Besessenheit von der Meinung anderer

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    • Besessenheit von der Meinung anderer

      Hallo,

      ich wollte mal fragen, ob hier jemand Erfahrung mit folgendem Phänomen hat und mir vielleicht Tipps geben kann, wie ich es überwinde:

      Wer meine Beiträge zumindest mal "quer" gelesen hat, hat vielleicht gemerkt, dass mich seit Monaten die Meinung einer meiner Lehrer über mich nicht so richtig loslässt.

      Ich habe ja Schwierigkeiten bei Vorträgen und schreibe daher lieber, worin ich auch gut bin. Vor dem Gespräch mit meinem Lehrer habe ich auch gespürt, wie gut ich bin. Aber jetzt nicht mehr.

      Er lehnte meinen Wunsch, eine schriftliche Arbeit zu verfassen, mit den Worten ab, dass ich das nicht schaffen könne, weil ich dafür zu krank bzw. belastet wäre. Man müsse Zeit investieren und bräuchte eine tadellose Rechtschreibung und Planung. Er traue mir das nicht zu und denke, ich wäre mündlich besser als schriftlich.

      Das hat mich wirklich geschockt, da ich mündlich nicht sehr gut bin.

      Ich weiß immernoch, dass ich gut im Schreiben bin. Ich bin mit einer anderen Klassenbeste in Deutsch, werde von meiner Englischlehrerin mit Lob überschüttet - sie hält mich für eine Poetin. Alle halten mich für verantwortungsvoll und eine großartige "Schriftstellerin". Nur der eine Lehrer nicht. Und das wurmt mich. Ganz besonders, da mir seine Meinung so wichtig ist.

      Ich halte ihn für sehr intelligent und teile seine Meinung sonst sehr oft, ganz besonders, wenn es um fachliche Inhalte geht. Vor diesem Erlebnis hätte ich nie gedacht, dass er so etwas zu mir sage würde.

      Seitdem vertraue ich nicht mehr auf meine Fähigkeiten und unser Verhältnis ist schlecht.

      Meine schriftliche Arbeit wird jetzt von einem anderen Fachlehrer betreut, der an mich glaubt, aber die Worte kommen nicht an bei mir.

      Ich bin wie besessen von dem Gedanken, dass ich erst wieder Vertrauen in meine Fähigkeiten finden kann, wenn dieser eine spezielle Lehrer Vertrauen in meine Fähigkeiten findet.

      Objektiv besehen ist das totaler Quatsch und alleine von der Quantität der Meinungen her ist die Meinung meines Lehers irrelevant.

      Zuvor hatte er aber eine Art Vorbildfunktion für mich inne und deswegen bedeutet mir seine Meinung qualitativ so viel.

      Was soll ich jetzt tun?

      Ich könnte nochmal mit ihm reden, aber die 3 Gespräche zuvor haben es nur schlimmer gemacht.

      Ich könnte meinen neuen Fachlehrer fragen, ob er mal mit ihm redet, aber ich weiß nicht, ob das was bringt. Ich könnte es zumindest mal ansprechen, da die beiden meine Arbeit am Ende eh zusammen betreuen müssen, auch wenn mein neuer Fachlehrer mehr zu sagen hat.

      Ich versuche, irgendwie drüber zu stehen, weiß aber wirklich nicht, wie. Eigentlich bräuchte ich auch noch fachlichen Rat von meinem Problem-Lehrer, aber der wird sicher wieder damit verbunden sein, mir zu sagen, dass ich einen Fehler mache...
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • seinn schrieb:

      Wer meine Beiträge zumindest mal "quer" gelesen hat, hat vielleicht gemerkt, dass mich seit Monaten die Meinung einer meiner Lehrer über mich nicht so richtig loslässt.
      Ich verstehe dich sehr gut, habe aber keinen Rat für dich :(

      Ich werde das in Zukunft versuchen, in einer Therapie anzugehen.


      (Vielleicht hat er auch einfach keinen Bock, deine schriftliche Arbeit zu korrigieren... oder er denkt, dass er da irgendwas speziell genehmigen muss oder so. Leute mögen keine Ausnahmefälle, weil sie denken, dass dann Arbeit auf sie zukommt.)
    • Mir war es auch immer wichtig was andere von mir halten. Mein Therapeut hat mir die einfache Frage gestellt "Wozu ist Ihnen das denn wichtig?" und ich wusste keine gute Antwort darauf. Ja wozu denn eigentlich? Seitdem hat es irgendwie "klick" gemacht. Diese Anwandlungen sind nicht gänzlich verschwunden, aber über 50% der Fälle haben sich in Luft aufgelöst. Also vielleicht bringt es dich auch weiter, wenn du dir bewusst machst, dass du nichts davon hast wenn andere eine bestimmte Meinung von dir haben und dass jeder auch seine eigene Meinung von dir haben darf. Du hast ja auch deine eigene Meinung über bestimmte Personen.
    • seinn schrieb:

      Ich bin wie besessen von dem Gedanken, dass ich erst wieder Vertrauen in meine Fähigkeiten finden kann, wenn dieser eine spezielle Lehrer Vertrauen in meine Fähigkeiten findet.
      Oh ja, das kenne ich auch.

      Die beste Lösung ist, es zu lösen. :d
      Manchmal kann ich mir auch sagen

      Ginkgo schrieb:

      Also vielleicht bringt es dich auch weiter, wenn du dir bewusst machst, dass du nichts davon hast wenn andere eine bestimmte Meinung von dir haben und dass jeder auch seine eigene Meinung von dir haben darf. Du hast ja auch deine eigene Meinung über bestimmte Personen.

      … aber das verdrängt das bei mir lediglich, es kommt dann immer wieder in meine Gedanken.


      seinn schrieb:

      Er lehnte meinen Wunsch, eine schriftliche Arbeit zu verfassen, mit den Worten ab, dass ich das nicht schaffen könne, weil ich dafür zu krank bzw. belastet wäre. Man müsse Zeit investieren und bräuchte eine tadellose Rechtschreibung und Planung. Er traue mir das nicht zu und denke, ich wäre mündlich besser als schriftlich.
      Wenn du viel von deinem Lehrer hältst, dann hat er möglicherweise recht?
      Was ist das für eine schriftliche Arbeit?

      Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mir das auch geraten wurde und sich später heraus stellte, dass es vielleicht sogar besser gewesen wäre, wenn ich darauf gehört hätte.
      Aber Alternativszenarien sind hypothetisch, also whatever. :roll:
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • seven_of_nine schrieb:

      Ich verstehe dich sehr gut, habe aber keinen Rat für dich :(
      Ich werde das in Zukunft versuchen, in einer Therapie anzugehen.


      (Vielleicht hat er auch einfach keinen Bock, deine schriftliche Arbeit zu korrigieren... oder er denkt, dass er da irgendwas speziell genehmigen muss oder so. Leute mögen keine Ausnahmefälle, weil sie denken, dass dann Arbeit auf sie zukommt.)
      Ja, er hat auch keinen Bock. Das hat er mir auch so offen gesagt. Also, netter ausgedrückt hat er keine Kapazitäten.
      Vielleicht macht es ja jetzt auch Sinn, nochmal mit ihm zu reden, weil ein anderer Lehrer sich bereit erklärt hat, die Hauptarbeit zu machen.


      Ginkgo schrieb:

      Mir war es auch immer wichtig was andere von mir halten. Mein Therapeut hat mir die einfache Frage gestellt "Wozu ist Ihnen das denn wichtig?" und ich wusste keine gute Antwort darauf. Ja wozu denn eigentlich? Seitdem hat es irgendwie "klick" gemacht. Diese Anwandlungen sind nicht gänzlich verschwunden, aber über 50% der Fälle haben sich in Luft aufgelöst. Also vielleicht bringt es dich auch weiter, wenn du dir bewusst machst, dass du nichts davon hast wenn andere eine bestimmte Meinung von dir haben und dass jeder auch seine eigene Meinung von dir haben darf. Du hast ja auch deine eigene Meinung über bestimmte Personen.
      Ja, das stimmt. Das sage ich mir auch oft. Aber mir geht es dann auch eher wie @Cloudactive. Ich verdränge es mit rationalen Überlegungen, aber eigentlich ist es ein emotionales Problem.


      seven_of_nine schrieb:

      Ginkgo schrieb:

      "Wozu ist Ihnen das denn wichtig?"
      Das frag ich mich bei der Mehrheit der Dinge, die für mich wichtig sind... :nerved:
      Haha :d . Tut mir Leid, ist eigentlich gar nicht lustig, aber ich kann es sehr gut nachvollziehen, weswegen ich es witzig finde.


