Unfähigkeit, Dinge zu verstehen, so sie denn (noch nicht) im Kopf visualisiert sind

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    • Unfähigkeit, Dinge zu verstehen, so sie denn (noch nicht) im Kopf visualisiert sind

      Hallo!
      Nachdem es um mich herum in letzter Zeit eher ruhig war (ich habe mein Erkundungspraktikum in einem herrlich leisen Büro gemacht, womit es mir wirklich sehr gut ging), möchte ich heute ein Problem beschreiben, in dem sich vielleicht einige wiedererkennen.

      Mir ist in den vergangenen Monaten aufgefallen, dass ich allergrößte Schwierigkeiten habe, gesagtes zu verstehen, solange mir nicht die Zeit gelassen wird, immerhin wichtige Informationen im Kopf in ein lesbares Bild zu übersetzen. Dazu gehören schon solche Dinge wie ,,Hierbei handelt es sich um eine Funktion 3. Grades“. Der Satz wird gehört, kommt irgendwie an - und bleibt völlig bedeutungslos, bis im Kopf ,,schwarz auf weiß“ (keine Redewendung) in etwa steht ax^3+[...].

      Vielleicht beschreibe ich damit ein völlig neurotypisches Problem, allerdings habe ich das Gefühl, dass fast alle meine Klassenkameraden damit weniger große Schwierigkeiten haben, bzw. durchaus auch von rein mündlich kommunizierten Erklärungen etwas haben.

      Dabei spielt aber leider auch nicht nur das Visualisieren müssen eine Rolle. Wenn ich mich auf den Lehrer fokussiere, werde ich von der Mimik (und von Überlegungen über die Mimik :d ) abgelenkt, schaue ich irgendwo anders hin, ,,höre“ ich das Gesagte nur halb und es kommt in reduzierter Fassung oder gar nicht an. Wie ein Nachhall, aus dem sich nur unter großer, zusätzlicher und vor allem bewusster Anstrengung Information extrahieren lässt.

      Ich treibe wohl auch regelmäßig Klassenkameraden in den Wahnsinn, da ich ihre Erklärungen in keinster Weise verstehe, alles aufgeschrieben sehen muss und ihnen irgendwie auch nicht zuhören kann.


      Kennt das jemand?
    • Um mir unter Neum etwas vorstellen zu können, muss ich es im Kopf (am liebsten unterbewusst und blitzschnell) veranschaulichen. Sonst is da ein Berg, vor dem ich den Ochsen gebe. Soweit, so gewöhnlich. Die vielleicht außergewöhnliche Schwierigkeit ergibt sich wohl daraus, dass ich manchen Zusammenhängen anders denkend auch andere Erklärungen brauche - die gegebenen sind auf mir fremde Muster zugeschnitten und taugen mir nicht. Zudem neigt mein Hirn dazu, ohne Weiteres im Wortsinne zu veranschaulichen, was mich vor allem in jüngeren Jahren in unschöner Regel aus der vorgegebenen gedanklichen Spur warf.
      Achtung, eigene Sprache!
    • Ja. Ich neige dazu, an der akustischen Ebene hängen zu bleiben, es kommen bei mir die Laute an, aber das Muster der Laute fasziniert mein Gehirn irgendwie so sehr, dass ich Mühe habe, das Gesagte zu verstehen. Ich muss es mir selbst noch einmal vorsprechen und mir mental "aufschreiben", also ein Bild machen, oft auch als Diagramm oder Mindmap. Das Problem habe ich teilweise auch beim Lesen, weil ich dann die Assoziation der Laute im Kopf habe, dann muss ich es mehrmals lesen oder selbst schreiben. Für mich war daher auch das Lernen durch wiederholtes Lesen sehr ineffektiv. Ich musste alles mehrmals selbst schreiben, denn auch, wenn mir der Inhalt schon zu vertraut ist, bleibe ich an der Lautebene hängen. Dafür habe ich ein sehr gutes visuelles Gedächtnis. Das musste ich aber erst rauskriegen und lernen, darauf zu vertrauen. Ich konnte dann, obwohl ich Sachen nicht "bewusst wusste", auf eine Prüfungsfrage problemlos antworten, weil ich die Antwort nur von meinem mentalen Bild der Karteikarte ablesen musste. Allerdings ist das dann nur reines Prüfungswissen, es ist nicht gut verfügbar für die Anwendung im konkreten Bedarfsfall. Dafür muss ich Dinge dann erst wieder visualisiert in die komkrete Situation einplanen, also über ein mentales oder reales Ablaufdiagramm z.B.
    • Eurich Wolkengrob wrote:

      Zudem neigt mein Hirn dazu, ohne Weiteres im Wortsinne zu veranschaulichen, was mich vor allem in jüngeren Jahren in unschöner Regel aus der vorgegebenen gedanklichen Spur warf.
      Ja. Ich habe auch immer die Bilder vor Augen und übersetze dann bewusst. Das geht inzwischen blitzschnell, wie eine vertraute Fremdsprache. Aber das Bild ist immer erst mal da. Entsprechend liebe ich auch Witze wie diesen, weil mich einfach das Bild zum Lachen bringt:

      Was ist grün und rennt durch den Wald?
      Display Spoiler
      Eine Horde Gurken!
    • Ich schreib mal in diesen Thread, weil es m.E. zusammen hängt. Ich hab Probleme damit, mir Begriffe zu merken, zu denen ich mir kein Bild machen kann, geht das anderen hier auch so? Ich muss mir zu vielen Begriffen/Fremdwörtern eine Eselsbrücke bauen, damit ich mir merken kann, wofür das Wort steht. Beispiel: Klavikula - Schlüsselbein. Da hab ich mir zurecht gelegt: Klavier, Musik, Notenschlüssel > Schlüsselbein.
    • Lefty wrote:

      Ich schreib mal in diesen Thread, weil es m.E. zusammen hängt. Ich hab Probleme damit, mir Begriffe zu merken, zu denen ich mir kein Bild machen kann, geht das anderen hier auch so? Ich muss mir zu vielen Begriffen/Fremdwörtern eine Eselsbrücke bauen, damit ich mir merken kann, wofür das Wort steht. Beispiel: Klavikula - Schlüsselbein. Da hab ich mir zurecht gelegt: Klavier, Musik, Notenschlüssel > Schlüsselbein.
      Ich finde es vollkommen "normal", dass man nichts stumpfsinnig lernen kann. Deine Methode wird überall zum Lernen empfohlen...
    • Lefty wrote:

      Ich schreib mal in diesen Thread, weil es m.E. zusammen hängt. Ich hab Probleme damit, mir Begriffe zu merken, zu denen ich mir kein Bild machen kann, geht das anderen hier auch so? Ich muss mir zu vielen Begriffen/Fremdwörtern eine Eselsbrücke bauen, damit ich mir merken kann, wofür das Wort steht. Beispiel: Klavikula - Schlüsselbein. Da hab ich mir zurecht gelegt: Klavier, Musik, Notenschlüssel > Schlüsselbein.
      merks dir mit Musik, meine Lieblingsband
    • Lefty wrote:

      Ich schreib mal in diesen Thread, weil es m.E. zusammen hängt. Ich hab Probleme damit, mir Begriffe zu merken, zu denen ich mir kein Bild machen kann, geht das anderen hier auch so? Ich muss mir zu vielen Begriffen/Fremdwörtern eine Eselsbrücke bauen, damit ich mir merken kann, wofür das Wort steht. Beispiel: Klavikula - Schlüsselbein. Da hab ich mir zurecht gelegt: Klavier, Musik, Notenschlüssel > Schlüsselbein.
      Also ich muss mir auch zu allen irgendwas vorstellen. Auch Abläufe begreife ich erst, wenn ich sie gezeigt bekomme oder selbst machen soll. Ansonsten bleibe ich meist irgendwo im Denken hängen.

      Manche Dinge kann ich mir aber tatsächlich partout nicht merken. Da gibt es dann immer 2 Dinge im Kopf, zwischen denen ich springe. Als wolle mein Kopf es nicht verstehen.
      ...in der Diagnostik... :nod: