Mit Unlogik und Ungerechtigkeit anderer Menschen umgehen

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    • Mit Unlogik und Ungerechtigkeit anderer Menschen umgehen

      Ich habe in der Vergangenheit einige Themen gestartet, die sich darum drehen, wie man mit gefühlt unfairem Verhalten von Mitmenschen umgehen kann oder was man tun kann, wenn man falsch verstanden wird. Nun habe ich ein Erlebnis (in diesem Fall war die Person nicht absichtlich unfair oder gemeint), das mich sehr beschäftigt, aber nicht in die bisherigen Kategorien passt, weswegen ich ein neues Thema eröffne.

      Ich habe bei einer Therapeutin telefonisch nach einem Therapieplatz angefragt, die mir sagte, dass ein Erstgespräch möglich sei. Der Vollständigkeit halber (ich wurde nicht gefragt, wie ich versichert bin), habe ich dann erwähnt, dass ich privat versichert bin und ob dies gegebenenfalls Auswirkungen auf das Antragsverfahren oder die Terminvergabe hat (früher machte ich das nicht, aber wenn ein Therapeut getrennte Kontingente (wegen der Abrechnung) für Gesetzliche und Privatpatienten hat, dann bin ich der Meinung, dass es zu meinem Vorteil ist, wenn ich erwähne, dass ich privat versichert bin. Immerhin geht es um meine Gesundheit. Dass die unterschiedliche Abrechnung von Gesetzlichen und Privatpatienten total ungerecht ist, dem stimme ich zu.

      Was dann aber als Antwort kam, hat mich sprachlos gemacht. Ich fühle mich total ohnmächtig deswegen und sehr verärgert. Die Therapeutin meinte dann, dass sie überhaupt keine Privatpatienten nehme. Ich konnte daraufhin noch ruhig fragen, woran das denn liege. Daraufhin erklärte sie mir, dass sie es ungerecht gegenüber den gesetzlich Versicherten fände, Privatpatienten aufzunehmen, weil so viele gesetzlich Versicherte auf ihrer Warteliste ständen und als Privatpatient würde man auch woanders einen Termin bekommen. Ich habe ihr daraufhin gesagt, dass ich aber gerne zu ihr gegangen wäre (es war eine Empfehlung, die ich bekam). Gerne hätte ich auch noch gesagt, dass ihre Regelung jetzt doch noch viel ungerechter ist, weil es nun nicht mehr nur darum geht, dass eine Versichertengruppe möglicherweise länger warten muss, sondern diese wird einfach komplett von den Leistungen ausgeschlossen. Und das ganze wird dann auch noch mit dem Argument der "Gerechtigkeit" begründet. 8o :x Ich finde diese Argumentationsweise vollkommen unlogisch. Mir ist klar, dass ein Vorziehen von Privatversicherten gegenüber gesetzlicih Versicherten für gesetzlich Versicherte ungerecht ist. Dann aber nicht nur den Spieß umzudrehen und die Privatpatienten länger warten zu lassen (was auch ungerecht wäre, aber dann sozusagen als Ausgleich für die sonst teilweise bestehende Ungerechtigkeit gesehen werden könnte, was man aber auch nicht tun sollte, weil man Ungerechtigkeit nicht mit Ungerechtigkeit wiedergutmachenkann), sondern diese ganz auszuschließen (was an Ungerechtigkeit nicht mehr zu überbieten ist), kann doch keine Lösung sein. 8o 8o

      Ich denke mir nun, dass ich mit so einer Therapeutin sicher nicht lange gut hätte zusammenarbeiten können. Wenn jemand so denkt, habe ich für diese Person einfach Null Verständnis und ich glaube kaum, dass man bei so unterschiedlichen Denksystemen auf einen gemeinsamen Nenner gekommen wäre. Wer weiß, was diese Person noch alles für unlogischen Schlüsse oder gar Handlungen unternimmt. :roll:

      Ich rege mich aber trotzdem gerade total darüber auf, bin fassungslos, wie man als Therapeut eine Personengruppe mit einer so abstrusen Begründung so benachteiligen kann und vor allem wie man so wenig Ahnung haben kann, wie das bei anderen Therapeuten abläuft. Es ist nämlich mitnichten so, dass man als Privatpatient bei Psychotherapeuten schneller einen Therapieplatz bekommen. Ich habe in der Vergangenheit bei zirka 30 Therapeuten angerufen und nach Erstgesprächen gebeten. Darunter waren ca. 2 - 4 Therapeuten, die Privatversicherte schneller drannehmen. Die meisten sagten, dass das keinen Einfluss hätte und von einer Therapeutin wurde ich sogar wegen meiner PKV abgelehnt, weil es mit der Versicherung ständig nur Probleme gäbe (kann ich bestätigen, dass das so ist). Die Wartezeiten auf Therapieplätze betragen in Großstädten 6 - 12 Monate (auch als Privatversicherter in der Regel). Das Argument, dass ich ja woanders genausogut einen Therapieplatz finde, überzeut mich nicht und ist meiner Meinung nach schon fast eine Frechheit. Mir wird eine Leistung versagt, mit der Begründung, dass ich die ja woanders genausogut oder noch viel besser bekommen könnte, was aber gar nicht stimmt.


      Ich habe mehrere Wochen gebraucht, um mich zu überwinden, bei dieser Therapeutin anzurufen. Ich habe mit langen Wartezeiten gerechnet. Und nun das. Ich habe seit einer halben Stunde Kälteschauer, die mir über den Rücken und die Arme laufen und würde mich am liebsten ins Bett legen und die Decke über den Kopf ziehen. Ich merke, wie ich in den Bestrafungmodus falle.. Wieder dieses "wieso sollst du überhaupt essen, wieso sollst du überhaupt irgendetwas machen... es ist doch eh alles umsonst". Das Ergebnis des Telefonats ist für mich ein Schlag in die Magengrube und ich habe Angst, dass das wieder schlimme Auswirkungen hat und ich nicht stark genug bin, dagegen anzukämpfen.

      Es geht nicht nur darum, dass die Chance, die Therapie dort zu machen, nun nicht mehr vorhanden ist, sondern ich komme mit diesem Unverständnis und dieser Ohnmacht nicht klar, die die Antwort in mir auslöst. Ich denke mir nur die ganze Zeit, dass das nicht sein. Dass es nicht sein kann, dass ein Mensch so abstrus denkt. Dass das doch nicht sein kann, weil die Frau Therapeutin ist und studiert hat und dass es nichth sein kann, dass jemand so fehlerhafte Schlüsse zieht.

      Ich habe dann schon angefangen zu überlegen, ob die Person vielleicht auch einfach nicht die Wahrheit sagte, sondern ein ganz anderer Grund dahinter steckt, dass sie keine Privatpatienten nimmt. Vielleicht war ich ihr am Telefon unsympathisch oder sie empfand es als dreist, dass ich erwähnte, dass ich privat versichert bin. Aber wenn ein Therapeut nicht versteht, dass es wichtig ist, wenn man als Patient höflich seine eigenen Ziele verfolgt, dann wäre die Therapie sicher auch schief gegangen. Vor allem ich muss lernen, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und mir zuzugestehen, dass ich einen Therapieplatz haben darf und dass es wichtig ist, dass ich einen bekomme. So eine Denkweise kann eine Therapeutin eigentlich nicht sanktionieren wollen. Ich habe auch ganz sicher das mit dem privatversichert nicht überheblich oder arrogant gesagt, sondern eher etwas beschämt und kleinlaut.

      Es könnte auch noch sein, dass die Therapeutin keine Privatpatienten nimmt, weil sie (wie ich neulich hier las - Aktueller Artikel aus dem Ärzteblatt), dafür angeblich schlechter bezahlt wird. Das war mir neu, weil ich dachte, das man ja bei Privatpatienten auch den Höchstsatz problemlos abrechnen kann, bei GKV-Patienten aber nicht. Nun ist es aber so, dass es bei GKV-Patienten ein ganz anderes Abrechnungssystem gibt (EBM oder irgendsoetwas).
      Das wäre für die Therapeutin natürlich ärgerlich, aber ich kann nicht wirklich wissen, ob das der wahre Grund ist.

      Dieses Ohnmachtsgefühl kommt, weil ich den wahren Grund nicht wirklich annehmen kann, da ich ihn nicht glauben kann. Ich kann die Begründung der Therapeutin nicht nachvollziehen, weil sie mir unlogisch erscheint. Deshalb suche ich offenbar nach anderen Gründen, für die ich aber auch keine Beweise habe.
      Es ist so, wenn ich etwas nicht verstehe, weil mir das unlogisch erscheint, dass ich fast schon Panik bekomme.


      Wie kann ich lernen, Unlogik und Ungerechtigkeiten hinzunehmen, ohne davon total erschüttert zu werden? :|

      Oder liegt es vielleiciht daran, dass ich nur meinen Blickwinkel wechseln müsste und dann erkennen könnte, dass das Denken und Verhalten der Therapeutin gar nicht unlogisch war? Aber in diesem Fall ist die Argumentationsweise (etwas ist ungerecht, also verkehre ich es ins Gegenteil, womit es aber noch ungerechter wird und behaupte dann, das wäre gerecht, weil ich ja die erste Ungerechtigkeit beseitigt habe. Dass dadurch eine noch größere Ungerechtigkeit entstanden ist, weise ich von mir) meiner Meinung nach mit der philosophischen Logik nicht vereinbar.

      Was könnte überhaupt ein Ansatz sein, damit zu leben? Ich habe gerade einfach nur das Gefühl, dass ich ausrasten könnte und dass sämtliche Therapien und Menschen für mich nichts sind, weil meine verdammten Probleme, die vom Asperger her kommen, alles verkomplizieren. Ich komme mit der Denkweise der Menschheit nicht klar. Genau jetzt bräuchte ich eine Autismustherapie, bei der ich dieses Erlebnis besprechen könnte. Wie ich damit umgehen kann. Wie ich es schaffe, jetzt weiterzumachen und nicht vor Frust und Unverständnis den Kopf in den Sand zu stecken und ein halbes Jahr lang keine Therapeuten mehr anzurufen. :m(: :shake:

      Eine weitere Sache, die mich noch geärgert hat, war, dass auf dem AB der Praxis telefonische Sprechzeiten aufgesprochen waren, zu denen man wegen Terminvereinbarungen anrufen kann (müssen Therapeuten ja neuerdings anbieten). Ich suchte mir also den nächstmöglichen Termin heraus und rief da (schon letzte Woche an). Am Apparat war dann plötzlich aber nicht die Therapeutin sondern irgendein Mann, der sich nicht richtig vorstellte. Ich war sehr irritiert und fragte, ob das ein Gemeinschaftsanschluss sei (mir war nicht bekannt, dass die Therapeutin in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet und das tut sie wohl auch nicht), worauf auch eine komische Antwort kam ("so in etwa" und dann noch Erklärungen die ich nicht verstand, weil sie so schwammig waren). Das Fazit war dann, wenn ich einen Termin mit der Therapeutin ausmachen will, dass ich dann an einem anderen Tag anrufen soll. Das hat mich auch total geärgert. Wie kann denn die Therapeutin auf das Band sprechen, dass ihre telefonischen Sprechzeiten an diesen drei Tagen sind, aber wenn man dann anruft , heißt es, ja, die nur Donnerstags zu erreichen.
      Verstehen diese Menschen nicht, was das mit einem Menschen macht, der voller Angst und Verzweiflung sich dazu durchringt, ein Telefonat zu führen und dann die Auskunft überhaupt nicht stimmt und man auf einen anderen Tag verwiesen wird?
      Ich habe gerade den Verdacht, dass die neue gesetzliche Regelung, mehr Telefonsprechzeiten anzubieten so umgesetzt wird, dass sich mehrere Therapeuten (die gar nicht in einer Praxis arbeiten) zusammenschließen und gemeinsam einen Telefonanschluss haben, dass dann auch jemand ans Telefon geht und "guten Tag" sagt, aber dass man über das eigentliche Anliegen gar nicht sprechen kann. So eine Sprechstunde ist Makulatur und nichts anderes, als wenn ich auf einen AB spreche.
      Das regt mich genauso auf, weil ich nicht verstehe, wie so etwas passieren kann.

      Ich frage mich gerade einfach nur, wie ich jemals zurechtkommen soll. :frown:
      I

      The post was edited 4 times, last by FruchtigBunt ().

    • Ja, schwierig. Mit Ärzten und Therapeuten ist mir Vergleichbares häufig passiert. Wohl, weil ich zu diesen bereits angeschlagen komme (brauche schließlich Beratung oder Hilfe für irgendein Gesundheitsthema) und daher viel sensibler bin als im Wohlfühl-Modus. Hab im Nachgang solcher Niederlagen oft noch den (lieb gemeinten) Rat(Schlag!) bekommen: "Hak's ab." Dass ich das tun muss, weil die Welt sich trotzdem weiter dreht, weiß ich selbst. Wurde also wütend über den Rat - und in Wahrheit war ich natürlich (endlich, verspätet) wütend über das schlechte Erlebnis.

      WIE dieses tolle Abhaken geht, habe ich die Ratschlagenden angefaucht. An Antworten kam das überraschend viel zusammen, und ich hab's fleißig durchprobiert. Meine Auswertung der guten Selbstversuche steht in Klammern:
      • Tob dich aus. Boxsack, Holzhacken, Ausdauer- oder Aggro-Sport (geil, nicht immer machbar, weil mir solche Erlebnisse viel Energie rauben bzw. ich ja bereits krank bin)
      • Such dir einen guten Ort zum Rumschreien (nur begrenzt gut, bin geräuschempfindlich)
      • Wirklichkeitsüberprüfung: Wer ist hier nun wirklich der Arsch, ich oder derWoGeradeNervt (seeeeeehr hilfreich, gerade für mich als Kopfmensch)
      • Sei Egoist. Nur, wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht (erstaunlich hilfreich, da ich einst extrem auf Altruismus und Selbstaufopfern sozialisiert wurde)
      • Räch dich, wenn mögLich: Erzähl allen (als Warnung) von der schlechten Erfahrung. Gib es, wenn du kannst, mit ähnlicher Münze aber mit Niveau zurück. (ich hatte mal die Gelegenheit, das Arbeitsamt gegen eine andere Behörde auszuspielen... Es tat sooooooo gut)
      • Wünsch ihm den Frieden des H'rrn. Segnet, die euch fluchen (gaaaaanz erstaunlich hilfreich, obwohl ich zunächst giftig auf diese Idee reagierte. Es gab aber mir Frieden und ich konnte das Zeitraubende Grübeln lassen)
    • Zu Matou's wirklich guten Tipps möchte ich noch die Sachprüfung anmerken.

