Überführung in das neue ICD-11

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    • Überführung in das neue ICD-11

      Guten morgen,
      weiß jemand, ob in Zukunft geplant ist, die alten Autismus-Diagnosen in das neue Autismus Spektrum Störung mit Schweregradeinteilung zu überführen?

      Also ob jetzt bspw. ein bereits diagnostizierter Asperger dann auch in den Berichten eine neue ASS Diagnose mit Schweregradeinteilung bekommt?

      Danke LG
      rondra1
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      Mädchen 9 Jahre ADS Hypo + v HB
      Mädchen 8 Jahre Asperger Syndrom
    • Das setzt eine neue Diagnostik voraus, und einige hunderttausend oder gar Millionen neue Diagnosen (die Änderungen ggü. ICD-10 betreffen ja sicherlich nicht allein ASS, sondern auch jede Menge anderer Diagnosen) wird niemand bezahlen wollen, geschweige denn, dass die Kapazitäten verfügbar wären.
    • Ich finde die Einteilung in Schweregrade ganz gut. Daher meine Frage.
      Dadurch fällt das Umschlüsseln ja quasi weg, da es ja keine AS, HFA, AT u.s.w. mehr gibt. Die Einteilung in Schweregrade wird hoffentlich mehr Eindeutigkeit der jeweiligen Einschränkungen bringen. Ich bin es bei den Ämtern echt leid, wenn sie sagen: "Asperger" - ach, dann habt ihr ja nur eine leichte Form .... - da ja ständig nur nach Aktenlage beurteilt wird.

      In Wirklichkeit aber wesentlich "realitätsferner" und "weggedrifteter" ist, als manche frühkindliche Autisten.

      Daher hoffe ich darauf, dass eine Schweregradeinteilung es vereinfacht und man nicht zum 99ten mal erklären und begründen muss.
      Dann hab ich ja Hoffnung, wenn die Einteilung erfolgen wird.
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      Mädchen 9 Jahre ADS Hypo + v HB
      Mädchen 8 Jahre Asperger Syndrom
    • HCS wrote:

      Das setzt eine neue Diagnostik voraus, und einige hunderttausend oder gar Millionen neue Diagnosen (die Änderungen ggü. ICD-10 betreffen ja sicherlich nicht allein ASS, sondern auch jede Menge anderer Diagnosen) wird niemand bezahlen wollen, geschweige denn, dass die Kapazitäten verfügbar wären.
      sicher? Ich meine, alles noch einmal zu durchlaufen macht ja nicht wirklich Sinn. Es sei denn, dass der Patient mehrere Jahre nicht mehr in Behandlung ist.
      Ggf. könnte ich mir vorstellen, dass es ein Testverfahren gibt, um die Einteilung machen zu können, wenn es nicht nach Aktenlage vom Arzt beurteilt werden kann.

      Ich denke auch, dass andere Diagnosen im Normalfall doch sicherlich so umgeschrieben werden können. z.B. jemand mit einem Bandscheibenvorfall wird ja vermutlich auch nicht erneut ins MRT geschickt werden. - hoffen wir zumindestens Mal.
      Wobei im Prinzip wäre es mir fast egal. Wir sind Dauergast in der KJP / SPZ ob die dann nochmal einen ADOS machen wollen oder nicht...

      Aber ich glaube es dauert noch, bis es kommt....
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    • @rondra1
      Du weißt aber schon, dass Asperger ungefähr (relativ) dem leichtesten Schweregrad entspräche?
      Ich las sogar etwas davon, dass einige, die Asperger diagnostiziert bekommen haben, unter die neue "ASS" nicht mehr fallen würden.
      „Kein Mensch sollte sich dafür schämen müssen, wer er ist."
      - CSI - Den Tätern auf der Spur S4E6
    • rondra1 wrote:

      weiß jemand, ob in Zukunft geplant ist, die alten Autismus-Diagnosen in das neue Autismus Spektrum Störung mit Schweregradeinteilung zu überführen?

      Also ob jetzt bspw. ein bereits diagnostizierter Asperger dann auch in den Berichten eine neue ASS Diagnose mit Schweregradeinteilung bekommt?

      Waspie wrote:

      Das wird umgeschlüsselt werden. Dafür wird es dann sogenannte Überleitungstabellen geben. Eine erneute Diagnostik ist dafür nicht nötig.

      Das sehe ich auch so, dass einfach aus dem Diagnosecode F84.5 nach ICD 10 der Code 6A02.0 nach ICD 11 wird, ohne dass eine neue Diagnostik erforderlich ist.

      Schweregrade gibt es in DSM 5, in ICD 11 sind sie (bisher) nicht vorgesehen:

      ICD11 wrote:


      6A02 Autism spectrum disorder

      Autism spectrum disorder is characterized by persistent deficits in the ability to initiate and to sustain reciprocal social interaction and social communication, and by a range of restricted, repetitive, and
      inflexible patterns of behaviour and interests. The onset of the disorder occurs during the developmental period, typically in early childhood, but symptoms may not become fully manifest until later, when
      social demands exceed limited capacities. Deficits are sufficiently severe to cause impairment in personal, family, social, educational, occupational or other important areas of functioning and are usually a
      pervasive feature of the individual’s functioning observable in all settings, although they may vary according to social, educational, or other context. Individuals along the spectrum exhibit a full range of
      intellectual functioning and language abilities.
      • 6A02.0 Autism spectrum disorder without disorder of intellectual development and with mild or no impairment of functional language. All definitional requirements for autism spectrum disorder are met, intellectual functioning and adaptive behaviour are found to be at least within the average range (approximately greater than the 2.3rd percentile), and there is only mild or no impairment in the individual's capacity to use functional language (spoken or signed) for instrumental purposes, such as to express personal needs and desires.

      • 6A02.1 Autism spectrum disorder with disorder of intellectual development and with mild or no impairment of functional language. All definitional requirements for both autism spectrum disorder and disorder of intellectual development are met and there is only mild or no impairment in the individual's capacity to use functional language (spoken or signed) for instrumental purposes, such as to express personal needs and desires.

      • 6A02.2 Autism spectrum disorder without disorder of intellectual development and with impaired functional language. All definitional requirements for autism spectrum disorder are met, intellectual functioning and adaptive behaviour are found to be at least within the average range (approximately greater than the 2.3rd percentile), and there is marked impairment in functional language (spoken or signed) relative to the individual’s age, with the individual not able to use more than single words or simple phrases for instrumental purposes, such as to express personal needs and desires.

      • 6A02.3 Autism spectrum disorder with disorder of intellectual development and with impaired functional language. All definitional requirements for both autism spectrum disorder and disorder of intellectual development are met and there is marked impairment in functional language (spoken or signed) relative to the individual’s age, with the individual not able to use more than single words or simple phrases for instrumental purposes, such as to express personal needs and desires.

      • 6A02.4 Autism spectrum disorder without disorder of intellectual development and with absence of functional language. All definitional requirements for autism spectrum disorder are met, intellectual functioning and adaptive behaviour are found to be at least within the average range (approximately greater than the 2.3rd percentile), and there is complete, or almost complete, absence of ability relative to the individual’s age to use functional language (spoken or signed) for instrumental purposes, such as to express personal needs and desires.

      • 6A02.5 Autism spectrum disorder with disorder of intellectual development and with absence of functional language. All definitional requirements for both autism spectrum disorder and disorder of intellectual development are met and there is complete, or almost complete, absence of ability relative to the individual’s age to use functional language (spoken or signed) for instrumental purposes, such as to express personal needs and desires."





      rondra1 wrote:

      Ich finde die Einteilung in Schweregrade ganz gut. Daher meine Frage.
      Dadurch fällt das Umschlüsseln ja quasi weg, da es ja keine AS, HFA, AT u.s.w. mehr gibt. Die Einteilung in Schweregrade wird hoffentlich mehr Eindeutigkeit der jeweiligen Einschränkungen bringen. Ich bin es bei den Ämtern echt leid, wenn sie sagen: "Asperger" - ach, dann habt ihr ja nur eine leichte Form .... - da ja ständig nur nach Aktenlage beurteilt wird
      Es wäre eventuell vorteilhaft, eine klare Aussage zum Schweregrad zu haben, aber vorgesehen ist es nach ICD 11 jedenfalls nicht.

      rondra1 wrote:



      Wobei im Prinzip wäre es mir fast egal. Wir sind Dauergast in der KJP / SPZ ob die dann nochmal einen ADOS machen wollen oder nicht...
      Im ADOS wird ein Vergleichswert ermittelt, der als aus den Einzelergebnissen rechnerisch ermittelter Schweregrad interpretiert werden kann. Ein neuer ADOS ist dafür nicht erfoderlich.

      Cloudactive wrote:

      Du weißt aber schon, dass Asperger ungefähr (relativ) dem leichtesten Schweregrad entspräche?
      Die Einteilung in Schweregrade nach DSM 5 erfolgt nach den individuellen Einschränkungen des Patienten, nicht nach dem Namen der Altdiagnose.
      Es werden zwei Schweregrage für jeden Patienten angegeben: je einer für den Bereich A (soziale Kommunikation und Interaktion) und den Bereich B (repetitives Verhalten/Routinen).
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • @Shenya
      Edit: Bezüglich DSM-V
      Ja, in 3 Schweregrade.
      Sozusagen Leicht, Mittel, Schwer

      "Neu ist auch die Bestimmung von Schweregraden. Bei der Diagnosestellung wird bestimmt, wie gravierend die Schwierigkeiten sind. Dadurch will man den großen Unterschieden im Autismus-Spektrum diagnostisch gerecht werden."
      autismus-kultur.de/autismus/dsm-5-diagnosekriterien.html

      Grad 3: Benötigt sehr beträchtliche Unterstützung
      Grad 2: Benötigt beträchtliche Unterstützung
      Grad 1: Benötigt Unterstützung

      Zu meinem Satz

      Cloudactive wrote:

      Ich las sogar etwas davon, dass einige, die Asperger diagnostiziert bekommen haben, unter die neue "ASS" nicht mehr fallen würden.

      hier:
      "However, only one child with mild ASD was identified by the DSM-5. This study and 11 others show that the DSM-5 under-identifies children with ASD, particularly children at the mild end of the spectrum. This can be rectified by requiring one less social communication and interaction symptom for a diagnosis."
      sciencedirect.com/science/article/pii/S1750946713002304

      Bei Wikipedia steht übrigens etwas über die Übernahme im DSM-Ökosystem:
      "DSM 5 weist ausdrücklich darauf hin, dass Personen mit einer gesicherten DSM-IV-Diagnose einer autistischen Störung, Asperger-Syndrom oder nicht näher bezeichneten tiefgreifenden Entwicklungsstörung eine ASS-Diagnose bekommen sollen. Bei deutlichen sozialen Kommunikationdefiziten, die sonst aber nicht die Kriterien der Autismus-Spektrum-Störung erfüllen, solle die Diagnose Soziale Kommunikationsstörung erwogen werden"
      de.wikipedia.org/wiki/Autismus#Nach_DSM-5

      Edit: Ok, ich dachte, das ICD-11 übernimmt das DSM-V, ist das ICD-11 denn jetzt endlich draußen?
      Ich konnte es noch nicht lesen.
      (Habe alles auf DSM-V bezogen, ich dachte, es wurde alles so übernommen, weil das sonst auch so überwiegend war.)
      „Kein Mensch sollte sich dafür schämen müssen, wer er ist."
      - CSI - Den Tätern auf der Spur S4E6

      The post was edited 2 times, last by Cloudactive ().

    • Tuvok wrote:

      Die Einteilung in Schweregrade nach DSM 5 erfolgt nach den individuellen Einschränkungen des Patienten, nicht nach dem Namen der Altdiagnose.
      Deshalb schrieb ich auch ungefähr (relativ) = kommt auf den Patienten an, nicht nur auf die Diagnose.
      „Kein Mensch sollte sich dafür schämen müssen, wer er ist."
      - CSI - Den Tätern auf der Spur S4E6
    • Ich lese gerade, dass der ICD-11 voraussichtlich ab 2022 gelten soll, zum letzten Zeitpunkt, an dem ich mich danach erkundigte, war nicht einmal das klar.
      Es war aber noch der Stand, dass der ICD-11 in Bearbeitung war, es war nicht klar, ob es jetzt die endgültige Fassung war (Änderungen möglich), wenn es jetzt der Fall ist, habe ich was verpasst, aber über die Gültigkeit und Anwendungsmöglichkeit weiß ich leider nichts.
      „Kein Mensch sollte sich dafür schämen müssen, wer er ist."
      - CSI - Den Tätern auf der Spur S4E6
    • Die ICD-11 wurde von der WHO 2018 offiziell vorgestellt und soll dieses Jahr verabschiedet werden. In Deutschland wird sie aber erst später in Kraft treten, wann genau, weiß man noch nicht.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • FruchtigBunt wrote:

      sempron wrote:

      Üblich (und vom Hintergrund der Abkürzung her auch logisch) ist es, *die* ICD zu sagen.
      Aber selbst in Fachkreisen wird es "das ICD" genannt. Aber du hast Recht, weil es ja "die Klassifikation ... " heißt.
      Das kann sicher vereinzelt vorkommen, da ja viele Menschen sprachlich nicht unbedingt "Leuchten" sind.

      Aber siehe z.B. hier:
      aerzteblatt.de/nachrichten/959…en-Diagnoseschluessel-vor

      Zitat:
      "
      Die ICD wird in der elften Version rund 55.000 Codes für Verletzungen, Krankheiten und Todesursachen enthalten.
      "

      Lustigerweise kommt im selben Text aber auch "der ICD" vor, was natürlich gänzlich sinnlos ist; für das Neutrum "das" kann man ja immerhin noch anführen, daß die Buchstaben I C D wie alle Buchstaben vom Geschlecht her neutral im Deutschen sind.


      Aber auch die Wikipedia verwendet "die ICD" - auch wenn man über die Qualität der Artikel in der Wikipedia gewiß bisweilen heftig streiten kann.


      Unabhängig vom (Fehl-)Gebrauch einzelner Fachleute sollte man aber meiner Ansicht nach darum bemüht sein, sich möglichst sprachlich korrekt auszudrücken:

      Darum "die ICD" und "das DSM". :)


      Ach, fast vergessen:

      Ich habe hier gerade auch die ICD in Buchform zur Hand, und darin steht eindeutig wiederholt "die ICD".

      The post was edited 2 times, last by sempron ().

    • Ich hatte zum ersten Mal von "der ICD" gelesen und mir diesen Ausdruck angewöhnt, musste dann später umlernen.
      Anfangs dachte ich, das C stünde für Code oder für Katalog, und weil es "der Code" und "der Katalog" heißt, war "der ICD" für mich schlüssig.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • hibernation wrote:

      International Classification of Diseases , DIE
      Hä? Aber das mit der englischen Bezeichnung zu begründen, macht nicht wirklich Sinn, oder? Oder kann man das machen, dass man sich überlegt, ob das englische Wort "männlich" oder "weiblich" ist? Ist das nicht eigentlich sächlich? Ich dachte, im Englischen sind alle Substantive sächlich (also weder männlich noch weiblich).

      Wie kommt man darauf, aus "Classification" DIE abzuleiten? :roll:

      So wie es @sempron erklärt hat, verstehe ich es und so sehe ich es auch. Das nimmt aber auf die deutschen Worte Bezug.
    • rondra1 wrote:

      Ich finde die Einteilung in Schweregrade ganz gut. Daher meine Frage.
      Dadurch fällt das Umschlüsseln ja quasi weg, da es ja keine AS, HFA, AT u.s.w. mehr gibt. Die Einteilung in Schweregrade wird hoffentlich mehr Eindeutigkeit der jeweiligen Einschränkungen bringen. Ich bin es bei den Ämtern echt leid, wenn sie sagen: "Asperger" - ach, dann habt ihr ja nur eine leichte Form .... - da ja ständig nur nach Aktenlage beurteilt wird.

      In Wirklichkeit aber wesentlich "realitätsferner" und "weggedrifteter" ist, als manche frühkindliche Autisten.

      Daher hoffe ich darauf, dass eine Schweregradeinteilung es vereinfacht und man nicht zum 99ten mal erklären und begründen muss.
      Dann hab ich ja Hoffnung, wenn die Einteilung erfolgen wird.
      Die Hoffnung dürfte nicht erfüllt werden. Viele Behörden suchen geradezu nach Gründen Leistungen zu senken und Anerkennungen zu verweigern. Behinderte sind halt nur Nummern die Kosten und Arbeit machen...

      Shenya wrote:

      Was sind denn das für Schweregrade?
      Ich weiß jetzt nur das, was hier steht:
      icd.who.int/browse11/l-m/en#/h….int/icd/entity/120443468

      Da müsste man ja nur schauen, ob es intellektuelle oder sprachliche Einschränkungen gibt.
      Gibt es noch eine weitere Unterteilung?
      Es gibt eine Kategorie, die entspricht den heutigen ASS-Diagnosen. Bei den anderen sind Dinge mit aufgenommen, die bisher als seperate Komorbidität klassifiziert werden, z.B. Autismus und gleichzeitige Intelligenzminderung.