Nach der Diagnose - wie geht es einem damit?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Hallo Windtänzerin,

      Windtänzerin schrieb:

      Dadurch wirke ich zwar autistischer als früher, aber das ist mir egal, denn mir geht es damit viel besser. Ich habe dadurch mehr Energie und bin viel ruhiger und entspannter als früher. Ich habe die Energie, die ich dadurch mehr hatte, anfangs genutzt, um zu schauen, wie ich mir das Leben mit AS leichter machen kann und wo ich weitere Enerige einsparen kann.
      Das ist ein guter Weg.
    • Ljos schrieb:

      Das mache ich tatsächlich aber auch. Ich kann auch einfach nicht richtig beschreiben, was ich da gerade fühle und wie es sich anfühlt. Das ist immer wieder ein großes Hindernis, wenn ich beim Arzt bin.

      Ich habe mir 2017 das Knie angebrochen bei einem Pferdeunfall - wusste ich aber nicht. Auf dem Röntgen war nichts zu erkennen, sollte nach 1 Woche ins MRT. Es hat echt wehgetan aber ich bin trotzdem darauf gelaufen und dachte: Naja wird schon wieder.
      Pustekuchen. Im MRT kam dann raus, dass das Gelenk nicht nur mit Flüssigkeit und Blut vollgelaufen war, sondern auch noch zusätzlich angebrochen... Ich hab mich damals im Krankenhaus nicht mal getraut nach Schmerzmitteln zu fragen. Ich sage den Leuten immer wieder nur: "Ja, alles ok, geht schon." - obwohl es eigentlich nicht geht.

      Ich habe aber auch das Gefühl, dass ich nicht ernst genommen werde. Ich habe meinem Orthopäden öfter gesagt, dass ich dauernd in irgendeinem der Gelenke Schmerzen habe und die Schubweise auftreten - ja keine Ahnung, kann man nix machen. Hä? Irgendwie habe ich da das Gefühl, ich werde gar nicht richtig ernst genommen.
      Dieses Problem habe ich bei Ärzten immer! Es ist so frustrierend. Ich bräuchte eigentlich eine Begleitung beim Arzt.
      Wobei ich nicht verstehe, wie es sein kann, dass ich mich in diesem Kontext so schlecht ausdrücken kann, wo ich
      sogar beruflich kommunikativ sein muss und das auch gut hinbekomme. Ich glaube, ich habe einfach ein Riesenproblem,
      meine eigenen Belange darzustellen.
    • Als ich in dem Berufsbildungswerk für junge Erwachsene mit körperlichen und psychischen/seelischen Beeinträchtigungen war, da hatte man mir (endlich) durch den dortigen psychologischen Dienst ein Asperger Syndrom bescheinigt, und das nach einer langen Odyssee (RW) aus Therapien und Arztbesuchen und Aufenthalten in diversen sonderpädagogischen Einrichtungen in der Kindheit und während der Schulzeit. Vorher kannte ich Autismus geschweige denn das Asperger-Syndrom gar nicht und hatte davon noch nie zuvor etwas gehört. Das erste Mal, als ich vom Asperger-Syndrom hörte, war, als mich eine Heilerziehungspflegerin, es mir mitteilte oder den Verdacht hatte - das könnte es sein. Als sie es sagte, dass ich Asperger-Syndrom haben könnte, dachte ich zuerst an den Wein "Asperger Riesling", da ich diesen Namen des Weines schon einmal hörte. In weiteren psychologischen Therapiesitzungen hatte ein Psychologe die Diagnose bestätigt und es mir erklärt, um was es sich handelt bei Autismus bzw. beim Asperger-Syndrom. Im Vorbereitungsjahr des Berufsbildungswerks hatte ich zuvor verschiedene Tests zu Kognition etc, wie alle anderen Rehabilitanden, bewältigen müssen, dabei stellte sich heraus, dass intellektuell ich dort im Vergleich zu dortigem Durchschnitt bei weitem herausragte - Klassenbester im Vorbereitungsjahr (das war wohl ein erstes Anzeichen), Jahrgangsbester in der anschließenden Berufsausbildung. Seither recherchierte ich selbst über Autismus bzw. das Asperger-Syndrom und ich erkannte mich selbst in Vielem wieder und es erklärte all die kommunikativen Schwierigkeiten und auch das jahrelange Mobbing - gefühlt die halbe Schule war gegen mich. Ich weiß jetzt, woran das alles liegt, die Ursache dieser Therapie-Odyssee und des Mobbings und der ganzen kommunikativen Schwierigkeiten, und kann entsprechend mit den Schwierigkeiten besser umgehen.
      Nach einer wahren Odyssee...(RW)
    • Fidoline schrieb:

      Dieses Problem habe ich bei Ärzten immer! Es ist so frustrierend. Ich bräuchte eigentlich eine Begleitung beim Arzt.
      Wobei ich nicht verstehe, wie es sein kann, dass ich mich in diesem Kontext so schlecht ausdrücken kann, wo ich
      sogar beruflich kommunikativ sein muss und das auch gut hinbekomme. Ich glaube, ich habe einfach ein Riesenproblem,
      meine eigenen Belange darzustellen.
      Ja, da bin ich auch am Überlegen,
      und diese Schwierigkeiten hat man auch in die Diagnostik genommen, dass schon Sachen wie Bandscheibenvorfall übersehen wurden, weil ich das nicht richtig rüberbringe.
      Ich habe beispielsweise die blöde Angewohnheit, zu lächeln, wenn ich sage , wie weh etwas tut, oder ich beschreibe es so sachlich, als stände alles in einem Lehrbuch: "Auf der Höhe L4 und L5 habe ich einen ziehenden Schmerz, der sehr heftig ist ......." so etwa .

      Vielleicht ist es wirklich nützlich, bei Ärzten ganz am anfang seine Diagnose zu sagen - in der Hoffnung, der Arzt , der weiß , was das bedeutet.

      Das wäre für mich entschieden ein Pluspunkt, diagnostiziert zu sein.
    • Beim Arzt fühle ich mich immer so als ob ich Simulant bin. Dass der Arzt mich immer mir rollenden Augen ansieht (was will die denn jetzt hier....). Ernst genommen fühle ich mich nur dann, wenn ich dann meine Schicksale aufzähle, wobei mir das auch auf eine Weise peinlich ist.

      Einmal habe ich beim Schulsport geholfen und einen Ball ziemlich hart in die rechte Wade bekommen (Muskel war gerade angespannt), erst dachte ich, mein Bein fällt ab. Aber es wurde auch nicht besser, ich konnte nicht gehen. Also bin ich ins Kh gefahren mit dem Taxi (das Blöde am Aspergerdasein ist bei mir, dass ich niemanden kenne, der mich hätte fahren können)

      Dort habe ich DREI Stunden gewartet, weil ich wohl aussah, als hätte ich zu viel Zeit..... Es hat SO weh getan. Es wurde nichts gemacht, kA, kühlen, ruhen, kein Röntgen. Es dauerte 6 Wochen, dass ich wieder richtig laufen konnte (und ich wohne im 3. Stock) und nun habe ich eine Verformung dort in der Wade, eine Delle, als Erinnerung.
      bla bla Man bekommt nichts geschenkt
    • hibernation schrieb:

      Beim Arzt fühle ich mich immer so als ob ich Simulant bin.
      Das geht mir auch so.
      In der Theorie weiß ich inzwischen: Ärzte können nicht hellsehen, man muss alles sagen (ALLES), man soll nichts herunterspielen, und man darf nicht lächeln dabei. Eine der wenigen Situationen, wo Freundlichkeit und Höflichkeit nicht die oberste Priorität haben.
      Die Umsetzung klappt aber trotzdem nicht immer.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Shenya schrieb:

      man muss alles sagen (ALLES), man soll nichts herunterspielen, und man darf nicht lächeln dabei.
      Man darf aber nicht zu viel sagen. Dann kommen Ärzte durch den Tüddel.

      ich mache mir meistens eine Liste mit Symptomen und lese die ab. Sonst würde ich vielleicht gar nix sagen. Das aber wirktt bestimmt wiederum zu sachlich und nicht dringlich genug.
    • Shenya schrieb:

      hibernation schrieb:

      Beim Arzt fühle ich mich immer so als ob ich Simulant bin.
      Das geht mir auch so.In der Theorie weiß ich inzwischen: Ärzte können nicht hellsehen, man muss alles sagen (ALLES), man soll nichts herunterspielen, und man darf nicht lächeln dabei. Eine der wenigen Situationen, wo Freundlichkeit und Höflichkeit nicht die oberste Priorität haben.
      Die Umsetzung klappt aber trotzdem nicht immer.
      Mir geht das auch so.
      Mein Problem ist außerdem, dass ich immer lächle. Irgendwann hab ich mir das angewöhnt, da man mir das immer vorgehalten hat. Jetzt merke ich das oft gar nicht, dass ich das automatisch tue und es hat es den unangenehmen Nebeneffekt, dass man mir meinen Leidensdruck nicht glaubt, da ich ja immer noch "gute Laune" habe. :m(:
    • Tallyn schrieb:

      Shenya schrieb:

      hibernation schrieb:

      Beim Arzt fühle ich mich immer so als ob ich Simulant bin.
      Das geht mir auch so.In der Theorie weiß ich inzwischen: Ärzte können nicht hellsehen, man muss alles sagen (ALLES), man soll nichts herunterspielen, und man darf nicht lächeln dabei. Eine der wenigen Situationen, wo Freundlichkeit und Höflichkeit nicht die oberste Priorität haben.Die Umsetzung klappt aber trotzdem nicht immer.
      Mir geht das auch so.Mein Problem ist außerdem, dass ich immer lächle. Irgendwann hab ich mir das angewöhnt, da man mir das immer vorgehalten hat. Jetzt merke ich das oft gar nicht, dass ich das automatisch tue und es hat es den unangenehmen Nebeneffekt, dass man mir meinen Leidensdruck nicht glaubt, da ich ja immer noch "gute Laune" habe. :m(:
      Ich weiß nicht ob man so viele ineinander zitierte Texte zitieren darf, aber ich mache es jetzt mal so. Ich kenne das auch genauso wie Ihr und Ich wurde auch als Jugendliche als Simulation betitelt.Seitdem hatte ich immer Probleme mit Artztbesuchen.
      Und Suche mir die ganz lange und genau aus.Zumindest wenn ich da Regelmäßig hin muß.
      Meine Hausärztin und das Personal schätzen eher sogar das ich trotz vieler Schmerzen so fröhlich wirke.Hat mir meine sogar mal gesagt.
    • Tallyn schrieb:


      Mir geht das auch so.Mein Problem ist außerdem, dass ich immer lächle. Irgendwann hab ich mir das angewöhnt, da man mir das immer vorgehalten hat. Jetzt merke ich das oft gar nicht, dass ich das automatisch tue und es hat es den unangenehmen Nebeneffekt, dass man mir meinen Leidensdruck nicht glaubt, da ich ja immer noch "gute Laune" habe. :m(:

      Daran wird es sicher auch bei mir liegen, wenn ich so darüber nachdenke :/
      bla bla Man bekommt nichts geschenkt
    • Ljos schrieb:

      Aber irgendwie habe ich nun häufig das Gefühl, dass Neurotypicals sich halt wirklich null in die Situation von Autisten einfügen können. Aber so gar nicht.
      Wie sollen sie auch?
      Jemand, der keine Fraben sieht, kann sich nicht einfühlen oder gar gar einfügen in das Erleben derjenigen, die Farben sehen - er erlebt nur die Reaktionen der anderen auf das Farbensehen.
      Diejenigen, die Farben sehen können, erhalten einen kleinen Eiindruck davon, wenn sie schwarz-weiß-Fotos und Filme betrachten, wie es sich aber anfühlt, wenn die ganze Welt so aussieht, wenn alle selbstverständlich über Farben sprechen, darauf reagieren, diese bei anderen etwas auszulösen, zu dem selbst gar kein Gefühl enstehet, auch hier, das verstehen ist immer begrenzt.

      Ich versuche, wenn ich mein Asperger beschreibe, Anknüpfungspunkte aus der Erlebniswelt der NT-Gegenüber zu nehmen, die ihnen eine Ahnung vermitteln, wie es ist - und sage dann, sie sollen versuchen, sich vorzustellen, wenn das immer so wäre.

      Ich selbst kann mir auch nicht vorstellen, wie es wäre NT zu sein - ich glaub, mir würde eine Menge von mir und dem, mit dem ich schon immer lebe, enorm fehlen. Was wäre denn, wenn die vielen mind-maps nicht mehr alle automatisch aufklappen und sich die Verbindungen zwischen diesen nicht mehr wie von selbst herstellen? NTs müssen das lernen, lernen hierbei innere Blockaden und "Denkverbote" abzubauen. In Seminaren zu Querdenken und Kreativität werden Techniken dazu angeboten - ich hab das frei Haus in den Genen :d
      Der Detailblick - möchte ich den wirklich missen? Wie anstrengend ist eine Welt, wenn Details gesucht werden müssen?
      Möchte ich missen, alles "gleich laut und wichtig" hören zu können? Ok, es erfordert Mühe beim Differenzieren, aber was würde ich alles gar nicht erst mitkriegen. - und so manches mal waren diese Fähgkeiten mehr als hilfreich.
      Klar wäre ich gerne mein "Chaos-Gen" los, es wäre schön, wenn mir manches leichter fiele, mich nicht so schnell müde machen würde - aber wenn der Preis wäre, auch auf das andere verzichten zu müssen, nein danke, irgendeine Macke hat jede/r FreundIn.

