Bist du unsensibel?

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    • Die Unterscheidung zwischen "kognitivem" und "emotionalem" Mitgefühl finde ich sehr interessant.
      Mein Mitgefühl wäre demnach eigentlich immer "kognitiver" Art... :roll: Echtes "Mit-Fühlen" im wahrsten Sinne des Wortes kommt bei mir nur ganz selten vor... und auch nur bei Personen, die mir sehr nahe stehen. Mich "kognitiv" in andere hineinzuversetzen, gelingt mir hingegen recht gut - besser als so manchen "NTs", die ich kenne... :roll: Behaupte ich zumindest mal. :oops:
      Aber das passt ja dann auch wieder dazu, wie ich Emotionen bei mir selber wahrnehme... Das gelingt auch wesentlich besser auf die "sachliche", analytische Art... :roll:

      wikihow wrote:

      Akzeptiere, dass es sich erzwungen anhören könnte, wenn du deinem Freund dein Beileid aussprichst. "Es tut mir leid, das zu hören...", aber wisse, dass es natürlicher wird, wenn du es durchziehst und immer wieder versuchst.
      Dann muss ich das wohl noch ziemlich oft üben... :roll: :oops:
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      Gorgonzola (sächsisch für: Gurkensalat)
    • Abendstern wrote:

      Mich "kognitiv" in andere hineinzuversetzen, gelingt mir hingegen recht gut - besser als so manchen "NTs", die ich kenne...
      Echt? Typischerweise sind Autisten doch eher schlecht darin...

      Ich habe teilweise schon ein starkes Mitgefühl, was leider teilweise auch mit einem übertriebenen oder unbegründeten Schuldgefühl verbunden ist :nerved:
    • seven_of_nine wrote:

      Abendstern wrote:

      Mich "kognitiv" in andere hineinzuversetzen, gelingt mir hingegen recht gut - besser als so manchen "NTs", die ich kenne...
      Echt? Typischerweise sind Autisten doch eher schlecht darin...
      Ist aber auch nachträglich erlernt bei mir... Als Kind konnte ich das überhaupt nicht. :oops:
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      Gorgonzola (sächsisch für: Gurkensalat)
    • Abendstern wrote:

      Ist aber auch nachträglich erlernt bei mir... Als Kind konnte ich das überhaupt nicht.
      Ich kann es in vielen/manchen/einigen (?) Fällen auch, aber so gut wie mein NT-Bruder werde ich darin nie sein...

      Ich habe z.B. bis jetzt nicht richtig verstanden, warum Leute mich dafür haten, dass ich in meiner Miniwohnung eine Spülmaschine habe (mir haben es schon Leute erklärt, aber es fällt mir immer noch schwer zu verstehen).
    • Beim 'emotionalen Mitfühlen' fänd ich eine Unterscheidung zwischen Mitleiden und Mitfühlen recht wichtig.


      Leider sind die Persönlichkeitsstörungen in dem Artikel nur angedeutet und vermitteln zum Teil auch ein falsches Bild. Finde ich nicht ganz so glücklich gelöst. Hier hätte ein kurzer Verweis genügt und der Artikel hätte noch mehr Platz geboten für die eigentliche Fragestellung.


      Die Frage ist ja auch nicht 'bist Du unsensibel?' sondern eher 'wirkst Du unsensibel?'. Oder eben 'kannst Du mit-fühlen?'.
      „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
      Rumi
    • seven_of_nine wrote:

      Ich habe teilweise schon ein starkes Mitgefühl, was leider teilweise auch mit einem übertriebenen oder unbegründeten Schuldgefühl verbunden ist
      Oder mit Projektion..von sich ausghend das Leid als noch stärker wahrnehmen/einordnen, als es ist, zum Beispiel.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Abendstern wrote:

      Mein Mitgefühl wäre demnach eigentlich immer "kognitiver" Art... Echtes "Mit-Fühlen" im wahrsten Sinne des Wortes kommt bei mir nur ganz selten vor... und auch nur bei Personen, die mir sehr nahe stehen. Mich "kognitiv" in andere hineinzuversetzen, gelingt mir hingegen recht gut - besser als so manchen "NTs", die ich kenne... Behaupte ich zumindest mal.
      Aber das passt ja dann auch wieder dazu, wie ich Emotionen bei mir selber wahrnehme... Das gelingt auch wesentlich besser auf die "sachliche", analytische Art...
      Dem schließe ich mich an, besser hätte ich es nicht formulieren können :)
    • Ginkgo wrote:

      Dem schließe ich mich an, besser hätte ich es nicht formulieren können
      Ja, es ist bei mir auch so.
      Mir wurde allerdings von einer Psychotherapeutin vorgeworfen, ich "würde alle Gefühle rationalisieren".
      Klang so, als wolle man sich drücken vor Gefühlen.

      Abendstern wrote:

      ist aber auch nachträglich erlernt bei mir... Als Kind konnte ich das überhaupt nicht.
      ich habe es mit Hilfe von Büchern und Filmen gelernt. :)

      Abendstern wrote:

      Die Unterscheidung zwischen "kognitivem" und "emotionalem" Mitgefühl finde ich sehr interessant.
      Sind die Handlungen, die daraus resultieren, nicht eigentlich wichtiger als dieser Unterschied?
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Rhianonn wrote:

      Sind die Handlungen, die daraus resultieren, nicht eigentlich wichtiger als dieser Unterschied?
      Ich weiß nicht, mir macht das teilweise schon zu schaffen, dass ich nicht richtig mit anderen "mitfühlen" kann.

      Ich versuche zwar so zu reagieren, wie es in einer Situation angebracht wäre (z.B. trösten oder einfach zuhören und ein betroffenes Gesicht machen), aber manche haben mir es doch angemerkt, dass ich nicht wirklich emotional involviert bin in dem Moment und haben dann darauf (negativ) reagiert :?
      Ich habe mich deswegen in manchen Situationen auch schon richtig schlecht gefühlt......musste mir auch mehr als einmal anhören, ich sei kalt und distanziert.

      Ich wurde von anderen aber auch schon als besonders empathisch und beruhigend (?) bezeichnet, weil ich in der Lage sei, zuzuhören und mich gut in die Perspektive eines anderen hineinzuversetzen (was ich allerdings auch bewusst erlernt und trainiert habe). Ich schätze, der Eindruck entsteht in erster Linie dadurch, dass ich anderen Leuten eher unvoreingenommen gegenübertrete und mich auch wirklich bemühe, die Sichtweise meines Gegenübers nachzuvollziehen (zumindest wenn mir etwas ihm liegt).

      In Empathie-Tests schneide ich trotzdem miserabel ab
      (sehr zur Belustigung meines Freundes, wenn ich das noch anmerken darf: Wenn ich irgendeine unpassende Bemerkung mache, heißt es jetzt immer "Pass auf, deine 16 Punkte zeigen sich schon wieder!")
    • Cloudactive wrote:

      kikilino wrote:

      Beim 'emotionalen Mitfühlen' fänd ich eine Unterscheidung zwischen Mitleiden und Mitfühlen recht wichtig.
      Fühlt man beim Mitleiden nicht auch mit?
      Ja, jedoch anders. Beim Mitleiden fällt man sozusagen in die Gefühle hinein, man bewertet das Leid als unaushaltbar und leidet daran, dass der andere es tragen muss. Man erträgt es nicht, zuzusehen und hat das Gefühl es ändern zu müssen (damit meine ich nicht den normalen Impuls zu helfen, jemanden zu retten). Das hat auch viel damit zu tun die Verantwortung des anderen zu übernehmen und ihm nicht zuzutrauen das Leid zu tragen. Das Gefühl ist stärker, irgendwie allumfassender und zwingender als beim Mitfühlen. Das Mitfühlen erlaubt eine eigene innere Stärke die man dem anderen zur Verfügung stellen kann. Wenn man mit fühlt kann man dem anderen in seinem Leid die Hand reichen und bei ihm bleiben, auch, wenn das Leid nicht verändert werden kann. Die Grenze zwischen 'ich und du' sind nicht vermischt. Hoffe, ich habe das halbwegs verständlich ausgedrückt?

      Das Mitfühlen erlaubt auch eher Handlungskompetenzen und vor allem das Daseinlassen der Gefühle des anderen. Dann kann man einfach sagen 'ja, das tut weh!' und dieses Anerkennen kann für den anderen sehr heilsam sein. Leidet man mit kann es passieren, dass die leidvollen Gefühle abgewehrt werden 'Du musst doch nicht weinen!'. Oder schon vor dem Anerkennen eine rationale Lösung gesucht wird. Ganz schlimm ist es oftmals, wenn man dem anderen erklärt, dass alles ja nicht so schlimm ist, er positiv denken soll oder andere Abwehrmechanismen auftreten um das Leid nicht zu spüren. Ausgenommen der Menschen, die das Spiel spielen 'ist das nicht schrecklich'...sie werden am Leiden festhalten und weder es durch spüren rausfließen lassen noch an Lösungen arbeiten.
      „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
      Rumi
    • kikilino wrote:

      Das Mitfühlen erlaubt auch eher Handlungskompetenzen und vor allem das Daseinlassen der Gefühle des anderen. Dann kann man einfach sagen 'ja, das tut weh!' und dieses Anerkennen kann für den anderen sehr heilsam sein. Leidet man mit kann es passieren, dass die leidvollen Gefühle abgewehrt werden 'Du musst doch nicht weinen!'. Oder schon vor dem Anerkennen eine rationale Lösung gesucht wird.
      Wow, OK, das erklärt einiges.
      Dann bin ich im Mitfühlen nicht so gut.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • ich bin extrem sensibel, aber nur auf mich bezogen.

      Mit mitgefühl hab ich ehrhebliche schwierigkeiten, nicht weil es garnicht vorhanden ist, aber wie man das vernünftig ausdrückt ohne sich total komisch zu fühlen weiss ich nicht. Und wenn man sich selbst schon total komisch fühlt dabei, hilft das auch nicht gerade soetwas glaubhaft rüberzubringen.



      seven_of_nine wrote:

      Ich habe z.B. bis jetzt nicht richtig verstanden, warum Leute mich dafür haten, dass ich in meiner Miniwohnung eine Spülmaschine habe (mir haben es schon Leute erklärt, aber es fällt mir immer noch schwer zu verstehen).
      bitte was? Was gibts daran zu verstehen? Die leute haben einen dachschaden...
    • Ich bin nicht besonders mitfühlend. Ich gähne, wenn andere gähnen oder empfinde Unbehagrn, wenn ich mit ne Doku mit Bilder ne Operation ansehe. Man könnte das sensorisches Mitgefühl nennen.

      Emotionales Mitgefühl ist bei mir allerdings etwas geringer ausgeprägt. Ich kann mich nicht direkt mit anderen freuen, auch wenn ich fröhliche Gesellschaft meist begrüße. Bei Trauer sieht meine Reaktion noch "schlimmer" aus. Ich erkenne meist, wenn Leute traurig sind und verhalte mich dann zurückhaltend und unterstützend, aber mit jemandem trauern geht nicht und die meisten traurigen Ablässe (Tod, Trennungen, Misserfolge) kann ich ohnehin schlecht nachvollziehen. Ich fühle mich dann wie ein Betrüger/deplatziert.
      Was ich hingegen habe ist ein sehr ausgeprägtes Gefühl von Angemessenheit/Gerechtigkeit. Wenn sich also jemand z.B. in Gegenwart eines Trauerenden nicht zurückhaltend und unterstützend verhält, dann regt mich das auf.
    • Habe mal den Satz gelesen, etwa sinngemäß "Empathie hört da auf, wo etwas nicht verstanden wird".
      Ich denke, das gilt für Autisten und Nichtautisten gleichermaßen.

      Bei Autisten gibt es aber noch den Unterschied zwischen Mitgefühl empfinden und Mitgefühl äußern, während Nichtautisten in der Regel ihr Mitgefühl auch problemlos äußern können.

      Dann noch den Aspekt, dass für Autisten der Umgang mit Gefühlen generell eher schwierig und belastend ist, deshalb viele Gefühle auch von vorn herein abgewehrt werden, darunter auch das Mitgefühl oder Mitleid, weil es tatsächlich schnell zum echten Mitleiden kommt, wenn man nicht aufpasst. Also lieber gar nichts an sich herankommen lassen.

      Ziemlich einig sind sich Forscher mittlerweile, dass es kein grundsätzliches Defizit bei der emotionalen Empathie gibt. Das ist lediglich ein altes Missverständnis aus früheren Zeiten.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ein anderer Grund für das Klischee des emotionslosen Autisten dürfte sein, dass Moralitäten an die Emotionen gebunden sind in sozialen Situationen erlernt werden müssen. Wenn man es nicht so mit dem Sozialen hat, hat man somit auch weniger Lerngelegenheit, was dann dazu führt, dass man sich sein eigenes System schafft oder andere Lernwege findet. Ich scherze z.B. manchmal, dass ich von WDR5 erzogen wurde.
    • Ich glaube es ist bei mir schon so das ich sensibel bin.
      Es hilft mir nur kein Stück weiter. Ich merke zwar das "etwas" ist aber...
      1. merke ich nicht was ist, ich kann es also nicht einordnen was los ist mit der Person
      2. weiß nicht wie ich mich dann verhalten soll. Es gibt dann zwar einen natürlichen Reflex zur Reaktion in mir aber es ist so als ob mein Hirn nicht auslesen könnte was ich tun soll

      Was mich selbst betrifft bin ich leider sehr sensibel. Ich bin super schnell gekränkt.

      super unsensibel bin ich wenn es um mich selbst geht. Ich merke Hunger und Durst nicht, ich spüre mich selbst kaum und nehme mich selbst auch nur sehr begrenzt wahr.


      Ich wünschte es gäbe da etwas womit man diese Fähigkeiten trainieren könnte
    • Cloudactive wrote:

      kikilino wrote:

      Das Mitfühlen erlaubt auch eher Handlungskompetenzen und vor allem das Daseinlassen der Gefühle des anderen. Dann kann man einfach sagen 'ja, das tut weh!' und dieses Anerkennen kann für den anderen sehr heilsam sein. Leidet man mit kann es passieren, dass die leidvollen Gefühle abgewehrt werden 'Du musst doch nicht weinen!'. Oder schon vor dem Anerkennen eine rationale Lösung gesucht wird.
      Wow, OK, das erklärt einiges.Dann bin ich im Mitfühlen nicht so gut.
      Hallo @Cloudactive,

      wie meinst Du das?
      Ich hoffe, dass Du mich jetzt nicht mißverstanden hast...ich sehe keinen Umkehrschluß, dass eine sachliche Lösungssuche immer davon zeugt, dass derjenige nicht mitfühlen kann. Es ist nur u. a. auch eine von vielen Abwehrmaßnahmen.

      @all: ich lese hier öfters, dass einige Aspis in emotionalen Situationen nicht wissen, was genau sie tun oder sagen sollen usw.
      Dazu fällt mir eine Geschichte aus der Schule ein. Der Vater einer Mitschülerin war verstorben und sie war sehr traurig darüber. Ich beobachtete, wie die anderen anfingen sie zu meiden und ich dachte bei mir, dass es ihnen vielleicht ähnlich ginge wie mir, denn ich wußte einfach nicht, wie ich ihr gut tun könnte. Als ich ihr das sagte reagierte sie ganz anders als erwartet. Sie bedankte sich bei mir und freute sich, dass ich mitlitt und es auch so schrecklich fand. Sie meinte, dass dieses gemieden werden ganz schlimm für sie sei und sie hatte Verstdändnis dafür, dass sich viele überfordert fühlten und hätte sich gewünscht, dass sie es einfach so äußern. Denn, natürlich fühlte sie sich auch überfordert mit dieser Trauer.

      Diese Geschichte hat mir gezeigt, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist, wenn man nicht die perfekten Worte oder Verhaltensweise kennt sondern, dass man einfach offen damit umgehen kann, wie man ist und was in einem ist. Vielleicht sind Sätze wie 'ich würde gerne mit Dir fühlen, aber ich kann das leider eher rational und bin da gerne für Dich da' oder 'ich weiß gar nicht was ich sagen soll würde aber so gerne etwas wohltuendes sagen oder tun für Dich' ganz hilfreich für beide Beteiligten?
      „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
      Rumi
    • kikilino wrote:

      wie meinst Du das?
      Ich hoffe, dass Du mich jetzt nicht mißverstanden hast...ich sehe keinen Umkehrschluß, dass eine sachliche Lösungssuche immer davon zeugt, dass derjenige nicht mitfühlen kann. Es ist nur u. a. auch eine von vielen Abwehrmaßnahmen.
      Also, ich bin halt so, dass ich nie tröste oder sowas, sondern eher nach Lösungen suche.
      Kann ich nicht so gut beschreiben, also ich weiß was richtig und falsch ist und will das richtige durchsetzen, aber "das Opfer" sozusagen, verliere ich dabei aus den Augen, habe ich vielleicht nicht einmal vor Augen.
      Ich kann nur ein "Schild" und "Speer" für den anderen sein, aber kein... weiß nicht, irgendwas, was "etwas mildert" oder sowas.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)