Übergangsschwierigkeiten

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    • Ginkgo wrote:

      Das einzige was mir bisher dabei etwas hilft ist Medikinet, also ist es vielleicht ein physisches Problem und es hängt mit fehlenden Botenstoffen zusammen
      Interessant! Ich schrecke irgendwie davor zurück, zusätzlich zum Antidepressivum noch ein Medikament zu nehmen.

      Bei dir klingt es btw. so, als würdest du dir morgens zumindest die nötige Zeit lassen um in den Tag zu starten. Bei mir ist es teilweise so, dass ich kurz vor 10 aufstehe! Dann muss ich unfassbar hetzen, um rechtzeitig an die Arbeit zu kommen.

      In der Probezeit hatte ich den gefühlten Zwang, um 10:30 da zu sein, und das hat fast besser geklappt, denn tatsächlich musste ich erst um 11 da sein (Meeting). Jetzt bin ich immer kurz vor dem Meeting da und das ist ein wahnsinniger Stress...

      Ganz ungute Kombi bei mir, Mutter mit (mutmaßlich, weiß nicht, obs eine gesicherte Diagnose ist) ADHS und Vater mit genau diesen Transitionsschwierigkeiten. Partner meint: Dafür bist du doch verdammt funktional! Tja, keine Ahnung, irgendwelche Dinge scheine ich zu können.... :roll:

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    • seven_of_nine wrote:

      So, wie du es schreibst, ist es nicht ganz so eindeutig. Prokrastination kann sicherlich viele Ursachen haben. Bei mir ist es aber definitiv nicht nur, dass ich Dinge nicht anfange, sondern eben auch - ganz massives Problem! - dass ich Dinge nicht aufhöre.
      Da finde ich mich schon auch teilweise wieder, wobei ich mich glaube ich nicht gut genug selbst beobachte um mich konkret an solche Probleme erinnern, oder sie beschreiben zu können.

      Es geht ja nicht nur um Dinge die man tun muss, sondern auch um Dinge die man eigentlich tun will.
      Beispielsweise fällt mir gerade ein, als meine Verlobte und ich noch nicht zusammen gewohnt haben hab ich es auch nie pünktlich zu ihr geschafft außer es stand sonst ein Termin an. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist sie einfach davon ausgegangen, dass ich eine halbe Stunde später da bin und war in den seltenen Fällen da ich doch mal pünktlich war fast schon überrascht.

      Einfacheres Beispiel wären die Wechsel von Youtube <-> Zocken <-> Serie schauen <-> Lego Technik basteln <-> Motorrad fahren/schrauben <-> etc.
      Alles Dinge die ich eigentlich gerne mache, aber selbst wenn die Entscheidung getroffen ist brauche ich meist irgendwo zw. 30 min und einer Std. um tatsächlich von einer Sache zur nächsten zu kommen. Wozu dann noch die mögliche Vorbereitungszeit der jeweiligen Aktivität kommt.

      Ich gebe dir recht, dass ein Großteil reine Prokrastination sein könnte, wobei der notwendige mentale wechsel und die benötigte und bekannte Vorbereitung/Eingewöhnung womöglich auch eine Rolle spielen.

      An der Stelle frage ich mich allerdings ob der Wechsel, bzw die "Angst" davor der eigentliche Grund ist, oder lediglich das Symptom einer gewissen "mentalen Inflexibilität".
    • Sesambrot wrote:

      Alles Dinge die ich eigentlich gerne mache, aber selbst wenn die Entscheidung getroffen ist brauche ich meist irgendwo zw. 30 min und einer Std. um tatsächlich von einer Sache zur nächsten zu kommen. Wozu dann noch die mögliche Vorbereitungszeit der jeweiligen Aktivität kommt.
      Ok, das ist dann schon dem ähnlich, was ich geschrieben habe, das konnte ich aus deinem vorigen Posting nicht so rauslesen.
    • seven_of_nine wrote:

      Sesambrot wrote:

      Alles Dinge die ich eigentlich gerne mache, aber selbst wenn die Entscheidung getroffen ist brauche ich meist irgendwo zw. 30 min und einer Std. um tatsächlich von einer Sache zur nächsten zu kommen. Wozu dann noch die mögliche Vorbereitungszeit der jeweiligen Aktivität kommt.
      Ok, das ist dann schon dem ähnlich, was ich geschrieben habe, das konnte ich aus deinem vorigen Posting nicht so rauslesen.
      Ja, mein erster Beitrag diesbezüglich war wohl ein wenig zu pauschal, als dass das hätte klar sein können. Zugegebener Maßen wurde mir das auch teils selbst erst richtig bewusst als ich bei einer kleinen Nachtrunde mit unserem Hund nochmal kurz Zeit hatte über die Thematik nachzudenken.
    • Ich kenne das von mir auch und es ist unglaublich stressig und ermüdend. Ich habe einige Zeit an einem Tag morgens und abends Unterricht gegeben, weil viele Leute gerne einen Abendkurs haben. Für mich hieß das, dass ich an diesem Tag absolut nicht zu gebrauchen war. Ich konnte nach den Kursen am Morgen nicht abschalten (normalerweise schlafe ich danach für ein bis zwei Stunden), konnte nicht rausgehen oder irgendetwas machen, weil es mich viel zu sehr gestresst hat, dass ich abends nochmal raus musste. Ich habe den Abendkurs dann aufgegeben, denn es ging absolut nicht mehr. Jetzt habe ich pro Tag nur noch eine Tätigkeit (Kurse oder Putzjob) und werde das auch nie wieder in irgendeiner Weise kombinieren. Es ist schon anstrengend genug abends einzuschlafen, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Morgen raus muss, so eine Doppelbelastung halte ich nicht durch.
    • Eure Antworten habe ich mit großem Interesse gelesen, vielen Dank dafür!

      @ Kraehe, deine Antwort trifft es auch für mich am besten.

      Kraehe wrote:

      Ich fahre gerne weg, brauche dann aber auch Zeit um die Übergänge zu gestalten. Es hat nichts mit Angst oder irgendwas zu tun, ich habe keine Angst vor neuen Situationen, ich mag sie.
      Es hat etwas mit der Intensität der Wahrnehmung zu tun. Da ich auch neue Umgebungen intensiv wahrnehme brauche ich jeweils eine Zeit um die Eindrücke zu verarbeiten, auch wenn ich dann wieder zu Hause bin, muss ich erstmal wieder ankommen, mental und emotional.
      Wenn ich mir diese Zeit nehme, ist das alles kein Problem.

      Wenn das nicht geht aus irgendwelchen Gründen, habe ich Stress und werde unruhig, unkonzentriert, und bin innerlich aufgewühlt, das tut mir nicht gut.
      Auch nach einem intensiven Gespräch brauche ich Ruhe und möchte alleine sein, es ist anstrengend gleich danach ein weiteres intensives Gespräch zu führen.

      Übergänge gestalten ist ein wichtiges Thema in meinem Leben. Die Übergänge zwischen einzelnen Situationen sowie auch die zwischen den unterschiedlichen Lebensphasen.

      Bei mir ist es auch keine Angst vor einer neuen Situation. Mein Kopf läuft einfach der neuen Situation hinterher. Ich nehme die Eindrücke aus der vorherigen Situation noch wahr und neue kommen schon dazu. Das ist nicht einfach mit so einer Fülle von Sinneswahrnehmungen umzugehen.

      Auszeiten und Ruhe sind für mich sehr wichtig, sonst komme ich schnell in einen Zustand der ständigen Nervenanspannung. Daueranspannung ist ein Trigger für meine Krampfanfälle.
    • seven_of_nine wrote:

      Bei dir klingt es btw. so, als würdest du dir morgens zumindest die nötige Zeit lassen um in den Tag zu starten.
      Nein, ich versuche zeitig aufzustehen, aber ich es klappt nicht. Ich stehe im 9:25 Uhr auf und fange um 9:30 Uhr an zu arbeiten (von Zuhause aus). Dabei würde ich gerne vorher in Ruhe duschen und frühstücken. Als ich noch im Büro gearbeitet habe bin ich um 8:30 Uhr aufgestanden, um 8:45 Uhr losgefahren, so dass ich um 9:30 Uhr im Büro war. Da ich Gleitzeit habe, habe ich mir von Anfang an die Regel gesetzt, spätestens um halb zehn im Büro zu sein.

      Manou wrote:

      Ich nehme die Eindrücke aus der vorherigen Situation noch wahr und neue kommen schon dazu.
      Diese Beschreibung trifft es auch bei mir ganz gut. Die Informationen "hallen" irgendwie nach, weil sie noch nicht richtig verarbeitet sind.
    • Ja, und dafür ist diese bewusste Übergangsgestaltung wichtig.
      Eine Art mentaler und emotionaler ResetButton, Speicher leeren bzw. alles erstmal verarbeiten, und auf eine andere Bewusstseinsebene bringen, damit dann neue Eindrücke aufgenommen werden können, also wieder "auf Empfang" gegangen werden kann.

      Dafür gibt es ja unterschiedliche Techniken die man anwenden kann, je nach Situation und Intensität, Dauer, Ort, etc.

      Ginkgo wrote:

      Diese Beschreibung trifft es auch bei mir ganz gut. Die Informationen "hallen" irgendwie nach, weil sie noch nicht richtig verarbeitet sind.
      Das ist ja auch ok, die Verarbeitung ist wichtig. Unverarbeitete Informationen bringen nichts, da ist nur der Speicher voll, aber sie haben keinen Nutzen. Das ist wie Nahrung die man ewig im Mund behält, die ernährt einen nicht, sie muss den ganzen Prozess der Verdauung durchlaufen, damit sie einen Nutzen bringt.

      Genauso ist das mit allem anderen auch was der Mensch zu sich nimmt, auf allen Ebenen. Körperlich, mental, emotional. Es wird etwas zu sich genommen, es wird verdaut, dazu gehört auch der Ausscheidungsprozess, man kann nicht alles bei sich behalten. So ist das mit Nahrung, mit Informationen, mit Emotionen.

      Es ist ein Zeichen von Gesundheit, wenn der Mensch dies wahrnehmen kann, wenn er merkt dass er es braucht. Denn das ist sein natürliches Bedürfnis. Das ist der natürliche Lebens- und Wachstumsprozess.

      Das Leben in dieser Gesellschaft ist nicht darauf ausgerichtet, seinen natürlichen Bedürfnissen zu folgen, sondern darauf, zu funktionieren. Deshalb sind so viele Menschen krank. Sie können funktionieren, bleiben aber nicht gesund dabei, das geht auch kaum. Wer nicht funktioniert, ist behindert.

      Was für ein Scheisssystem x(

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    • Kraehe wrote:

      Das Leben in dieser Gesellschaft ist nicht darauf ausgerichtet, seinen natürlichen Bedürfnissen zu folgen, sondern darauf, zu funktionieren.
      Ja damit hast du leider recht.


      Kraehe wrote:

      Das ist ja auch ok, die Verarbeitung ist wichtig. Unverarbeitete Informationen bringen nichts, da ist nur der Speicher voll, aber sie haben keinen Nutzen. Das ist wie Nahrung die man ewig im Mund behält, die ernährt einen nicht, sie muss den ganzen Prozess der Verdauung durchlaufen, damit sie einen Nutzen bringt.
      Ich mag den Vergleich. Das könnte auch mit ein Grund dafür sein, wieso ich mir vieles nicht merken kann. Vielleicht gebe ich manchen Informationen nicht die Gelegenheit verdaut zu werden, deshalb werden sie wieder "ausgeschieden".
    • Mir hilft konsequentes Sacken-Lassen von Erlebnissen. Ich habe lang mein morgendliches Herumtrielen und die Unproduktivität nicht verstanden, bis mir klar wurde, dass ich auch den Nachtschlaf mit seinen Träumen erst mal sacken lassen muss.

      Wie so oft half die Katze bzw. ihr Verhalten nachzuahmen. La Miez macht eine Pause nach der anderen. Ich leg mich inzwischen oft hin, immer nur ein paar Minuten. Augen zu. Gedanken rasen lassen. Manchmal schlaf ich auch ein, das ist der Nachteil der Methode.
    • Kraehe wrote:

      Das ist ja auch ok, die Verarbeitung ist wichtig. Unverarbeitete Informationen bringen nichts, da ist nur der Speicher voll, aber sie haben keinen Nutzen. Das ist wie Nahrung die man ewig im Mund behält, die ernährt einen nicht, sie muss den ganzen Prozess der Verdauung durchlaufen, damit sie einen Nutzen bringt.

      Genauso ist das mit allem anderen auch was der Mensch zu sich nimmt, auf allen Ebenen. Körperlich, mental, emotional. Es wird etwas zu sich genommen, es wird verdaut, dazu gehört auch der Ausscheidungsprozess, man kann nicht alles bei sich behalten. So ist das mit Nahrung, mit Informationen, mit Emotionen.

      Es ist ein Zeichen von Gesundheit, wenn der Mensch dies wahrnehmen kann, wenn er merkt dass er es braucht. Denn das ist sein natürliches Bedürfnis. Das ist der natürliche Lebens- und Wachstumsprozess.

      Das Leben in dieser Gesellschaft ist nicht darauf ausgerichtet, seinen natürlichen Bedürfnissen zu folgen, sondern darauf, zu funktionieren. Deshalb sind so viele Menschen krank. Sie können funktionieren, bleiben aber nicht gesund dabei, das geht auch kaum. Wer nicht funktioniert, ist behindert.
      Du hast recht...viele erkranken an dem System. Es ist sehr wenig artgerecht.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Ich befinde mich ungern in Transition.

      Urlaub ist toll - aber der Weg zum Zielort ist es nicht. Und der Heimweg auch nicht.
      Einkaufen selbst ist halb so schlimm. Aber es fällt mir schwer, mich aufzuraffen und los zu gehen.
      Arzt- oder Ämterbesuche sind eh schwierig. Aber dann auch noch lange Wartezeiten in einem vollen Wartebereich sind eine zusätzliche Belastung für mich.

      Wenn ich gerade etwas interessantes mache (Forum lesen, Video schauen, zocken) ist es schwierig für mich aufzuhören. Ich scheine die Befürchtung zu haben, etwas zu verpassen und gebe mir immer noch 'ein paar Minuten' - und gerate dann oft in Zeitdruck oder gehe zu spät ins Bett.

      Ich sehe das alles, kenne aber die Ursache nicht. Und ändern kann ich deshalb auch nicht.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Leseratte wrote:

      Ich befinde mich ungern in Transition.

      Urlaub ist toll - aber der Weg zum Zielort ist es nicht. Und der Heimweg auch nicht.
      Ich mag Transition.
      The Space between....eine leere Zeit, die Raum lässt für Entwicklung, Wahrnehmung, Beobachtung.
      Zugfahren und aus dem Fenster schauen.
      Ich bin gerne auf Reisen.

      Jetzt bereite ich mich auf den Übergang von 2018 auf 2019 vor.
      The Space between.
      Die Zeit zwischen den Jahren. :)
    • Ich mag Zwischenzustände dann gerne, wenn ich sie kontrollieren kann. Ich bin Tagträumerin, einfach weil es Spaß macht, aber ich kann jederzeit wieder zurück in die Realität. Trancezustände, wenn ich sie selbst auslöse, dienen mir zur Entspannung. Aber das sind ganz andere Übergänge, das sind nicht die Schwierigkeiten, über die ich hier eingangs berichtet habe.

      Vielleicht muss man unterscheiden zwischen positiver und negativer Transition. Ich hab mal versucht zu googeln, bin auch fündig geworden, aber nur in Englisch und meine Englischkenntnisse reichen nicht für eine Übersetzung.

      Noch 14 Stunden und 30 Minuten bis zum Jahreswechsel :)
    • Manou wrote:

      Hallo,
      ich komme so schlecht von einer Situation in die nächste und wollte euch mal fragen, ob ihr das auch kennt. Ich hänge ständig hinterher, schaffe den Wechsel nicht so gut. Ich hatte schon früher Probleme mich von Zuhause auf Schule umzustellen. Es hat immer so ca. 2 Unterrichtsstunden gedauert, bis ich richtig angekommen war. Und zurück war das auch so, wenn ich dann wieder zuhause war, hing ich in Gedanken noch in der Schule fest. Im Berufsleben war das auch nicht anders, auch während der Arbeitszeit. Wenn ein Meeting war, dann saß ich zwar mit den Kollegen im Sitzungsraum, war aber gedanklich noch in meinem Büro.

      ...

      Noch nicht richtig weg, aber auch noch nicht richtig da, irgendwo hängen geblieben. Oder manchmal auch wie in zwei Situationen gleichzeitig.
      Ich hab auch Probleme mit Übergängen bzw. manchmal macht es mir Probleme, in anderen Situationen ist es kein Problem, aber trotzdem spürbar.

      Ein Beispiel, wo es kein Problem, aber spürbar ist: wenn ich zu viele Eindrücke bekomme. Ich war mit meinem Freund in einem kleinen Waldstück am Berg, man konnte da vielen Stellen den Fels besteigen, darin herumwandern etc. Es war sehr aufregend und eindrücklich.

      Als wir aus dem Waldstück herauskamen und wieder im Ort waren, stellte ich fest, dass ich das, was mich jetzt umgab, gar nicht richtig wahrnehmen konnte. Ich sah zwar, was um mich herum war, mit meinen Augen, aber ich hatte sehr lange noch vor meinem geistigen Auge die ganzen Bilder von dem Wald und den Felsen. Eigentlich hätte ich erstmal irgendwo eine Weile sitzen und warten müssen, bis ich die Eindrücke zum Großteil verarbeitet hätte, bevor ich weitergegangen wäre.

      Probleme bereitet mir die Umstellungsschwierigkeiten in folgenden Bereichen: Übergang von der Arbeitswoche zum Wochenende und umgekehrt;

      bei Reisen: da ist der erste Tag immer erstmal "Ankomm-Tag" - erst nach einer Nacht an dem anderen Ort bin ich dann wirklich angekommen;

      dann auch allgemein das Haus verlassen: ich muss, wenn ich von der Arbeit komme, sofort auf dem Heimweg den Einkauf erledigen, weil ich mich, erstmal zu Hause, meistens nicht mehr überwinden kann, nochmal rauszugehen;

      wie genannt auch der Übergang von Arbeit und zu Hause: komme ich bei der Arbeit an, brauche ich erstmal eine Weile, bis ich "drin" bin. Dann kommt der Heimweg, der mich immer sehr stresst, und wenn ich zu Hause bin, brauche ich bis zu zwei Stunden, bis ich zu Hause "angekommen" bin. Ich hab das ewig nicht begriffen, was mit mir los ist, ich dachte immer, das kann doch nicht sein, aber jetzt akzeptiere ich es und sobald ich nach der Arbeit zu Hause angekommen bin, mache ich mir einen Kaffee und dann lümmle ich, wie gesagt bis zu zwei Stunden, auf dem Bett herum. Ich hab mir das früher nicht so erlaubt. Selbst, wenn ich erstmal erschöpft auf dem Sofa rumlag, dachte ich im Hinterkopf die ganze Zeit, dass das doch so nicht sein kann. Dass ich doch nicht sooo erschöpft sein kann (Vergleich mit anderen, die mehr arbeiten, dazu noch Kinder haben etc.)

      Jetzt weiß ich, dass ich das unbedingt brauche. Nach dieser Zeit hab ich neue Energie gesammelt und fühle mich meist gut. Dann kann ich noch ein bisschen was erledigen, und sei es nur Duschen und Essen für die Arbeit am nächsten Tag vorbereiten und meine Kleidung für den nächsten Tag rauslegen.

      Nochmal zum Thema das Haus verlassen. Wenn ich arbeite, habe ich morgens dieses Problem nicht. Da bin ich noch müde und spule immer denselben Ablauf ab, ich denke, die Müdigkeit macht da viel aus und auch, dass ich genau weiß, was zu tun ist und was mich erwartet.

      An einem freien Tag aber habe ich sehr große Probleme damit. Auch, wenn ich mir etwas vornehme, verdränge ich das so lange wie möglich (es sei denn, es ist etwas, worauf ich mich SEHR freue). Und wenn die Zeit dann ran ist, mich vorzubereiten, kommt es mir immer enorm schwer vor, all die kleinen Schritte zu tun, bis ich fertig bin - auch all die Überlegungen: was ziehe ich an, was nehme ich mit, wann muss ich los, damit ich dann und dann dort ankomme, muss ich vorher noch etwas essen, wenn nicht, nehme ich etwas mit oder kann ich unterwegs etwas essen und so weiter.

      Sobald ich aus der Tür heraus bin, ist eigentlich alles okay. Aber dieser Übergang ist wirklich jedes einzelne Mal enorm anstrengend.

      Letztens hab ich auch in einer sozialen Situation gemerkt, dass ich Probleme mit dem Übergang habe. Es war da nicht das erste Mal, aber es war diesmal so stark, dass es mir bewusst wurde. Ich war zu einem Geburtstag eines Familienmitglieds eingeladen und es waren nur Familienmitglieder und nahe Anverwandte (heißt das so?) da - also alles Menschen, die ich kannte und wo ich auch keine sozialen Ängste habe. Als ich dort ankam, waren alle schon da und von hier und da kam man gleich auf mich zu mit großem Lächeln und "Na??" und so weiter - also eigentlich ganz normales Begrüßungsritual (-kommando wollte ich schon schreiben). Aber mich hat das völlig überfordert. Ich bin regelrecht ein Stück zurück gewichen und hab dann auch gesagt, ich muss erstmal kurz ankommen. Dann hab ich mich hingesetzt, hab erstmal nur so geguckt und alles wirken lassen und eine Weile später war es, als wäre in meinem Kopf etwas eingerastet: ich war angekommen und ab dem Punkt völlig normal und gelöst, hab ein bisschen geplaudert, mir was erzählen lassen, Fragen gestellt - hab mich wohl gefühlt.
    • Es ist schon sonderbar, was das Gehirn manchmal so mit einem macht.

      Um diese Jahreszeit ist soviel Leben draußen, soviel Bewegung, so viele Eindrücke und ich habe das Gefühl, ich komme kaum noch hinterher mit dem Verarbeiten. Ich sehne mich einerseits nach Ruhe und möchte doch gleichzeitig aktiv teilhaben am Leben. Aber wenn ich dann am Ende wie erschlagen bin von dem Erlebten, macht das dann auch keinen Spaß mehr.

      Es ist schon zig Jahre her, da wurde bei einer augenärztlichen Untersuchung festgestellt, dass ich Nachbilder sehe (vllt. hatte ich das ja auch schon einmal erwähnt). Das gibt es eigentlich nicht in unseren Breitengraden, so sagte mir der Arzt, aber bei mir ist das so. Ich nehme die Umrisse von dem zuletzt Gesehenen mit in den nächsten Seheindruck, das macht Unruhe in meinem Kopf. So ist das mit allem Erlebten, eines ist noch nicht zuende, das nächste schon da.

      Im Moment bin ich ungnädig mit mir...., leider. Möchte "normal" sein, funktionieren, mithalten können. Geht aber nicht, seufz...
      Ich hab mir Mühe gegeben, die letzten Monate, war der Meinung, ich bekomme es hin. Aber am Ende bin ich doch wieder so wie ich immer bin. Hochsensibel und Verdachtsasperger(in).