Teil-EU-Rente und Teilzeitjob?

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    • Teil-EU-Rente und Teilzeitjob?

      Ich bin seit 11 Monaten arbeitsunfähig geschrieben. Letztes Jahr hatte ich einen siebenwöchigen Tagesklinikaufenthalt und im Herbst dann fünf Wochen Reha. Der Entlassungsbericht vermerkt "komplexe, früh erworbene Teilleistungsstörung mit leichter Tic-Symptomatik, nahe bis überlappend zum Autismusspektrum" und "rezidiv, depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode als Ausdruck sekundärer Neurotisierung". Im Bericht zwar erwähnt, aber nicht unter Diagnosen aufgeführt sind traumatische Erlebnisse aus der Kindheit, an die ich mich bis vor anderthalb Jahren nicht erinnern konnte. Genauer würde ich sagen, dass ein Teil des Gehirns mit allen Mitteln es abgewehrt hat, die Erinnerung daran zuzulassen.

      Es wurde empfohlen, eine Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell durchzuführen und einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen.

      Die Wiedereingliederung wurde zweimal verlängert und läuft jetzt noch eine Woche. Ich bin froh, wieder zu arbeiten und mache meinen Job echt gerne, aber mehr als die 5 Stunden, die ich aktuell mache, sind für mich derzeit nicht leistbar. Mein Arbeitgeber hat nun mitgeteilt, dass man einer weiteren Verlängerung nicht zustimmen wird. Man hat angeboten, dass ich Teilzeit arbeiten könne, und die fehlenden Stunden durch eine weitere Teilzeitkraft aufgefangen werden.

      Da ich bezüglich der AS-Diagnostik immer noch in der Warteschleife stecke und der Rehabericht bezüglich der Teilleistungsstörungen sehr unspezifisch ist, hatte ich den SBA noch nicht beantragt.

      Ich sehe die Rückkehr in den Job durchaus auch als einen stabilisierenden Faktor, fühle mich aber durch die Erkenntnisse der letzten zweieinhalb Jahre immer noch dermaßen belastet, dass mir die Kraft fehlt, wieder Vollzeit zu arbeiten. Ein Teilzeitjob bedeutet aber eben auch finanzielle Einbußen. Nun habe ich ja seit Beginn der Reha Übergangsgeld von der DRV bezogen. Wenn sich also nun herausstellt, dass die Wiedereingliederung nicht zum Ziel (Vollzeitleistungsfähigkeit) geführt hat, wird dann der Rehaantrag in einen Rentenantrag umgedeutet? Ist das Scheitern der Wiedereingliederung automatisch ein Beweis für das Vorliegen einer teilweisen Erwerbsminderung?

      Ich bin für Tipps, Hinweise, Ratschläge dankbar.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


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    • Ich bin davon zwar nicht betroffen, kenne aber aus meiner SHG einige, die Rente erhalten möchten, da sie aufgrund von Depressionen
      (zurzeit) nicht arbeiten können und ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass bestimmt nichts einfach umgedeutet wird, wenn du dich
      nicht darum kümmerst. So wie ich das mitkriege, ist es nicht so einfach, Rente zu beantragen.

      Eine hat zB gesagt, wenn man theoretisch Kugelschreiber zusammenschrauben könnte (als Job), ist man ja arbeitsfähig.

      Du musst halt richtig stichhaltig belegen können, warum du - in keiner Arbeit und nicht nur in deiner - nicht mehr als 5 Stunden schaffst.
    • thelord wrote:

      Wenn sich also nun herausstellt, dass die Wiedereingliederung nicht zum Ziel (Vollzeitleistungsfähigkeit) geführt hat, wird dann der Rehaantrag in einen Rentenantrag umgedeutet? Ist das Scheitern der Wiedereingliederung automatisch ein Beweis für das Vorliegen einer teilweisen Erwerbsminderung?
      Das läuft nicht automatisch.
      Du musst einen Rentenantrag stellen.

      deutsche-rentenversicherung.de…rsicherte/rente_node.html

      Da findest Du das Formular und auch weitere Beratung.

      Da das sogenannte Restleistungsvermögen unter 6 Stunden aber über 3 Stunden liegt, kannst Du eine Teil EU Rente beantragen, und dann weiter arbeiten in Teilzeit.