      In diesem speziellen Beispiel wäre das die Tatsache, dass die Therapeutin zwar empfohlen wurde, jedoch sich schon im Gespräch als ungeeignet herausstellte. Gut, dass du dies nicht erst während der Sitzung gemerkt hast. Freue Dich. So hast du nicht zu viel Zeit verschwendet.
      Im Jahr kommen mehr Menschen durch Esel ums Leben, als durch Flugzeugabstürze.
    • So, nun bin ich am PC, da geht das Tippen doch um einiges schneller.

      Du sprichst ja einige unterschiedliche Themen an.
      1. Ein konkreter Fall aus deinem Leben
      2. Die philosophische Definition von Gerechtigkeit
      3. Wie du allgemein mit Ungerechtigkeiten, der Wut und der Ohnmacht umgehen sollst

      Alle 3 Punkte sind interessant, doch der wichtige Punkt ist der letzte.

      Das einzige, was du wirklich beurteilen kannst, ist, wie du dich fühlst. Du bist Enttäuscht, Sauer und fühlst dich Machtlos. Dies sind sehr starke Gefühle, mit denen wir nur sehr schlecht umgehen können. Meistens verdrängen wir sie einfach oder führen innerlich Verhandlungen mit uns selber, um zu beschwichtigen. Dies sorgt nur für Frust und Machtlosigkeit.

      Aus deinem Text ist klar zu erkennen, dass du maßlos enttäuscht und wütend bist, und auch nicht wirklich daran glaubst, dass ein Perspektivwechsel helfen würde.

      Was ist nun also die Lösung? Meine Meinung dazu ist: Es gibt keine. Dies klingt ziemlich unbefriedigend.
      Aber es ist völlig berechtigt, dass du wütend bist. Das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, ist sehr kränkend. Weder die Therapeutin kann dies ändern, noch du. Es macht auch keinen Sinn, dir einzureden, dass deine Kränkung unberechtigt sei. So verdrängt man eine Kränkung nur, man verarbeitet sie aber nicht.

      Ich denke, du musst diese Kränkung ertragen. Damit meine ich nicht, dass du sie akzeptieren oder vergessen sollst. Ganz im Gegenteil. Es ist für dich inakzeptabel und du wirst es so schnell nicht vergessen. Du darfst weiterhin auf die Therapeutin sauer sein und du darfst dich daran erinnern und dich aufregen. Ich denke, es wird uns viel zu oft empfohlen, Wut zu unterdrücken, zu akzeptieren oder zu vergessen. Ich glaube, dies macht einen Krank. Natürlich ist es keine Lösung, wütend zu sein. Es ändert ja nichts an deiner Situation. Aber es ist viel wichtiger, die eigenen Emotionen ernst zu nehmen. Du darfst ruhig dein Leben lang sauer auf sie sein.

      Dein Verstand wird nach Lösungen suchen: Wie Löst man diese Ungerechtigkeit? Wie Löst man diese Wut auf? Wenn du Lösungen dafür suchst, wird es immer in Machtlosigkeit enden und du fällst in einen Teufelskreis. Dir wird immer wieder so etwas passieren, und deine Kränkung wird immer größer und du wirst verbittert. Die Machtlosigkeit verstärkt dann noch das Gefühl, dass die Welt ungerecht ist, und du wirst noch wütender.

      Daher mein Rat: Sei auf diese Therapeutin sauer. Völlig egal, ob ihr Handeln berechtigt ist oder nicht. Deine Kränkung ist real und berechtigt und ein ernst zu nehmendes Gefühl. Es ist gut, dass du sie direkt damit konfrontiert hast, wie ungerecht du es findest. Verzeihe ihr nicht, und suche nicht den Fehler woanders. Ansonsten richtet sich deine Wut nämlich gegen dich selber. Und du kannst dir sicher Vorstellen, wie Ohnmächtig du dich erst fühlen wirst, wenn diese kraftvolle Wut sich auch noch gegen dich stellt. Darum bleibe auf der Seite deiner Wut, so irrational es klingen mag. Ich glaube, es tut deinen Emotionen sehr gut, wenn du hier deinen Frust loswerden kannst und diese Gefühle auch ernst genommen werden. Du wirst nichts an der Situation ändern können, aber du musst es auch nicht in dich hinnein fressen.

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mit Wut viel besser umgehen kann, wenn ich sie einfach da sein lasse. Auf diese Weise belastet sie mich weniger, als wenn ich sie verdränge. Denn ich kann ganz klar sagen, wieso und auf wen ich wütend bin. Wenn ich sie aber verdränge, dann wird sie zu einer diffusen undefinierbaren tiefliegenden Dauerwut auf alles und jeden, besonders mich selbst. Doch Wut zu ertragen und einfach "da sein zu lassen", wird uns immer ausgeredet.

      In diesem Text sind leider keine Lösungen enthalten für deine Situation. Aber ich will dir nicht sagen, dass deine Wut unberechtigt ist oder du irgendetwas an dir ändern solltest.
    • Hallo @Matou,

      deine Liste finde ich sehr interessant, und teile auch deine Meinungen dazu:

      Matou wrote:


      • Tob dich aus. Boxsack, Holzhacken, Ausdauer- oder Aggro-Sport (geil, nicht immer machbar, weil mir solche Erlebnisse viel Energie rauben bzw. ich ja bereits krank bin)

      Halte ich für völlig Sinnlos. Statt sich mit der Person zu konfrontieren, soll man einen unschuldigen Boxsack verprügeln? Das löst weder den Konflikt, noch ist es eine geistige Befriedigung. Nach der selben Logik verprügeln Kinder auch andere Kinder in der Schule, wenn sie Konflikte zuhause haben. Der Konflikt darf nicht an die Umwelt weitergegeben werden, man muss die Konflikte zu den Personen tragen, die es betrifft.

      Matou wrote:


      • Such dir einen guten Ort zum Rumschreien (nur begrenzt gut, bin geräuschempfindlich)

      Halte ich auch für Sinnlos. Natürlich ist Schreien und Weinen ein wichtiger Ausdruck unserer Verzweiflung und man sollte dies nicht unterdrücken. Aber es ist keine Lösung. Man kann sich eine Situation nicht gut schreien/weinen. Es hilft lediglich, um sich danach wieder auf das Lösen des Konfliktes zu konzentrieren. Es ist also durchaus Sinnvoll, aber nicht als Lösung des Problems.

