Wie die Ausbildung beenden?

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    • Wie die Ausbildung beenden?

      Hallo, unsere Tochter erhielt vor einigen Wochen auch die Diagnose Asperger mit sozialer Angst. Sie befindet sich im 2 Ausbildungsjahr und wird schon seit längerem immer wieder körperlich krank. Durch den Stress der Ausbildung, die vielen Menschen....
      Wir haben mit dem Chef gesprochen, der ihr helfen will, dass sie die Ausbildung beenden kann, aber dafür muss sie ja in die Schule und zur Arbeit gehen.
      Sie hat nicht erwartet, dass sie nach der Diagnose erst einmal noch mehr krank wird, sondern das sie erleichtert ist und alles besser klappt.

      Kennt dies jemand genauso?
      Was kann man nun machen um ihr zu helfen? Sie mag ihre Ausbildung gerne beenden, aber wenn der Körper nicht mitmacht, ist es sehr schwierig.
      Was hat sie für Möglichkeiten? Nachteilsausgleiche kann sie bekommen, nur muss sie ja trotzdem die Pflichtzeiten bei der Arbeit und Schule sein.
      Was soll sie denn auch sonst machen, wenn diese Ausbildung nicht mehr klappt? Schafft sie dann dennoch eine andere?
      Gibt es vom Arbeitsamt Hilfe?

      Wer kann uns helfen?
    • Mama4 schrieb:

      Kennt dies jemand genauso?
      Ja, ich. Aber ohne soziale Angst.

      Mama4 schrieb:

      Was kann man nun machen um ihr zu helfen?
      Die Frage kann ich Dir nicht beantworten. Mir hat aber Sport geholfen, viel Bewegung, ich bin bei Wind und Wetter Rad gefahren, Sommer wie Winter. Das stärkt das Immunsystem und der Körper baut Stress ab. Krank werden lässt sich damit nicht völlig vermeiden aber stark reduzieren. Einen besseren Tipp habe ich leider nicht, weil ich mit dieser Taktik auch immer gut gefahren bin, daher gebe ich den Rat gerne weiter.
    • Oft ist sie so krank, dass sie keinen Sport machen kann. Hat sie auch immer sonst gerne gemacht.
      Nur jetzt nach der ganzen Zeit, bis zur Diagnose, hätte sie gehofft, dass es dann besser wird. Nun wurde es aber ersteinmal noch shvlimmer, da der ganze Stress nun abfällt und die eigenen Kräfte, alles nach außen verbergen zu müssen, nicht mehr so klappen.
      Der Körper muss sich erholen und man muss wohl alles neu sortieren.

      Nur die Ausbildung geht ja weiter und sie fehlt. Sie könnte vielleicht etwas länger die Ausbildung machen, mal sehen, wie das geht.
    • Mama4 schrieb:

      Oft ist sie so krank, dass sie keinen Sport machen kann. Hat sie auch immer sonst gerne gemacht.
      Was ist das für eine Ausbildung? Kann sie darin langfristig gesund arbeiten?

      Ich hatte das Problem mit dem Sport auch schon häufiger. Inzwischen erkenne ich da ein Muster. Nach einer stressigen Phase werde ich meist krank. Dann renne ich von Arzt zu Arzt und nichts bringt etwas. Am Ende kommt dann heraus, dass ich Nährstoffmägel von irgendwas habe und das scheinbar beim Stress nicht aufnehmen kann/konnte. (Keine Ahnung ob das anderen genau so geht)

      Wenn sie häufig Infektionen etc. hat, würde ich zumindest mal einen Test auf einen Vitamin D Mangel machen lassen. Nicht alles muss "psychisch" sein.
      Wenn sie in dem Beruf arbeiten kann und möchte, dann würde ich tatsächlich ne Verlängerung von 6 Monaten beantragen, geht bei den meisten Ausbildungen recht problemlos, und muss bei längeren Fehlzeiten meist sowieso gemacht werden.
      Ein leichter Sport und evtl. eine Anpassung der Ernährung kann auch Stress reduzieren. Ich habe jahrelang unter meinem Asthma gelitten, das hat sich deutlich verbessert, nach dem mein Mangan Mangel behandelt wurde.

      Meiner Erfahrung nach sollte man sich immer sowohl um die Psyche als auch um den Körper kümmern, denn beides wirkt aufeinander. Wenn der Körper Stress hat und dann noch psychischer Stress dazu kommt wird es noch anstrengender.

      Mir helfen diverse Taktiken heute um mit mir und Stress besser umzugehen. Für mich war es besonders wichtig in Situationen ohne Kundenkontakt das sogenannte "Social Masking" abzustellen und mir Routinen anzupassen.

      Sehr gut gefallen mir zu dem Thema folgende Übersichten (die ich hier auch schon häufiger gepostet habe):

    • Mama4 schrieb:

      Nun wurde es aber ersteinmal noch shvlimmer, da der ganze Stress nun abfällt und die eigenen Kräfte, alles nach außen verbergen zu müssen, nicht mehr so klappen.
      Der Körper muss sich erholen und man muss wohl alles neu sortieren.
      Das passiert sehr oft.
      Sport ist gut und wichtig, vor allem im Freien, spazieren gehen, Radfahren oder Joggen, je nachdem.
      Außerdem auch was Gutes für die Psyche tun.

      Längerfristig müsste man versuchen herauszufinden, was genau sie so anstrengt und wie man es ihr leichter machen könnte. Sie muss das Gefühl bekommen, dass sie nicht um jeden Preis durchhalten muss, sondern wirklich Hilfe bekommt, wenn sie sie braucht. Dann muss man natürlich auch schauen, ob es die richtige Ausbildung ist.

      Eine Kollegin von mir hat wegen Krankheit ein ganzes Ausbildungsjahr wiederholt. Sowas ist also auch möglich.

      Begleitend könnte sie eine Therapie beginnen, es müsste aber bei einem Therapeuten sein, der sich gut mit Asperger auskennt. Dort kann sie lernen, besser auf Überlastungszeichen zu reagieren und rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

      Das Arbeitsamt kann unter Umständen schon helfen. Es gibt die Möglichkeit, eine Arbeitsassistenz zu beantragen, aber wie das genau läuft, da habe ich keine Erfahrungen.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Zumindest zeitweise Antidepressiva nehmen...
      Ich bin z.B. kaum erkältet, wenn ich SSRIs nehme.

      Auch Vitamin D-Mangel kann das Immunsystem schwächen.

      Therapie, Sport und Entspannungstechniken können ebenfalls sehr hilfreich sein.
      It's always better on holiday / So much better on holiday / That's why we only work when / We need the money!
    • Als Erster stellt sich die Frage, ob sie in dem Beruf, den sie lernt die Möglichkeit hat, längerfristig zu arbeiten. Wenn die möglichkeit besteht, solle man versuchen, die Ausbildung durchzuziehen, evtl. mit krankheitsbedingter Verlängerung.
      Wenn nicht, ist die Frage, ob ihr nicht gleich was anderes sucht.
      Ich möchte mal ein Beispiel bringen: Wenn jemand z. B. Verwaltungsfachangestellte lernt, könnte sie z.B. hinterher in der KFZ-Zulassungsstelle am Schalter arbeiten. Daran würden vermutlich die meisten (Asperger-) Autisten auf Dauer scheitern. Mit der gleichen Ausbildung kann man aber auch Akten und Fälle ohne (viel) Kundenkontakt bearbeiten und dabei hervorragende Arbeit leisten und das auf Dauer ohne davon überlaster zu werden.
      Jede Jeck is anders
    • Danke für die vielen Antworten.
      Meine Tochter macht eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, in dem Beruf direkt wird sie wohl auf längere Sicht nicht arbeiten können, da sie der Kontakt mit so vielen Patienten sehr stresst. Aber sie kann damit viele andere Berufe ausüben, bzw sich die passende Stelle suchen.
      In der Ausbildung hat sie schon 3 Monate Pause gemacht und wieder eingestiegen. Dann müsste sie in einem Krankenhaus Praktikum machen und das ging garnicht, zuviel Stress und Chaos. Sie bekam dann eine Magenschleimhautentzündung, Infekte....
      Zur Zeit macht sie nur nachmittags die Schule, aber kein Praktikum morgens. Eigentlich wollte sie bald wieder voll einsteigen, ihr macht der Beruf so ja auch Freude und sie hat eine Begabung dafür. Nur ist sie jetzt nach Abschluss der Diagnose immer nach 2-3 Tagen Schule wieder krank geworden und liegt platt im Bett. Da ist dann auch kein Sport möglich.

      Das eine ist ja langfristig an Verbesserung arbeiten,- dies macht sie, ernährt sich gesund und füllt ihren Vitaminmangel auf, Sport so gut es geht... . Nur geht die Ausbildung ja weiter und wenn sie noch öfters fehlt, muss sie noch einmal das Semester wechseln, was ja auch wieder Stress bedeutet.

      Sie hatte halt gehofft, dass alles besser wird, wenn sie die Diagnose hat, aber jetzt bricht ersteinmal der ganze Stress noch raus. Sie ist schon eher eine extreme angepasste, die gelernt hat, wie sich die Leute verhalten und dies gut nachmachen kann, so das auch bei der Testung bei dem ADOS Test sie nur knapp über dem cutt of war. Es scheint so, als würde ihr Körper die lange gelernten Strategien und Vertuschungen nun nicht mehr so mitmachen. Wir haben dies schon ähnlich bei den Brüdern erlebt, die brauchten nach der Diagnose auch erst einmal Zeit, sich neu auszurichten.

      Es wäre halt sehr schade, wenn sie jetzt aufhören würde, da sie mit dem Abschluss so viele Möglichkeiten hätte in einem Beruf arbeiten zu gehen, der zu ihr passt. Sie hat ja auch schon über die Hälfte rum.
      Wir wissen halt auch nicht genau, inwieweit die Schule ihr helfen wird und sich auf sie und ihre Bedürfnisse einstellt. Was steht ihr alles zu?
      Was könnte sie alles verändern? Wie lange verlängern?....
      Was ihr helfen?
      Wie sollte denn in der Ausbildung eine Assistenz aussehen? Es tut ihr schon gut, wenn sie jemand vertrautet bei,sich hat. Sie hätte gerne einen Assistenshund. Nur den bekommt man ja auch nicht mal eben so.
      Wir suchen nach Lösungen, die ihr jetzt helfen, damit sie die Ausbildung zu Ende bringen kann.

      Wie habt ihr das denn geschafft?
    • Mama4 schrieb:

      Meine Tochter macht eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, in dem Beruf direkt wird sie wohl auf längere Sicht nicht arbeiten können, da sie der Kontakt mit so vielen Patienten sehr stresst. Aber sie kann damit viele andere Berufe ausüben, bzw sich die passende Stelle suchen.
      Welcher Werdegang strebt ihr da vor? Die beste Entscheidung meines Lebens war bis jetzt, die mein Studium abzubrechen und das zu tun, was ich möchte, kann und mir gut tut. Was will sie denn tun? Was sind ihre Stärken und Spezialinteressen?

      Mama4 schrieb:

      Nur ist sie jetzt nach Abschluss der Diagnose immer nach 2-3 Tagen Schule wieder krank geworden und liegt platt im Bett. Da ist dann auch kein Sport möglich.
      Wie schon von mir und anderen Erwähnt kann das auch körperlich bedingt sein. Ein Vitamin D Test, eine abwechslungsreiche Ernährung und sobald es wieder geht mäßiger Sport wäre vermutlich hilfreich.

      Mama4 schrieb:

      Sie ist schon eher eine extreme angepasste, die gelernt hat, wie sich die Leute verhalten und dies gut nachmachen kann, so das auch bei der Testung bei dem ADOS Test sie nur knapp über dem cutt of war. Es scheint so, als würde ihr Körper die lange gelernten Strategien und Vertuschungen nun nicht mehr so mitmachen. Wir haben dies schon ähnlich bei den Brüdern erlebt, die brauchten nach der Diagnose auch erst einmal Zeit, sich neu auszurichten.
      Was sie tun kann? Das angepasste Verhalten abstellen. Auf ihren Körper hören. Lernen, dass Sebststimulation wichtig und normal ist und hilft Stress abzubauen und vorzubeugen. Den Arbeitsplatz anpassen: Ohrstöpsel, den Menschen nicht in die Augen sehen, Smalltalk weglassen, Licht verändern oder eine dunkle Brille tragen, Öle etc. mit nicht so intensiven Gerüchen bevorzugen.

      Mama4 schrieb:

      Wir wissen halt auch nicht genau, inwieweit die Schule ihr helfen wird und sich auf sie und ihre Bedürfnisse einstellt. Was steht ihr alles zu?
      Sehr viel: u.a. Ein Nachteilsausgleich bei Prüfungen (eigener Raum, leise, mehr Zeit, schriftlich statt mündlich), keine Verpflichtung für Gruppenarbeiten, Gehörschutz in der Schule, Sonnenbrille im Unterricht, Möglichkeit in einem extra Raum zu lernen/sich bei Bedarf zurückzuziehen. Genaues kann man sicher mit dem Beauftragten der Schule klären und notfalls mit einem Gutachten beim Schulamt einfordern.


      Mama4 schrieb:

      Wie sollte denn in der Ausbildung eine Assistenz aussehen? Es tut ihr schon gut, wenn sie jemand vertrautet bei,sich hat. Sie hätte gerne einen Assistenshund. Nur den bekommt man ja auch nicht mal eben so.
      Jemand, der sie bei Bedarf am Arbeitsplatz begleitet und mit ihr organisatorische Dinge klärt, mit ihren Vorgesetzten spricht und vermittelt etc.

      Könnte Sie evtl. die Ausbildung in einem geeigneteren Umfeld fortsetzen?

      Mama4 schrieb:

      Wie habt ihr das denn geschafft?
      Mein Studium abgebrochen nach der Hälfte der Zeit, auch wenn ich damit einen passenden Job bekommen hätten.
      Mir eine Ausbildung gesucht in einem passenden Umfeld und mir mein Studium anrechnen lassen. Meine Ausbildung in der Hälfte der Zeit gemacht(bin im August fertig).
    • Danke für die guten Tips.
      Unser ältester, der auch Aspi ist, hat auch das Studium gewechselt. Bei ihm war aber auch ein Jahr Pause, da er sich ersteinmal selber sortieren musste und neu überlegen, was besser passt. Er kommt nun besser zurecht.
      Dies hat die jüngere noch so nicht geschafft. Sie hatt immer noch gehofft, dass alles besser wird, wenn sie dann getestet ist. Erst hat sie sich schwer getan, bei sich das auch anzunehmen, wir hatten es ihr schon länger gesagt, dass wir vermuten, dass sie auch betroffen sein könnte. Nun ist sie ent-täuscht, dass die gesicherte Diagnose ihr zumindest ersteinmal nicht hilft, sondern sie noch mehr merkt, wie „anders“sie ist.
      Sie schwankt zwischen, den Aspi zulassen und ihn doch verbergen. Zulassen führt dazu, dass sie merkt, wie überfordert sie ist, mit Patienten zu arbeiten und in einer Klinik zu sein... . Verbergen führt dazu, dass sie es 2-3 Tage durchhält und alle denken, jetzt hat sie es,- sie selber leider auch noch- um dann doch wieder krank zu werden.
      Vitamine nimmt sie bereits, genauso wie gesundes Essen, viel Tee....
      Sport soviel möglich ist.
      Es ist mehr noch das verabschieden vom „normal sein“ zum Aspi hin. Obwohl sie ein paar gute Freunde hat, die sie so nehmen wie sie ist, will sie weiter alles mitmachen und ihre doofen Aspimacken lieber verbannen...
      Wir möchten ihr gerne helfen, dass sie die Ausbildung fertig macht, dann kann sie in einer kleinen Praxis arbeiten oder mit Behinderten Reittherapie machen... . Dort sind dann Leute, die sie verstehen.
      Auch kann sie die Stunden reduzieren.
      Im Moment fällt ihr nichts ein, was sie anderes machen könnte, was besser klappt. Sie könnte auch physio an einer Uni studieren, aber dazu müsste sie umziehen und dies ist sehr schwer für sie.
      Wir werden wohl noch einmal mit der Schule reden müssen, was alles möglich ist oder ihr fällt noch eine Alternative ein.
    • Bei jedweden Problemen in der Ausbildung kann man sich an den Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer bzw. der Industrie- und Handelskammer (IHK) wenden. Die haben in der Regel einen guten Überblick, welche Lösungen und Alternativen es geben kann.

      Interessant ist VERA
      vera.ses-bonn.de/auszubildende/
      Das ist eine extra geschaffene Anlaufstelle, um Ausbildungsabbrüche bei Jugendlichen z.B. mithilfe eines Ausbildungsbegleiters zu vermeiden.