Warum sind Psychiatrien kontraproduktiv für autistische Menschen?

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    • Gluon wrote:

      Genau, im Notfall wird dann da eingewiesen in dessen Zuständigkeitsbereich der Klient fällt und wo es freie Plätze gibt, dass sind dann nicht unbedingt die Kliniken, in die man gehen würde, wenn man einen Aufenthalt gezielt planen kann.
      :thumbup:
      Im Notfall kann ich mir leider auch nicht aussuchen, wo mein Milzriss geflickt oder mein Herzinfarkt behandelt wird.
      Das ist nun mal ein Notfall. Dann muss ich meine Patientenverfügung dabei haben, aber selbst da kann ich nur grob etwas festhalten.

      Gluon wrote:

      Ja der Notfall kann daher kommen, das man einfach keine Hilfe bekommt, weil es z.B. lange Wartezeiten für gute Einrichtungen gibt oder sonstige andere Gründe sich auftun, es gibt Situationen, die auch mit Selbsfürsorge nicht änderbar sind.
      Wenn man länger als ein halbes, teilweise sogar ein ganzes Jahr auf kompetente ambulante Hilfe warten muss, weil man sich informiert hat und weiß, dass sie einem zusteht und dann Hausartzt und ambulante Notdienste erschöpft sind, dann kommt der Notfall.

      Surprised wrote:

      eine Blinddarm-OP braucht kann er sich ja aussuchen
      Wenn der erstmal ein Notfall ist mit geplatztem Blinddarm, dann auch nicht mehr.

      Gluon wrote:

      Mein Arzt sagte mir dann, er kann nur für das zuständige Krankenhaus im Kreis einen beschleunigten Termin veranlassen, woanders dürfe er das nicht.
      Richtig, das ist bei körperlichen Problemen oft sehr ähnlich.

      HCS wrote:

      bei meiner Schwester (NA) kam die "mittelschwere Depression" quasi aus dem Nichts
      Mir wurde auch schon erzählt, es soll vorkommen, dass Leute plötzlich morgens mit einer Depression aufwachen. Und grade auf ein Trauma, wie den Tod eines geliebten Menschen oder auch eine Trennung folgen oft suizidale Absichten.
    • Ich habe vor Kurzem eine interessante Homepage gefunden, auf der geraten wurde, wie man eine Klinik (Akutklinik, Rehaklinik) aussuchen könnte. Als Hinweis stand da, dass man sich doch mal die Bewertungen auf Klinikbewertungsportalen ansehen solle und der weitere Hinweis, dass dies natürlich keine abschließende Beurteilung zulässt, aber dass es schon Hinweise geben kann und man bei bestimmten Dingen stutzig werden sollte. Ich dachte mir so, was das denn für ein einfacher Trick sei und ich das sicher gemacht hätte (bisher habe ich aber immer nur die Homepages der Kliniken angeschaut) und wohl auch jeder machen wird und die Person sich den Hinweis hätte sparen können.

      Eher aus Langeweile bzw. Neugierde hab ich dann mal eine Klinik nachgeschaut, die ich mal auf meiner Liste wegen C-PTBS stehen hatten, da diese eine Traumastation haben. Ich hatte damals beim Lesen der Beschreibung zu PTBS auf der Homepage ein nicht so gutes Gefühl gehabt, weil nur wieder auf den Typ-1-Traumata herumgeritten wurde. Was ich dann über diese Klinik bei den Klinikbewertungen gelesen habe, hat mir fast die Schuhe ausgezogen. Man kann sagen was man will und es könnte viele Gründe geben, warum Menschen schlechte Klinikbewertungen abgeben, aber als ich das gelesen habe, habe ich mich wirklich gefragt, wo oben und unten ist. Es scheint wohl ganz extrem von der Leitung bzw. der Kultur einer Einrichtung abzuhängen, wie dort mit Menschen umgegangen wird. Das ist nun nur eine einzelne Klinik gewesen, aber was dort betrieben wird, klingt z. B. nicht nach Einzelfällen, sondern schwerwiegenden Menschenrechtsverstößen.

      Da dachte ich mir nur: Ein einziger solcher Fall dürfte schon nicht sein und so eine Klinik gehört zugemacht, aber es finden sich immer wieder auch ganz neue aktuelle Berichte, was dort abläuft. Und offenbar tut da keine Aufsichtsbehörde und niemand etwas dagegen und da werden reihenweise Patienten ganz übel re-traumatisiert. Solange das System nicht fähig ist, solche Vorfälle einzudämmen bzw. Einrichtungen zu schließen, bin ich froh, dass ich weiterhin sehr zurückhaltend damit bin, mich noch mal in ein solches System hineinzubegeben. Und die Vorsicht ist meiner Meinung nach auch angebracht. Das sind in der dortigen Klinik wirklich drastische Fälle, aber ich erlebte dieses "sich gegenseitig decken" und mauern und Schutzbefohlenen schaden häufiger auf diverse Art und Weise (mal subtil, mal total offensichtlich).

      Meiner eigenen Erfahrung nach passieren solche Dinge gehäuft in Einrichtungen, in denen ein Machtgefälle auf dem Papier besteht (Erzieher-Kinder die sich sprachlich noch nicht gut äußern können, Betreuer-geistig Behinderte, Ärzteinnen-psychisch Kranke). Denn da ist es von vornerein für denjenigen, der am unteren Ende des Machtgefälles steht, sehr schwer, Glauben geschenkt zu bekommen. Ganz schnell heißt es dann, dass der geistig Behinderte wohl nicht unterscheiden könne, ob dies oder das, oder dass der psychisch Kranke eben eine Macke hätte und nur lügt oder das kleine Kind sich das sicher nur ausgedacht hat.

      Ich bin nach wie vor an Literatur zu diesem sensiblen Bereichen interessiert, die ein ganz hohes Risiko in sich tragen, dass Macht missbraucht und Menschen geschadet wird. Ich will das nicht pauschal auf alle Einrichtungen beziehen, sondern würde mich gerne theoretisch damit beschäftigen, wieso genau solche Systeme, in denen eigentlich Menschen geschützt werden sollen, oft anfällig dafür sind, andere Schaden zuzufügen. Und wieso es wiederum schwierig ist, dann Gehör zu finden, wenn solche Dinge passieren. Ich würde das gerne sachlich-rational betrachten. Falls jemand anspruchsvolle Literatur bzw. Untersuchungen dazu kennt, würde ich mich über Hinweise sehr freuen.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • FruchtigBunt wrote:

      Ich will das nicht pauschal auf alle Einrichtungen beziehen, sondern würde mich gerne theoretisch damit beschäftigen, wieso genau solche Systeme, in denen eigentlich Menschen geschützt werden sollen, oft anfällig dafür sind, andere Schaden zuzufügen.
      Es liegt in der Natur des Menschen. Überall wo Menschen in privilegierten Positionen sind und im Unreinen mit sich selbst oder ihrer eigenen Lebensgeschichte sind, wird das schamlos ausgenutzt und es kommt zu Machtmissbrauch, damit die eigene Minderwertigkeit kompensiert werden kann. Der Mensch ist nun mal nach wie vor ein dummes Tier, auch wenn er sich oft einredet, dass das Gegenteil der Fall ist.
    • @MusicSexNature
      Ich verstehe aber nicht, wenn man das weiß, wieso es dann nicht doch möglich ist, so etwas zu verhindern. Wenn man also weiß, dass in Systemen, in denen ein Machtgefälle da ist und Menschen priviligiert sind, eine erhöhte Gefahr besteht, dass Schwächere zu Schaden kommen, wieso wird das nicht eingedämmt?

      Wieso ist es nicht so, dass am Ende doch vernünftige Menschen so etwas verhindern wollen? Das erschreckt mich am meisten. Dass eigentlich immer betont wird, wie schlimm so etwas ist, aber selbst wenn es dann darum geht, solche Sachen aufzudecken, geht es plötzlich nicht mehr voran. Dann zieht sich das selbst durch hohe Institutionen wie Behörden, Gerichte etc. So weit ich weiß, gibt es verschiedene Versuche, entsprechende gesetzliche Regelungen zu schaffen, aber es wehren sich immer wieder diverse Vertreter dagegen.

      Wieso wird nichts dagegen getan bzw. Vorsorgemaßnahmen getroffen, um diese anfälligen Bereiche eben so zu sichern, so dass die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass Menschen nicht zu Schaden kommen? Oft kommt dann so ein Argument, dass man das doch gar nicht bräuchte und so etwas auch nicht so oft vorkommt. Das sind dann meiner Meinung nach Argumente, die wieder sehr merkwürdig sind. Denn es ist doch eigentlich egal, wie oft das vorkommt, denn wenn man davon ausgeht, dass die Menschen in solchen Systemen vorwiegend korrekt handeln, dass dürfte es die doch überhaupt nicht stören, bestimmte Vorgaben zu bekommen bzw. überprüft zu werden. Denn diese Vorgaben dienen doch einer guten Sache, wieso sollte man die nicht wollen? Wieso wird sich so dagegen gesträubt und dann z. B. gesagt, man würde ja unter Generalverdacht gestellt werden etc.? Wenn es doch wirklich um den Schutz dieser Menschen ginge, die unabstreitbar einfach in einer Position sind, in denen sie schwächer sind, dann könnte man sich doch eigentlich freuen, wenn verhindert wird, dass Machtmissbraucht stattfinden kann bzw. dieser geahndet wird (auch wenn vielleicht nur in x Fällen jemand zu Schaden gekommen wäre). Es nimmt doch niemand Schaden dadurch, dass er sich angemessen verhält und andere Menschen achtet.

      Was ich am allerschlimmsten finde, ist, wenn man sich für diese Themen ernsthaft interessiert, dass man dann schnell in die gleiche Ecke gestellt wird und eigentlich einen ähnlichen Status bekommt, wie die Menschen, die in der untergeordneten Machtposition sind. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass es deshalb keine Wissenschaftler gibt (ich kenne keine), die über dieses Thema schreiben. Man scheint irgendwie ziemlich schnell sozial geächtet zu werden dafür, dass man anspricht, dass es diese Gefahr gibt. Denn die Gefahr besteht ja definitiv, aber immer kommen dann sofort die Aufschreie, dass das ja noch lange nicht heißen würde, dass.... Aber da kommt man ja wieder bei dem Punkt raus, dass das in diesem Fall doch egal ist. Wichtig wäre doch, dem Machtmissbrauch einfach einen Riegel vorzuschieben. Vorsorglich. Weil das allen dienen würde, außer denen, die die Macht weiter missbrauchen wollen. Es kann doch nicht sein, dass diese Leute am Ende bestimmen dürfen? Ich finde aber gerade keinen andere Erklärung, als dass die, die es verhindern wollen, an ihrem eigenen Machterhalt interessiert sind. Das wäre aber wiederum so offensichtlich schrecklich, dass das doch andere Menschen auch erkennen müssten und eindämmen müssten. Gut möglich, dass es andere Erklärungen gibt, deshalb würde ich mich da gerne in Form von wissenschaftlicher Literatur auseinandersetzen. Ich versuche mir das momentan, irgendwie selbst zu erklären. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, wenn ich eine Art Ethikunterricht in der Schule besucht hätte. Dann wüsste ich vielleicht jetzt besser, wie man an solche Fragestellungen herangeht. Oder ich hole mir doch nochmal das Buch über ethische Fragestellungen im praktischen Alltag aus der Bibliothek. Vielleicht steht da zu dem Thema etwas drin.


      musicsexnature wrote:

      Überall wo Menschen in privilegierten Positionen sind und im Unreinen mit sich selbst oder ihrer eigenen Lebensgeschichte sind, wird das schamlos ausgenutzt und es kommt zu Machtmissbrauch, damit die eigene Minderwertigkeit kompensiert werden kann.
      Ich würde es aus meiner Sicht etwas relativieren:

      FruchtigBunt wrote:

      Überall wo Menschen in privilegierten Positionen sind, besteht eine erhöhte Gefahr, dass das ausgenutzt wird und es zu Machtmissbrauch kommt. Und nicht selten erfolgt dieser Machtmissbrauch auch (in unterschiedlich starker Ausprägung).

      The post was edited 2 times, last by FruchtigBunt ().

    • FruchtigBunt wrote:

      Wieso wird nichts dagegen getan bzw. Vorsorgemaßnahmen getroffen, um diese anfälligen Bereiche eben so zu sichern
      So lange keiner der Mitarbeiter die Misstände gerichtsfest anprangert, wird es wohl keine Handhabe geben, überhaupt zu ermitteln.
      Ich schätze mal, dass 99% der Zwangseingewiesenen nicht einverstanden sind mit den (normlaen) Behandlungen - die fallen daher als objektive Zeugen aus.
      Bleiben nur die freiwillig rein Gegangenen und die werden dann vermutlich gut behandelt.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • FruchtigBunt wrote:

      Es gibt Systeme, die nicht unbedingt durch massive Verstöße gegen die Menschenrechtskonvention auffallen, sondern in denen sich Machtstrukturen und gegenseitiges Agieren viel subtiler abbilden.

      Was das angeht habe ich eine ähnliche Sichtweise und auch schon dementsprechend erschreckende Erlebnisse erzählt bekommen.

      Und bin letztendlich doch froh bisher ohne Psychiatrie überlebt zu haben.

      Ich weiss aber, dass für diverse Menschen die Psychiatrie mit allem, was sie mit sich bringt, ein wichtiger Ort ist, vorubergehend, dauerhaft oder wiederkehrend.
      Es hat halt jeder seinen eigenen Weg im Leben zurecht zu kommen.


      Garfield wrote:


      Ich schätze mal, dass 99% der Zwangseingewiesenen nicht einverstanden sind mit den (normlaen) Behandlungen - die fallen daher als objektive Zeugen aus.


      Ja, da ist was dran denke ich.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy

      The post was edited 1 time, last by ifi ().

    • @Garfield
      Bisher zeigen solche Vorfälle vermutlich tatsächlich meist die Geschädigten an und da fängt das Problem wieder an, dass denen nicht geglaubt wird, weil ihnen die geistigen Fähigkeiten oft schon dadurch abgesprochen werden, dass sie ein Insasse einer Psychiatrie sind. Ich glaube, da spielt nicht mal eine Rolle, ob man zwangseingewiesen wurde oder nicht. Ich wurde noch nie zwangseingewiesen, aber habe gemerkt, dass ich als Mensch auf der Seite der Patienten auch keine Chance hatte. Einfach aufgrund meines Status.

      In einem anderen Fall wurde mir sogar mal als Argument genannt, warum man mir nicht glauben bräuchte: "Sie werden ja nicht ohne Grund dort sein" (ich weiß den genauen Wortlaut nicht mehr).

      Mit dieser Einstellung kann diesen Menschen eigentlich alles angetan werden. Ich finde das einfach vom Prinzip her so schrecklich und bin der Meinung, dass man etwas tun müsste, um zu verhindern, dass so argumentiert wird bzw. so etwas überhaupt passieren kann.

      Deshalb verstehe ich einfach nicht, wieso man nicht alles daran setzt, dass in diesem Fall dafür gesorgt wird, dass es überhaupt Möglichkeiten gibt, dass Schwächeren geglaubt wird. Verlässliche Möglichkeiten, die außerhalb des betroffenen Systems stehen. Da hilft dann auch selten irgendeine Stelle innerhalb der Organisation.
      Ich wandte mich z. B. mal an eine Stelle innerhalb einer solchen Organisation, die angeblich für genau solche Dinge da war. Die Sache war relativ harmlos. Es ging darum, dass ein Therapeut sich nicht an das vorgegebene Prozedere hielt und mir eine Follow-Up-Untersuchung nach einem Klinikaufenthalt damit verunmöglichte. Darüber wollte ich mich beschweren (habe ich auch schriftlich gemacht), weil ich der Meinung war, dass es doch für das Qualitätsmanagement (so hieß diese Stelle auch) wichtig wäre zu erfahren, dass es eine Lücke in diesem System gibt und die Abläufe optimiert werden müssen. So wie es da geregelt war, war es nämlich so, dass Therapeuten, die Probleme mit Patienten hatten, diese einfach nicht zu einem abschließenden Gespräch einladen konnten und dann flossen diese Patienten (die vermutlich eher unzufrieden waren) nicht in die Qualitätsstatistik. Mir wurde weder auf meine Beschwerde geantwortet (nach mehreren Mails), noch wurde mir ein Termin von dieser Qualitätsmanagementstelle angeboten, die ja erkennen konnte, dass mir der Termin zu Unrecht versagt worden war. Da geht es nun nicht um Leben und Tod, aber ich wollte das als Beispiel nennen, dass es oft nichts bringt, wenn sich eine Organisation sich selbst kontrolliert.
    • Warum sollte man z.B. einem hochintelligenten Psychopathen die geistigen Fähigkeiten absprechen?
      Solche Menschen sind Meister im Manipulieren - allein deswegen wird man ihnen nicht glauben.
      Wenn es verlässliche Methoden gibt, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, dann kann man vorgehen.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • ifi wrote:

      Es hat halt jeder seinen eigenen Weg im Leben zurecht zu kommen.
      Ich denke, im Leben kommt man wesentlich besser zurecht, wenn gewährleistet ist bzw. alles dafür getan wird, dass keine Re-Traumatisierungen in Settings vorkommen, die eigentlich der Gesundung dienen sollten. Ich sage ja nicht, dass Menschen daran gehindert werden sollen, Psychiatrien zu besuchen, sondern bin einfach nur der Meinung, dass man sich bewusst sein sollte, dass an solchen Orten eine ziemlich hohe Gefahr besteht, dass man aufgrund der Machtstrukturen kränker aus solchen Orten herausgeht, als man hineingegangen ist.

      Na ja, vielleicht ist es auch einfach ein unlösbares Problem.
    • @Garfield
      Um bei deinem Beispiel zu bleiben: Aber was macht man, wenn der hochintelligente Psychopath in einer Klinik vom Personal misshandelt wird? Wenn man ihm aufgrund seines Psychopathenstatus niemals glaubt, ist diese Person eigentlich schutzlos allem dort ausgeliefert. Für mich ist das eine Art moralisch-ethisches Problem. Darf das sein? Man wird ja kaum sagen können, dass er Psychopath eben selbst daran schuld sei, ein Psychopath zu sein und er sich deswegen nicht wundern brauche, wenn man ihm nun nicht glaubt. Denn das Unrecht, was in diesem konstruierten Fall geschehen ist, bleibt ja trotzdem bestehen.
      Man könnte genausogut jemanden mit Schizophrenie hernehmen.
      Wie kann man gewährleisten, dass Menschen, denen die Glaubwürdigkeit abgesprochen wird (da wäre auch nochmal zu diskutieren, ob man Menschen einfach die Glaubwürdigkeit absprechen darf, weil sie Psychopathen, schizophren, geistig behindert oder erst 3 Jahre alt sind etc.), trotzdem geschützt sind? Das ist meine Frage dahinter. Wie geht das? Geht das überhaupt? Will man das überhaupt?
    • FruchtigBunt wrote:

      Für mich ist das eine Art moralisch-ethisches Problem.
      Für mich auch. Darum ist es auch so schwer zu lösen.
      Man muss die Gesellschaft an sich dazu bringen, humaner miteinander umzugehen. Stattdessen wird schon Kindern beigebracht, sich rücksichtslos gegen andere durchzusetzen und Macht auszuüben, um Ziele zu erreichen.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • HCS wrote:

      Happy to be wrote:

      Was psychische Probleme angeht, kommt der Notfall ja nicht so plötzlich aus dem "off", wie z. B. bei einem Schlaganfall.
      Seltener, aber durchaus möglich - bei meiner Schwester (NA) kam die "mittelschwere Depression" quasi aus dem Nichts - mittwochs saßen wir noch beinander, da war sie nur von der Arbeit etwas gestresster als sonst (sagt sie rückblickend immer noch), freitags dann der Zusammenbruch. Ergebnis: 7 Monate Krankschreibung. Gut, sie kam nicht in die Psychiatrie, aber ein akuter Notfall war es eben doch.
      Das ist das Fatale an Depression. Egal, wie depressiv, für ein paar Stunden lässt sich immer gegenüber anderen die Fassade aufrechterhalten.
      Als meine damals noch nicht diagnostiziert war, bzw vorher, als ich sie nicht wahrhaben wollte, und jeden, der mich auf etwas hinwies, abwehrte, sah ich für andere stark und leistungsfähig aus, und redete mir ein, das sei ich wirklich.
      Versuchte, das dann in die Zeit, in der ich mit mir allein bin, hinüber zu retten. Was nicht gelang, also neue Interaktionen, die mich in die Fassade zwangen. Welche aber immer mehr Anstrengungen erforderten.
      Zu Hause brach immer mehr zusammen. Aber wenn jemand angekündigt kam, sah es aus wie immer. In den Zimmern, die Besucher betreten. Und wer schaut schon in fremde Schränke?
      Dann musste ich mir eingestehen, dass ich depressiv bin. Zu viele Vorkenntnisse, das konnte ich vor mir nicht mehr schönreden. Also Therapie.
      Trotzdem, gegenüber anderen Menschen und auf der Arbeit gelang weiter, die Fassade zu halten. Ich war, oft für andere irritierend, perfekt. Die Therapie half sogar dabei, dieses ungeeignete Veraten mir gegenüber weiter durchzuziehen.
      Bis zu dem Tag, als von einem Moment auf den anderen nichts mehr ging. Zusammenbruch.

      Was mich im Nachhinein erschreckt hatte war, wie lange ich alle Anzeichen dafür vor mir selbst versteckt hatte, fest davon überzeugt war, ich doch nicht. Und trotz des Wissens einfach so weiter machte.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
      ted.com/talks/stephanie_busari…urce=facebook&language=de
    • Garfield wrote:

      Man muss die Gesellschaft an sich dazu bringen, humaner miteinander umzugehen.
      Sofern du mit "humaner" so etwas wie 'rücksichtsvoller' und 'wertschätzender' oder 'achtsam auf den einzelnen Menschen bezogen' meinst, stimme ich dir da auf jeden Fall zu.

      Ich frage mich, wie man das hinbekommen soll. Denn um nicht unterzugehen in diesem System, schlagen sich die meisten offenbar auf die Machtseite. Wir haben uns vermutlich schon so dran gewöhnt, dass es uns nicht auffällt und wir da selbst mitspielen. Wenn es aber dann um Bereiche geht, in denen Menschen aufgrund ihrer institutionellen "Rolle" oder aus anderen Gründen schwach sind, fällt einem erst so richtig auf, die krass gefährlich diese Art zu denken und zu leben ist. Und eigentlich muss man doch jedes System aus der Rolle der Schwächsten betrachten, um dessen Schwachstellen aufzudecken.

      Aber wenn man möchte, dass die Menschen humaner miteinander umgehen, sie das aber von selbst nicht tun, dürfte man sie ja auch nicht dazu zwingen, denn dann würde man ja selbst Gewalt anwenden. 8o Das ist ja schrecklich.
      Man müsste etwas tun, damit die Menschen von selbst humaner werden wollen. Vielleicht diese Art einfach selbst vorleben. Hm.
      Oder man muss sich wirklich eine Art Parallelgesellschaft schaffen. Denn ich selbst kann ja nicht ausschließen, dass ich auch einmal auf der Seite der Schwachen stehen werde und ich möchte nicht, dass dann so etwas mit mir geschieht. Ich denke, die meisten Menschen sagen sich, dass sie sicher niemals in der Psychiatrie landen werden und deshalb ist es ihnen egal, dass dort aufgrund der Machtverhältnisse ein erhebliches Risiko besteht, bei Verstößen kein Gehör zu bekommen.
      Allein die Maxime "was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu" müsste doch reichen, um zu überzeugen, dass man z. B. in einer Psychiatrie angemessen mit Patienten umgeht, denn man selbst will ja auch nicht, dass man dort re-traumatisiert würde, wenn man dort hinmüsste. Warum überzeugt das viele Menschen nicht (mehr)? :|
    • Die wenigsten können den Perspektivwechsel vollziehen, wie es wäre, so schwach zu sein.
      Bzw bilden sich ein, besser damit umgehen zu können, wenn es sie beträfe.
      Oder haben Angst, dass es ihnen passieren könnte, und wehren diesen Gedanken ab.
      Oder wollen nicht daran erinnert werden, wie es war, so schwach zu sein, wehren das ab - Schwäche anderer als Trigger.
      Manche treten gerne auf schwächere, weil sie sich dann einbilden, stärker zu sein als sie sind
      Manche genießen das - verdeckter bis offener Sadismus
      Und manche machen es einfach, weil sie es können und ihnen gerade danach ist. Ohne besondere Gefühle dabei. Die haben auch sonst keine.
      Die letzten drei Gruppen kann man nicht "überzeugen", die anderen bräuchten Therapie, um die Muster bei sich zu erkennen und überhaupt ändern zu wollen.
      Solange sie das nicht angehen, sind die Effekte auf andere die Gleichen.

      Mehr als selbst so zu leben und sich andere zu suchen, die auch so leben, geht nicht.

      Der Versuch, hier "Alltags-Küchentherapeutisch" oder "Belehrend" vorzugehen, geht immer nach hinten los.

      Gesellschaftlich ändert sich nur was, wenn immer mehr Menschen selbst konsequent so leben, und sich zusammentun.
      Spaß anderer bei dem, was die tun, zu beobachten ist "werbewirksamer" als Belehrungen und Anklagen.
      Nur wird dann angetestet, ob das auch unter Belastung gilt....und manche wollen das einfach kaputt machen. Was auch oft genug gelingt, also neu anfangen.

      Solange man jedoch bei denen mitmacht, die "unmenschlich" gegen andere denken und handeln und das um eigener Vorteile willen mitträgt und unterstützt, werden die "menschlichen" sich fernhalten/unsichtbar machen.
      Wissen, um wen es sich aus den oben genannten Gruppen handelt, können sie nicht. Therapie ist auch nicht ihre Aufgabe. Würde nur ihnen selbst schaden.
      Handelt man hier konsequent, beginnt man die anderen, die das auch tun, zu sehen.

      Nur das alles muss man erst mal einsehen, und "Belehrungen" mag man ja nicht zu dem, wo man -noch- nichts oder nie einsehen kann oder will. :d
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
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    • Happy to be wrote:

      Die wenigsten können den Perspektivwechsel vollziehen, wie es wäre, so schwach zu sein.
      Bzw bilden sich ein, besser damit umgehen zu können, wenn es sie beträfe.
      Oder haben Angst, dass es ihnen passieren könnte, und wehren diesen Gedanken ab.
      Oder wollen nicht daran erinnert werden, wie es war, so schwach zu sein, wehren das ab - Schwäche anderer als Trigger.
      Manche treten gerne auf schwächere, weil sie sich dann einbilden, stärker zu sein als sie sind
      Manche genießen das - verdeckter bis offener Sadismus
      Und manche machen es einfach, weil sie es können und ihnen gerade danach ist. Ohne besondere Gefühle dabei. Die haben auch sonst keine.
      Die letzten drei Gruppen kann man nicht "überzeugen", die anderen bräuchten Therapie, um die Muster bei sich zu erkennen und überhaupt ändern zu wollen.
      Solange sie das nicht angehen, sind die Effekte auf andere die Gleichen.

      Mehr als selbst so zu leben und sich andere zu suchen, die auch so leben, geht nicht.
      Ja. ...Zumindest fällt auch mir allmählich nichts mehr ein, um da gravierend Veränderung zu bewirken.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Garfield wrote:

      Ich schätze mal, dass 99% der Zwangseingewiesenen nicht einverstanden sind mit den (normlaen) Behandlungen - die fallen daher als objektive Zeugen aus.
      Ich denke es ist die Frage, wie in Psychiatrien einem aufgebrachten, verunsicherten, verängstigten, wütenden oder wie auch immer außerhalb-seines-Normalzustandes-seienden Patienten begegnet wird. Und jenachdem wird es - auch dem Zwangseingewiesenen - dann unterschiedlich gehen und er wird unterschiedlich "zufrieden" sein mit seiner Behandlung. Da spielen schon manchmal so scheinbar banale Sachen eine Rolle, z.B. Raucherregelungen. Langsam gibt es da eine höhere Sensibilität seitens der Mitarbeiter. Ein Konzept, das auch in Deutschland zunehmend mehr geschult wird ist Safewards. Leider gibt es dazu wenig Material, doch hier

      lohnt es sich mal 00:07-00:30 anzugucken. Da macht es einfach einen riesen Unterschied, ob da gleich das Fixierbett geholt wird oder (wofür der Film plädiert) erstmal versucht wird verbal zu deeskalieren. Ich denke wenn eine Pflegekraft zurückbrüllen würde (als die Patientin gegen den Tisch tritt) würde das ganz anders ausgehen als wenn sie sie ruhig anspricht, versucht abzulenken o.ä. Wenn die Pflegekraft zurückbrüllen würde, das dann wirklich eskalieren und mit einer Fixierung enden würde, stünde in der Doku, dass die Patientin aggressiv war. War sie ja auch. Nur ist eben die Frage, wie damit umgegangen wird. Und mächtiger ist in dem Moment wirklich der Pflegende, dem es zum einen besser geht und der zum anderen die Doku erstellt (und dem geglaubt wird).
      Ich glaube, dass auch Zwangeingewiesene Zeugen sein können.
      Surprised by the joy of life.
    • Ich habe mit Absicht diese ganzen Beiträge nicht gelesen, weil ich weiß, dass die neue Psychiatrie, also die der letzten 10 Jahre massiv besser geworden ist. Was früher dort passiert ist, ist für viele traumatisch gewesen. Genauso wie es in vielen Heimen, Orden und sonst wo massive Verstöße gegeben hat.

      Die neuen Psychiatrien arbeiten fachmännisch und auf dem neuesten Stand. Viele sind wohnlich eingerichtet und außerhalb der Akutstationen ruhige Orte, wo man wieder zu sich finden kann. Leider fehlt es aber auch dort noch an ausreichend Personal, um hilfreiche Kurse auch ohne ständigen Ausfall anbieten zu können.

      Ich würde trotz allem jedem raten in eine psychosomatische Klinik zu gehen, sofern Bedarf sein sollte und dafür aber rechtzeitig einen Antrag zu stellen, da die Wartezeiten natürlich sehr lang sein können.
      Die Privatkliniken gleichen wirklich Hotelbetrieben mit Wellnessbereich und dort kann man natürlich auch sehr auf den Patienten eingehen. Aber die wenigsten können sich die Zuzahlung für eine Privatstation leisten, was traurig ist.