Immer wieder belastende Konflikte mit ADHSlern

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    • Immer wieder belastende Konflikte mit ADHSlern

      Hallo liebe Forumsteilnehmer*innen,

      zum Thema Komorbitäten liest man ja oft, dass ADHS und Autismus miteinander verknüpft sein können. Mein Problem hat platt ausgesprochen die umgekehrte Logik - ich kann das Verhalten von ADSHlern oft nicht ertragen, und es belastet mich irrsinnig, dass ich in meinem privaten und beruflichen Umfeld gleich mehrere davon habe. Die Distanzlosigkeit, das Dominanz- und Konkurrenzverhalten, die "Sprechdurchfälle" und ständigen Diskussionen, die Konflikthaftigkeit und die Eskalationen - am Arbeitsplatz wie in der Familie bin ich diesen Spannungen immer wieder ausgesetzt und gehe kaputt daran. Es hat inzwischen zu richtigen Verstimmungen bei mir geführt, und ich überlege ernsthaft eine Langzeit-Krankschreibung, einen Jobwechsel und einen (zeitweiligen) Kontaktabbruch zur Verwandtschaft.

      Ich bin bislang selbst nicht diagnostiziert, habe nur selbst den Verdacht, mglw. eine milde Form von Asperger oder Hochsensibiltät zu haben. Aus diesem Grunde bin ich generell auf der Suche und an der Thematik interessiert.

      Aber diese Dauer-Mehrfachbelastung durch die Hyperaktiven und Maniacs in meinem Umfeld ist seit mehreren Jahren mein größtes Problem, und es führt dazu, dass ich ständig auf Lösungssuche bin. In meinem Arbeitsfeld komme ich andererseits mit Klienten, die leiche autistische Züge haben, oft besser zurecht als die Kolleg/innen.

      Mich würde nun interessieren, wie Menschen, die bereits eine Asperger-Diagnose und selbst kein ADHS haben, mit ADHSLern in ihrem Umfeld zurechtkommen. Ich würde auch gerne herausfinden, ob ich mit meinem Problem ein "Exot" bin, oder ob es eine häufiger vorkommende Konfliktkonstellation ist.

      LG
      Vielleicht sollte ich doch weniger Styropor essen

      The post was edited 1 time, last by GordonShumway ().

    • Ich sags mal so: Bewerbungsgespräche führen kannst du immer. Falls es also für dich interessante Stellen gibt, dann bewirb dich und schau, wie es läuft.

      Und zum Thema Verwandtschaft, ich habe nur zu meinen Eltern und meinem Bruder Kontakt, zu den ganzen Tanten, Cousins usw. nicht, weil ich mich nicht sonderlich gut mit ihnen verstehe. Wenn dir der Kontakt nichts bringt, dann reduzier ihn oder stell ihn ein.

      Das gilt alles unabhängig von ADHS-Diagnosen.

      Ich selbst habe kein Problem mit ADHSlern, habe aber auch selbst einige ADHS-Züge.

      The post was edited 1 time, last by seven_of_nine ().

    • Ich habe einen Fall von ADHS in der Familie und das kann sehr anstrengend sein, ist es mir aber wert, weil die Person großartig ist. Ich würde allerdings keine Freundschaft oder Bekanntschaft zu jemanden mit Aufmerksamkeitsdefizit aufbauen wollen, eben weil es so anstrengend ist. Das Wort- und Gedanken Chaos, was da verbreitet wird, das plötzliche Herumspringen zwischen Themen, Aktivitäten und Wünschen aber vor allem die verminderte Fähigkeit bei einem Thema, das jetzt Priorität hat, zu bleiben sind einfach das Gegenteil von meinem Bedürfnissen nach Ruhe, Konstanz, intensiver Beschäftigung mit einer Sache. Viel entscheidener ist jedoch: Wenn ich mal ein wichtiges Anliegen habe, wird das auch wahrgenommen werden oder geht das im GedankenWirrWarr unter? Nicht zuletzt fordert das chaotische Gerede deutlich mehr Aufmerksamkeit als die Person selbst in der Lage ist zu geben. Ich habe dabei das Gefühl gar nicht wahrgenommen zu werden während mir die Energie abgesaugt wird.
      Meine Beträge spiegeln meine aktuelle Meinung wieder, die ich mir auf Grundlage der vorliegenden Information höchstwahrscheinlich ohne referenzierende Prüfung der entsprechenden Fachliteratur gebildet habe. Es handelt sich dabei nicht um Tatsachen, den allgemein anerkannten Stand des Wissens oder Diagnosen. Die Meinung wird geäußert, wenn sie für mich die Wahrscheinlichste aller erdachten Thesen ist. Ich erkläre damit keine absolute Sicherheit der Aussage.

      The post was edited 1 time, last by Puk ().

    • @Puk: Das spricht mir sehr aus der Seele... insbesondere diese Formulierung, dass man nicht wahrgenommen wird, während einem die Energie abgesaugt wird. Bei mir ist es oft der letzte Rest an Energie, den ich eigentlich für mich selbst zurückhalten müsste. Dazu dieses erratische Aufmischen jeder Planbarkeit und entlastender Routine.
      Vielleicht sollte ich doch weniger Styropor essen
    • Puk wrote:

      Ich habe einen Fall von ADHS in der Familie und das kann sehr anstrengend sein, ist es mir aber wert, weil die Person großartig ist. Ich würde allerdings keine Freundschaft oder Bekanntschaft zu jemanden mit Aufmerksamkeitsdefizit aufbauen wollen, eben weil es so anstrengend ist. Das Wort- und Gedanken Chaos, was da verbreitet wird, das plötzliche Herumspringen zwischen Themen, Aktivitäten und Wünschen aber vor allem die verminderte Fähigkeit bei einem Thema, das jetzt Priorität hat zu bleiben sind einfach das Gegenteil von meinem Bedürfnissen nach Ruhe, Konstanz, intensiver Beschäftigung mit einer Sache. Viel entscheidener ist jedoch: Wenn ich mal ein wichtiges Anliegen habe, wird das auch wahrgenommen werden oder geht das im GedankenWirrWarr unter? Nicht zuletzt fordert das chaotische Gerede deutlich mehr Aufmerksamkeit als die Person selbst in der Lage ist zu geben. Ich habe dabei das Gefühl gar nicht wahrgenommen zu werden während mir die Energie abgesaugt wird.
      Eigentlich sind das doch die Gründe warum ASS und ADHS nicht zusammen diagnostiziert werden durften, oder!?

      Für mich, als zuerst mit ADS diagnostizierte, war das eigentlich immer logisch.

      Dann bekam mein Sohn ADHS und Asperger diagnostiziert. Meine ASS Diagnose bekam ich letzte Woche.
      Auch ich habe ein Bedürfnis nach Konstanz und Ruhe.

      Unruhe nervt mich auch arg, trotz ADHS.
    • Ich schätze da ist es wie mit Lärm. Als Lärm* empfindet man im Allgemeinen jene Geräusche, die man selbst nicht unter Kontrolle hat. Macht mein selbst jedoch diese Geräusche, empfindet man sie nicht als Lärm.

      *(Lautstärke hier mal ausgenommen, spielt natürlich auch eine große Rolle)

      Ich finde das zusammenfallen von ASS und ADHS auch sehr schwer verständlich aber scheinbar kommt es oft genug vor, darum versuche ich das schon seit einiger Zeit zu verstehen. Ich vermute dahinter eine Ungenauigkeit in den Diagnosekriterien also, dass die Personen beide PS erfüllen, weil sie nicht gut genug gegeneinander abgegrenzt sind bzw. sich der Psychiater gar nicht darüber im Klaren ist, was dem beobachtbaren Verhalten eigentlich zugrunde liegt. Er kann ja schwer in einen Kopf reingucken und sehen wie der Verstand verschaltet ist.
      Meine Beträge spiegeln meine aktuelle Meinung wieder, die ich mir auf Grundlage der vorliegenden Information höchstwahrscheinlich ohne referenzierende Prüfung der entsprechenden Fachliteratur gebildet habe. Es handelt sich dabei nicht um Tatsachen, den allgemein anerkannten Stand des Wissens oder Diagnosen. Die Meinung wird geäußert, wenn sie für mich die Wahrscheinlichste aller erdachten Thesen ist. Ich erkläre damit keine absolute Sicherheit der Aussage.

      The post was edited 1 time, last by Puk ().

    • Bei einem Freund von mir vermute ich ADHS, denn bei ihm konnte ich bisher Verhaltensweisen beobachten, die sehr typisch dafür sind. Es passt vieles davon ins "ADHS-Bild". Allerdings habe ich festgestellt, dass er sich ein wenig anders verhält (im positiven Sinne), wenn wir nur zu zweit sind. Wenn noch eine dritte oder mehr Personen dabei sind, machen sich die typischen Verhaltensweisen bei ihm deutlich bemerkbar. Vermutlich kann er sich bei einem Zweier-Treffen besser auf mich einstellen und ist daher in der Lage, sich mir gegenüber rücksichtsvoller zu verhalten.
    • Ich denke, damit könntest du recht haben! Mittlerweile bin ich mir meiner ADHS Diagnose unsicher.
      Ich bin ein unheimlicher Sicherheitsfanatiker. Ich breche ungern Regeln oder gar gesetzliche Vorschriften.
      Spontanität? Never.

      Es gibt ja auch tollen "Lärm", wie der eines startenden Flugzeuges ;)
    • @Eva: Ja, das ist schon eigenartig, dass Turbinenlärm Spaß machen kann (auch dieses harmonische Singen im Leerlauf, das Pfeifen, und das dunkle "Määhh" bei Startleistung) :d

      Zum Thema: Interessant finde ich auch, dass ein Vorgesetzter, der bei mir das o.g. Problem mit auslöst, sich selbst mal als autistisch bezeichnet hat. Unter den Kollegen glauben aber die meisten, er sei ein ADHSler, aber einige meinen auch, autistische Züge beobachtet zu haben.
      Vielleicht sollte ich doch weniger Styropor essen
    • Schön, dass das endlich jemand nachvollziehen kann :d
      Ich war übrigens letztes Jahr bei Airbus in Hamburg zur Werksführung. Sehr beeindruckend, so ein Turbinentest :lol:
      Mein Mann findet, ich hätte ein Mann werden sollen, mit meiner Affinität zu Flugzeugen und schnellen Autos :oops:
    • GordonShumway wrote:

      Ich würde auch gerne herausfinden, ob ich mit meinem Problem ein "Exot" bin, oder ob es eine häufiger vorkommende Konfliktkonstellation ist.
      Du bist kein Exot, ich kenne das auch und ich habe von anderen Aspies gehört die das ebenfalls berichten.
      Was nicht heissen soll dass alle ADHSler so sind wie beschrieben, und dass es grundsätzlich nicht möglich ist ein gutes Miteinander zu haben. Es ist individuell.

      Aber wenn die Leute stressig und laut werden und dann auch noch aggressiv dann geht es nicht. Ich musste aus der SHG jemanden entfernen deshalb. Aus einer anderen SHG bin ich vorher weggegangen weil dort rumgeschrien wurde und niemand etwas unternommen hat. Es war entsetzlich, ich kann es nicht vertragen und habe dann Magenschmerzen.

      Puk wrote:

      Nicht zuletzt fordert das chaotische Gerede deutlich mehr Aufmerksamkeit als die Person selbst in der Lage ist zu geben. Ich habe dabei das Gefühl gar nicht wahrgenommen zu werden während mir die Energie abgesaugt wird.
      Ja. Ist ja noch ok wenn die Person sich bremsen lässt sofern das respektvoll gemacht wird. Wenn dann aber Aggression dazukommt ist mir egal wie toll der Mensch ansonsten ist, das mache ich nicht mit. Kann ich nicht aushalten.
    • Ich hab neben AS noch ADS (also ADHS ohne Hyperaktivität) und frag mich jetzt grad, ob ich auch so ein "Energie-Sauger" bin. Ich mein, ich kann schon sehr sprunghaft sein, meine Konzentration ist miserabel und ja, ich hab auch oft Probleme, mich auf mein Gegenüber zu fokussieren, aber ich wusste nicht, dass ich anderen damit Energie absauge. Ich frag mich grad, ob ich dann in diesem Forum wirklich richtig bin. Ich will doch schliesslich niemanden schaden. Aber mit den ADHSlern komm ich auch nicht wirklich klar. Ach verdammt, ich gehör aber scheinbar nirgends so richtig dazu. :(
      "Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen."
      Erasmus von Rotterdam
    • Rusty Mike wrote:

      Ich mein, ich kann schon sehr sprunghaft sein, meine Konzentration ist miserabel und ja, ich hab auch oft Probleme, mich auf mein Gegenüber zu fokussieren, aber ich wusste nicht, dass ich anderen damit Energie absauge. Ich frag mich grad, ob ich dann in diesem Forum wirklich richtig bin. Ich will doch schliesslich niemanden schaden. Aber mit den ADHSlern komm ich auch nicht wirklich klar. Ach verdammt, ich gehör aber scheinbar nirgends so richtig dazu.
      Ich sage es mal so, Aspies berichten hier ja subjektiv über die Erfahrungen mit andern Störungsbildern, wie ADHS.
      Die Frage ist doch, ob nicht auch Aspies Angewohnheiten haben, die andere stören.
      Wenn beide etwas am anderen stört, ist es für mich sozusagen "Gleichstand".

      Und mir fallen einige Dinge ein, die andere an Aspies stören könnten.
      Es heißt nicht zufällig "Störung". :d

      Achja, und jeder hat in seinem Leben jemand anderes schon mal geschadet, das kann man nicht ganz vermeiden.
      Deshalb muss man sich nicht gleich in eine dunkle Kammer sperren.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Rusty Mike wrote:

      Ich frag mich grad, ob ich dann in diesem Forum wirklich richtig bin. Ich will doch schliesslich niemanden schaden. Aber mit den ADHSlern komm ich auch nicht wirklich klar. Ach verdammt, ich gehör aber scheinbar nirgends so richtig dazu.
      Ich habe extra geschrieben, dass es individuell ist. Wir unterhalten uns über bestimmte Muster die bei Menschen mit ADHS vorkommen können.
      Die Intensität und der Umgang damit ist entscheidend. Und diese Dinge sind eben individuell.
      Es gibt nervige blöde Menschen mit AS, mit ADHS oder ohne, sowie es auch angenehme Zeitgenossen mit oder ohne all diese Diagnosen gibt.
      Ich denke dass Du hier richtig bist und dazugehörst :) Jedenfalls empfinde ich Deine Anwesenheit als sehr angenehm.

      Grübler_1988 wrote:

      "Kennst du einen Aspie, dann kennst du nur den Einen!"

      "Kennst du einen ADSler/ADHSler, dann kennst du nur den Einen!"
      Ja, genau so.

      Cloudactive wrote:

      Achja, und jeder hat in seinem Leben jemand anderes schon mal geschadet, das kann man nicht ganz vermeiden.
      Ja.
      Jeder nervt auch mal.

      The post was edited 1 time, last by Kraehe ().

    • Das Interessante an dieser Diskussion ist ja das Paradoxe - vordergründig wie Feuer und Wasser, im Inneren aber auf eine vertrackte Weise miteinander verknüpft.

      Obwohl ich ADHSler kaum aushalte, bringen diese mir übrigens mitunter eine eigenartige "Liebe" entgegen ... und kommen mir regelrecht hinterher, als ob ich einen Peilsender trage. Aber genau das macht es für mich noch schwerer....
      Vielleicht sollte ich doch weniger Styropor essen