      Von NTs zu verlangen, sich "einfühlen" zu können und dann aspie-geeignet zu "funktionieren" ist genauso illusorisch wie die Forderung von NTs, sich als Aspie in ihre Welt "einfühlen" zu können und NT-isch "funktionieren" zu können.

      Was aber definitv fehlt sind flächendeckende Erklärungen und "Übersetzungen".
      Für Aspie-Kinder und Aspie-Erwachsene, die dadurch besser lernen können, mit ihrem Denken und Wahrnehmen umzugehen, sowie mit dem, was sie nicht automatisch wahrnehmen und zuordnen können. Dazu Bedarf es der Menschen, die dazu sowohl das innere Wissen als auch ein Bewältigunswissen haben und so Vorbilder sein können, auch hier etwas lernen können, das anderen als "Talent" angeboren ist.
      Für NTs genauso. Ich war früher immer wieder überrascht, wenn andere etwas bewunderten, das ich "einfach mal so konnte" - weil ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass andere das nicht wahrnehmen, oder enorme Mühe haben, Denkwege, die bei mir ganz schnell ablaufen, nachzuvollziehen.
      Oder wie sich vorstellen, dass das Gegenüber keine Muster erkennt, sie nicht mal ahnt, die für mich sofort so offensichtlich sind?

      Je besser ich aber mein Asperger kennengelernt habe und kennenlerne, desto leichter fand/finde ich Wege, zu "übersetzen".
      Froh bin ich, weil die Diagnose mir jetzt ermöglich, das systematisch anzugehen und es nicht mehr als mein alleiniges persönliches "Defizit"-Problem zu betrachten, sondern im Sozialen mit NTs als wahrnehmungs- und kommunikationstechnisches Übersetzungsproblem.
      Die anderen Probleme sind letztendlich auch Umgangstechnische. Und klar, Technik kann einen manchmal zur Verzweiflung bringen, wenn mal wieder nichts klappt.
      Und wie überall, nicht jede/r will sich mit etwas beschäftigen. Kein/e NT muss sich mit Asperger beschäftigen und was dazu lernen - aber ich muss mich ja auch nicht mit denen beschäftigen oder sie näher kennenlernen. :d
      Es gibt wirklich genug nette und interessierte NTs, da kann man die mit den dummen Sprüchen "in den Wind schießen".


      Nicht alle Kommunikationsprobleme im Arztzimmer liegen an Asperger,
      aerzteblatt.de/archiv/143422/D…-den-Patienten-verbessern
      aerzteblatt.de/archiv/186271/D…t-Kommunikation-ist-alles

      aerztezeitung.de/praxis_wirtsc…unikation-verbessern.html
      Auch NTs haben manchmal Probleme, bei Arzt oder Ärztin ihre Beschwerden zu schilden, auch wenn diese Probleme dann etwas anders aussehen bzw durch anderes verursacht werden.

      Hier gibt es sogar einen Leitfaden für PatientInnen :d

      vfa-patientenportal.de/gesundh…t-verbessern-koennen.html
      Wer nur über entgangene Chancen trauert, der verpasst das Leben.
    • Hallo,
      nun habe ich die zweite Diagnostik hinter mir. Bei der ersteren bei einer Frau, eine hier in der Region geschätzte ehemalige Mitarbeiterin der Uniklinik, kam eindeutig Asperger Syndrom bei rum.

      Die Woche war ich beim zweiten Termin einer Ambulanz. Dort erhielt ich beim Abschlussgespräch kein Ergebnis und muss nun auf den Bericht warten. Der Mann vom zweiten Termin sagte, dass er eher zu nicht Autismus tendiert. Jedoch hat seine Kollegin vom ersten Termin notiert, dass sie einschätzt, dass es Autismus ist. Die Beiden beraten sich und dann werde ich schriftlich erfahren, was dabei rauskam.

      Er erklärte, dass meine Berichte über Vorgesetzte / Kollegen zu intuitiv und gut analysiert bzw. emphatisch klangen. Dazu kann ich nichts sagen, gefühlt hatte ich die Geschichten um meine Arbeit schon 100 mal jemanden erzählt. Dazu kamen keine Spezialinteressen, die total sinnlos sind wie z.B. Fahrpläne auswendig lernen. Ich zeichne halt seit ich 2 Jahre alt bin. Das sehe ich jetzt auch selbst nicht als ungewöhnliches Interesse an. Der dritte Punkt für ihn war, dass er keine Routinen erkennen kann. Da stimme ich ihm zu, da ich mich mit dem Begriff und der Bedeutung immer noch schwer tue, da ja jeder Mensch tägliche Routinen hat. Vielleicht hätte ich Dinge erwähnen sollen, wie Gummibärchen nach Farben zu sortieren oder Brote vierteln zum Abendessen. Aber ich bin unsicher, ob das jetzt unter eine Routine zu verstehen ist. Ich denke eher, das sind Ticks. Das war an sich schon nachvollziehbar erläutert.

      Nur tue ich mir schwer mit der Aussage, dass es bei mir insgesamt nach Autismus wirkt, aber er denkt, es ist keiner. Er sagte, ich könnte jetzt zu verschiedenen Ambulanzen gehen. Manche würden mir eine Diagnose stellen und manche nicht. Ich fragte dann, was es denn sonst sein könnte, jedoch wusste er das dann auch nicht. Das belastet mich, da ich wieder anfange sämtliche Störungen durchzulesen, um heraus zu finden, was es denn sonst sein könnte. Ich hatte mich endlich mal einer Gruppe zuordnungsbar gefühlt und jetzt stehe ich wieder gefühlt am Anfang meiner Suche. Ich hoffe jetzt, dass im Bericht mir eine Richtung genannt wird, bei der ich weiter suchen kann.
    • Meso schrieb:

      Ich zeichne halt seit ich 2 Jahre alt bin. Das sehe ich jetzt auch selbst nicht als ungewöhnliches Interesse an.
      Ein Spezialinteresse muss ja nichts ungewöhnliches oder unnützes sein (ich habe früher übrigens Fahrpläne auswendig gelernt um an der Bushaltestelle dem Kontakt zu Mitschülern aus dem Weg zu gehen und zudem ist es oft genug nützlich gewesen). Die Intensität ist bei SIs ungewöhnlich.


      Meso schrieb:

      Das belastet mich, da ich wieder anfange sämtliche Störungen durchzulesen, um heraus zu finden, was es denn sonst sein könnte.
      Es muss ja nichts anderes sein, vielleicht bist du einfach "nur" am Rande des Spektrums. Es gibt keine klaren Grenzen. Brauchst du die offizielle Diagnose denn für spezielle Hilfen?
    • Meso schrieb:

      Er erklärte, dass meine Berichte über Vorgesetzte / Kollegen zu intuitiv und gut analysiert bzw. emphatisch klangen. Dazu kann ich nichts sagen, gefühlt hatte ich die Geschichten um meine Arbeit schon 100 mal jemanden erzählt.
      Das ist etwas, das wohl öfter vorkommt - die Vorstellung, dass sich Aspies eine Art Empathie erarbeiten können, dass ein häufiges Beschäftigen mit solzialen Vorkommniissen irgendwann zu einem Verstehen führt, dass dann aussieht wie "natürliche intuitive Empathie", das scheint soo manchen Diagnostikern fremd zu sein.
      Das Klischee in den Köpfen muss halt bei manchen erfüllt sein.

      Wobei ich auch nach diversen Berichten den Eiinduck habe, dass Männer Frauen eher seltener ihre "Kriterien" erfüllt sehen, während Frauen bei Frauen sehr wohl die Unterschiede erkennen.
      Wer nur über entgangene Chancen trauert, der verpasst das Leben.
    • Ginkgo schrieb:

      Ein Spezialinteresse muss ja nichts ungewöhnliches oder unnützes sein (ich habe früher übrigens Fahrpläne auswendig gelernt um an der Bushaltestelle dem Kontakt zu Mitschülern aus dem Weg zu gehen und zudem ist es oft genug nützlich gewesen). Die Intensität ist bei SIs ungewöhnlich.
      Die Intensität des Zeichnen ist bei mir sehr wechselhaft. In manchen Phasen zeichne ich fast gar nicht und dann gibt es Zeiten, da mache ich nichts anderes. Im Moment bin ich wieder "verschollen" mit meiner neuen Serie "Musiere". Ich habe zwar ein Studium in Design, aber ich schaffe es nicht mich zu vermarkten.

      Ginkgo schrieb:

      Es muss ja nichts anderes sein, vielleicht bist du einfach "nur" am Rande des Spektrums. Es gibt keine klaren Grenzen. Brauchst du die offizielle Diagnose denn für spezielle Hilfen?
      Eine offizielle Diagnose habe ich schon, die ich ja verwenden kann. Aber bisher war sie mir leider nicht "nützlich" und mein Beruf ist zu speziell, um darin einfach mal vermittelt zu werden. Ich habe schon einige andere Jobs ausprobiert. Jedoch habe ich mich immer nur gequält, ausgehalten und meiner Gesundheit damit geschadet. Mit wenigen Kontakten im Privatleben komme ich zurecht. Dafür habe ich zwei Hunde und meine Eltern. Ich sehe nur Probleme auf mich zu kommen, wenn meine Eltern mal nicht mehr da sein werden.

      Wahrscheinlich suche ich nach einer Sicherheit und einer absoluten Wahrheit, die es so nicht gibt. Nach 30 Jahren würde ich einfach gerne verstehen, was mit mir los ist und warum ich nicht so funktioniere kann, wie man es von mir erwartet und wie es mir auch selbst wünsche. Und ich muss wohl lernen, dass alles sowieso nur eine Illusion ist, die nur einen Menschen annähernd beschreiben kann. Anderseits würde ich mich in etwas wieder verennen. An sich finde ich es auch interessant, dass man mir beim Abschlussgespräch keine Diagnose direkt geben konnte.

      Happy to be schrieb:

      Das ist etwas, das wohl öfter vorkommt - die Vorstellung, dass sich Aspies eine Art Empathie erarbeiten können, dass ein häufiges Beschäftigen mit solzialen Vorkommniissen irgendwann zu einem Verstehen führt, dass dann aussieht wie "natürliche intuitive Empathie", das scheint soo manchen Diagnostikern fremd zu sein.Das Klischee in den Köpfen muss halt bei manchen erfüllt sein.

      Wobei ich auch nach diversen Berichten den Eiinduck habe, dass Männer Frauen eher seltener ihre "Kriterien" erfüllt sehen, während Frauen bei Frauen sehr wohl die Unterschiede erkennen.
      Ich denke, es wurde auch nicht berücksichtigt, dass ich vier Jahre lang eine Ausbildung zur Erzieherin nachging. Rückblickend konnte ich für mich persönlich neue Erkenntnisse gewinnen. Einer der vielen Beispiele wären "Aktives Zuhören" und "Gewaltfreie Sprache" - diese beiden Konzepte kannte ich vorher nicht, finde sie jedoch sehr nützlich auch für den Alltag.

      Man liest hier immer wieder von Menschen, die enttäuscht sind ihre Wunschdiagnose nicht erhalten zu haben. Einerseits möchte ich nichts erzwingen. Ich wurde gefragt, ob ich die Diagnose denn bräuchte, sonst würde man sie geben. Aber ich bin nicht so der Typ Mensch, der was annimmt für den Zweck, sondern ich möchte eine Richtigkeit und Gerechtigkeit dahinter sehen können. Auf der anderen Seite kann ich mich doch schon sehr mit Autismus identifizieren, weil es bisher am Besten meine Probleme beschreibt, für die ich solange keine Erklärung hatte. Interessant ist nach deiner Beschreibung schon, dass mir die beiden Frauen eine positive Diagnose geben und der Mann nicht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Meso ()

    • Meso schrieb:


      Ich denke, es wurde auch nicht berücksichtigt, dass ich vier Jahre lang
      eine Ausbildung zur Erzieherin nachging. Rückblickend konnte ich für
      mich persönlich neue Erkenntnisse gewinnen. Einer der vielen Beispiele
      wären "Aktives Zuhören" und "Gewaltfreie Sprache" - diese beiden
      Konzepte kannte ich vorher nicht, finde sie jedoch sehr nützlich auch
      für den Alltag.


      Man liest hier immer wieder von Menschen, die enttäuscht sind ihre
      Wunschdiagnose nicht erhalten zu haben. Einerseits möchte ich nichts
      erzwingen. Ich wurde gefragt, ob ich die Diagnose denn bräuchte, sonst
      würde man sie geben. Aber ich bin nicht so der Typ Mensch, der was
      annimmt für den Zweck, sondern ich möchte eine Richtigkeit und
      Gerechtigkeit dahinter sehen können. Auf der anderen Seite kann ich mich
      doch schon sehr mit Autismus identifizieren, weil es bisher am Besten
      meine Probleme beschreibt, für die ich solange keine Erklärung hatte.
      Interessant ist nach deiner Beschreibung schon, dass mir die beiden
      Frauen eine positive Diagnose geben und der Mann nicht.
      Der Diagnoseprozess und die Auswertungsgepräche und bei Diagnostikerin haben mir eine Menge klargemacht, und noch immer entdecke ichh wieder was im Alltag, was dort schon angesprochen wurde, beii dem ich aber jetzt erst das Wiedererkennen habe - auch weil ich viel gezielter bei NTs feedback erfragen kann.
      Was jetzt auch wieder weiter hilft, die Unterschiedlichkeiten zu erkennen, ein besseres Wissen um den Eindruck zu erhalten, der bei desen ensteht und warum.
      Interessant auch, welche Interpretationen dann bei den anderen waren zu dem, was sie irritiert hatte - ich wäre im Leben auf manche nicht gekommen, kann das aber heute einberechnen.

      Ich glaube mittlerweile, dass an den Unikliniken mehrere Faktoren reinspielen, je nachdem ob und wozu sie bei Asperger forschen, wer hier nicht in unter die "Probandenkrieterien" fällt, ist "unteressant" bzw erfüllt nicht das Biild, das man sehen will, und ob - und dann auch noch alte - Männer das "letzte Sagen" haben.

      Irgendwann las ich sogar mal die Klage eines Mannes, dass Frauen ihnen jetzt auch noch Asperger wegnehmen würden. Dabei könnten sie aufgrund der sozialen Fähigeiten und Anpassungsleistungen gar keine sein.
      Wow.

      Attwood wird ja ncht von allen anerkannt...und wenn dann immer noch unbewusst oder bewusst das Klischee von "Asperger ist männlich, eckig, sozial und verbal auffällig bis ganz inkompetent" vorherrscht - sind alle Frauen "gestraft", die sich versucht haben, anzupassen, versucht haben, so viel wie möglich zu lernen, um das alles wenigstens ein bisschen zu können - um dann doch immer wieder auf diese unsichtbaren Grenzen zu stoßen.

      Es ist einfach ein Elend.
      Hat man aber auch anderswo in der Forschung, in der Mann und dessen Reaktionen als Proband als Richtwert für alle genommen wird - die Kritik gab es auch schon zu Medikamentenstudien.
      welt.de/gesundheit/article3601…f-Maenner-abgestimmt.html
      tagesspiegel.de/gesellschaft/m…tet-wurden/9285224-2.html

      ich befürchte, bei der Aspergerdiagnose haben wir das gleiche Phänomen, das bei Medikamentenstudien mittlerweile nicht mehr so vorherrscht.
      Wer nur über entgangene Chancen trauert, der verpasst das Leben.
    • Meso schrieb:

      Er sagte, ich könnte jetzt zu verschiedenen Ambulanzen gehen. Manche würden mir eine Diagnose stellen und manche nicht.
      Ich denke, dass das völlig normal ist und auf einen Großteil der User hier zutreffen würde. Nur diejenigen, die relativ tief im Spektrum sind, würden mit hoher Wahrscheinlichkeit in jeder Autismus-Ambulanz eine Positivdiagnose erhalten.
    • Meso schrieb:

      Nur tue ich mir schwer mit der Aussage, dass es bei mir insgesamt nach Autismus wirkt, aber er denkt, es ist keiner. Er sagte, ich könnte jetzt zu verschiedenen Ambulanzen gehen. Manche würden mir eine Diagnose stellen und manche nicht.
      Ja, das habe ich von meiner Kinderpsychiaterin auch gehört.
      Eigentlich würde man schon Autismus sehen, aber nicht immer. :roll: :m(:
      Letzen Endes meinte sie, sie wolle mir mein Leben damit nicht kaputt machen.
      "Manche fühlen sich nach der Diagnose noch viel schlechter, ich sehe momentan auch keine Notwendigkeit."

      Aber mir Pillen verschreiben und mich weiter dabei beobachten, wie ich sozial und emotional zugrunde gehe, das erschien notwendig.
      Manchmal wünschte ich mir wirklich die Existenz dieses Karmas aus dem indischen Glauben.
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<
      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Philosoph; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • Ich bin Baujahr 1977 und habe meine Diagnose auch erst am 30.01.2018 erhalten.

      Am Folgetag hatte ich ein Gespräch mit meinem obersten Vorgesetzten, dem habe ich das mit Herzklopfen erklärt. Seine Fragen waren ruhig, gezielt und er hat mir bisher keinen Strick draus gedreht. Teile meiner Kollegen wissen auch um die Diagnose, manche halten das für Blödsinn. Aber gut, ich bin mit meinen bald 42 Jahren eine der Jüngsten dort. Da schiebe ich das Unverständnis dann gerne mal aufs Alter ;)

      Ich selber bin erleichtert, denn die Diagnose löst viele Rätsel aus meiner Vergangenheit. Aktuell kann ich mit vielen Situationen auch besser umgehen. Mein Therapeut meinte zu mir, das ich trotz Asperger sehr viel erreicht hätte und nicht vergessen soll darauf sehr, sehr stolz sein zu dürfen. Bin ich auch, und ich bin froh darüber kein Soziopath zu sein. Das wurde mir auch des öfteren vorgeworfen.

      Das Erreichte ist auch nicht gerade wenig, finde ich. War seit Beginn meiner Ausbildung ganze 6 Wochen arbeitslos, habe einen unbefristeten Arbeitsplatz, bin seit fast 19 Jahren mit meinem Mann zusammen usw.
      Nur Freundschaften aufrecht erhalten ist schwierig für mich, zumal ich mich inzwischen von dem Distanziere das mich zu viel Kraft kostet. Mein Glück ist, das ich in meiner Familie weitestgehend so akzeptiert wurde wie ich war/bin. Eine meiner Tanten nennt mich heute noch "Einsteinchen" :lol: Meine Mutter macht sich auch immer noch bis zu einem gewissen Maß Vorwürfe wieso sie das nicht früher festgestellt hat. Aber wie soll das gehen, wenn das erst in den 90er Jahren so richtig zum Thema wurde ... :question:

      Meine Mutter meinte aber kürzlich zu mir, sie hätte schon als ich noch im Kita-Alter war, gemerkt das ich nicht wie andere Kinder bin. Ich war glaube in der Grundschule bzw. kurz vor Einschulung als ich zu einem Psychologen (??) musste. Da ich den Menschen spontan blöd fand, tat ich das Gegenteil von dem was er verlangte. Nach diesem Termin hatten meine Eltern ein Gespräch mit dem Herren, der bezeichnete mich als geistig zurück geblieben bzw. behindert und nicht Schultauglich. Naja, es kam der unvermeidliche Anschiss meiner Löwenmutter. Mein Erzeuger hielt wohl nur Maulaffen pfeil (RW) :nerved:

      Vor dem nächsten Termin bat meine Mutter mich, auch wenn ich den Psychologen nicht mag, ihm zu zeigen wie schlau ich wirklich bin. Nach dem Test war er dann wundersamer Weise der Meinung ich sei schlau und gewitzt. Ich hätte ihn wohl nur ärgern wollen .... ähh ja genau das :d

      Das Blöde ist, in manchen Situationen reagiere ich heute auch noch so. Auch wenn mir bewusst ist, das es der falsche Weg ist.
      LG Tasha
    • Meso schrieb:

      Ich denke, es wurde auch nicht berücksichtigt, dass ich vier Jahre lang eine Ausbildung zur Erzieherin nachging. Rückblickend konnte ich für mich persönlich neue Erkenntnisse gewinnen. Einer der vielen Beispiele wären "Aktives Zuhören" und "Gewaltfreie Sprache" - diese beiden Konzepte kannte ich vorher nicht, finde sie jedoch sehr nützlich auch für den Alltag.
      Hallo Meso,
      ich bin zur Diagnostik gegangen und habe ihnen gesagt, dass ich fertigausgebildete Grund- und Hauptschullehrerin bin und deshalb keinesfalls so tun werde, als hätte ich noch nie etwas von Psychologie oder Pädagogik gehört. Wenn du Erzieherin bist, hast du eine Ausbildung in "sozialer Kompetenz und Empathie" gemacht. Und da wir kognitiv viel erfassen, hast du vieles gelernt und wendest es an.
      ich kann seit meinem Studium erst mit Menschen umgehen. Denn da wurde mir endlich etwas erklärt.

      Happy to be schrieb:

      Wobei ich auch nach diversen Berichten den Eiinduck habe, dass Männer Frauen eher seltener ihre "Kriterien" erfüllt sehen, während Frauen bei Frauen sehr wohl die Unterschiede erkennen.
      Da ist bestimmt Wahres dran, ich hatte auch eine DiagnostikerIN.