Wegschauen bei Gewalt/Quälerei/Verwarlosung

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    • Kraehe wrote:

      Sib wrote:

      man darf auch mal laut schimpfen, sonst nehmen die Kinder einen nicht ernst,
      Nein.Laut werden ist ein Zeichen mangelnder Souveränität und Selbstbeherrschung, das gilt gegenüber Kindern genauso, wie gegenüber Erwachsenen.
      Der Chef eines Unternehmens kann auch nicht seine Angestellten anschreinen, wenn sie nicht das machen was er will. Er braucht kommmunikative und soziale Kompetenzen, um dies zu erreichen.

      Kinder sind genauso Menschen bzw. Persönlichkeiten wie Erwachsene und haben dieselben Rechte, auch sie dürfen nicht angeschrien werden. Auch, bzw. vor allem, Eltern müssen sich benehmen. Sie sind nämlich Vorbilder,oder sollten es sein.

      Man kann streng und gerecht sein, und muss nicht laut werden dabei.
      Eltern die rumschreien brauchen selber erstmal Erziehung.
      Auch wenn ich finde, dass du damit grundsätzlich recht hast, finde ich doch, dass das eine deutlich größere Herausforderung darstellt, als seinem Gegenüber keine rein zu hauen, ob nun Kind oder Erwachsener.

      Ich selbst nehme meine eigene Lautstärke oft gar nicht wahr, bzw. Wirft mir meine Verlobte in Diskussionen regelmäßig vor ich würde schreien obwohl ich eigentlich der Meinung war normal aber mit Nachdruck zu sprechen.

      Im Grunde bin ich der Meinung, dass man auch seine Lautstärke der Situation anpassen darf. Wobei die reine Einschüchterung nicht darunter fällt. Im Umgang mit Kindern zum Beispiel würde ich mich in Situationen die schnell gefährlich werden könnten nicht zurück halten. Wenn es eher darum geht meine Enttäuschung auszudrücken gibt es aber deutlich mildere und v.a. effizientere Möglichkeiten.

      Beim Laut werden um "Maßnahmen" durchzusetzen muss ich ehrlich sagen, dass ich nicht einschätzen kann inwiefern das komplett ohne leicht erhobene Stimme möglich ist. Ich habe selbst (noch) keine Kinder, nur einen Hund. Die musste Anfangs auch hin und wieder etwas lauter zurecht gewiesen werden, wobei ein etwas lauteres "Nein!" in der Regel gereicht hat.

      Möglicherweise schreibe ich das alles umsonst, aber ich kann nicht ganz einschätzen wo hierbei die Grenze zwischen bestimmtem Auftreten und verbaler "Gewalt" verläuft...
    • Kraehe wrote:

      Sesambrot wrote:

      Das leuchtet mir schonwieder ein, wobei sich mir ernsthaft die Frage stellt ob ersteres wirklich so weit verbreitet ist. Ich zumindest kann mir das irgendwie nämlich nicht wirklich vorstellen...
      ;) Das ist ja auch das, was Autisten nicht können.
      Das mag dem Klischee entsprechen, entspricht aber nicht ganz neueren, differenzierteren Forschungsergebnissen. Ich verweise beispielhaft auf diesen Artikel (ganz so neu sind die Erkenntnisse also auch nicht, immerhin ist der Artikel mittlerweile auch schon bald 10 Jahre alt):
      "Empathie bei Menschen mit Autismus", Jahrbuch 2008/2009 | Dziobek, Isabel: mpg.de/431755/pdf.pdf

      Dziobek 2008/2009 wrote:

      Es zeigte sich, dass die Autismus-Gruppe tatsächlich Schwierigkeiten hatte, die dargestellten Gefühle korrekt zu beschreiben und im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikant geringere kognitive Empathie aufwies.
      Allerdings zeigten beide Gruppen keinen Unterschied hinsichtlich der emotionalen Empathie. Mitgefühl und Anteilnahme waren in der Autismus-Gruppe ebenso ausgeprägt wie in der Kontrollgruppe.
      Zusätzlich ein Link zum Original-Paper:
      cog.psy.ruhr-uni-bochum.de/pap…008)_JAutismDevDisord.pdf

      In dieser Untersuchung war also vorangig die Einordnung und Erkennung dargestellter Gefühle beeinträchtigt, nicht jedoch die emotionale Reaktion darauf, wenn die autistischen Probanden diese erkannten oder erklärt bekamen:

      Dziobe 2008/2009 wrote:

      Vielmehr scheinen Menschen aus dem Autismus-Spektrum zwar die sozialen Zeichen, die unserer Inneres nach außen tragen – Gesten, Gesichtsausdruck, Tonfall – schlechter „lesen“ zu können und werden daher oft als teilnahmslos erlebt. Mit der lange unterstellten Unfähigkeit zu Mitgefühl hat dies jedoch nichts zu tun. Wie der Test zeigt, reagieren Menschen mit Autismus emotional adäquat, wenn sie eine korrekte Beschreibung der Gefühle erhalten und so der Mangel an kognitiven Empathieanteilen kompensiert wird.

      Hier auch noch etwas von einem anderen Autor, der die Theorie einer Empathie-Dysbalance mit sogar einem Überschuss (surfeit) an emotionaler Empathie diskutiert: link.springer.com/article/10.1007/BF03395675

      Adam Smith wrote:

      There has been a widely held belief that people with autism spectrum disorders lack empathy. This article examines the empathy imbalance hypothesis (EIH) of autism. According to this account, people with autism have a deficit of cognitive empathy but a surfeit of emotional empathy. The behavioral characteristics of autism might be generated by this imbalance and a susceptibility to empathic overarousal. The EIH builds on the theory of mind account and provides an alternative to the extreme-male-brain theory of autism. Empathy surfeit is a recurrent theme in autistic narratives, and empirical evidence for the EIH is growing. A modification of the pictorial emotional Stroop paradigm could facilitate an experimental test of the EIH.
    • Dazu habe ich auch noch was:
      medienportal.univie.ac.at/univ…oennten-trugschluss-sein/

      Artikel wrote:



      Bei Autismus war reduzierte Empathiefähigkeit lange ein wichtiges Diagnosekriterium. Nun gebe es aber immer mehr Hinweise, dass "der Autist, der bei anderen starke Emotionen wahrnimmt, dadurch schneller überfordert wird". Um dem zu entgehen, könnten Betroffene gewissermaßen von vornherein dazu neigen, solche Wahrnehmungen zu blockieren.
      Da wird also gar nicht mehr auf kognitive/affektive Empathie abgestellt, sondern darauf, dass die Wahrnehmung von Emotionen als Schutzmechanismus blockiert wird.
      Aus meiner persönlichen Sicht ist das stimmiger, weil ich Emotionen in Gesichtern gut lesen kann. Ich konnte nie so ganz nachvollziehen, wo das Problem bei der Mimikerkennung sein soll.
      Aber die Bereitschaft, die Emotionen zu mir durchdringen zu lassen, ist nicht unbedingt immer hoch. Wenn sie dann aber durchdringen, ist die Empathie da.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Hallo Frieda,

      Frieda wrote:

      Wie ist das bei euch? Wenn ihr im direkten Umfeld Gewalt gegenüber Kindern oder Tieren mitbekommt, greift ihr dann ein?
      es wurden in einer vollbesetzten S-Bahn in Berlin einer Frau Schläge angeboten. Keiner hat etwas gesagt. Alle haben weggeguckt. Die Bahn war so voll, dass sich die Menschen an den Stangen stehend festhalten mussten; das haben also gut 20-30 Mann mitbekommen.

      Ich habe dem Mann gesagt, dass er endlich die Schnauze halten soll. Daraufhin bot er MIR Schläge an. 8o
      Ich musste damit rechnen, dass der mich dann draußen verfolgt. Passiert war dann nichts... aber der Frau hoffentlich auch nicht.

      Ich greife ein, aber ohne mich zu gefährden. Z.B. habe ich auch einmal eine Herde Jugendlicher Papierkörbe anzünden sehen. Ich habe nichts gesagt, bin einfach weitergegangen, ohne da hin zu gucken, mich außer Sicht entfernt und dann die 110 angerufen.

      Bekommen diese Schläge auch andere im Haus mit? Ich würde das Jugendamt anrufen. Der Rat von @RegenbogenWusli mit dem Diktiergerät ist auch super. Protokoll führen, wann, was, wie lange.
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