Ritalin bei Asperger?

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    • Ritalin bei Asperger?

      Hallo,

      sorry, falls es hier schon einen Thread dazu gibt. Man möge mich bitte auf diesen verweisen, sollte dem so sein.

      Auf jeden Fall ist mein Leben aktuell nicht mehr zum Aushalten. Die Reizüberflutung wird immer unerträglicher, die Gespräche mit Menschen, die ganzen Eindrücke.

      Wenn das nicht besser wird, muss ich echt EU-Rente beantragen.

      Ich habe mal gelesen, dass Ritalin unter Umständen auch bei den genannten Symptomen bei Asperger helfen kann.

      Hat da jemand hier Erfahrungen mit? Lohnt sich der Versuch?

      Dann würde ich das noch probieren, bevor ich völlig aufgebe.

      LG
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • Ein Versuch ist es immer wert, vor allem wenn es um Reize geht, da bietet es sich geradezu an, ADHS-Medikamente zu probieren.
      Bei mir hat es jedenfalls die Welt "verlangsamt" und ich konnte länger draußen bleiben.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Wie heißt es so schön: Versuch macht kluch!

      Du brauchst einen verschreibungswilligen Arzt/Ärztin. Die MPH-Medikamente sind ja Aufputsch-Mittel und somit verschreibungspflichtig und fallen vor allem unters Betäubungsmittelgesetz(BTM).
      Da man die Rezepte auf bestimmte Formulare schreiben muss inkl. genauer Dosis, machen es viele "normale" Ärzte, auch Psychiater, nicht gerne.

      Hast du sowas schon mal genommen?
      Vor dem ersten Mal sollten nämlich immer Leberwerte, Nierenwerte, Schilddrüsenhormone überprüft werden und zusätzlich ein EKG gemacht werden. Manche machen auch ein EEG. Also viel Aufwand, wäre aber seriös, da es ja auch "Neben" wirkungen geben kann, die nicht so toll sind.

      Ich wünsche dir viel Erfolg. Meinem jüngeren Sohn hat das MPH (Methylphenidat) sehr gut geholfen. Er ist Aspie +ADHSler.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Capricorn wrote:

      Du brauchst einen verschreibungswilligen Arzt/Ärztin. Die MPH-Medikamente sind ja Aufputsch-Mittel und somit verschreibungspflichtig und fallen vor allem unters Betäubungsmittelgesetz(BTM).
      Und wenn man sie mit ins Ausland nehmen will, braucht man eine Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln. :d
      Ja, die hatte ich. :d


      Capricorn wrote:

      da es ja auch "Neben" wirkungen geben kann, die nicht so toll sind.
      Ich wollte nicht Angst machen, aber das ist richtig.
      Deswegen kann ich sie z.B. nicht mehr nehmen.
      Man wird eigentlich "von Amts wegen" vom Arzt körperlich durchgecheckt mit EKG, Blutuntersuchung etc.
      War bei mir unauffällig, aber ich habe eine Medikamentenphobie entwickelt.
      (Aber eigentlich erst durch ein AD, was eine Panikstörung ausgelöst hat.)
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Okay, danke euch erstmal! Klingt ja schon nach einem Prozess, den man da durchläuft. Mal sehen. Ich habe gelesen, dass man es auch mit Bupropion probieren kann. Vielleicht ist das weniger hart. Hat da auch jemand Erfahrungen?
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle

      The post was edited 1 time, last by seinn ().

    • Opipramol wäre auch eine Überlegung wert. Das ist meines Wissens sanfter wie viele andere Psychopharmaka was Absetzsymtomatik und Nebenwirkungen angeht. Aber ich bin kein Arzt.

      Du solltest diesbezüglich sowieso mit einem Arzt reden und dir nicht vorher ein Medikament aussuchen. Wenn du dir nicht Sicher bist oder dich bei deinem jetzigem Arzt unverstanden fühlst, dann ist ein einholen mehrerer Meinungen Sinnvoll.
      "Wahrer Reichtum ist nur der innere Reichtum der Seele,
      Alles übrige bringt Ungemach mehr als Gewinn."
      (Lucian in Anthol. I, 67.)
    • Mein Sohn hat ja eine ADS- Diagnose ( die in meinen Augen nicht passt, aber das müssen wir jetzt erstmal so stehen lassen) und nimmt auf eigenen Wunsch Medikinet. Seine Klasse ist sehr laut - für ihn ist das wirklich schlimm.
      Das Medikinet macht ihn ruhiger - sonst machen ihn so viele Geräusche nervös und er fängt an zu schaukeln... Es hilft ihm auch sich länger anstrengen zu wollen.
      Früher hat er einfach abgeschaltet (deshalb zweifle ich auch an der ADS-Diagnose: Er wird nicht abgelenkt von den Geräuschen, will auch gar nicht seinen Klassenkameraden zuhören, ist nur total genervt und agressiv bzw. zieht sich irgendwann komplett in sich zurück)
      Mit dem Medikinet ist es immer noch schwer, den Lehrer herauszufiltern. Aber er hält länger durch.
      In den Pausen würde er sich am liebsten zum Schlafen zurückziehen - geht aber nicht ohne Diagnose... die letzten Schulstunden sind schwierig - trotz Retardmedikament. Dann ist die Energie einfach weg...

      Mein Sohn nimmt das Zeug nur vor der Schule - zu Hause hat er nämlich weder Konzentrationprobleme noch ist er zappelig...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...

      The post was edited 1 time, last by Ellewoods2017 ().

    • Hm... ja, ich werde sowieso mit meiner Ärztin sprechen. Mal schauen, was sie sagt. Ich informiere nur immer schon gerne vorher. Eigentlich gibt es keine Ärzte, denen ich vertraue.
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    • Ja, das kann ja immer sein.

      Hast du einen anderen Weg gefunden, mit den Problemen zurecht zu kommen, z.B. ein anderes Medikament?

      Ich überlege, ob ich es mal mit Homöopathie probiere, auch wenn ich nicht so recht daran glaube. Bisher habe ich bei Globuli eher vom Placebo-Effekt profitiert. Auch hilft mir Koffein gerade ganz gut, aber da gibt es ja auch einen Gewöhnungseffekt.

      Ich wäre einfach gerne arbeitsfähig UND hätte gerne was vom Leben.

      Hinzu kommt, dass ich gerade auch noch relativ stark unter Druck stehe. Mein Nachteilsausgleich ist bewilligt worden, aber das Verständnis ist aufgrund meiner Intelligenz/guten Leistungen nicht so hoch.
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    • seinn wrote:

      Ich habe gelesen, dass man es auch mit Bupropion probieren kann. Vielleicht ist das weniger hart. Hat da auch jemand Erfahrungen?
      Ich habe es etwa ein halbes Jahr gegen Depressionen genommen und hatte keine Nebenwirkungen, allerdings ließ die Wirkung dann irgendwann nach. Hatte damit weniger Stimmungsschwankungen, mehr Antrieb, ohne mich innerlich getrieben zu fühlen und auch das Gefühl etwas geordneter denken zu können. Gegen die Reizüberflutung oder die sozialen Probleme hat es allerdings, wie zu erwarten, nicht geholfen. Da aber jeder Mensch anders reagiert, musst du es wohl oder übel probieren, um abzuschätzen ob es dir hilft. Das ist auf jeden Fall noch einfacher auf Rezept zu bekommen, als Ritalin und Co.

      Grundsätzlich ist es aber auch schwierig die Reizoffenheit mit (sedierenden) Medikamenten einzudämmen, weil man sich eben daran gewöhnt und ohne dann nur noch empfindlicher reagiert. Ich nehme allerdings seit einiger Zeit Tianeptin in kleiner Dosis und habe insgesamt das Gefühl mehr an Reizen aushalten zu können, als wäre ich nach außen etwas abgeschirmter und resistenter. Das ist aber nur mein persönliches Empfinden, im Bezug auf Tianeptin und Autismus gibt es leider keine fachlichen Informationen.
    • Ich nehme Elontril (Buprobion) und Medikinet (Ritalin)

      Mit meiner ADHS Diagnose verträgt sich das ganz gut. Wobei ich das Medikinet nur auf bedarf nehme

      EDIT: Auf die Reizüberflutung hilft das Elontril tatsächlich ein wenig
      ADHS & Autismus.
      and I'm an eurasian Crossbreed

      Dummheit ist nicht "Nicht Wissen" oder "Nicht Wissen Wollen", Dummheit ist "Glauben genug zu Wissen"
    • Erstmal dank für die Tipps! Ich habe jetzt im Februar einen Termin bekommen und werde die Ideen dann mal mit meinem Arzt besprechen.
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    • Sind die nicht super Streng mit MPH und Co? Sowas wie Amphetamin ist hier ja komplett Verboten, glaube ich, außerhalb der EU soll man dass wohl schon bekommen wenn man 2x hustet,nur so als Vergleich.

      Also ich glaube nicht dass man das einfach vom Arzt bekommt, wenn man danach fragt. Denke eher dass man sich da erstmal durch 100 andere Medikamente testen muss bevor es überhaupt in Frage kommt. Mit ADHS ist das ja was anderes.
    • Medikamente werden im psychiatrischen Bereich schon mehr nach den Symptomen und der erhofften Wirkung verschrieben, nicht stur nach der gestellten Diagnose wie es sich die Krankenkassen vorstellen. Deshalb bekommen inzwischen auch Depressive mal Antipsychotika und Schizophrene Antidepressiva, man muss halt die entsprechende Diagnose dazu notieren.
      Verschreibt man sie außerhalb der zugelassenen Diagnose (bei Methylphenidat also ADHS) dann ist das "off label". Ist nicht verboten aber man läd die Haftung vom Hersteller auf sich und muss deshalb mit dem Patienten extra sorgfältig alles erörtern und dokumentieren. Damit übernimmt der Patient die Verantwortung. Außerdem ist es damit auf Privatrezept zu verschreiben da es die Krankenkassen erstmal nicht übernehmen. Man kann die Übernahme im Einzelfall beantragen wenn es keine zugelassene wirksame Alternative gibt, braucht dazu man aber manchmal einen Anwalt.
      Schilddrüse, Leber und EKG sind am Anfang zu untersuchen damit man da keine Nebenwirkungen erzeugt, habe ich aber noch nie gesehen. Selten kommt es unter Amphetaminen mal zu einer Hirnblutung, habe ich unter X112 (Apetitzügler) mal gesehen. Amph werden ja viel illegal genommen zur Leistungssteigerung im Beruf, wenn man sich an die Höchstmengen hält halte ich es für nicht besonders gefährlich, außer man hat Schilddrüsenüberfunktion oder WPW. Ich habe es mal probiert aber nur eine gewisse Wärme im Kopf und einen etwas schnelleren Gedankenfluss bemerkt aber mehr im Sinne von Ideenflucht, keine korrekte Ausarbeitung des einzelnen Gedanken möglich. Kaffee wirkt bei mir besser.
      Opipramol verwende ich gerne, ist leicht beruhigend, vor allem angstlösend. Nicht sehr gut antidepressiv aber bei den meisten Patienten recht beliebt.
      Mit Bupropion kenne ich mich nicht näher aus, wird bei schweren Depressionen als Ausweichmittel benutzt und hat da manchmal gute Erfolge.

      Und natürlich sollte man bei psychischen Problemen nicht immer sofort nur an Medikamente denken, nachhaltiger ist es mit dem Psychologen zusammen die Resilienz zu stärken. Bei akuter Reizüberflutung kann man sich z.B. einfach mal auf die Toilette zurückziehen, ist ein gesellschaftlich anerkanntes Verhalten. Ich habe meine Arbeit so geregelt dass ich spätestens nach 4 Stunden zu einer langen Mittagspause nach hause kann.
    • Hallo allerseits,

      wollte nur mal rückmelden, dass ich jetzt seit ein paar Tagen Medikinet nehme. Ich weiß noch nicht, wie ich es finde. Ich merke schon, dass ich leistungsfähiger bin. Ich kann mich besser auf Aufgaben konzentrieren und bin auch ruhiger. Aber der Rebound-Effekt ist hässlich. Ich nehme aktuell morgens 10 mg - was ich schon fast zu viel finde - und dann am frühen Nachmittag nochmal 10 mg. Einen Tag habe ich mal 3 x 10 mg genommen - ich soll ein bisschen rumprobieren - und das war echt zu viel. Vielleicht probiere ich mal 1 x 10 mg und 2 x 5 mg oder so. Die Medikinet kann man doch teilen, oder?

      Was ich auch mal fragen wollte: Ich habe aktuell einen Nachteilsausgleich, weil ich mich so schlecht konzentrieren kann. Sollte das Ritalin helfen, steht mir der Ausgleich dann überhaupt noch zu?
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • @seinn Ich nehm das auch, hatte es als Kind 5 Jahre lang, dann 5 Jahre Pause, jetzt nehm ich es wieder. Ich bekomme eigentlich Dexamphetaminsulfat, das ist nur zurzeit nicht lieferbar (demnächst vermutlich wieder), deshalb aktuell Medikinet (Methylphenidat), 10mg. Retardiert wirkt es etwa 6-8 Stunden. Nimmst du das retardierte? Kann ich empfehlen, dann musst du es nicht so oft nehmen.

      Den Rebound-Effekt hatte ich damit leider auch wieder. Meiner Erfahrung nach bessert sich das aber nach einiger Zeit. Ich hab das teilweise so gelöst, dass ich das Medikinet erst nach dem Mittagessen nehme (soll man ja immer beim Essen nehmen), dann wirkt es lange genug für den Zeitraum, in dem ich konzentriert sein will. Man kann auch retardierte und unretardierte Formen kombinieren. Da frag am besten deinen Arzt, der Rebound-Effekt ist ja ein bekanntes Problem, vielleicht weiß er da weiter.
      Bei Dexamphetaminsulfat ( @xxBenutzernamexx das ist hier legal auf Betäubungsmittelrezept) gibt es keinen Rebound-Effekt und ich vertrage es viel besser, hat auf mich auch die interessante Wirkung, dass ich mehr auf Menschen zugehe bzw. ihre Gegenwart besser ertrage.

      @Ginkgo es gibt auch unretardiertes Medikinet, das lässt sich teilen, das Retardprodukt als Kapsel natürlich nicht.

      Im Übrigen, Skepsis gegenüber Medikamenten ist durchaus angebracht, mir allerdings haben sie soweit geholfen, dass ich wieder an der Gesellschaft teilhaben kann (zumindest in dem Ausmaß, wie ich damit zufrieden sein kann).

      Gegen Überforderung, "bizarres Verhalten" und sozialen Rückzug hilft bei mir ganz wenig Amisulprid (atypisches Neuroleptikum) und ganz wenig Escitalopram hilft etwas gegen Reizüberflutung.
      Ich weiß, das sind drei gleichzeitig, finde ich auch etwas seltsam, aber es hilft einfach.
      Und ja, regelmäßige Untersuchungen bei Medikinet bzgl. Blutdruck, EKG und Blutwerte waren bei mir als Kind normal. Wurde jetzt nicht mehr gemacht, ich weiß auch nicht, warum.
      Ein guter Psychiater macht (leider) sehr viel aus manchmal. Kognitive Verhaltenstherapie war bei mir auch effektiv. Hoffe, du findest etwas Hilfreiches.

      Den Nachteilsausgleich kannst du trotzdem beantragen, sofern du weiterhin Probleme hast und dir das eine Chancengleichheit bringen würde. Methylphenidat ist ja kein Wundermittel, das einen normal macht :)
      je länger ihr sie anseht, desto absurder erscheint die Welt... und jetzt erst... undjetzterst!
      neurodivers & glücklich

      The post was edited 2 times, last by julai: mir ist noch was eingefallen + Formatierung ().