      Da gibt es dann Zuverdienstgrenzen
      deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/... · PDF Datei
      :? klappt nicht so richtig mit dem Link

      Auf jeden Fall wird es zu finanziellen Einbußen kommen, das lässt sich nicht vermeiden. Auch bei der späteren Altersrente. Falls es die dann überhaupt noch gibt. x( Und nicht der ganze Laden hier eh pleite ist oder in die Luft geflogen oder was auch immer... :fun:
    • @thelord

      Ich bin in einer recht ähnlichen Lage. Ich bin nun seit 15 Monaten Krank gemeldet und war 8 Wochen in einer Tagesklinik. Anschließend war ich in einer Gruppentherapie. Die deutsche Rentenversicherung hat meine Anträge bisher abgelehnt, ich habe aber widerspruch eingelegt und warte auf die bewilligung des Antrages zu Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Mit dieser ist es möglich, unterschiedlichste berufliche Weiterbildungen zu beantragen.

      Da ich ohnehin in Teilzeit gearbeitet hatte, und mich selbst dies überforderte, hielten die Therapeuten auch eine Wiedereingliederung für wenig förderlich.

      Auf meinen Termin für die Autismus-Diagnostik musste ich ein halbes Jahr warten. Diese fand nun aber im Januar statt, und ich habe dann Anfang Februar auch meine positive Diagnose erhalten.

      Tatsächlich weiß ich aber auch keinen Rat, ich bin genau so den unterschiedlichen Zuständigen Einrichtungen ausgeliefert. Meiner Meinung nach ist der Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben immer noch der Sinnvollste Weg. Aber auch dieser Antrag dauert nun schon bald 9 Monate, und wird noch mindestens 2 Monate dauern.

      Mich würde aber interessieren, wie es bei dir weiter geht. Es scheint sehr schwer zu sein, eine richtige Beratung zu erhalten, und ich bin eigentlich gerade nur ziemlich planlos am herumprobieren. Und wenn es am Ende heißt "Ja sie hätten direkt nach der Diagnose Antrag XY beantragen sollen" dann werde ich nur große Augen machen. Diese Erfahrung habe ich nämlich sehr oft im Leben gemacht, dass mir im Nachinein vorgehalten wurde, dass ich nötige Anträge nicht richtig oder rechtzeitig gestellt hätte. Ich bin daher über jeden Gleichgesinnten Dankbar, der ähnliche Erfahrungen macht, und mit dem ich Probleme und Lösungen teilen kann.
    • Der Arbeitgeber hat nun doch zugestimmt, noch einmal einen Monat zu verlängern. Die Rentenversicherung hat noch einmal einen Fragenkatalog an die Hausärztin geschickt und auch einen weiteren an mich, der ich noch ausfüllen muss. :oops:

      Reha-Abteilung und Personalrat haben dazu geraten, Teilrente zu beantragen. Anfang März habe ich einen Termin beim IFD.

      SBA werde ich bereits jetzt beantragen, auch wenn die Diagnostik immer noch auf sich warten lässt.


      Und um eine meiner eigenen Fragen zu beantworten: Die Umdeutung des Rehaantrags in einen Rentenantrag ist rechtlich möglich, wird aber nach Auskunft der DRV nur dann automatisch gemacht, wenn in der Reha ein Restleistungsvermögen unter 3 Stunden täglich (=volle Erwerbsminderungsrente) festgestellt wird.
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    • thelord wrote:

      Ist das Scheitern der Wiedereingliederung automatisch ein Beweis für das Vorliegen einer teilweisen Erwerbsminderung?
      Bei mir war es so, dass ich dann noch zu einem Gutachter der DRV musste, woraufhin die Eingliederung ins Arbeitsleben rückwirkend in die Rente umgewandelt wurde.

    • thelord wrote:

      Der Arbeitgeber hat nun doch zugestimmt, noch einmal einen Monat zu verlängern. Die Rentenversicherung hat noch einmal einen Fragenkatalog an die Hausärztin geschickt und auch einen weiteren an mich, der ich noch ausfüllen muss. :oops:

      Reha-Abteilung und Personalrat haben dazu geraten, Teilrente zu beantragen. Anfang März habe ich einen Termin beim IFD.
      Der Arbeitgeber hatte seinerzeit zugestimmt, doch dann hatte die DRV die weitere Zahlung von Übergangsgeld für diese weitere Verlängerung abgelehnt. Umgehend hatte ich Widerspruch eingelegt und ein halbes Jahr später ist der Widerspruchsbescheid nun angekommen. Auf meine Begründung wurde dabei gar nicht eingegangen, ein anders lautendes Urteil des LSG Bayern aus dem vergangenen Jahr, auf das ich ausdrücklich hingewiesen hatte, wird nicht einmal in der Entscheidung erwähnt. :thumbdown:

      Da zwischenzeitlich die Krankenkasse für jenen Zeitraum Krankengeld gezahlt hat, werde ich darauf verzichten, in dieser Angelegenheit das Sozialgericht damit zu belasten. Aber es ist schon erstaunlich, dass sich im Schriftstück wirklich NULL Auseinandersetzung mit meiner Widerspruchsbegründung finden lässt.


      Das von mir benannte Urteil des LSG Bayern findet sich unter gesetze-bayern.de/Content/Docu…KRS-B-2018-N-9159?hl=true

      Könnte ja vielleicht für den einen oder anderen interessant sein.
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    • So, nach meinem Rentenantrag von Ende März wurde tatsächlich der Reha-Antrag von Juni 2018 in einen Rentenantrag umgedeutet. Heute kam der Bescheid, Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung wird ab dem 01.04.2018 gewährt.
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    • Danke, dass du das alles so genau beschrieben hast.
      Traurig, dass du da so lange kämpfen musstest. Aber vermutlich gibt es da auch ein paar schwarze Schafe, die das System ausnutzen und daher alles für andere komplizierter wird.
      ...in der Diagnostik... :nod:
    • Pummelchen wrote:

      Danke, dass du das alles so genau beschrieben hast.
      Traurig, dass du da so lange kämpfen musstest. Aber vermutlich gibt es da auch ein paar schwarze Schafe, die das System ausnutzen und daher alles für andere komplizierter wird.
      Ja, das war ein ziemlicher Kampf, und ich bin froh, dass nun zumindest die finanzielle Situation gesichert ist. Für 2020 geht es dann darum, sich mit den inneren Zwiespälten auseinander zu setzen.


      Das mit den schwarzen Schafen würde ich so nicht sagen. OK, ich hätte wohl darauf verzichten können, selbst vor 9 Monaten einen Rentenantrag zu stellen, da die DRV nach der nicht erfolgreichen Wiedereingliederung auf eine Vollzeittätigkeit von sich aus auf eine Berentung gegangen wäre. Aber um meinen Job zu sichern, war es wohl unumgänglich, selber aktiv zu werden, bevor mir "alles um die Ohren fliegt".

      Den Gutachtertermin hatte ich knapp 3 Monate nach meiner Rentenantragstellung, das finde ich im normalen Rahmen. Nervig war freilich, dass danach (die Gutachterin hatte mir am Ende des Termins gesagt, dass sie eine teilweise EM-Rente empfehlen werde) es noch knapp 5 Monate dauerte, bis der Bescheid kam.
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    • Ja, das dürfte den Einkommensverlust wohl weitgehend ausgleichen.
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    • FruchtigBunt wrote:

      @thelord
      Ah okay. Darfst du dann nur bis zu einer bestimmten finanziellen oder Stundenobergrenze pro Woche arbeiten, so dass die Teilrente nicht wieder gestrichen wird?
      Stundenobergrenze ja, die liegt ja bereits in der Definition der teilweisen EM-Rente begründet, nämlich einem Leistungsvermögen von 3-6 Stunden täglich.


      Finanziell gibt es bei der teilweisen EM-Rente eine komplexe Regelung zur Rentenkürzung, die von der persönlichen Erwerbsbiografie abhängig ist.

      Eine Rentenkürzung erfolgt nicht, solange die Hinzuverdienstgrenze nicht überschritten wird.

      Die wird berechnet wie folgt:

      0,81 x jährliche Bezugsgröße für die Sozialversicherung (2019: 37.380 €; 2020: 38.220 €; in den neuen Bundesländern gelten niedrigere Werte) x höchste Entgeltpunkte aus den letzten 15 Kalenderjahren vor Eintritt der Erwerbsminderung.

      Bei mir liegt das Arbeitseinkommen darunter, also keine Kürzung.
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