Was kann man tun gegen Autismus? Übungen die man machen kann um sich zu helfen?

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    • Etlam schrieb:

      Naja ganz Typisch. Ich fühle nicht mit. Ich entwickle kein Interesse anderen Menschen zu helfen. Das liegt bei mir glaube ich an emotionaler und kognitiver Empathie.

      Als ich so in diesen traurigen und schmerzhaften Gefühlen hing, erlebte ich die Menschen wie hinter einen dicken Glaswand, die mal ein bisschen durchsichtiger war, aber auch manchmal wie Milchglas.
      Ich fühlte mich in mir entsetzlich, vieles wirkte schmerzhaft von außen auf mich ein, gerade das Unverständnis anderer, das mich nur mehr verzweifeln ließ - aber ich konnte nicht ZU anderen HIN fühlen.
      Freude fühlen ist jedoch das Ergebnis,- wieder - zu etwas hin fühlen zu können.

      Das war bei mir völlig blockiert, und so war ich wieder doppelt verzweifelt. Keine Freude, die ich in mir empfand, und diese "Unfähigkeit", mit der ich mich selbst verurteilte.

      Damals sagte mir jemand "Ist doch völlig klar, du hast in der Depression doch genug mit dir zu tun, da geht das doch einfach nicht. Wer unter Wasser ist und am ertrinken ist, kann kein Mitgefühl haben für andere Ertrinkende und schon gar nicht für die, die Schwimmen und dabei auch noch Spaß haben".

      Erst als ich mich langsam an die Oberfläche gearbeitet hatte, erkannte ich, dass ich vorher schon sehr lange "unter Wasser" war, es zwar manchmal Momente und später auch Phasen des "Luftschnappens" gab, aber die meiste vorherige Zeit, vor allem auch in der Kindheit und Jugend, "unter Wasser" war.

      Was ja auch kein Wunder ist bei all der Kritik und den Abwertungen, die mir ständig von irgendwem zu irgendwas "um die Ohren gehauen wurden". Bis ich mir diese dann begann irgendwann selbst als "Knüppel auf den Kopf zu hauen".
      Was dazu führte, dass ich nicht mal schätzen konnte, was bei mir noch da war.

      Was ich bei dir sehe ist Intelligenz. Die Fähigkeit zu logischen und auch unbequemen Schlussfolgerungen aus den dir vorliegenden Fakten. Einen großen Wortschatz. Mit diesem beschreiben zu können was ist und wie es für dich ist, in andere an- und berührenden und kraftvollen Sätzen, die mitdenken und mitfühlen lassen. Auch wenn du das jetzt natürlich nicht fühlen kannst.
      Genau beschreiben können, was in dir los ist, was du wie denkst. DAS alles ist etwas, was sich andere erst hart erarbeiten müssen, auch viele NTs.
      Ziehen einen diese Gefühle runter, ist dazu noch gefordert, das im realen Leben anderen das vermitteln zu wollen, kann man das alles nicht mehr anwenden. Das bedeutet aber nicht, das es "weg" ist, sondern das diese Gefühle es jetzt wegschließen. Wiederallein, ist alles wieder sichtbar.

      IN diesem, wie ich es heute nenne, "Zustand", schaut man nur auf die unangenehmen Fakten, und zieht daraus dann natürlich die unschönen logischen Schlüsse.
      Dazu kommt, man ist so gewohnt, hier wenigstens das kleine bisschen Erfolg mit der Logik zu haben, dass jeder andere Fakt, dem widerspricht, also das bisschen gefühlten "wenigstens hier noch Erfolg" wegnehmen würde.
      Da auf der andere Seite das innere Gefühl zu sich und der Welt so negativ ist, muss also gefühlt ein negatives Ergebnis herauskommen, klingt blöd, aber das fühlt sich dann "richtig" an.

      Du schreibst, du befürchtest, "das" würde als "Depression abgetan".
      Andererseits schreibst du, "WENN es eine wäre, dann könnte man es wegarbeiten".
      Und das Gefühl sagt "Weil sich das alles so schrecklichanfühlt, so als könne "das" nie weggehen, kann es keine Depression sein.

      Verstandeslogik und Gefühlslogik, die sich "unheilig" miteinander verbinden und dann sogar ausblenden, dass es vllt möglich sein könnte, da heraus zu kommen und mit dem, was wirklich bleibt, ein gutes Leben zu leben und auch zu fühlen.

      Du hattest nach Übungen gefragt - die erste ist, alle Fakten zu betrachten, auch wenn sie die gewohnten Denkmuster und Überzeugungen in Frage stellen.
      autismus-kultur.de/autismus/autismus-ursachen.html
      Wenn du selbst überprüfen willst, ob nicht vllt doch eine Depression vorliegt....mir haben diese zwei dabei geholfen zu erkennen, dass eine vorlag. Was ich erst nicht wahrhaben wollte....
      Matt Haig: "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben"
      Thomas Lindquist "Mein schwarzer Hund"n
      Wer nur über entgangene Chancen trauert, der verpasst das Leben.
    • HCS schrieb:

      Etlam schrieb:

      Ich würde mich sehr gerne behandeln lassen in der Hoffnung das ich meinen Autismus so sehr wie es geht weg bekommen kann.
      Ich denke, das ist der falsche Ansatz. Der Autismus ist nicht wegzukriegen, noch nicht mal ansatzweise - mit dem Ziel setzt Du Dich nur unter Druck, ohne es je erreichen zu können. Man kann nur versuchen zu lernen damit umzugehen, mehr kann eine Therapie nicht leisten.
      Therapieren kann man nun mal nur einen Teil der Symptome, nicht die Ursache. Ich denke, der wichtigste Schritt ist, das zu akzeptieren, sein Anderssein anzunehmen und nicht bekämpfen zu wollen. Die Grenzen der Therapiemöglichkeiten anzuerkennen hilft, sich auf das zu konzentrieren, was erreichbar ist, und keine Energie auf Unerreichbares zu verschwenden.
      Da kann ich mich voll anschließen. Ich denke, es sollte nicht darum gehen, den Autismus "wegzubekommen" (was bedeuten würde, dass Du als der Mensch, der Du jetzt bist, gar nicht mehr existierst). Sondern darum, einen Weg für sich selbst zu finden, sich zu entfalten und ein gutes Leben zu führen. Dazu gehört vermutlich auch, gewisse Grenzen anzuerkennen. Eine große Schwierigkeit sehe ich allerdings darin, zu erkennen, wo wirklich absolute Grenzen liegen, wo jetzt schon gute Wege möglich sind, und welche Ziele es gibt, die vielleicht aktuell nicht so einfach realisierbar sind, langfristig aber schon. Und dann Strategien für diese langfristigen Ziele zu finden. Die Grenzen liegen ja nicht nur in einem selbst, sondern auch in den äußeren Umständen. Und ein Teil dieser äußeren Umstände lässt sich kurz- oder langfristig verändern, ein anderer wiederum nicht. Manchmal ist auch das gar nicht so leicht voneinander zu differenzieren.

      Wenn man schon in einer komplexen, schwierigen Lebenssituation steckt, wird es noch komplizierter. Ohne Hilfe und ein unterstützendes Netzwerk kann es sehr, sehr schwierig werden, dann die eigene Situation zu verbessern. Zudem sind die individuellen Umstände bei Autisten oft so "speziell" (gerade, wenn schon viele Folgeschäden da sind), dass es auch schwer werden kann, passende Hilfe aufzutreiben. Therapie kann da meiner Ansicht nach oft bestenfalls begrenzt unterstützen, denn die Hilfe müsste ja viel weiter gehen. Einen zunächst einmal verstehen, mit einem dann erarbeiten, wie ein gangbarer Weg aussehen könnte. Und dann Strategien entwickeln, um diesen Weg umzusetzen. Das ist normalerweise nicht die Aufgabe von Therapie, und auch Coaching geht eigentlich meines Wissens nach nicht so weit.

      Etlam schrieb:

      Was soll es denn Gutes an Autismus geben?
      Für mich ist das einfach nur ein Ausdruck von hilflosen Therapeuten die bei hoffnungslosen Fällen versuchen Selbstwertgefühl zu installieren
      Autismus ist nicht Teil von mir. Genau wie nicht Blindheit teil des Blinden ist.
      Doch. Auch ein Blinder wäre ein anderer Mensch, sofern er nicht blind wäre. Sein gesamtes Leben, sein ganzes Sein ist davon geprägt. Ich denke, Autismus ist untrennbar Teil eines autistischen Menschen. Auch die Folgeschäden sind Teil von ihm, denn das gelebte Leben lässt sich nicht ausradieren, es wird einen immer prägen. Dennoch müssen sie nicht zwingend Schicksal sein, wenn man die richtige Unterstützung und den richtigen Weg für sich findet. Sicher ist es schwieriger als für andere, Freunde, einen Partner, einen passenden Beruf zu finden. Ein Leben, in dem man seine Stärken ausleben kann und nicht dauernd überfordert und erschöpft ist. Aber ich halte es schon prinzipiell für möglich. Ein isoliertes "Installieren" von Selbstwertgefühl bringt dazu meiner Meinung nach allerdings gar nichts. Es ist nicht nachhaltig.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @Etlam
      Ich glaube es ist hoffnungslos dir zu erklären, dass Autismus zumindest aus meiner Sicht keine Krankheit bzw keine Erkrankung ist, sondern das es eine, aus meiner Sicht, Andersartigkeit ist. Es hat nichts mit einem Ideologieversatz zu tun, wenn man der Ansicht ist, dass Autismus, zumindest aus meiner Sicht, eine Andersartigkeit ist und keine "Krankheit" oder eine "Erkrankung" - wobei "Erkrankung" falsch ist, da es erworben währe was aber nicht der Fall wäre - denn es ist eine Tatsache, dass es in der Tat keine Simsalabim-Wundermittel oder Wundertherapien oder ähnliches gibt, womit man Autismus komplett "heilen" könnte. Aber... bitte! Glaube weiter an das Märchen, dass Autismus "heilbar" wäre. Wenn tatsächlich eine Depression bei dir vorliegt, dann lasse sie behandeln, denn mit deiner momentanen Einstellung wirst du meiner Meinung nach nie auf einen grünen Zweig (RW) kommen.
      Nach einer wahren Odyssee...(RW)
    • Kraehe schrieb:

      Leonora schrieb:

      Ein isoliertes "Installieren" von Selbstwertgefühl bringt dazu meiner Meinung nach allerdings gar nichts. Es ist nicht nachhaltig.
      Nö, das ist dieser PositivDenkenTherapeutenBullshit...DasGlasIstHalbVoll und NichtHalbLeer...blablabla x(
      Genau, im Endeffekt führt das dazu, dass jetzt wieder zwei neue "Defizite" zu sich gedacht werden.
      "Was ist an mir falsch, dass es nicht wirkt" und "Wieso kann ich da nicht so, damit es wirkt".

      Selbstwertgefühl braucht ja etwas im Selbst, zu dem das Gefühl "wertvolle" da ist.

      Lehnt man aber alles oder vieles an sich oder in sich ab, oder sieht nicht den Wert, den auch das mit sich bringt, das an anderer Stelle dann Schwierigkeiten bereitet, klappt das nicht mit dem Selbstwertgefühl.
      Wer nur über entgangene Chancen trauert, der verpasst das Leben.
    • Etlam schrieb:

      Einige von Euch sind doch sicherlich in Behandlung oder mal in Behandlung gewesen wegen ihrer Erkrankung
      Was habt ihr in dieser Zeit an Übungen zur Verringerung eurer Defizite an die Hand bekommen?
      Oder was für Übungen habt ihr gemacht als ihr in Therapie wart?
      Es war oft rabenschwarz und düster.
      Denn es war meist so aussichtslos.
      Ich kam auch an dem Punkt, dass ich doch auch nur eine Nummer bin ("Patient#3A00F1D200") .
      Ich fand mich irgendwann selbst irgendwo naiv, dass ich ernsthaft daran glaubte "Herr Doktor, seit Urzeiten ist nichts im Lot... bringen Sie das in Ordnung!".
      Denn ich glaube, soweit man nicht kürzlich in ein Loch fiel, lässt sich oft nichts bahnbrechend ändern, schon gar nicht auf die Schnelle.
      Letztendlich war das Erfolgreiche und Effektive an der Psychotherapie, dass man mich überredet hat mir Internet anzuschaffen.
      Auch das brachte nicht mal eben die Wende, aber es war der Anfang vom Ende der Eiszeit.
      Denn zunehmend fühlte sich der Gedankenhorizont wieder.
      Plötzlich war es wieder so, dass der Tag mit seinen 24 Stunden viel zu kurz ist und ich chronisch nicht alles, was ich gerne machen würde, schaffe.

      Eine Art konkrete Anleitung ist schwierig.
      Man muss der Sache wohl auch sehr sehr viel Zeit geben.
      Aber so grob scheint mir eine Verbesserung der Lebensqualität möglich zu sein, wenn es einem gelingt seine Gedankenwelt wieder mehr mit Dingen zu füllen, die entzücken.
      Das exzessive Ausleben von sogenannten Spezialinteressen (SIs), das Interagieren mit kompatiblen Menschen, die Erwartungen an sich selbst reduzieren oder fast aufgeben (um dann weniger verkrampft daherzukommen und um dann umso mehr über mögliche Fortschritte und Erfolge erfreut zu sein) und vielleicht - soweit erwünscht - ergeben sich in so Kreisen auch tiefere Freundschaften oder gar eine Partnerschaft, die eine Lücke im Leben füllt.
      Ich glaube, dass ich selbst oft sehr sehr langsam war im Verstehen dieser Welt.
      Aber dort, wo ich eines Tages die Dinge wirklich verstand, dort war ich dann ganz zufrieden, wohl weil ich alles was man falsch machen kann schon in der Praxis falsch gemacht hatte. :d
      Ich hab beobachtet, beobachtet und beobachtet (→ menschliches Verhalten).
      Ich hab immer und immer wieder versucht Dinge zu verstehen.
      Ich hab irgendwann privat dieses AS auch komplett aufgegeben.
      Ich rede seit Jahren eher ungerne (privat) über AS und auch im Forum bin ich seit Jahren nicht mehr so viel im Hauptbereich.
      Ich schreibe heutzutage kaum noch Beiträge der "Kann ich nicht"-Kategorie.
      Die Verarbeitungphase, die Feinjustierung, die "Veredelung" der Diagnose kann viele Jahre andauern.

      Ich vermute, dass sich diese Zeilen so leicht dahingeschrieben lesen.
      Es ist schwierig, es kann ein langer Weg sein, aber es gibt durchaus immer wieder Leute, die sich nicht mehr vorstellen konnte, dass ihr Kopf eines Tages nicht mehr so hoffnungslos nach unten hängen wird.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read