      Cloudactive schrieb:

      Wenn du viel von deinem Lehrer hältst, dann hat er möglicherweise recht?
      Was ist das für eine schriftliche Arbeit?

      Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mir das auch geraten wurde und sich später heraus stellte, dass es vielleicht sogar besser gewesen wäre, wenn ich darauf gehört hätte.
      Aber Alternativszenarien sind hypothetisch, also whatever.
      Puuuh... da mit hast du aber einen Nerv bei mir getroffen. Ich glaube, genau das ist das Problem. Also nicht, dass er Recht hat. Ich weiß, dass er höchstwahrscheinlich nicht Recht hat. Aber eben nicht zu 100 %. Jeder traut mir die Arbeit zu, er nicht. Das verursacht irgendwie das hier bei mir:



      Es geht dabei um eine wissenschaftliche Arbeit zu einem selbst ausgesuchten Thema. Das Thema findet er auch grandios. Aber er will nicht, dass ich 20 Seiten dazu schreibe, sondern 20 Minuten darüber rede.

      Vielleicht ist das trotzdem ein Ansatz.

      Also, dass ich einfach mal überprüfe, ob er Recht hat.

      Im Moment habe ich so eine Angst, es nicht zu schaffen, dass ich prokrastiniere - und es nicht schaffen werde.

      Zwar sind die Voraussetzungen nicht ideal, aber ich kann es ja einfach mal probieren - und schauen, ob er Recht hat.

      Mit Rechtschreibung und Formalien habe ich keine Probleme - das müsste er eigentlich wissen, auch wenn es ihm wohl "entfallen" war.

      Also muss ich mich nur überwinden.

      Leider würde für ihn ein Scheitern schon bedeuten, dass ich eine 2+ oder schlechter bekomme. Für mich wäre ich erst bei etwas gescheitert, was schlechter als eine 3 ist. Was mich wieder zum oben verlinkten Bild führt :d !
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • Irgendwie erinnert mich die Beziehung meines Lehrers zu mir an die zwischen von Dr. Cox und J.D. aus Scrubs, damit es sich jemand vorstellen kann :d . Mit einem anderen Lehrer von mir ist es ähnlich, er traut mir manche Sachen auch nicht zu, und ich gerate in Zweifel. Ich schätze seine Expertise auch, jedoch ist er einer der Wenigen, die mir Sachen nicht zutrauen. Und immerhin hat der Musiklehrer von Farin Urlaub auch gesagt, er solle bitte niemals nie Musiker werden. Gut, dass er nicht darauf gehört hat ;).
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • Achso, eine Mitschülerin traut mir die Arbeit auch nicht zu bzw. unterstützt mich nicht dabei, aber die kann mich nicht leiden. Das bedeutet dann vermutlich eher, dass sie mich eben nicht leiden kann, als dass ich es nicht kann, oder? Menschen und Doppelbotschaften :m(: .
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • seinn schrieb:

      Ich könnte nochmal mit ihm reden, aber die 3 Gespräche zuvor haben es nur schlimmer gemacht.
      Wenn mich etwas nicht loslässt, was sich im Kontakt zu der Person (voraussichtlich) nicht klären lässt, schreibe ich es als Brief/Monolog an die Person auf - allerdings ohne die Absicht, es der anderen Person zu lesen zu geben, also ganz ohne die Absicht, eine Antwort zu erhalten. Es geht nur darum, das Belastende rauszuschreiben und im eigenen Kopf einen Schlusstrich drunter zu ziehen.

