Was waren die schlimmsten Sachen die ihr während eines Meltdown oder Overload gemacht habt?

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    • Rhianonn wrote:

      Meltdown ....ich habe gar nix gemacht , konnte aber auch nicht mehr sprechen und mich nicht mehr rühren.
      Das klingt mehr nach einem Shutdown. Kann genauso nach einem Overload oder auch erst nach dem Meltdown kommen.

      Im Overload mache ich nichts Schlimmes, ich versuche nur, mich aus der Situation zu entfernen, aber auf eine Art, die maximal unhöflich aussieht. Meltdowns habe ich nicht, dafür öfter Shutdowns. Das wurde bisher oft von Fachmenschen "bestaunt", aber keiner konnte es zuordnen. Die einen dachten, ich mache das absichtlich, wie ein trotziges Kind. Andere vermuteten, ich würde dissoziieren, aber das passte auch nicht so ganz, denn ich bin ja voll orientiert, bekomme alles mit, kann "nur" nicht mehr adäquat reagieren.
    • Mya wrote:

      Das klingt mehr nach einem Shutdown.
      o ja, du hast Recht.

      Mya wrote:

      Das wurde bisher oft von Fachmenschen "bestaunt", aber keiner konnte es zuordnen. Die einen dachten, ich mache das absichtlich, wie ein trotziges Kind. Andere vermuteten, ich würde dissoziieren, aber das passte auch nicht so ganz, denn ich bin ja voll orientiert, bekomme alles mit, kann "nur" nicht mehr adäquat reagieren.
      Genauso ist das auch bei mir. Ich habe versucht es zu beschreiben : Als hätte ich den Kopf unter Wasser und strample und versuche an die Oberfläche zu kommen, doch es geht nicht - aber niemand außerhalb des Forums hat das verstanden.

      Manchmal bewundere ich Leute, die ihre Wut, die ihre Energie so rauslassen und rumtoben können, ich kann es einfach nicht.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Ein Overload führt meistens zu einem Shutdown, wenn ich mich nicht rechtzeitig den Reizen entziehen kann. Ich kann mich also kaum noch rühren, klar denken oder sprechen. Übelkeit und Kopfschmerzen kommen oft auch noch dazu. Früher habe ich auch öfter mal das Heulen gekriegt, auch in der Öffentlickeit.

      Ein Meltdown kann aufgrund eines Overloades auftreten oder aber auch nur aufgrund eines einzelnen Ereignisses. Meistens äußerte sich das bei mir in Aggressionen, d.h. ich habe rumgeschrien, mit Dingen geschmissen und zwei, drei mal wurde ich sogar handgreiflich. Zum Glück ist das noch nicht so häufig vorgekommen und auch schon lange nicht mehr.
      Ist da wer?
    • Rhianonn wrote:


      Dann haben sie mir Handschellen angelegt und mich in einen Krankenwagen gebracht .
      Die Fahrt dauerte ca. 40 Minuten, währendessen hatte ich mich erholt und den Begleitern gesagt, es wäre alles in Ordnung und sie könnten mich jetzt losmachen .
      Das wurde mir aber nicht geglaubt.
      Oh Gott, ist das schrecklich. 8o :cry:
      Ein Glück hat dir der Richter dann geglaubt. :thumbup:

      Das war dann vermutlich eher ein Shutdown vorher gewesen, oder? Hattest du denn, als du nichts mehr sprechen konntest vorher und dich nicht mehr bewegen konntest, Angst oder andere Gefühle gespürt? Oder bist du da einfach dissoziiert? Wobei ich nicht verstehe, wie man auf die Idee kommt, jemanden wegen einer Dissoziation zwangseinzuweisen. :shake: :thumbdown: (sofern keine Eigen- oder Fremdgefährdung besteht).
    • Was soll denn eigentlich der Unterschied zwischen einem Shutdown (den es so außerhalb der ASS als Begriff meines Wissens nach nicht gibt) und einer Dissoziation sein? Für mich ist das das gleiche.


      Mya wrote:

      Andere vermuteten, ich würde dissoziieren, aber das passte auch nicht so ganz, denn ich bin ja voll orientiert, bekomme alles mit, kann "nur" nicht mehr adäquat reagieren.
      Ich würde eine Dissoziation nicht ausschließen. Bei Dissoziationen kann man auch voll orientiert sein und alles mitbekommen, aber es eben nicht mehr richtig verarbeiten bzw. nicht richtig drauf reagieren.
      Ich bin z. B. mehrmals bei einer meiner Therapeutinnen dissoziiert. Damals habe ich sie gehört (die Worte), aber ich war so vom Kopf und auch gefühlt vom Körper her 'weg', dass ich nicht mehr reagieren konnte und das auch nicht mehr richtig verstand, was sie mit ihren Worten sagen wollte. So als wäre ich in Panik oder kurz davor, in Ohnmacht zu fallen.

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    • Overloads zeigen sich bei mir meist in fluchen,, laut werden, mit Faust gegen Wände schlagen, Sachen durch die gegend werfen, gegen Dinge treten. Und das sind noch die milden Formen wenn mir irgendwas misslingt und mich einfach nur stresst weil es misslingt.
      Schlimmer wird es dann wenn ich auch neben wut oder außer wut dann noch angst empfinde, dann fliehe ich aus der Situation, und dabei kann es passieren das ich andere umwerfe oder wegschubsen muss wenn die im Weg stehen oder mir den Weg versperren, und sollte das nicht gehen, heule ich und bin nicht mehr ansprechbar bis ich aus der Situation wieder raus bin.
      Manchmal heule ich auch nach schlagen und treten oder nachdem ich aus einer Situation geflohen bin aber das passiert eigentlich mehr bei kommunikativen Missverständnissen als wenn mir einfach nur eine Tätigkeit nicht gelingt. Scheinbar stressen mit soziale Dinge mehr als Dinge die man selber tut, also das was andere einem sagen ist belastender.

      Shutdowns hatte ich auch schon aber eher selten.
      Meist nehme ich mir Zeit für mich wo ich schlafe, manchmal auch am Tag, weil ich das einfach brauche und ich etwas als zu ansträngend empfand, ich bin dann echt einfach müde.
      In der Hauptschule der 7. Klasse hatte ich das, das ich regelmäßig nach der Schule mittags geschlafen habe (das hab ich hier auf der Realschule aber auch gemacht am Nachmittag) und ich habe manchmal in der Hauptschule sogar öfter mal gesagt das ich krank bin, Bauchweh etc hab und konnte dann mal einen Tag im Heim bleiben, musste dann nicht zur Schule. Das hat zumindest geholfen wieder etwas Energie zu tanken.
      Das hilft um Shutdowns vorzubeugen, denn wenn ich das nicht täte, würde ich vermutlich schneller in Overloads geraten oder gleich in Shutdowns übergehen, das habe ich damals nämlich oft erlebt wenn ich psychische und soziale probleme hatte, also psychisch penetriert wurde durch Runtermachen oder so, was in der Familie wo ich war fast Tagesordnung war, also hab ich mich nur noch in mein Zimmer verzogen und war nicht mehr für sie ansprechbar.
      Und einmal hatte ich sowas als meine Schulfreundin aus der 11. Klasse meinte wir seien keine Freunde mehr wenn ich ihre Entscheidung für die Arbeitsgruppe ablehne. Das hat mich so sehr schockiert und fertig gemacht das ich mehrere Tage nicht zur Schule gehen konnte und nur heulend und schlafend im Bett lag.

      Ich finde es aber ganz komisch das man bei Autisten von Overloads und so spricht, obwohl andere Menschen ja genauso ausrasten, sauer werden, weinen oder sich mal zurück ziehen.
      Den einzigen Unterschied den ich da erkenne ist, das Autisten das scheinbar nicht dann tun wenn andere Menschen es tun, sondern schon bei kleineren und anderen Dinge überreagieren, die andere Menschen erdulden oder kein problem mit haben.
    • RegenbogenWusli wrote:

      Ich finde es aber ganz komisch das man bei Autisten von Overloads und so spricht, obwohl andere Menschen ja genauso ausrasten, sauer werden, weinen oder sich mal zurück ziehen.
      Den einzigen Unterschied den ich da erkenne ist, das Autisten das scheinbar nicht dann tun wenn andere Menschen es tun, sondern schon bei kleineren und anderen Dinge überreagieren, die andere Menschen erdulden oder kein problem mit haben.
      Das finde ich auch einen interessanten Gedanken.
      Ab wann ist es, wenn das Verhalten ein Autist zeigt, "krankhaft" (also im Sinne von "zu Autismus gehörend") und wann ist es einfach nur schlechtes Benehmen oder zu viel Stress? Wo liegt da die Grenze?

      Wenn andere ('gesunde' bzw. ohne Diagnose) Leute ausrasten, dann machen sie das doch auch nicht mit Absicht und gewollt, oder? Denn dann würde als Unterscheidungskriterium "man kann nicht anders" schonmal wegfallen.

      Was kann dann aber noch ein Kriterium sein, um Meltdowns von normalen Wutanfällen anderer Menschen zu unterscheiden?
      Oder ist es einfach die Intensität, die bei Autisten schlimmer ist? Wobei ich denke, es gibt auch z. B. straffällige Jugendliche, die oft auch eine extreme Wut in sich haben (da steckt ja auch oft eine Geschichte von Gewalterfahrungen dahinter), aber die haben ja auch keinen Autismus bzw. Meltdown. Oder würde man es bei denen auch Meltdown nennen, weil es krankhaft ist? :roll:

      Seit ich in psychiatrischer Behandlung bin und die Diagnosen habe, muss ich sagen, dass ich die Meltdowns nicht mehr so stark versuche, zu verhindern. Da könnte man nun auch sagen, dass ich als Autist die Erkrankung nur nutze, um micih schlecht benehmen zu dürfen. :roll:

      Wobei es früher aber auch so war, dass ich mich so stark zurückgezogen habe, dass es damals nicht ganz so häufig zu Konfliktsituationen kam wie in den letzten Jahren. Ich glaube, damals hatte ich ein extrem starkes Vermeidungsverhalten, das mir ziemlich viel Ärger erspart hat. Nun gehe ich teilweise (oder muss) in die Situationen reingehen und dann passieren diese Meltdowns öfters, weil ich komplett überfordert bin. Bei mir treten die Meltdowns fast nur auf, wenn Personen involviert sind. Also wenn es um etwas geht, wo ich von anderen abhängig bin. Es kann aber auch passieren, wenn mir irgendetwas nicht gelingt und ich dann so wütend werde deswegen, dass ich alles zerstöre (z. B. wenn ich beim Handwerken oder Handarbeiten etwas nicht so hinbekomme wie gewollt). Das hatte ich auch früher als Kind schon, dass ich da dann ausgerastet bin. :|

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    • Rhianonn wrote:

      Ich habe versucht es zu beschreiben : Als hätte ich den Kopf unter Wasser und strample und versuche an die Oberfläche zu kommen, doch es geht nicht
      Das ist wirklich eine gute Beschreibung.

      Rhianonn wrote:

      Manchmal bewundere ich Leute, die ihre Wut, die ihre Energie so rauslassen und rumtoben können, ich kann es einfach nicht.
      Ich weiß immer nicht so recht, ob ich das bewundern "soll". Einerseits ist es bestimmt irgendwie befreiend, aufgestaute Energie loszuwerden. Andererseits stelle ich mir vor, was dabei alles passieren kann, in diesem Thread ist ja einiges benannt. Außerdem bin ich schon seltsam genug, wenn da jetzt noch aggressiv wirkendes Verhalten dazu käme, würde es wohl bald wirklich keiner mehr mit mir aushalten.

      Rhianonn wrote:

      Das hat sich fünfmal wiederholt.

      Was war nun schlimm daran? Nun , der Skandal. Natürlich hatten ALLE mitbekommen, dass wegen mir die Polizei da war, und eine der Polizistinnen war auch noch Mutter eines Schülers von mir. Und der Ort war nicht so groß.

      Karriere. Ende.
      Ich kenne dich zwar nicht, aber du und deine Geschichte berühren mich trotzdem irgendwie immer wieder. Es ist so schade und schlimm, was mit dir passiert ist, "nur" weil niemand erkannt hat, was mit dir los ist. Wollte ich einfach mal mitgeteilt haben, das ging mir schon öfter durch den Kopf, jetzt schreibe ich es einfach mal, auch wenn ich (mal wieder) nicht weiß, ob es "passend" ist.
    • FruchtigBunt wrote:

      Das war dann vermutlich eher ein Shutdown vorher gewesen, oder? Hattest du denn, als du nichts mehr sprechen konntest vorher und dich nicht mehr bewegen konntest, Angst oder andere Gefühle gespürt? Oder bist du da einfach dissoziiert? Wobei ich nicht verstehe, wie man auf die Idee kommt, jemanden wegen einer Dissoziation zwangseinzuweisen. (sofern keine Eigen- oder Fremdgefährdung besteht).
      So im Nachhinein denke ch, der Psychiater in der Ambulanz hat Angst bekommen. Er hielt es für Katatonie, und das kann potentiell lebensbedrohlich sein.

      FruchtigBunt wrote:

      Was soll denn eigentlich der Unterschied zwischen einem Shutdown (den es so außerhalb der ASS als Begriff meines Wissens nach nicht gibt) und einer Dissoziation sein? Für mich ist das das gleiche.
      ich habe den Unterschied noch nicht herausbekommen.

      Eine Frage habe ich: Helfen Skills, also diese Verhaltensregeln, die man bekommt, um aus einer Dissoziation herauszukommen, auch bei Meltdown?


      RegenbogenWusli wrote:

      ch finde es aber ganz komisch das man bei Autisten von Overloads und so spricht, obwohl andere Menschen ja genauso ausrasten, sauer werden, weinen oder sich mal zurück ziehen.
      Den einzigen Unterschied den ich da erkenne ist, das Autisten das scheinbar nicht dann tun wenn andere Menschen es tun, sondern schon bei kleineren und anderen Dinge überreagieren, die andere Menschen erdulden oder kein problem mit haben.
      Eventuell liegt der Unterschied zu NTs, dass diese Reaktionen auf neurologischer Ebene ablaufen? Die "Wut" ist ja anfürsich keine richtige Wut, der Autist ist nicht wütend auf jemanden. Sie ist Ausdruck der heillosen Überforderung.

      Mya wrote:

      Ich kenne dich zwar nicht, aber du und deine Geschichte berühren mich trotzdem irgendwie immer wieder. Es ist so schade und schlimm, was mit dir passiert ist, "nur" weil niemand erkannt hat, was mit dir los ist. Wollte ich einfach mal mitgeteilt haben, das ging mir schon öfter durch den Kopf, jetzt schreibe ich es einfach mal, auch wenn ich (mal wieder) nicht weiß, ob es "passend" ist.

      Danke :) Ich bin froh, dass ich hierhergefunden habe und endlich eine Erklärung für alles habe. Denn Angst hat es mir gemacht .
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Lefty wrote:

      Bei Dissoziation ist man aus sich herausgetreten, oder? Bei Shutdown in sich eingeschlossen.
      Hm. Das sind ja eher Zustandsbeschreibungen für eigenes inneres Erleben. Ist das dann maßgeblich für die Klassifizierung? Ich hätte gesagt, dass sich beides "in sich eingeschlossen sein" bzw. "aus sich herausgetreten sein" irgendwie gleich schrecklich und falsch anfühlt (man ist irgendwie "weg") und dass es deshalb beides gleich eingestuft würde.
      Mich wundert es einfach sehr, dass mir der Begriff "Shutdown" so in der psychiatrischen Literatur noch nie untergekommen ist. Das scheint kein wirklicher Fachausdruck zu sein. Ich wüsste gerne, wie man den Shutdown aus psychiatrischer Sicht nennt und einstuft. Also ob das wirklich etwas anderes ist als Dissoziationen.


      Rhianonn wrote:

      Eventuell liegt der Unterschied zu NTs, dass diese Reaktionen auf neurologischer Ebene ablaufen? Die "Wut" ist ja anfürsich keine richtige Wut, der Autist ist nicht wütend auf jemanden. Sie ist Ausdruck der heillosen Überforderung.
      Aber in beiden Fällen sind die Gefühlsausbrüche doch neurologischer Natur, oder?
      Ich bin sehr oft wütend auf andere Menschen oder Situationen oder mich selbst, wenn ich einen Meltdown habe. Z. B. bei der Situation im Zug, wo ich gegen das Mobiliar geschlagen habe. Da ist meine Anspannung immer stärker gestiegen wegen der Verspätung, die der Zug hatte. Ich fühle mich auch oft total hilflos, wenn der Zug einfach hält und minutenlang keine Durchsage kommt, was nun los ist. Ich laufe dann manchmal los und suche das Personal und hab auch schon an dem Abteil geklopft bzw. dort wo die sitzen, weil ich sonst Panik bekommen hätte. Bei mir haben diese Zustände immer mit etwas zu tun, was im außen passiert und was mich oft wütend macht.
      Überfordern tut es mich auch, z. B. wenn ich im Supermarkt bin und da vor lauter Auswahl nicht mehr kann und dann den Laden verlassen muss. Da fühle ich mich aber im Laden auch wütend auf mich selbst, weil ich das nicht hinbekomme.
    • Alle Angaben ohne Gewähr, da ich möglicherweise gar nicht autistisch bin, es kann also auch alles mögliche andere sein:

      FruchtigBunt wrote:

      (man ist irgendwie "weg")
      Ich bin eben nicht "weg". Ich bin voll da, bekomme alles mit, kann aber nicht mehr sprechen. Kopfschütteln und Nicken ist das einzige, was noch irgendwie geht (selbst das fällt schwer). Und "es" (was immer es ist), sieht von außen auch irgendwie anders aus, als "es" bei Menschen aussieht, die dissoziieren, haben mir jedenfalls mehrere Fachmenschen rückgemeldet.

      Vor einigen Jahren habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema Dissoziation beschäftigt. Ich weiß nicht, wie es aktuell ist, aber damals ging man davon aus, dass Dissoziationen in krankhaften Ausmaß immer mit Trauma/Traumafolgestörungen in Zusammenhang stehen. Es gibt aber auch sogenannte Alltagsdissoziationen (Tagträumen u.ä.), die gelten als normal (eben alltäglich). Ist ein ziemlich komplexes Thema, und bestimmt gibt es auch Leute, die im Shutdown nichts mehr mitbekommen. Wie man das wissenschaftlich exakt abgrenzt, weiß ich nicht. Es gab hier vor einiger Zeit mal einen Thread, bei dem es darum ging, was Overload-Meltdown-Shutdown eigentlich sind. Vielleicht findest du da mehr Antworten.

      The post was edited 1 time, last by Mya ().

    • @Mya

      Okay, danke. In dem anderen Thread standen glaub ich auch nicht so viele wissenschaftlich fundierte Dinge, sondern mehr Erfahrungsberichte.
      Vielleicht ist es bei mir dann eher eine Mischung zwischen traumabedingter Dissoziation und Meltdown, aber kein richtiger Shutdown.
      Oder Shutdowns bei Autisten äußern sich unterschiedlich.

      Hier gibst eine Liste, die sich "Shutdown-Dissoziationsskala" nennt und die vom Leibnitz-Institut stammt. Ich lese die gerade selbst. Vielleicht ergibt sich daraus irgendwas.

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    • Rhianonn wrote:

      Mya wrote:

      Das klingt mehr nach einem Shutdown.
      o ja, du hast Recht.

      Mya wrote:

      Das wurde bisher oft von Fachmenschen "bestaunt", aber keiner konnte es zuordnen. Die einen dachten, ich mache das absichtlich, wie ein trotziges Kind. Andere vermuteten, ich würde dissoziieren, aber das passte auch nicht so ganz, denn ich bin ja voll orientiert, bekomme alles mit, kann "nur" nicht mehr adäquat reagieren.
      Genauso ist das auch bei mir. Ich habe versucht es zu beschreiben : Als hätte ich den Kopf unter Wasser und strample und versuche an die Oberfläche zu kommen, doch es geht nicht - aber niemand außerhalb des Forums hat das verstanden.
      Manchmal bewundere ich Leute, die ihre Wut, die ihre Energie so rauslassen und rumtoben können, ich kann es einfach nicht.
      vor 2 Wochen hat ich so einen Shutdown vor der Richterin am Landessozialgericht,nur ist bei mir auch die Generalstaatsanwaltschaft zu meinem Autismus informiert , bzw ist mein Status ja der Grund für die Auseinandersetzung mit dem GSA.
      Wenn bei mir die Orientierung und die Sprache ganz weg ist, handelte es sich um einen psychogenen Anfall, der wie ein Epileptischer ist. Da ich schon beides hatte, bin ich sowas von froh endlich auch vom Facharzt in der Berliner Humbold Uni behandelt zu werden.
      Ohne meinen Freund und die (Wahl-)Familie wäre ich wohl böse gescheitert in dieser Welt, deren Logik nunmal nicht die meine ist.
      Und Aspie.de ist doch mmeine LOogik :thumbup:
    • Tomi Blum wrote:

      Wenn bei mir die Orientierung und die Sprache ganz weg ist, handelte es sich um einen psychogenen Anfall
      Das ist ja interessant. Hier ist das näher beschrieben. Allerdings soll in 90% der Fälle das Bewusstsein dann eingeschränkt sein.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • FruchtigBunt wrote:

      Ab wann ist es, wenn das Verhalten ein Autist zeigt, "krankhaft" (also im Sinne von "zu Autismus gehörend") und wann ist es einfach nur schlechtes Benehmen oder zu viel Stress? Wo liegt da die Grenze?
      Also von schlechtem Benehmen würde ich da in garkeinem Fall sprechen, egal wer welches Verhalten als Überreaktion zeigt. Wenn es wirklich ein fragwürdiges und negatives Verhalten ist, würde ich von falsch antrainierem Kompensieren sprechen. ZB gibt es ja Choleriker (oder wie schreibt man die?), die andere wegen kleinen Dingen anbrüllen und beschimpfen. Das ist sicher nicht richtig oder gut, es wird aber oft toleriert. Ich würde den Grund dafür als falsch anerzogen oder nicht aberzogen/nicht sesibilisiert bezeichnen.

      Krank würde es wohl dann werden wenn andere darunter leiden, aber hier ist das jetzt auch subjektiv weil wie gesagt manches toleriert wird und anderes nicht.
      Das ist bescheuert, meiner Meinung nach. Ich bin schon froh das es sich geändert hat, das Eltern ihre Kinder nicht mehr schlagen dürfen bzw es eine Straftat ist (seit 1999 oder so glaube ich) und ähnliche Dinge.
      Jemanden schlagen ist ja im grunde auch nichts anderes als eine emotionale Überreaktion auf Stress.
      Man könnte ja auch sagen das der der seine Frau schlägt, stressempfindlich ist oder sowas. Er hat jedenfalls ein Problem.
      Was idR zumutbar ist und was nicht, entscheiden meistens Gerichte individuell. Man könnte also sagen, das nach einfacher Logik, ein Mensch nicht erwarten kann das sein Kaffee morgens immer exakt gleich schmeckt oder gleich heiss ist, weshalb er dann wenn das mal abweicht auch nicht seine Frau schlagen darf, weil er das nicht aushält das es eine Abweichung dahin gab und diesen Fehler bei ihr dafür sucht.
      Man würde ihm, wenn er so eine geringe Stresstoleranz hat, eventuell eine Therapie aufzwingen in der er lernt mit diesen Dingen die ihn so ausrasten lassen umzugehen.
      Oder sie lernen ihre Aggressionen und den Stress anders abzuleiten, und nicht durch Gewalt.


      FruchtigBunt wrote:

      Wenn andere ('gesunde' bzw. ohne Diagnose) Leute ausrasten, dann machen sie das doch auch nicht mit Absicht und gewollt, oder? Denn dann würde als Unterscheidungskriterium "man kann nicht anders" schonmal wegfallen.
      Das ist richtig, die machen das natürlich nicht gewollt, nur scheinen die eine höhere Schwelle der Toleranz zu stressigen Situationen zu haben. Ich vermute aber das liegt einfach daran das ihnen die Dinge die für Autisten häufig beängstigend oder nicht bewältigbar sind, für Nichtautisten kein problem darstellen. Die wissen instinktiv wie man damit umgeht, haben auch kein Filterproblem, was Autisten scheinbar sehr oft haben (wenn auch nicht immer in den gleichen bereichen wie Lärm, Gerüche etc).
      Das sind ja oft Dinge die in deren Alltag normal sind und dafür sind sie auch gemacht, darum erscheint es ihnen fremd, wenn jemand anderes da Probleme hat.
      Sie denken man ist überempfindlich, weil die meisten garnicht wissen das es Krankheiten oder Störungen gibt die so ein verhalten hervorrufen.


      FruchtigBunt wrote:

      Was kann dann aber noch ein Kriterium sein, um Meltdowns von normalen Wutanfällen anderer Menschen zu unterscheiden?
      Oder ist es einfach die Intensität, die bei Autisten schlimmer ist? Wobei ich denke, es gibt auch z. B. straffällige Jugendliche, die oft auch eine extreme Wut in sich haben (da steckt ja auch oft eine Geschichte von Gewalterfahrungen dahinter), aber die haben ja auch keinen Autismus bzw. Meltdown. Oder würde man es bei denen auch Meltdown nennen, weil es krankhaft ist?
      Ich würde einfach mal davon ausgehen das Meltdown nur eine art "Szene-wort" für etwas ganz normales ist, eine emotionale Überreaktion, die wirklich jeden passieren kann.
      Ich würde sogar sagen das ein gewalttätiger Mensch der auf jemanden einschlägt oder tritt, so lange bis der andere tot ist, auch eine Überreaktion ist, das kann wirklich jedem passieren, nur passiert es bei manchen vielleicht schneller als andere weil die Gehemmtheit dafür nicht so present ist wie bei der Mehrheit der Menschen.
      (das ist jetzt bezogen auf die Stärke der Gewalt, nicht darauf wie oft oder warum jemand so ausrastet)

      Ich habe bislang auch noch nicht gehört das es gängig ist das Autisten bei Overloads andere Menschen anfallen und töten wollen.
      So eine Skrupellosigkeit sieht man ja eher bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen oder Betrunkenen. Hier weiß man scheinbar nicht wirklich woher das kommt. Vielleicht ist die Mischung aus zu viel Testosteron, schlechtem Umfeld, Alkohol und einer schlechten/gewaltvollen Erziehung schuld an sowas...
      Vielleicht ist die Sache auch durch genetische Faktoren beeinflussbar, so das selbst jemand der das oben genannte nicht erlebt, dennoch eine niedrigere Schwelle von Rücksicht zu anderen hat und darum so skrupellos sein kann.


      FruchtigBunt wrote:

      Seit ich in psychiatrischer Behandlung bin und die Diagnosen habe, muss ich sagen, dass ich die Meltdowns nicht mehr so stark versuche, zu verhindern. Da könnte man nun auch sagen, dass ich als Autist die Erkrankung nur nutze, um micih schlecht benehmen zu dürfen.
      Man könnte einem sowas vorwerfen, ja. ich habe das im englisch-sprachigen raum selber schon erlebt das man mich beschimpft hat, weil ich zugab wegen Autismus manche dinge falsch zu machen, weil ich es vorher nicht erkannte, und man mir dann sagte, das sowas logisch sei und ich Autismus als Ausrede benutzen würde.
      Meines Erachtens können die Leute überhaupt nicht verstehen was in einem passiert, und warum dann solche Fehler passieren.
      Bei den Meltdowns, würde ich eher sagen, das es eigentlich natürlich ist wenn man seine Emotion rauslassen muss, denn der Körper verlangt ja instinktiv danach, das ist also normal.
      Es sollte nur nicht so weit gehen das andere verletzt werden, oder man selbst.
      Da könnten dann zB Therapien helfen die einem beibringen die Agressionen oder Ängste anders auszuleben, denn angst oder wut haben ist normal und das soll man auch dürfen, egal wann oder wo.
      Ich finde die Menschen müssen von diesem Getue herunterkommen das sowas unerwünschtes beschämenswertes Verhalten ist.


      FruchtigBunt wrote:

      Wobei es früher aber auch so war, dass ich mich so stark zurückgezogen habe, dass es damals nicht ganz so häufig zu Konfliktsituationen kam wie in den letzten Jahren. Ich glaube, damals hatte ich ein extrem starkes Vermeidungsverhalten, das mir ziemlich viel Ärger erspart hat. Nun gehe ich teilweise (oder muss) in die Situationen reingehen und dann passieren diese Meltdowns öfters, weil ich komplett überfordert bin. Bei mir treten die Meltdowns fast nur auf, wenn Personen involviert sind. Also wenn es um etwas geht, wo ich von anderen abhängig bin. Es kann aber auch passieren, wenn mir irgendetwas nicht gelingt und ich dann so wütend werde deswegen, dass ich alles zerstöre (z. B. wenn ich beim Handwerken oder Handarbeiten etwas nicht so hinbekomme wie gewollt). Das hatte ich auch früher als Kind schon, dass ich da dann ausgerastet bin.
      Ja, genau diese Probleme habe ich auch. Heute habe ich zB eine Tür zugeschlagen weil mir eine Verpackung runtergefallen ist als sie mir aus der Hand flutschte beim versuch sie zu öffnen. Normalerweise regen mich solche Kleinigkeiten garnicht so auf. Aber in letzter Zeit bin ich wohl wegen dem Behördenkram einfach gestresster.
      Ja bei Personen und sozialer Interaktion wird sowas durchaus noch heftiger mit weinen und dann nicht mehr ansprechbar sein oder sowas.


      Rhianonn wrote:

      Die "Wut" ist ja anfürsich keine richtige Wut, der Autist ist nicht wütend auf jemanden. Sie ist Ausdruck der heillosen Überforderung.
      Naja im grunde ist man als Autist ja auch wütend auf etwas. Je nachdem was da passiert ist, ist man nicht unbedingt wütend auf den anderen sondern vielleicht auf sich, auf die tatsache das man es nicht schafft das so rüber zu bringen wie es ankommen soll oder der gegenüber nicht auf einen eingeht wie man es erwartet und nicht versteht wiso das passiert.
      Allein die Tatsache das ich was sage, der andere es nicht so kapiert wie ich es meine und mir was ganz anderes sagt oder sogar etwas vorwirft, kann einen schon überfordern und verwirren. Wenn man dann nicht NT-typisch noch nachbort warum der andere so reagiert oder das jetzt so sagt, eskalliert das ganze ggf und er wirft einem vor man sei dumm oder stellt gegenfragen wie, ob man denn naiv sei und man doch kein kleines Kind mehr sei etc.
      Oder eine andere Situation, man hat sich was zurecht gelegt, man geht zu jemandem hin und erklärt was man will, man hat als Info das man das auch bekommt weil so und so, und dann erzählt einem die Person was ganz anderes, und man kapiert jetzt nicht wiso, weil man es ganz anders recherchiert hat, und dann versucht man das zu arhumentieren warum das so nicht sein kann, aber die andere Person blockt ab, und dann weiß man garnicht mehr was man machen soll, weil es einen 1. total ärgert das das Gespräch nicht so verlief wie man das wollte und 2. nicht weiß wie man jetzt mit der unerwarteten Situation umgehen soll, was nicht nur wütend macht, sondern auch panisch.
    • FruchtigBunt wrote:

      Was soll denn eigentlich der Unterschied zwischen einem Shutdown (den es so außerhalb der ASS als Begriff meines Wissens nach nicht gibt) und einer Dissoziation sein? Für mich ist das das gleiche.


      Mya wrote:

      Andere vermuteten, ich würde dissoziieren, aber das passte auch nicht so ganz, denn ich bin ja voll orientiert, bekomme alles mit, kann "nur" nicht mehr adäquat reagieren.
      Ich würde eine Dissoziation nicht ausschließen. Bei Dissoziationen kann man auch voll orientiert sein und alles mitbekommen, aber es eben nicht mehr richtig verarbeiten bzw. nicht richtig drauf reagieren.Ich bin z. B. mehrmals bei einer meiner Therapeutinnen dissoziiert. Damals habe ich sie gehört (die Worte), aber ich war so vom Kopf und auch gefühlt vom Körper her 'weg', dass ich nicht mehr reagieren konnte und das auch nicht mehr richtig verstand, was sie mit ihren Worten sagen wollte. So als wäre ich in Panik oder kurz davor, in Ohnmacht zu fallen.

      Wie andere schon geschrieben haben, fühlt es sich bei einer Dissoziation so an als wäre man "weggetreten". Man ist quasi nicht mehr in der Situation - auch wenn zB nur mit dem "Hören".
      Bei einem Shutdown bekomme ich meist alles mit. Ich verstehe das und möchte auch reagieren. Ich kann während eines Shutdowns, wenn er sich zB nur auf Sprechen bezieht, alles andere ganz normal machen und auch über Schrift kommunizieren. Das schafft man bei einer Dissoziation nicht.
      Bei mir wurde gefragt, was ich gegen "Dissoziationen" (Shutdowns) mache und ich habe einige Uebungen genannt. Beide anwesenden Psychiater haben gelacht und "Nein" gesagt. Nach deren Wissen kann man während einer Dissoziation nicht denken.

      Ich bin bei einen Shutdown in die Klinik, weil es durch den weiter bestehenden Stress immer schlimmer wurde. Da habe ich den Notarzt gerufen, meine Tasche gepackt, mich fertig gemacht und habe mit den Ärzten bezüglich der Aufnahme gesprochen und allen wichtigen Leuten geschrieben. Ich war langsam und "etwas neben der Spur" (eben wie mit dem Kopf unter Wasser), aber habe das alles geschafft. Selbst der Psychiater dort hat die Diagnose Dissoziation angezweifelt, weil das könnte niemand in einer Dissoziation.
    • FruchtigBunt wrote:

      Ich hätte gesagt, dass sich beides "in sich eingeschlossen sein" bzw. "aus sich herausgetreten sein" irgendwie gleich schrecklich und falsch anfühlt (man ist irgendwie "weg") und dass es deshalb beides gleich eingestuft würde.

      Aber eine Depression und eine bipolare Störung können sich auch gleich schlimm anfühlen, man nennt sie trotzdem nicht gleich.



      Tomi Blum wrote:

      Wenn bei mir die Orientierung und die Sprache ganz weg ist, handelte es sich um einen psychogenen Anfall, der wie ein Epileptischer ist.
      Bei mir ist es genauso. Meine Hirnströme sind messbar langsamer, aber die typische Epilepsie - Spitze fehlt.
    • @FruchtigBunt
      schreibe später mal was sich so alles rausstellt, mein Neurologe hat gemeint herauszufinden wieviel in meiner Birne schon zermatscht ist. :-p ich seh das so locker , weil ich als 56 JährigeTeckno-Tunte immernoch mit meinem Aspergerhirn in Lage bin Teilzeitmässig Filme zu drehen., aber jetzt bin hundemüde,
    • RegenbogenWusli wrote:

      Naja im grunde ist man als Autist ja auch wütend auf etwas. Je nachdem was da passiert ist, ist man nicht unbedingt wütend auf den anderen sondern vielleicht auf sich, auf die tatsache das man es nicht schafft das so rüber zu bringen wie es ankommen soll oder der gegenüber nicht auf einen eingeht wie man es erwartet und nicht versteht wiso das passiert.
      Wenn ich wirklich wütend bin , also wütend wegen einer Sache , ich nehme mal ein Extrembeispiel: Ich sehe , jemand schlägt seinen Hund, das fühlt sich bei mir anders an als Meltdown oder Shutdown.
      letzere sind "heiße" Gefühle, alles verschwimmt und läuft ineinander über , ich kann nicht mehr richtig denken.

      Bei meinem Hundebeispiel, da überkommt mich so etwas wie eine "kalte Wut". Meine Gedanken arbeiten glasklar , das Adrenalin ist oben, ich werde rot im Gesicht.
      Aber ich kann sprechen, eingreifen ,
      und ich weiß auch von anderen, dass ich dann wirklich einschüchternd und bedrohlich wirken kann.

      Doch das eine ist ein "heißes" Gefühl und das andere ein "kaltes" , ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony: