslöser der wiederholten Überforderung war - ich mich aber aus Rücksicht auf meine Frau, oder eigenem "Integrationswillen" nicht zurückziehen wollte.

      Seit meinem letzten Geburtstag, bei dem ich dachte, ich müsste mal wieder mehrere - untereinander nicht bekannte - Freunde einladen, weiß ich auch, dass ich für unterschiedliche Personengruppen unterschiedliche Masken im Archiv habe und dann jedoch das Umschalten nicht mehr richtig schaffe. Ich fand das verstörend und war dann froh als sich alle schon früher als üblich verabschiedet hatten.

      Nun habe ich gelesen, dass das unbewusste Imitieren und Kopieren von anderen normales (NT) Verhalten sei und Aspies - vor allem Frauen - dies manchmal bewusst machen würden.
      Kennt ihr dieses automatisierte Verhalten auch und habt vielleicht Tipps um damit umzugehen?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hutmacher ()

    • Das von dir beschriebene trifft größtenteils so auch auf mich zu.
      Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich meine Verhaltensweisen an bestimme Personengruppen anpasse und teils Vokabular übernehme.

      Hutmacher schrieb:

      ...
      Meiner Erinnerung nach war ich schon kurz nach der Anreise in einem demenzartigen "Zombie-Modus", als würden Teile meines Hirnes ausschalten - welchen ich inzwischen auch einordnen kann, als Auswirkung von Reizüberflutung.
      Das ist wohl mein Notlaufprogramm um weiterhin "scheinbar" funktionsfähig zu bleiben. Neben dem extremen Kopieren, rede ich dann oft auch für außenstehende wirres Zeug, da ich meine Gedanken nicht zusammenhängend mitteilen kann und auch keinen Überblick habe wie viel mein Gegenüber von meinen Gedanken schon weiß.
      ...
      Diesen Modus kenne ich. Wenn ich "dran bin" mit reden und mich Leute dabei angucken, vergesse ich auch schon mal mitten im Satz, wie ich diesen begonnen habe.

      Hutmacher schrieb:

      ...
      Seit meinem letzten Geburtstag, bei dem ich dachte, ich müsste mal wieder mehrere - untereinander nicht bekannte - Freunde einladen, weiß ich auch, dass ich für unterschiedliche Personengruppen unterschiedliche Masken im Archiv habe und dann jedoch das Umschalten nicht mehr richtig schaffe. Ich fand das verstörend und war dann froh als sich alle schon früher als üblich verabschiedet hatten.
      ...
      Solch komplizierte Situationen probiere ich so gut es geht zu vermeiden. Ich stelle auch nur selten mir bekannte Menschen untereinander vor. Kompliziert kann es unter Umständen auch werden, wenn ich mit einer oder mehreren Personen Zeit verbringe und neue Personen dazu stoßen, welcher dann möglicherweise kommunizieren wollen. Ticken die neu dazu gestoßenen Personen ähnlich wie das bisherige Menschenumfeld, sind die Erfolgschancen gut, diese Situation zu überstehen. Am wenigsten Probleme bereiten mir ruhige, entspannte Menschen.

      Hutmacher schrieb:

      ...
      Kennt ihr dieses automatisierte Verhalten auch und habt vielleicht Tipps um damit umzugehen?
      Das automatisierte Verhalten stellt für mich mehr Lösung als Problem dar. Eine Taktik um möglichst einfach und unumständlich mit den jeweiligen Personen umzugehen. Hättest du eine Alternative zu den Masken in den jeweiligen Situationen?
    • Anders schrieb:


      Ticken die neu dazu gestoßenen Personen ähnlich wie das bisherige Menschenumfeld, sind die Erfolgschancen gut, diese Situation zu überstehen. Am wenigsten Probleme bereiten mir ruhige, entspannte Menschen.
      So geht es mir auch, meine Freunde zähle ich eigentlich alle zu dieser Kategorie. Die Meisten geben auch nichts auf Blickkontakt und wissen ja, dass ich komisch bin. Bei zweien ist es auch egal was ich mit meinen Händen mache oder ob ich schaukle, die sind da absolut offen. Aber für das nächste mal habe ich etwas gelernt: lieber mehrmals nur Paare einladen, als alle mir wichtigen auf einmal.

      Anders schrieb:

      Das automatisierte Verhalten stellt für mich mehr Lösung als Problem dar. Eine Taktik um möglichst einfach und unumständlich mit den jeweiligen Personen umzugehen. Hättest du eine Alternative zu den Masken in den jeweiligen Situationen?
      Bei den positiven stimme ich dir zu, nicht nur im Bereich der Kommunikation - sondern allgemein für jegliche Abläufe.

      Ich kenne aber auch negative Automatismen, sie dienen vermutlich üerwiegend der Verdrängung und sind mir unheimlich. Ich glaube ich habe ganz viele (mikro) Traumata, welche so etwas begünstigen könnten. Zumindest habe ich viele zusammenhanglose Erinnerunsfetzen, die nach Triggern auftauchen und ein ganz schlechtes Gefühl hinterlassen. Meist hat es etwas mit Gewalt und schlechten Erfahrungen zu tun, diese Woche war Ertrinken und Ersticken dran...

      Bis ich mir meiner Wahrnehmung und Eigenarten bewusst wurde, dachte ich lange an einen Tumor oder Hirnschaden.
      Wenn das MRT ohne Befund ist, hoffe ich darauf einfach sein zu können was ich bin - was auch immer das ist.