      Dadurch konnte ich mich schon mehrfach von nervigen inneren Dialogen befreien, also sowas wie Probedialoge, in denen ich immer wieder versuchte, der Person meinen Standpunkt klarzumachen. Manchmal kann man seinen Standpunkt eben nicht rüberbringen, wenn die Gedankenwelt des anderen in entscheidenden Punkten fundamental anders ist als die eigene, und sie sich nicht auf deine Gedankenwelt einlassen können.

      seinn schrieb:

      Er lehnte meinen Wunsch, eine schriftliche Arbeit zu verfassen, mit den Worten ab, dass ich das nicht schaffen könne, weil ich dafür zu krank bzw. belastet wäre. Man müsse Zeit investieren und bräuchte eine tadellose Rechtschreibung und Planung. Er traue mir das nicht zu und denke, ich wäre mündlich besser als schriftlich

      seinn schrieb:

      Im Moment habe ich so eine Angst, es nicht zu schaffen, dass ich prokrastiniere - und es nicht schaffen werde.

      Zwar sind die Voraussetzungen nicht ideal, aber ich kann es ja einfach mal probieren - und schauen, ob er Recht hat.
      Ich kenne es auch von mir, dass ich mich durch Zweifel an meinen Fähigkeiten leicht verunsichern lasse. Vielleicht schaffst du es aber sogar, es umzudrehen, und die verunsichernden Zweifel als Ansporn zu nehmen, bzw. im Sinne von "Jetzt erst recht! Dem werde ich zeigen, dass ich es kann!" deinen Kampfgeist zu wecken. Dadurch kann auch viel Energie freiwerden, die man dann für die Umsetzung des Vorhabens nutzen kann. :)

      seinn schrieb:

      Leider würde für ihn ein Scheitern schon bedeuten, dass ich eine 2+ oder schlechter bekomme.
      Positiv gesehen heißt das ja, dass er dich für sehr leistungsfähig hält. Aber ich finde es gut, dass du dich davon nicht unter Druck setzen lässt. :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Turtle ()

    • Es könnte sein, dass er Dich ganz anders wahrnimmt, weil er sich mit (Deinem) Autismus nicht ausreichend auskennt. Viele Autisten strahlen etwas ganz anderes aus, als ihr Innenleben wirklich ist. Und dann kommt da noch die Sache mit dem Geschmack dazu - er mag vielleicht Deine Art zu schreiben nicht. Oder er denkt ganz autismuswidrig, dass er Dich zu Deinem Glück zwingen muss, indem er Dich zu einem mündlichen Vortrag "zwingt", und Du ihm hinterher "dann glücklich um den Hals fällst", weil Du das mündliche ja doch kannst.
      Sind nur meine Erfahrungen mit Menschen. Vielleicht passt das ein oder andere, oder auch nicht.
    • seinn schrieb:

      Es geht dabei um eine wissenschaftliche Arbeit zu einem selbst ausgesuchten Thema. Das Thema findet er auch grandios. Aber er will nicht, dass ich 20 Seiten dazu schreibe, sondern 20 Minuten darüber rede.
      Aber nicht für das Abi?

      seinn schrieb:

      Leider würde für ihn ein Scheitern schon bedeuten, dass ich eine 2+ oder schlechter bekomme. Für mich wäre ich erst bei etwas gescheitert, was schlechter als eine 3 ist. Was mich wieder zum oben verlinkten Bild führt !
      Ja, das mit dem Syntaxerror trifft es ganz gut.
      Bei mir war es auch so bei der BLL im Abi wie gesagt.
      Ich war schriftlich besser, aber das Problem ist, bei wissenschaftlichen Arbeiten wie der BLL im Abi werden Universitätsmaßstäbe angewandt und die sind sehr streng.
      Aus einem groben Schnitzer (RW) unglücklicherweise auch ein wenig dem Autismus geschuldet, landete ich in der Tat nur bei 2-.
      Der mündliche Teil hingegen belief sich auf 1+.
      Da habe ich mich dann schon gefragt, ob es anders nicht doch besser gelaufen wäre.

      Aber zurück zu Lösungsvorschlägen:

      Ich finde du und dein Lehrer solltet das ausdiskutieren.
      Du musst es nachvollziehen können.
      Dann kannst du auch "weiter rechnen" und es taucht kein Error auf. ;)
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • @Turtle

      Das mit dem Brief schreiben und nicht abschicken habe ich schon ausprobiert - das hatte leider keinen so großen Effekt wie ich mir erhofft hatte. Vielleicht muss diese "Wunde" auch einfach langsam heilen und es braucht mehrere Maßnahmen.

      "Jetzt erst Recht!", ja, das ist ein toller Ansatz. Funktioniert in dem Fall aber nicht bei mir. Mir hat tatsächlich der Beitrag von @Cloudactive geholfen. Wie gesagt, bin ich gut genug das zu schaffen. Aber alleine die Angst, es nicht zu sein, ist entflammt worden. Das habe ich durch den Beitrag gemerkt. Dieser Angst muss ich mich wohl entgegen stellen. Was ist auch das Schlimmste, was passieren könnte? Ich merke in ein paar Wochen oder Monaten, dass mein Lehrer Recht hatte. Das würde mich zwar ärgern, da er das sicher ausschlachten würde, aber das ist dann ja nicht mein Problem. Ich muss es einfach probieren.


      Turtle schrieb:

      Positiv gesehen heißt das ja, dass er dich für sehr leistungsfähig hält. Aber ich finde es gut, dass du dich davon nicht unter Druck setzen lässt.

      Das habe ich mir auch schon gedacht. Das ist schon fast wieder nett, aber nur fast :D! Er meinte auch, dass ich in der Präsentation bestimmt eine 1+ bekommen und schriftlich dann nur eine 2+ und, dass mich das dann ärgert. Darüber muss ich nachdenken. Ist seine Einschätzung realistisch? Und selbst, wenn, würde es mich stören, schriftlich schlecht abzuschneiden? Eigentlich nicht. Ich möchte ein gutes Abitur schaffen, denn wenn ein perfektes Abitur so viel Stress bedeuten würde, dann reicht mir auch ein gutes. Außerdem möchte ich mit meiner Arbeit einen Beitrag zur Wissenschaft leisten und nicht nur rumhampeln und meine Lehrer beeindrucken.


      Chch schrieb:

      Es könnte sein, dass er Dich ganz anders wahrnimmt, weil er sich mit (Deinem) Autismus nicht ausreichend auskennt. Viele Autisten strahlen etwas ganz anderes aus, als ihr Innenleben wirklich ist. Und dann kommt da noch die Sache mit dem Geschmack dazu - er mag vielleicht Deine Art zu schreiben nicht. Oder er denkt ganz autismuswidrig, dass er Dich zu Deinem Glück zwingen muss, indem er Dich zu einem mündlichen Vortrag "zwingt", und Du ihm hinterher "dann glücklich um den Hals fällst", weil Du das mündliche ja doch kannst.
      Sind nur meine Erfahrungen mit Menschen. Vielleicht passt das ein oder andere, oder auch nicht.

      Deine 3. Erklärung passt total zu ihm, ich bin ganz sicher, dass er genau das im Kopf hat. Wenn du ihn kennen würdest, würdest du feststellen, dass das 1:1 passt.

      Meinen Schreibstil an sich findet er gut, glaube ich. Ich bin ihm nur manchmal zu ausführlich. Daran muss ich arbeiten, aber das wäre ja sowohl schriftlich als auch mündlich ein Problem.

      Er denkt, glaube ich, ich wäre irgendwie schwer krank und hätte gar keine Zeit, eine BLL zu verfassen. Das ist irgendwie doof. Allerdings weiß er auch nicht, dass ich Autistin bin. Er weiß nur, dass ich neurologische Schwierigkeiten habe. Ich habe es bisher nur wenigen Lehrern gesagt, und es gab da teilweise auch echt komische Reaktionen. Daher bin ich vorsichtig geworden und erzähle nicht mehr alles.

      @Cloudactive

      Doch, fürs Abitur.

      Das ist ja interessant, dass du auch eine BLL geschrieben hast.

      Darf ich fragen, was dein Schnitzer war?

      Ich kann mir auch vorstellen, dass ich im mündlichen Teil eine 1+ bekomme.

      Das wäre für mich aber unglaublicher Stress und ich könnte nicht das machen, was ich möchte - eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen.

      Daher kann ich auch damit leben, wenn ich im schriftlichen Teil eine schlechtere Note bekommen sollte.

      Das ist bei meinem Thema nicht mal unwahrscheinlich, aber es liegt mir einfach sehr am Herzen, weswegen ich es unbedingt machen möchte.

      Ich werde das Problem bei meinem neuen Fachlehrer mal ansprechen. Der ist ja sowieso schon mit dem Problem vertraut und vielleicht können wir zu dritt eine Lösung finden.
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • seinn schrieb:

      @Cloudactive

      Doch, fürs Abitur.

      Das ist ja interessant, dass du auch eine BLL geschrieben hast.

      Darf ich fragen, was dein Schnitzer war?

      Ich kann mir auch vorstellen, dass ich im mündlichen Teil eine 1+ bekomme.

      Das wäre für mich aber unglaublicher Stress und ich könnte nicht das machen, was ich möchte - eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen.

      Daher kann ich auch damit leben, wenn ich im schriftlichen Teil eine schlechtere Note bekommen sollte.

      Das ist bei meinem Thema nicht mal unwahrscheinlich, aber es liegt mir einfach sehr am Herzen, weswegen ich es unbedingt machen möchte.

      Um welche beiden Fächer handelt es sich bei dir?
      Mein "Schnitzer" war, dass ich "alles so schrieb, dass nur ich es hätte verstehen können" "alles schrieb, als würde ich es für mich selbst geschrieben haben" (was das heißen soll, kA) wurde mir gesagt, ich habe eine wichtige Sache nicht klar gestellt, weil sie für mich offensichtlich war, aber das war ein Fehler.
      Ohne meine Lehrerin hätte das noch schlechter werden können, weil sie sich extra noch die Mühe machte, die Bücher zu lesen und es doch noch nachzuvollziehen. :)
      Bin ich echt dankbar dafür, auch wenn ich bis heute nicht ganz verstehen kann, wieso es so schwer verständlich gewesen sei. :roll:
      Ich hatte Deutsch + Philosophie.
      Das Problem bei der BLL ist halt, dass die schriftliche Note (Edit: 3:1 zählt.) :d
      Beim mündlichen Teil konnte ich die Fehler dann "nachbessern".

      Ich habe es halt auch gemacht, weil ich das machen wollte als Herausforderung und sonst hätte ich die Fächerkombi nicht wählen können.
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cloudactive ()

    • Bei mir sind es Geografie und Biologie.

      Ich empfinde das gar nicht als Problem, dass die schriftliche Note so viel mehr zählt. Klar, wenn man schriftlich schlechter abschneidet, ist es schade, aber ich möchte es trotzdem schriftlich machen.

      Hattest du niemanden, der sich die Arbeit mal durchliest und auf Verständlichkeit prüft? Oder darf man das nicht, weil es dann nicht mehr eigenständig wäre?

      Ich neige auch manchmal dazu, Wissen vorauszusetzen. Da muss ich aufpassen.
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • seinn schrieb:

      Hattest du niemanden, der sich die Arbeit mal durchliest und auf Verständlichkeit prüft? Oder darf man das nicht, weil es dann nicht mehr eigenständig wäre?
      Nein hatte ich nicht, es ist auch eigentlich verboten.
      Man muss sie selbstständig verfassen und wenn einer sie so prüft, ist das nicht gerecht.

      seinn schrieb:

      Bei mir sind es Geografie und Biologie.
      Da hast du schon mal bessere Karten (RW).
      In Informatik soll es am besten sein, aber generell naturwissenschaftliche Fächer sind für sowas geeigneter, wenn ich gehört habe, wer für was welche Note bekam.

      Was willst du später studieren?
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • Ah, okay, wenn es verboten ist, geht das natürlich nicht. Na, dann muss ich mal überlegen, wie ich die Verständlichkeit für mich selbst überprüfe.

      Ja, mein Lehrer meinte, dass mein Thema schlecht geeignet sei für eine BLL, aber ich sehe das auch anders.

      Ich schwanke im Moment zwischen einem musikalischen Studium und Geologie mit dem Schwerpunkt Paläontologie.
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle
    • Wenn mir jemand viel bedeutet, finde ich es auch unerträglich wenn er mich falsch einschätzt. In der Vergangenheit habe ich auch einiges versucht um besonders starke Fehleinschätzungen zu widerlegen. Aber das funktionierte nicht und wurde sehr negativ aufgenommen. Die Leute wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie über dich denken. Sie wollen auch nicht eingestehen einen Fehler gemacht oder dich ungerecht beurteilt zu haben. Darum halte ich solche Klärungsversuche für aussichtslos und kontraproduktiv.

      In deinem Fall halte auch ich es für sehr wahrscheinlich, dass es sich bei der Fehleinschätzung gar nicht um eine echte Einschätzung auf Grundlage deiner Leistungen handelt, sondern eher ein vorgeschobenes Argument darstellt um den beachtlichen Mehraufwand der Korrektur zu entgehen.

      Das Argument: ich habe keine Lust/Kapazitäten dafür ist sehr leicht angreifbar mit dem Argument: es ist sein Job.
      Das vorgeschobene Argument: du bist schriftlich nicht so gut, kann auch durch die Realität nicht so leicht entkräftet werden, weil dann Einschätzung von Lehrer und Schüler gegeneinander aufgewogen werden.

      Natürlich sollte deine Lehrkraft nicht aus Faulheit und Unaufrichtigkeit deine Fähigkeiten in Zweifel ziehen/dein Selbstbewusstsein untergraben, aber der denkt sicher nicht so weit.
    • seinn schrieb:

      Ich schwanke im Moment zwischen einem musikalischen Studium und Geologie mit dem Schwerpunkt Paläontologie.
      Ich nehme an, da sind die NC nicht besonders hoch.
      Dann würde ich dir auch raten, das zu tun, worauf du Lust hast, solange du bestehst.
      Aber wenn man Sachen tut, auf die man Lust hat, ist man meist automatisch gut oder besser, also kannst du kaum "verlieren".
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

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    • @Puk

      Wenn "Faulheit" eine Rolle spielt, sicherlich nicht primär.

      Ich glaube, es ist eher so wie @Chch sagt, dass er zwar wirklich keine Zeit/Willen hat, aber gleichzeitig denkt, er tut mir auch einen Gefallen. Ich glaube, das ist ihm sehr wichtig.

      Wahrscheinlich macht es nicht viel Sinn, zu spekulieren.

      Ich werde mal meinen neuen Fachlehrer fragen, was man machen kann. Die kennen sich untereinander ja auch besser und können da ganz anders miteinander sprechen.

      Abgesehen davon macht es wohl Sinn, mich auch mich selbst und meinen eigenen Wunsch zu besinnen:

      Ich möchte das machen, weil ich Lust drauf habe. Ich möchte einem Teilaspekt der Biologie durch die Zugabe geografischer Betrachtungsweisen dabei helfen, ernster genommen zu werden. Das kann ich nur durch eine wissenschaftliche Arbeit, die allen öffentlich zugänglich ist. Mir geht es nicht in erster Linie um die Note, sondern um idealistische Ziele.

      Das motiviert mich, treibt mich an.

      Bisher wollte ich meinen Lehrer beeindrucken und als ich gemerkt habe, dass ich es nicht kann, habe ich den Mut verloren und eine Schreibblockade bekommen. Selbst wenn ich in der BLL eine 1+ bekomme, sagt mein Lehrer sicher, dass ich Glück hatte. Anerkennung bekomme ich nicht.

      Ich darf es nicht für die Anerkennung machen, sondern muss es für meine Ideale machen.

      Der wissenschaftliche Teilbereich, dem ich mich widme, bekommt auch nicht viel Anerkennung. Vielleicht passen wir so ja zusammen und ich kann zumindest da etwas bewirken.

      Und wenn ich Anerkennung suche, sollte ich wohl zu den Lehrern gehen, die meine Leistungen schätzen. Allen voran meine Deutsch- und Englischlehrerinnen, deren Meinung über mich für eine schriftliche Arbeit ja auch zählen sollte.
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle

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