      Matou wrote:


      • Wirklichkeitsüberprüfung: Wer ist hier nun wirklich der Arsch, ich oder derWoGeradeNervt (seeeeeehr hilfreich, gerade für mich als Kopfmensch)

      Rational betrachtet völlig nachvollziehbar. Wendet man diese Überlegung aber zu zwanghaft an, wird man sich ewig Hinterfragen und selbst verunsichern. Außerdem sorgt dies nur für eine Schlichtung des Verstandes, nicht der Emotionen.

      Matou wrote:


      • Sei Egoist. Nur, wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht (erstaunlich hilfreich, da ich einst extrem auf Altruismus und Selbstaufopfern sozialisiert wurde)

      Dies ist tatsächlich ein Sinnvoller Rat.Und du hast richtig erkannt, dass es sehr schwer ist, wenn man sein Leben lang versucht hat, nicht egoistisch zu sein. Wir haben ein sehr gestörtes Verhältnis zum Egoismus. Meist wandeln wir einen gesundes Selbstwertgefühl sofort in ein Schuldgefühl um, das sich gegen uns richtet. Die zwanghafte Vorstellung, dass alle Menschen aufopfernd sein müssten, damit wir als Gemeinschaft existieren, ist irrational und unlogisch. Eine Gesellschaft kann nur existieren, wenn die Bedürfnisse aller Individuen klar kommuniziert werden.

      Matou wrote:


      • Räch dich, wenn mögLich: Erzähl allen (als Warnung) von der schlechten Erfahrung. Gib es, wenn du kannst, mit ähnlicher Münze aber mit Niveau zurück. (ich hatte mal die Gelegenheit, das Arbeitsamt gegen eine andere Behörde auszuspielen... Es tat sooooooo gut)

      Rache ist in der Tat ein befriedigendes Gefühl. Daher gibt es auch keine Geschichte, in der Rache keine Rolle spielt in irgend einer Weise. Trotzdem ist Rache sehr negativ behaftet. Und meiner Meinung nach zu recht, denn Rache ist nur das nachträgliche Angreifen nach einem verlorenen Konflikt. Statt sich zu rächen, sollte man direkt alle Energie in das Gewinnen des ersten Konfliktes legen. Denn einen Konflikt zu gewinnen tut noch viel besser, als die nachträgliche Rache zu gewinnen. Trotzdem darf man die psychologische "Macht" der Rache nicht unterschätzen. Die Stimme in uns, die nach Rache ruft, ist nicht gerade leise. Statt diese Stimme zu verdrängen, sollte man meiner Meinung nach heraus finden, wieso ihr die Rache so wichtig ist.

      Matou wrote:


      • Wünsch ihm den Frieden des H'rrn. Segnet, die euch fluchen (gaaaaanz erstaunlich hilfreich, obwohl ich zunächst giftig auf diese Idee reagierte. Es gab aber mir Frieden und ich konnte das Zeitraubende Grübeln lassen)

      Meiner Meinung nach auch ein Sinnloser Ratschlag. Dies gibt anderen nur eine Freikarte, dich weiter zu kränken. Der dadurch erziehlte Frieden ist auch nicht von Dauer. Denn tief in dir fühlst du dich noch immer falsch behandelt, und nun wechselt dein Verstand auch noch die Seiten und steht zu den anderen. Dies mag nach aussen hin für Frieden sorgen, aber es erzeugt einen inneren Konflikt. Ich habe auf diese Weise auch sehr viel "frieden" in mich gebracht und das Grübeln abgestellt. Dafür hatte ich dann eine Depression.
    • FruchtigBunt wrote:

      Gerne hätte ich auch noch gesagt, dass ihre Regelung jetzt doch noch viel ungerechter ist, weil es nun nicht mehr nur darum geht, dass eine Versichertengruppe möglicherweise länger warten muss, sondern diese wird einfach komplett von den Leistungen ausgeschlossen.
      Tatsächlich haben Privatpatienten einen wesentlich größeren Pool an Therapeuten zur Verfügung als Kassenpatienten, da die Kassenzulassungen begrenzt sind. Kassenpatienten müssen nicht nur unter Umständen länger auf Termine warten, sondern werden auch tatsächlich von der Behandlung durch Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung ausgeschlossen - mit der Ausnahme, dass man im Kostenerstattungsverfahren evt. doch drankommt, wenn man der Kasse vorab nachweist, dass man bereits soundsoviel Therapeuten mit Kassenzulassung abtelefoniert hat und nur Absagen erhalten hat.

      Ich nehme an, das war dir nicht bekannt, als du dich so über die Regelung bei dieser Therapeutin aufgeregt hast...
    • Ich kann mit Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten auch oft schlecht umgehen. Mir ist erst vor kurzem aufgefallen, dass ich mich darüber ärgere, dass ich wütend bin. :m(: Das ist natürlich ein Teufelskreis. Mein Mann sagt z.B. meist nur schulterzuckend: „Wer weiß, wozu es gut ist!“
      Ich habe mich dann innerlich geschimpft, weil ich mich nicht so schnell mit etwas abfinden kann. :m(: Ich vergleiche mich dauernd mit anderen, was das Verhalten angeht. Aber diese Erkenntnis hat mich ein Stück weiter gebracht: Es gelingt mir jetzt manchmal, meine Wut anzunehmen und mir zu sagen, dass es wirklich ärgerlich ist. Und wenn ich wieder etwas klarer denken kann, versuche ich mir vorzustellen, wozu es wohl gut sein könnte... :?
      Ich habe gerade einen Achtsamkeitskurs gemacht. Dort habe ich gelernt, dass man mit sich selbst Mitgefühl haben kann, und dass das heilsam sein kann. Man könnte sich zum Beispiel in schwierigen Momenten sagen: „dies ist ein Moment des Leidens. Alle Menschen leiden manchmal. Das gehört zum Leben dazu.“
      Hoffentlich geht es Dir bald besser!
    • Ich empfinde die Welt generell als komplett unlogisch - in den meisten Bereichen. Und die daraus entstehenden Ungerechtigkeiten lassen sich mit Logik nicht beheben. Ich sehe es, kann aber an den meisten Dingen nichts ändern. Udn weil das so ist, bringt es mir auch nichts, mich darüber aufzuregen. Es kann interessant sein, solche Dinge zu diskutieren - aber ändern wird es nicht. Also versuche ich, für mich Alternativen zu finden - den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und mich nicht an unnötigen / sinnlosen Kämpfen aufzureiben.

      In einem Fall wie du ihn aktuell erlebt hast, @FruchtigBunt hake ich das Ganze einfach ab. Ich denke 'Idiot' und suche weiter. Denn es ändert nichts an den Tatsachen, wenn ich mich aufrege und daran Energie verschwende. Diese Energie nutze ich dann, um eine Alternative zu finden.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~

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    • Radlerin wrote:

      Mein Mann sagt z.B. meist nur schulterzuckend: „Wer weiß, wozu es gut ist!“
      Das erinnert mich an diese Zen-Geschichte (Quelle: achtsamkeit-da.de/der-alte-mann-und-das-pferd/):
      Eine Geschichte aus dem alten China

      Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Die Könige boten phantastische Summen für das Pferd, aber der Mann sagte dann: „Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Freund. Und wie könnte man seinen eigenen Freund verkaufen?“ Der Mann war arm, aber sein Pferd verkaufte er nie.

      Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: „Du dummer alter Mann. Wir haben gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück! Welch ein Unglück! Nein!“
      Der alte Mann sagte: „Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt einfach: ‚Das Pferd ist nicht im Stall‘. Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht.“ Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war.

      Aber am nächsten Tag kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute, und sie sagten: „Alter Mann, du hattest recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen.“
      Der Alte entgegnete: „Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach: ‚Das Pferd ist zurück.‘ Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht?“

      Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann, die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich die Beine.
      Wieder versammelten sich die Leute. Sie sagten: „Wieder hattest du recht! Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen, und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor. So ein Unglück! So ein Unglück! Nein!“
      Der Alte antwortete: „Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu sehen.“

      Es ergab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war.
      Der ganze Ort war von Klagen und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war und man wusste, dass die meisten jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden.
      Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: „Du hattest recht, alter Mann – es hat sich nicht als Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind für immer fort.“
      Der alte Mann antwortete wieder: „Ihr hört nicht auf zu urteilen. Niemand weiß! Sagt nur, dass man eure Söhne in die Armee eingezogen hat und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott, der das Ganze kennt, weiß, ob dies ein Segen oder ein Unglück ist.“

      The post was edited 1 time, last by Turtle ().

    • Turtle wrote:

      Tatsächlich haben Privatpatienten einen wesentlich größeren Pool an Therapeuten zur Verfügung als Kassenpatienten, da die Kassenzulassungen begrenzt sind. Kassenpatienten müssen nicht nur unter Umständen länger auf Termine warten, sondern werden auch tatsächlich von der Behandlung durch Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung ausgeschlossen - mit der Ausnahme, dass man im Kostenerstattungsverfahren evt. doch drankommt, wenn man der Kasse vorab nachweist, dass man bereits soundsoviel Therapeuten mit Kassenzulassung abtelefoniert hat und nur Absagen erhalten hat.
      Ich nehme an, das war dir nicht bekannt, als du dich so über die Regelung bei dieser Therapeutin aufgeregt hast...
      @Turtle

      Ich bin ganz deiner Meinung. Ich habe selber sehr viel Ungerechtigkeit erlebt als Kassenpatient. Teilweise hätten Therapeuten perfekt gepasst, aber beim Anruf stellte sich heraus, dass sie nur Privatpatienten nehmen. Auch in der Tagesklinik, in der ich war, wurden Privatpatienten bevorzugt. Sie erhielten Einzelgespräche alle paar Tage. Kassenpatienten nur ein Gespräch alle 2 Wochen.
      Über die Kostenerstattung kann man zwar auch an Therapien kommen, die nur für Privatpatienten oder Selbstzahler sind, aber dieser Weg ist sehr langwierig und schwer. Außerdem sind die gesetzlichen Versicherung stark angeschränkt in ihrem Angebot und man muss entweder alles selber Zahlen oder einen großen Anteil.

      Da Kassenpatienten in der Regel über weniger finanzielle Möglichkeiten verfügen, können sie meistens keine Therapien mit Eigenbeteiligung annehmen. Ich war selber schon in der Situation, dass ich zwar einen Termin hatte, aber kein Geld für die Fahrkarte dorthin.

      Also ja, hier finden immer Ungerechtigkeiten statt, und meiner Meinung nach trifft diese die Kassenpatienten am härtesten. Privatpatienten haben durchaus mehr Möglichkeiten. Am besten geht es aber den Selbstzahlern. Diese werden, gerade im Bereich Psychologie, extrem bevorteilt. Noch viel viel mehr als Privatkunden. Daher finde ich es auch gut und mutig, dass eine Therapeutin nur Plätze für Kassenpatienten anbietet. Denn gerade im Bereich "Autismus" merke ich, wie schwer es als Kassenpatient ist. Jede einzelne Information, jeden Termin, jede Therapie muss ich mir gerade durch massig Nachdruck erkämpfen, während ich mir überall Geld leihen muss, um die aufkommenden Kosten zu bezahlen.

      Doch ich glaube, es geht garnicht so sehr um diese Grundsatzdiskussion zum Thema Kassen/Privatpatienten und Ungerechtigkeiten. Sondern darum, wie man mit dieser Kränkung umgehen soll. Und dabei kann ein Privatpatient genau so wütend und gekränkt sein, wie ein Kassenpatient. Wird man als Einzelperson ungerecht behandelt, dann ist es für einen nicht relevant, ob diese Regelung gesellschaftlich für mehr Gerechtigkeit sorgt oder nicht. Darum denke ich, dass FruchtigBunt genau so gekränkt und wütend sein darf, wie wir (als Kassenpatienten).

      Ich gebe aber auch zu, dass ich auf Privatpatienten wütend bin. Und auch auf Selbstzahler. Und auf die gesetzlichen Krankenversicherungen. Und auf Therapeuten.
    • Dennis82HH wrote:

      Doch ich glaube, es geht garnicht so sehr um diese Grundsatzdiskussion zum Thema Kassen/Privatpatienten und Ungerechtigkeiten. Sondern darum, wie man mit dieser Kränkung umgehen soll. Und dabei kann ein Privatpatient genau so wütend und gekränkt sein, wie ein Kassenpatient. Wird man als Einzelperson ungerecht behandelt, dann ist es für einen nicht relevant, ob diese Regelung gesellschaftlich für mehr Gerechtigkeit sorgt oder nicht. Darum denke ich, dass FruchtigBunt genau so gekränkt und wütend sein darf, wie wir (als Kassenpatienten).
      Klar kann sie wütend und enttäuscht sein, diesen Therapieplatz nicht zu bekommen. Aber immerhin muss sie sich mit den zusätzlichen Informationen nun nicht mehr über vermeintliche Unlogik und Ungerechtigkeit aufregen (siehe Threadtitel), denn ganz so unlogisch oder ungerecht ist die Regelung ja nicht.
    • FruchtigBunt wrote:

      Oder liegt es vielleiciht daran, dass ich nur meinen Blickwinkel wechseln müsste und dann erkennen könnte, dass das Denken und Verhalten der Therapeutin gar nicht unlogisch war?
      Du hast nur Deine eigenen Augen, also auch nur Deine Perspektive und Du brauchst/ suchst dringend Hilfe. Ich denke, dass die Therapeutin das vielleicht auch so verstanden hat und Dich deshalb nicht auf die Warteliste setzen wollte, weil sie sich denken kann, dass Du woanders schneller einen Therapieplatz bekommst. Vielleicht wollte Sie Dir indirekt helfen, indem Sie Dich weitergeschickt hat, aber das ist nur spekulativ. Es wäre dann aber nicht mehr ungerecht, sondern für Dich das Beste, vielleicht schneller einen Therapieplatz zu finden.
    • Radlerin wrote:

      Ich kann mit Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten auch oft schlecht umgehen. Mir ist erst vor kurzem aufgefallen, dass ich mich darüber ärgere, dass ich wütend bin. :m(: Das ist natürlich ein Teufelskreis. Mein Mann sagt z.B. meist nur schulterzuckend: „Wer weiß, wozu es gut ist!“
      Ich habe mich dann innerlich geschimpft, weil ich mich nicht so schnell mit etwas abfinden kann. :m(: Ich vergleiche mich dauernd mit anderen, was das Verhalten angeht. Aber diese Erkenntnis hat mich ein Stück weiter gebracht: Es gelingt mir jetzt manchmal, meine Wut anzunehmen und mir zu sagen, dass es wirklich ärgerlich ist. Und wenn ich wieder etwas klarer denken kann, versuche ich mir vorzustellen, wozu es wohl gut sein könnte... :?
      Ich habe gerade einen Achtsamkeitskurs gemacht. Dort habe ich gelernt, dass man mit sich selbst Mitgefühl haben kann, und dass das heilsam sein kann. Man könnte sich zum Beispiel in schwierigen Momenten sagen: „dies ist ein Moment des Leidens. Alle Menschen leiden manchmal. Das gehört zum Leben dazu.“
      Hoffentlich geht es Dir bald besser!
      Ich habe selber 8 Wochenlang in einer Achtsamkeits-Tageslinik gelernt, mit der Achtsamkeit umzugehen. Ich war sehr skeptisch und es hörte sich sehr esotherisch an. Nach 2 Wochen konnte ich dem ganzen aber durchaus etwas abgewinnen. Ich habe auch einige der Methoden übernommen, aber viele auch fallen gelassen. Doch die Achtsamkeit stößt sehr schnell an ihre Grenzen und ich halte es nicht für eine gesunde Lebenseinstellung, sondern nur für den ersten Schritt. Man sollte aber nicht bei der Achtsamkeit stehen bleiben.

      Sich darüber zu ärgern, dass man wütend ist, ist in der Tat ziemlich kontraproduktiv. Ich kenne diesen Teufelskreis aber. Wir lernen, dass Wut etwas schlechtes ist, dass man verarbeiten muss. Dies führt meiner Meinung nach immer zu Teufelskreisen. Wut ist eine Emotion, die gehört werden möchte. Ärgert man sich über seine eigene Wut, so führt man einen "Verrat" an sich selber aus und stellt sich gegen seine Wut. Dies kann sich ganz tief in dir als große Enttäuschung und Frustration breit machen. Als würde ein Kind heulend zu dir kommen und du schickst es mit den Worten "Heul nicht so viel" wieder zurück ins Zimmer. Das Kind wird dann sicherlich keine Emotionale Stabilität erreichen, sondern nur einen inneren Konflikt mit sich selber austragen und die Emotionen unterdrücken.

      Ein wichtiger Punkt der Achtsamkeit ist tatsächlich, mit sich selber Mitgefühl zu haben. Du darfst wütend sein. Du darfst deine Emotionen raus lassen. Sie müssen nicht immer zu etwas gut sein. Sie müssen sich auch nicht "abreagieren". Deine Emotionen sind berechtigt und dürfen auch bleiben. Du musst sie nicht verarbeiten oder lösen. Deine Wut darf so lange andauern, wie sie es eben braucht.

      Für mich war eine wichtige Erkenntnis der Achtsamkeit, dass ich den Konflikt mit meinen Emotionen beenden muss, den ich seit meiner Kindheit austrage. Mein Verstand war sehr dominierend und hat die Emotionen kontrolliert. Meine Emotionen wurden runtergespielt, entkräftet, für unberechtigt erklärt, für Sinnlos, für nicht Zielführend und für Kindlich. All dies konnte mein Verstand mit rationalen Erklärungen und Beispielen untermauern. Meine Emotionen hatten garkeine Chance, sich irgendwie Berechtigung zu schaffen. Und so sind meine Emotionen immer "Kind" geblieben.

      Durch die Achtsamkeit habe ich gemerkt, welches unglaubliche Potential in den Emotionen liegt. Welcher Antrieb, welche Motivation und Lebensfreude. Aber dafür müssen Emotionen ernst genommen werden, und das ohne Berechtigung. Die Wut kann dir nicht erklären, wieso sie da ist. Sie will auch garnicht, dass du sie los wirst. Genau so wie Freude. Freude will nicht verdrängt oder "gelöst" werden. Sie will einfach nur sein dürfen. Dies fällt uns meist viel einfacher. Doch auch die negativen Gefühle wollen einfach nur sein dürfen.

      Die Achtsamkeit strebt hier nun aber eine Kontrolle an. Eine art Verhandlungsbasis, auf der man mit seinen Emotionen in Kontakt treten kann, sie Beobachtet und kontrolliert. Dies wirkt dazu, dass Achtsam-lebende Menschen meist sehr ausgeglichen und friedlich wirken. Eine völlige Fehleinschätzung wie ich finde. Emotionen kontrollieren zu wollen ist Sinnlos. Damit fordert man eine Unterwerfung der Gefühle. Da sie sich nicht erklären können, dürfen sie nur dann sein, wenn unser Verstand es für richtig hält. Dies wird niemals zu einer gleichberechtigung auf Augenhöhe führen.

      Ich höre mittlerweile genau so auf meine Emotionen wie auf meinen Verstand. Es ist kein Eltern-Kind Verhältnis mehr. Sie sind das erstemal auf Augenhöhe. Und meine Emotionen müssen sich nicht mehr Rechtfertigen. Weder mir gegenüber, noch anderen. Wenn ich wütend bin, dann bin ich wütend. Ob dies irgendwas bringt ist völlig egal. Doch diese Wut ist nun viel gesünder, denn sie fühlt sich ernst genommen.

      Mir fällt dazu gerne der Film "Die Wutprobe" ein. Hierbei spielt Adam Sandler den Patienten mit Aggressionsproblem, während Jack Nicholson der Aggressionstherapeut spielt.
      Doch Adam Sandler ist nicht der wütende Patient, und Jack Nicholson der ausgeglichene friedliche Therapeut. Tatsächlich geht es darum, dass man lernen muss, gesund mit Wut umzugehen. Dies heißt nicht, sie zu unterdrücken und zu kontrolieren. In der Tat ist Adam Sander dort sehr kontrolliert und friedlich, während er alles in sich hinein frisst. Jack Nicholson hingegen lässt seiner Aggression freien lauf und fällt immer wieder durch egoistische und übertriebene Aktionen auf, die völlig entgegen der Gesellschaftlichen Regeln sind. Er schreit, wenn er wütend ist. Er wirft mit sachen um sich. Er sagt anderen seine Meinung und er überschreitet andauernd Grenzen.

      Ich fand den Film früher sehr witzig, aber ich fand es auch völlig überzogen und unrealistisch. Mittlerweile denke ich, dass man aus diesem Film viel mehr lernen kann, als aus vielen Achtsamkeitstherapien. Denn es ist wirklich so: Ein Gesunder Umgang mit deiner Wut heißt nicht, dass du sie Kontrollieren sollst. Es heißt, dass du sie ernst nehmen musst. Mit offensichtlicher Wut kann man viel besser umgehen, als mit unterdrückter und angestauter Wut.

      Darum finde ich Achtsamkeit schon wichtig, um einfach zu spüren, dass dort Wut ist. Aber dann sollte man diese Wut auch einfach mal existieren lassen. Man sollte den Beobachtungs-Standpunkt verlassen, und in die Wut eintauchen. Denn sie ist kein Fremdkörper, du bist die Wut. Darum finde ich es wichtig, sie nicht nur zu beobachten und zu bewerten, sondern sich auch einmal von ihr einnehmen zu lassen und sie anzunehmen.

      Ich bin mit dieser Meinung oft auf Widerstand gestoßen bei meinen Therapeuten. Denn es wird eine art von Gleichgültigkeit angestrebt, um möglichst Stressfrei zu werden. Ich bin aber zu der Überzeugung gekommen, dass ich nur so krank bin, weil ich dies mein Leben lang schon angestrebt habe. In der Tat brauche ich mehr Stress, und ich muss diesen an die richtigen Orte bringen und angetrieben von meiner Wut den Konflikt mit anderen suchen. Wut ist ein unglaublich mächtiger Verbündeter, der nicht so destruktiv ist, wie er immer gezeigt wird. Ich sitze daher oftmals mit meiner Wut zusammen (natürlich nur metaphorisch), freue mich dass sie da ist, und höre mir gerne an, was sie zu sagen hat. Und in vielen Punkten hat sie völlig recht.
    • @FruchtigBunt Ich kann deine Gedanken und Emotionen sehr gut verstehen und auch ich hätte das so empfunden.
      Ob das für dich trötzlich tröstlich ist weis ich nicht.
      Mir hilft es zumindest etwas weniger wütend zu sein.Schlimm finde ich wenn man seinem Ärger Luft machen möchte verbal und man nur einen zuhörer möchte.Dann diese Verursacher am besten noch verteidigt werden.Das geht gar nicht für mich :shake:

      Was die anderen schon geschrieben haben an Umgangsmöglichkeiten mit Unlogik und Ungerechtigkeit umzugehen finde ich gute Ideen.
      Da kannst Du nur ausprobieren was für dich am hilfreichsten ist.

      Ich versuche mir auch zu sagen, das bestimmt keine bösen Absicht hinter Solchen Taten stecken.
      Die meisten Denken zu wenig über Ihr Handeln nach meiner Meinung nach. ;)
      Das die Leute Ihre Entscheidungen bestimmt aus eigenen schlechten Erfahrungen heraus getroffen haben. Wobei ich mich dabei erwische dadurch zu oft Verständnis für blödes Verhalten mir Gegenüber zu Rechtfertigen.

      Das man sich verletzt fühlt ändert das nicht.Aber macht es je nachdem was vorgefallen ist, einfacher anzunehmen.Zumindest für mich.
    • @Dennis82HH

      Denn es wird eine art von Gleichgültigkeit angestrebt, um möglichst Stressfrei zu werden. Ich bin aber zu der Überzeugung gekommen, dass ich nur so krank bin, weil ich dies mein Leben lang schon angestrebt habe.

      Wollte jetzt nicht den ganzen Text zitieren
      Ich erkenne mich in deinem Erkenntis Werdegang gerade total wieder :roll: und renne mit der Idee auch nicht gerade Türen ein (RW).
      Wobei ich diese Erkenntnis erst noch mehr verinnerlichen muss.

      Danke dafür :)
    • Dennis82HH wrote:

      Halte ich für völlig Sinnlos. Statt sich mit der Person zu konfrontieren, soll man einen unschuldigen Boxsack verprügeln? Das löst weder den Konflikt, noch ist es eine geistige Befriedigung. Nach der selben Logik verprügeln Kinder auch andere Kinder in der Schule, wenn sie Konflikte zuhause haben. Der Konflikt darf nicht an die Umwelt weitergegeben werden, man muss die Konflikte zu den Personen tragen, die es betrifft.
      What?! :m(:
      Sind wir jetzt schon so weit, dass man nicht mehr auf Dinge einschlagen darf die speziell dafür gemacht sind?! Auf einen Boxsack einzudreschen hat doch überhaupt nichts mit Kindern zu tun die sich gegenseitig verprügeln, ich würde sogar behaupten, dass derartige Prügeleien entstehen, weil Konflikte (falsch) direkt an die andere Person herangetragen werden. Wenn es darum geht angestauten Frust los zu werden und sich einfach gehen zu lassen fällt mir nichts besseres ein als auf ein lebloses Objekt einzuschlagen das - ich wiederhole - genau für diesen Zweck konstruiert wurde!

      Was hat es denn für einen Sinn, einen Konflikt mit einer anderen Partei auszutragen den man nicht gewinnen kann? Speziell für die Situation die @FruchtigBunt beschreibt, halte ich das für extrem kontraproduktiv, denn die Meinung der Therapeutin wird sich kaum ändern lassen, und selbst wenn doch, wäre mir aufgrund der Gesamtumstände trotzdem nicht wohl bei ihr. Für den Betroffenen somit eine lose - lose Situation die zwangsweise nur zu noch mehr Frust führt als ohnehin schon vorhanden ist.

      Und das Ziel der Nutzung eines Boxsacks zum Frustabbau ist doch gerade, diese Frustration nicht an die Umwelt weiterzugeben oder sie in sich hineinzufressen sondern los zu werden ohne sich oder jemand anderem zu Schaden.

      Von dem her kann ich deine Argumentation diesbezüglich gerade überhaupt nicht nachvollziehen...



      Dennis82HH wrote:

      Halte ich auch für Sinnlos. Natürlich ist Schreien und Weinen ein wichtiger Ausdruck unserer Verzweiflung und man sollte dies nicht unterdrücken. Aber es ist keine Lösung. Man kann sich eine Situation nicht gut schreien/weinen. Es hilft lediglich, um sich danach wieder auf das Lösen des Konfliktes zu konzentrieren. Es ist also durchaus Sinnvoll, aber nicht als Lösung des Problems.
      Es geht doch grundsätzlich nicht darum das eigentlich Problem zu lösen. Im konkreten Fall halte ich es ohnehin für unlösbar. Generell lässt sich das irrationale Verhalten vieler Menschen weder erklären noch ändern. Die grundsätzliche Frage ist doch, wie man mit derartigem Verhalten umgehen kann. Zu diskutieren hat keinen Wert, wenn ich merke, dass ich gegen eine sprichwörtliche Wand rede, weil der andere gar nicht auf das eingeht was ich sage oder sich stur stellt und einfach nur recht haben will. Damit entsteht auf beiden Seiten lediglich immer mehr Frust je länger ich das treibe und wohin damit wenn sich der nicht direkt am anderen entladen soll?

      Wenn ich dann für mich alleine toben und rumschreien kann, und es hilft mir meinen Frust abzubauen, was ist dann daran sinnlos? Es gibt einfach Menschen die sind nun mal "beratungsresistent" und statt zeit und Energie darauf zu verschwenden diese ändern zu wollen und sich damit am Ende auch noch selbst zu Schaden kann nicht Sinnvoller sein.



      Im Kern geht es hier doch um Bewältigungsstrategien für diese empfundene Ohnmacht/Frustration. Natürlich können diese sehr individuell sein aber deswegen zu behaupten einzelne Strategien seien hier "sinnlos" sie das grundsätzliche Problem (die Irrationalität anderer) halte ich für genauso sinn befreit wie die fadenscheinigen Argumente derer, die mit ihrer Irrationalität besagte Ohnmacht/Frustration auslösen.
    • Dennis82HH wrote:

      Ein Gesunder Umgang mit deiner Wut heißt nicht, dass du sie Kontrollieren sollst. Es heißt, dass du sie ernst nehmen musst. Mit offensichtlicher Wut kann man viel besser umgehen, als mit unterdrückter und angestauter Wut.

      Darum finde ich Achtsamkeit schon wichtig, um einfach zu spüren, dass dort Wut ist. Aber dann sollte man diese Wut auch einfach mal existieren lassen. Man sollte den Beobachtungs-Standpunkt verlassen, und in die Wut eintauchen. Denn sie ist kein Fremdkörper, du bist die Wut. Darum finde ich es wichtig, sie nicht nur zu beobachten und zu bewerten, sondern sich auch einmal von ihr einnehmen zu lassen und sie anzunehmen.
      Ich sehe das anders, aber ich komme auch von einem anderen Standpunkt her, nicht vom Standpunkt der unterdrückten und angestauten Wut.

      In einem Achtsamkeits-Kinderkurs, den mein Sohn mal besucht hat, gab es eine Einheit mit dem Thema "Hinter jedem Gefühl steht ein Wunsch". Wenn ich z.B. Wut bei mir erkenne, versuche ich herauszufinden, was der dahinterstehende Wunsch ist, z.B. der Wunsch nach einer Verschnaufpause, wenn ich aufsteigende Wut in mir spüre, wenn die Türklingel penetrant klingelt, während ich versuche, trotz gerade kaputtgegangenem Wasserkocher dem plötzlich und ungeplant aufgetauchten Wunsch meiner Tochter danach, Knete selberzumachen, nachzukommen (Aaargh!). Also ist hier der Weg für mich nicht, in die Wut einzutauchen oder mich von ihr einnehmen zu lassen, sondern zu planen, wie ich den "Wunsch hinter der Wut" erfüllen kann.

      Wenn es um Konflikte mit anderen Menschen geht, ist ein gewisser "Biss", eine kleine Dosis Aggression, möglicherweise tatsächlich hilfreich - zu viel davon aber, und man erreicht auch nicht sein Ziel, so meine Erfahrung.
    • Vielen Dank für die diversen Beiträge. :thumbup:

      Als besonders hilfreich erlebe ich den Tipp von @Aziraphale

      Aziraphale wrote:

      In diesem speziellen Beispiel wäre das die Tatsache, dass die Therapeutin zwar empfohlen wurde, jedoch sich schon im Gespräch als ungeeignet herausstellte. Gut, dass du dies nicht erst während der Sitzung gemerkt hast. Freue Dich. So hast du nicht zu viel Zeit verschwendet.
      Ich denke auch, dass es sinnvoller ist, nun zu wissen, dass ich mit dieser Therapeutin so oder so nicht hätte zusammenarbeiten wollen, als mich über ein Verhalten zu ärgern, das ich eh nicht ändern kann. Und tatsächlich habe ich ja so nun Zeit gespart und kann mich direkt nach einer passenderen Therapeutin umsehen.

      @Matou
      Rächen möchte ich mich nicht an der Therapeutin. Mich hat das Verhalten jetzt nicht so tief gekränkt, weil ich mich nicht persönlich davon angegriffen fühle. Ich empfinde es nur als ungerecht und vor allem stört mich diese verdrehte Logik daran.

      @Turtle
      Es entsetzt mich, dass du genau in die gleiche Kerbe schlägst, und eine ungerechte Behandlung mit anderen Ungerechtigkeiten rechtfertigst. Vor allem kannst du doch überhaupt nicht wissen, ob es hier Therapeuten gibt, die nur mit Privatpatienten arbeiten und nicht mit Kassenpatienten, weil sie noch keine Zulassung haben. In diesem Fall wäre der Umstand, dass keine Kassenpatienten genommen werden, auch daran geschuldet, dass die Kassenzulassung vermutlich gerade erst erworben wird und dann künftig bald Kassenpatienten aufgenommen werden. Im anderen Fall benachteilige ich eine bestimmte Patientengruppe aber willentlich.

      Ich kann aber verstehen, dass manche sich selbst so ungerecht behandelt fühlen, dass keine neutrale Diskussion möglich hist. Auch an den Beiträgen von @Dennis82HH kann man meiner Meinung nach ablesen, dass ein großer Unmut über eine ungerechte Behandlung der eigenen Personengruppe (Gesetzlich Versicherte) besteht und das dann dazu genutzt wird, gutzuheißen, dass eine andere Personengruppe (Privat Versicherte) dafür schlechter gestellt wird. Das entspricht für mich dem Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Das halte ich für keinen hilfreichen Ansatz. Auch empinde ich es mittlerweile nicht mehr als hilfreich, wenn permanent auf die Wut abgestellt wird in den Beiträgen von @Dennis82HH. Ich habe den Eindruck, dass in sämtlichen deiner Beiträge das, was für dich hilfreich war, auf andere übergestülpt werden soll, egal ob es nun auf die Situation passt, oder nicht. Ich fühlte mich von der Therapeutin überhaupt nicht gekränkt oder verletzt. Was mich stört, ist diese sagenhaft unlogische Denk- und Argumentationsweise.

      Gerecht wäre meiner Meinung nach, wenn Therapeuten, die eine Kassenzulassung haben, sowohl Gesetzliche als auch Privatpatienten annehmen und beide selbstverständlich gleich lange auf einen Therapieplatz warten müssen. Wenn ein Therapeut noch keine Kassenzulassung hat, finde ich es nachvollziehbar, dass er erst einmal nur Privatpatienten behandeln kann. Ich finde es nicht korrekt, dann im Sinne einer "ausgleichenden Gerechtigkeit" herzukommen und zu sagen, dass man sich nun eben künstlich etwas schafft, dass die Privatpatienten ausschließt, weil die Kassenpatienten ja auch benachteiligt sind bei den Therapeuten, die noch gar keine Kassenzulassung haben.

      Was können denn die jeweiligen Patienten dafür, dass das System der Zulassung von Therapeutensitzen von anno dazumal und vollkommen den Erfordernissen entspricht? Wieso soll z. B. ein Privatpatient dafür bestraft werden, dass es Therapeuten gibt, die evtl. sogar freiwillig gar keinen Kassensitz wollen?

      Ich finde es sehr schade, dass die Schilderung meines Falles nun dazu benutzt wird, sozusagen die Patientengruppen zu spalten, anstatt zu bemängeln, was an diesem System eigentlich falsch läuft.

      Ich werde nun meine Energie nutzen und mir eine Therapeutin suchen, die mich als hilfesuchenden Menschen betrachtet und meine Probleme als Grundlage nimmt, ob sie mir Hilfe anbieten kann und nicht meinen Patientenstatus. Das Verhalten dieser Therapeutin ist eines Menschen in einem Helferberuf meiner Meinung nach nicht würdig.

      Danke für die vielen Anregungen :thumbup: