Behinderung als Verlängerungsgrund für Kindergeld über 25

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    • Persönlich habe ich damit keine Erfahrung, aber laut den Infos im Internet gibt es das. Schau mal hier:

      kindergeld.org/kindergeld-bei-behinderung.html

      Unter der Überschrift "Wann die Ursächlichkeit anzunehmen ist" findet sich der Punkt "die Fortdauer einer Schul- oder Berufsausbildung eines Kindes aufgrund seiner Behinderung über das 25. Lebensjahr hinaus". D.h. Kindergeld kann weiter gezahlt werden, wenn die Behinderung die Ursache dafür ist, dass die Ausbildung länger dauert.

      Oder auch hier: bvkm.de/wp-content/uploads/Kin…rierefrei-sicherung-2.pdf


      Ich drücke dir alle Daumen.
      I have my books
      And my poetry to protect me

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    • Lissy wrote:

      Auch wenn, wie ich nach wochenlanger Recherche festgestellt habe, die Angelegenheit so speziell ist, dass wahrscheinlich niemand sich damit auskennt, so möchte ich eine unterschwellig bereits gestellte Frage noch einmal explizieren:

      Ich habe die große Angst, Vollwaise zu werden; mein Vater leidet sehr wahrscheinlich unter Hautkrebs, mit dem er seit Jahren nicht zum Arzt will. Es schmerzt mich, das zu bedenken, erst recht, es zu äußern, weil es meinem noch lebenden Elternteil gegenüber so kalt und berechnend wirkt. Ich hoffe inständig, dass es meinem Vater noch lange gut ergehen wird - und auch, dass er selbst noch etwas von dem Kindergeld erhalten können wird, da er selbst sehr wenig hat. Aber es ist nun einmal Fakt, dass ich 0 Unterstützung erhalte(n kann), Kindergeld ist meine einzige Option, während des Bachelors Unterstützung zu erhalten. Meine Befürchtung ist nun, dass die Familienkasse die Angelegenheit so lange, vielleicht sogar Jahre zieht, bis ich Vollwaise bin, auf dass der angesammelte Anspruch im Sande verläuft.

      Meine Frage ist nun: gibt es doch einen Weg, als behinderter Vollwaise über 25 Kindergeld zu erhalten? Könnte mein Lebenspartner Kindergeld für mich beziehen? Oder mein Halbbruder, der aber über 100km entfernt wohnt? Oder auch fremde Personen, beispielsweise die Eltern meines Freundes, wenn die denn dazu bereit wären? Ich las leider mehrfach, dass Kindergeld zwar über den 25. Geburtstag hinaus gezahlt würde, behinderten Vollwaisen das Kindergeld aber nur bis 25 bzw. dem Zeitpunkt, da sie Vollwaisen werden, zustünde, wenn "sonst niemand" da ist, der es beantragen kann. Via Abzweigung sei das nicht möglich, irgendein hohes Gericht entschied auch schon, dass das keine Benachteiligung darstelle.
      Als Beispiele für solche die Eltern vertretenden Personen wurden Geschwister, in deren Nähe man lebt (...), sowie Betreuer erwähnt. Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen, aber "Betreuer"? Muss ich dafür geistig behindert sein? Gäbe ich dafür Rechte auf?

      Kennt sich jemand aus? Vielleicht weiß Waspie etwas? Vielen Dank für alles potenziell Produktive!
      Sehr speziell und das geht weiter als mein eigener Fall.
      Für mich liest sich §1 Abs. 2 BKGG so, dass der Kindergeldanspruch für sich selbst mit 25 endet.

      Ob ein laufendes Klageverfahren mit dem Tod des Kindergeldberechtigten endet wissen wir nicht. Einerseits ist das eine personenbezogene Leistung, andererseits wären die ungezahlten Geldbeträge bei einer Bewilligung Teil der Erbmasse geworden.

      Waisen und Halbwaisenrente wird glaube ich bei behinderten Kindern bis 27 gezahlt.

      Als weitere Anspruchsberechtigte als den leiblichen Eltern weiß ich von Pflegeeltern, Stiefeltern und Großeltern. Ob auch Geschwister oder Betreuer möglich sind weiß ich nicht.

      Zur Betreuung kann ich nicht mehr sagen als hier eh schon steht.
    • Bitteleise wrote:

      Persönlich habe ich damit keine Erfahrung, aber laut den Infos im Internet gibt es das. Schau mal hier:

      kindergeld.org/kindergeld-bei-behinderung.html

      Unter der Überschrift "Wann die Ursächlichkeit anzunehmen ist" findet sich der Punkt "die Fortdauer einer Schul- oder Berufsausbildung eines Kindes aufgrund seiner Behinderung über das 25. Lebensjahr hinaus". D.h. Kindergeld kann weiter gezahlt werden, wenn die Behinderung die Ursache dafür ist, dass die Ausbildung länger dauert.

      Oder auch hier: bvkm.de/wp-content/uploads/Kin…rierefrei-sicherung-2.pdf


      Ich drücke dir alle Daumen.
      Ja, genau, allgemein passt das auch, die Frage ist nur, ob Kindergeld nach dem Bundeskindergeldgesetz gezahlt wird, oder nach dem Einkommenssteuergesetz, denn meinem Kenntnisstand entsprechend besteht der Anspruch für ü25-jährige Behinderte nur nach dem Einkommenssteuergesetz, was aber voraussetzt, dass ein Elternteil oder jemand, der die Rolle eines Elternteils einnimmt, vorhanden ist. Da ich körperlich nicht signifikant eingeschränkt und auch nicht geistig behindert bin, sondern nur "psychisch", mein Leben aber noch halbwegs auf die Reihe bekomme (wenn auch ohne Sozialkontakte, ohne Tagesstruktur, mit geminderter Erwerbsfähigkeit) und ich zudem großen Wert auf (ein Recht auf) mentale Autonomie und insbesondere medizinische Selbstbestimmung lege, fallen Betreuer leider raus.

      Mein Anwalt verfasste nun eine Klagebegründung zwecks Schwerbehinderung, die auf mich sehr überzeugend wirkt. Ich gehe in Anbetracht dessen selbst in all meiner Negativhaltung und Paranoia fast davon aus, dass ich die Schwerbehinderung "erhalten" werde - vorausgesetzt, man dreht mir nicht einen Strick bei der Gutachtenerstellung.

      Meine Halbwaisenrente ist leider unwiderruflich mit 27 Jahren weggefallen. Laut RV gibt es absolut keine Möglichkeit, die Rente über 27 hinaus zu verlängern, selbst bei Erwerbsunfähigkeit.

      Eigentlich müsste das Kindergeld via Abzweigung direkt mir zustehen, würde ich Vollwaise, da 0€ Unterhalt geflossen sind. Ginge es in die Erbmasse ein, hätte ich davon nichts, weil ich das Erbe, das summa summarum ohnehin bei +/-0 rauskäme, ausschlagen müsste, da ich wegen der Insolvenz ansonsten im Minus landete. Aber in der Insolvenzphase (also nicht Wohlverhaltens-) darf ich aber auch von meinem Einkommen unterhalb der Pfändungsgrenze kein Geld ansparen, daher könnte das Geld selbst dann, wenn ich es direkt erhielte, in die Insolvenz fließen. Schwieriges Thema...
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      Hi, noch mal das leidige Thema, da mein Anwalt leider nicht reagiert, dachte ich mir, vielleicht kann und möchte mir hier jemand bei der Interpretation helfen.

      Ich fand noch einen Artikel zum Kindergeld.

      "[...] Mit Urteil vom 22.10.2009 (III R 50/07, BFH/NV 2010, 716, LEXinform 0588341) bestätigt der BFH seine Rspr. im Urteil vom 19.11.2008 (III R 105/07, BFH/NV 2009, 638, LEXinform 0588766). In Ergänzung dazu führt der BFH weiter aus, dass dann, wenn die Behinderung nicht in erheblichem Umfang mitursächlich dafür ist, dass das Kind keine Arbeit gefunden hat, ein Anspruch auf Kindergeld auch dann besteht, wenn die Einkünfte, die das Kind aus einer – trotz der Behinderung möglichen – Erwerbstätigkeit erzielen könnte, nicht ausreichen würden, seinen gesamten Lebensbedarf (existenziellen Grundbedarf und behinderungsbedingten Mehrbedarf) zu decken. [...]"

      Wäre dieser Punkt nicht erfüllt, wenn mein Arzt mir attestiert, dass ich zwar mindestens 15, aber dennoch nicht genug Wochenstunden arbeiten könnte, um meinen Bedarf zu decken? Um Grundfreibetrag + Behindertenpauschbetrag + Sozialversicherungsbeiträge + Werbungskostenpauschale zu decken, müsste ich konstant 25 Stunden arbeiten. Mein letzter Schnitt lag bei 19, und auch das führte wieder zu Überlastung.

      Oder verstehe ich das falsch?
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      Lissy wrote:

      Ich fand noch einen Artikel zum Kindergeld.

      Vereinfacht:
      Auch wenn die Behinderung also keine erhebliche Ursache dafür ist, dass das Kind keine Arbeit gefunden hat, besteht trotzdem ein Kindergeldanspruch, wenn die Einkünfte aus der Arbeit, die das Kind ausführen könnte, nicht ausreichen würden, seinen Lebensbedarf zu decken.

      Nach meinem Verständnis klingt es so, als hätte das Kind in beiden Fällen keine Arbeit.
      Im zweiten Fall wird von einer hypothetischen Arbeit ausgegangen, die das Kind hätte ausüben können, es aber nicht tat bzw. tut.

      In deinem Fall hast du gearbeitet.
      Wird dann halt schwierig, wenn du gearbeitet und studiert hast, zu argumentieren, dass du auch ohne Studium nicht hättest mehr arbeiten können.
      Aber, wenn du medizinische Bescheinigungen vorweisen kannst, die beweisen, dass das doch der Fall ist, dürfte das dem Präzedenzfall entsprechen und dein Anspruch auf Kindergeld wäre gegeben.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
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      Cloudactive wrote:

      Lissy wrote:

      Ich fand noch einen Artikel zum Kindergeld.
      Vereinfacht:
      Auch wenn die Behinderung also keine erhebliche Ursache dafür ist, dass das Kind keine Arbeit gefunden hat, besteht trotzdem ein Kindergeldanspruch, wenn die Einkünfte aus der Arbeit, die das Kind ausführen könnte, nicht ausreichen würden, seinen Lebensbedarf zu decken.

      Nach meinem Verständnis klingt es so, als hätte das Kind in beiden Fällen keine Arbeit.
      Im zweiten Fall wird von einer hypothetischen Arbeit ausgegangen, die das Kind hätte ausüben können, es aber nicht tat bzw. tut.

      In deinem Fall hast du gearbeitet.
      Wird dann halt schwierig, wenn du gearbeitet und studiert hast, zu argumentieren, dass du auch ohne Studium nicht hättest mehr arbeiten können.
      Aber, wenn du medizinische Bescheinigungen vorweisen kannst, die beweisen, dass das doch der Fall ist, dürfte das dem Präzedenzfall entsprechen und dein Anspruch auf Kindergeld wäre gegeben.
      Stimmt, aber ich war im Schnitt etwas mehr als eine Stunde pro Woche in der Uni anwesend, mehr schaffte ich nicht, den "Rest" (insgesamt 5 Leistungspunkte, eine Klausur + eine schriftliche Abgabe im Seminar) erarbeitete ich mir zu Hause, vielleicht kommt noch eine Hausarbeit dazu, die noch mal 6CP einbrächte, aber ebenfalls komplett zu Hause angefertigt wurde. Es dürfte problemlos möglich sein, mir das attestieren zu lassen. Du meinst, es könnte Sinn machen, das der Familienkasse vorzulegen?
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      @Lissy Ich bin mal bei meinen Recherchen darauf gestoßen, dass ein Studium nicht mit Erwerbstätigkeit gleichzusetzen ist, hier ging es nicht darum, dass dabei kein Einkommen generiert wird, sondern um das Vermögen ein Studium (aus psychischer, gesundheitlicher Sicht) ausführen zu können und dennoch den Status erwerbsgemindert zu haben.
      Leider habe ich den Link bei meiner letzten PC-Reparatur verloren, aber vielleicht kannst du mit dieser Information etwas anfangen.

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      Gluon wrote:

      @Lissy Ich bin mal bei meinen Recherchen darauf gestoßen, dass ein Studium nicht mit Erwerbstätigkeit gleichzusetzen ist, hier ging es nicht darum, dass dabei kein Einkommen generiert wird, sondern um das Vermögen ein Studium (aus psychischer, gesundheitlicher Sicht) ausführen zu können und dennoch den Status erwerbsgemindert zu haben.
      Leider habe ich den Link bei meiner letzten PC-Reparatur verloren, aber vielleicht kannst du mit dieser Information etwas anfangen.
      Danke für den Hinweis. Das kann bei Kindergeld sicher hilfreich sein, ist aber gerade vor dem Hintergrund eines möglichen Grundsicherungsbezugs wichtig. Finde dazu leider aber auch keine Quelle...

      Mein Anwalt antwortet ja nicht, so dass ich die Familienkasse "auf eigene Faust" darauf hinweisen müsste. Und ich habe jetzt Angst, dass ich der Familienkasse damit eine Steilvorlage für die Idee biete, dass ich viel mehr arbeite, als ich studiere, so dass man hinterher der Meinung ist, die Erwerbstätigkeit ist prioritär zu betrachten und die in der KG-DA dargelegte Ursächlichkeit meiner Behinderung, die bei "Fortführung des Studiums und GdB 50" besteht, sei damit nicht gegeben Mein Gott, wieso kapiert eigentlich keiner oder kümmert es niemanden, dass ich erheblich teurer werde, wenn ich mein Studium abbreche, um volle Sozialleistungen zu beziehen :m(: Ja, ich wiederhole mich, sorry, aber irgendwie kriege ich meine Emotionen nicht hinreichend reguliert, um das einfach ignorieren zu können.
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      Lissy wrote:

      Mein Gott, wieso kapiert eigentlich keiner oder kümmert es niemanden, dass ich erheblich teurer werde, wenn ich mein Studium abbreche, um volle Sozialleistungen zu beziehen Ja, ich wiederhole mich, sorry, aber irgendwie kriege ich meine Emotionen nicht hinreichend reguliert, um das einfach ignorieren zu können.
      Willst du eventuell den Anwalt wechseln?

      Ich hätte einen Tipp für dich, bei Bedarf PN/Konversation
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil: