Was waren die schlimmsten Sachen die ihr während eines Meltdown oder Overload gemacht habt?

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    • rowdy wrote:

      Oft bin ich im Bus kurz vor einem Overload, eigentlich schon fast Meltdown weil ich das Geräusch einfach nicht ertrage.

      Ich balle dann die Fäuste, schließe die Augen, zwicke und kratze mich. Manchmal kommen mir schon fast die Tränen weil ich das nicht aushalte. Musste schon paar mal ein paar Stationen früher deswegen aussteigen.
      Dank meiner NC Kopfhörer passiert mir das zum Glück nur noch sehr selten.


      Genau so ging es mir als Kind.
      Übersetzt: Kinder sammeln Stresschemikalien in der Schule an und reißen sich zusammen. (oben) Eltern erleben einen Meltdown des Kindes sobald es heim kommt. Der Lehrer sieht kein Problem. (unten)
    • MangoMambo wrote:

      rowdy wrote:

      Oft bin ich im Bus kurz vor einem Overload, eigentlich schon fast Meltdown weil ich das Geräusch einfach nicht ertrage.

      Ich balle dann die Fäuste, schließe die Augen, zwicke und kratze mich. Manchmal kommen mir schon fast die Tränen weil ich das nicht aushalte. Musste schon paar mal ein paar Stationen früher deswegen aussteigen.
      Dank meiner NC Kopfhörer passiert mir das zum Glück nur noch sehr selten.

      Genau so ging es mir als Kind.
      Übersetzt: Kinder sammeln Stresschemikalien in der Schule an und reißen sich zusammen. (oben) Eltern erleben einen Meltdown des Kindes sobald es heim kommt. Der Lehrer sieht kein Problem. (unten)
      whaaaat?

      Das erklärt gerade so viel... du hast mir gerade ein bisschen die Augen geöffnet 8o
      ADHS & Autismus.
      and I'm a Crossbreed
    • Shenya wrote:

      Es kann auch Anspannung sein, die sich angestaut hat und dann plötzlich bei einem kleinen Anlass "explodiert" (wie neulich, ich habe Tee verschüttet und bin wegen diesem nichtigen Anlass erstmal völlig ausgerastet, aber es war halt vorher schon eine chronische Anspannung da).
      Oder eine berechtigte oder unberechtigte Kritik, die jemand im falschen Moment anbringt (meistens dann, wenn ich selber schon weiß, dass ich grade was falsch mache, und dann noch jemand kommt, der mich darauf hinweist).
      Oder ein einzelner Reiz, der sehr störend ist.
      Oder das Missinterpretieren irgendwelcher Situationen, wo ich jemandem Absicht unterstelle (dass mich jemand absichtlich ärgern will, obwohl sich die Person gar nichts dabei gedacht hat).
      Oder zu viele/verwirrende Anforderungen auf einmal.
      Oder nicht Wissen, wie man reagieren soll und dadurch unter Druck kommen.

      Kennt ihr diese Anlässe auch, oder ist das eher untypisch?
      Ich kenne alle diese Anlässe auch und reagiere empfindlich.

      MangoMambo wrote:

      Bei einem Shutdown oder Meltdown hat man kaum Einfluss auf die Reaktion und erst recht zeigt man diese nicht mit Absicht um irgendwas erreichen zu wollen.
      stimmt.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Darlina wrote:

      Wie kommt man bei "fast auf Kollegen geworfene Mistgabeln" und Lehrerbeleidigung auf Autismus?
      Durch eine ausführliche Diagnosestellung?
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Jain...sehr jähzornige Menschn oder Alkoholiker haben auch kaum noch Kontrolle über sich.

      Und meine frühere Borderlinefreundin war auch oft plötzlich rasend ausser sich, wenn etwas nicht ging, wie sie wollte
      oder sie enttäuscht war.

      Ich denke, der Unterschied ist wirklich oft im Anlass zu finden, der es auslöst.
      Und dass man nichts Manipulatives damit bezweckt/bezwecken kann.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Linnea wrote:

      Und meine frühere Borderlinefreundin war auch oft plötzlich rasend ausser sich, wenn etwas nicht ging, wie sie wollte
      oder sie enttäuscht war.
      Genau. Etwas ging nicht so wie sie wollte. Sie war sauer. Wenn meine Routine zerstört wird, dann bin ich verzweifelt, dann weiß ich nicht mehr weiter und bin absolut überfordert und ich greife nicht einfach den vermeintlich Verantwortlichen an, sondern komme mit dieser emotionalen Reizüberflutung in mir nicht klar.
      Sie ist wütend und verleiht ihrer Wut Ausdruck kann diese nicht steuern und zügeln, aber sie kann noch denken. Sie kann lernen das zu kontrollieren.

      Linnea wrote:

      Ich denke, der Unterschied ist wirklich oft im Anlass zu finden, der es auslöst.
      Und dass man nichts Manipulatives damit bezweckt/bezwecken kann.
      genau das.
    • MangoMambo wrote:

      Genau. Etwas ging nicht so wie sie wollte. Sie war sauer. Wenn meine Routine zerstört wird, dann bin ich verzweifelt, dann weiß ich nicht mehr weiter und bin absolut überfordert und ich greife nicht einfach den vermeintlich Verantwortlichen an, sondern komme mit dieser emotionalen Reizüberflutung in mir nicht klar.
      Sie ist wütend und verleiht ihrer Wut Ausdruck kann diese nicht steuern und zügeln, aber sie kann noch denken. Sie kann lernen das zu kontrollieren.
      Yes.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Linnea wrote:

      Jain...sehr jähzornige Menschn oder Alkoholiker haben auch kaum noch Kontrolle über sich.
      Es gibt eben viele Krankheiten/Störungen, die für sowas verantwortlich sein können.
      Die Diagnosefindung ist ja nicht umsonst so aufwendig.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Shenya wrote:

      Aber passiert ist noch nichts, obwohl ich ein oder zwei Mal Angst hatte, ich hätte mir die Hand gebrochen.
      Also ich habs mal geschafft. Mittelhandbruch. Wand: 1, Eismensch: 0. Habs noch nichtmal gemerkt. Irgendwann war ich doch mal beim Arzt weil es gezwickt hat, da wars schon wieder zusammengewachsen.

      Grundsätzlich habe ich relativ selten Meltdowns, aber wenn, dann kanalisiert sich das im schlagen gegen Wände oder knallen von Türen, gleich, ob Auto- oder Zimmertüren. Dabei ging schon eine Scheibe zu Bruch und auf Arbeit musste ein Diensttelefon dran glauben. Begleitet wird das Ganze von einer Art tourette-ähnlicher Kanonade an relativ beleidigenden Schimpfwörtern. :oops:

      Der letzte Meltdown ließ sich für mich im Nachhinein gut nachvollziehen:

      Freitag, der 19.01.2018, Sturmtief "Friederike" bläst sich auf. Ich habe es soweit aus dem Haus und in die Straßenbahn geschafft, auch mein RE kommt pünktlich. Aber dann gings los.

      • Der Zug fährt nicht los. Die Bahn beschließt, den Verkehr in NRW einzustellen. Ich muss wieder aussteigen.
      • Ich rufe auf Arbeit an. Ich hasse telefonieren.
      • Ich schlage vor, einen Tag Urlaub zu nehmen, mein Chef besteht darauf, dass ich arbeiten komme, "es wäre sonst kaum einer da in der Abteilung", ich solle ein Taxi nehmen, die Kosten würden übernommen.
      • Ich suche einen Geldautomaten, die Fahrt kostet erfahrungsgemäß etwa 90,00€.
      • Ich suche mir ein Taxi. Die Fahrt durch den Sturm ist ein Alptraum.
      • Etwa einen Kilometer vor dem Ziel liegen Bäume auf der Straße, kein Durchkommen. Der Fahrer hat Angst weiterzufahren und schmeißt mich raus.
      • Ich laufe den Rest durch den Sturm. Ich komme kaum voran, meine Augen tränen, ich bekomme kaum Luft, dafür aber Steine und kleinere Äste gegen den Kopf.
      • Ich komme auf Arbeit an, mein Chef hat mich angelogen. Alle Kollegen sind da, dafür kein einziger Kunde (natürlich). Das ist der Moment, in dem "das Fass voll ist". Ich mache meinem Ärger verbal Luft.
      • Ich reiche meine Quittung ein, Chef unterschreibt. Ich gehe damit in das Kassenbüro, die Kollegin sieht mich nur an und fragt: "Was soll ichn damit?!"
      • Hier stelle man sich einen Atompilz vor.
      • Türen knallen, das Wort "Fotze" fällt (sehr, sehr laut, neben vielen anderen Wörtern) und die nächsten zehn Minuten verbringe ich damit, auf dem Mitarbeiterparkplatz Runden zu laufen.
      Geendet hat es damit, dass ich eine Ansprache vom Chef bekam* (glücklicherweise keine Abmahnung) und mich bei der Kollegin, die ich eigentlich mag, entschuldigt hab.


      *Er sagt zwar immer, er wisse ja um die Diagnose, aber was es bedeutet, ist ihm egal. Nützt mir dann auch nix. Er hatte vor dem Gespräch gefragt, ob ich mich wieder beruhigt habe, ich antwortete: "Nein, das dauert noch ein bisschen." Anstatt aber zu sagen: "Dann kommen Sie bitte ins Büro, nachdem Sie sich beruhigt haben" wollte er mich sofort sehen. Dann soll er nicht fragen. :m(:

      Die Frage war aber nach der "schlimmsten Sache".

      Geschlagen habe ich nur einmal jemanden, der mir auf einer Party ständig "auf den Zeiger" ging. Ich kannte den gar nicht, aber er hat mir dennoch absichtlich Türen vor der Nase zugeschlagen, mich ständig angerempelt etc. Irgendwann hat es mir gereicht, ich stellte ihn zur Rede, er schrie mich an, ich schlug zu. Unglücklicherweise hatte ich dabei ein Bierglas in der Hand. Danach hatte ich einen mentalen Zusammenbruch über mehrere Tage. Das Verfahren wurde gegen Zahlung von 500,00€ an eine gemeinnützige Organisation eingestellt. Das ist jetzt bestimmt 10 Jahre her, aber es beschäftigt mich immer noch. Seitdem sorge ich dafür, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt, seit der Diagnose ist das einfacher. Das war für alle Beteiligten eine ganz schreckliche Erfahrung und da hilft es auch nicht, dass der Verletzte für derlei Aktionen bekannt und berüchtigt war. Aber es erklärt vielleicht die milde Strafe. :oops:
      :m(:
    • MangoMambo wrote:

      Ich finde es wichtig Meltdowns von Wutausbrüchen und Shutdowns von Trotzreaktionen abzugrenzen.

      Ein Wutausbruch (tempertantrum) tritt auf, wenn man etwas möchte aber nicht bekommt z. B. das hat ein Ziel und eine Absicht. Ein Beispiel, das Kind was sich jedes Mal neben dem Süßigkeitenregal schreiend auf den Boden wirft. Das hört dann aber nach 5 min auch wieder auf. Wenn ein autistisches Kind einen Meltdown hat, dann evtl. nur weil es den Wind ums Haus gehört hat und das dann aber auch mal für 40 Minuten, schreiend und sich selbst verletzend.

      Wenn jemand beleidigte Leberwurst spielt(RW) ignoriert er manchmal alles um sich herum um eine Reaktion zu provozieren, hier auch wieder Absicht und Ziel. Bei einem Shutdown oder Meltdown hat man kaum Einfluss auf die Reaktion und erst recht zeigt man diese nicht mit Absicht um irgendwas erreichen zu wollen.
      Diese Situation hatte ich heute mit meinem Sohn. Mir fällt es echt schwer, festzustellen, ob er einen Meltdown hat oder nur einen Zweck verfolgt.

      Heute waren wir im Kino. 20 Min vor Filmende wollte er schon wissen, wie lange es denn noch dauert. 5 Minuten vor Filmende sind wir raus, weil er auf Klo musste.
      Im Auto war er schon schlecht gelaunt. Aber daheim ist er komplett ausgerastet! Hat uns angeschrien, in seinem Zimmer Möbel verschoben, Sachen geworfen. Er kam immer wieder wütend runter, hat geschimpft und geweint usw. bestimmt ne Stunde lang.
      Theoretisch passt es auch zum Meltdown, ABER er wollte eigentlich nur ein Spiel für die Switch runtergeladen haben.

      Also hat sein Verhalten ja einen Zweck verfolgt. Gewöhnlicher Wutanfall? Oder er wollte sich mit einem neuen Reiz vom "Kinoreiz" ablenken?

      Solche Situationen gibt es öfter. Ich merke, dass er nicht weiß wohin mit sich und seinen Gefühlen.
    • Eismensch wrote:

      Mittelhandbruch. Wand: 1, Eismensch: 0. Habs noch nichtmal gemerkt. Irgendwann war ich doch mal beim Arzt weil es gezwickt hat, da wars schon wieder zusammengewachsen.
      Autsch. Hat dir das denn nicht wehgetan? Bei mir war der Schmerz direkt nach dem Schlag extrem stark, weshalb ich dachte, es könnte was kaputtgegangen sein. Aber nach ein paar Minuten wurde es besser, also Entwarnung.

      Eismensch wrote:

      Begleitet wird das Ganze von einer Art tourette-ähnlicher Kanonade an relativ beleidigenden Schimpfwörtern.
      Haha, das kenne ich. Leider, es ist ja sehr peinlich.

      Eismensch wrote:

      Ich komme auf Arbeit an, mein Chef hat mich angelogen. Alle Kollegen sind da, dafür kein einziger Kunde (natürlich). Das ist der Moment, in dem "das Fass voll ist". Ich mache meinem Ärger verbal Luft.
      So ein A...
      Ein Ausrasten in der Situation kann ich gut verstehen. Wie kommt er dazu, wegen sowas zu lügen?
      Alles wird galaktisch gut.
    • Eva39 wrote:

      Heute waren wir im Kino. 20 Min vor Filmende wollte er schon wissen, wie lange es denn noch dauert. 5 Minuten vor Filmende sind wir raus, weil er auf Klo musste.
      Im Auto war er schon schlecht gelaunt. Aber daheim ist er komplett ausgerastet! Hat uns angeschrien, in seinem Zimmer Möbel verschoben, Sachen geworfen. Er kam immer wieder wütend runter, hat geschimpft und geweint usw. bestimmt ne Stunde lang.
      Theoretisch passt es auch zum Meltdown, ABER er wollte eigentlich nur ein Spiel für die Switch runtergeladen haben.
      Das Problem ist, dass sich das auch kombinieren kann. Die Länge spricht schon sehr für einen Meltdown. Für mich als Kind war es oft so, dass ich mich über anstrengende Reize hinweggetröstet habe mit Reizen, die ich mag. Z. B. Ich muss nur das Kino durchhalten zu Hause wird alles besser. Zu Hause kann ich mit der Switch spielen. Dann wird alles gut.
      Damit habe ich quasi schon einen Plan gefasst und wenn das dann nicht klappt, kommt zu dem vorhandenen Overload die Frustration, dass der Plan nicht aufgeht.

      Dann tritt der Meltdown zwar auf, weil er es nicht bekommt, aber nicht absichtlich mit dem Ziel oder der Intention, dass er es dann bekommt.

      Mein Tipp: In dem Moment nicht mit dem Kind diskutieren. Klare Ansagen machen - "Geh auf dein Zimmer. Setz dich hin. Komm zurück, wenn du dich beruhigt hast." Nach Möglichkeit, sobald man merkt, dass ein Overload vorliegt.
      Meine Mutter hatte das nach einigen Jahren ganz gut verstanden. Auch wenn ich keine Diagnose hatte in dem Alter. Wichtig ist, dass man sagt, was im Zimmer gemacht werden soll, sonst habe ich, laut ihrer Aussage, teilweise 2 Stunden in der Mitte vom Zimmer gestanden und habe nichts mit mir anzufangen gewusst.
    • Shenya wrote:

      Autsch. Hat dir das denn nicht wehgetan? Bei mir war der Schmerz direkt nach dem Schlag extrem stark, weshalb ich dachte, es könnte was kaputtgegangen sein. Aber nach ein paar Minuten wurde es besser, also Entwarnung.
      Das ist der Unterschied zwischen glattem Bruch und Prellung. Prellung tut wesentlich mehr weh.

      Shenya wrote:

      Wie kommt er dazu, wegen sowas zu lügen?
      Das wollte ich ihn an diesem Tag nicht noch fragen. :d
      Solche Gespräche blockt er grundsätzlich ab, weswegen ich beschlossen habe, für den Fall der Fälle einen SBA zu beantragen. Er weiß um die Diagnose, lässt aber nicht mit sich reden und etwas erklären. "Ich will ihre Geschichten nicht hören, Herr Eismensch!" Da machste nix. Mal sehen, wie der nächste ist. Irgendwann hab ich vielleicht mal Glück und es kommt einer mit mehr Verständnis. :nod:
      :m(:
    • Generell weiß ich, dass Gegenstände selbst an nichts Schuld sein können.
      Sie sind nur Mittel, deren Wesen sich durch die Bestimmung, "Programmierung" und Verwendung eines Menschen ergibt.
      Aus diesem Grund, schade ich so gut wie nie Gegenständen, wenn, dann aus Versehen.

      Das "Schlimmste", was bei einem Meltdown passierte, war, dass ich auf eine Mitschülerin einschlug.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)